Donnerstag, 8. März 1951
SÜDKURIER
Nr. 38 / Seite 4
Hat das Handwerk goldenen Boden?
Unterschiedliche Entwicklung in Stadt und Land — Neueste amtliche Statistik
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Bonn . In der wirtschaftlichen Lage der einzelnen Handwerkszweige ist auch weiterhin ein deutlicher Unterschied zwischen dem städtischen und dem ländlichen Handwerk festzustellen. Es werden auf dem Lande in der Hauptsache vordringliche Reparaturarbeiten vergeben', die an den landwirtschaftlichen Fahrzeugen und Geräten während der Land- und Erntearbeit erforderlich geworden sind. Der bemerkenswert geringe Bedarf an Neuanfertigungen und selbst an Ersatzteilen wird darauf zurückgeführt, daß in den bäuerlichen Betrieben aus der Zeit vor der Währungsreform noch genügend Ackerwagen, Wagenräder, Deichseln, Geschirre und dergleichen vorhanden sein dürften. Aber auch ganz allgemein sind im Handwerk von dem wirtschaftlichen Aufschwung durchaus nicht alle Betriebe gleichmäßig erfaßt worden. Die Ursache dieser unterschiedlichen Entwicklung ist zumeist in einer mehr oder minder starken, sowohl örtlichen als auch strukturell in Erscheinung tretenden Uebersetzung mancher Handwerkszweige zu suchen.
Die gute Beschäftigung im Hochbau hielt im letzten Quartal 1950 bis in den Dezember hinein an. Der Straßen- und Tiefbau konnte noch keine befriedigenden Aufträge verbuchen. Es dürften in der Hauptsache Notstands- und Kanalisationsarbeiten durchgeführt werden. Andere Sparten des Baugewerbes, u. a. das Gipser-, Verputzer-, Zimmerer- und Fliesenleger- handwerk waren laufend und gut, in einzelnen Gebieten überreichlich beschäftigt.
Die umfangreiche Neubautätigkeit brachte auch dem Klempner- und Installateurhandwerk einen guten Auftragsanfall, hier gestaltete sich allerdings die Beschaffung des erforderlichen Installationsmaterials einschließlich der sanitären Keramiken immer schwieriger.
Dem Schlosser- und Maschinenbauerhandwerk gab die Aufarbeitung des vorhandenen Auftragsbestandes im allgemeinen eine gute Baschäftigungsgrundlage.
Im Schmiedehanäwerk ist die Lage unverändert schlecht, soweit es sich um Betriebe handelt, die sich überwiegend mit Kufbeschlag und kleineren oder einfacheren Reparaturen beschäftigen.
Die Lage der Betriebe der erzeugenden Mechanik war, soweit die Berichte einen Schluß darüber zulassen, leidlich gut; bei den Fahrradmechanikern war ein sai
sonbedingter Rückgang spürbar. Das Büro- maschinenmechanikerhandwerk hatSchwie- rigkeiten, die Steigerung der Löhne und Materialkosten mit den erzielbaren Stundenverrechnungssätzen für Schreibmaschi- nen-Reparaturen in Einklang zu bringen.
Im Gegensatz zu diesen im allgemeinen günstigen Entwicklungstendenzen hat sich die Besserung der Beschäftigungslage im Kraftfahrzeug-Reparaturhandwerk nicht fortgesetzt, hier ist vielmehr eine Verschlechterung eingetreten,
Das Uhrmacherhandwerk war mit Reparaturaufträgen ausreichend versorgt. Die Verkaufsumsätze aus dem Weihnachtsgeschäft wurden zumeist als gut bis sehr gut bezeichnet. In den holzverarbeitenden Handwerken hatten nicht nur die Bau-, sondern auch die Möbeltischlereien ausreichend Aufträge. Die Lage im Bürsten- und Pinselmacherhandwerk war nur im Exportgeschäft gut.
Im Herrenschneiderhandwerk waren die städtischen Betriebe mit qualitativ guten bis hochwertigen Leistungen weiterhin gut
beschäftigt, in den mittleren und kleineren Betrieben, in denen der Wettbewerb der Konfektion stark spürbar wurde, war dagegen ein erheblicher Auftragsrückgang zu beobachten. Das Damenschneiderhandwerk berichtet ebenfalls von befriedigenden Auftragsbeständen.
Im Schuhmacherhandwerk hat — etwa seit dem Jahre 1949 — die Zahl der beschäftigten Arbeitskräfte laufend und repht erheblich abgenommen, die augenblicklich vorhandenen Kräfte sind im allgemeinen ausreichend beschäftigt.
Im Bäckerhandwerk haben sich die Brotumsätze seit 1948 ständig verringert und waren auch im letzten Quartal 1950 größtenteils weiterhin rückläufig, kaum dagegen der Umsatz an Fettbackwaren, der weiterhin beachtlich blieb.
Die Konditoren berichten von guter Beschäftigung. Aus dem Fleischerhandwerk wird berichtet, daß der vor dem Kriege bei etwa 54 kg je Kopf der Bevölkerung liegende und in der Zeit der Bewirtschaftung stark abgesunkene Jahreskonsum an Fleisch und Fleisch waren allmählich wieder auf rund 40 kg angestiegen ist. Vornehmlich der Verbrauch von Schweinefleisch hat sich merklich erhöht.
Sportdienst des Südkurier
Wird Skifliegen international anerkannt?
Gespräche am Rande der Oberstdorfer Skiflugwoche — Sigmund Ruud beeindruckt
Weltprodnklion an Nahrnngsmiffeln steigt
Europa braucht weniger Einfuhren — Amerikas Produktionskraft
Hamburg . Die W-eltproduktion an Hauptnahrungsgütern ist im Jahre 1950 um 2% gegenüber 1949 gestiegen und liegt über Vorkriegsstand. Australien und Neuseeland stehen in der Nabrungsmittelversorgung an erster Stelle, obwohl der Exportüberschuß an australischem Weizen geringer sein wird. Selbst in der Sowjet union hat sich die Ernährungslage in den letzten zwei Jahren etwas verbessert. Auch für den Mittleren Osten war das Jahr 1950 gut. Die Aussichten für den Fernen Osten und Südost-Asien sind günstiger geworden, dagegen hat sich die Lage in Indien verschlechtert.
In Europa hat 6ich mit Ausnahme von Grie chenland und dem Donaubecken die Produktion an Nahrungsmitteln erhöht, so daß in Zukunft geringere Importe notwendig sind und doch der Stand der Versorgung aufrecht erhalten bleiben kann. In den Vereinigten Siaaten sind im Jahre 1950 12% mehr Nahrungsmittel verfügbar gewesen als vor dem Kriegei bei der Fleischerzeugung dürfte noch eine weitere Steigerung eintre- ten. Ebenso kann mit einer weiteren Steigerung der landwirtschaftlichen Erzeugung in Latein- Amerika gerechnet werden, das schon tan Vorjahr einen Höchststand erreicht hatte.
31. süddeutsche Häuteauktion
Stuttgart . Bei flottem, jedoch nur teilweise einheitlichem Gebot und fester Stimmung wurden
Frankfurt . Mit Wirkung vom 5. März hat die Adam Opel AG die Preise für ihre Kraftfahrzeuge gesenkt. Die Werksleitung begründet die Preissenkung damit, daß der Wiederaufbau des Werkes zu einem Abschluß gekommen, die Ergänzung und Erneuerung des Maschinenparks zum Teil durchgeführt sei und aus den Nachkriegserträgen keine Dividenden ausgeschüttet wurden. Opel und General Motors sind überzeugt, daß mit dieser Maßnahme der Verbraucherschaft und damit der deutschen Wirtschaft unmittelbar ein fühlbarer Dienst geleistet wird.
Gleichzeitig will die Firma mit dieser Preispolitik, die an die Opeü-Tendenz der Vorkriegsjahre anschließt, vor der Oeffentlichkeit einen festen Punkt in der gegenwärtigen Teuerungspsychose schaffen- Angesichts der Tatsache, daß ein Automobil zur Hauptsache aus Eisen und Stahl besteht, aus Rohstoffen also, deren Preise in der letzten Zeit fortgesetzt herauigegangen sind, wird diese Ankündigung der Opel AG als mutiger Schritt empfunden. Das Rüsselshedmer Werk hofft, die neue Preisgrundlage halten zu können, vorausgesetzt, daß nicht weitere wesentliche Preissteigerungen eintreten und die Produktionszahlen als Folge außerhalb des Werkes liegender Entwicklungen nicht absinken.
An der deutschen Personenkraftwagen-Erzeugung war die Firma Opel im vergangenen Jahr mit über 25% beteiligt. Für 1951 plant Opel den Bau von 95 000 Fahrzeugen. Daneben werden große Produktions-projekte vorbereitet, um die Möglichkeit zu erhalten, langsam wieder an die
Celia im Spiegel
Romanum eine schöne Frau von Roland Marwitz 36) Copyright by Münchner Roman-Verlag,
Als sie auf die Straße traten, reichte ihm der Anwalt die Hand. „Sie verzeihen, wenn ich Sie allein lasse, aber ich muß noch zu einer wichtigen Besprechung mit Doktor Aletti, meinem großen Kollegen. Uehrigens verdanken Sie es seiner Initiative, daß Sie so schnell entlassen wurden.“
Bert Gött wollte etwas erwidern, da aber sah er, wie sich von der grauen Wand eine Gestalt löste: Stefan Bentinck.
Bert machte eine Bewegung, als wollte er dem Freunde entfliehen, aber Bentinck keim ruhig auf ihn au und streckte ihm die Hand entgegen. Einen Augenblick zögerte Bert Gött, sie anzunehmen, dann aber reichte er Bentinck doch die Hand, nur war sein Druck kraftlos und flüchtig. „Ich habe die Abendzeitungen bereits gelesen“, sagte Bert, und er versuchte es lächelnd zu sagen, „ich weiß also, was du für mich getan hast.“
„Ich habe kaum etwas für dich tun können, Bert. Wenn du jetzt frei bist, so verdankst du das nicht mir, sondern Viola.”
„Viola? Weißt du, daß Viola Celias Schwester ist?”
„Natürlich weiß ich das, Bert.”
„Ja, natürlich. Weniger natürlich erscheint mir, daß die beiden Schwestern sind.”
Sie gingen durch dunkle Straßen, und zuweilen kamen Treppen, die in tiefe Schächte zu führen schienen. Plötzlich blieb Bert Gött stehen. Er lehnte sich an ein eisernes Geländer, und er atmete schwer, ehe er zu sprechen begann. „Wo wolltest du hin mit mir?”
„Ich hoffe, daß du in mäin Hotel kommst. Auch Viola wartet dort, und für dich ist ein Zimmer reserviert.”
„Danke. Noch habe ich ja meine Woh-
Opel-Vorkriegskapazität anzusdiließen, die für ■Rüsselsheim im Jahre 1938 120 000 Fahrzeuge aus- madite. Mit einem Anteil von 36% stellt Opel an der Spitze des gesamten deutschen Kraftfahrzeug-Exportes. Audi io diesem Jahr wird Opel alle seine tedinisdien und finanziellen Möglichkeiten ausnutzen, uin im Exportwettbewerb' an maßgeblicher Stelle zu slehen. Die seitherigen Er-, gebnisse der Bemühungen von Opel gerade auf dem Ausfuhrgebiet, geben eine Vorstellung von den durch die Zusammenarbeit mit General Mo tors gebotenen Möglichkeiten.
Ueber die technischen Einzelheiten, Verbesserungen und die Preisgestaltung der jetzt für 1951 zum Verkauf freigebenen Opelwageo folgt ein weiterer Bericht.
Du und der Motor. Eine moderne Motorenkunde für jedermann, von Edwin P. A. Heinz«, mit 172 Zeichnungen und 24 Tafeln. Verlag des Druckhau- ses Tempeihof, Berlin , 431 Seiten, Gzl. 14 DM.
Es gibt viele Bücher über Kraftfahrzeuge. Meistens beschreiben sie systematisch die verschiedenen Bestandteile des Fahrzeugs und des Motors und erklären auch die Arbeitsweise dieses wichtigsten Teils des Kraftwagens, jedodi ohne auf das viel interessantere und vielfach wichtigere „Warum" näher einzugehen. Das holt der Verfasser, ein gewiegter Fachmann in diesem Buche nach. Frei von jedem Schema plaudert er in leidit- verständücher Weise über die Geheimnisse des Motor«.
nung, mein Atelier. Wie aber kommt es, daß du im Hotel wohnst? Du hast doch dein Zimmer im Hause Celias?”
„Es war dein Zimmer, Bert. Ich war dort nur Gast.”
„Ich auch nur, Stefan. Aber wir kommen nicht um die Frage herum, die getan werden muß: Du oder ich?”
„Ich habe kein Recht an Celia, Bert.”
„Ich auch nicht. Das Recht an einer Frau hat nur der, der es sich nimmt. Ich saß im Gefängnis. Du hattest gute Chancen."
„Ich bin nicht der Mann, der gute Chancen nutzt, wenn sie so sind, Bert.”
„Du brauchst mich weder zu schonen noch zu belügen. Du darfst mir ruhig sagen, daß du Celia liebst.”
„Ich weiß nicht, ob es Liebe ist”
„Du sprichst wie mein Echo. Ich habe es selbst nie gewußt. Ueber zwei Jahre habe ich es nicht gewußt, was das ist, was mich zu Celia zog.”
„Ich brauche dir nicht zu sagen, daß ich verzichte, Bert.”
„Du sollst nicht verzichten. Du sollst kämpfen.”
Bentinck lächelte. Er legte seine Hand auf Berts Schulter und der Freund duldete es. „Wir können doch nicht mit dem Florett aufeinander losgehen. Bert, ich bin zwar ein alter Komödiant, doch im Leben liebe ich solche Szenen nicht. Ich kann nichts anderes tun als sagen, daß ich nicht der Mann bin, der dem Freunde die Geliebte nimmt. Das ist entschieden.”
„Das hast nicht du zu entscheiden. Nicht du und nicht ich. Das vermag allein Celia.” Bert Gött riß sich vom Geländer los, er taumelte die Stufen abwärts, und Bentinck griff nach seinem Arm, um ihn zu halten.
41.
Sie saßen sich auf der Terrasse gegenüber und obschon es noch nicht ganz dunkel war, schaltete Celia das Licht der Stehlampe ein. Man sah die Teetassen und die Likörgläser; Celia bot Alice die Konfektdose erneut an. Alice dankte. Wie seltsam
am ersten Tag der 31. süddeutschen Häutezentral- auktion in Stuttgart -Feuerbach 24 025 Kalbfelle, 16116 Groftviehhäute, 3616 Schaffelle und 282 Roßhäute aus Bayern restlos verkauft.
Die Preise bewegten sich mit wenigen Ausnahmen in der Höhe der süddeutschen Februar- bzw. der Mainzer Auktion. Im einzelnen zogen Kalbfelle um ca. 2%, mittlere und schwere Häute einschließlich Roßhäute um 6—6% und Blößen bis zu 10% an.
Folgende Preise wurden erzielt: Kalbfelle bis 4,5 kg 8.53i—8.60: 4,6—7,5 kg 7.66—7.70: über 7.5 kg 6.70: norddeutsche Kalbfelle 7.80: Schuß Kalbfelle 4.35. WoUIelle, gesalzen: voll 5.22: halb 4.50; kurz 3.60- Blößen gesalzen: 2.10%—2.34%. Fres- serfelle: 5.—, Leichte Ochsen-, Rinder-, Kuh- und Bullenhäute: bis 14,5 kg je 5.20. Ochsenhäute: 15—24,5 kg 5.20: 25—29,5 kg 4.70; 30—39,5 kg 4.57%—4.64%: 40—49,5 kg 4.1«%—4-30%: 50 und mehr kg 4.05%—4.12%. Rinderhäute: 15—24,5 kg 5.70, 25—29,5 kg 5.25: 30—39,5 kg 4.77%—4.86%: 40 und mehr kg 4-22. Kuhhäute: 15—24,5 kg 5.—: 25—29,5 kg 5.03—5.22 : 30—39,5 kg 4.93%—5.00%: 40 und mehr kg 4.45. Bullenhäute: t5—24,5 kg 5.30i 25—29,5 kg 4.80 ; 30—39,5 kg 4.61%—4.71%; 40—49,5 kg 415—t.22j 50—59,5 kg 3.96%: 60 und mehr kg 3.90%.
Norddeutsche Ochsen-, Rinder-, Kuh- und Bullenhäute: je 4.20. Schuß Ochsen-, Rinder-, Kuh- und Bullenhäute: je 3.75. Roßhäute: 220 cm und mehr 77.—; 200—219 cm 55.—; 180—'199 cm 45.—; FohlenfeLle 29.10 DM-
Vieh- und Schweinemärkte
G r i e ß e n. Der am 5. März stattgefundene Krämer- und Schweinemarkt zeigte einen verhältnismäßigen guten Besuch. Die Nachfrage nach Jungschweinen war groß. Aufgeführt wurden aber nur 55 Stück, die restlos Absatz fanden. Die Preise bewegten sich anziehend gegenüber dem letzten Markt; Preise je Paar 140—150 DM.
Mannheim . Am 5. März wurden aufgetrieben: 358 Rinder, 275 Kälber, 64 Schafe, 1465 Schweine. Bei Schweinen kleiner Ueberstand. Die Preise betrugen in DM je ein Pfund Lebendgewicht für Ochsen 0,67—0,90; Bullen 0,66—0,80: Kühe 0,50—0,79: Färsen 0,70—0,92: Kälber 0,66 bis 1,31 1 Schafe 0,50—0,75: Schweine 1,18—1,43.
Dem Mannheimer Ferkelmarkt vom 1. März wurden 94 Ferkel (Preis für 6 Wochen DM 50—58, über 6 Wochen DM 60—66) und 1 Läufer (DM 100) zugeführt. Marktrverlauf langsam, Ueberstand.
Stuttgart . Am 6. März wurden aufgetrdeben: 828 Stück Großvieh und zwar 81 Ochsen, 174 Bullen, 205 Rinder, 368 Kühe und 1118 Kälber, 1234 Schweine, 13 Schafe, Ueberstände bei Großvieh und Schweinen. Die Preise in DM für je 100 kg Lebendgewicht betrugen für Ochsen jung A 76—85, B 58—63, Ochsen alt A 65—72; Bullen jung A 82—89, B 74—60; Bullen alt A 73—60 ; Rinder AA 95—100, A 82—94, B 70—78; Kühe jung A 64—71, B56—63, C46—54, D45, Kälber A132—137, B 120—130, C 100—117, D 95; Schweine A, B 1 , B2 140—143, C 137—140, D, E 130—135, Gl 115 bis 128, G 2 100—110.
(H.-G.-Eigenbericht) Die Frage, ob in Zukunft auch Skispringen auf Großschanzen mit einem kritischen Punkt von mehr als 80 m als internationale Wettkampfform zugelassen werden, etwa als eine besondere Disziplin unter der Bezeichnung „Skifliegen", ist durch den großartigen Erfolg der 11. Internationalen Skiflugwoche in Oberstdorf wieder aktuell geworden und wurde in diesen Tagen häufig diskutiert. Bekanntlich beharrte der unter norwegischer Führung stehende Internationale Skiverband bisher auf der Bestimmung, daß Großschanzen mit einem kritischen Punkt von mehr als 80 m für Wettbewerbe nicht zugelassen werden dürfen.
Der prominenteste Gast dieser Oberstdorfer Flugversuche war der Norweger Sigmund Ruud, Vorsitzender der Sprunglauf-Kommission im Internationalen Skiverband und einst selbst welt- bester Skispringer, bevor ihn seine Brüder Bir- ger und Asbjörn überflügelten. Zwei Tage lang stand Sigmund Ruud , der vor dem Kriege lange in Deutschland gelebt, sich aber in letzter Zeit den Bestrebungen des deutschen Skisports gegenüber sehr reserviert gezeigt hatte, auf dem viergeschossigen Kampfrichterturm und verfolgte mit größtem Interesse die großartigen Leistungen der Teilnehmer aus sieben Nationen-
Wir saßen mit Ruud zusammen und stellten fest, daß er von den Oberstdorfer Versuchen sehr beeindruckt war. In seinem Bericht, den er an eine norwegische Zeitung telefonierte, beschrieb er die Oberstdorfer Anlage und die Versuche bis in die kleinsten technischen Einzelheiten.
Natürlich kamen wir auch auf die Frage der deutschen Beteiligung an den Olympischen Winterspielen 1952 in Oslo zu sprechen. „Die Entscheidung darüber liegt einzig und allein beim Internationalen Olympischen Komitee", erwiderte Sig mund Ruud darauf, „allerdings wird Norwegen vielleicht einige Vorbehalte machen, wenn sich das IOC für Deutschlands Teilnahme ausspricht. Welcher Art diese Vorbehalte sein werden, kann ich nicht sagen. Leider ist dies ja nicht nur eine sportliche, sondern auch eine politische Frage. Wenn es nach uns Sportsleuten allein ginge, hät
ten wir schon längst wieder den sportlichen Verkehr mit Deutschland aufgenommen.'’
Sehr interessant ist auch die Stellungnahme dea Schweizer Mannschaftsführers Hans Feldmann, der schon im Vorjahr bei der Flugwoche in Oberstdorf war. Er sagte uns, daß jeder Teilnehmer nach der Flugwoche einen Fragebogen mit vielen, sehr präzisen Fragen erhält und Gelegenheit haben wird, seine persönlichen Erfahrungen und seine persönliche Meinung über das Skifliegen zu äußern. Diese Fragebogen sollen dann von einer Kommission ausgewertet und das Ergebnis in einem Bericht dem nächsten FIS -Kongreß in Ve nedig vorgelegt werden- Feldmann selbst Ist ein absoluter Befürworter des Skifliegens und sagt, daß gerade die Oberstdorfer Versuche eine ganze Reihe neuer Erkenntnisse gebracht haben, die auch dem sportlichen Skispringen zugute kommen. Eine dieser neuen Erfahrungen ist die, daß das Körpergewicht nicht ausschlaggebend für die Weite eines Sprunges oder Fluges ist, sondern daß es in erster Linie auf den Absprung und die aerodynamische Flughaltung in der Luft ankommt.
Skisplitter
Sieger des Abfahrtslaufes um den „Goldenen Schild vom Wallberg" wurde Marianne Seltsam (Tegernsee ) in 3:32,2 Min. vor Irmi Heoß (Bad Wiessee ). Bei den Herren wies deutscher Abfahrtsmeister Kar] Maurer (Rottadi) mit 2:41,8 Min. die Kitzbühler Huber, Salvermoser und Mol- terer auf die Plätze.
Die beiden Kitzbühler Fritz Huber und Alfred Molterer verwiesen beim traditionellen Torlauf am Sonnenbichlhang (Bad Wiessee ) mit 99,1 bzw. 99,6 Punkten die einheimische Spitzenklasse mit ObermÜJller, Maurer (Rottach ) und Kombinationsmeister Gantner (Wiessee ) auf die Plätze-
Die deutsche Kombinations-Torlaufmei6terin RosI Amort (Schellenberg) belegte beim großen Abfährtslauf am Watzmann über 4,5 km und einem Höhenunterschied von 1200 m in 6:21,5 Minuten vor Irma Kotz (München ) in 7:07,2 Min. den ersten Platz. Bei den Herren siegte Hans Rast (Hallein ) in der Bestzeit von 5:05,3 Min.
Bei den Tischtennis-Weltmeisterschaften in Wien , die mit 28 Nationen eine außerordentlich starke Beteiligung haben, nimmt Deutschland nach Abschluß der Gruppenspiele in den Mannschaftswettbewerben bei den Herren und Damen gute Mittelplätze ein- Die Männer kamen in der Gruppe B hinter Ungarn , Frankreich und Vietnam auf den 4. Platz vor Oesterreich , Holland , Portu gal und Neuseeland . Die deutschen Männer trugen sieben Spiele aus, von denen sie vier gewannen, nämlich gegen Oesterreich , Portugal , Hol land und Neuseeland . Die deutschen Frauen belegten mit drei Siegen und vier Niederlagen den 5. Platz hinter dem Sieger der Gruppe A Oesterreich, England , Ungarn und den USA .
Ergebnisse der deutschen Mannschaften: Männer: gegen Portugal 5:1, gegen Vietnam 3:5, gegen Neuseeland 5:0, gegen Frankreich 1:5. — Damen: gegen Schweiz 3:0, gegen USA 0:3, gegen Italien 3:0, gegen Ungarn 0:3. Im ersten Endrundenkampf der Männer besiegte Ungarn die Jugoslawien 5:3. Dritter Endnindenteilnehmer ist der Po-kalverteidiger Tschechoslowakei .
Belgier beendeten Sechstage als Sieger
Die Belgier Bruylandt/Adriaensens gewannen das Pariser Sechstagerennen mit einer Runde Vorsprung und 577 Punkten. Das Schlußklassement: 1. Bruylandt/Adriaensens (Belgien ) 577 P.; eine Runde zurück: 2. Bruneel/de Beuckelaer (Bel gien ) 1406 P.; 3. Goussot/van Steenbergen (Frankreich/Belgien) 506 P.; zwei Runden zurück: 4. Bouvard/Surbatis (Frankreich ) 784 P., 5. Seres R./ le Nizerhy (Frankreich ) 650 P.i 6. PratAMignat (Frankreich ) 212 P-j drei Runden zurück: 7. van Vlieth/Bucher (Holland/Schweiz) 498 P.j fünf Runden zurück: 8. Lapebie/Terruzzi (Frankreich/Ita- l:en) 463 P.| 9. Reynes/J. le Nizerhy (Frankreich ) 188 P.; zehn Runden zurück: 10. Logerot/Mon- tecelli (Frankreich ) 181 P. Insgesamt wurden in den 145 Stunden 3713 Kilometer zurückgelegt.
Mlrke/Preiskeits letzter Sieg
Die letzte Hauptprobe auf der Berliner Winterbahn vor dem 34. Berliner Sechstagerennen, ein 145 Minuten-Mannschaftsrennen, gewannen die früherem Breslauer Mirke Preiskeit mit zwei Rundem Vorsprung und 27 Punkten vor Ehmer/de
Co-rte (15), Vooren/Kohlbeck (drei runden zurück und 14 Punkte), Ziege/Zoll und Intra/Zawadski (vier Runden zurück). Die Sieger des letzten Ber liner Sechstagerennens, Thyssen/Depauw, wurden -Siebente- Mirke/Predskeits Sieg beendet, dem Vernehmen nach, wegen persönlicher Unstimmigkeiten eine langjährige Zusammenarbeit. Beide Fahrer starten bei dem nächsten Sechstagerennen mit anderen Partnern. Preiskeit wird wahrscheinlich mit de Corte, und Mirke mit Ludwig Hörmann fahren. Das internationale Fliegerrennen gewann Roth (Schweiz ) vor Drescher. Bethery und Holthöfer.
In wenigen Zeilen
Der englische Schiedsrichter E. A- Ellis, der im vergangenen Monat November die Partie Deutsch land — Schweiz in Stuttgart leitete, wird auch beim Rückspiel in Zürich als Unparteiischer amtieren.
Der USA -Gewkhtheber John Davis schlug im olympischen Dreikampf seinen eigenen Weltrekord um 14,5 kg, indem er ein Gesamtresultat von 402,5 kg erreichte.
Der europäische Boxmeister im Federgewicht, Ray Famechoci (Frankreich ), gab in der zweiten Runde seines Kampfes in Cincinnati gegen den Meister des Staates Ohio , Eddie Bürgin, auf.
Der Arbeiterradfahrer- und Kraftfahrerbund „Solidarität", der vor 1933 rund 340 000 Mitglieder zählte, weist heute schon wieder eine Mitgliederzahl von 95 000 auf.
Bundespräsident Prof. Theodor Heuß empfing das deutsche Weltmeisterpaar im Kunsteislauf, Ria Baran/Paul Falk , und überreichte ihm die höchste deutsche Sportauszeichnung, das silberne Lorbeerblatt.
Einen neuen Weltrekord im Gewidithenen stellte der Bantamgewichtler Mehmoud Namdjou (Iran ) mit 700 Pfund in Neu Delhi auf. Er verbesserte damit seine eigene Weltbestleistung um sieben Pfund.
Die Elite der norwegischen Skispringer traf sich in Drammeti, wo Hofmenkoll-Sieger Arne Hoel nur Vierter wurde. Bjoemstadt (Note 222,2) siegte vor Hugsted (221,2).
Das Fußball-Städtespiel Halle—-Düsseldorf endete vor 30 000 Zuschauern 1:1 (1:0).
unsere Duelle verlaufen, dachte sie. Die Männer gebrauchen bei ihren Kämpfen die Faust, wir haben nur das Wort. Aber es kann tödlich sein. Sie entsann sich einer Stunde bei Cora Merker. Auch dort hatte man sie höflich aufgenommen und reizend bewirtet, und doch war sie als die Besiegte fortgegangen...
Celia lehnte sich in ihren Sessel zurüdc. Sie blickte gleichgültig auf ein paar Nachtfalter, die den Lampenschirm umschwirrten. „Stefan erzählte mir von Ihnen. Er sagte, daß Sie sehr gute Kameraden seien, er und Sie, Frau Gerwin. Ja, es muß schön sein, die Kameradschaft mit einem Manne.”
Das klang sehr höflich, sehr liebenswürdig, und es war doch ein tiefer Stich. Vielleicht sollte man ihn erwidern, vielleicht sollte man fragen, ob Celia Rodari hier schon aus eigener Erfahrung spräche, das alles aber führte nicht zum Ziel. Es ging um die Entscheidung. „Sie haben recht, wir sind sehr gute Kameraden, Stefan und ich. Und weil wir es sind, werden Sie verstehen, daß ich nicht dulden kann, daß Stefan seinen besten Freund verliert, seinen einzigen ...”
„Aber er braucht ihn doch nicht zu verlieren. Gerade wenn beide mich lieben, so kam. das ein Band sein, das diese Freunde noch mehr vereint, Frau Gerwin.”
„Vielleicht, wenn Sie eine Statue wären, Signora Rodari. Ein Bild oder ein modellierter Stein, da Sie aber doch vermutlich aus Fleisch und Blut sind, wird das schwer gehen.”
„Gut, ich nehme also zur Kenntnis, daß Sie mir die Liebe Stefan Bentincks nicht gönnen.” Celia blickte nicht mehr auf die tanzenden Falter, sie sah Alice ohne Wim- pemschlag an, und ihr Blick hatte etwas Gefährliches.
„Sie haben mich vollkommen verstanden. Ich gönne Ihnen Stefans Liebe nicht. Darüber hinaus aber gönne ich Ihnen auch Bert Gött nicht Er ist fast an Ihnen zer
brochen, ich dulde es nicht, daß es völlig geschieht.”
Celia lachte auf. „Sind Sie vielleicht auch seine ,Kameradin’, gnädige Frau?”
„Nein. Ich bin eine Frau, die er einmal sehr geliebt hat. Um mich zu vergessen, fuhr er nach Italien . Zu Ihnen, obwohl er ahnte, was das bedeutete.”
„Und jetzt wollen Sie ihn in Ihre Arme zurückholen! Sind Sie vielleicht jene Statue, von der Sie meinten, zwei Männer könnten sie lieben, ohne Rivalen zu sein?”
„Ich will Bert Gött nicht in meine Arme zurückholen. Ich habe seine Liebe nicht erwidern können, aber ich glaube, auch eine nicht erwiderte Liebe verpflichtet eine Frau.”
„Wie edelmütig Sie sind, Frau Gerwin! Und ich? Ich habe meinen Mann verloren, ich habe als Geächtete gelebt, und jetzt, wo endlich ein wenig Glück zu mir kommen könnte, da wagen Sie es, mir das nehmen zu wollen!”
„Ja”, sagte Alice ruhig, „das wage ich Denn Sie haben kein Recht auf dieses Glück, das nur eines andern Unglück wäre.”
„Wie dürfen Sie das sagen!”
„Ich darf es sagen, denn Sie haben Bert so wenig geliebt, wie Sie Stefan lieben. Sie haben immer nur geliebt, von andern geliebt zu werden.”
Einen Augenblick schien es, als wollte Celia Rodari aufspringen, irgendein Zuk- ken ihres Leibes, die Bewegung ihrer Schulter ließ an eine Raubkatze denken. Plötzlich aber schlug sie die Hände vors Gesicht, und ein schweres Schluchzen erschütterte ihren Körper. Alice war aufgesprungen. Sie hatte geglaubt, einen Angriff abwehren zu müssen, jetzt aber wütete sie, daß ihr Pfeil getroffen hatte. Sie war die Siegerin geblieben, doch dieser Sieg machte nicht glücklich. Sie trat neben Celias Sessel und legte ihre Hand auf die halbentblößte Schulter.
Es dauerte lange, ehe Celia wieder ruhiger wurde, schließlich richtete sie sich auf, zugleich aber löschte sie die Lampe . „Es tut nur so weih, weil es die Wahrheit ist“, sagte sie, „warum aber ist es so?“
Sie erwartete wohl keine Antwort, dennoch sagte Alice leise, und in ihrer Stimme war ein großes Mitleid: „Wir müssen für alles bezahlen. Und das ist Ihr Preis.“
„Wie gut, daß Schönheit einmal vergehen muß.“
Es blieb lange still zwischen beiden. Worte vermochten nichts mehr. Man hörte noch immer die Falter um die nun gelöschte Lampe taumeln, dann kam ein leichter Schritt über die Terrasse. Es war Flametta, die erstaunt zu sein schien, daß kein Licht brannte. Sie schaltete es ein unid überreichte Celia ein silbernes Tablett mit zwei Visitenkarten.
Celia nahm sie und betrachtete jede einzelne lange, ehe sie sie zerriß. „Ich wäre Ihnen dankbar, Frau Gerwin“, sagte sie dann, „wenn Sie den Herrn sagen würden, daß ich sie nicht empfangen kann.“
Alice warf einen Blick auf die Karten, die neben der Konfektschale lagen. Sie konnte nur die Vornamen lesen. Bert, las sie, und Stefan.
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Dies alles war wie ein Traum. Bert Gött blickte in die Flammen der Wachskerzen, auf die Rosen, die den Tisch schmückten, und die schöngeschliffenen Gläser. Bentinck war nicht nur ein großer Schauspieler, er schien auch das Talent eines vorzüglichen Regisseurs zu haben.
„Nein“, wehrte Bentinck ab, „die Rosen sind von Viola; nur die, die vor Alice stehen, sind von mir.“
Alice Gerwin.
Um sie nicht Wiedersehen au müssen, hatte Bert einst Deutschland verlassen. Er war nach Italien gekommen, und Celia war sein Schicksal geworden.
(Schluß folgt.) -