it zeugte $üc Deutschland

Zum Tode des großen deutschen Dichters Heinrich Mann am 12. März 1950

strahlen allen Zauber und die ganze Reife seiner Kunst aus; sie verkünden einen Hu­manismus ohne Schwäche, der gegen seine Feinde zu kämpfen versteht.

Von seinem letzten größeren Werk, der im Berliner Aufbau-Verlag erschienenen Auto-

_ . biographie „Ein Zeitalter wird besichtigt“,

Der große deutsche Dichter Heinrich Mann bösartige Gewalt, die in unserem Lande Heinrich Mann führte gemeinsam mit schrieb sein Bruder Thomas : sie sei von ist kurz vor Vollendung seines 79. Le- 1933 zur Macht •kam. hat ihn von der Johannes R. Becher 1933 die Delegation der unbeschreiblich strengem und heiterem bensjahres in Kalifornien verstorben. Von deutschen Erde verstoßen.' Aber Heinrich deutschen emigrierten Schriftsteller auf dem Glanz, naiver Weisheit und moralischer allen deutschen Schriftstellern, die unser Mann vereinsamte nicht in der Emigration, Pariser Internationalen Schriftsteller-Kon- würde, geschrieben in einer Prosa deren Zeitalter nicht nur darstellen, sondern für weil er in seinem Werk die engste Berüh- greß zur Verteidigung der Kultur — jenem intellektuell federnde Simplizität s’ie mir seine Veränderung und Vermenschlichung rung mit dem Volk und vor allem auch mit Vorläufer der umfassenderen Friedensbewe- a j s Sprache der Zukunft erscheinen läßt “ wirken wollten, war er einer der groß- der Zeit suchte. Er wurde in den Jahren gung der Gegenwart. Und in dieser Autobiographie erhebt sich

ten. Sein eigener Bruder, Thomas Mann , bis 1939 nicht müde, seine Stimme für die Als schönste Frucht der Jahre Heinrich der große Bejaher zur weiten Schau der ge- der Nobelpreisträger der Literatur, schrieb Kämpfer der deutschen Widerstandsbewe- Manns in Frankreich , das er im August 1940 schichtlichen Erkenntnis. Ursprünglich ein selbstkritisch zum 75. Geburtstag Heinrich gung, für diese Hoffnung auf das gute un - verlassen mußte, um den Fangarmen der geistiger Sohn der großen französischen Manns: „Wer von uns beiden war der große vergängliche Deutschland , vor aller Welt Gestapo zu entgehen, blieben die zwei Ro- Revolution, entwickelte er sich zu einem gesellschaftskritische Seher? Wer hat den zu erheben. Heinrich Mann war ein Rufer mane von König Henri Quatre, in dem er echten Freund der Sowjetunion . „Untertan“ geschrieben und wer in Deutsch - zur Einigung aller ehrlichen deutschen De - ein Bild der Kämpfe in Frankreich bei den Er versteht die russische Revolution, wie land die Demokratie verkündet, zu einer mokraten im Exil und in der Heimat. ; Hugenottenkriegen zeichnete. Diese Romane vorher die französische Revolution beson- Zeit, als andere sich in der melancholi - ’

sehen Verteidigung .protestantisch - roman­tisch - antipolitischer deutscher Geistesbür­gerlichkeit gefielen?“

Thomas Mann hat mit diesen Worten ge­kennzeichnet, warum niemals ein Kompro­miß zwischen Heinrich Mann und Goebbels denkbar sein konnte. Die Faschisten mußten diesen deutschen Schriftsteller besonders hassen: den Autor von „Schlaraffenland'

Stälinpreise für Kunst und Literatur verliehen

Bedeutende sowjetische Schriftsteller und Künstler ausgezeichnet

Der Ministerrat der UdSSR -hat für hervor­ragende Arbeiten auf dem Gebiet der Lite­ratur und Kunst im Jahre 1949 eine Reihe

gelangten außerdem fünf Preise dritten Gra- Für hervorragende Opernaufführungen des zur Verteilung. wurde den Künstlern des staatlichen akade-

Die Filme „Der Fall von Berlin“, „Die mischen Großen Theaters der UdSSR für die „Professor Unrat “, „Der Untertan “ ” Die von Stalinpreisen verliehen. Einen Preis er- „Begegnung an der Elbe“ und „Akademiemit- Aufführung der Oper „Sadko“ ein Preis er- Armen“ und „Der Kopf“ den Gestalter die- s t en Grades in Höhe von 100 000 Rubel er- glied Iwan Pawlow “ wurden mit je einem sten Grades zuerkannt. Mit Preisen zweiten ser Romane, die der stärkste Baustein zum Semjon Babajewski für seinen Roman Stalin -Preis ersten Grades ausgezeichnet. Grades wurden die Aufführung der Oper deutschen realistischen Roman in der ersten « Licht “ er Erde “, Preise zweiten Gra- Preise erhielten die an diesen Filmen betei- „Boris Godunow “ im staatlichen Theater für Hälfte des 20. Jahrhunderts sind. Keiner in „ 2 1 , “° he 000 Rubel erhielten Fjo- ligten Regisseure, Drehbuchautoren, Kamera- Oper und Ballett der Lettischen Sowjet-Re-

der deutschen Literatur hat so früh wie Hein- f* 0 F, „ r '. e . »Geschichte einer Kind- männer, Bühnenbildner und Schauspieler, publik, die Aufführung der Oper „Mazeppa “

rieh Mann, vorausgeahnt vorausgedeutet 2 , ■ ’ Sadriddin Ajni für das Buch „Buchara “ die die Hauptrollen in diesen Filmen spielten, in der Filiale des staatlichen akademischen

was in Deutschland im Keim vorhanden E 222 ai ? ul1 Kasfkewitsch für seinen Roman Mit einem Preis zweiten Grades wurde der Großen Theaters der UdSSR , die Auffüh- war und was dann — über jede satirische ru ;L linK an der Oder , Natan Rybak für Film „Rainis “ und mit einem Preis dritten rung von „Eugen Onegin “ im Staatstheater

und grausame Vorstellung hinaus _ von d , en .. °2? a ? "Pi® Perejaslawer Rada , Kon- Grades die Filme „Glückliche Seefahrt“ und von Estland und die „Trembita“-Aufführung

1933 bis 1945 zu einem vorübergehenden stantln Sedydi für den Roman „Daunja und „Konstantin Saslonow“ ausgezeichnet. im Moskauer Operetten-Theater ausgezeich-

Alexander Waloschm für den Roman „Kus- Aus der Reihe der sowjetischen Dokumen- net. Für Ballett-Aufführungen wurden drei enzker Land“. Neun Autoren erhielten Preise tarfilme wurden die Farbfilme „Die Weltju- Preise zweiten Grades verliehen. Außerdem dritten Grades. gend“ und „Tag der Luftflotte der UdSSR “ wurden fünf Arbeiten aus dem Bereich der

Auf dem Gebiete der Dichtkunst wurden mit Preisen ersten Grades und die Färb- Literatur-Kritik und der Kunstforschung vier sowjetischen Dichtern Preise zweiten filme „1. Mai 1949“, sowie der Kulturfilm Stalin -Preise zuerkannt, dem großen BejaheT einer h“uman'i‘stTsehen Grades zuerkannt und zwar den Dichtern „Waldesleben“ mit Preisen zweiten Grades Geistigkeit von neuer Art. Das Verhältnis Jasönn, Riistam, Barto und Grischaschwili. ausgezeichnet.

wahnwitzigen Trlumpf aufsteigen konnte.

Nie war aber Heinrich Mann nur ein Sa­tiriker, nur ein Verneiner des deutschen Untertans, nur ein überlegener Gegner des Hitlerismus. Er wuchs in Jahrzehnten zu

Unter den mit Stalin -Preisen für Musik

von Macht und Mensch, von Geist und Tat, von Revolution und Demokratie wurde von ihm tief durchdacht. Seit 1910 gestaltete er In den Essays über die großen Franzosen Vol-

Fünf Dichter erhielten Preise dritten Grages. Insgesamt 19 Stalinpreise wurden vom Ausgezeichneten befinden sich ferner der Für Bildhauerarbelten wurden insgesamt Ministerrat der UdSSR für Musikschöpfun- Leiter des weltberühmten Gesangs- und

sechs Preise verliehen. Für das in Berlin gen verliehen. Preise ersten Grades erhielten Tanz-Ensembles der Sowjetarmee . Boris

1JC11 IlauiTO1 vul _ errichtete Denkmal für die Gefallenen der Reinhold Glier für die Musik zu dem Ballett Alexandrow , der Ballettmeister des Ensem-

taire Victor Hugo und Emilie Zola immer Sowjetarmee erhielt der sowjetische Bild- „Der eherne Reiter“ und Dimitrij Schostako- bles, Pawel Wirskij, der Chormeister Kon-

wieder das eine Grundthema- Wie wird die hauer • rew § eni i Wutschetisch einen Preis witsch für das Oratorium „Das Lied der Wäl- stantin Winogradow und die Mitglieder des

ersten Grades. der“, sowie für die Musik zu dem Film „Der Ensembles, Georgij Babajew und Georgij

Für architektonische Arbeiten hat der Mi- Fall von Berlin “. Koshenkow.

nisterrat der UdSSR sieben Preise verteilt.

Auf dem Gebiete der Malerei gelangten

Kluft zwischen Geist und Tat überwunden, wie formt der humanistische Geist die Tat, welche die Welt verändert? Wir in Deutschland , in dessen trüber Geschichte es

{rT1 13 Preise zur Verteilung. Je einen Preis er-

Etenkern unserer 6 foSesArittene? Geister sten Grades «Welten Michail Chmeljko für und^der SÄ2K SS r™“?.».! "T.

gab

wie Heinrich Mann , bitter notwendig. Die

mat“ sowie eine Gruppe aserbaidshanischer wir in Deutschland hatten Dichter, „„

iv/r«— UJ4.4.«« —Kunstmaler und Meisterweber für einen an- g s war natürlich ein Fehler von uns. Jo-

läßlich des 70. Geburtstages J. W. Stalins ge- hannes mit auf anseren Sonntagsausflug zu schaffenen Kunstteppich Mit Preisen zwei- nehmen . Aber Lilo jammertet ohne Mann,

ISL fünftes Rad am Wagen, käme sie nicht

malerkollektivs Kukryniksy (Krylow , Kur- unc j Heinz hatte auch keine Zeit — da

Sonntags-Ausflug mit Johnny

Ein Tangoscheicti unter der Lupe von Wolf D. Brennecke

Zeughaus

wandelt sich zum Kulturhaus

sich an den anderen — rein in den Wald, raus auf die Wiese, im Bachtal hinauf, bis unter die alten Buchen am Quell, wo wir lagerten.

Die Sonne funkelte durch die Zweige und

_ _ „ , t w t „ Sno°w ’ Grigorjew unTand'ere KSK Joh^^ tSK - maTte auf dem'Kn

Im Rahmen der geplanten Neugestaltung Jeianow, Grigorjew una andere ausgezeicn ^ vors teIlen: * ' - - ■ - - — -

Berlins ist u. a. vorgesehen, das durch n ®v Kriegseinwirkung stark beschädigte ehe- . .

Wsewolod Wlschnewskij

malige Zeughaus wieder aufzubauen und die­ses Zeughaus einstigen militärischen Geistes edleren, friedlicheren Verwendungszwecken zuzuführen. Dieses kunsthistorisch wertvolle Bauwerk, das Jahrhunderte hindurch als

Johannes! Er hört es aller-

C V . ___ dings lieber, wenn man ihn Johhny ruft.

Auf dem Gebiete der „Sei - doch - gut zu mir - geh' nidtt fort

— bleibe hier — usw.“ — das ist von ihm. Das und noch anderes. Er komponiert näm­lich.

tanzten, der Wind rauscht« sanft in den Blättern, ein Fink schmetterte sein helles Lied. Werner schloß die Augen und bewegte lautlos die Lippen. Sein Gesicht war ver­träumt.

Und Johnny? Johnny kletterte auf einen

stück „Das unvergeßliche Jahr 1919“ mit ei­nem Stalinpreis ersten Grades ausgezeich­net. Je einen Preis zweiten Grades erhiel-

_ __ __ ten Sergej Michalkow für die Stücke „Ich

Kriegsmuseum diente, soll in ein Haus der will nach Haus“ und „IIJa Golowin“, Kon-

Kultuj-, umgewandelt werden. Mit seinem stantin Simonow für-das Stück „Fremder , , „„ in „ erfülltem zucken ”— ,~ CT ——— * —‘''"‘,7 ““7~

Umbäü, der Wiederherstellung und der Schatten“ und Boris Lawrenew für „Die „£, ar 2 p if ; 2’„ ^E emanderreißt und in knappe, abgehackte

nötigen Umgestaltung des Innern ist vom Stimme Amerikas “. _ • ••■■ •

Ministerium für Volksbildung in der Deut- Von den Preisen, die für hervorragende Nnmnni„»mm 7 Pn _ .

sehen Demokratischen Republik Architekt Leistungen auf dem Gebiete der Schauspiel- kefnenSnnntae-

Professor Harting beauftragt worden. kunst verliehen worden sind, erhielten die kelnen Feierabend, keinen Sonntag,

Prof. Harting will erreichen, daß das ehe- Mitglieder des Moskauer akademischen Gor- Johnny zuckte, wippte, summte, wiegte malige Zeughaus in seiner ursprünglichen kij-Künstler-Theaters der UdSSR für die sich unter der Normaluhr, wo wir uns tra- Form, die eB vor dem Umbau der Jahre 1877 Aufführung des Theaterstückes „Fremder fen, in der Straßenbahn, an der Endstelle, bis 1880 aufwies, wieder entsteht. Es ist be- Schatten“ einen Stalin -Preis ersten Grades auf der Landstraße. Man gewöhnt sich mit

Außerdem ist er furchtbar nervös. Sie Baumstumpf und versuchte, uns dafür zu mußten ihn mal sehen, wenn er einem Ein- interessieren, daß ein Schlager weit größere fall nachiagt — wenn sich seine Fäuste ver- Wirkung erzielt, wenn man die Melodie aus- krampfen, wenn seine Schultern zucken, einanderreißt und in knappe, abgehackte seine Füße wippen, und er Sich ln den Hut- Rhythmen zwängt: „Wochenend und Son- ten wiegt. In seinem Gehirn vollzieht sich „enschein. und dann mit dir im Wald al- dauemd der Schopfungsprozeß — er kennt j e j n _ _ <*

Da stand er nun

wippend, zuckend, be­bend — und ahmte fünf verschiedene In­strumente nach. Er ist ein Meister darin. Aber vielleicht gewöhnt man sich daran. Wir zuckten noch nicht einmal mit den

absichtigt. die wertvolle Barockarchitektur Auch dem Regisseur und den Schauspielern der Zeit daran; man gewöhnt sich sogar Augen, als wir oben auf der Höhe standen des ehemaligen Zeughauses in ihrer ganzen des nach dem Leninschen Komsomol benann- daran, auf jede Frage oder Bemerkung ei- Großzügigkeit wieder erstehen zu lassen, ten Leningrader Theaters wurde für das_von nen Schlager als Antwort zu hören.

„Ein prima Wetter heute — was. Johnny?“

Schönes Wetter heute — und so nette Leute Johnny sang: „Tschiiiu -* tschiu tschiu

Damals ist die in Berllrf einmalige Barock - ihnen aufgeführte Schauspiel „Aus dem Fun­architektur des Lichthofes durch die Errich- ken“ ein Preis ersten Grades zuerkannt. Mit tung einer Glaskuppel und den Einbau einer Preisen zweiten Grades wurden folgende Freitreppe beeinträchtigt worden. Auch die Aufführungen bedacht; „Diese Sterne sind von Andreas Schlüter stammende Freipla- unser“ im armenischen Sundukjan-Schau- stik der Köpfe sterbender Krieger an den spielhaus, „Weite Steppe,, im Zentral-Thea- Schlußsteinen der Rundbogenfenster kam ter der Roten Armee und „Die Verschwörung dadurch nicht mehr zur Geltung. der dem Untergang Geweihten“ im staatli-

Zu dem Stand der gegenwärtigen Arbeit chen Wachtangow-Theater . Für die Insze- konnte Professor Harting mitteilen, daß d!e nierung der Schauspiele „Der Sohn des Re- Enttrümmerung des ehemaligen Zeughauses gimentes“, „Das rote Halstuch und nah verändert den ^pf sdiütteln. Abe abgeschlossen ist. Ein Bild überdas Ausmaß „Freundschaft zur See im Leningrader Ju- man kann es ihm einfach nicht übelnehmen

und weit ins Land blickten, während die Sonne hinter den Horizont tauchte und der Himmel in Gold und Rot schwamm, und

tamteramtamta tamta tarn ta..

„Nach dem Unwetter gestern hätte ich das nicht gedacht!“ „Auf Regen folgt Sonne — nach dem Weinen wird gelacht...“

Und dabei zucken seine Schultern, wippen seine Füße, schlenkert er seine Arme durch

tschiiuuuu...“

„Wie schön!“ sagte Irma, aber sie meinte den Sonnenuntergang, Johnny schluchzte herzbewegend: „Und wieder geht ein schö­ner Tag — zu Ende...“

Und den ersten Stern begrüßte er natür-

die Gegend, daß alle anderen Leute fern und lieh mit seinem Schlager: „Wenn die

Sterne — erwachen — tamtamta — tamta tamta...

der Zr-störunczen im ehemaligen Zeughaus gendtheater wurde dem Regisseur Brjan- obwohl man ihn manchmal ohrfeigen Da schlug ich ihm mit meinem Stock ins gibt die Miiteilung, daß 24 Lastkähne mit zew ein Stalin-Preis zweiten Grades zuer- möchte. Er ist ein wandelndes Schlager-Le- Genick. Man kann sich doch nicht daran ge- % --—-- kann t Auf dem Gebiet der Schauspielkunst xikon — unerschöpflich. Ein Schlager, reiht wohnen!

Schutt abgefahren worden sind.

ders von der Macht ihrer Denker her, aus der Größe der russischen Literatur. Mitten im Kriege schrieb er: „Die Sowjetunion kann den Krieg gewinnen, weil sie vorher so viel Wahrheit besaß. Nicht ohn­mächtige Wahrheit, sondern lebendige — das wirkliche Leben eingerichtet nach be­ster Erkenntnis, mit dem besten Willen für die Menschen...“

Heinrich Mann bekannte sich zu den zu­kunftsstarken Kräften, die das Werk der bürgerlichen Revolution von 1789 in unse­rem Zeitalter weiter entwickeln und den Frieden und den Fortschritt verteidigen. Er wurde ein Vorkämpfer für sein Volk und für alle Völker. Er zeugte für Deutschland , das er immer geliebt hat, und um dessent- willen er alle Fährnisse eines oft sdiweren Geschicks in der Fremde erlitt. Die fort­schrittlichen Menschen Deutschlands und der ganzen Welt betrauern den Verlust eines großen Kämpfers und Dichters.

Die Heimkehr in seine Heimat ist Hein­ rich Mann nicht mehr vergönnt gewesen. Er starb kurz vor seiner Reise nach der Deut­ schen Demokratischen Republik , die ihn eingeladen hatte, den Vorsitz der neuer­standenen deutschen Dichter - Akademie zu übernehmen. Er wird nicht am Aufbau Deutschlands mitwlrken können. Aber das deutsche Volk wird dem guten Deutschen , den 1947 die Berliner Humboldt-Universität mit der Verleihung der Würde eines Ehren­doktors auszeichnete und dem die Deutsche Demokratische Republik den Nationalpreis erster Klasse für Literatur verlieh, nie ver­gessen. Es wird ihn stets als einen seiner größten und tapfersten Menschen verehren.

Der Kampf mit der Wüste

Die Menschheit wird ihn diesmal siegreich bestehen

In den Geschichtsstunden hat man uns einst viel vom Siebenjährigen, vom Drei­ßigjährigen und vom Hundertjährigen Krieg erzählt. Aber von einem zehntausendjähri­gen Krieg hat man uns nichts gesagt.

Nicht weniger als zehn Jahrtausende füh­ren die Menschen Krieg gegen die Wüste.

Im Jahre 1904 nahm eine amerikanische Expedition in Mittelasien , unweit von Asch- chabad, archäologische Ausgrabungen vor.

Unter dicken Sandschichten und Flußan­schwemmungen fand man die Ueberreste antiker Bewässerungsanlagen.

Es stellte sich heraus, daß diese Anlagen etwa zehntausend Jahre alt sind.

Vor so langer Zeit haben also die Men­schen bereits angefangen, der Wüste den Boden Stück für Stüde abzuringen.

Diese Menschen besaßen nicht nur keine Baggermaschinen, sondern nicht einmal ei­nen guten Spaten. Und trotzdem brachten sie es fertig, die Natur ihres Landes zu ver­ändern und Oasen in der Wüste zu schaffen.

Der Kampf mit der Wüste ist niemals un­terbrochen worden. Er wurde in Aegypten , in Indien , in China und in Mesopotamien geführt.

In manchen Gegenden errichteten die Menschen riesige Fallen aus Dämmen und fingen darin das Flußwasser zur Zeit der Ueberschwemmungen auf. An anderen Or­ten wieder bauten sie Staudämme quer über den Fluß und leiteten das Wasser durch zahllose breite und schmale Nebenarme —• Kanäle — auf die Felder.

Dort, wo das nicht möglich war, wo daa Wasser nicht an der Erdoberfläche, sondern unter der Erde dahinfloß, drangen die Men­schen Ins Innere der Erde ein. Im Vor­gebirge gruben sie Reihen von Brunnen­schächten, bauten unterirdische Kanäle, die „Kiarise“, und durch diese „Kiarise“ floß das Wasser aus dem Vorgebirge ins Tal, auf die Felder.

In der Ebene mußte das Wasser mit töner­nen Schöpfgefäßen aus dem Brunnen ge­hoben werden. Ein Kamel oder ein Esel drehte das Brunnenrad, und Krug auf Krug ergoß sich das Wasser in die Rinne, durch die es in die Aryks — die Bewässerungs­kanäle zwischen den Feldern — lief.

Sklavenarbeit mit bloßen Händen

Und alle diese Anlagen schufen die Men­schen fast mit bloßen Händen. Die Erde in den unterirdischen Stollen stürzte ein und verschüttete die Arbeitenden; die Bewässe­rungskanäle auf den Feldern versandeten oder verschlammten. Jedes Hochwasser, jede Ueberschwemmung riß Dämme und Wehre hinweg, und dann machten sich die Men­schen wie Ameisen von neuem an die Arbeit (Fortsetzung folgt)

Copyright Dletx-Veri»* Berlin

Roman von LUDWIG TUREK

Dtt-z GOLDENE

Schluß

Parker schlug mit der Faust auf den Tisch.

„Das verrückte Luder hat die ganze Zeit kaum was anderes als Schlaftabletten ge­fressen. Sie bringt sich noch um.“

Bill verzog sein sommersprossiges Gesicht zu einem zynischen Lächeln.

„Wenn du das unbedingt verhindern willst, Jimmy, nimm mein Lufttaxi, in dreißig Se­kunden bist du bei ihr!“

Parker schien einen Moment zu über­legen.

„Quatsch! Wir müssen wahrhaftig an die Arbeit.“

Bill streckte seinem Freund die Hand ent­gegen: „Das ist ein Wort, Jimmy. Also, fangen wir an. Wieviel Leute sind schon im Hause?“

Parker trommelte nervös mit den Fingern auf dem Schreibtisch.

„Sie sind fast alle wieder da. bis auf die. welche bestimmt auch morgen nicht mehr kommen. „

Bill machte einige lange Schritte durch das Zimmer.

„Hast du die Rede Upton Brittens gehört?“

Jimmy senkte den Blick zu Boden und nickte.

„Dann weißt du, daß wir hier eine neue Aufgabe haben.“

Jimmy Parker kleidete, so gut es ging, sein Gesicht in eine ehrliche Haut.

Bill sagte ernst; „Wenn wir etwas Ge­scheites schreibenwollen, müßten wir uns erst mal umsehen, wie die Welt jetzt aus­sieht, meine ich.

„Okay!“ sagte Parker, und Robert hob die Hand, um seine Zustimmung zu bekunden.

Bill nahm seine Spule zur Hand, gab Sin einen dicken Stenogrammblock und setzte sich bequem in einem Sessel zurecht. Schweigend und in stiller Verwunderung standen Jimmy Parker und Robert neben dem schnell diktierenden Bill. Der Bleistift Sins flog über das Papier

Enorme Veränderungen hatten sich in der Welt bereits vollzogen. Ueberall war man dabei, das Leben gründlich umzugraben. Eine ungeheure Welle der Rechtschaffenheit, die alle geifernde Gier nach Profiten um jeden Preis hinwegspülte, überflutete das Land. Hielt bisher die Idee des Dollar- machens die Gehirne wie ein eiserner Ring umklammert, so entledigten sich die Men­schen jetzt dieser Fessel und waren offenbar zu der Ansicht gelangt, daß die wilde Jagd nach Gewinn nicht das Wohlergehen aller im Gefolge haben konnte. Mächtige Dollar­dynastien wurden durch den Willen des Vol­kes nach Gerechtigkeit in wenigen Stunden gestürzt. Die Gruselgeschichten vom Ver­teilen des Besitzes der Fleißigen an die Fau­len hatte sich nicht bewahrheitet.

Bewährte Organisationen waren mit den Methoden des wissenschaftlichen Sozialis­mus an die Arbeit gegangen, und der werk­tätige Mensch hatte ihnen seinen aus der Empörung gewachsenen revolutionären Elan nicht vorenthalten. Nur Taten waren ent­scheidend. Es zeigte sich auch, wie oberfläch­lich die jahrelange Hetze gegen die Sowjet­ union im Volke gewirkt hatte. Allenthalben

begegnete den Reisenden der Silbernen Ku­gel ein lebhaftes Interesse für das große Land des Sozialismus. Bei den Fordwerken in Detroit kam Bill mit der Spule gerade zu­recht, um in einer riesenhaften Betriebsver­sammlung der Verlesung einer Resolution beizuwohnen, worin den Autoarbeitern der Sowjetunion brüderliche Grüße übermittelt wurden. Die einstimmige Annahme der Re­solution war etwas anderes als das frühere Zeitungsgeschwafel von der Bedrohung ame­rikanischer Interessen durch die Sowjets.

Jimmy Parker wunderte sich am meisten über diese Einstimmigkeit. Wie oft hatte sich der „Herald“ in dieser Richtung versündigt. Bill schob seinem Freund etwas unsanft die Faust in die Rippen. Der nickte und kniff ein Auge zu. Nur Robert schien nichts anderes erwartet zu haben.

Phänomenal, eine solche Spule, dachte Parker. Heutigentags gibt es kein Verstek- ken mehr, weder für einen Verbrecher noch für einen Zeitungsmann. Es gilt Farbe zu bekennen. Die Ehrlichkeit und andere ähn­liche Tugenden Sind zum direkten Lebens­bedürfnis geworden, während früher fast genau das Umgekehrte der Fall war. Der Gerissenste hatte meistens die größten Er­folge. Wenn auch oftmals in Büchern, im Film und auf der Bühne das Gegenteil be­hauptet wurde. Aber waren diese Moral­prediger nicht vielfach auch nur Geschäfte­macher?

Jimmy Parker hatte nur noch eine Sorge:

Ist es denn überhaupt für einen erwach­senen Menschen möglich, sein Denken und Handeln auf die neue Linie umzustellen? Er wollte es auf alle Fälle versuchen. Es war wirklich eine Lebensnotwendigkeit.

Und er tat sein Bestes. Die erste Nummer der „New York Herald Tribüne“ wurde unter seiner Mitwirkung zu einer glühenden An­klage gegen das alte System und zu einem feurigen Bekenntnis für die neue Zeit. Bill veröffentlichte die erste Liste der Kriegs­verbrecher mit genauer Angabe ihrer viel­fältigen Verstecke und einer Erklärung de* Wunders seine r Spule. Ralph Steeps, Cor- don. Tom Walker. Harald Born, der ehe­malige Kriegsminister der USA , Robert Sheffields von der Bethlehem Steel Com­ pany

, Fernand Allain, der Hearst-Pressechef, der Alte vom „Herald“ und viele andere wurden aus ihren Löchern geholt und der öffentlichen Anklage übergeben.

Robert ging im politischen Teil der Zeitung mit ungeheurer Energie an die Arbeit. Sin hatte es sich zur Aufgabe gestellt, in Frauen­fragen aufklärend zu wirken. Diese Arbeit die sie liebte, gab ihr die Möglichkeit, den leichten Kummer ihres Liebesiebens nicht so tragisch zu nehmen.

Sie war sich selbst nicht mehr ganz klar, wen sie wirklich liebte. War es Bill, der trotz aller Arbeit noch Zeit fand, Besuche bei der schönen Ereaya zu machen, oder Robert, der ihm in Jeder Beziehung ebenbürtig war? Mit Jimmy Parker, der sich von seiner Frau scheiden lassen wollte, unterhielt sie eine herzliche Freundschaft. Und Upton Britten, in desesn Landhaus sie regelmäßig ihre Sonntage verbrachte, hatte sie ebenfalls in ihr Herz geschlossen, wovon der Dichter allerdings nichts wußte. Das von Arbeit und Geselligkeit erfüllte Leben erbrachte einen gewichtigen Vorteil für Sin. Es hob sie her­aus aus den früheren kleinlichen Sorgen ihrer Beziehungen zu Männern und sie ver­mochte sogar Bills Schwärmerei für Ereaya mit einem verzeihenden Lächeln hinzuneh­men. Und als die schöne Frau von der Venus eines Tages in einem wundervollen, wie le­bendiges Feuer leuchtenden roten Kleid auf der Redaktion erschien, war es ein wirklich herzliches Wiedersehen, obgleich Ereaya ver­möge ihrer Spule über Sins Verhältnis mit Bill unterrichtet war. Ihr entzückendes Lä­cheln trug den Ausdruck absoluter Aufrich­tigkeit. So gingen die Tage dahin, und des neuen Lebens kraftvoller Pulsschlag er­füllte sie.

Als die segensreiche Mission der Goldenen Kugel auf der Erde zu Ende war, erhob sie sich. Verklärten Antlitzes, Tränen der Dank­barkeit und des schmerzvollen Abschieds in den Augen, standen die Menschen und folg­ten ihrer Bahn.

Nach vielen Tagen glückhjfter Reise lan­deten die Weltraumsegler auf ihrem heimat­lichen Stern, dessen sanftes Licht in stillen Nächten auf die Erde hemiederstrahlt.

Ein notwendiges Nachwort

Schön wärs ja, wenn es so einfach wäre, Wenn bloß der berühmte Deus ex machina, der Gott aus der Maschine zu erscheinen brauchte, um im Handumdrehen uns aus der Patsche zu helfen. Nein, da müssen wir uns schon selber aufraffen und endlich mal die Sache in Ordnung bringen.

Aber ist denn die „Goldene Kugel“ wirk­lich nur eine phantastische Geschichte? Ich denke nicht. Alles, was vom Himmel kam, war Phantasie des Dichters. Aber alles, was auf der Erde spielte,entstammt der Wirklich­keit und den Gedanken der fortschrittlichen Menschheit. Diese Gedanken sind Herzens­sache von Millionen Kämpfern für Frieden und Sozialismus, deren ungestüme Leiden­schaft ohne Unterschied der Rasse und Na­tion den ganzen Erdball umspannt.

Kann es sein, daß dich diese zweite irdische Hälfte des Buches nicht interessiert? Das wäre schade für dich! Stehst du denn nicht mit beiden Beinen auf der Erde? Du bist doch sicherlich auch ein Mensch, der von seiner Arbeit lebt. Oder gehörst du zu denen, die vom-Fleiß anderer leben und mit ihren Dol- larmilliarden menschheitsfeindliche Politik machen? Zu den Steeps, Worltons Sheffields? Die übrigens trotz ihres ungeheuren Reich- ttums so ziemlich pleite sind. Was nicht heis­sen soll, daß ihnen das Kleingeld schon aus­gegangen wäre. Nur klappt der ganze Laden nicht mehr so wie früher. Ihre große Zeit ist längst vorbei. Laß dich nicht durch Angeberei täuschen. Noch sieht bei ihnen an der Ober­fläche vieles so schön glatt aus. Aber auch in einer Luxusfirma kann der Pleitegeier auf dem Kassenschrank sitzen.

Hauptsächlich aber möchte ich mit diesem Nachwort eine Warnung aussprechen: Setz dich nach der Lektüre dieses Buches nicht auf das Dach deines Haeses. glotz nicht in die den Himmel und wart nicht auf die „Golden« Kugel“. Gebratene Tauben und der Sozialis­mus fallen nicht vom Himmel. Das einzige, was bei einer solch unproduktiven, traum­verlorenen „Tätigkeit “ eines Tages unver­hofft vom Himmel fallen kann, sind Atom­bomben.

Ludwig Turek .