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Dienstag, 2. Oktober 1051

SÜDKURIER

Kr. 153 / Seite 7

Die deutsche Wirtschaft im August

Offizieller Bericht der

Frankfurt Die Produktionsentwick- hing -'®ird für dten größten. Teil der ge­werblichen Wirtschaft auch in der nächsten Zuikudit hauptsächlich durch die Beliefe­rung mit Kohle und Stahl bestimmt sein, schreibt die Bank Deutscher Länder in ihrem Bericht über die Wirtschaftslage der Bundesrepublik im August. Wenn es nicht schon bald gelinge, durch eine bessere Ver­sorgung mit Kohle und Koks es der Stahl­industrie möglich zu machen ihre Erzeug- gung auf Hochtouren zu bringen, werde sich der Stahl-Engpaß wahrscheinlich in noch schärferer Form als bisher produk- tionsdrosselnd auswirken. Der Rückgang des arbeitstäglichen Gesamtindex der Industrieproduktion von 127,5 im Juli auf 125,7 im August betraf ausschließlich den Investitiohsgiiter-Sektor.

Die Veribrauchsgüterindustrie konnte sich von ihrem Tiefstand im Juli wieder etwas erholen. In dieser Stabilisierung der Verbrauchsgütererzeugung im August sei ein erstes Anzeichen für eine Ausgleichs­bewegung zwischen steigendem Einkom­men und rückläufigen Auftragseingängen zu sehen. Da seit Mai der Wareneingang beim Einzelhandel ständig unter seinem Absatz liege, könne mit einer allmählichen Normalisierung seiner Bestellungen ge­rechnet werden.

Besonders leide die Bauwirtschaft unter dem doppelten Druck von Grundstoff-Eng­pässen und abgeschwächter Absatzlage. Die Zahl der im Juli neu genehmigten Wohnungshaüten lag mit 44 500 erheblich unter der Vergleichszahl vom Juli 1950 (59150). — Die Arbeitslosigkeit hat trotz des weiterem Rückgangs der Industrie­produktion noch bis Mitte September ab­genommen. Mit einer weiteren Abnahme sei jedoch angesichts der Produktions­hemmungen im kohle- und stahlahhängi- gen Sektor der Industrie kaum zu rechnen.

Während die Verbrauchsgüterpreise im ganzen noch rückläufig sind, zeichne sich im Bereich der Investitionsgüter infolge /der Steigerung der Grundstoftpreise eine leichte Erhöhung des Preisniveaus ab.

Wobag baut weiter

Zu unserem Bericht über die Hauptver­sammlung der Wobag (Ausgabe vom 27. 9.) ist nachzutragen, daß den Rücklagen und | Rückstellungen von nahezu 1 Million DM Umstellungsgrundschuldeni von rd. 1,1 Mil­hon DM gegenüberstehen.

Durch Neuwahl wurde Rechnungsdirek- tor Alfred Mödinger, Konstanz , in den Aufsdchtsrat gewählt.

Bank Deutscher Länder

Gegenüber dem Preissturz, den die Ver- brauchsgüter-Rohstoffe zu verzeichnen hatten, ständen die Investitionsgüter-Roih- stoffe unverändert im Zeichen ihrer Mangellage und ansteigender Preise.

Einer weiteren Ausdehnung des Exports sind nach Meinung des BdL sowohl in der deutschen Lieferfähigkeit als auch in der Entwicklung von Absatz- und Zahlungs- Lage in vielen wichtigen Abnehmerländern fühlbare Schranken gesetzt. Das Abflauen der durch Korea ausgelösten Naehfrage- welle auf den wichtigsten Absatzmärkten habe die Frage der Wettbewerbsfähigkeit in Preisstellung und Lieferfristen wieder in den Vordergrund treten lassen und offenbar habe sich die Wettbewerbs­stellung der deutschen Industrie ver­schlechtert. Im übrigen war die Devisen­lage der Bundesrepublik im August etwas günstiger als im Vormonat.

Die Geld- und Kreditlage war in den letzten Wochen durch ein beträchtliches Anwachsen der flüssigen Mittel in der Wirtschaft gekennzeichnet — als Folge der Kreditgewährungen der Geschäftsbanken und dem hohen Überschuß der Exporterlöse über die Importzahlungen. Diese Zunahme des Geldvolumens ist allerdings durch eine verminderte Umlaufgeschwindigkeit des Geldes wieder ausgeglichen worden.

Lohnsteuer-Jahr esausglekh 1950

Die in den letzten Jahren gebotene Mög­lichkeit eines Lohnsteuer-Jahresausgleichs für den Arbeitnehmer wurde, wie die große Anzahl der vorliegenden Anträge bei den Finanzämtern beweist, sehr rege in Anspruch genommen. Er soll in der Haupt­sache dazu dienen, lohnsteuerliche Nach­teile, die infolge schwankenden Einkom­mens im Laufe des Jahres entstanden sind, auszugleichen. Anträge auf nachträgliche Gewährung eines steuerfreien Betrages für erhöhte Werbungskosten, Sonderausgaben usw. sollen jedoch nur geltend gemacht werden können, wenn außergewöhnliche Umstände vorliegen, die eine frühere Gel­tendmachung nicht zuließen.

Die Frist zur Geltendmachung des Lohn­steuer-Jahresausgleichs 1950 war mit dem 30. April 1951 abgelaufen. Da das frühere Lohnsteuerrecht einen Lohnsteuer-Jahres­ausgleich nicht kannte, haben viele Arbeit­nehmer den Antrag nicht rechtzeitig ge­stellt. Ebenso war auch der Lohnsteuer- Jahresausgleich 1949 von einem befristeten Antrag des Arbeitnehmers abhängig. Da sich durch die Ablehnung verspätet gestell­ter Anträge gewisse Härten für die An-

Nur einer fteht oor Gericht - unt> leugnet

Der erste Verhandlungstag im Prozeß um das „Todeslager von Dormettlngen

trägsteller ergeben würden, hat jetzt der Bundesfinanzhof entschieden, daß für den Lohnsteuer-Jahresausgleich 1949 die Nach­sichterteilung als zulässig anerkannt wird. Damit wurde wieder eine günstigere Aus­legung das Paragraphen 86 AO zugelassen, der „Nachsicht bei unverschuldeter Ver­säumnis einer Rechtsmittelfrist“ vorsieht. Entsprechend dieser Entscheidung wird auch, wer noch den Lohnsteuer-Jahres­ausgleich 1950 beantragen will, erwarten dürfen, daß ihm Nachsicht bei unverschul­deter Frißtversäumnis erteilt wird. D.

Industrie-Angestellte ohne TarH

Singen. (Br.-Eigenberidit.) Wie vor kurzem berichtet, hat die Industriegewerkschaft Metall den am 18. August abgeschlossenen Gehaltstarif­vertrag für die Angestellten der badischen In­dustrie zum 30. September gekündigt. Im Rah­men des Kündigungsschreibens, das auch dem Arbeitgeberverband der badischen Eisen- und Metallindustrie zugestellt wurde, ist die von der JG-Metall bereits früher erhobene Forderung auf Abschluß eines sogenannten Branchen-Ge- haltstarifs wieder aufgegriffen worden. Nach dieser Forderung soll an die Stelle des bis­herigen Gehaltstarifvertrags für die gesamte badische Industrie ein neuer Gehaltstarifvertrag für die Angestellten der Metallindustrie treten. Der Arbeitgeberverband der badischen Eisen- und Metallindustrie hat bisher gegenüber dieser Forderung eine ablehnende Stellung eingenom­men.

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Kottweil. (W. S.- Eigenbericht.) Mit der Verlesung der Anklageschrift gegen den Dortmunder Schlossermedster Franz Hel­mer-Sandmann begann am Montagvormit­tag vor dem Schwurgericht in Rottweil ein Prozeß, in dessen Verlauf das Dunkel um eines der traurigsten Kapitel der deut­ schen Nachkriegsgeschichte aufgehellt wer­den soll. Helmer-Sandmann wird beschul­digt, in einem nach Kriegsende zusammen mit einem Franzosen und einem Tsche­ chen auf der Schwäbischen Alb zwischen Balingen und Rottweil errichteten Privat- I KZ in drei Fällen „aus niedrigen Beweg­gründen grausam getötet“ zu haben, außer­dem in elf Fällen an den grausamen Miß­handlungen mit Todesfolge schuldig zu sein. Schließlich steht er unter Anklage, weil er bei Requisitionen in ungezählten Fällen erpresserisch vorgegangen sein soll.

Während der Tscheche seit dieser Zeit verschwunden ist und der Franzose — ein unter falschem Namen lebender Elsässer — bereits im Jahre 1947 wegen Spionage und anderer Delikte in Metz erschossen wurde, ist Helmer-Sandmann der einzige, der noch strafrechtlich belangt werden kann. Der Vorsitzende des Gerichts, Land­

es in Persien keinen Petroleum-Krieg geben wird; 18.45 Ginzkey-iLieder; 19.15 Die große Chance; 20.00 Aus Bayreuth : Siegfried, Oper von Richard Wagner .

MITTWOCH, 3. Oktober: SWF: 6.20 Markt­berichte; 9.00 Fremde KdndeT suchen Eure Liebe; 14.00 Schulfunk: Natur in unseren Diensten; 15.00 Nachmittagskonzert; 16.00 Aus der Heimat des Sauerkrauts (Tübingen ); 16.50 Sang und Klang im Volkston; 17.20 Aus Wissenschaft und Technik; 17.40 Der Vogt von Tübingen (Tübingen ); 20 00 Melodnenrei- gen; 21.40 Sang und Klang im Volkston;

22.30 Rudolf Hagelstange , Nikodemus ; 23.00 Tanzmusik. — St: 5.45 Marktrundschau; 11.45 Ratschläge zur Rübenemte: 14.00 Schülerfunk: 15.00 Schulfunk: Kinder in Frankreich ; 16,00 Hörfolge: Maler sehen die Landschaft: 17.00 Strafe in der Erziehung: 18.00 Musik zum Feierabend; 20.05 Spiel der Gedanken; 22.10 Französische ' Chansons; 22.30 Jugoslawien heute; 23.00 Schlager; 23.45 Nacht-Feuilleton. — Be: 7.15 Beliebte Sänger: 13.15 Besinnliche halbe Stunde; 16.30 Unterhaltungsmusik;

17.30 Kinderstunde; 19.00 Lieder mit und ohne Worte; 20.50 Familie Läderach; 21.50 Ländler; 22.05 Geistliches Abendkonzeri. — VI: 16.30 Kindergeschichten aus aller Welt; 18.00 Briefmarkenecke; 18.30 Heimische Chöre 18.45 Heimatkunde und Schule; 19.15 Der Tupfen auf dem I; 20.15 Wiiltener Stadtmusik; 21.00 Wiener Sängerknaben ; 22.20 Musika­lisches Kunterbunt; 23.00 Tanzmusik; 23.30 Musik bis Mitternacht.

gerichtsrat Dr. Wanner, verlas ein Schrei­ben des französischen Kreiskommandanten von Balingen , wonach die französischen Ermittlungen ergeben haben, daß der Franzose, der sich de Laitre nannte, im Dienste des deutschen SD in Frankreich und anderen europäischen Ländern Spio­nage getrieben habe. Er sei deswegen hin- gerichtet worden.

Nach den jahrelang verzögerten Ermitt­lungen der Rottweiler Staatsanwaltschaft haben diese drei im Mai 1945 auf dem Gelände der ehemaligen Deutschen Oel- schiefer-Forschungs-Gesellschaft (DOELF) die in der Gegend von Schömberg -Dfrmet- tingen und Dautmergen betrieben wurde, in dem Privat-KZ etwa 50 Personen eigen­mächtig inhaftiert und grauenvoll gepei­nigt. Den bisherigen Nachforschungen zu­folge wurden in dieser kurzen Zeit — der „Spuk auf der Schwäbischen Alb “ währte etwa vier Wochen — 17 oder 18 Männer, zum Teil unter nicht zu beschreibenden Qualen getötet. Alle übrigen haben ohne Ausnahme schweren Schaden an Leib und Seele gelitten.

Bei dem Rottwefler Prozeß geht es nun darum, dem Angeklagten Helmer-Sand­mann direkte Straftaten nachzuweisen. Bei der Vernehmung leugnete er am Montag hartnäckig sogar jedes Wissen um das, was im Lager selbst vorgegangen ist. Er sei von dem französischen „Oberleutnant“ ge­beten worden, für die Verpflegung der Wachmannschaften zu sorgen. Das Lager selbst habe er nie betreten, viel weniger noch sonst die Häftlinge geschlagen oder gequält. Helmer-Sandmann, der bei der DOELF als Ingenieur beschäftigt gewesen war, behauptete, nie einen Feind im gan­zen Werk gehabt zu haben. Auch später, als das Lager von Dormettingen bestanden habe, habe er immer versucht, den Häft­lingen zu helfen. Während nach den Er­mittlungen Belastungszeugen gegen Hel­mer-Sandmann direkt schwer zu finden sind, machte der Vorsitzende die über­raschende Mitteilung, ein zusammen mit Helmer-Sandmann in Untersuchungshaft gewesener Häftling habe dem Gericht, ohne vorher von dieser Tragödie wissen zu können, alle Einzelheiten aus dem „To­ deslager “ berichten können. Die Quelle dieser Berichte sei einwandfrei Helmer- Sandmann gewesen.

Am Montagnachmittag begannen die Zeugeneinvernahmen, die vor allem die Schicksale dieser Häftlinge in diesem Lager deutlich machen werden.

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