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Samstag, 14. Oktober 1950

SÜDKURIER

Nr. 125 / Seit® •

rend diejenigen, die in die westlichen Län­der (vor allem nach Mexiko ) flohen, oder gar diejenigen, die vor dem Zusammen­schluß gar nicht zur KP sondern zur SPD gehörten, systematisch hinausmanövriert werden. Grotewahl ist einer der wenigen alten SFD-Leute, die noch nicht ausge­schaltet wurden. Aber Ulbricht, Pieck, Zaißer (der Nachfolger Himmlers ), Acker­mann (der wirkliche Leiter des Außen­ministeriums) sind jahrelang in Moskau geschult worden, und das gibt ihnen ein entscheidendes Übergewicht über die andern.

Diese Vertrauensmänner des Kreml wer­den nach dem 15. Oktober alle Mittel ein- setzen, um den ostzonalen Staat auf dem Wege zu einer vollendeten Volksrepublik und zu einem Vorfeld des aggressiven Bolschewismus in Mitteleuropa energisch vorwärts zu treiben. Damit wird zugleich die bestehende Spaltung Deutschlands weiter vertieft und verlängert.

Die Gegenwehr der ostdeutschen Bevöl­kerung wächst offensichtlich an. Die Sammlung der Lebensmitteikarten in Ost­ berlin , die als Proteststimmen nach West­ berlin geschickt wurden, ging im Ostsek- top bereits so offen vor sich, daß manche

Geschäftsleute ln ihren Läden diese Ab­schnitte von ihren Kunden einsammelten, um sie gemeinsam nach Westberlin zu bringen. Trotzdem konnte diese private Volksabstimmung immer nur symbolhafte Bedeutung haben und der Belebung der Widerstandsbewegung dienen. Man war sich klar darüber, daß von den etwa 800 000 Stimmberech tigten des Ostsektors viele schon ihren ,.Stimmschein“, d. h. die September-Lebensmittelkarte weggewor­fen hatten und andere Furcht empfanden, Briefe mit dem Abschnitt in Westberliner Kästen zu werfen. Nicht auf die absoluten Zahlen, sondern' auf die Steigerung des Aktionswillens kam es bei diesem Pro­jekt an.

Das schon im voraus feststehende zahlen­mäßige Ergebnis der Ostzonen-Wahl vom 15. Oktober wird keineswegs die wahre politische Einstellung und den politischen Willen der ostzonalen Bevölkerung wider - splegeln. Auch die Begleiterscheinungen dieses Ereignisses lassen schon jetzt einen Schluß darauf zu, wie der Abwehrkampf der Deutschen in der Ostzone unter dem wachsenden Druck der Sowjets und ihrer deutschen Repräsentanten ebenfalls mit verstärkter Energie geführt werden wird.

USA wünschen deutsche Truppenkontingente

Gesamtplan zur Verteidigung Westeuropas soll beraten werden

WASHINGTON . Außenminister Adveson erklärte dieser Tage, die Vereinigten Staaten seien nach wie vor für eine Einqlie- derunp deutscher Truppenkontingente in eine künftige gemeinsame nordat’antisdie Armee. Es teilte mit, daß sich die zuständi­gen Regierungsstellen um eine Lösung der durch die neuen Einreisebestdinmungen ent­standenen Schwierigkeiten bemühen. Fer­ner gab er bekannt, daß es die Vereinigten Staaten für erforderlich halten, Lebensmit­tel nach Jugoslawien zu schicken. Die USA beabsichtigten nicht, erklärte er weiter, Truppen nach Indochina zu senden, sondern wollten die französischen Bemühungen lediglich mit militärischen Hilfslieferungen unterstützen. Acheson bestätigte, daß die USA zur Zeit mit Vertretern der Sowjet­ union und anderen Mitgliedstaaten der FemocStkommis&iou über einen Vorschlag für einen japanischen Friedensvertrag ver­handeln.

Hauptthema der Pressekonferenz war wiederum die Frage des deutschen Vertei­digungsbeitrages. Die Grundlage für die amerikanische Befürwortung einer deut­ schen Teilnahme an der geplanten inter­nationalen Streitmacht sei die Einstellung einiger „fortschrittlicher Politiker in der Bundesrepublik“, die die Ansicht zum Aus­druck gebracht hätten, daß die Deutschen an der Verteidigung der Bundesrepublik und der westlichen Welt teilnehmen soll­ten. Diese Bereitschaft sei die Basis der amerikanischen Vorschläge während der

New Yorker Konferenz gewesen. Acheson wies rundweg Behauptungen zurück, nach denen er vor französischen Politikern in New York erklärt haben soll, die Vereinig­ten Staaten würden keine zusätzlichen Trup­pen nach Europa schicken, wenn sich Frank­ reich nicht mit der Eingliederung deutscher Einheiten in die künftige atlantische Armee einverstanden erkläre. Er fügte hinzu, die Vereinigten Staaten hätten rin New York einen Vorschlag zur Gesamtfrage einer ge­meinsamen Streitmacht zur Verteidigung Westeuropas einschließlich der Verwendung deutschen Einheiten eingebracht. Darüber cyerde auf der Konferenz der Verteidi­gungsminister Ende Oktober in Washing­ ton verhandelt.

Dr. Ehlers Bundestagspräsident ?

BONN . Die ODU/CSU -Bundestagsfrak- tion beschloß mit Mehrheit, Dr. Hermann Ehlers für das Amt des Bundestagspräsi­denten Voranschlägen, In einer Stichwahl hatte Dr. Ehlers gegenüber dem Bundes­tagsabgeordneten Johannes Kunze die Mehrheit der Stimmen, auf sich vereini­gen können.

Wahrscheinlich wird die Fraktion auf einer der nächsten Bundestagssitzungen ihren Vorschlag für die Neuwahl des Bun­destagspräsidenten dem Plenum unterbrei­ten. Der bisherige Präsident Dr. Erich Köhler wird voraussichtlich sein Abgeord- neten-Mandat niederlegen, um in den Aus­wärtigen Dienst einanitreten.

Oesterreich will seine Freiheit verteidigen

Die Regierung wirft den Kommunisten Putschabsichten vor

ul*.

WIEN . Bundeskanzler Dr. Figl und In­nenminister Helmer erneuerten vor dem österreichischem Parlament ihre Beschul­digungen, daß die kommunistische Partei während der Demonstrationen und Streiks in den vergangenen Wochen einen Staats­streich geplant habe.

Bundeskanzler Figl bezeichnete den kommunistischen Versuch, die Hochöfen

WETTERVORHERSAGE da■ Amtlichen Landeswetterdienstes

Das mitteleuropäische Hochdruckgebiet schwächt «ich nur langsam ab und bleibt noch wetterwirk­sam. Aussichten bis Montagabend: Am Samstag Fortcfauer des heiteren Wetters mit zunehmen­der Erwärmung am Tage, Nachts recht kühl. Ab Sonntag zeitweilig bewölkt, aber höchstens ört­lich geringe Niedersdilagsneigung, in den Früh­stunden vielfach neblig. Leichter Rüdegang der Tagestempeiaturen. mäßige Winde aus Süd bis West.

100 DM in Zürich : 13. 10.: 80/81; 12. 10.: 79/80 sfr.

des Donewitzer Stahlwerkes in der Steier­ mark zu löschen, als- „den Höhepunkt des hochverräterischen Treibens der Kommu­nisten“. Unter dem Beifall des Hauses er­klärte er: „Die kommunistischen Draht­zieher müssen aber aus. den Ereignissen der letzten beiden Wochen die Lehre zie­hen: Man spielt nicht ungestraft mit dem Feuer, man kann sich dabei auch gehörig die Finger verbrennen. Es nützt auch die Unterstützung von auswärts nichts, wenn ein Volk entschlossen ist, die Freiheit zu verteidigen. Wir bleiben Oesterreicher , und da« bedeutet, daß Oesterreich frei bleibt.“

Innenminister Helmer wies an Hand von Aktenmaterial nach, in welchen Fällen die Kommunisten aktiv oder passiv von den sowjetischen Behörden unterstützt wurden. Er teilte mit, daß bei den Streikunruhen 115 Polizisten und 21 Gendarmen verletzt j wurden. Die Verantwortlichen für die I

Ausschreitungen bezeichnete der Minister wiederholt als „kommunistische Putschi­sten“. Ein Entriistungssturm brach unter den Abgeordneten los, als Helmer bei sei­ner Scfaüderung der kommunistischen Ter­rormethoden Stahlniten, Gummiknüppel und andere Schlagwerkzeuge vorwies, die nach den kommunistischen Ausschreitun­gen bei einer sozialdemokratischen Ver­sammlung in Dürnkrut sichergestellt wur­den waren.

Flüchtlingsgruppe im Bundestag

BONN . (W.-Eigenbericht). Im Bundestag ist der Kern einer ersten Flüchtlingsgmp- pe gebildet worden. Vier Bundestag-sabge- ordnete haben sich zu einer parlamentari­schen Gruppe „Deutscher Gemeinschafts­block der Heimatvertriebenen und Ent­rechteten“ zueammengeschlossen. Drei der Abgeordneten kommen aus der bayrischen WAV, der vierte ist der in Eßlingen ge­wählte unabhängige Abgeordnete Dr. Franz Ott. Die Gruppe steht in enger Ver­bindung mit dem „Bund der Heimatver­triebenen und Entrechteten“, der kijralich in Schleswig-Holstein eine Koalitions­regierung mit den bürgerlichen Parteien gebildet hat.

Gerat gemafiregelt

BONN . (W.-Eigenbericht.) Der Unter­suchungsausschuß, der zur Zeit in Bonn in aller Oeffentlichkeit angebliche Bestechun­gen von Abgeordneten untersucht, hat den einzigen ständigen Korrespondenten der ostdeutschen Presse, Wilhelm Karl Gerst , aus dem Sitzungssaal verwiesen. Gerst hatte in einem Artikel in der „Berliner Zeitung “ unter der Überschrift „Legale Schmiergelder“ behauptet, der SPD -Abge- ordnete Dr. Arndt habe vor dem Unter­suchungsausschuß gesagt, die Abgeordne­ten könnten ruhig aussagen, was sie aus- sagen wollten, sie könnten ohnehin nicht bestraft werden. Richtig ist an dieser Dar­stellung, daß Dr. Arndt erklärt hat, di« Bestechung von Abgeordneten sei im Gegensatz zur Beamtenbestechung nicht strafbar. . _

Polizei untersteht den Ländern

Ueber die Finanzierung wird erneut verhandelt

BONN. fW.-Efcjenibericht.) Die Innenmini­ster der Länder haben am Freitag bei einer Konferenz in Bonn , zu der der bayerische Innenminister Ankermüller emqeiaden batte, Uebereihstimmung über die Aufstel­lung der Bereitschaftspolizei in den Län­dern erzielt. Es steht nunmehr fest, daß die neuen Polizei-Einheiten ausschließlich den Ländern unterstehen werden und der Bund keinen Generalinsoekteur stellen wird, son­dern nur über einen Ministerlaiausschuß der Länder ein gewisses Mitwirkungsrecht erhält. Dies entspricht dem Wunsch der Bundesregierung selbst.

Ein Kommunique weist darauf hin, daß das Uebereinkommen der Innenminister nunmehr den Kabinetten der Länder vor- gelegt werde. Es heißt jedoch, daß die Po­lizei entsprechend der bisherigen Stärke der Polizei in den Ländern aufgeteilt wer­den soll, so daß die Länder, die bisher schon eine starke Polizei hatten, nun ver­hältnismäßig wenig neue Polizisten erhal­ten sollen. Württemberg-Baden soll zum Beispiel nur etwa eintausend Polizisten er­halten, Baden dagegen relativ mehr. Ueber die Finanzierung der Polizei ist man sich jedoch nach wie vor noch nicht schlüssig.

Zum „Studium der Demokratie”

NEW YORK . Vierzehn Techniker aus der deutschen Bundesrepublik, die im Rah­men eines Programmes der USA -Regie- rurag „zum Studium der Demokratie' nach den Vereinigten Staaten reisten, befinden sich unter den nach den Bestimmungen des neuen USA -Staatssicherheitsgesetzes auf der Einwandererinsel Ellis Island festge­haltenen Personen.

Gewitterbildung beim Steuerzahler

MÜNCHEN. Der Wetterdienst des ame­ rikanischen Besatzungsgebietes in Bad Kissingen erscheint dem Haushalltsaus- schuß des bayrischen Landtags zu kost-

Die Vereinbarung der drei Länder

WILDBAD . Die in Wildbad zwischen den drei Länderchefs getroffenen Verein­barungen haben folgenden Wortlaut:

1. Die Landesregierungen von Württem­ berg-Baden und Württemberg-Hohen- zollern nehmen von den Vorschlägen des Landes Baden Kenntnis, durch ein Verwaltungsabkommen eine Ar­beitsgemeinschaft zwischen den drei Ländern Württemberg-Baden , Baden und Württemberg-Hohenzollem zu bil­den.

2. Beide Regierungen sehen darin den Vorschlag einer Uebergangsregelung, die aber in einer noch zu bestimmen­den Frist durch eine konstituitive Volksabstimmung ihr Ende findet, über deren Bedingungen weitere Verhand­lungen zu führen sind.

3. Die Regierungen von Württemberg-Ba­ den und Württembefg-Hohenzollem werden nutlmehr über die Vorschläge des Landes Baden beraten. Die drei beteiligten Regierungen werden am Dienstag, den 7. November 1950, erneut zu sammentreten.

4. Zur Vorbereitung dieser neuen Kon­ferenz wird ein Ausschuß von neun Sachverständigen gebildet, zu dem je­de Regierung drei Mitglieder entsendet, die bis zum 15. Okt. 1950 zu benennen und bis spätestens 2. 11. 1950 Ihre Vor­schläge den beteiligten Landesregierun­gen zu unterbreiten haben.

5. Die Sachverständigen sind der Landes­regierung von Württemberg-Hohenzol- lem zu benennen, die sie auch zusam­menberufen wird.

Ziel: Abschluß eines Verwaltungs- Abkommens

Der Vereinbarung sind als Anlage fol­gende Vorschläge des Landes Baden bei­gefügt:

Das Land Baden schlägt eine Fortset­zung der Verhandlungen über die Neurege­lung jm südwestdeutschen Raum unter den beteiligten Ländern vor. Er regt an:

1. Eine engere Arbeitsgemeinschaft zwi­schen den drei Ländern mit dem Ziel, die gemeinsamen Fragen und Aufgaben im gegenseitigen Einvernehmen zu lösen.

2. Im einzelnen wird vorgeschlagen: a) gegenseitige Unterrichtung über wich­tige innerstaatliche Vorgänge durch Be­stellung von Koordinierungs-Referenten bei den anderen Regierungen, b) Gegen­seitige Abstimmung der künftigen Gesetz­gebung nach Inhalt und Wortlaut zwischen den drei Ländern, c) Angleichung des seit 1945 erlassenen auseinandergehen­den Landesrechts, d) Annäherung der Ver­waltungsorganisation zum Zwecke der Vereinfachung, e) Einheitliche Behandlung der Schulan go ta ge nheiten aller Sparten.

f) Gemeinsame Vereinbarungen über die Stellungnahme zu Bundesangelegenheiten.

g) Verständigung über die von den drei

Ländern einzunehmende Haltung im Bun­desrat. h) Gemeinsame Verwaltung gewis­ser wirtschaftlicher Angelegenheiten, i) Interner Wirtschaftsausgleich, k) Gegen­seitige Teilnahme an den wichtigen Kabi­nettsitzungen der anderen Länder unter Beteiligung auch der Landesdirektionen Karlsruhe . 1) Bildung eines interparla­mentarischen Ausschusses zur Bespre­chung der gemeinsamen Angelegenheiten unter angemessener Berücksichtigung des Landesbezirkes Baden. .

3. Eine Erweiterung der vorgeschlagenen Arbeitsgebiete ist durchaus möglich, etwa bezüglich des horizontalen Finanzaus­gleichs.

4. Zur Ermöglichung der vorgeschlage­nen Arbeitsgemeinschaft wird der Ab­schluß eines Verwaltungs-Abkommens in Aussicht genommen.

spielig. Kultusminister Dr. Akäs Hund- hammer teilte im Ausschuß mit, daß die­ses aus der technischen und personellen Hinterlassenschaft der ehemaligen deut­ schen Luftwaffe stammende Institut einen Ministerialdirigenten als Präsidenten, einen Vizepräsidenten, drei Direktoren, 18 Oberregiemmgsräte, 46 I Reflarungsnäte, fünf Amtmänner und. 58 Hilfskräfte, die hoch bezahlt werden, beschäftigt Es diene nur militärischen Zwecken und den Inter­nationalen Luftverkehrsgesellschaften.

Vier Menschen verschwunden

NÜRNBERG . Im gesamten Bundesgebiet wird zur Zeit nach den beiden Bamberger Ärzten Dr. Karl Zeller und Dr. Willi Englert, dem Erlanger Gastwirt Hans Pfi­ster und Frau Frieda Zeller gefahndet, die seit Montagmorgen 1 Uhr spurlos ver­schwunden sind. Die vier Verschwundenen beteiligten sich am vergangenen Sonntag an einem Verbindungstreffen der Bur­ schenschaft „Frankonia“ in Nürnberg - Zabo . Gegen 1 Uhr nachts traten sie in einem neuen Opel Olympia mit dem Kenn­zeichen AB — 577 389 die Heimfahrt über Erlangen nach Bamberg an. Seitdem wur­den sie nicht mehr gesehen. Die Polizei steht vor einem Rätsel.

Keine Senkung der Kaffee-Steuer

BONN . Die Bundesregierung beabsichtigt vorläufig nicht, die Kaffee- und Zigaretten­steuer herabzusetzen. Das Bundespresse­amt teilt dazu mit, daß nach Ansicht der Regierung „jede Senkung der Steuersätze ein gewagtes Experiment bedeutet, das zu Einnahmeausfällen führen kann.“ Die ernste Haushaltslage des Bundes gestattet aber derartige Maßnahmen nicht.

Fleiß strafbar — ln England

BIRMINGHAM . Der Fabrikarbeiter Alfred Philpott aus Birmingham wurde von seiner Gewerkschaft von der' Arbeit ausgesperrt. Er hatte die Gewerkschaft verklagt, die seinen zwanzigjährigen Sohn wegen „allzu großer Arbeitsleistung“ mit einer Diszipli­narstrafe von 2 Pfund Sterling belegt hatte. John Philpott, der in derselben Fabrik wie sein Vater arbeitet, hatte seine Ar­beitsleistung so gesteigert, daß er einen Stundenlohn von 3 Schilling 6 Pence (etwa 2,20 DM) erreichte. Seine Gewerkschaft ließ ihm daraufhin nutteilen, er dürfe nur 3 Schilling 4 Penoe in der Stunde verdienen und bestrafte ihn mit zwei Pfund Sterling (etwa 24 DM). Nach der Gewerkschaftssat­zung können Mitglieder, die gegen die Sat­zung verstoßen, gemaßregelt werden. Bei ihrem Eintritt müssen eich die Gewerk­schaftsmitglieder verpflichten, sich gegebe­nenfalls den Disziplinarstrafen zu beugen.

Ein Toter - 24 Verletzte

KONSTANZ . (Eigenbericht.) Der Schnell­triebwagen Konstanz—Offenburg tot ge­stern Freitag gegen 17.20 Uhr bet Nieder­wasser zwischen Triberg und Hausach von dem herausragenden Holzteil eines entge­genkommenden Güterzuges gestreift wor­den. Dabei wurden die Fensterscheiben des Triebwagens zertrümmert und 25 Rei­sende verletzt. Wie wir von der Eisen­bahndirektion erfahren, tot ein Reisender inzwischen seinen Verletzungen erlegen. Der tödlich Verunglückte tot ein Kunst­maler aus Karlsruhe . Sieben der Verletz­ten wurden ins Krankenhaus Hornberg gebracht; die anderen Verletzten konnten 'die Fahrt fortsetzen.

SUDKURIER

Verantwortlich für Politik: Konrad Gunst. Noch- riebtendienst: Graf Ludwig Douglas . Wirtschaft: Dr. Gustav Adolf Groß.* Feuilleton: Ludwig Emanuel Reindl. Heimat:" Alois Beck, Herbert Steiuert. Sport: Alfred Strobel. Chef vom Dienst: Helmut Jacobsen. Verlag: Südkurier GmbH., Konstanz , Marktstätte 4.Druck: Druckerei Konstanz

Finden Sie, daß Sibylle sich richtig verhält?

Bemerkungen zu einer Uraufführung in Konstanz

Der geneigte Leser weiß natürlich so­fort, daß die Ueberschirift zu dieser Kri­tik ein Plagiat, also gestohlen ist und außerdem gar nicht stimmt. Denn die Ko­mödie,von Friedrich Schreyvogl , die am Donnerstag im „Theater am Bo­densee“ uraufgeführt wurde, trägt dien Titel „Der Liebhaber“.

Trotzdem scheint dem Rezensenten — („schlagt ihn tot, den Hunji —. er ist ein Rezensent“, hat Gothe einmal empfohlen) — die zweifelnde Frage, ob Constanze sich richtig verhalten habe, die vor über zwan­zig Jahren einem Lustspiel den Titel gab, auch auf Sibylle, eine Hauptfigur in Schrey- vogls Stück, abzuwandeln möglich.

Was aber tut denn eigentlich Sibylle, Frau eines Arztes und Mutter einer zwan­zigjährigen Tochter, um auch über ihr Verhalten Bedenken zu äußern? Nun, da kommt in Sibylles Haus ein leibhaftiger Don Juan, der nicht nur ein solcher ist, sondern, nach dem Willen des Autors und der Symbolik wegen, auch tatsächlich so heißt. Das hoffnungsvolle Töchterchen Nora verliebt sich prompt in den Herrn Baron , als welcher dieser Don Juan stan­desgemäß aufzutreten hat Um Unheil zu verhüten, erfindet Mutter Sibylle eine tolle Schwindelgeschichte: Nora sei gar nicht die Tochter des braven Mannes Manfred, sondern eine Jugendsünde, begangen mit Dion. Juan. Dies wird dem liebes tollen Baron gesagt der Nora mit sich auf eine Weltreise nehmen will, von ihm erfährt es der, begreiflicherweise nicht erfreute, bis dahin sich für den Vater Noras haltende Arzt danach euch Nora selbst Natürlich, da das Stück eine Komödie sein soll, löst sich alles in Wohlgefallen, nach einigen Mißverständnissen und Verwicklungen, die nebst anderen Zutaten auf das Konto „abendfüllend“ gesetzt werden können.

Es erhebt sich aber die Frage, ob zum I

Zweck der — und sei es auch der leichte­sten — Unterhaltung auf solche Weise mit Dingen gespielt werden darf und soll, die an die Grundlagen und Grundfragen menschlichen Zusammenlebens rühren. Auf solche Weise: da« wr'll sagen, daß Schreyvogl im seichten Wasser des Schwanks plätschert, wo er die Fahrt in die größeren Tiefen der echten Komödie — mit tragischem Untergrund — hätte wagen müssen, daß oberflächliche Kon­versation. auf deutsch bühnenmäßiges Sa­longeschwätz, veranstaltet wird, wo Dia­loge notwendig gewesen wären, die das Problem ernsthaft behandeln (was den Ton und die Stimmung der Komödie nicht nur nicht ausschließt, sondern gera­dezu beinhaltet). Hier wird aber nur je­weils eine Situation gestellt, statt eine Ent­wicklung gegeben. Das erste kt Lust­spiel-, Schwank- oder Possenart, das zweite aber verlangt die Komödie, die nicht auf dem Boden der Komik wächst, sondern im Humor wurzelt, der allerdings immer wieder, so auch hier, mit der Ko­mik verwechselt wird. Echter Humor ist im tiefsten Grunde pessimktisch, ja sogar tragisch. Und es kt sicher, daß von sol­chem Humor als tragischem Lebensgefühl her, der nicht nur weltanschaulich, sondern auch charakterlich bedingt kt, der Stoff des Schreyvoglschen „Liebhaber“ zu einer wirklichen Komödie hätte geformt wer­den können. Friedrich Schreiyvogl — Trä­ger eines berühmten Namens, der Urgroß- onkel Joseph Schreyvogl war Leiter des Wiener Burgtheaters, der dramaturgische Erzieher dieser Bühne und «eines Freun­des Grillparzer — ist den Problemen: Not­lüge aus Angst um das Kind, tragische Be­lastung de« Vertrauens zwischen Eheleu­ten, Verantwortung der Vaterschaft, aus- gewichen. Er deutet sie an und gleitet defnn, statt die Notwendigkeit eines Ge­schehens vom Charakter der Menschen

her zu begründen, auf den ausgefahrenen Gleisen des Lustspiek dahin. Dabei macht §r gelegentlich dramaturgische Sprünge, die der psychologischen Glaubwürdigkeit seiner Handlung keineswegs dienlich sind. Schreyvogl kt auch der im Kocnödien- Schreiben verborgenen Gefahr unterle­gen: der Verlockung nämlich, allzu hin­tergründig zu werden. Die Folge ist bei der Absichtlichkeit solchen Bemühens, denn auch prompt das Steckenbleiben in der Vordergründigkeit, die durch sogenannte Aphorismen, die Tiefe eines nicht vor­handenen Hintergrundes vorzutäuschen versucht, die Vordergründigkeit konven­tioneller Lustspiel- und Schwanksituatio­nen wird auch nicht aufgehoben durch die wie aufgeklebt wirkenden Szenen, in der die heutige Jugend, die in Ruinen­städten leben muß, gegen die alte Genera­tion in — nicht überzeugenden — Gegen­satz gestellt Wird.

Wird ajper — und damit soll die als Ueberschrift gewählte Frage beantwortet werden —■ eine Frau, um einen uner­wünschten Galan von der Tochter femzu- halten, zu solchem Mittel greifen, wie Si­bylle es ln Schreyvogls Stück tut? Wird sie, wenn ihr schon kein besseres einfällt, nicht ihrem Mann schon vorher den Schwindel mitteilen? Würde eine Frau, die ihren Mann liebt, nicht sofort zu ihm gehen, wenn sie erfährt, daß er, verletzt und getroffen von der Mitteilung von dem angeblichen früheren Treuebruch, aus dem Haus geflohen ist? Würde sie die­sen Mann eine ganze Nacht in seiner Qual allein lassen? Würde der Mann, auf der anderen Seite, nicht zuerst von seiner Frau Rechenschaft und Klärung fordern? Diese Fragen stellen heißt wohl, sie ver­neinen.

Das Publikum der Uraufführung schien zum größten Teil diese Fragen nicht zu stellen. Es erfreute sich an den psycholo­gischen wie dramaturgischen Unge­reimtheiten ebenso wie an harmlosen Wortwitzen, was der Beifall auf offener Szene, angefeuert von dem anwesenden,.

seine eigenen Pointen beklatschenden Autor, bewies.

Die Inszenierung besorgte Hans Hen­nen. Etwas mehr Straffung im Spiel und noch einige kräftige Striche im Text brächten wohl eine konzentriertere Wir­kung, die dem dünnblütigen Werk zu gute käme. Die Cocktail-Party im zweiten Akt müßte noch viel flüssiger und beweglicher werden. Elfriede Paust, als Gast aus Karlsruhe , spielte die Sibylle mit charmanter Beweglichkeit, und, soweit die Rolle es möglich machte, mit überlegenem Humor. Max Dietz war, als Arzt Man-\ fred, einige Grade z u still und beherrscht. Werner Ehret, ebenfalls Gast aus Karkruhe, gab seinem Don Juan Züge eines schönen Mannes aus einem Mode- joumal und entwickelte Verführungs­künste, die einem kleinen Mädchen, das noch nie in einem Kino war, zweifellos Eindruck machen würden. G u d r u n Bayer als Nora, blieb im Spiel zu starr und gekünstelt. Man glaubte ihr nicht das Mädchen, das, in Freiheit von allzu stren­ger Zucht aufgewachsen, entschieden ab­lehnt, etwas mit Jbsens Nora und deren Puppenheim gemein zu haben. Rose­marie Reymann stellte die eindrück- lichste Figur des Abends auf die Bühne, sie hatte den für eine junge Schauspiele­rin beachtenswerten Mut, unsympatipeh auszusehen, und es gelang ihr, die Ge­hemmtheit des armseligen Geschöpfes, das sie darzustellen hatte, überzeugend zu machen. Unter den kleineren Rollen ge­fiel das jungenhafte Spiel von Gerhard Kauffmann am besten.

Der lebhafte Schlußbeifall rief neben den Darstellern auch den Autor und den Regisseur auf die Bühne.

Dr. W. Manggold

Die Bamberger Symphoniker wurden auf Grund ihres überragenden Er­folges unter Prof. Clemens Krauß in Zürich für weitere acht Konzerte in der Schweiz verpflichtet

KULTURNACHRICHTEN

Friedrich Schnack in Überlingen , Mitglied der „Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung “ in Darmstadt , wurde auch von der „Akademie der Wis­ senschaften und der Literatur “ in Mainz zum ordentlichen Mitglied gewählt. Von ihm erschienen neuerdings die Romane „Sebastian im Wald 1 *, „Der glückselige Gärtner“ und .Klick aus dem Spielzeug­laden“. Vielen Freunden des Bodenseee hat zuletzt sein kleines Mainau -Buch „Der Garten im Bodensee “ Freude bereitet

D er Kunst verein Freiburgim Breisgau eröffnet am 15. Oktober die Kollektiv-Ausstellung de« 80jährigen Ma­lers William Straube , Neufrach , mit Ge­mälden, Aquarellen, Pastellen und Zeich­nungen aus den Jahren 1895—1960.

Professor Dr. Nicolai Hart­mann, emeritierter ordentlicher Profes­sor für Philosophie an der Georg-August- Universität Göttingen , ist am Miontagabend im Atler von 68 Jahren an einem Schlag­anfall gestorben. Professor Hartmann , der als einer der führenden deutschen Philo­sophen galt, war am 25. September dieses Jahres nach Erreichen der Altersgrenze entpflichtet worden. Professor Hartman», in Riga geboren, habilitierte sich nach sei­nem Studium in Dorpat Petersburg und Marburg , 1909 in Marburg , wo er 1920 or- - dentlicher Professor wurde. 1925 erhielt er : t den Lehrstuhl für- Philosophie an der Uni- k versität Köln. Sechs Jahre darauf wurde ^ er in der gleichen Eigenschaft an die Uni- *. versität Berlin berufen. Seit 1946 beklei- = dete er den Lehrstuhl für systematisch« ? Philosophie an der Universität GöttingeO- |

cxerumpei aer uachKammern emes ßau emhauses in Boretto bei reggio emilia i® Norditalien aufgefunden. Das Instrument das signiert ist, hat die Bauernfamfii® angeblich vor etwa 50 Jahren von einer® Schäfer erworben.

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