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Dienstag, 8. November 1949

Badisches Volksecho

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Wehe, jweuM sie ies^etassen

Ein Bericht des württembergischen Landes- dessportbundes meldet, daß die Sportunfäläe seit Januar ds. Js. die erschreckende Zahl von 2200 erreicht-'haben, und daß sie um 500®/» höher liegen als im vorigen Jahre. Auf den Fußball- und Handballplätzen passieren selbst­verständlich die meisten. Sie machten 82»/o aller Unfälle aus, acht davon verliefen tödlich.

Der Bericht besagt nicht, wie all diese Un­fälle entstanden. Er zeigt auch nicht die Ur­sache der ungeheuerlichen Steigerung auf, und er stellt vor allem nicht fest, wie viele davon auf mutwillige Körperverletzung zurückzufüh­ren sind, dem sonntäglichen Fußballplatz-Be­sucher aber kann nach seinem eigenen Erleben diese Ursache nicht verborgen bleiben. Es mehren sich nicht nur die Sportunfälle kn all­gemeinen, sondern es mehren sich vor allem die Schlägereien auf den Plätzen, der Oberfall fanatischer Zuschauer auf die Spieler gegneri­scher Mannschaften oder auf den Schiedsrich­ter, der immer mehr zum Freiwild „sportbegei­sterter“ Rowdies wird.

Man könnte der Beispiele aus den letzten Wochen genug aufzählen. Vor wenigen Wo­chen wurden sogar Mädels, die in einer Ge­meinde des Landkreises Mannheim Handball spielten, nach Ablauf dee Spieles übel zuge­richtet. Die Mannschaft des VfL Neckarau kehrte am letzten Sonntag nicht nur mit einem Sieg, sondern dafür auch zum Teil mit mäch­tigen Beulen nach Hause zurück und beim 8piel Waldhof—VfR gab es ebenfalls blutige Köpfe, die sich nicht Spieler gegenseitig bei­brachten, sondern auf die Brutalität von Zu­schauern nach beendetem Spiel zurückzufüh­ren sind.

Lieber Leser, vielleicht schüttelst auch Du ungläubig den Kopf, wenn Du von den Grau­samkeiten liest oder hörst, die von menschli­chen Bestien in den Konzentrationslagern des Dritten Reiches begangen wurden. — Viel­leicht hast auch Du, nachdem Du einen Doku- mentar-Film über Konzentrationslager gese­hen hast, gedacht: „Das kann nicht wahr sein, zu solchen Grausamkeiten ist der Mensch nicht fähig.“

Gehe einige Sonntage auf den Fußballplatz und mische Dich unter die Fanatiker und höre was sie den Gegnern ihrer Lieblinge auf dem Spielfeld alles wünschen. Dann wirst Du er­kennen, zu was fanatisierte Menschen fähig sind, und dies selbst beim Sport. itz.

Falschgeld aus Paris

Die Stadtpolrzei Schwetzingen verhaftete vier Frauen aus Schwetzingen und Oftersheim , da sie mit falschen Hundertmarkscheinen ein- gekauft hatten. Bei der Durchsuchung fand die Polizei bei der einen Frau amerikanische Dollar. Bei der Vernehmung, bei der auch die CIO anwesend war, gaben die Frauen an, das Falschgeld von Angehörigen der Besatzungs­macht erhalten zu haben. Nach ihren Angaben gollen die amerikanischen Soldaten das Geld von einer Fahrt nach Paris mitgebracht haben.

Lokale Nachrichten

~ Er wollte billig einkaufeu. In der Nacht zum Samstag zertrümmerte ein Mann zwei Schau­fenster der Kaufstätte Anker in der Breiten Straße — und zerstörte außerdem für Dekora­tionszwecke bestimmte Glasplatten — durch Werfen von Backsteinen. Der Täter wurde von zwei Beamten der Kriminalpolizei er­wischt und in polizeilichen Gewahrsam ge­bracht, ehe er an das Ausräumen des Schau­fensters gehen konnte.

Vortrag in der Wirtschaftshochschule. Das werbe wissenschaftliche Seminar, der Wirt­schaftshochschule beginnt eine öffentliche Vortragsreihe am 22. November 1949, um 19 Uhr, mit einem Vortrag von Prof. Dr. Lysinski über die allgemein-psychologischen Grundla­gen der Wirkung von Anzeigen.

Die Handelskammer teilt mit. Da die Indu­ strie- und Handelskammer in Mannheim be­reit und in der Lage ist über den Waren- und Zahlungsverkehr mit der Ostzone und Berlin Auskunft zu geben, so erübrigen sich Anfra­gen der Firmen beim Landeswirtschaftsamt in Karlsruhe .

Wieder Rheindampferverkehr ab Mannheim Mannheim

. Für die kommende Reisesaison wird die Köln-Düsseldorfer Rheindampfschiff­fahrt wieder ejn Fahrgastschiff in Mannheim stationieren, das ab Frühjahr 1950. den Ober- rhein bereisen und Verbindung zu den bekann­ten Linien des Mittelrheins halten soll. (Iwb.l

„Der Mann, der meine Eltern gemordet hat“

Dramatische Zeugenaussagen im Mordprozefl Göhler

In dem Prozeß vor dem Stuttgarter Schwur­gericht gegen Ferdinand Göhler, der als Ver­walter des Judenlagers Bornhagen bei Kalisch wegen Beihilfe bei der Vergasung von 700 Juden und anderen Grausamkeiten angeklagt ist, fand der erste Verhandlungstag durch eine Reihe von Entlastungszeugen seinen Abschluß.

Der ehemalige Oberbürgermeister und der Leiter des Wirtschaftsamtes von Kalisch wuß­ten nichts Nachteiliges für den Angeklagten auszusagen. Sie haben von keinen Ausschreitun­gen gehört, die Göhler begangen haben soll und schließlich hätten sie doch so etwas erfahren. Ein Funkt ist allerdings noch ungeklärt und offen: Man kann nicht ganz genau behaupten, ob Göhler nicht doch etwa einen direkten und geheimen Auftrag vom Landrat in Kalisch, der immerhin als Verstorbener nicht mehr zeugen kann, zur Vernichtung der Juden erhalten habe. Die unheimliche SS soll es in jedem Falle im­mer ganz allein gewesen sein. Die Auswahl, wer zum Sterben in die schwarzen Autos geschickt werden solle, hätten die Judenvertreter selbst bestimmt, so meint der frühere Leiter dee Wirt­schaftsamtes. So mancher Zeuge fühlt sich selbst als Angeklagter, wenn man auf seine Argu­mente achtet. Nachdem am ersten Tag diese Zeugen nichts zur Aufklärung beigetragen ha­ben, verlief die Verhandlung am zweiten Tag geradezu dramatisch.

„Das ist der Mann, der meine Eltern gemor­det hat! Er ist’s, der über Tod und Leben im Lager entschied!“ Man sieht es den jüdischen Zeugen an ihren Augen an, daß sie in dem Getto von Bornhagen ganz Entsetzliches mitgemacht haben. „Du kennst mich nicht mehr, Du Hund?“ so stellen sie die Fragen in ganzer Schärfe. Sie haben die Bilder noch in sehr genauer Erinne­rung. Das läßt sich auch verstehen, wenn man bedenkt, daß sämtliche Angehörigen eines 28- jährigen Juden in den schwarzen Möbelwagen der SS vergast wurden.

Der Angeklagte wiederholt auf alle Vorhal­tungen: „Ich habe, was ich immer schon er­wähnte, mit dieser Sache nichts zu tun.“ Wenn dann der Richter seine Fragen stellt, die ihrem

Inhalt nach die Glaubwürdigkeit der Aussagen der aufgebrachten Juden prüfen sollen, dann bricht aus diesen Belastungszeugen ihr ganzer Stolz und Glaube. So hat sich einer von ihnen eigens auf den Weg gemacht, den Mörder seines 11jährigen Bruders zu finden und den Mord zu rächen. Er schleudert dem Gericht auf solche prüfenden Fragen ins Gesicht: „Ich suche hier keine Gerechtigkeit. Ich weiß auch so, daß dieser Verbrecher freigesprochen wird!“

Inmitten dieser dramatischen Szenen platzt ganz unverhofft ein neuer Zeuge, ein Deutscher, ein Mann aus Stuttgart . In der Presse hat er diesen Prozeß gelesen und entnommen, daß der frühere Leiter des Wirtschaftsamtes in Kalisch

entlastende Aussagen gemacht haben soll. Er­schüttert darüber, daß dieser Herr und der frühere Oberbürgermeister von Kalisch, die er wohl beide sehr gut kennt, nichts Belastendes aussagen können, eilt er zum Gericht. Er will bezeugen, daß diese Herren die Verhältnisse des Lagers gekannt haben müssen. Der Richter weist ihn jedoch zurück. Zur Sache selbst, zu den Taten Göhlers weiß er nichts zu sagen. Und deshalb interessiert es leider nicht.

Die weiteren Zeugenvernehmungen ergeben immer weitere Belastungen, die der Angeklagte jedoch alle sehr beharrlich leugnet.

Der Prozeß wird voraussichtlich noch meh­rere Tage beanspruchen.

Bewußtlos und schwer verletzt liegen gelassen

Mannheimer Polizeibericht meldet 1

. Auf der Bunsenstraße, in der Nähe der ehe­maligen Jungbuschbrücke, wurde ein Schiffs­junge von einem bis jetzt noch unbekannten Fahrzeug angefahren und schwer verletzt. Der Junge wurde in bewußtlosem Zustande mit einem RK-Wagen ins Städtische Krankenhaus eingeliefert. Da sieh bis jetzt noch keine Zeu­gen bei der Polizei gemeldet haben, die den Unfall beobachteten, sind weitere Einzelhei­ten nicht bekannt. Der Fahrer selbst fuhr, ohne sich um den schwerverletzten Jungen zu kümmern, weiter.

Von der Lokomotive erfaßt.

Um den Weg abzukürzen, überschritt in der Nähe der Eisenbahnstation „Altrip “ ein ver­heirateter Hilfsarbeiter von Alttußheim in Richtung Rhenaniastraße die Bahngleiee. Im gleichen Augenblick kam aber auch schon eine Lokomotive angebranst und schleuderte den Mann auf die Seite, so daß er zwischen die bei­den Bahnstränge zu liegen kam. Einige Stun­den später ist der Unglückliche seinen schwe­ren Verletzungen ira Städtischen Krankenhaus erlegen.

Da werden Weiber zu Hyänen!

Zu einem größeren Menschenauflauf kam es vor einer Wirtschaft in der Langstraße. Dort mußte eine betrunkene Frau mit Gewalt

von dem Wirt aus dem Lokal entfernt wer­den. Das hinderte sie aber nicht, die Wirt­schaft trotzdem wieder zu betreten. Als steh ihr die Wirtsfrau in den Weg stellte, zerrte sie diese an den Haaren und unter Fußtritten auf die Straße, wobei steh die Frau des Wirtes derartige Verletzungen zuzog, daß ärztliche Behandlung durch das Städtische Kranken­haus erforderlich wurde.

Geistesgestört, taubstumm und kriegsbeschä­digt

Um seine Mitmenschen zu täuschen und nach Möglichkeit zu schröpfen, spielte ein Bergmann aus der Gegend von Hannover je nach Bedarf den Taubstummen, Geistesgestör­ten und Schwerkriegsbeschädigten. Auch, in Heidelberg gab er eine kurze Gastrolle. Die Kriminalpolizei nahm steh jetzt seiner an, um sein Vorleben etwas genauer zu studieren.

Zu niedriger Verkaufspreis

Erst 13 Jahre alt war die Kleine, aber doch alt genug, um ihrem in Heddesheim wohnen­den Stiefvater ein Damenfahrrad zu entwen­den und dieses an einen Autoschlosser zu DM 8.— zu verschachern. Der Abnehmer ist jetzt nicht nur seine DM 8.— los, sondern er muß sich jetzt noch vor Gericht wegen Heh­lerei verantworten.

Vierzig Wohnungen des Ludwig Frank -Blocks vergeben

2>Zimmer>WohnttHg koste 57 bis 64 DM - 3-Zimmer-Wohnung 70 bis 87 DM

Im Hause der Gemeinnützigen Baugesell­schaft tagte gestern ein Ausschuß, zusammen­gesetzt aus Mitgliedern des Stadtrates, des Auf­sichtsrates der GBG und Herrn Direktor Platz, welcher sich mit der Vergebung von weiteren 40 Wohnungen des Ludwig-Frank-Blocks zu be­fassen hatte. In Frage kamen 28 Zwei-Zimmer- Wohnungen und 12 Drei-Zimmer-Wohnungen in unterschiedlicher Größe an Flächeninhalt. Um der häufig geübten öffentlichen Kritik an der Wohnungsvergebung entgegenzutreten, war zu dieser Sitzung auch die Presse eingeladen worden.

Der Sachreferent des Wohnungsamtes, Stadt­rat Maier, gab eingangs der Sitzung einen kur­zen Ueberbiick über die Schwierigkeiten, mit welchen die zuständigen Stellen bei der Woh- nungsverteilung zu kämpfen haben, da einem lächerlich geringen zur Verfügung stehenden Wohnraum Tausende von Anträgen gegenüber­stehen. So lagen allein für das Ludwig-Frank- Vorhaben über 4000 Anträge vor, von welchen nur die allerdringlichsten Fälle aussortiert seien. Aus Karlsruhe kam vor kurzem ferner eine An­weisung, 140 Flüchtlingsfamilien im sogenann­ten Eisenlohr-Block unterzubringen. Vom Ober­bürgermeister Mannheims war die strikte Wei­sung gekommen, bis 15.1.1950 unbedingt 36 so­genannten Bunker-Familien mit 2—4 Kindern ein Heim zu geben, eine Maßnahme, die wir nur unterstreichen können, denn unsere Stadtrate- Fraktion wie auch unsere Presse hat eich zu wiederholten Malen aejir mit diesem Elends­kapitel beschäftigt. Weiterhin lag eine Liste von 40 wohnungsbedürftigen politisch Verfolgten vor, welche der Direktor des Wohnungsamtes sozu­sagen eingereicht hatte. In der Tat, die Bewälti­gung des Wohnungselendes ist in Mannheim die dreizehnte Herkules-Arbeit.

Es wurde nach eingehendem Vortrag des Sachreferenten, und auch bei wiederholten Vor­schlägen der anwesenden Stadträte jeder ein­zelne Fall sorgfältig geprüft und auch sofort entschieden. Es wurden nnter den antragstellen­den Familien berücksichtigt: 4 politisch Ver­folgte, 4 Flüchtlinge (darunter 2 Bunker-Fami­lien), 4 Kellerbewohner und weitere 4 aus ein­sturzgefährdeten Ruinen. Zwei Wohnungen gin­gen auf Ansuchen an den Konsum-Verein und eine an die- Süddeutschen Kabelwerke, wooei wir um Mißverständnissen vorzubeugen, in An­merkung bringen, daß es sich hier um Dringlich- keitsfälle von Angestellten dieser Firmen han­delt. Die weitere Vergebung geschah ebenfalls nach absolut sozialen Gesichtspunkten unter Heranziehung von 5—8köpfigen Familien, die unter den schlimmsten Bedingungen, meist in dieser Stärke in einem Raum hausen.

Mit der einwandfreien Vergebung von Wohn­raum ist jedoch diese Frage nicht erschöpft. Wesentlich ist der Bau von neuen Wohnungen zu erschwinglichen Preisen für den Arbeiter, Angestellten und kleinen Beamten. 57—64 DM Miete für eine Zwei-Zimmer-Wohntmg von 49 qm, und 70—87 DM für eine Drei-Zimmer-Woh­nung von 62—70 qm Raumfläche kann man wohl kaum als sozialen Wohnungsbau bezeich­nen. Wie man hört, beabsichtigt auch der Staat in- absehbarer Zeit mit dem Bau von 300 Woh­nungen in Mannheim zu beginnen, wobei er allerdings zur Bedingung macht, daß diese Woh­nungen ausschließlich für Staatsbeamte in Frage kommen. Auf Befragen äußerte Direktor Platz die Auffassung, daß das*letzte Haus des Ludwig- Fraak-Blocks im Januar 1950 beziehbar sein dürfte, womit also die Vergebung von weiteren 68 Wohnungen in Aussicht steht. -m-

Den Rentenempfängern muß geholfen werden

Antrag der KPD steht am Mittwoch zur Debatte

In der Mittwochsitzung des württember- gisch-badischen Landtags steht der Antrag der kommunistischen Fraktion zur Debatte, der den Rentenempfängern, die am meisten zu leiden haben unter der Teuerungswelle, wenig­stens eine kleine Hilfe bringen soll. Die Frak­tion der KPD verlangt in ihrem Antrag, daß die durch das Anpassungsgesetz gewährte Rentenerhöhung bis zu dem Betrag von 15 DM bei zusätzlichem Bezug von Fürsorgeunter­stützung auf diese Unterstützung nicht ange­rechnet werden darf. Dieser für die Aermsten der Armen so wichtige Antrag wurde bereite am 14. Juli 1949 eingereicht.

Körper beschädigt« fordern ihr Recht Am Samstagabend fand in Piankstadt eine Versammlung des Ortsverbandes der Körper­

beschädigten, der Sozialrentner und Hinter­bliebenen statt, die sehr stark besucht war. Bei der Versammlung, die Oberreg.-Rat Engel­hardt zum Referenten hatte, waren Stadtrat Böning aus Heidelberg , der stellvertretende Kreisvorstand Völker und Nägele Mannheim anwesend.

Oberreg.-Rat Engelhardt kritisierte in sei­nen Ausführungen die Gesetzgebung für die Rentenempfänger und forderte ein neues Ver­sorgungsgesetz auf Bundesebene, da die Ver­schiedenartigkeit der Ländergesetze einewirk­liche Betreuung der Kriegsbeschädigten er­schwere. Die Sicherung des Arbeitsplatzes für die Beschädigten müsse unter allen Umstän­den erkämpft werden.

Aua dam Candhraia Mannheim

Wochenbericht dee Polizeiamts Weinheim

In der Berichtszeit bearbeitete das Polizei- amt Weinheim 9 Verbrechen und Vergehe« und 21 verschiedene Uebertretungen, desglei­chen 4 Verkehrsunfälle und 1 Unfall. Bei letz­terem wurde eine Person getötet, 1 Perso« schwer verletzt, 3 Personen leicht verletzt und 6 Fahrzeuge beschädigt. Bei den Verbre­chen und Vergehen handelt es sich um einen schweren Diebstahl, drei einfache Diebstähle, einen Betrug, zwei Fälle der Hehlerei, eine schwere Körperverletzung und eine fahrläs­sige Tötung.

Selbstmord. In den Nachmittagsstunden dee • 4. November wurde an einem Obstbaum im Ge­wann Wüstenberg eine 47jährige männliche Person erhängt aufgefunden. Ueber den Be­weggrund der Tat ist bis jetzt nichts näheres bekannt.

Eine Null za viel i

In unserem Arbeitsgerichtsbericht in der Samstagnummer des Volksecho hat der Druck­fehlerteufel eine Null zu viel angehängt, so daß die Kreissäge, die die Firma Columbia dem Kläger anbot, im Werte von 10000 DM taxiert war. Die angebotene Säge hatte selbstver­ständlich nur den angegebenen Wert von 1000 DM.

Sein Vorname wurde ihm znm Verhängnis

In München war vor einiger Zeit ein Raub­überfall durchgeführt worden. Unter dem Ver­dacht der Mittäterschaft wurde vor 14 Tagen ein Hockenheimer 17jähriger junger Mann festgenommen. Nunmehr hat sich seine völlige Unschuld herausgestelEt. Er hatte den gleichen Vornamen und war gleichaltrig mit dem wirk­lichen Mittäter und das war ihm zum Verhäng­nis geworden.

Herbstbeihilfe bleibt versteuert

Die von Betrieben der Industrie, des Handels, des Handwerks und des Gewerbes an Arbeiter und Angestellte gewährten Herbetbeihilfen wer­den auch künftig in vollem Umfange der Lohn­steuer und Sozialversicherungspflicht unterlie­gen. Ministerialdirektor Dunz vom württember- gisch-badischen Finanzministerium teilte dies am Mittwoch in der Plenarsitzung des Land­tages mit. Er wies gleichzeitig darauf hin, daß Forderungen auf Steuerfreiheit der Herbstbei­hilfen auf den Konferenzen der Finanzminister der Länder bisher abgelehnt worden seien. Da« Finanzministerium verspreche sich von einer abermaligen Intervention in dieser Angelegen­heit nichts. (Lwb)

Holzarbeiter-Tarif gekündigt

Wie wir von der Gewerkschaftsseite erfahren, wurde dieser Tage von der Industriegruppe Holz der bisher gültige Tarif gekündigt, nachdem es nicht gelang, die Teuerungszulage in den Tarif einzubauen. Bisher liegt noch keine Stellung­nahme von seiten der Arbeitgeber dazu vor.

Achtung — Zeitkartenbeeitzer

Stuttgart . Die Eiseifbahndirektion Stuttgart weist darauf hin, daß die Anträge für fahr­preisermäßigte Zeitkarten vom Antragsteller stets mitgeführt werden müssen. Ohne diese Anträge sei die Fahrkarte ungültig und der Reisende zur Nachzahlung verpflichtet, (lwb.)

Rentenanträge bis 31. Dezember einretchen!

Stuttgart . Das Landesversicherungsamt Württemberg weist darauf hin, daß Witwen, die nach dem Körperbeschädigten-Leistungs- gesetz rentenberechtigt sind, die entsprechen­den Anträge bis zum 31. Dezember 1949 ein- gereicht haben müssen.

Nach dem am 20. Juni erlassenen Ände­rungsgesetz zum Ableietungsgesetz kann allen Witwen von Körperbeschädigten, die minde­stens 50 Prozent ihrer Erwerbsfähigkeit ein­gebüßt oder das 50. Lebensjahr überschritten haben, eine Rente gewährt werden, (lwb.)

Für Sonderfürsorgebeitrag

Pforzheim . Die nordbadischen Landräte sprachen steh am Freitag auf einer Tagung in Stein bei Pforzheim für die Auszahlung eine« einmaligen Sonderfürsorgebeitrages an Krie­gerwitwen, Ehefrauen vermißter Soldaten und Sozialrentner aus. Außerdem wurde die Lan­desumlage für Wohlfahrtspflege und Straßen­bau in den nordbadischen Landkreisen bespro-

Vom Jahrmarkt des Lebens

Wedeldnds „Kammersänger“ im Nationaltheater

Das Theater in Westdeutschland ist heute auf der Suche nach guten Stücken mit dichterischer Substanz. Da es zu jenen der lebenden Dichter oft nicht den Mut hat, aus bestimmten Bindun­gen heraus und einem ängstlichen Ausweichen vor der Problematik unserer Tage, wie sie Bert Brecht und Friedrich Wolf auf die Bühne brin­gen, greift es zu den Toten. Bestenfalls reicht der Neuerermut für die philosophischen Zynis­men und blendenden Gaukeleien von Jean-Paul Sartre und seinen Adepten, was darüber ist, das ist vom Uebel. Seit nun Gustav Gründgens im ersten Nachkriegs-Berlin Frank Wedekinds „Marquie von Keith" mit Erfolg heraus­brachte, weil ihn die Titelrolle reizte, erlebten wir eine kleine Wedekind-Benaissance.

Wedekind, einst das enfant-terrible der guten Gesellschaft in Deutschland , wie Oscar Wilde im engbrüstigen puritanischen England seiner Tage, ist ein Moritatensänger der Schaubühne, ein Vagant der Komödie. Er hat dieser guten Ge­sellschaft ganz offenherzig die Meinung gesagt, auch der kaiserlichen Obrigkeit, was ihm Maje- stätsbeleidigungs-Prozösse eintrug. Die fieber­hafte Lebensgier der deutschen Bourgeoisie, ihre brutale Genußsucht, von einer nach außen auf­getragenen Spießermoral nur schlecht verhüllt, hat er mit ätzendem Spott übergossen. Seine soziale Kritik aber blieb bei der Persiflage stehen und drang nicht tiefer. Er begnügte sich damit, die Menschen der bürgerlichen Gesell­schaft, ihre Extravaganzen, ihre verhätschelten

Schoßkinder und die Parasiten der Salons in das Rampenlicht zu rücken und zu sagen: „So sind sie!“ In seinen Komödien bewegte sich eine morbide und lasterhafte Welt von Damen der Gesellschaft, Geschäftemachern, Hochstaplern, Lesbierinnen und Dirnen, ein Jahrmarkt des Lebens.

Der Einakter „Der Kammersänger“ ist ein klassischerWedekind. Diese drei Szenen in einem Hotelzimmer, eigentlich nur für einen kleinen Kreis von Kunstinteressierten geschrieben, ent­hüllen in einem Dialog, scharf wie sich kreu­zende Degenklingen, was eigentlich die Kunst in der bürgerlichen Gesellschaft bedeutet, und wie sie ein Künstler sieht, mit ein paar elegan­ten Seitenhieben auf die Kunstmanager, die Presse und den Löwen Publikum. Bemerkens­wert dabei ist, daß der „Luxusartikel der Bour­geoisie“, wie er sich selbst bezeichnet, der Kam­mersänger, in einem fast dramatischen Ge­spräch mit einem erfolglosen Opernkomponisten, sehr witzig den Kunstverschleiß als solchen be­spöttelt als Künstler, der sich über seine Be­deutung und seinen Wert in dieser Gesellschaft durchaus keinen Illusionen hingibt. Auch die Frauen kommen schlecht weg in Gestalt einer sehr hemmungslosen und triebhaften Schönheit der guten Gesellschaft

Dieser Einakter, dramaturgisch meisterhaft gegliedert, ist ein Kaminerspiel mit künstleri­scher Substanz und einigen dramatischen Ak­zenten und lohnte durchaus die Ausgrabung. Der Regisseur Heinz Rippert , dem anscheinend

das Konversationsstück am Nationaltheater Vor­behalten ist, weckte damit die .Atmosphäre eines vergessenen Zeitabschnitts und schuf ein Genre- Bild von 1900. Einige grelle Töne in bestimmten Situationen wären noch abzudämpfen, denn es ist ein Kammerspiel.

Dankbare Rollen fanden frische Schauspie­ler, voran Recknitz, dem eine überzeugende Deu­tung des verwöhnten Sängers gelang, während Marx dem verkannten Genie etwas zu viel Wer­mut beimengte. Hertha Roth fiel durch unechte Töne ab, Helene Marona liegt auf einer ganz anderen Linie als Pagnol3 Fanny.

, Der Beifall erklang aus einem Publikum, dem ein Dichter ein paar Wahrheiten gesagt hatte, zunächst sehr sporadisch und erhielt erst nach einer Erholungsminute eine wärmere Note. Eine Wiederholung dieser Matinö wäre durchaus wünschenswert. Franz Mohr .

Masikkritisches

Den ersten Meisterklavierabend in den Al­ ster -Lichtspielen bestritt M. de la Bruchollerie, die in Mannheim keine Unbekannte mehr ist, Zum Gedenken an die vor einigen Tagen auf tragische Weise ums Leben gekommene fran­ zösische Geigerin Gmette Neveu begann die Künstlerin mit dem Trauermarsch von Chopin .

Beethovens Klavier-Sonate Opus 110 , Selbst­gespräch eines Einsamen, Weise, die bei aller grübelnder Tiefe sich nie verliert, sondern durchringt zu einzigartiger Klarheit in der Schlußfuge, stellte den anspruchsvollsten Teil des Programms dar. Als reizende Bagatellen schlossen sich ein Pastorale und ein Capricio von Scarletti sowie „le Coucou“ von Claude Daquin an. Mit perlenden und glitzernden Läu­

fen, Bravour und Brillanz spielte die Künst­lerin Schumanns Carneval.

Als letzte Nummer stellte Monique de la Bruchollerie als Erstaufführung in Deutsch­ land eine Sonate von Henry Dutilleux zur Dis­kussion. Zum Teil brechen hier impressioni­stische Klänge an Ravel erinnern durch, leider auch eine Zerrissenheit und ein Zerflattern besonders im zweiten Satz, der das Bild eines kraftlosen Chaos von Empfindungen bot. In­teressant dagegen zum Teil die Variationen des dritten Satzes.

Die Künstlerin, welche durch eine meister­hafte Technik und subtil nuancierten An­schlag eine ausgezeichnete Wiedergabe bot, wurde herzlich gefeiert und dankte durch drei Zugaben. -er-

Getanzter Chopin

Posthume Ehrung für den toten Meister des Klaviers und die mimische Uebersetznng einiger Musiken des großen Polen ins Tänzerische — das war das Programm der Tanzgruppe Egen­lauf am Samstagabend im Goethesaal.

Man kann Chopin auch so deuten, obschon dem Veranstalter die Diskrepanz zwisenen der ätherischen Leichtigkeit Chopin ’scher Musik und der herben und schweren Form des Ausdrucks­tanzes hätte anffallen müssen. Chopin ist duftig und zart, und auch seine träumerische Melancho­lie ist französisch parfümiert — seine „Valses“ und „Impromptus“ nicht minder. Es ist also in jedem Falle musikalische Poesie, welche das klassische Ballett der alten Schule wohl besser interpretieren kann als die gewagten Luft­sprünge moderner Tanzkunst, die eine Synthese mit so viel Grazie, in Tönen ausgedrückt, nicht aufkommen lassen wilL

Katja Beckenbach phantasierte am Flügel, und durchaus nicht schlecht; sie hätte ein Solo bringen können, ohne dem Uebrigen Abbruch zu tun. Familienanhang und Tanzeleven füllten den kleinen Saal und spendeten demonstrativ Applaus. -hr-

Kultumotizen

Im Südwestverlag Konstanz erscheinen drei interessante Werke, deren Besprechung wir uns noch Vorbehalten: Elise Dosenheimer : „Das deutsche Drama von Lessing bis Stern­heim“; Viktor Mann: „Wir waren fünf“ (Bild­nis der Familie Mann); Gerhard Masur : „Simon Bolivar und die Befreiung Südamerikas ".

Arnold Zweigs Romanzyklus aus dem ersten Weltkrieg erscheint im Auf bau-Verlag in Ber­ lin . Als erster der vier Bände kommt in den nächsten Tagen „Der Sergeant Grischa“ her­aus.

Die Neuausgabe sämtlicher Werke Maxim Gorkis in 30 Bänden wurde vom Staatsverlag für schöne Literatur in Angriff genommen. Die Ausgabe wird durch das Gorki-Institut für Weltliteratur vorbereitet

Jorge Amado , der bekannte brasilianische Schriftsteller, der kürzlich aus Frankreich aus­gewiesen wurde, hat die deutschen Rechte sei­nes Gesamtwerks dem Verlag Volk und Welt übertragen.

Prof. Dr. Frings, Nationalpreisträger und Präsident der Sächsischen Akademie der Wis­ senschaften , wird auf Einladungen der Univer­sitäten Zürich , Basel und Bern im kommenden Jahr eine Gastprofessur in der Schweiz über­nehmen.