Samstag, 28. Juni 1952

SUDKURIER

Nr. 101 / Seite 4

Freigabe der Miefen für Geschäftsräume

Von-Dr. H. Herberger

Die Rechtsverordnungen vom 27. und 29. November 1951 (Bundesgesetzblatt I Seite 920, 926 ft.) haben bekanntlich die Miet­preise freigegeben und die Aufhebung des Mieterschutzes für gewerbliche Räume ge­bracht. Beidd* Verordnungen waren in materieller und formaler Hinsicht starken Einwendungen ausgesetzt. Bis zur Klärung dieses Fragenkomplexes war daher der Termin, der für die Aufhebung des Mie­terschutzes nach der Verordnung zum 1. April 1952 vorgesehen war, auf den 1. Juli 1952 verschoben worden. Nunmehr ist das seit langem erwartete Gesetz am 10. Juni vom Bundestag und am 20. Juni vom Bundesrat verabschiedet worden. Die Verkündung ist am Donnerstag im Bun­desanzeiger erfolgt und das Gesetz damit ‘in Kraft getreten.

Was sind Geschäftsräume?

Im Sinne des Gesetzes sind als Geschäfts­räume solche Räume anzusehen, „die nach ihrer baulichen Anlage und Ausstattung auf die Dauer anderen als Wohnzwecken, insbesondere gewerblichen oder beruf­lichen Zwecken, zu dienen bestimmt sind und solchen Zwecken dienen“. Wohnungen sind dann den Geschäftsräumen gleichge­stellt, wenn mehr als die Hälfte der Wohn­fläche anderen als Wohnzwecken dient. Wohnungen, die zu gewerblichen oder be­ruflichen Zwecken verwendet werden, sind daher als Geschäftsräume zu behandeln. Es kommt dabei auf die Benutzung und nicht auf die Zweckbestimmung der Räume an. Sind Geschäftsräume aus wirtschaftlichem oder räumlichem Zusammenhang zugleich mit Wohnräumen vermietet,' so sind die neuen Vorschriften nur anzuwenden, wenn der Mietwert der Wohnung weniger als ein Drittel der Gesamtmiete ausmacht.

Welche Mieten sind'frei?

Die Mietpreise unterliegen dann nicht mehr den Preisvorschriften, wenn sie Ge­schäftsräume nach der obigen Begriffs­bestimmung betreffen. Für Geschäftsräume, die mit Wohnräumen zusammen vermietet sind, deren Mietpreis mehr als ein Drittel des gesamten Mietwertes beträgt, kann die Preisbehörde eine Mieterhöhung bis zur ortsüblichen Miete zulasseh. Falls Woh­nungen nicht mehr als zur Hälfte zu be­ruflichen oder gewerblichen Zwecken be­nutzt werden, kann für den Teil, der nicht zu Wohnzwecken benutzt wird, ein Zu­schlag erhoben werden, der der wirt­schaftlichen Mehrbelastung des Vermieters entspricht.

Ein bedingter Mieterschutz bleibt

Für sämtliche Miet- und Pachtverhält­nisse über Geschäftsräume, die nach dem 1. 12. 1951 begründet wurden, bestehen die Mieterschutzbestimmungen nicht mehr. Für Miet- und Pachtverhältnisse, die vor dem 1. 12. 1951 abgeschlossen wurden, ist zwar grundsätzlich der Mieterschutz auch auf­gehoben, jedoch wird dem Mieter für die Uebergangszeit, und zwar bis zum 31. 12. 1954 ein „bedingter Mieterschutz“ gewährt.

Dieser bedingte Mieterschutz kann in Anspruch genommen werden, wenn die Kündigung für den Mieter eine „erhebliche wirtschaftliche Benachteilgung“ mit sich bringt. Das gilt auch für Räume, die öffentlichen Zwecken dienen, wenn öffent­liche Belange durch die Kündigung ge­fährdet werden. In diesen Fällen, die sich allerdings nur auf vor dem 1. 12. 1951 ein­gegangene Mietverhältnisse beziehen, hat der Mieter unter gewissen Voraussetzun­gen Anspruch auf Widerruf der Kündi­gung. Ein erheblicher wirtschaftlicher Nachteil liegt nicht vor, wenn es dem Mie­ter möglich ist, für die gemieteten Räume einen wirtschaftlichen im wesentlich gleich­wertigen Ersatz zu schaffen oder wenn der Vermieter den Mieter für den Verlust der Räume angemessen entschädigt.

Des weiteren besteht noch ein Mieter­

schutz für Gewerberäume, bei denen der Mieter durch Gewährung von Zuschüssen oder Darlehen oder in sonstiger Weise einen erheblichen Beitrag zur Schaffung oder Instandsetzung der Räume geleistet hat. Als erheblich ist ein Zuschuß dann anzusehen, wenn der Betrag die bisherige Jahresmiete übersteigt.

Wann ist Kündigungs -Widerruf hinfällig?

Der Anspruch auf Widerruf ist aber dann hinfällig, wenn dem Vermieter die Fortsetzung des Mietverhältnisses nicht zugemutet werden kann, und zwar beson­ders in folgenden Fällen: 1. Bei ein«p Grund, der zur fristlosen Kündigung be­rechtigt. 2. Bei Bedarf für eigene Zwecke oder für Zwecke des Ehegatten oder eines Verwandten in gerader Linie. Es ist also nicht mehr dringender Eigenbedarf erfor­derlich, sondern Eigenbedarf als solcher ist ausreichend. Der Eigenbedarf wird aller­dings dann nicht anerkannt, wenn der Vermieter die Absicht hat, in den bisher vermieteten Räumen ein Geschäft der glei­chen Branche, wie es vom Mieter bisher geführt wurde, zu eröffnen. Auch bei Ge­werberäumen, die durch Mithilfe des Mie­ters geschaffen oder instand gesetzt-wur­den, kann Eigenbedarf nicht geltend ge­macht werden. 3. Wenn durch das be­stehende Mietverhältnis der Aufbau eines durch Kriegseinwirkung zerstörten oder erheblich beschädigten Raumes erschwert wird. 4. Wenn der Vermieter durch ander­weitige Vermietung eine höhere Miete als die bisherige betragen hat, erhalten kann und der Mieter sich weigert, in eine „an­gemessene Mieterhöhung“ einzuwilligen. Dabei ist als angemessen die Miete zu be­zeichnen, die ortsüblich ist und sich für Geschäftsräume gleicher Art und Lage nach Wegfall der Preisbindungen ergibt. Die Festsetzung der ortsüblichen Miete wird nicht ohne Schwierigkeiten möglich sein. Das Gesetz verweist deshalb auf die Berechnungs-Verordnung vom 20. 11. 1950 (Bundesgesetzblatt 1950 Seite 759), die die komplizierte Berechnung einer angemes­senen Miete erläutert. Wenn der Mieter sich bereit erklärt, die ortsübliche Miete zu zahlen, wird ihm ein Mieterschutz bis zum 31. 12. 1954 gewährt.

Die Fälle, bei denen der Mieter keinen Anspruch auf Widerruf der Kündigung hat, sind in Beispielen angeführt. Es kön­nen also weitere Gründe in Betracht kom­men, die die Fortsetzung des Mietverhält­nisses für den Vermieter unzumutbar er­scheinen lassen. Vor allem, wenn der Ver­mieter ein dringendes Interesse an der Er­langung des Mietraumes hat und eine Vor­enthaltung bei Berücksichtigung der Ver­hältnisse des Mieters unbillig wäre.

Falls die Kündigung schon ausgesprochen

Wenn auf. Grund der eingangs erwähn­ten Verordnungen nach dem 30. 11. 1951 bereits gekündigt wurde, so ist die Kündi­gung frühestens zum 1. 7. 1952 wirksam. Auch in diesen Fällen stehen dem Mieter die aus dem Gesetz sich ergebenden Widerrufsmöglichkeiten zu. Der Vermieter muß also zu der bisher ausgesprochenen Kündigung den Mieter über die Einhal­tung der einmonatigen Frist für die Gel­tendmachung eines Widerrufs schriftlich belehren. Falls seit dem 1. 12. 1951 neue Vereinbarungen getroffen wurden, können beide Vertragsteile von diesen Verein­barungen zurücktreten, um sie den Grund­sätzen des Gesetzes anzupassen. Die Frist hierfür beträgt einen Monat nach Inkraft­treten dieses Gesetzes. Falls sich ein Mie­ter vor dem 1. 12. 1951 verpflichtet hat, eine höhere als preisrechtlich zulässige Miete zu zahlen, so bleibt diese Verpflich­tung vom 1. 12. 1951 bis zum 31. 12. 1954 nur wirksam, wenn die vereinbarte Miete nicht die otrsübliche Miete übersteigt.

VERKEHRSUNFÄLLE

Hamburg 1 Q» HBMuncnen 13,4

7/9

11 »

‘ FranKfürt/M.

Düsseldorf 11,7 _ Mil Stuttgart n.t ■remen 94

Hannover 19

_ Duisburg 83

Wuppertal s >

_ Nürnberg 11,5

Gelsenhinchen it> tium 6,0 Kiel 6,9

Mannmim

_Braunschweig 11,0 _Wiesbaden 1o.t lausen 6 ,s

S Karlsruhe 1 S ,7

_ urg 45

Krefeld 8,0 ■ Kassel 89 Bielefeld 6.1

__ Mülheim t Ruhr 8,9

S ohngen t,t Hagen 0,0

J l Aachen 10,1

Mönchen-CladbcKh _ Ludwigshafen/Rh . 8,1 Oldenburg »,«

Münster 9,0 Reaensbura 9 ,g

_ Heidelbg-

_iOnn s,8 I Herne 5.9

S Frei bürg 14, 9 ück 10, s

_ —tlinghausen {8 lemscheid 5 ,»

^—1 Flensburg 6,1 Wilh elmshaven sa

Watenstedt- Salzaitter 6,0 Darmstadt

Von den 320 000 Verkehrsunfällen, die eich 1951 in der Bundesrepublik ereigneten, passierten 129 000, d. h. 40 Prozent in den 46 westdeutschen Großstädten. Obgleich es verständlich ist, daß die Verkehrsmassierung in Großstädten zu einer grö­ßeren Unfallhäufigkedt fuhrt, so ist es doch auf­fallend, welch starke Unterschiede in der Unfall­quote (Unfälle im Verhältnis zut Einwohnerzahl) zwischen den einzelnen Städten bestehen. Diese Quote steigt nicht gleichmäßig mit der Stadtgröße an, wie man zunächst erwarten könnte 1 vielmehr gibt es Städte mit 300 000 oder 400 000 Einwohnern, in denen sich relativ weniger Unfälle ereignen als in Städten, die knapp die 100 000er Marke über­schritten haben. Mit 17,2 Verkehrsunfällen je 1000 Einwohner steht überraschenderweise Heidelberg an der Spitze, und zwar mit deutlichem Abstand vor dem gewiß nicht verkehrsarmen Frankfurt , das mehr als viermal soviel Einwohner zählt. Zweifellos trägt in Heidelberg der starke Besat­zungsverkehr und ein intensiver Fremdenverkehr zu »einer Sonderstellung bei. Ein anderes Beispiel* für eine .kleine' Großstadt mit großer Unfallzifler bietet Freiburg Im Bredsgau. Der Bevölkerung nach an 40. Stelle der westdeutschen Großstädte nimmt e6 mit seiner Unfallquote schon die 4. Stelle ein.

1 -

Ravensburg -Tettnanger Obstmarkt

Nur beste Kirschen gefragt

Tettnang . Seit dem 23. Juni hat die Kir­schenernte in allen Anbaugebieten des nördlichen Bodenseeufers in vollem Umfang eingesetzt. Die rückläufige Preistendenz, die sich bei mittlerer Ware von Anfang an bemerkbar machte, beweist, daß auch der Kirschen-Konsument Qualität be­vorzugt und bezahlt. Dig Masse des Angebots be­stand im ganzen Gebiet aus klein- bis mittel- früchtigen, nicht vereandfesten Sorten (Hegemer, Kurzstdeler, Lande u. ä.), von Haus aus keine Tafel-, sondern Verarbeitungsware, die von den Erzeugern künftig schon im Hinblick auf die Preis­relation wieder als Brennkirschen gerupft werden dürften. Es steht nicht dafür, zu pflücken und zu sortieren, wenn der Pfundpreis mit 17—19 Pfg. (Tettnang 26. 6. Linde- und Rotbeeren) nur ge- .ringfügig über dem Brenn-Kirschenpreis (12—14 Pfg.) liegt. Da Brennkirschen darüberhinaus sehr gefragt sind, hat die Obstbaugenossenschaft Bo­densee, Radolfzell , seit dem 27. 6. an ihren sämt­lichen Sammelstellen Fässer aufstellen lassen und die Kirschenbauern durch Plakate aufgefordert, nur wirkliche Tafelkirschen als solche dem Frisch­markt zuzuführen.

Festfleischige, großfallende Sorten — Knorpel­kirschen, HerzkiTschen, Hedelfinger — waren da­gegen während der ganzen Woche auf allen Bo- densee-Märkten zu stabilen Preisen (29—31 Pfg.) sehr gefragt und dürften auch weiterhin im Mit­telpunkt des Interesses bleiben. Für die in der kommenden Woche anfallenden späteren Sorten, die auch qualitativ höher stehen, allgemein mit einer günstigeren Preisentwicklung.

Stuttgarter Wertpapierbörse

Stuttgart . (Eigenbericht.) Die bereits zum Vorwochenschluß eingetretene leichte Erholung an den Aktienmärkten machte in' der Woche vom 23. 6. bis 27. 6. weitere Fortschritte. Gesucht waren besonders Montane sowie solche Industriewerte, von denen günstige Jahresbilanzen vorliegen. Aber auch bei einer Reihe von jetzt kursmäßig als unterbewertet angesehenen Papieren erfolgten wieder Rück- und Meinungskäufe. Großbankan­teile wurden mehrprazentig höher bezahlt, Ver­sicherungen lagen weiter vernachlässigt, Renten ruhig und behauptet. Wochensehluß: trotz des be­vorstehenden Halbjahresultimo yeiter freundlich.

Im Vergleich zur Vorwoche notierten: AEG 37 (36), Daimler 62 (58%), Deutsche Lino 136 1 /« (130), Fein Jetter 84 (85), Heidelberger Zement 140 (132), Junghans 48 (48), C H Knorr 79 (78), Maschinen Weingarten 158 (156), NSU 140 (140), Rhein Elek­tro 110 (110), Schubert & Salzer 52 (45), Südd. Baumwolle Kuchen 179 (193), Südd. Zucker 131 (129), Filz Giengen 90 (88), Stahlverein 191 (182), Württ. Gattun 196 (198), Stuttgarter Straßenbahn 58 (58), Zellstoff Waldhof 70 (68), Bleicherei Uhin­ gen 195 (200), Eisenhütte 79 (77), Gutehoffnung 217 1 /« (212), Hösch 168 (165), Klöckner 208 (205), Lanz 61 (60), Rheinstihl 144 (140), Commerzbank 47 (44), Deutsche Bank 57 1 /» (54‘/i)

Utmer Wollbörse

U1 m. (F.-Eigenbericht.) Die Auktion bei der Deutschen Wollverwertung, Abteilung Süd, Neu- Ulm , wurde am Donnerstag bei freundlicher Kauf­stimmung eröffnet. Das Auktionsangebot umfaßte 11 000 Zentner süddeutsche Schurwollen. Unter lebhafter Beteiligung des Handels und der Indu­strie wurde das Angebot zügig aufgenommen. Die Preise (in DM je Kilo) bewegten sich auf Basis Schweiß zwischen 3,90 und 4,40. Das ergibt auf Basis reingewaschen ohne alle Spesen 9—10 DM. Besonders gefragt waren Spitzenqualitäten, die über Durchschnittsnotiz gehandelt wurden. Die Preisnotierungen in Neu-Ulm entsprechen denen des Vormonats.

Jluftdfuhk

Süd weittunk (SWF); Stuttgart (STG)

Beromünster (BER ); Vorarlberg (VOR)

SAMSTAG, 28. Juni: SWF: 6.10 Marktberichte!

7.20 Von der Frau her gesehen? 13.15 Musik nach Tisch? 14.30 Wir jungen Menschen? 15.00 Aus italienischen und russischen Opern? 16.30 Harmonikamusik (Tübingen )? 17.35 Am Bodensee : Sternfahrt der Segler, im Segel­flugzeug u. a. 20.00 Wunschkonzert? 22.20 Sportrundschau? 22.30 Tanzmusik. — * STG:

5.20 Marktrundschau? 7.05 Christen im All­

tag? 12.00 Musik am Mittag? 12.55 Warn­ruf des Pflanzenschutzdienstes; 15.00 Wochen­endplauderei mit Volksmusik? . 18.00 Violin- sonate von Brahms ? 19.05 Worte zu Peter und Paul? 19.15 Volksmusik? 20.05 Unter­haltsame Wissenschaft; 21.00 Operettenmelo­dien von Lehar ? 21.45 Sportrundschau? 22.15 Wunschkonzert aus USA ; 22.45 Tanzmusik; 0.05 „Manfred" von Byron, Musik von Robert Schumann . — * BER : 6.25 Volks- und Unter­haltungsmusik aus Südamerika ; 12.05 Be­rühmte Stimmen? 12.40 Internationale Schla­ger? 14.00 Marschmusik? 15.05 Sinn und Zweck der Familienforschung? 16.15 Heitere Bläser-Sinfonie von Höffer? 17.05 Schlager und Chansons? 18.00 Musikalischer Abend­bummel ? 19.05 Schöne Landorgeln ? 20.00 Un­terhaltungsmusik. — * VOR: 13.45 Die ka­tholische Jugend; 14,30 Volkslieder aus al­ler Welt? 15.00 Meister deutscher Prosa: Paul Ernst ? 15.30 Samstagnachmittagskonzert? 17.00 Im Narrensdiiff der Zeit? 18.00 Der Pakt mit dem Teufel? 19.45 österreichische Märsche? 20.15 Frohes Wochenende? 21.30 Steinbrecher und Konsorten; 22.20 Lustige Episoden: Hört, Ihr Leut und laß Euch sagen . . .? 23.00 Un­terhaltungsmusik; 23.30 Amerikanischer Jazz. SONNTAG, 29. Juni: SWF: 7.30 Morgen­konzert? 8.10 Ständchen? 9.00 Nadir, a. d. christl. Welt? 10.30 Walter Rathenau und die deutsche 11.00 Musik zum

Sonntag-Vormittag? 12.00 Schwäbische Delika­tessen (Tübingen )? 13.00 Mittagskonzert; 13.00 Bissige Feuilletons von Tucholsky ? 14.45 Chorgesang? 15.00 Kinderfunk: Kalif Storch;

15.40 Beschwingte Melodien? 17.00 Großes Unterhaltungskonzert; 18.30 Sportreportage;

19.40 Weltpolitische Wochenschau; 20.00 Bun­ter Abend; 22.20 Sport und Musik; 23.00 Aus Literatur und Wissenschaft; 23.10 Fröh­licher Ausklang. — * STG: 9.15 Geistliche Musik? 9.45 Zum 75. Geburtstag von Her­ mann Hesse ? 11.00 Wahrscheinlichkeitsgesetze in Theorie und Leben? 11.20 Musik von Ro­ bert Schumann ? 12.45 Leichte Musik nach

Die Direktion der DWV gaJb bei der Auktion bekannt, daß alle Lose, die von den Sehafhaltern während des Börsengeschäfts zurückgezogen wer­den, erst wieder zum Schluß der Saison (etwa im November) zum Angebot kommen. Damit soll vermieden werden, daß wie 1952 durch dauernde Rücknahme von Losen ein flottes Verkaufsgescfaäft gestört wird.

Vieh- and Schweinemarkte

Tiengen . Am letzten Markt wurden ca. 350 Schweine aufgetrieben. Die Preise betrugen in Md für Läuferediweine pro Paar: 4—6 Wochen eit 60—70 : 6—8 Wochen alt 70—80: 8—10 Wochen elf 90—120. Auf dem Tiermarkt bestand Überangebot.

Schopfheim . Der Schweinemarkt vom 25. 6. hatte eine Anfuhr von 100 Schweinen zu verzeich­nen. Infolge der Hitze war der Handei gering, bei flauem Absatz verblieb wieder ein größerer Uber­stand. Viele Käufer waren auch wegen der Heu­ernte nicht vertreten. Die DM-Preise für 4—6 Wo- dien alte Schweine 30—40 ; 7—9 Wochen alte 45 bis 60: 9—10 Wochen alte 65—70.

Munderkingen . Dem Viehmarkt vom 26- 6. waren zugeführt: 20 Farren, 1 Ochse, 6 Kühe. 121 Kalbein, 75 Rinder. Verkauft wurden: 18 Farren, 1 Ochse, 4 Kühe, 79 Kalbein, 56 Rinder. Die Preise betrugen in DM: Farren 380—600, Ochsen 1300, Kühe 600—900, Kalbein 850—1200, Rinder 300 bis 720. — Auf dem Schweinemarkt betrug die Zu­fuhr: 529 Mildisdiweine und 26 Mutterschweine Verkauft wurden: 489 Mildisdiweine und 15 Mut- tersdiweine. DM-Preise für Mildisdiweine 45—60, Muttersdiweine 260—340.

Dem Pferdemarkt waren 13 Pferde zugeführt: verkauft 3 Pferde: Preise 950—1300 DM.

Stuttgart . Am 26. Juni wurden eufgetrie- ben: 125 Rinder (davon 80 Uberstand vom Diens­tag), 5 Kälber, 26 Schweine. Marktverlauf: Kälber und Schweine langsam geräumt, bei Großvieh grö­ßerer Uberstand, — Die Preise hielten .sidl im Rahmen der Dienstagnotaerung.

Tisch; 14.10 Chorgesang: 14.30 Kinderfunk: Der Froschkönig; 15.00 Lieblingsschlager, da­zwischen Bericht von den Deutschen Leicht- athletikmeistersdiaften in Berlin ; 17.00 Ein­akter von Giraudoux : Der Apoll von Bellac ;

17.40 Solistenkonzert, u. a. Teufelstriller­

sonate von Tartini , Solist: Taschner: 19.00 Sport-Totoergebnisse; 20.05 Oper von Gluck : Orpheus und Eurydike: 22 30 Tanzmusik. — * BER : 7.05 Frühkonzert; 10.15 Konzert des Studio-Orchesters: 12.40 Wunschkonzert: 16.50 Hörspiel: „Steibmch"; 18.05 Orgelmusik;

18.40 Lieder von Wolf und Schubert) 19.40 Zuger Zentenarfeier. — VOR: 7.25 Mor­genkonzert; 8.30 Heitere Morgensendung;

9.40 Andachtsstunde; 11.15 Wiener Fest­ wochen : Konzert der Londoner Philharmoni­ker, Dir. Karajan ; 13.00 Blaskonzert; 14.30 Die Wetterhexe von Oetscher; 15.00 Tiroler Volkslieder; 15.20 Zither und Gitarre; 16.00 Konzert für alle; 17.“0 Hörfolge nach Cal- deron: Das. große Welttheater; 18.00 Kurz­weiliges Fragespiel mit Preisen; 20.15 Ope­rettenmelodien; 21.15 Auf Meckerwelle — heiter-satirischer Bilderbogen; 23.00 Tanz­musik.

MONTAG, 30. Juni: SWF: 6.10 Marktberichte; 9.05 Für die Hausfrau; 11.45 Volksmusik (Freiburg : 13.30 Musik nach Tisch; 14.30 Schulfunk: Die Staatsanwaltschaft; 17.40 Ba­dische Erzähler: Friedrich Munding, Kon­ stanz (Freiburg ); 17.55 Streifzug mit dem Mikrophon (Tübingen ); 20.00 Oper von Verdi: Ein Maskenball; 22.50 Amerikanische und deutsche Parteien; 23.00 Fünf Minuten vor dem. Ersten. — * STG: 5.20 Marktrundschau: 8.00 Um Himmelswillen — eine Schildkröte: 10.45 Heitere Kirschenpetergeschichte: 12.00 Musik am Mittag: 15.00 Schulfunk: Der mitt­lere Schwarzwald : 16.00 Nachmittagskonzerts

17.40 Heimatpost: Von alten Enklaven; 18.35 Pflege des Pfirsichbaumes: 20.05 Musik für jedermann; 22.10 Militärpolitischer Kommen­tar; 23.00 Kabarett: Aus dem Ärmel geschüt­telt; 23.30 Tanzmusik. — ★ BER : 6.26 Leichte, bunte Morgenmusiki 7.15 Akkordeon- und Jodelduette; 12.40 Konzert des Studio-Orche- sters: 16.30 Klavierquartett von Schumann ; 18.20 Holländische Unterhaltungsmusik; 19.00 Wasser, Fische, Fischfang in der Schweiz ; 21.00 Tellspiele in Altdorf ; 21.35 Klavier­konzert von Mozart . — * VOR 13.00 Mit­tagskonzert aus Wien ; 16.00 Unterhaltungs­musik; 16.30 Kindermärchen; 17.10 Nachmit­tagskonzert; 18.30 Lieder von Schubert, Schu­ mann , Wolf; 18.45 Jugend, höp'zu; 19.45 Ro­ mano Guardini : Das Ende der Neuzeit; 20.15 Italien , Land deutscher Sehnsucht; 21.00 Chor­konzert; 22.15 Geschichte der Medizin; 22.30 Melodie und .Rhythmus.

„In der Hauptrolle:

so? CHARLOTTE LENZ"

Roman von Roland Marwitz

„Du bist müde Karl und du sollst jetzt schlafen, soll ich dir eine Tabtette geben?“ „Nein.“ Er hatte schon die Lider geschlos­sen. „Wenn du bei mir. sitzt, brauche ich nichts mehr.“

„Ich, werde bei dir sitzen bleiben, Karl.“ Sie löschte das Licht un^ legte Ihm wieder die Hand auf die Stirn.

„Und wenn ich. mor g e n früh erwache, und du bist fort, so war es doch wenigstens ein schöner Traum, Charlotte.“

„Es wind kein Traum gewesen sein, Karl.“ „Die Hand muß ruhig werden“, murmelte er nach langer Zeit, und Charlotte wußte nicht, ob er im Schlaf sprach oder noch wach war.

„Ja“, sagte sie und jetzt erst fiel ihr wie­der Percy ein. •

Als Percy den Club betrat, konnte selbst der alte Charles, der an der Garderobe stand und Zylinder und Mantel in Empfang nahm, sein Erstaunen kaum verbergen, „Oh, Sir Percy! Oh, Sir Percy!“, stam­melte er und es blieb unergründlich, ob es ein Ausruf der Freude oder des Erschrek- kens war. Percy Ginster nickte ihm zu und ging durch den Lesesaal. An vielen Tischen brannten kleine Stimdampen, und obschon fast jeder Platz besetzt war, sah man kein Gesicht. Alle waren von den großen Zei­tungsseiten verborgen. Es herrschte Toten­stille. Das Uiahlattem einer Seite war im ganzen Raume zu hören. Jeder Schritt wurde von den schweren Teppichen auf­gesogen. Niemand schien Percy zu beach­ten, aber als er die Tür zum Billardzimmer aufstieß, fühlte er, daß ihm viele Blicke nachsahen. Blicke von Menschen; für die er ein Toter gewesen war.

Die Kugel kam über die Bande und klopfte gegen den roten Ball, aber zugleich aetzte Lord Warrick sein Queue auf den Boden, auch sein Partner, der junge Bulwer, blickte auf, und eret als Percy auch dieses

Zimmer fast durchschritten hatte, grüßten sie ihn mit einem Lächeln und murmelten ihr „Guten Abend“.

Percy dankte, wie er eben dem alten Diener gedankt hatte, dann, an der Tür zum nächsten Saal, wandte er sich noch einmal um. „Ist Raichens hier?“, fragte er gleich­mütig und der junge Bulwer versicherte ihm, daß Major Ritcfaera sicher im Club sei, eben noch habe er mit Mr. Graham im Musikzimmer geplaudert.

„Mit wem?“

Percy starrte den jungen Mann an, der ein verbindliches Lächeln zeigte.

Ja, natürlich, Sir Percy wisse wähl noch nicht, daß jetzt Mr. Graham dem Club an­gehöre. Schon geraume Zeit. Aber Sir Percy war ja leider in den letzten Monaten selten im Club.

Percy dankte und wandte eich zurück zum Lesesaal. Es hatte keinen Sinn, hier­zubleiben, wenn, Mr. Graham Mitglied des Clubs geworden war. Er war nicht davon verständigt worden. Einem Manne, der mit einem Fuß im Grabe steht, brauchte man derlei nicht mehr mitzuteilen ...

Warrick beugte sich wieder über das grüne Tuch, aber ehe er zu spielen begann, sagte er leichthin, daß Sir Percy Major Rit- chers sicher nicht unwillkommen wäre, zu­dem sei Mr. Graham bereits vor einer Vier­telstunde gegangen.

Gut Es war eine Gnadenfrist. Für heute konnte man nochemmal hierbleiben. Mor­gen konnte man seinen Austritt mdtteilen, der denen da kaum überraschend kommen würde.

Major Rftchers saß im Speisezimmer. Er war der letzte Gast hier, Als Percy an sei­nen Tisch trat, streckte er dem Kameraden die Rechte hin, während er mit der Linken das Rotweinglas an die Lippen führte.

„Weiß Gott“, rief er dann. „Jetzt glaube auch ich es! Percy federt fröhliche Aufer­stehung! Neulich reitet er im Hydepark und heute kommt er in den Club! Sage mir, wie das Wunder geschehen ist?!“

Er drückte Percy in den Stuhl, der ihm gegenüberstand, ergriff ein leeres Glas und goß es voll

„Es ist kein Wunder geschehen, James.“ „Doch. Schon dos eine, daß du meinen Vornamen richtig behalten hast! Wie aber steht es damit...?“ Major Ritchers tippte auf die Brust an die gleiche Stelle, wo Percy Gloster die Jagdkugel getroffen hatte. „Uebrigens“, fuhr er fort, „die Dame, mit der du neulich ausrittest, sie könnte es mit unseren ersten Stans aufnehmen. Ist sie sehr berühmt drüben, in Deutschland ?“ „Ich verstehe dich nicht, James. Warum sollte Miß Lenz berühmt sein?“

„Weil du es mir ruhig anvertrauen dürftest, daß es gamicht deine Kusine ist, sondern...“ Major Ritchers hob das Glas und trank Percy .lächelnd zu, indem er das eine Auge zusarrrmenkniff.

„Ich möchte dich bitten, zu schweigen oder deutlicher zu werden, James“, sagte Percy Gloster. Er ließ das Glas, das vor ihm stand, unberührt.

„Warum leugnest du es denn, Percy?“ Der Major schien eher belustigt als em­pört. „Ich gehe zwar nie ins Theater, aber ich beigreife vollauf, daß man sich für eine berühmte Schauspielerin interessiert.“

„Miß Lenz ist weder berühmt noch eine Schauspielerin, James. Sie ist meine Kusine und studiert, glaube ich, in Heidelberg .“ „Merkwürdig, Mr. Graham sagte mir, daß sie eine Schauspielerin wäre ... Er wußte es durch seine Frau. Sie weiß mei­stens gut Bescheid.“

„E& ist mir unmöglich, James, einer Be­hauptung van Mrs. Graham auch nur zu widersprechen. Aber verlasse dich darauf, sie irrt sich.“

Der Major schwieg und Percy trank nun sein Glas aus. Dann ging er hinüber zum Lesesaal, der sich geleert hatte. Percy Glo­ster überflog die Abendblätter. Er las, und er nahm doch kein Wort von all dem auf, was da stand. Es schien auch bedeutungslos, über die Unruhen in Tel Aviv oder den Mordprozeß Corner unterrichtet zu werden. Gelangweilt legte er die Zeitungen fort. Der Boy, der sie aufnahm, sah ihn fragend an.

„Bitte, bringen Sie mir eine deutsche Zeitung“, sagte er plötzlich, und er dachte

voll Schwermut an Charlotte Lenz, von der dieser halbbetrunkene Ritchers behauptet hatte, daß sie eine Schauspielerin wäre. Nein, Ritchers war nicht angetrunken, und zudem stammte diese Behauptung ja gar nicht von ihm, sondern von Graham, den man in den Club aufgenommen hatte und der... Auch das war falsch, Mabel hatte diesen Unsinn geschwatzt, Mabel, die man einmal für eine kluge Frau gehalten hatte.

„Danke “

Percy Gloster nahm die deutsche Zei­tung, die man ihm gebracht hatte. Er be­gann, sie von rückwärts zu lesen. Bei je­dem Wort dachte er an Charlotte. Sie hat­ten meist deutsch miteinander gesprochen. Und plötzlich las er ihren Namen... Er begriff es erst, da“ es ihr Name war, nach­dem er schon zwei Zeilen weitergelesen hatte, ohne auch nur ein Wort des Ge­druckten zu verstehen. Für Sekunden schloß er die Augen. Wieder tauchte die furchtbare Angst vor dem Wahnsinn in ihm auf, und er versuchte, sich der Worte Mr. Fenns zu erinnern. „Wissen Sie, was das beste Zeichen dafür ist, daß man nicht wahnsinnig ist? Daß man glaubt, es zu werden.“ So ähnlich hatte Dr. Fenn gesagt, und Percy war ihm jetzt für jedes dieser Worte dankbar. Er öffnete die Augen und versuchte ganz ruhig die Stellen der deut­schen Zeitung zu lesen und zu begreifen. Es waren nur ein paar Zeilen. Sie standen in der Rubrik der Theatemotizen und meldeten, daß Charlotte Lenz nach Been­digung ihres Urlaubs die Hauptrolle in einem Shakespeareschen Drama und in einer modernen Komödie spielen würde.

Charlotte Lenz. Da stand der Name und eine Täuschung war unmöglich. Aber war es nicht möglich, daß dieser Name öfter vorkam? Man selbst wußte von Leuten, die den gleichen Namen führten, die sogar mit dem gleichen Namen berühmt gewor­den waren. Es gab einen Schriftsteller in Amerika und einen englischen Boxer, die sagar die Vornamen miteinander gemein hatten, und sicher kaum voneinander wuß­ten, bestimmt aber nicht einmal mitein­

ander verwandt waren. Und zwischen den Churchills konnte überhaupt kein Mensch sich mehr zurechtfinden. Jeder und jede war etwas anderes und alles war extra­vagant ... Er las noch einmal die Notiz, und er war nun sicher, daß alles nur ein Zufall war. Das erklärte dann auch das hysterische Geschwätz Mabels, das bis in den Club gedrungen war. Zudem war Charlotte viel zu jung, um bereits an einer ersten Bühne große Rollen spielen zu kön­nen, auch gab es überhaupt keinen Grund, warum sie dann nach London und zu Phöbe gekommen war. Er warf einen letz­ten Blick auf den Namen, der einer Frem­den gehörte, dennoch erschien es ihm wie ein Raub an Charly, daß hier ihr Name stand, der ihr gehörte und nicht gehörte, und den Tausende lesen konnten. Er legte die Zeitung hin und zündete sich eine Zi* garette an, dann löschte er die Pultlampe. Es war jetzt fast völlig dunkel. Von fern hörte man gedämpfte Musik, wahrschein­lich war es Sir Douglas , der da spielte. Es war gut, hier im Dunkel zu sitzen, zu rauchen und der fernen Musik zu lauschen. Die Flügeltüren wurden aufgestoßen, für einen Augenblick klang der Klavierakkord lauter. Warrick und der junge Bulwer gingen durch die Bibliothek.

„Ich glaube kein Wort davon“, sagte Warrick. „Sir Percy ist doch nicht so toll, um einer Kommödiantin tausend Pfund zu zahlen!“

„Warum nicht, Lord? Wenn man am Rande des Grabes steht, darf man sich erlauben, verschwenderisch zu sein.“

„Er steht keineswegs am Rande des Grabes. Mein Großvater hat in der Krim eine Kugel abbekommen und ist dreiund­neunzig mit ihr geworden. Es war ein Hüftschuß und zuletzt saß ihm das Ding am Fußballen. Man hätte es leicht ent­fernen können, aber er wollte, es^nicht. Er sagte, er hätte sich so an das Hinken gewöhnt, daß es ihm als altem Mann nicht zugemutet werden könnte, noch wie an­dere Zweibeiner herumzulaufen.“

(Fortsetzung folgt)