Samstag, 28. Juni 1952
SUDKURIER
Nr. 101 / Seite 4
Freigabe der Miefen für Geschäftsräume
Von-Dr. H. Herberger
Die Rechtsverordnungen vom 27. und 29. November 1951 (Bundesgesetzblatt I Seite 920, 926 ft.) haben bekanntlich die Mietpreise freigegeben und die Aufhebung des Mieterschutzes für gewerbliche Räume gebracht. Beidd* Verordnungen waren in materieller und formaler Hinsicht starken Einwendungen ausgesetzt. Bis zur Klärung dieses Fragenkomplexes war daher der Termin, der für die Aufhebung des Mieterschutzes nach der Verordnung zum 1. April 1952 vorgesehen war, auf den 1. Juli 1952 verschoben worden. Nunmehr ist das seit langem erwartete Gesetz am 10. Juni vom Bundestag und am 20. Juni vom Bundesrat verabschiedet worden. Die Verkündung ist am Donnerstag im Bundesanzeiger erfolgt und das Gesetz damit ‘in Kraft getreten.
Was sind Geschäftsräume?
Im Sinne des Gesetzes sind als Geschäftsräume solche Räume anzusehen, „die nach ihrer baulichen Anlage und Ausstattung auf die Dauer anderen als Wohnzwecken, insbesondere gewerblichen oder beruflichen Zwecken, zu dienen bestimmt sind und solchen Zwecken dienen“. Wohnungen sind dann den Geschäftsräumen gleichgestellt, wenn mehr als die Hälfte der Wohnfläche anderen als Wohnzwecken dient. Wohnungen, die zu gewerblichen oder beruflichen Zwecken verwendet werden, sind daher als Geschäftsräume zu behandeln. Es kommt dabei auf die Benutzung und nicht auf die Zweckbestimmung der Räume an. Sind Geschäftsräume aus wirtschaftlichem oder räumlichem Zusammenhang zugleich mit Wohnräumen vermietet,' so sind die neuen Vorschriften nur anzuwenden, wenn der Mietwert der Wohnung weniger als ein Drittel der Gesamtmiete ausmacht.
Welche Mieten sind'frei?
Die Mietpreise unterliegen dann nicht mehr den Preisvorschriften, wenn sie Geschäftsräume nach der obigen Begriffsbestimmung betreffen. Für Geschäftsräume, die mit Wohnräumen zusammen vermietet sind, deren Mietpreis mehr als ein Drittel des gesamten Mietwertes beträgt, kann die Preisbehörde eine Mieterhöhung bis zur ortsüblichen Miete zulasseh. Falls Wohnungen nicht mehr als zur Hälfte zu beruflichen oder gewerblichen Zwecken benutzt werden, kann für den Teil, der nicht zu Wohnzwecken benutzt wird, ein Zuschlag erhoben werden, der der wirtschaftlichen Mehrbelastung des Vermieters entspricht.
Ein bedingter Mieterschutz bleibt
Für sämtliche Miet- und Pachtverhältnisse über Geschäftsräume, die nach dem 1. 12. 1951 begründet wurden, bestehen die Mieterschutzbestimmungen nicht mehr. Für Miet- und Pachtverhältnisse, die vor dem 1. 12. 1951 abgeschlossen wurden, ist zwar grundsätzlich der Mieterschutz auch aufgehoben, jedoch wird dem Mieter für die Uebergangszeit, und zwar bis zum 31. 12. 1954 ein „bedingter Mieterschutz“ gewährt.
Dieser bedingte Mieterschutz kann in Anspruch genommen werden, wenn die Kündigung für den Mieter eine „erhebliche wirtschaftliche Benachteilgung“ mit sich bringt. Das gilt auch für Räume, die öffentlichen Zwecken dienen, wenn öffentliche Belange durch die Kündigung gefährdet werden. In diesen Fällen, die sich allerdings nur auf vor dem 1. 12. 1951 eingegangene Mietverhältnisse beziehen, hat der Mieter unter gewissen Voraussetzungen Anspruch auf Widerruf der Kündigung. Ein erheblicher wirtschaftlicher Nachteil liegt nicht vor, wenn es dem Mieter möglich ist, für die gemieteten Räume einen wirtschaftlichen im wesentlich gleichwertigen Ersatz zu schaffen oder wenn der Vermieter den Mieter für den Verlust der Räume angemessen entschädigt.
Des weiteren besteht noch ein Mieter
schutz für Gewerberäume, bei denen der Mieter durch Gewährung von Zuschüssen oder Darlehen oder in sonstiger Weise einen erheblichen Beitrag zur Schaffung oder Instandsetzung der Räume geleistet hat. Als erheblich ist ein Zuschuß dann anzusehen, wenn der Betrag die bisherige Jahresmiete übersteigt.
Wann ist Kündigungs -Widerruf hinfällig?
Der Anspruch auf Widerruf ist aber dann hinfällig, wenn dem Vermieter die Fortsetzung des Mietverhältnisses nicht zugemutet werden kann, und zwar besonders in folgenden Fällen: 1. Bei ein«p Grund, der zur fristlosen Kündigung berechtigt. 2. Bei Bedarf für eigene Zwecke oder für Zwecke des Ehegatten oder eines Verwandten in gerader Linie. Es ist also nicht mehr dringender Eigenbedarf erforderlich, sondern Eigenbedarf als solcher ist ausreichend. Der Eigenbedarf wird allerdings dann nicht anerkannt, wenn der Vermieter die Absicht hat, in den bisher vermieteten Räumen ein Geschäft der gleichen Branche, wie es vom Mieter bisher geführt wurde, zu eröffnen. Auch bei Gewerberäumen, die durch Mithilfe des Mieters geschaffen oder instand gesetzt-wurden, kann Eigenbedarf nicht geltend gemacht werden. 3. Wenn durch das bestehende Mietverhältnis der Aufbau eines durch Kriegseinwirkung zerstörten oder erheblich beschädigten Raumes erschwert wird. 4. Wenn der Vermieter durch anderweitige Vermietung eine höhere Miete als die bisherige betragen hat, erhalten kann und der Mieter sich weigert, in eine „angemessene Mieterhöhung“ einzuwilligen. Dabei ist als angemessen die Miete zu bezeichnen, die ortsüblich ist und sich für Geschäftsräume gleicher Art und Lage nach Wegfall der Preisbindungen ergibt. Die Festsetzung der ortsüblichen Miete wird nicht ohne Schwierigkeiten möglich sein. Das Gesetz verweist deshalb auf die Berechnungs-Verordnung vom 20. 11. 1950 (Bundesgesetzblatt 1950 Seite 759), die die komplizierte Berechnung einer angemessenen Miete erläutert. Wenn der Mieter sich bereit erklärt, die ortsübliche Miete zu zahlen, wird ihm ein Mieterschutz bis zum 31. 12. 1954 gewährt.
Die Fälle, bei denen der Mieter keinen Anspruch auf Widerruf der Kündigung hat, sind in Beispielen angeführt. Es können also weitere Gründe in Betracht kommen, die die Fortsetzung des Mietverhältnisses für den Vermieter unzumutbar erscheinen lassen. Vor allem, wenn der Vermieter ein dringendes Interesse an der Erlangung des Mietraumes hat und eine Vorenthaltung bei Berücksichtigung der Verhältnisse des Mieters unbillig wäre.
Falls die Kündigung schon ausgesprochen
Wenn auf. Grund der eingangs erwähnten Verordnungen nach dem 30. 11. 1951 bereits gekündigt wurde, so ist die Kündigung frühestens zum 1. 7. 1952 wirksam. Auch in diesen Fällen stehen dem Mieter die aus dem Gesetz sich ergebenden Widerrufsmöglichkeiten zu. Der Vermieter muß also zu der bisher ausgesprochenen Kündigung den Mieter über die Einhaltung der einmonatigen Frist für die Geltendmachung eines Widerrufs schriftlich belehren. Falls seit dem 1. 12. 1951 neue Vereinbarungen getroffen wurden, können beide Vertragsteile von diesen Vereinbarungen zurücktreten, um sie den Grundsätzen des Gesetzes anzupassen. Die Frist hierfür beträgt einen Monat nach Inkrafttreten dieses Gesetzes. Falls sich ein Mieter vor dem 1. 12. 1951 verpflichtet hat, eine höhere als preisrechtlich zulässige Miete zu zahlen, so bleibt diese Verpflichtung vom 1. 12. 1951 bis zum 31. 12. 1954 nur wirksam, wenn die vereinbarte Miete nicht die otrsübliche Miete übersteigt.
VERKEHRSUNFÄLLE
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Von den 320 000 Verkehrsunfällen, die eich 1951 in der Bundesrepublik ereigneten, passierten 129 000, d. h. 40 Prozent in den 46 westdeutschen Großstädten. Obgleich es verständlich ist, daß die Verkehrsmassierung in Großstädten zu einer größeren Unfallhäufigkedt fuhrt, so ist es doch auffallend, welch starke Unterschiede in der Unfallquote (Unfälle im Verhältnis zut Einwohnerzahl) zwischen den einzelnen Städten bestehen. Diese Quote steigt nicht gleichmäßig mit der Stadtgröße an, wie man zunächst erwarten könnte 1 vielmehr gibt es Städte mit 300 000 oder 400 000 Einwohnern, in denen sich relativ weniger Unfälle ereignen als in Städten, die knapp die 100 000er Marke überschritten haben. Mit 17,2 Verkehrsunfällen je 1000 Einwohner steht überraschenderweise Heidelberg an der Spitze, und zwar mit deutlichem Abstand vor dem gewiß nicht verkehrsarmen Frankfurt , das mehr als viermal soviel Einwohner zählt. Zweifellos trägt in Heidelberg der starke Besatzungsverkehr und ein intensiver Fremdenverkehr zu »einer Sonderstellung bei. Ein anderes Beispiel* für eine .kleine' Großstadt mit großer Unfallzifler bietet Freiburg Im Bredsgau. Der Bevölkerung nach an 40. Stelle der westdeutschen Großstädte nimmt e6 mit seiner Unfallquote schon die 4. Stelle ein.
Nur beste Kirschen gefragt
Tettnang . Seit dem 23. Juni hat die Kirschenernte in allen Anbaugebieten des nördlichen Bodenseeufers in vollem Umfang eingesetzt. Die rückläufige Preistendenz, die sich bei mittlerer Ware von Anfang an bemerkbar machte, beweist, daß auch der Kirschen-Konsument Qualität bevorzugt und bezahlt. Dig Masse des Angebots bestand im ganzen Gebiet aus klein- bis mittel- früchtigen, nicht vereandfesten Sorten (Hegemer, Kurzstdeler, Lande u. ä.), von Haus aus keine Tafel-, sondern Verarbeitungsware, die von den Erzeugern künftig schon im Hinblick auf die Preisrelation wieder als Brennkirschen gerupft werden dürften. Es steht nicht dafür, zu pflücken und zu sortieren, wenn der Pfundpreis mit 17—19 Pfg. (Tettnang 26. 6. Linde- und Rotbeeren) nur ge- .ringfügig über dem Brenn-Kirschenpreis (12—14 Pfg.) liegt. Da Brennkirschen darüberhinaus sehr gefragt sind, hat die Obstbaugenossenschaft Bodensee, Radolfzell , seit dem 27. 6. an ihren sämtlichen Sammelstellen Fässer aufstellen lassen und die Kirschenbauern durch Plakate aufgefordert, nur wirkliche Tafelkirschen als solche dem Frischmarkt zuzuführen.
Festfleischige, großfallende Sorten — Knorpelkirschen, HerzkiTschen, Hedelfinger — waren dagegen während der ganzen Woche auf allen Bo- densee-Märkten zu stabilen Preisen (29—31 Pfg.) sehr gefragt und dürften auch weiterhin im Mittelpunkt des Interesses bleiben. Für die in der kommenden Woche anfallenden späteren Sorten, die auch qualitativ höher stehen, allgemein mit einer günstigeren Preisentwicklung.
Stuttgart . (Eigenbericht.) Die bereits zum Vorwochenschluß eingetretene leichte Erholung an den Aktienmärkten machte in' der Woche vom 23. 6. bis 27. 6. weitere Fortschritte. Gesucht waren besonders Montane sowie solche Industriewerte, von denen günstige Jahresbilanzen vorliegen. Aber auch bei einer Reihe von jetzt kursmäßig als unterbewertet angesehenen Papieren erfolgten wieder Rück- und Meinungskäufe. Großbankanteile wurden mehrprazentig höher bezahlt, Versicherungen lagen weiter vernachlässigt, Renten ruhig und behauptet. Wochensehluß: trotz des bevorstehenden Halbjahresultimo yeiter freundlich.
Im Vergleich zur Vorwoche notierten: AEG 37 (36), Daimler 62 (58%), Deutsche Lino 136 1 /« (130), Fein Jetter 84 (85), Heidelberger Zement 140 (132), Junghans 48 (48), C H Knorr 79 (78), Maschinen Weingarten 158 (156), NSU 140 (140), Rhein Elektro 110 (110), Schubert & Salzer 52 (45), Südd. Baumwolle Kuchen 179 (193), Südd. Zucker 131 (129), Filz Giengen 90 (88), Stahlverein 191 (182), Württ. Gattun 196 (198), Stuttgarter Straßenbahn 58 (58), Zellstoff Waldhof 70 (68), Bleicherei Uhin gen 195 (200), Eisenhütte 79 (77), Gutehoffnung 217 1 /« (212), Hösch 168 (165), Klöckner 208 (205), Lanz 61 (60), Rheinstihl 144 (140), Commerzbank 47 (44), Deutsche Bank 57 1 /» (54‘/i)
Utmer Wollbörse
U1 m. (F.-Eigenbericht.) Die Auktion bei der Deutschen Wollverwertung, Abteilung Süd, Neu- Ulm , wurde am Donnerstag bei freundlicher Kaufstimmung eröffnet. Das Auktionsangebot umfaßte 11 000 Zentner süddeutsche Schurwollen. Unter lebhafter Beteiligung des Handels und der Industrie wurde das Angebot zügig aufgenommen. Die Preise (in DM je Kilo) bewegten sich auf Basis Schweiß zwischen 3,90 und 4,40. Das ergibt auf Basis reingewaschen ohne alle Spesen 9—10 DM. Besonders gefragt waren Spitzenqualitäten, die über Durchschnittsnotiz gehandelt wurden. Die Preisnotierungen in Neu-Ulm entsprechen denen des Vormonats.
Jluftdfuhk
Süd weittunk (SWF); Stuttgart (STG)
Beromünster (BER ); Vorarlberg (VOR)
SAMSTAG, 28. Juni: SWF: 6.10 Marktberichte!
7.20 Von der Frau her gesehen? 13.15 Musik nach Tisch? 14.30 Wir jungen Menschen? 15.00 Aus italienischen und russischen Opern? 16.30 Harmonikamusik (Tübingen )? 17.35 Am Bodensee : Sternfahrt der Segler, im Segelflugzeug u. a. 20.00 Wunschkonzert? 22.20 Sportrundschau? 22.30 Tanzmusik. — * STG:
5.20 Marktrundschau? 7.05 Christen im All
tag? 12.00 Musik am Mittag? 12.55 Warnruf des Pflanzenschutzdienstes; 15.00 Wochenendplauderei mit Volksmusik? . 18.00 Violin- sonate von Brahms ? 19.05 Worte zu Peter und Paul? 19.15 Volksmusik? 20.05 Unterhaltsame Wissenschaft; 21.00 Operettenmelodien von Lehar ? 21.45 Sportrundschau? 22.15 Wunschkonzert aus USA ; 22.45 Tanzmusik; 0.05 „Manfred" von Byron, Musik von Robert Schumann . — * BER : 6.25 Volks- und Unterhaltungsmusik aus Südamerika ; 12.05 Berühmte Stimmen? 12.40 Internationale Schlager? 14.00 Marschmusik? 15.05 Sinn und Zweck der Familienforschung? 16.15 Heitere Bläser-Sinfonie von Höffer? 17.05 Schlager und Chansons? 18.00 Musikalischer Abendbummel ? 19.05 Schöne Landorgeln ? 20.00 Unterhaltungsmusik. — * VOR: 13.45 Die katholische Jugend; 14,30 Volkslieder aus aller Welt? 15.00 Meister deutscher Prosa: Paul Ernst ? 15.30 Samstagnachmittagskonzert? 17.00 Im Narrensdiiff der Zeit? 18.00 Der Pakt mit dem Teufel? 19.45 österreichische Märsche? 20.15 Frohes Wochenende? 21.30 Steinbrecher und Konsorten; 22.20 Lustige Episoden: Hört, Ihr Leut und laß Euch sagen . . .? 23.00 Unterhaltungsmusik; 23.30 Amerikanischer Jazz. SONNTAG, 29. Juni: SWF: 7.30 Morgenkonzert? 8.10 Ständchen? 9.00 Nadir, a. d. christl. Welt? 10.30 Walter Rathenau und die deutsche 11.00 Musik zum
Sonntag-Vormittag? 12.00 Schwäbische Delikatessen (Tübingen )? 13.00 Mittagskonzert; 13.00 Bissige Feuilletons von Tucholsky ? 14.45 Chorgesang? 15.00 Kinderfunk: Kalif Storch;
15.40 Beschwingte Melodien? 17.00 Großes Unterhaltungskonzert; 18.30 Sportreportage;
19.40 Weltpolitische Wochenschau; 20.00 Bunter Abend; 22.20 Sport und Musik; 23.00 Aus Literatur und Wissenschaft; 23.10 Fröhlicher Ausklang. — * STG: 9.15 Geistliche Musik? 9.45 Zum 75. Geburtstag von Her mann Hesse ? 11.00 Wahrscheinlichkeitsgesetze in Theorie und Leben? 11.20 Musik von Ro bert Schumann ? 12.45 Leichte Musik nach
Die Direktion der DWV gaJb bei der Auktion bekannt, daß alle Lose, die von den Sehafhaltern während des Börsengeschäfts zurückgezogen werden, erst wieder zum Schluß der Saison (etwa im November) zum Angebot kommen. Damit soll vermieden werden, daß wie 1952 durch dauernde Rücknahme von Losen ein flottes Verkaufsgescfaäft gestört wird.
Vieh- and Schweinemarkte
Tiengen . Am letzten Markt wurden ca. 350 Schweine aufgetrieben. Die Preise betrugen in Md für Läuferediweine pro Paar: 4—6 Wochen eit 60—70 : 6—8 Wochen alt 70—80: 8—10 Wochen elf 90—120. Auf dem Tiermarkt bestand Überangebot.
Schopfheim . Der Schweinemarkt vom 25. 6. hatte eine Anfuhr von 100 Schweinen zu verzeichnen. Infolge der Hitze war der Handei gering, bei flauem Absatz verblieb wieder ein größerer Uberstand. Viele Käufer waren auch wegen der Heuernte nicht vertreten. Die DM-Preise für 4—6 Wo- dien alte Schweine 30—40 ; 7—9 Wochen alte 45 bis 60: 9—10 Wochen alte 65—70.
Munderkingen . Dem Viehmarkt vom 26- 6. waren zugeführt: 20 Farren, 1 Ochse, 6 Kühe. 121 Kalbein, 75 Rinder. Verkauft wurden: 18 Farren, 1 Ochse, 4 Kühe, 79 Kalbein, 56 Rinder. Die Preise betrugen in DM: Farren 380—600, Ochsen 1300, Kühe 600—900, Kalbein 850—1200, Rinder 300 bis 720. — Auf dem Schweinemarkt betrug die Zufuhr: 529 Mildisdiweine und 26 Mutterschweine Verkauft wurden: 489 Mildisdiweine und 15 Mut- tersdiweine. DM-Preise für Mildisdiweine 45—60, Muttersdiweine 260—340.
Dem Pferdemarkt waren 13 Pferde zugeführt: verkauft 3 Pferde: Preise 950—1300 DM.
Stuttgart . Am 26. Juni wurden eufgetrie- ben: 125 Rinder (davon 80 Uberstand vom Dienstag), 5 Kälber, 26 Schweine. Marktverlauf: Kälber und Schweine langsam geräumt, bei Großvieh größerer Uberstand, — Die Preise hielten .sidl im Rahmen der Dienstagnotaerung.
Tisch; 14.10 Chorgesang: 14.30 Kinderfunk: Der Froschkönig; 15.00 Lieblingsschlager, dazwischen Bericht von den Deutschen Leicht- athletikmeistersdiaften in Berlin ; 17.00 Einakter von Giraudoux : Der Apoll von Bellac ;
17.40 Solistenkonzert, u. a. Teufelstriller
sonate von Tartini , Solist: Taschner: 19.00 Sport-Totoergebnisse; 20.05 Oper von Gluck : Orpheus und Eurydike: 22 30 Tanzmusik. — * BER : 7.05 Frühkonzert; 10.15 Konzert des Studio-Orchesters: 12.40 Wunschkonzert: 16.50 Hörspiel: „Steibmch"; 18.05 Orgelmusik;
18.40 Lieder von Wolf und Schubert) 19.40 Zuger Zentenarfeier. — VOR: 7.25 Morgenkonzert; 8.30 Heitere Morgensendung;
9.40 Andachtsstunde; 11.15 Wiener Fest wochen : Konzert der Londoner Philharmoniker, Dir. Karajan ; 13.00 Blaskonzert; 14.30 Die Wetterhexe von Oetscher; 15.00 Tiroler Volkslieder; 15.20 Zither und Gitarre; 16.00 Konzert für alle; 17.“0 Hörfolge nach Cal- deron: Das. große Welttheater; 18.00 Kurzweiliges Fragespiel mit Preisen; 20.15 Operettenmelodien; 21.15 Auf Meckerwelle — heiter-satirischer Bilderbogen; 23.00 Tanzmusik.
MONTAG, 30. Juni: SWF: 6.10 Marktberichte; 9.05 Für die Hausfrau; 11.45 Volksmusik (Freiburg : 13.30 Musik nach Tisch; 14.30 Schulfunk: Die Staatsanwaltschaft; 17.40 Badische Erzähler: Friedrich Munding, Kon stanz (Freiburg ); 17.55 Streifzug mit dem Mikrophon (Tübingen ); 20.00 Oper von Verdi: Ein Maskenball; 22.50 Amerikanische und deutsche Parteien; 23.00 Fünf Minuten vor dem. Ersten. — * STG: 5.20 Marktrundschau: 8.00 Um Himmelswillen — eine Schildkröte: 10.45 Heitere Kirschenpetergeschichte: 12.00 Musik am Mittag: 15.00 Schulfunk: Der mittlere Schwarzwald : 16.00 Nachmittagskonzerts
17.40 Heimatpost: Von alten Enklaven; 18.35 Pflege des Pfirsichbaumes: 20.05 Musik für jedermann; 22.10 Militärpolitischer Kommentar; 23.00 Kabarett: Aus dem Ärmel geschüttelt; 23.30 Tanzmusik. — ★ BER : 6.26 Leichte, bunte Morgenmusiki 7.15 Akkordeon- und Jodelduette; 12.40 Konzert des Studio-Orche- sters: 16.30 Klavierquartett von Schumann ; 18.20 Holländische Unterhaltungsmusik; 19.00 Wasser, Fische, Fischfang in der Schweiz ; 21.00 Tellspiele in Altdorf ; 21.35 Klavierkonzert von Mozart . — * VOR 13.00 Mittagskonzert aus Wien ; 16.00 Unterhaltungsmusik; 16.30 Kindermärchen; 17.10 Nachmittagskonzert; 18.30 Lieder von Schubert, Schu mann , Wolf; 18.45 Jugend, höp'zu; 19.45 Ro mano Guardini : Das Ende der Neuzeit; 20.15 Italien , Land deutscher Sehnsucht; 21.00 Chorkonzert; 22.15 Geschichte der Medizin; 22.30 Melodie und .Rhythmus.
„In der Hauptrolle:
so? CHARLOTTE LENZ"
„Du bist müde Karl und du sollst jetzt schlafen, soll ich dir eine Tabtette geben?“ „Nein.“ Er hatte schon die Lider geschlossen. „Wenn du bei mir. sitzt, brauche ich nichts mehr.“
„Ich, werde bei dir sitzen bleiben, Karl.“ Sie löschte das Licht un^ legte Ihm wieder die Hand auf die Stirn.
„Und wenn ich. mor g e n früh erwache, und du bist fort, so war es doch wenigstens ein schöner Traum, Charlotte.“
„Es wind kein Traum gewesen sein, Karl.“ „Die Hand muß ruhig werden“, murmelte er nach langer Zeit, und Charlotte wußte nicht, ob er im Schlaf sprach oder noch wach war.
„Ja“, sagte sie und jetzt erst fiel ihr wieder Percy ein. •
Als Percy den Club betrat, konnte selbst der alte Charles, der an der Garderobe stand und Zylinder und Mantel in Empfang nahm, sein Erstaunen kaum verbergen, „Oh, Sir Percy! Oh, Sir Percy!“, stammelte er und es blieb unergründlich, ob es ein Ausruf der Freude oder des Erschrek- kens war. Percy Ginster nickte ihm zu und ging durch den Lesesaal. An vielen Tischen brannten kleine Stimdampen, und obschon fast jeder Platz besetzt war, sah man kein Gesicht. Alle waren von den großen Zeitungsseiten verborgen. Es herrschte Totenstille. Das Uiahlattem einer Seite war im ganzen Raume zu hören. Jeder Schritt wurde von den schweren Teppichen aufgesogen. Niemand schien Percy zu beachten, aber als er die Tür zum Billardzimmer aufstieß, fühlte er, daß ihm viele Blicke nachsahen. Blicke von Menschen; für die er ein Toter gewesen war.
Die Kugel kam über die Bande und klopfte gegen den roten Ball, aber zugleich aetzte Lord Warrick sein Queue auf den Boden, auch sein Partner, der junge Bulwer, blickte auf, und eret als Percy auch dieses
Zimmer fast durchschritten hatte, grüßten sie ihn mit einem Lächeln und murmelten ihr „Guten Abend“.
Percy dankte, wie er eben dem alten Diener gedankt hatte, dann, an der Tür zum nächsten Saal, wandte er sich noch einmal um. „Ist Raichens hier?“, fragte er gleichmütig und der junge Bulwer versicherte ihm, daß Major Ritcfaera sicher im Club sei, eben noch habe er mit Mr. Graham im Musikzimmer geplaudert.
„Mit wem?“
Percy starrte den jungen Mann an, der ein verbindliches Lächeln zeigte.
Ja, natürlich, Sir Percy wisse wähl noch nicht, daß jetzt Mr. Graham dem Club angehöre. Schon geraume Zeit. Aber Sir Percy war ja leider in den letzten Monaten selten im Club.
Percy dankte und wandte eich zurück zum Lesesaal. Es hatte keinen Sinn, hierzubleiben, wenn, Mr. Graham Mitglied des Clubs geworden war. Er war nicht davon verständigt worden. Einem Manne, der mit einem Fuß im Grabe steht, brauchte man derlei nicht mehr mitzuteilen ...
Warrick beugte sich wieder über das grüne Tuch, aber ehe er zu spielen begann, sagte er leichthin, daß Sir Percy Major Rit- chers sicher nicht unwillkommen wäre, zudem sei Mr. Graham bereits vor einer Viertelstunde gegangen.
Gut Es war eine Gnadenfrist. Für heute konnte man nochemmal hierbleiben. Morgen konnte man seinen Austritt mdtteilen, der denen da kaum überraschend kommen würde.
Major Rftchers saß im Speisezimmer. Er war der letzte Gast hier, Als Percy an seinen Tisch trat, streckte er dem Kameraden die Rechte hin, während er mit der Linken das Rotweinglas an die Lippen führte.
„Weiß Gott“, rief er dann. „Jetzt glaube auch ich es! Percy federt fröhliche Auferstehung! Neulich reitet er im Hydepark und heute kommt er in den Club! Sage mir, wie das Wunder geschehen ist?!“
Er drückte Percy in den Stuhl, der ihm gegenüberstand, ergriff ein leeres Glas und goß es voll
„Es ist kein Wunder geschehen, James.“ „Doch. Schon dos eine, daß du meinen Vornamen richtig behalten hast! Wie aber steht es damit...?“ Major Ritchers tippte auf die Brust an die gleiche Stelle, wo Percy Gloster die Jagdkugel getroffen hatte. „Uebrigens“, fuhr er fort, „die Dame, mit der du neulich ausrittest, sie könnte es mit unseren ersten Stans aufnehmen. Ist sie sehr berühmt drüben, in Deutschland ?“ „Ich verstehe dich nicht, James. Warum sollte Miß Lenz berühmt sein?“
„Weil du es mir ruhig anvertrauen dürftest, daß es gamicht deine Kusine ist, sondern...“ Major Ritchers hob das Glas und trank Percy .lächelnd zu, indem er das eine Auge zusarrrmenkniff.
„Ich möchte dich bitten, zu schweigen oder deutlicher zu werden, James“, sagte Percy Gloster. Er ließ das Glas, das vor ihm stand, unberührt.
„Warum leugnest du es denn, Percy?“ Der Major schien eher belustigt als empört. „Ich gehe zwar nie ins Theater, aber ich beigreife vollauf, daß man sich für eine berühmte Schauspielerin interessiert.“
„Miß Lenz ist weder berühmt noch eine Schauspielerin, James. Sie ist meine Kusine und studiert, glaube ich, in Heidelberg .“ „Merkwürdig, Mr. Graham sagte mir, daß sie eine Schauspielerin wäre ... Er wußte es durch seine Frau. Sie weiß meistens gut Bescheid.“
„E& ist mir unmöglich, James, einer Behauptung van Mrs. Graham auch nur zu widersprechen. Aber verlasse dich darauf, sie irrt sich.“
Der Major schwieg und Percy trank nun sein Glas aus. Dann ging er hinüber zum Lesesaal, der sich geleert hatte. Percy Gloster überflog die Abendblätter. Er las, und er nahm doch kein Wort von all dem auf, was da stand. Es schien auch bedeutungslos, über die Unruhen in Tel Aviv oder den Mordprozeß Corner unterrichtet zu werden. Gelangweilt legte er die Zeitungen fort. Der Boy, der sie aufnahm, sah ihn fragend an.
„Bitte, bringen Sie mir eine deutsche Zeitung“, sagte er plötzlich, und er dachte
voll Schwermut an Charlotte Lenz, von der dieser halbbetrunkene Ritchers behauptet hatte, daß sie eine Schauspielerin wäre. Nein, Ritchers war nicht angetrunken, und zudem stammte diese Behauptung ja gar nicht von ihm, sondern von Graham, den man in den Club aufgenommen hatte und der... Auch das war falsch, Mabel hatte diesen Unsinn geschwatzt, Mabel, die man einmal für eine kluge Frau gehalten hatte.
„Danke “
Percy Gloster nahm die deutsche Zeitung, die man ihm gebracht hatte. Er begann, sie von rückwärts zu lesen. Bei jedem Wort dachte er an Charlotte. Sie hatten meist deutsch miteinander gesprochen. Und plötzlich las er ihren Namen... Er begriff es erst, da“ es ihr Name war, nachdem er schon zwei Zeilen weitergelesen hatte, ohne auch nur ein Wort des Gedruckten zu verstehen. Für Sekunden schloß er die Augen. Wieder tauchte die furchtbare Angst vor dem Wahnsinn in ihm auf, und er versuchte, sich der Worte Mr. Fenns zu erinnern. „Wissen Sie, was das beste Zeichen dafür ist, daß man nicht wahnsinnig ist? Daß man glaubt, es zu werden.“ So ähnlich hatte Dr. Fenn gesagt, und Percy war ihm jetzt für jedes dieser Worte dankbar. Er öffnete die Augen und versuchte ganz ruhig die Stellen der deutschen Zeitung zu lesen und zu begreifen. Es waren nur ein paar Zeilen. Sie standen in der Rubrik der Theatemotizen und meldeten, daß Charlotte Lenz nach Beendigung ihres Urlaubs die Hauptrolle in einem Shakespeareschen Drama und in einer modernen Komödie spielen würde.
Charlotte Lenz. Da stand der Name und eine Täuschung war unmöglich. Aber war es nicht möglich, daß dieser Name öfter vorkam? Man selbst wußte von Leuten, die den gleichen Namen führten, die sogar mit dem gleichen Namen berühmt geworden waren. Es gab einen Schriftsteller in Amerika und einen englischen Boxer, die sagar die Vornamen miteinander gemein hatten, und sicher kaum voneinander wußten, bestimmt aber nicht einmal mitein
ander verwandt waren. Und zwischen den Churchills konnte überhaupt kein Mensch sich mehr zurechtfinden. Jeder und jede war etwas anderes und alles war extravagant ... Er las noch einmal die Notiz, und er war nun sicher, daß alles nur ein Zufall war. Das erklärte dann auch das hysterische Geschwätz Mabels, das bis in den Club gedrungen war. Zudem war Charlotte viel zu jung, um bereits an einer ersten Bühne große Rollen spielen zu können, auch gab es überhaupt keinen Grund, warum sie dann nach London und zu Phöbe gekommen war. Er warf einen letzten Blick auf den Namen, der einer Fremden gehörte, dennoch erschien es ihm wie ein Raub an Charly, daß hier ihr Name stand, der ihr gehörte und nicht gehörte, und den Tausende lesen konnten. Er legte die Zeitung hin und zündete sich eine Zi* garette an, dann löschte er die Pultlampe. Es war jetzt fast völlig dunkel. Von fern hörte man gedämpfte Musik, wahrscheinlich war es Sir Douglas , der da spielte. Es war gut, hier im Dunkel zu sitzen, zu rauchen und der fernen Musik zu lauschen. Die Flügeltüren wurden aufgestoßen, für einen Augenblick klang der Klavierakkord lauter. Warrick und der junge Bulwer gingen durch die Bibliothek.
„Ich glaube kein Wort davon“, sagte Warrick. „Sir Percy ist doch nicht so toll, um einer Kommödiantin tausend Pfund zu zahlen!“
„Warum nicht, Lord? Wenn man am Rande des Grabes steht, darf man sich erlauben, verschwenderisch zu sein.“
„Er steht keineswegs am Rande des Grabes. Mein Großvater hat in der Krim eine Kugel abbekommen und ist dreiundneunzig mit ihr geworden. Es war ein Hüftschuß und zuletzt saß ihm das Ding am Fußballen. Man hätte es leicht entfernen können, aber er wollte, es^nicht. Er sagte, er hätte sich so an das Hinken gewöhnt, daß es ihm als altem Mann nicht zugemutet werden könnte, noch wie andere Zweibeiner herumzulaufen.“
(Fortsetzung folgt)