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Offenburger Nachrichten

Von EdelweiB und Märzbechern

Wir sind es gewohnt, die Abzeichen der Reidis- straßensammlung in den Kriegswinterhilfswerken mehr noch als früher in eine wenn auch manchmal nur lockere Gegenwartsbeziehung gestellt zu sehen, und sei es nur, daß sie, wie die reizende Spielzeug- schau des Dezemberabzfichens, als Freudebringer gewertet werden wollen. Um so erstaunter mag mancher über die Wahl der unter Naturschutz stehen­den Pflanzen als Vorbild für die Abzeichen zur

Reichsstraßensammlung sein. Denn in einer Zeit, m der — um nur ein Beispiel zu nennen — kost­barste historische Werte, wie etwa in Lübeck , durch feindliche Terrorangriffe unwiederbringlich ver­lorengehen, erscheint eine Propaganda zur Scho­nung und Erhaltung einiger wildwachsender Pflan­zen vielleicht etwas übertrieben. Zumal — darüber kann wohl kein Zweifel bestehen — den Abzeichen des Winterhilfswerks immer ein großer propagan­distischer Erfolg beschießen ist, ganz gleich, un welche Vorbilder es auch geht.

Die Verbreitung von 40 und mehr Millionen Abzeichen lenkt immer wieder die Aufmerksamkeit des ganzen Volkes auf sich. Verdienen also diese kleinen wilden Blüten wirklich die Aufmerksamkeit, die ihnen durch die Millionen-Abzeichen des WHW. in so überreichem Maß zuteil wird?

Die Reichsstelle für Naturschutz, die seit langen Jahren in stiller, unermüdlicher Arbeit kostbare Naturwerte vor dem Verderben schützt, weiß Ant­wort auf diese Frage. Ihrem fachlichen Wirken ist es zu danken, wenn so seltene und schöne Pflanzen wie Edelweiß, Enzian, Seidelbast und andere vor der sinnlosen Zerstörung durch unbedachte Hände bewahrt werden.

Alle diese Pflanzen sollen ungestört, zur Freude naturliebender Menschen wachsen und blühen dür­fen, ohne von einigen wenigen Egoisten gefährdet zu sein. Die Freude an der Natur, am Leben und Gedeihen von Feld und Flur ist fest im deutschen Menschen verwurzelt und soll auch, allen Erschüt­terungen dieses Krieges zum Trotz, lebendig er­halten bleiben. Denn sie ist uns heute, inmitten einer Welt des Hasses und der Zerstörung, vielleicht notwendiger denn je. Um so mehr gilt es, weite­sten Volkskreisen die Augen zu öffnen über die Notwendigkeit der Schonung und Erhaltung von Werten, die — einmal zerstört — nicht mehr wie­dergebracht werden können. Wenn zu diesem Zwecke wieder einmal, wie schon oft bei anderer Gelegenheit, der Weg über die Abzeichen des Winterhilfswerkes genommen wird, so dürfen war darin nur einen neuen Beweis für das gegenwarts­nahe Wirken des WHW. erkennen. Und deshalb sollen uns die kleinen Blumenwunder, die von den Männern und Frauen der DAF. am 27. und 28. März bei der 7. Reichsstraßensammlung dargeboten werden, von Herzen willkommen sein.

Hauptmann Müller spricht

Die Kreisleitung der NSDAP , gibt bekannt: Die Politischen Leiter, Walter und Warte der DAF. und NSV. treten heute Freitag auf dem Park- p«ltz bei Photo-Grimm um 19.40 Uhr zum Ein­marsch in die Stadthalle an. Die Fahnenträger stehen zur gleichen Zeit im Vorraum der Stadt­halle zum Fahneneinmarsch bereit

Die Partei- und Volkgenossen werden auf die Kundgebung nochmals hingewiesen und zu zahl­reichem Besuch aufgerufen.

Der Ula-Film „Diesel“ angelaulen

Gestern abend lief in den Stadthalle-Lichtspielen der neue Ufa-Film „Diese1“ an, der auch über das Wochenende zu sehen sein wird. Der Film zeigt, in markanten Strichen gezeichnet, das Leben einer der großen deutschen Erfinderpersönlichkeiten. Wie Diesel seinen Weg zur Vollendung des von ihm geplanten Motors ging, wie er allen Widerständen, Intrigen und Anfeindungen zum Trotz stark blieb und durchhielt, wie er, um seiner Idee willen die sichere Existenz verließ und sich und seine Familie einer unsicheren und unbekannten Zukunft ent­gegenstellte, von all dem erzählt das Geschehen auf der Leinwand. Zwei tapfere und an den Er­finder glaubende Menschen sind Diesel Halt in seinen vielen schweren Stunden.

Gerhard Lamprecht , den wir als erfolgreichen Spielleiter und Autor mancher großer Filme kennen, versteht es, das Geschehen spannend zu gestalten, und den an sich etwas trodcenen Stoff lebendig werden zu lassen. Das Drehbuch schrieb Frank

iThies unter Benutzung der Diesel-Biographie [von Dr. Eugen Diesel. In der Rolle des genialen Erfinders, dessen Denken und Schaffen die Welt der Maschine revolutionierte, sehen wir, lebendig und voller Kraft in der Darstellung, Willy- Bir­ gel . Sein auch hier wieder meisterhaftes Spiel bringt uns die Person Diesels nahe. Ihm zur Seite steht Hilde Weißner als tapfere, mit ihrem Mann durch Dick und Dünn gehende sympathische Frau. Arthuer Schröder ist als Lucin Vogel ein guter und treuer, auch in der Not erprobter Freund, wähend sich die markante Künstlerpersönlichkeit Paul Wegeners als Professor Buz vorstellt, der zum verständnisvollen Förderer des großen Er­finders wird.

Einfach und klar erzählt uns der Film, wie es Diesel nach langen Jahren schwerer Arbeit gelang, seinen Motor zu bauen. Aber nicht nur von tech­nischen Dingen berichtet uns das Geschehen auf der Leinwand, sondern es malt uns zugleich ein interes­santes und farbiges Bild des Lebens vor 70 Jahren.

A. Erich Boskamp.

Sammelsieg der Formationen

Unsere SA.- U-, NSKK.- und NSFK. -Männer verhallen auch der 6. Reichsstraßensammlung zu einem vollen Erfolg. Das Gesamtergebnis betrug 1 6;o 203.40 RM., also um 68z 147.84 RM. oder 70,64 Prozent mehr als im Vorjahr. — Von den Kreisen hält Mannheim die Spitze mit 90,88 Pfg. pro Kopf. Die größte Leistungssteigerung erzielte der Kreis Lörrach mit 189,86 Prozent. Auch diese Sammlung bezeugt den tiefen Widerhall, den die bitteren Ereignisse der rückliegenden Wintermonate in unserer Heimat gefunden haben. So berichtet die Kreisleitung Konstanz von der auf Stalingrad fol­genden Straßensammlung, daß sie gegenüber dem letzten Jahr einen Anstieg um mehr als das Dop­pelte, nämlich von 28 000 auf 61000 RM. er­geben hat. Eine überzeugende Volksabstimmung, aus der sich die Leistungen einzelner Volksgenossen noch besonders hervorheben. So erschien beim Kreisleiter die über 70 Jahre alte Frau eines kleinen Beamten, die für die Soldaten 50 RM. übergab, welche sie aus kleinen Beträgen zusammengespart hatte.

Die Laufbahn des aktiven Unteroffiziers

Spähtruppaufgaben erfordern Mut, Tapferkeit, Umsicht und Selbständigkeit. Ihre Erkundungsergeb­nisse liefern der Führung die Unterlagen zu weite­rem Handeln. Die meisten Spähtrupps werden von Unteroffizieren geführt.

Unteroffizier kann jeder tüchtige, gesunde Deut­sche werden. Wenn er 17 Jahre alt ist, kann er als Unteroffizierbewerber in das großdeutsche Heer ein- treten. Verpflichtung kann erfolgen für eine Dienst­zeit von 4 % und 12 Jahren. Meldungen nimmt zu

jeder Zeit das nächste Wehrbezirkskommando ent­gegen. Die Arbeitsdienstpflicht ist für Unteroffizier- bewerber auf 3 Monate verkürzt. Truppeneinheit und Waffengattung können selbst gewählt werden. Die Beförderung zum Unteroffizier ist bei Frontbe­währung nach neunmonatiger Dienstzeit möglich. Bei entsprechender Leistung kann auch die lieber nähme in die Offizierlaufbahn erfolgen. Ein zweiter Weg zum aktiven Unteroffizier gebt über die Un­teroffizierschulen. Bewerbungen sind an das Wehr­kreiskommando oder die Annahmestellen für Heeres- Unteroffizierschulen, Berlin W 35, Viktoriastraße 32, zu richten, (x)

Der Rundfunk am Samstag

DKD Reichsprogramm: 12.35—12.45 Uhr: Be­richt zur Lage; 14-15—15.00: Heitere Unterhal­tungsweisen; 16.00—-18.00: Bunter Samstag-Nach­mittag; 18.00—18.15: Hörszene; 18.30—19.00: Der Zeitspiegel; 19.20—19.35: Frontberichte; 20.15 bis 21.00: Tänzerische Zeitmusik; 21.00—21.30: „30 beschwingte Minuten“; 2130—22.00: Bunter Melo­dienreigen. — Deutschlandsender: 17.10—18.30: Deutsch -italienische Konzertmusik (Leitung: P Belker, Kid); 20.15—22.00: Oper, Operetten, Konzert

Kurze Stadtnachrichten

Heldentod. Für Führer, Volk und Vaterland starb im Alter von 23 Jahren der Steuermannsmaat Otto B ü h 1 e r den Heldentod. Der Gefallene war ver­heiratet mit Frau Käthe Bühler geh. Blum, und ein Sohn der Familie Karl Bühler , Rammersweier» Straße 1.

Auszeichnungen. Der Unteroffizier Franz Birk, Stegermatt 4, wurde mit dem Kriegsverdienstkreuz II. Klasse mit Schwertern ausgezeichnet. — Das EK. II «hielt der Unteroffizier Helmut Hum­pelt, wohnhaft Gerberstraße 16.

WHW.-Schießen. Di« Kameradschaft «hem. Bad Prinz-Karl-Dragoner Offenburg veranstaltete letz­ten Sonntag ein WHW.-Schießen. Unter der neuen Führung konnte ein guter Erfolg erzielt werden, so daß eine hübsche Summe dem WHW. zugeführt werden kann.

Bei Berufsantritt bereits Schulentlassung Ende März. Trotz des in diesem Jahre rpät liegenden Ostertermins können die zur Schulentlassung kom­menden Jungen und Mädel, die in das Berufsleben übergehen, schon am 1. April die Lehre beginnen. Der Reichserziehungsminister hat nämlich angeord­net, daß beim Uebergang in die Berufe die Schulent­lassungen schon Ende März vorzunehmen sind.

Einheitsgebühr im europäischen Telegraphendienst. Die Wortgebühr für vollbezahlte gewöhnliche Tele­gramme nach Albanien , Bulgarien , Finnland , Italien , Norwegen und Rumänien wird vom 1. April 1943 an auf i; Rpf. ermäßigt. Von demselben Zeitpunkt an beträgt die Wortgebühr für Telegramme nach Libyen und den italienischen Inseln im Aegäischen Meer 17 Rpf. Im Telegraphendienst mit Dänemark ,

Die neuen Ausgrabungen in Olympia

Vortragsabend in der „Neuen Pfalz“

Die vorgerückte Jahreszeit und die Anhäufung von Veranstaltungen waren wohl schuld, daß der vierte und letzte Vortragsabend der Freunde der Reichsuniversität Straßburg am Mittwochabend nicht den Besuch aufwies, den das Thema und der Redner, Professor Dr. Kunze aus Straßhurg verdient hätte. Der Redner, der selbst als Archäologe seit 1937 im Auftrag der Reichsregie­rung die Ausgrabungen in Olympia auch während des Krieges leitet, gab zuerst geographische Er­läuterungen zu den Fundstellen im Heiligen Hain zu Olympia zu Füßen des Kronoshügels. Dann ging er von den Ausgrabungen in den Jahren 1875—1881 aus und zeigte an Kartenskizzen, was damals dank der deutschen Wissenschaft aufge­graben und seither Gemeingut der ganzen gebil­deten Welt geworden ist Trotzdem birgt der hei­lige Boden in Elis noch viele Schätze, die der Entdeckung harren. Wohl wurde seit 1937 Vieles ausgegraben, aber trotzdem ist die Stunde für einen Bericht über Schlußergebnisse noch nicht gekommen. So könne auch er nur einen Aus­schnitt aus den Forschungen geben, die immerhin die früheren Funde ergänzen, motifizieren und unsere bisherigen Vorstellungen erweitern. Olym­ pia in der stillen Landschaft zu Füßen der Berg­züge des Alpheustales bildete in der frühesten Zeit schon einen heiligen Bezirk und wurde gerade durch seine Lage abseits der politischen Brenn­

punkte Griechenlands zum Symbol eines allge­meinen griechischen Nationalbewußtseins, das die Hellenen auf religiöser uud mythischer Grundlage einigte. Professor Kunze zeigte nun in einer Reihe interessanter Lichtbilder den Zuhörern zahlreiche Funde, wie z. B. Kessel und Dreifüße, Statuen Helme und Schilde aus dem 7. und 6. Jahrhundert v. Chr. Reiche Ornamentik und eine wundervolle kompo­sitorische und plastische Gestaltung von Motiven aus der Götter- und Heldensage schmücken diese bronzenen Gegenstände; Plastiken wie z. B. Zeus, der den Ganymed entführt, ein ausdrucksvolles Bronzepferd von 22 cm Höhe oder der dramatische Kampf zwischen den Kentauren und Lapithen am Westgiebel des Zeustempels gaben uns eine Ahnung von der heute noch unerreicht dastehen­den hellenischen Kunst in der archaischen und klassischen Zeit Wir dürfen stolz darauf sein, daß es gerade die deutsche Wissenschaft ist, die sich auch in der Kriegszeit bemüht, diese einzig­artigen und einmaligen Kunstschätze aus der frühesten Blüte des Abendlandes Europa und der Menschheit wieder zu schenken.

Professor K ä h n i, der den Abend eröffnet hatte, dankte dem Redner für seine lehrreichen Ausführungen, die, wie auch der starke Beifall bewies, für alle Zuhörer einen reichen Gewinn bedeuteten. C. F.

Für KOclw und Barten (

Wir machen eine Kochkiste

„Heute koche ich unsere Kartoffeln in ein« Hutschachtel,“ sagte einmal ein unternehmend« Hausvater zu sein« Eheliebsten, und als sie es nicke glauben wollte, daß so etwas möglich sei, ließ er sich auf eine Wette mit ihr ein, wer wohl bessere Kartoffeln zuwege bringe, er mit der Hutschachtel oder sie mit der Gasflamme. Und wahrhaftig ge­wann er die Wette, denn er hatte die Hutschachtel rings fest mit Zeitungspapi« um den angekochten Kartoffeltopf ausgestopft und damit zugleich die erste Kochkiste erfunden.

„Ja, ist das denn so einfach?“ fragen da unsere Hausfrauen, die längst gern eine Kockkiste hätten, aber nicht wissen, wie sie dazu kommen sollen. Eine Kiste wird sich noch in jedem Haushalt vorfinden, und wenn nicht so haben wir schon gehört, daß es auch eine ausrangierte Hutschacht« oder d« Einmacktopf wenigstens üb« die Wintermonate tut. Wir stopfen den Boden der Kiste mit Holzwolle, Heu, Stroh oder auch Papi« aus, was wir eben gerade zur Hand haben, und zwar ungefähr 10 cm hoch. Dann stellen wir ein oder zwei Töpfe je nach Größe unserer Kiste ‘-Aaein, daß sich die Töpfe nicht berühren. Wir merken uns, daß diese Töpfe gut verschließbare Deckel haben müssen. Dann stopfen wir rings um die Töpfe die Kiste weiter aus, je dicht« wir das machen, um so besser hält diese warm. Dann legen wir über die ausgestopfte Kiste ein Stüde waschbaren Stoff und nageln ihn an den Rändern gut an. An der Stelle, an der « über den Töpfen liegt, schneiden wir ihn einfach von der Mitte aus vielfach ein, die Stoffzipfel lassen wir in das Loch fallen, das durch das Heraus­nehmen der Töpfe entsteht. Das Lock dürfen wir nicht rund aussdmeiden. Dann arbeiten wir ein festes Kissen, das den Raum zwischen Töpfen und dem Kistendeckel gut ausfüllt. Und jetzt merken wir uns noch einmal, gut ankochen, ehe das Kochgut in die Kiste kommt, nicht öffnen, bevor der Inhalt fertig sein wird, Kockdauer mindestens zweimal so lang wie die Gasflamme und zum Schluß, die Kock- kiste immer gut nach Gebrauch lüften und von Zeit zu Zeit die Bezüge waschen. E. H.

Kroatien , den Niederlanden , der Slowakei und Un­ garn wurde die europäische Einheitsgebühr von 13 Reichspfennig schon bei früherer Gelegenheit einge­führt.

Erweiterter Telegraphendienst mit der Ukaine. Der öffentliche Telegraphendienst mit der Ukraine ist auf die Orte Nowomirgorod, Solontonoscha und Wassiljewitschi in der Ukraine ausgedehnt worden.

Wiedereinstellung von Lehrerinnen

Ehemalige beamtete Lehrerinnen, die wegen Ver­heiratung und der damit verbundenen dauernden wirtschaftlichen Versorgung früher aus dem öffent­lichen Schuldienst ausgeschieden sind, können nach einem Erlaß des Reichserziehungsministers wieder eingestellt werden mit dem Ziel der Uebemahm* in das Beamtenverhältnis und der dauernden Wie­derbeschäftigung als Beamte. Sie können, wenn ihre wirtschaftliche Versorgung weggefallen ist, nach einer Bewährungszeit wieder planmäßig und auf Lebenszeit angestellt werden. Bei der Entscheidung über die Wiederanstellung solle, so betont . der Erlaß ausdrücklich, großzügig verfahren werden.

Wer muß seine Wohnung melden?

Die Vermdnung zur Wohnraumlenkung (Reichs­gesetzblatt * vom 8. März) schreibt im § 12 eine besondere Meldepflicht vor. Danach hat jeder Wohnungsinhaber, der üb« mehr als eine selb­ständige möblierte oder unmöblierte Wohnung für seinen eigenen Bedarf oder den seiner Familie ver­fügt, hierüber bis zum 10. April eine Meldung an jede untere Verwaltungsbehörde (Landrat oder Oberbürg«meister) zu machen, in deren räumlichem Bereich er eine oder mehrere derartige Wohnungen besitzt. Ferner hat jede Einzelperson, die eine selbständige möblierte oder unmöblierte Wohnung innehat, dies unter Angabe der Zahl der zu der Wohnung gehörenden Räume und der etwa darin befindlichen Untermitter und Untermieterfamilien bis zum 10. April der Gemeinde zu melden.

Ruf zur Tat: Das deutsche Volk weiß, daß der Krieg ein Kamp} um Sein oder Nichtsein ist. Die 7. Reichsstraßensammlung ist eine Tat der Heimat für den Sieg.

Jer Boot oon Uppenmooc

/ Roman von Willy Harm« / Copyright by Prometheus .

Verlag Dr. Eimadcer. Grtbenxeil bei München

9. Fortsetzung

Da kam Dorten Dahlmann auf den Hof, hatte einen Eimer in der Hand.

„Ich hab’ gesehen, daß du die Schwarzbunte gerettet hast. Kann ich sie melken? Du weißt wohl — die Zwillinge.“

Achim Suhrbier nickte sparsam. Natürlich wußte er- Die Dorten hatte, ohne lange zu fragen — wen hätte sie auch fragen sollen? — vor zwei Jahren die beiden kleiden Frohriepschen Zwil­linge, die die Eltern an einem Tag verloren hatten, zu sich genommen und betreute sie seitdem, als wären es ihre eigenen Kinder. Sie war verspro­chen gewesen mit Christian Maaß, dem Knecht von Frohriep, der vor Jahr und Tag die Kaiserlichen mit einer Fuhre hatte begleiten müssen. Niemand hatte wieder etwas von ihm gehört, und in der ersten Zeit hatte Dorten eich beinahe die Augen aus dem Kopf geweint. Seit sie die Kinder zu sich genommen hatte, war sie ruhiger geworden.

Ein tüchtiges Mädchen war sie. Das sagte jeder im Dorf. Auch jetzt war sie im Handumdrehen mit dem Melken fertig, und die Kuh brummte be­friedigt, weil die Milch nicht mehr drängte. Suhr­bier hatte Wohlgefallen an den starken Armen des Mädchens.

„Wartet du eigentlich immer noch auf den Christian?“

Stumm schüttelte sie den Kopf, guckte einen Augenblick verloren auf den Schaum, der auf der Milch stand Dann fragte sie- „Gehst du mit nach Uppenmoor?“

„Ich geh mitl" Daß Dorten überhaupt fragte! Was sollte er anfangen zwischen kohlenden Balken?

„Und was wird aus mir?“

„Du kommst auch mit.“

„Und wenn er mich nicht haben will?“

„Dann —“ Achim Suhrbier guckte in den Mond, der über dem Kirchhof stand' —, „dann sag’ ich ihm, daß ich eine Frau brauche.“

„Du willst —?“

„Ich will schon. Es kommt auf dich an."

„Aber die beiden Zwillinge behalten wir.“

Das war selbstverständlich. Darüber brauchte man kein Wort zu verlieren.

Das war die Verlobung zwischen Achim Suhr­bier und Dorten Dahlmann. Sie küßten einander nicht, und weil Dorten den Eimer in der Rechten trug, konnte sie ihm nicht einmal die Hand geben. Sie taten, was notwendig war. Ueber Kindereien waren sie hinweg.

„Hast du schon gegessen heute abend?“ Suhrbier zuckte die Achseln. An Uppenmoor hatte er gedacht, aber nicht an das Essen.

„Ich koch’ uns gleich eine Suppe, will nur die Kleinen zur Ruhe bringen In einer halben Stunde kannst du kommen. Aber stell’ vorher die Schwarzbunte unter, damit ihr die kalte Nacht­luft nicht schadet.“

Achim Sujirbier sah ihr nach. Ihm kam’s vor, als wenn ihr Schritt jetzt leichter und sicherer war als vorhin. Es war wohl kein dummes Stück gewesen, das er eben gemacht hatte In Uppen­moor ohne Frau? Das hatte weder Hand noch Fuß Aber Langhehn war tot. Wer gab sie nun zusammen? Darüber mußte er nachher mitJDöi- ten reden. —

Auch bei den Leuten im Schulhause liefen alle Gedanken nach Uppenmoor. Unwirtlich war es in den Räumen, aus purem Mutwillen hatten die Ban­diten alle Fensterscheiben entzweigeschlagen. Glas war seit Jahren nicht mehr zu haben, denn in den Glashütten rührte sich keine Hand mehr.

Ob wir Tische und Stühle mitnehmen können?“

fragte Hedwig. Wie im Traum ging sie durch die zugigen Zimmer, als nähme sie jetzt schon Ab­schied.

„Du weißt noch gar nicht, was morgen wird“, antwortete Mutter Rieke. „Manchmal denke ich, daß die Geschichte auf dem Friedhof nur ein Spuk gewesen ist.“

War es verwunderlich? Ihren Mann hatte sie begraben, hatte mit eigenen Augen sehen müssen, als er die todbringende Wunde empfing, die Toch ter hatte gelitten, daß sie manchmal für ihren Verstand gefürchtet hatte und nun war alles zurückgesunken? Einer war gekommen und hatte mit einer Handbewegung Schweres und Unbegreif­liches beiseitegeschoben und dafür einen Namen genannt, der Auftrieb und neues Freuen brachte. War das etwa kein Spuk?

Andreas Jörn saß fröstelnd am offenen Fenster. „Ungefähr denke ich wie du, Mutter. Ich weiß nicht, ob man — ich will nicht sagen, ob man dem Dietmar vertrauen kann, aber ich werde einen Zweifel nicht los, ob man gut tut, wenn man sich ganz in seine Hände gibt. Schließlich ist es auch nicht unmöglich, daß wir morgen früh keine Spur mehr von ihm finden.“

Zornrot stand Hedwig vor ihm. „Das wagst du zu sagen? Du beleidigst Dietmar!“

„Du bist augenblicklich fest entschlossen, nach Uppenmoor zu gehen. Und wenn nun ein Ratten­fänger von Hameln —“

„Schäme dich, Andreas! Du glaubst selbst nicb% was du sagst“.

„Für dich gibt es kein Ueberlegen mehr 5 “

„Ich geh.“

„Und wenn wir nein sagen?“

„Dann geh ich allein!“

„Warum?“

„Das fragst du noch? Weil hier in Ri ishagen niemand ist, der mich vor Banditenfäusten schützt. Nun weißt du es.“

„Ist das der einzige Grund?“

„Nein, aber der andere geht dich nichts an!“ Mutter Wienecke suchte zu beruhigen. „Denkt an Vater, Kinder!“ Sie konnte kein lautes Wort hören.

„Was wird aus Vaters Grab?“ fragte Dorette. „Wenn wir in Uppenmoor sind —“

„— werden wir es vielleicht nie Wiedersehen“, antwortete Andreas.

Hedwig hatte die gefalteten Hände übers Knie geschlagen und sah ins Leere. Oder sah sie Uppenmorr?

„Ihr redet euch nur etwas vor. Alle werdet ihr

— auch du, Andreas — Dietmars Ruf folgen, nur wollt ihr es euch nicht recht eingestehen. Ich weiß es ganz sicher, daß morgen früh keiner zurück- bieibt. Es kann keiner Zurückbleiben.“

„Ja, Kind, vielleicht hast du recht. Nur kommt alles so plötzlich. Und weil doch Vater nun —“ „Ich wollte, du könntest Vater fragen, Mutter. Meinst du er würde sagen, wir sollten warten, bis noch einmal die Mordbrenner kommen?“

Dorette ging auf die Schwester zu und nahm ihre heiße Hand. ‘ „Hedwig, ich kann es dir nach­fühlen. Ich sehe auch noch — ein anderes —“ „Wenn du es siehst, nenn es nicht mit Namen.“ Johann Rodendank konnte keine Ruhe finden. Ais Totengräber wartete auf ihn noch eine Arbeit. Als Minna, seine streitbare Frau, am Zaun mit Mieken Brinkmann verhandelte, nahm er still sei­nen Spaten und ging zur Dorfschmiede, zu Kord Bohnsack. Dessen Wohnhaus war zwar auch den Flammen zum Opfer gefallen, aber die daneben­liegende Schmiede stand noch. Die Dämmerung war schon so stark, daß Rodendank seinen Freund

— der auf dem Amboß seiner Schmiede saß — zu­erst gar nicht bemerkte.