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Freitag, 4. November 1949

Badisches Volksecho

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Der getreue Fridolin

Die Literatur ist voll von sentimentalen Geschichten über getreue Diener, die ihren, jeweiligen Herrn „bis au den Tod“ in Demut und mit aufopferungsvoller Hingabe dienen, bis ihnen die morschen Stockzähne ausfallen und ihr letzter brechender Blick noch einmal den Herrn umfaßt mit der flehenden Frage: „War ich nicht wirklich getreu?“ Und der Herr nidkfc dann gewöhnlich gerührt mit dem Kopfe, wischt sich verstohlen eine Träne aus den Augen und ist meist tief erschüttert. Der Le­ser — je nach Mentalität — manchmal auch.

Solch einen getreuen Fridolin haben wir auch hier in der Stadtverwaltung, und da die schönen Lippen der Gräfin von Salem nicht sein Lob singen, wie in Schillers „Gang zura Eisenhammer“ dies der Fall ist, tuen wir es. Ein kleiner Unterschied besteht allerdings zwi­schen dem Fridolin der Stadtverwaltung und jenem aus Schillers Ballade — dieser, der un­selige hatte vier Herren, jener, der Schiller- sche nur einen bzw. eine. Im Kaiserreich Wil­ helms des II., unvergeßlichen Angedenkens, begann unseres Mannheimer Fridolin kommu­nale Karriere, die er in der Weimarer Repu- blik forteetzte. Als das glorreiche Dritte Reich angebrochen war, stand er auch hier uner­schütterlich auf dem Posten und trug die schwere Bürde eines höheren Amtes im Macht­bereich Renningers. Und als jenes zusammen­brach, wobei auch unsere Stadt beinahe den Todesstoß erhielt und Herr Renninger gehen mußte, da diente er weiter zum Wohie der Ge­meinde und tut es heute noch.

Fürwahr, dieser getreue Ekehart hat eine kräftige Konstitution. Eingedenk des auf dem Amtssessel vergossenen Schweißes des Braven wurde er bei der jüngsten „Neuverteilung der Geschäfte“ im Rathaus hoch geehrt, man ver­lieh ihm die Würde eines Stadtdirektors. Ehre, wem Ehre gebührt, und dem Verdienste die Krone. Schließlich ist Treue kein leer« 1 Wahn und muß belohnt werden. -m-

Aus dem Polizeibericht

Sündenregister ohne Ende

Mit der Festnahme eines berufsmäßigen Einbrecherpaares, das jetzt der Kriminalpoli­zei ins Garn lief, dürfte so mancher Einbruchs­diebstahl seine Aufklärung finden, der unter „unbekannte Täter“ registriert war. Bisher! konnten den beiden Berufsmäßigen insgesamt 23 Einbrüche und Diebstähle nackgewieeen werden. Die Liste der erbeuteten Waren — darunter 23 Hasen, 2 Fahrräder, Rauchwaren, Schnaps, Lebensmittel, Kleidungsstücke, Le­derwaren, Bargeld usw. — ist sehr umfang­reich und ihr Wert geht in die Tausende. Er­freulicherweise konnte ein Teil der gestohle­nen Waren und Gegenstände vorgefunden und den Eigentümern zurückgegeben werden. Die Ermittlungen laufen weiter, denn es steht schon fest, daß die beiden für weitere Ein­brüche in Frage kommen.

Auf falschen Wegen!

Auf der Suche nach den Unbekannten, die in der letzten Zeit verschiedene Einbrüche in Verkaufshäuschen begingen, stieß man auf eine Gruppe von 5 Jungens im Alter von 8,

Mit vollen Rechten in den Betrieb zurück

Der entlassene Betriebsratsvorsitzende mußte wieder eingestellt werden.

Der Kampf der Arbeiter des Eisenbahnaus- besserungs-Werkes in Schwetzingen gegen die rigorose und ungerechtfertigte Entlassung des Betriebsratsvorsitzenden Kemptner hat zu dem Erfolg geführt, daß der Entlassene wieder ein­gestellt werden mußte. Kollege Kemptner kehrt an seine Arbeitsstätte mit seinen vollen Rechten wieder zurück. Die versäumten Ar­beitstage werden nachgezahlt.

Dieser Erfolg war nur möglich, weil die Ar­beiter des EAW Schwetzingen fest und ge­schlossen hinter ihrem Betriebsratsvorsitzen­den standen und weil darüber hinaus sowohl die gewählten Delegierten der Eisenbahnerge­werkschaft des Unterbezirks Mannheim wie auch die Vertreter der Werkstättenarbeiter von ganz Württemberg/Baden in wirklicher Solidarität den Schwetzinger Arbeitern zur Seite standen. Diese hatten darüber hinaus noch die Sympathie aller gewerkschaftlich or­ganisierten Arbeiter und die der Öffentlichkeit für sich.

Im Verlaufe des Kampfes gegen die Ent­lassung hätte der Gesamt-Betriebsrat von Schwetzingen au* Protest seine Funktionen niedergelegt. In absehbarer Zeit sollen Neu­wahlen zum Betriebsrat stattfindea. Die Arbei­ter des EAW wünschen jedoch allgemein, daß die bisherigen Betriebsräte mit dem Kollegen Kemptner an der Spitze, die das Vertrauen der Belegschaft haben, ihre Tätigkeit fortführen. Von der Eisenbahnergewerkschaft erwajrten: sie, daß diese alles daransetzt, um die Beseiti­gung des Werksdirektors Schlagkampp, auf dessen Betreiben die Entlassung erfolgt war, durchzusetzen.

Ausstellung der Kleintierzüchter

Die Kleintierzucht-Vereine in Mannheim sind jetzt? dabei, im Rahmen von Ausstellungen ihre

über 300 Kleintiere, Kaninchen und Geflügel, lieber zu wirken als ein normal photographierter vorführen. Der 25 Jahre bestehende Geflü- Film. Der Maler führt deutsche Märchen und gel-Zuchtverein Almenhof zeigte in einer Märchen der Weltliteratur, u. a. auch chiuesi- Ausstellung des Kleintierzucht-Vereins sehe Märchenerzählusgen vor. Außerdem bringt 200 Tiere von 14 verschiedenen Rassen. Unge- er Filmvorführungen eigener Art über Kunst fahr die gleiche Zahl von Tieren waren auf der und Baustile, so daß auch für Jugendliehe und Ausstellung des Kleintierzucht-Vereins Erwachsene Interessantes und Lehrhaftes aus Neckarau zu sehen. 22 Geflügelrassen und dem Kulturleben geboten wird.

16 Kaninchenrassen vermittelten den Besuchern Wir weisen jetzt schon auf diese Angelegen­der Ausstellung die Vielseitigkeit der Züchter, heit hin und bitten, die Jugend vom Schulan- Die Ausstellung wurde noch ergänzt durch eine fänger an und auch die Erwachsenen auf diese von den Frauen der Züchter veranstaltete Schau kommenden Vorstellungen aufmerksam zu ma­tt her Fleisch- und Fell Verwertung. In der chen. Es dürfte ein Eintrittspreis von 20 Pfg. Neckarstadt war es der Kaninchen- und Geflü- für Kinder und 30 Pfg. für Jugendliche und gelzucht-Verein „Fortschritt“, der eine Aus- Erwachsene zu zahlen sein.

Stellung von Jungtieren in seinem Wirtschafts- Wir bitten, uns eine vorläufige Zahl der in­raum veranstaltete. Es zeigte sich hierbei, daß teressierten Schüler, Jugendlichen und Erwaeh-

die Züchter bestrebt sind, auch in bezug auf Schönheit der Tiere Höchstleistungen zu errei­chen versuchen, die dem Streben nach hohen Nutzungswert nicht entgegen zu sein brauchen.

Filmvortrag für die Jugend

Vom Jugendausschuß des Stadtkreises Mann­ heim erfahren wir:

Es sind zwischen der Stadtverwaltung, dem Jugendausschuß und dem Stadtschulamt Vor­besprechungen dahingehend eingeleitet worden, daß ein französischer Maler einen Filmvortrag eigener Art auch in Mannheim halten dürfe.

Die Eigenart des Filmes besteht darin, daß es nicht ein fotographierter Film ist, sondern von dem Maler gezeichnete und farbig gemalte Einzelbilder sind, die durch einen besonders konstruierten Filmapparat vorgeführt werden. Dieser Film hat den pädagogischen Vorzug, die

Leistungen der Öffentlichkeit vorzustellen. Am Eigenart des stehenden Bildes mit dem Film­vergangenen Wochenende konnte der Klein- bild zu vereinen, und durch den gleichzeitig tierzucht-Verein Waldhof in einer Aus- mitgehenden Vortrag des Malers, der flüssig Stellung in der Turnhalle der Waldhofschule deutsch spricht, viel lebendiger und eindring-

seneu bekanntzugeben. Der Zeitpunkt der Vor­führungen kann natürlich erst später mitgeteilt werden. Er wird auch noch in der Presse der Öffentlichkeit bekanutgemacht werden.

Weiterhin steht bevor, daß durch Frau PA- fessor Feu de 1 von der Staatlichen Hochschule für Musik in Stuttgart ein Vortrag mit Vorfüh­rung über „Rhythmische Erziehung“ (Tänze, Volkstänze u. dgl.) in Mannheim gehalten wer­den soll. Die nähere Anzeige wird ebenfalls in der Presse erfolgen. Wir weisen aber heute schon auf diese Veranstaltung hin.

Bekämpfung des Froetepanners

Zur Bekämpfung von Fraß-Schäden durch Frostspannerraupen müssen von den Eigen­tümern au Obstbäumen (allen Steinobstbäu­men mit Ausnahme von Pfirsichen) über Win­ter Klebegürtel sachgemäß angebracht wer­den. Diese müssen wenigsten* drei Monate lang klebefähig sein.

Bis spätestens 15. März 1950 sind diese Klebegürtel zu entfernen, sowie die Stämme unterhalb der Klebestellen mit entsprechender GelbmitteHösung zu bestreichen.

Fütterung der Raubtiere bei Krone

Wir sehen Löwen , Tiger , Panther, Bären, Elefanten, Kamele und noch viel mehr.

Vor den Käfigen der großen Katzen ballen sich die Menschenmaseen. In wenigen Minuten ist die Fütterung der Raubtiere. Die Bestien sind in höchster Erregung. Es ist gut, daß sie jetzt in „Einzelhaft“ gehalten sind, sonst würde es eine wilde Balgerei geben. Auch das Löwen­paar ist in seinem Käfig durch eine Scheide­wand von Tisch und Bett getrennt, denn beim Fressen hört die eheliche Gemütlichkeit auf. Wütend kratzen beide an der Zwischenwand und mit Fauchen und bösem Knurren bezeugen sie einander ihren Futterneid. Wenn sie einan­der jetzt an das Fell könnten, wer weiß wie ee

heit gebracht und scheint nun zu warten, bis sich der Schwarm vor seinem Käfig verlaufen hat. Und noch einer der Tiger wird seiner Mahl­zeit nicht froh. Seine Hinterbeine sind infolge Lähmung so schwach, daß sich das Tier nur. mit Mühe bewegen und aufrecht halten kann. Immer wieder knickt es zusammen und lehnt sich an die Käfigwand, um Halt zu finden. Bei den vergeblichen Bemühungen entblößt der Ti­ger lautlos sein furchtbares Gebiß, entweder vor Schmerz oder iu ohnmächtigem Grimm über seine körperliche Schwäche. Dann liegt das ge­waltige Tier wieder schwer atmend auf dem

Vorstellung geben. Sie raufen und balgen sieh um die hineingeworfenen Leckerbissen und ver­üben allerhand Unfug mit gravitätischem Ernst. Ihr lustiges Treiben verscheucht jeden Gries­gram. Tierbabies sind immer reisend und mö­gen sie von noch so unangenehmen Eltern ab­stammen. Von der Bären-Kinderstube kommen wir im Elefantenzelt in eine ganz andere Welt! Da stehen diese Giganten auf ihren dicken Säu­len, die doch so geschickt und behutsam schrei­ten können, obgleich sie eine Last von 60 Zent­nern tragen müssen. Rastlos schwingen die Rüs­sel und tasten suchend umher. Wie stolz kommt

13 ,14 d 16 Jahren, die schon sehr frühzeitig dern sonst etwas melancholisch dreinschauenden Boden und starrt traurig vor sich hin. Daß ein sich doch solch ein Knirps von 4 Jahren vor, iwi-dem Äu#fauben von Verkaufshäuschen Ge- jdpneJRräger hei der'kräffrtro'taeriäem sich 5 wie Räubtiärblick soviel Leid und Schmers auszü- wenn er ein im Elefantsnzeit gekauftes Bröt- fallen fanden, wurden-sie doch in ßderartigeit ili , Y r.„ t tii» iin-mi-An „! t.. TTafioan i„f in. ptpn :i uiphtAm ustnu«aui>n «in-m

Fällen des Einbruches überführt. Weniger Ge fallen dürften sie allerdings an dem jetzt zu er- wartenden Nachspiel haben.

Kino um jeden Preis

Ohne Bedenken drang ein 16jähriger, wie ein Einbrecher, durch ein im 2. Stock des Uni­versum-Gebäudes befindliches Fenster in den Kicoraum ein, um di« um 20 Uhr beginnende Vorstellung unentgeltlich besuchen zu kön- nen. Die Militärpolizei hatte aber für derartige Gewaltmethoden kein Verständnis und über­gab den Jungen der deutschen Polizei.

Angen auf im Straßenverkehr!

Viele Verkelirsunfälle werden immer wie­der dadurch verursacht, daß die'"Fußgänger beim Ueberschreiten der Straßen nicht mit der notwendigen Aufmerksamkeit di« Fahrbahn betreten. So wurde eine ältere Frau auf der Collinistraße von einem Motorradfahrer so un­glücklich „angepeilt“, daß beide mit dem Kopf zusammenstießen, wobei die Frau eine Verlet­zung über dem Auge erlitt.

rasend gebärdenden Löwin ergehen würde! Die Tiger drehen »ich in ihrem engen Gelaß rastlos im Kreis, ab und zu verhalten sie witternd, ob der Wagen mit den „Koteletts" nicht bald kommt oder sie richten sich auf und spähen in die Ferne. Nun wird die „kalte Platte“ heran­gebracht und die Aufgeregtheit der grimmigen Großkatzen steigert sich zur Raserei. Sie toben solange am Gitter ihres Käfigs, bis der Wärter ihnen am langen eisernen Spieß Am großen Fleischbrocken zusehiebt, dem sich die gewalti­gen Tatzen schon gierig entgegeareeken. Dann ist im Nu das „innere Toben“ gestillt und man hört nur noch das Krachen der Knochen oder ein genußvolles Schmatzen, wenn die dolchar- tigeu Beißzähne sich in den Fleischkiumpen bohren. Nur der so prächtig gezeichnete Ja­guar scheint es nicht zu sehätzen, wenn er von Menschen bei seiner Mahlzeit beobachtet wird. Jedenfalls hat er seine Fleischportion auf einem Brett an der Rückwand seines Käfigs in Sicher­

drücken vermag! In den andern Käfigen ist in­zwischen die Mahlzeit 1 «endet. Nun werden große Pfannen voll Wasser hineingeschoben, nachdem in einigen Käfigen die Zwischenwände wieder entfernt wurden. Es sieht drollig aus, wenn zwei der gewaltigen Tiger einträchtig wie Kätzchen nebeneinander kauern und das Was­ser aufschlappen. Dann wird der Boden der Kä­fige von außen gesäubert und dicke Schütten Stroh hineingezwängt. Es dauert nicht lange und die ganze Raubtier-Aristokratie hat sich be­haglich in das Stroh hineingewühlt und hält Siesta. Man könnte sich in einen Kuhstall ver­setzt glauben — so ist vom Erhabenen bis zum Grotesken oder vom Bestialischen bis zum Sen­timentalen zuweilen nur ein Schritt.

Hier wendet sich nun der Gast, angelockt durch Gelächter und belustigtes Kindergeschrei, zu einem Käfig gerade gegenüber, wo sechs allerliebste, drollige kleine Petze eine Separat-

chen mit leichtem Händezittern einem der grauen Kolosse in den bettelnd hervorgestreck­ten Rüssel stecken kann. Nun, diese Giganten der Vorzeit sind in eine Sackgasse der Ent­wickelung geraten, während der Menschen- knirps vor ihnen vielleicht bald in der Lage sein wird, sie und sich selbst und den ganzen Erdball atomweise in die Luft zu sprengen! Noch viel gibt es bei Zirkus Krone zu sehen an merkwürdigen und seltenen Tieren. Eisbären, riesige Braunbären, Kamele, Lamas, Wolf und Fuchs, ein Stachelschwein, die Paviane mit ihrem ungenierten Familienleben, Bison, Gazel­len, prächtige Papageien und «einen einsamen Kondor, reizende Shetland-Ponies, weiße Esel­chen, die wundervollen Rassepferde und sonst noch vieles Getier. „Krone“ ist endlich wieder einmal ein Zirkus, dessen Tierschau auch hält, was sie verspricht uud es mit manchem. Zoo aufnehmen kann. Solch eine Gelegenheit wird sich so bald nicht wieder bieten.

Nun schlägi‘s 13!

Rund 50000 DM beim zehnten Toto, 75000 DM beim elften Toto und 80000 DM beim zwölften Toto! Wenn das so weiter geht, dann wäre ja nun der erste Hunderttausender fällig! Die Schlangen bei den Toto-Annahmestellen werden nun wieder länger werden und die Wettscheine zur Mangelware, denn beim letz­tenmal wurden fast 2000000 Wetten abge­schlossen. Beeilen wir uns also, um rechtzeitig unseren Tip abzugeben. Diesesmal ist die Ge­schichte besonders kompliziert, denn es han­delt sich um deu Toro Nr. 13 und auf der Ta­gesordnung stehen fast nur Lokaltreffen.

Das mit der Nr. 13 kann uns ja nicht er­schüttern, denn wir sind nicht abergläubisch. Und wenn wir wieder daneben tippen, so hat das ja nichts mit der 13, sondern mit der 12 zu tun. Aber die Lokaltreffen 1 Beim Fuß­ball ist ja alles möglich und bei den Lokaltref­fen erst recht. Möglich wäre es zum Beispiel auch, daß alle Lokaitreffen unentschieden ausgehen, und wir könnten uns daher die Sach« sehr leicht machen und bei den Nr. 1, 2, 4, 5, 6, 7. 9 des Wettscheines einfach ein X für ein U bzw. für eine 1 oder 2 machen. Aber warum denn so einfach, wenn es auch komplizierter geht?

Beim Mannheimer „Spiel der Spiele“ ist diesmal wieder alles drin, und wir werden schon vier Tip-Reihen mit 1, 2 oder X (dieses zweimal) brauchen, wenn wir wenigstens ein­mal richtig geraten haben wollen. Der gleiche Sicherheitstrick empfiehlt sich auch für Frank­ furt , München und Fürth . In Augsburg haben die Schwaben in letzter Zeit bessere Streiche ausgeteilt, aber der Ballspielclub macht ja auch in Toto-Sensationen, siehe Nürnberg und Waldhof. Immerhin wollen wir es bei dieaem Lokaltreffen der Toto-Schrecke mir den Schwa­ben halten. Auch in Hamburg wird es viel Kopfzerbrechen geben, denn Eimsbüttel läßt nicht mit sich spaßen. Wir sind trotzdem für St. Pauli , wo es ja auch lustig zugehen soll. In Mühlburg wäre nach einer Reihe von guten Tagen wieder einmal ein Fehltritt fällig, und der Süddeutsche Meister könnte schon, wen* er wollte... In Schweinfurt trifft Schweinfur­ ter Beton auf Regensburger Beton, und da wird man sich gegenseitig nichts anhaben kön­nen. Ob die Knappen in Schalke dem Spit­zenreiter aus Erkenschwick die Steigbügel hal­ten oder ihn aus dem Sattel heben werden, wird der größte Prophet nicht vorauszusagen wagen. Überlassen wir daher die Sache dem Zufall und dem Glück. Bei Reutlingen gegen Rastatt können wir beruhigt eine 1 hinmalen. Allen Respekt vor Aalen als Hecht im Karp­fenteich der Württembergischen Landesliga, aber in Böckingen.wird für sie kaum etwas zu holen sein. Hoffentlich werden die beiden Re­servespiele nicht herangezogen werden müt- sen, denn sowohl Brötzingen — VfL Neckarau, als auch Eintracht Singen — VfL Konstanz sind sehr fragwürdige Angelegenheiten und könnten manchem Toto-Freund noch einen Strich durch diefKöcHtfüng machen.

Lindenboffi berfUh rung freigegeben

Nach erfolgter Beseitigung der Kriegsschä­den wird die Lindenhofüberführung am Frei­tag. den 4. November, wieder dem gesamten Verkehr übergeben.

Schnappschüsse vom Zeitgeschehen

Die englische Filmgesellschaft Gainsborough verleiht neuerdings gegen eine Gebühr von etwa DM 60.— für ihren Hochzeitstag Kleider an englische Bräute, die bereits von einem Filmstar getragen wurden und mindestens einen Wert von DM 1000.— haben. Die Nachfrage nach den Kleidern übersteigt bereits bei weitem das Angebot.

Kleintierzucht verein Gnrtenstadt-Npueich- waid veranstaltet am 5. und 6. November 1949 im Gesellschaftsbaus am Freyaplatz in derGar- tenstadt eine Kaninchen- und Geflügel- Lokalschau, verbunden mit Verlosung.

Der getreue Fridolin

Blick ins Filmatelier

Moritat vom verlorenen Sohn

Diese Moritat singt Kirsten Seiberg in dem Füm „Baienmetodie“, ein Keal-Film aut der Produktion von Gyuln Trebitsch im Verleih der Hersog-Fütn. Text: Günter Eich , die Musik datu komponierte Frenz Grothe.

Meine Herren, Sie brauchen die Zigarre nicht aus dem Munde nehmen, so feierlich ist die Geschichte nicht.

Sie können darüber lachen oder meinetwegen auch weinen, tun Ende lohnt sich das alles nicht.

Meine Herren diesmal ist nicht von Liebe die Rede,

kein Wort von schwülen Nä:hteu unter den Palmen von Hawai .

Ich erzähle von einem Mann, der niiil-.o unter uns sitzt,

an einem Tisch dieses Saaies und vor einem Schnapsglas wie ihr alle.

Seine Haare sind weiß, und er hat Falten im Gesicht, und er trägt Kummer um einen verlorenen Sohn.

Ach, viele von uns sind verlorene Kinder,

aber niemand in der Welt trägt Kummer um uns.

Er aber sprach zu seinem Sohn, als sein Haar noch braun war Ich bin zum Wächter über die Speicher am Hafen gesetzt, es sind große Herren, die mir ihre Schlüssel vertrauten.

Du aber stahlst von dem heil . u Gut und brachtest mir behände.

Es hat lange gedauert, bis ich begriff, daß mein vierzehnjähriger Sohn der Dieb war.

Jetzt aber schnüre Dein Bündel und geh", für Dich ist kein Platz mehr unter meinem Dach.

Ach, viele von uns sind verstoßene Kinder,

aber niemand in der Welt trägt Kummer um uus.

Inzwischen hat die Sonne geschienen und der Wind hat geweht

and die Sterne haben geschienen und Regen fieL

Und das Haus ist leer und in der Nacht redet er mit sich selber,

und er zählt mit Angst die Jahre, die ohne Vergebung und Liebe dahinschwinden.

Meine Herren, wenn Sie so hinter ihrem Glas sitzen,

es passieren, daß ein alter Mann vorbeigeht und ihr Gesicht betrachtet «der er leuchtet Ihnen nachts mit der Laterne ins Gesicht •der et steht am Kai, wenn Schiffe kommen von weither.

Ach, viele von uns sind verlorene Kinder,

^■■ nipman d in der Welt wartet auf uns.

„Flüchtig“

Der neue Ufa-Filiu.

Die Macht der Umgebung auf den Men­schen ist unbestritten, aber zugleich ist die Umgebung, die ein Mensch auswählt, bereits in ihm selbst begründet: Anlage und Umgebung stehen m unlösbaren Wechselbeziehungen, so daß der Mensch sein Milieu bestimmt und diese Umgebung wieder zurückwirkt auf seine Entfaltung. Wie ein Schulbeispiel für diese Auffassung des Schicksals berührt die Erzäh­lung des Films „Flüchtig“ (Le Fugitiv) aus der Regte von Robert Bibal . Den Hintergrund der Fabel bildet das Warenhaus in einer kanadi­schen Grenzsiedlung, in der sich sozusagen die Füchse Gutenacht sagen.

Filmstars definieren den Flirt Jean Marais : Eine Parodie der Liebe.

Ginette Leclerc : Eia unnützer Zeitvertreib für Unbefriedigte.

Vlviane Roman«: Die poetische Umschreibung für die verspäteten Regun­gen alter Männer uud die verfrühten Gefühle junger Mädchen, die noch unter dem Komplex der Jungfräu­lichkeit leiden.

Rente Saint-Cyr: Der Flirt? Eine Art Gabel­bissen, die man mit fröhli­chem Appetit und glänzen­der Laune genießen soll.

Der Flirt? Das ist ein Be­weis der Gesundheit.

Tino fiossi: Eine Waffe, mit der man

spielt, ohne daran zu den­ken, daß sie geladen sein könnte, an der man sieb aber ernstlich verwunden kann. Man muß sie mit Ver­sieht handhaben!

Gterard Philippe: Die Begierde in der Maske jenes Streben« nach „Er­kenntnis“, von dem die Bi­bel so oft spricht.

Ein verführerischer Rat.

Auf der Reise nach Vichy, wohin sie zur Kur fuhr, machte Greta Garbo in Paris Sta­tin. Bekannte veranstalteten einen Empfang

im kleinen Kreis für sie, an dem auch Jean Cocteau te lnahm. Die Garbo erzählte Cocteau von ihren Plänen. „Demnächst werde ich einen alten Liieblingswunsch von mir verwirklichen. Ich habe den Vertrag für einen Film über die Georges Sand abgeschlossen. Die Sand ist eine Persönlichkeit, mit der ich mich schon seit langem beschäftigt habe.“ Cocteau , der keine Gelegenheit vorübergehen läßt Paradoxe zu prägen, spielte den Überraschten und rief mit Emphase: „Was, Sie, die Verkörperung der Grazie und des Charmes wollen Ihre Gaben an der Gestalt dieses Mannweibs verschwenden, dieses alten Dragoners, der Pfeife rauchte und in Hosen herumlief? Aber nein, meine Beste. Sie sind nicht Georges Sand, Sie sind Alfred de Müsset, das ist doch sonnenklar!“ Greta Garbo war sehr betroffen, sprach kaum mehr ein Wort an diesem Nachmittag. Am Abend telephonierte sie nach Hollywood uud erklärte ihrem Produzenten: „Ich wechsele die Rolle, ach werde Alfred de Müsset spielen!“ Obwohl man in Hollywood im allgemeinen vor keinen Extravaganzen zurückschreckt, scheint es do h sehr fraglich, ob man diesen Vorschlag Coc- teaus gutheißen wird.

Ernst« Dinge • heiter gesagt

Der allzugroße Ernst, der uns Deutschen so oft nachgesagt wird, hat in einer Zeit, die wirk­lich ernst genug ist, die Gefahr in sieh, an seiner eigenen Ueberlast ^u ersticken. Vom Aufstehen bis zum Schlafengehen werden wir von ihm ver­folgt, und er treibt noch in unsere« Träumen sein Unwesen.

Nehmen wir einmal das Thema „Ehe“! Die Kriegsehen mit all ihren Begleitumständen und Konflikten liegen täglich erschütternd und er­nüchternd vor unseren Augen, und auch die schon länger bestehende^ sind ins Wanken ge­raten. Soll man überhaupt noch heiraten? Und wenn, wie kann man sich schützen gegen einen Fehlschlag? Ist es richtig, wenn in der Ehe Mann und Frau verdienen, wie es heute leider oft nicht vermeidbar ist? Soll der Mann den Ton angeben oder die Frau?,Wer hat das Ueber-

gewicht auch in der gemeinsamen Lebenslinie, wenn der eine Ehepartner im Lieht* der Oef- fentlichkeit steht, während der andere sich im engen Kreise betätigt?

Viele Fragen, zu denen noch viele andere hin­zukommen, und sie alle gehen Dich und mich und Herrn Jedermann und Frau Jedefrau an. Dicke Bücher sind darüber geschrieben worden, die nur leider von denen, die es vor allem be­trifft, nicht gelesen werden, höchst kluge und gelehrte Artikel, die das gleiche Schicksal er­leiden.

Die Komödie ist auf der Bühne und im. Film­theater die Kunstform, mit der gerade die menschlichsten Dinge liebenswürdig gesagt, die allennenschlichsten Probleme in Angriff genom­men werden können. Mit Lächeln und Bosheit, mit Graz # und Humor, mit einer Beweisfüh­rung aus den Fingerspitzen heraus und wohl auch mit einem Schlagertext lassen sich Zehn­tausende eher belehren und überzeugen als mit dozierendem Ernst.

Vielleicht ist diese Ueberiegung für den Autor Gregor Meybels, für den Regisseur Rudolf Ju- gert, für den Komponisten Adolf Steimel , für den Architekten Robert Herlth , für das ganze Team der camera-Film der Anreiz gewesen, das „1X1 der Ehe“ in ein lustiges Verwandlungs­und Verwechslungsspiel zu kleiden, wie es in Geiselgasteig für die Verleihorganisation Bejöhr- Dietz gedreht wurde. Und die gute Laune schwebte über dem Produktionsleiter Heinz Abel ebenso wie über den Darstellern Irene vonMeven- dorff.Hans Söhnker,Grethe Weiser , Viktor Staal , Gustav Knuth , Bobby Todd , Ursula Herking und Madeion Truss. Alle Szenen, die wir im Atelier sahen, atmeten die gleiche Grandstimmung: Dem Publikum mit der Rätselfrage: „Wer gehört zu wem?“ einige der knifflichsten Reeheuexempe! zu stellen, mit denen im täglichen Leben das kleine und das große-„lxl der Ehe“ aufzu­warten pflegen. — Möge die I/isung geling«», im Film wie im Leben 1

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