Mittwoch, 9. Juli 1952
SÜDKURIER
Nr. 107 / Setie 2
BERLIN . (G.-Eigenbericht) Zu einem Menschenraub kam es am Dienstagmorgen im amerikanischen Sektor Berlins . Mehrere Männer entführte^ in Berlin- Lichterfelde in ejinem schwarzen Opel- Kapitän-Wagen den Leiter für Ostwirt- echaftsfragen beim ,(Untersuchungsausschuß freiheitlicher Juristen der Sowjetzone“, Rechtsanwalt Dr. Walter Linse, der früher Syndikus der Handelskammer Chemnitz war. Linse wurde unmittelbar nach dem Verlassen seines Hauses in den Wagen gezerrt, der mit erhöhter Geschwindigkeit in Richtung Zonengrenze davon fuhr.
Mehrere Personenkraftwagen, deren Fahrer den Vorfall beobachtet hatten, nahmen die Verfolgung auf. Die Entführer versuchten, durch Eisenkrammen und Nägel, die sie auf die Straße streuten, die Autoreifen ihrer Verfolger zu beschädigen. Nachdem es ihnen trotzdem nicht gelang, die Verfolger ahzuschütteln, gaben sie mehrere Pistolenschüsse auf die Personenwagen ab, die daraufhin die Verfolgung einstellen mußten. Als der Wagen der Entführer in rasender Fahrt die Zonen
grenze bei Teltow erreichte, war von den dort stationierten Volkspolizisten der Schlagbaum schon geöffnet worden.
. Ein Fall von Menschenraub ereignete sich nach längerer Zeit wieder in Wien . Die Wiener Polizeidirektion teüte mit, daß eine bisher nicht indentifizierte Frau von zweiMännem, die einem schwarz lackierten Mercedeswagen entstiegen, in der Nähe des im internationalen Sektor gelegenen Volksgartens gewaltsam entführt worden sei.
haben wir unter Verletzung aller Grundsätze der Menschenrechte und aller Traditionen der Sowjets als Sklavenarbeiter ausgeliefert.
MacArthur schloß mit dem Hinweis, daß sich das Gleichgewicht der Kräfte in der Welt infolge der „tragischen Entscheidungen eigenwilliger und ahnungsloser Männer, die uns in Teheran , Yalta , Pots dam und bei anderen Anlässen vertraten“, in alarmierender Weise verschoben habe.
MÜNCHEN (R. H. - Eigenbericht). Im Auerbach -Prozeß stellte der psychiatrische Sachverständige, Medizinalrat Dr. Ziehen, über den Angeklagten fest:
Auerbach ist edn großes Kind, er ist Moskau kündigt Botschaftsgebäude ir e endw0 ** aeinem Reifungsprozeß stek-
kengeblieben.“ Der Angeklagte »ei ein „pseudologischer Psychopath“, der sich in einer chronisch gehobenen Stimmungslage befinde. Das habe sich beispielsweise bei seiner Entlassung aus dem KZ deutlich gezeigt, als er sich falsche Titel zulegte, um vor der Mitwelt zu glänzen. Auerbach , finde aus der Phantasie nur schwer in die Wirklichkeit zurück. Alle seelischen Züge aber, wie etwa auch eine Neigung zu Depressionen und zu Hysterie seien lediglich als strafmildernd anzusehen. Die Anwendung des Paragraphen 51 sei auszuschließen, denn Auerbachs überdurchschnittliche Intelligenz lasse ihn das Unerlaubte einer eventuell begangenen strafbaren Handlung selbstverständlich ein- sehen.
MOSKAU . Die USA -Botschaft in Mos kau hat eine auf sechs Monate befristete Kündigung der Sowjetregierung zum Räumen des zur Zeit von ihr bewohnten Gebäudes erhalten. Die Botschaft teilte mit, die Sowjetregierung habe in dem Kündigungsschreiben eine Verlängerung des am 31. Dezember ds. Js. ablaufenden Mietvertrages abgelehnt. Die Sowjetregierung begründete die Kündigung damit, daß das Gebäude von der Moskauer Universität benötigt wird.
OHIKAGO. Unter tropischer Hitze hat am Montag der Nationalkonvent der Republikanischen Partei der Vereinigten Staaten begonnen. Es geht um die Nominierung des endgültigen Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen im November. Unter dem traditionellen Zeremoniell — Musikdarbietungen, Gebete und Grußansprachen — traten über tausend Delegierte aus allen Einzelstaaiten der USA sowie aus Alaska , Havai , Puerto Rico und den Jungfeminseln in dem großen Amphie- theater am Seeufer zusammen
General Eisenhower konnte nach mehrstündigen, scharfen Auseinandersetzungen vor der Vollsitzung der Delegierten einen ersten Sieg davontragen. Ein Vorschlag der Taft-Anhänger wurde mit 858 gegen 548 Stimmen abgelehnt. Zu größten Ueberraschung der politischen Beobachter und Wahl-Strategen zeigte »ich damit zum ersten Mal, über welchen Delegierten- Anhang Eisenhower verfügt.
Die neueste Beschuldigung des Eisen- hower-Lagers gegen die Taft-Anhänger ist, daß sie sämtliche Chikagoer Mannequins und Fotomodelle „gekauft“ hätten, um die Behauptung zu widerlegen, Tafts Feldzug mangele es an Sex appeal und die Jugend sei für Eisenhower . Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß da» Taft- Lager sich absichtlich ruhig verhalten hat, um die Anhänger Eisenhower überoptimistisch und unvorsichtig zu machen.
Im Zeichen schärfster Kritik an der innen- und außenpolitischen Regierungsarbeit der Demokraten stand die Grundsatz-Erklärung der ■ Republikaner , die am Montagabend von General Mc Arthur vorgetragen wurde. Er kritisierte „jene unbesonnenen Männer, die auf internationale Intrigen hereingefallen sind und damit
WETTEKVOKHERSAGE des Badischen Landeiwetterdienstes
An der Südflanke des sich bereits auffüllenden Tiefs bei Irland dringt von Frankreich her eine gewitterige Teilstörung nach Mitteleuropa vor und bringt vorübergehend etwas kühlere Meeresluftmassen mit sich. Nachfolgender Druckanstieg wird den Hochdruckeinfluß jedoch bald wieder herstellen, so daß die Hitzeperiode keine nachhaltige Unterbrechung erfährt.
Wettervorhersage bis Mittwochabend: Wechselnd bewölkt mit einzelnen gewittrigen Schauem, später wieder aufheitemd, nur wenig kühler als an den Vortagen. Höchsttemperaturen zwischen 25 und 30 Grad, meist schwache, nur bei Gewittern örtlich böig auffrischende Winde um Südwest.
der Sowjetunion den Aufstieg zur Weltmacht“ ermöglicht hätten. Die Truman - Regierung habe Amerika auf den Weg zum Sozialismus geführt und es nicht fertiggebracht, die sowjetische Aggression zu verhindern. „Wir haben die nord koreanischen Armeen geschlagen“ sagte General McArthur , „als aber die kommu nistischen Armeen Chinas eingriffep, fehlte es unserer Führung an der Courage, eine militärische Entscheidung anzustreben, obwohl der Sieg damals zum Greifen nahe war. Wir haben die sowjetische Beherrschung der freien Völker Ost europas herausgefordert“, rief MacArthur . „Wir haben unsere Armeen freiwillig aus einem Tausend von Quadratkilometer umfassenden, in schweren Kämpfen gewonnenen G«biet, zurückgezogen, und den Sowjetarmeen den Vormarsch nachWesten ermöglicht. Diese konnten dann die rote Flagge des Kommunismus in Berlin , Wien und Prag — Zentren der westlichen Zivilisation — aufpflanzen. In leichtsinnigster Weise haben wir die' Kontrolle über Gebiete aufgegeben, in denen sich gewaltige Uran-Vorkommen befinden, ohne die die Sowjets vielleicht niemals in den Besitz der Atomenergie gelangt wären. Hunderttausende von deutschen Kriegsgefangenen
Deutsches Strafrecht wird bereinigt
Bewährungszeit nach amerikanischem Muster
BONN . (W.-Eigenbericht.) Das Bundeskabinett hat dem Entwurf eines Strafrechtsbereinigungsgesetzes zugestimmt, das nun den parlamentarischen Körperschaften zur Beratung zugeht. Unter anderem sieht das neue Gesetz vor, daß jeder Richter gleich bei der Verkündigung einer Haft- oder Gefängnisstrafe bis zu 9 Monaten die Strafe aussetzen und statt dessen eine besondere Bewährung anordnen kann. Während der Bewährungszeit, die 2 bis 5 Jahre betragen soll, werden dem Verurteilten aber bestimmte Auflagen gemacht, die durch einen behördlich bestellten „Bewährungshelfer“ nach amerikanischem Vorbild überwacht werden. Zum Beispiel kann ihm auferlegt werden, während der Bewährungszeit den angerichteten Schaden wiedergutzumachen oder seine Freizeit auf eine bestimmte Weise zu verbringen. Ferner sieht das neue Gesetz eine „bedingte Entlassung“ nach der Verbüßung von zwei Dritteln der Strafzeit vor.
Daneben enthält das Gesetz eine' Fülle Interessanter Einzelheiten, durch die überholte Strafbestimmungen beseitigt oder veraltete Ausdrücke (wie Schießgewehr oder Frauensperson) aus dem Strafgesetzbuch gestrichen werden. Besonder» wichtig ist die Neuregelung des Zeugnisverweigerungsrechtes auf Grund von Berufsgeheimnissen. Dabei wird das Redaktionsgeheim- ni» vom Druckerei-Personal auf das kaufmännische und sonstige Personal ausgedehnt. Das Zeugnis kann nicht nur wie bisher über jeden Verfasser oder Einsender einer Veröffentlichung verweigert werden, sondern auch über den sogenannten Gewährsmann, der lediglich mündlich oder schriftlich Material für den Artikel oder die Druckschrift geliefert hat. Ein entsprechendes Recht wie der Presse wird
SAO PAULO . USA - Außenminister Acheson sagte in Sao Paulo , daß die politischen Ziele der Vereinigten Staaten eindeutig darin bestehen, Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit zu erlangen. „Wir bedrohen niemanden“, versicherte Acheson und betonte, daß die militärische Stärkung der freien Welt nur unter dem Druck der Verhältnisse erfolge, da die Segnungen des Friedens nur durch Stärke erreicht werden könnten.
Der amerikanische Außenminister warnte vor Versuchen der Sowjets, Uneinigkeit in die Reihen der freien Nationen zu bringen. „Wo sie nicht herrschen können, wollen sie schwächen, indem sie Mißtrauen unter den Nationen säen“, erklärte Acheson . „Wir wären in der Tat einfältig, wenn wir zuließen, daß diese Verleumdungskampagne ihren bösen Zweck erreicht.
Acheson sprach dann eingehend zur internationalen Lage nach dem zweiten Weltkrieg. Er betonte, daß die Entwicklung der kollektiven Stärke der freien Welt nur angesichts der Gefahr notwendig wurde, die sich aus der Tatsache ergeben hat, daß die
Sowjetunion nach dem Krieg nicht wie die anderen Alliierten abgerüstet habe. Die demokratische Welt habe jedoch nicht nur die Aufgabe, für ihre Sicherheit zu sorgen. Sie müsse auch für eine fortgesetzte Steigerung des Lebensstandards ihrer Völker sorgen. Das amerikanische Punkt-Vier-Programm zur technischen Unterstützung wirtschaftlich rückständiger Gebiete sei ein Beispiel für die Maßnahmen, die zur Verbesserung der Lebensbedingungen auf dem Wege der Zusammenarbeit getroffen werden sollten. „Zusammenarbeit muß das Leitmotiv der demokratischen Welt »ein und bleiben, wenn sie fortbestehen will.
Geheimkonferenzen in Panmunfon
TOKIO . Während der letzten drei Tage fanden in Panmunjon nur Geheimsitzungen statt, über deren Ausgang nichts bekannt wurde. An der Mittelfront in Korea tobten schwere Kämpfe. Mit Unterstützung von Panzern rannte kommunistische Infanterie gegen einen von den UN -Streit- kräften gehaltenen Höhenzug an. Die Kommunisten wurden zurückgeworfen.
auch dem Rundfunk eingeräumt. Außerdem Wird das Zeugnisverweigerungsrecht auch bei Rechtsanwälten, Aerzten und Krankenpersonal erweitert.
Klage gegen Pariame ts-Mißaditung
KARSRUHE. (ra.-Eigenbericht.) Das am 10. 2. 1950 geschlossene (bis 30. 6. 1950 geltende) deutsch -französische ’ Wirtschaftsabkommen war auf Antrag der SPD -Bundestagsfraktion Gegenstand einer mündlichen, Verhandlung vor dem Zweiten Senat des Bundesverfassungsgerichts. Der zur Behandlung stehende Vertrag hätte nach Ansicht der SPD nicht ohne Mitwirkung des Parlamentes abgeschlossen werden dürfen. Das Gericht wird am 29. Juli über den Fall entscheiden.
Blankenhorn dementiert „Spiegel "
BONN (W.-Eigenbericht). Das Nachrichten-Magazin „Der Spiegel “ hat wieder einmal beträchtlichen Aufruhr in Bonn ausgelöst. In einem Artikel der Zeitschrift stellt Hans-Konrad Schmießer, angeblich Chefagent der französischen Sicherheitspolizei in Deutschland zwei aufsehenerregende Behauptungen auf, die er angeblich mit genauen Unterlagen belegen kann: 1. Der jetzige Bundeskanzler Dr. Adenauer habe zur Zeit, als er noch Präsident des parlamentarischen Rates war, mit ihm über Ausweichpläne nach Spanien und die Bildung einer deutschen Exilregierung im Ausland für den Fall eines sowjetrussischen Angriffes gesprochen. 2. Dr. Adenauers engster Mitarbeiter, der jetzige Leiter der politischen Abteilung des Auswärtigen Amtes, Dr. Blankenhorn, habe ihn zu jener Zeit laufend mit Nachrichten versorgt und dafür monatlich Geld und Lebensmittel erhalten.
Von seiten der Bundesregierung wurde auf j die Behauptungen rasch reagiert. Dr. Blanken- hom ließ ankündigen, er werde gegen den „Spiegel “ und gegen Schmeißer sofort Verleumdungsklage erheben.
Ein Regierungssprecher begnügte sich damit, einige Tatsachen aus dem Vorleben des Herrn Schmeißer vorzulegen. —
Danach ist er aus dem bayerischen Staatsdienst unter dem Verdacht der Bestechung entlassen, später von der Staatsanwaltschaft wiederum wegen Bestechung gesucht und vor einiger Zeit aus Frankreich ausgewiesen worden. Aus der Umgebung des Bundeskanzlers verlautete, die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen seien „von A bis Z“ erlogen.
Unsere Leser meinen:
„Ehe im Meinungsstreit 11
Zu dem am 3. Juli im „Südkurier" erschienenen Artikel „Ehe im Meinungsstreit“, möchte ich bemerken, daß auch heute der Mann nicht über den Grundbesitz seiner Frau verfügen, also ihn nicht mit Hypotheken belasten kann. Dazu braucht er die Zustimmung seiner Frau. Ueber das sogenannte Vorbehaltsgut der Frau, was eventuell ein Hausgrundstück sein kann, darf die Frau ohne Zustimmung des Mannes allein verfügen. Die Frau kann sich auch über das von ihr eingeforachte Gut, wie Aussteuer etc., vor Mißbrauch de» Mannes schützen. Bei Eingehung einer Ehe sollte ein Einbringungsverzeichnis aufgestellt und von beiden Ehegatten durch Unterschrift anerkannt werden. Die Unterschriften aollten vom Bürgermeisteramt oder von einem Notar beglaubigt sein. Was während der Ehe erworben wird, sollte durch Belege klar gestellt werden.
Trotzdem muß jeder vernünftige Mann für eine Reform des ehelichen Güterrechts eintreten. Die sogenannte eheliche Gütertrennung hat in Süddeutschland nie viel Anklang gefunden. Wenn z. B. eine Frau im Geschäft ihres Mannes, der Landwirt, Handwerker, Metzger, Bäcker, Gastwirt etc. ist, mittätig war, ist es zweifellos eine schwere Unbilligkeit, daß der gesamte eheliche Zugewinnst dem Manne allein zufällt. Die Frau ist hinsichtlich dieser Tatsache praktisch genommen nur die Magd. Anders war es in Baden bis zur Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches . Hier hat das alte Badische Landrecht gegolten, nach dem die sogenannte Errungenschaft der Eheleute beiden gehörte. Auch in der Schweiz bestehen für die Frau günstigere Bestimmungen. Ergibt sich dort während der Ehe ein Zuschlag, also ein errungenes Vermögen, dann gehört dieser zu einem Drittel der Frau. Wohl kann bei uns durch einen Ehevertrag oder durch ein Testament der Frau zu Ihrem Recht verholten werden, aber in vielen Fällen wird dies unterlassen.
Eine Reform auf gesetzlicher Grundlage in dem Sinne, daß der Frau die Hälfte des Zuwachses aus der Errungenschaft während der Ehe gehört, darf heute als ein vernünftiges Begehren der Frauen angesehen werden. Ratschreifoer J. W. in W.
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Bei Durchsicht der Standesamtsbücher, haben wir festgestellt, daß Sie noch nicht Ihre Umsatzsteuer abgeführt haben I*
Das Musikfest der Internationalen Ge sellschaft für neue Musik in Salzburg ehloß mit einem tragischen Akzent. Mitten im vorletzten (nicht zum offiziellen Programm gehörenden) Orchesterkonzert wurde der österreichische Dirigent Herbert Häf- ner vom Schlag getroffen. Er gehörte als Mitglied der österreichischen Sektion zu ihren unermüdlichsten Mitarbeitern und die Überanstrengung, die dieses Fest für ihn bedeutete, mag zu seinem plötzlichen Ende beigetragen haben. Österreichs musikalische Avantgarde verliert in ihm einen tatkräftigen Anwalt.
Die Aspekte, unter welchen das Fest begonnen hatte, heiterten sich zeitweilig etwas auf, aber die künstlerische Bilanz blieb am Schlüsse genau so zwiespältig; wie das jm Vorjahr (unter Protest des deut schen Vertreters) beschlossene — und leider auch für das nächstjährige Fest in Oslo beibehaltene —‘ Auswahlverfahren: die Jury ist gehalten, auf alle Fälle von jeder einreichenden Sektion ein Welk zur Aufführung anzunehmen. So kamen diesmal in vier Orchester- und zwei Kammqr- musifckonzerten 35 Komponisten aus 25 Ländern zu Gehör. Es war gewiß nicht ohne Reiz, das musikalische Erwachen etwa Islands oder Neuseelands , Australiens , Süd afrikas oder Chiles zu beobachten, das sich zwischen Folklore und Akademismus, ohne
G. B. Shaw als Musikkritiker Shaw begann seine literarische Laufbahn in London als Musik- und Kunstkritiker. Einmal hatte er das Konzert eines völlig talentlosen Geigers kritisiert. Nachts rief ihn die Redaktion noch an: „Wir verstehen das nicht, Mr. Shaw. Sie schreiben, der Geiger habe sie an Paderewski erinnert, der war aber doch kein Violinvirtuose!“ Worauf Shaw : „Nein, aber eben deshalb!“ .
schöpferische Begabung individueller Art präsentierte. Ee wäre unbillig, eine solche schon zu erwarten. Aber das zahlenmäßige Übergewicht nicht diskutabler Werke stellte einen kaum erträglichen Ballast für eine so repräsentative Veranstaltung dar und ließ, wie gesagt, die künstlerische Bilanz viel ungünstiger erscheinen, als es sonst der Fall gewesen wäre.
Das soll nicht heißen, daß man ein unzweifelhaftes Genie entdeckt hätte. Nichts davon. Auch der Franzose Pierre Boulex, dem die Fama Vorschlußlorbeeren spendete, ist noch weit davon — jedenfalls nach seinen zwei, für Sopran, Tenor, Baß und Orchester komponierten Gedichten „Le soleil des eaux“. Hier war die zwölftönige Spekulation weit stärker als die primär erforderliche Einfallskraft, und das Ergebnis blieb dürftig weit hinter dem Vorbild Anton We bern « zurück. Anders der erst 23jährige Belgier Henri Pousseur . Seine frei sacra- len Gesänge für Sopran und Strekhtrio lassen wohl noch kein eigenes Gesicht erkennen. Aber die stupende Sicherheit mit der hier Webern Stil kopiert ist, ist erstaunlich und Zeichen hoher Begabung.
Des Italieners Peragallo Klavierkonzert zeigt diesen Komponisten — nach seinem ausgezeichneten Doppel-Streichquartett vom vorjährigen Frankfurter Musikfest — in einer neuen Entwicklung, die impressionistischen Klangcharakteren zuneigt (überragend der Solist Pietro Scarpini !), Hum- phrey Searles „Poem“ für 22 Streicher bestach durch die reife Form- und Klangkultur, durch den ganz originellen Tonfall der Musik. Dieser klingt auch im Violinkonzert von B. A. Zimmermann immer dann auf, wenn die expressive Kraft der melodischen und rhythmischen Geste sich gestalthaft verdichtet. Ein noch uneinheitliches, aber eigenwilliges Werk, dem ein Zuviel an un
organisch aufgesetzten Klangeffekten Insofern mehr schadet als nützt, als der ausgezeichnete Geiger Helmut Zemick manchmal Mühe hatte sich durchzusetzen. Sehr dicht und voller Einfälle, in der Formung noch etwas unübersichtlich und überladen, eine Klaviersonate von Claus Adam (USA - österreich ). Der Schweizer Edward Staempfli empfahl sich mit seinen sieben, kurzen, ungemein plastisch gestalteten und frisch erfundenen Variationen für Blasorchester, das Brillanz und gliedernde Farben beisteuerte. Der 32jährige Schwede Gösta Carlid war eine der wenigen angenehmen. Überraschungen: seine „Hymnen an die Schönheit“ (nach Baudelaire ) fesselten vom ersten bis zum letzten Takt durch die lapidare melodische Kraft, durch einen ganz eigenen neuen Ton, wie man ihm heutzutage nicht so häufig begegnet. Hier scheint eine vielversprechende Stimme im Chor der neuen zeitgenössischen Musik aufzuklingen, der man mit Interesse zuhören wird.
Daß man, nach Schönberg, auch die anderen Klassiker der Moderne — Strawinsky, Bartok und Hdndemith — als Maßstab auf- rdchtete, war gut und lehrreich (und erholsam). Zumal in so faszinierender Weise, wie e s durch Ferenc Fricsay und das Kölner NWDR -Orchester geschah. Das Publikum erzwang die Wiederholung des Schlußsatzes von Bartoks 2. Klavierkonzert Geza Anda meisterte es vollendet
Deutlicher als je zeichneten sich auf diesem Fest der IGNM zwei Welten ab, zwischen denen es keine Brücke gibt: die der „alten“ europäischen Musikländer Deutsch land , Frankreich , Österreich , Italien und Belgien , die heute vom jahrhundertealten, gesicherten Fundament ihrer Tradition in treue musikalische Welten vorstoßen und jedes Risiko des Experiments dabei auf eich nehmen; und die Welt die sich die jungen Völker und Nationen Schritt für Schritt erst zu schaffen beginnen, mittels Folklore und Akademismus den Humus bereitend, auf
dem dann irgendwann und irgendwo wieder ein Genie aufwachsen wird.
Wer finanziert das Studium?
Von den 3758 Studierenden, die im letzten Semester an der Universität Freiburg eingeschrieben waren, studierten 2516 auf Kosten der Eltern. 632 Studenten und 71 Studentinnen finanzierten ihr Studium völlig selbständig durch eigene Erwerbstätigkeit. 247 Studenten erhielten aus öffentlichen Mitteln, 121 von Privatpersonen oder Vereinigungen Zuwendungen. 32 erhielten Darlehen aus öffentlichen oder privaten Mitteln. 74 Studenten lebten von ihren Versehrtenrenten und 65 davon von Erbschaften. Nur bei einem Drittel der Studenten hatte der Vater eine abgeschlossene Hochschulbildung. Die meisten Studenten stammten aus Beamten- und Angestelltenkreisen.
Wolfgang Fortner , dessen Werk im Mittelpunkt der Eröffnungsmatinäe der Internationalen Musiktage Konstanz stehen wird, hat einen Ruf an die Sommerakademie des Salzburger Mozarteums erhalten und wird dort vom 28. Juli bis 4. August unterrichten.
Der Württembergische Kunstvereinin Stuttgart kann in diesem Jahr auf sein 125jähriges Bestehen zurückblicken.
Ein Oesterreichfilm von Wolfgang Liebeneiner mit dem Titel „1. April 2000“ und mit Hilde Krahl in der weiblichen Hauptrolle wird in diesem Sommer gedreht. .
Japanische Pathologen haben sich vor einiger Zeit zu einer Ludwig- Aschoff -Gesellschaft zusammengeschlossen. Sie ehren mit dem Namen ihrer Gesellschaft das Andenken an den Freiburger Pathologen Ludwig Aschoff (1866—1942), der als bedeutendster Vertreter dieses
Grundfaches der Medizin nach Rudolf Virchow gilt.
Thorton Wilders neues Bühnenstück „The Emporium“ (Das Warenhaus), an dem der Dichter seit 1948 arbeitet, enthält ein Dutzend Charaktere, aber nur vier Rollen. Der Vorhang wird nicht auf- und nicht zugehen und die Beleuchtung wird nicht anzeigen, ob es Tag oder Nacht auf der Bühne ist. Die Uraufführung ist im Herbst zu erwarten.
Moderne Kunst in der Milchbar zeigt der Besitzer einer Hamburger Milchwirtschaft Um begabten jungen Malern Gelegenheit zu verschaffen, ihre Werke ohne finanzielle Belastung einem breiten Publikum zugänglich zu machen, werden die Gasträume für' eine ständige Kunstausstellung zur Verfügung gestellt.
Die Rolle des Teufels im Salzburger .Jedermann“ wurde jetzt mit Peer Schmidt vom Düsseldorfer Schauspielhaus neu besetzt. Der Vertrag mit dem ursprünglich vorgesehenen Wiener Schauspieler Karl Paryla war auf Veranlassung des österreichischen Unterrichtsministers gelöst worden, weil Paryla wiederholt die österreichische Regierung, die Salzburger Festspiele und die .Jedermann“-Aufführung in der kommunisti schen Zeitschrift „Tagebuch“ angegriffen hatte.
Die „Dankspende des deutschen Volkes“ hat ein Preisausschreiben für Entwürfe eines Tisch- oder Altarleuchters auf gerufen, an dem sich alle deutschen bildenden Künstler und Kunsthandwerker mit einer Entwurfzeichnung beteiligen können. Der Leuchter soll nicht höher als 40 cm sein und einzeln oder paarig Verwandt werden. An geeigneter Stelle soll er mit der Inschrift „Dankspende des deutschen Volkes 1951“ versehen sein.
Gustav Knuth hat die Hauptrolle in der Verfilmung von Zackmayers „Der fröhliche Weinberg “ übernommen.
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