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Mittwoch, 9. Juli 1952

SÜDKURIER

Nr. 107 / Setie 2

Menschenraub in Westberlin

Verfolger mit Pistolenschüssen abgewehrt — Sektorenschranke war geSffnet

BERLIN . (G.-Eigenbericht) Zu einem Menschenraub kam es am Dienstag­morgen im amerikanischen Sektor Berlins . Mehrere Männer entführte^ in Berlin- Lichterfelde in ejinem schwarzen Opel- Kapitän-Wagen den Leiter für Ostwirt- echaftsfragen beim ,(Untersuchungsaus­schuß freiheitlicher Juristen der Sowjet­zone“, Rechtsanwalt Dr. Walter Linse, der früher Syndikus der Handelskammer Chemnitz war. Linse wurde unmittelbar nach dem Verlassen seines Hauses in den Wagen gezerrt, der mit erhöhter Ge­schwindigkeit in Richtung Zonengrenze davon fuhr.

Mehrere Personenkraftwagen, deren Fahrer den Vorfall beobachtet hatten, nahmen die Verfolgung auf. Die Entführer versuchten, durch Eisenkrammen und Nä­gel, die sie auf die Straße streuten, die Autoreifen ihrer Verfolger zu beschädigen. Nachdem es ihnen trotzdem nicht gelang, die Verfolger ahzuschütteln, gaben sie mehrere Pistolenschüsse auf die Personen­wagen ab, die daraufhin die Verfolgung einstellen mußten. Als der Wagen der Entführer in rasender Fahrt die Zonen­

grenze bei Teltow erreichte, war von den dort stationierten Volkspolizisten der Schlagbaum schon geöffnet worden.

... und in Wien WIEN

. Ein Fall von Menschenraub er­eignete sich nach längerer Zeit wieder in Wien . Die Wiener Polizeidirektion teüte mit, daß eine bisher nicht indentifizierte Frau von zweiMännem, die einem schwarz lackierten Mercedeswagen entstiegen, in der Nähe des im internationalen Sektor gelegenen Volksgartens gewaltsam ent­führt worden sei.

haben wir unter Verletzung aller Grund­sätze der Menschenrechte und aller Tra­ditionen der Sowjets als Sklavenarbeiter ausgeliefert.

MacArthur schloß mit dem Hinweis, daß sich das Gleichgewicht der Kräfte in der Welt infolge der „tragischen Entschei­dungen eigenwilliger und ahnungsloser Männer, die uns in Teheran , Yalta , Pots­ dam und bei anderen Anlässen vertraten“, in alarmierender Weise verschoben habe.

Auerbach zurechnungsfähig

MÜNCHEN (R. H. - Eigenbericht). Im Auerbach -Prozeß stellte der psychia­trische Sachverständige, Medizinalrat Dr. Ziehen, über den Angeklagten fest:

Auerbach ist edn großes Kind, er ist Moskau kündigt Botschaftsgebäude ir e endw0 ** aeinem Reifungsprozeß stek-

kengeblieben.“ Der Angeklagte »ei ein „pseudologischer Psychopath“, der sich in einer chronisch gehobenen Stimmungslage befinde. Das habe sich beispielsweise bei seiner Entlassung aus dem KZ deutlich ge­zeigt, als er sich falsche Titel zulegte, um vor der Mitwelt zu glänzen. Auerbach , finde aus der Phantasie nur schwer in die Wirklichkeit zurück. Alle seelischen Züge aber, wie etwa auch eine Neigung zu Depressionen und zu Hysterie seien le­diglich als strafmildernd anzusehen. Die Anwendung des Paragraphen 51 sei auszu­schließen, denn Auerbachs überdurch­schnittliche Intelligenz lasse ihn das Uner­laubte einer eventuell begangenen straf­baren Handlung selbstverständlich ein- sehen.

MOSKAU . Die USA -Botschaft in Mos­ kau hat eine auf sechs Monate befristete Kündigung der Sowjetregierung zum Räu­men des zur Zeit von ihr bewohnten Ge­bäudes erhalten. Die Botschaft teilte mit, die Sowjetregierung habe in dem Kündi­gungsschreiben eine Verlängerung des am 31. Dezember ds. Js. ablaufenden Mietver­trages abgelehnt. Die Sowjetregierung be­gründete die Kündigung damit, daß das Gebäude von der Moskauer Universität benötigt wird.

Erste Runde für Eisenhower

Der Republikanische Partei -Konvent in Chikago — McArthurs Anklage

OHIKAGO. Unter tropischer Hitze hat am Montag der Nationalkonvent der Republikanischen Partei der Vereinigten Staaten begonnen. Es geht um die Nomi­nierung des endgültigen Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen im November. Unter dem traditionellen Zeremoniell — Musikdarbietungen, Gebete und Gruß­ansprachen — traten über tausend Dele­gierte aus allen Einzelstaaiten der USA so­wie aus Alaska , Havai , Puerto Rico und den Jungfeminseln in dem großen Amphie- theater am Seeufer zusammen

General Eisenhower konnte nach mehr­stündigen, scharfen Auseinandersetzungen vor der Vollsitzung der Delegierten einen ersten Sieg davontragen. Ein Vorschlag der Taft-Anhänger wurde mit 858 gegen 548 Stimmen abgelehnt. Zu größten Ueberraschung der politischen Beobachter und Wahl-Strategen zeigte »ich damit zum ersten Mal, über welchen Delegierten- Anhang Eisenhower verfügt.

Die neueste Beschuldigung des Eisen- hower-Lagers gegen die Taft-Anhänger ist, daß sie sämtliche Chikagoer Manne­quins und Fotomodelle „gekauft“ hätten, um die Behauptung zu widerlegen, Tafts Feldzug mangele es an Sex appeal und die Jugend sei für Eisenhower . Es ist je­doch nicht ausgeschlossen, daß da» Taft- Lager sich absichtlich ruhig verhalten hat, um die Anhänger Eisenhower überopti­mistisch und unvorsichtig zu machen.

Im Zeichen schärfster Kritik an der in­nen- und außenpolitischen Regierungs­arbeit der Demokraten stand die Grund­satz-Erklärung der ■ Republikaner , die am Montagabend von General Mc Arthur vor­getragen wurde. Er kritisierte „jene un­besonnenen Männer, die auf internationale Intrigen hereingefallen sind und damit

WETTEKVOKHERSAGE des Badischen Landeiwetterdienstes

An der Südflanke des sich bereits auffüllenden Tiefs bei Irland dringt von Frankreich her eine gewitterige Teilstörung nach Mitteleuropa vor und bringt vorübergehend etwas kühlere Meeres­luftmassen mit sich. Nachfolgender Druckanstieg wird den Hochdruckeinfluß jedoch bald wieder herstellen, so daß die Hitzeperiode keine nach­haltige Unterbrechung erfährt.

Wettervorhersage bis Mittwochabend: Wech­selnd bewölkt mit einzelnen gewittrigen Schau­em, später wieder aufheitemd, nur wenig kühler als an den Vortagen. Höchsttemperaturen zwi­schen 25 und 30 Grad, meist schwache, nur bei Gewittern örtlich böig auffrischende Winde um Südwest.

100 DM in Zürich : 8. 7. 92/94 »fr.

der Sowjetunion den Aufstieg zur Welt­macht“ ermöglicht hätten. Die Truman - Regierung habe Amerika auf den Weg zum Sozialismus geführt und es nicht fertiggebracht, die sowjetische Aggression zu verhindern. „Wir haben die nord­ koreanischen Armeen geschlagen“ sagte General McArthur , „als aber die kommu­ nistischen Armeen Chinas eingriffep, fehlte es unserer Führung an der Courage, eine militärische Entscheidung anzu­streben, obwohl der Sieg damals zum Greifen nahe war. Wir haben die sowjeti­sche Beherrschung der freien Völker Ost­ europas herausgefordert“, rief MacArthur . „Wir haben unsere Armeen freiwillig aus einem Tausend von Quadratkilometer um­fassenden, in schweren Kämpfen gewon­nenen G«biet, zurückgezogen, und den Sowjetarmeen den Vormarsch nachWesten ermöglicht. Diese konnten dann die rote Flagge des Kommunismus in Berlin , Wien und Prag — Zentren der westlichen Zivi­lisation — aufpflanzen. In leichtsinnigster Weise haben wir die' Kontrolle über Ge­biete aufgegeben, in denen sich gewaltige Uran-Vorkommen befinden, ohne die die Sowjets vielleicht niemals in den Besitz der Atomenergie gelangt wären. Hundert­tausende von deutschen Kriegsgefangenen

Deutsches Strafrecht wird bereinigt

Bewährungszeit nach amerikanischem Muster

BONN . (W.-Eigenbericht.) Das Bundes­kabinett hat dem Entwurf eines Straf­rechtsbereinigungsgesetzes zugestimmt, das nun den parlamentarischen Körperschaf­ten zur Beratung zugeht. Unter anderem sieht das neue Gesetz vor, daß jeder Rich­ter gleich bei der Verkündigung einer Haft- oder Gefängnisstrafe bis zu 9 Mona­ten die Strafe aussetzen und statt dessen eine besondere Bewährung anordnen kann. Während der Bewährungszeit, die 2 bis 5 Jahre betragen soll, werden dem Verurteil­ten aber bestimmte Auflagen gemacht, die durch einen behördlich bestellten „Bewäh­rungshelfer“ nach amerikanischem Vorbild überwacht werden. Zum Beispiel kann ihm auferlegt werden, während der Bewäh­rungszeit den angerichteten Schaden wie­dergutzumachen oder seine Freizeit auf eine bestimmte Weise zu verbringen. Fer­ner sieht das neue Gesetz eine „bedingte Entlassung“ nach der Verbüßung von zwei Dritteln der Strafzeit vor.

Daneben enthält das Gesetz eine' Fülle Interessanter Einzelheiten, durch die über­holte Strafbestimmungen beseitigt oder veraltete Ausdrücke (wie Schießgewehr oder Frauensperson) aus dem Strafgesetz­buch gestrichen werden. Besonder» wichtig ist die Neuregelung des Zeugnisverweige­rungsrechtes auf Grund von Berufsgeheim­nissen. Dabei wird das Redaktionsgeheim- ni» vom Druckerei-Personal auf das kauf­männische und sonstige Personal ausge­dehnt. Das Zeugnis kann nicht nur wie bisher über jeden Verfasser oder Einsen­der einer Veröffentlichung verweigert werden, sondern auch über den sogenann­ten Gewährsmann, der lediglich mündlich oder schriftlich Material für den Artikel oder die Druckschrift geliefert hat. Ein entsprechendes Recht wie der Presse wird

Acheson : „Wir bedrohen niemand 11

Zusammenarbeit muß Leitmotiv der freien Welt sein

SAO PAULO . USA - Außenminister Acheson sagte in Sao Paulo , daß die poli­tischen Ziele der Vereinigten Staaten ein­deutig darin bestehen, Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit zu erlangen. „Wir be­drohen niemanden“, versicherte Acheson und betonte, daß die militärische Stär­kung der freien Welt nur unter dem Druck der Verhältnisse erfolge, da die Segnungen des Friedens nur durch Stärke erreicht werden könnten.

Der amerikanische Außenminister warnte vor Versuchen der Sowjets, Uneinigkeit in die Reihen der freien Nationen zu bringen. „Wo sie nicht herrschen können, wollen sie schwächen, indem sie Mißtrauen unter den Nationen säen“, erklärte Acheson . „Wir wären in der Tat einfältig, wenn wir zu­ließen, daß diese Verleumdungskampagne ihren bösen Zweck erreicht.

Acheson sprach dann eingehend zur in­ternationalen Lage nach dem zweiten Welt­krieg. Er betonte, daß die Entwicklung der kollektiven Stärke der freien Welt nur an­gesichts der Gefahr notwendig wurde, die sich aus der Tatsache ergeben hat, daß die

Sowjetunion nach dem Krieg nicht wie die anderen Alliierten abgerüstet habe. Die demokratische Welt habe jedoch nicht nur die Aufgabe, für ihre Sicherheit zu sorgen. Sie müsse auch für eine fortgesetzte Stei­gerung des Lebensstandards ihrer Völker sorgen. Das amerikanische Punkt-Vier-Pro­gramm zur technischen Unterstützung wirt­schaftlich rückständiger Gebiete sei ein Beispiel für die Maßnahmen, die zur Ver­besserung der Lebensbedingungen auf dem Wege der Zusammenarbeit getroffen wer­den sollten. „Zusammenarbeit muß das Leitmotiv der demokratischen Welt »ein und bleiben, wenn sie fortbestehen will.

Geheimkonferenzen in Panmunfon

TOKIO . Während der letzten drei Tage fanden in Panmunjon nur Geheimsitzun­gen statt, über deren Ausgang nichts be­kannt wurde. An der Mittelfront in Korea tobten schwere Kämpfe. Mit Unterstützung von Panzern rannte kommunistische In­fanterie gegen einen von den UN -Streit- kräften gehaltenen Höhenzug an. Die Kommunisten wurden zurückgeworfen.

auch dem Rundfunk eingeräumt. Außer­dem Wird das Zeugnisverweigerungsrecht auch bei Rechtsanwälten, Aerzten und Krankenpersonal erweitert.

Klage gegen Pariame ts-Mißaditung

KARSRUHE. (ra.-Eigenbericht.) Das am 10. 2. 1950 geschlossene (bis 30. 6. 1950 geltende) deutsch -französische ’ Wirt­schaftsabkommen war auf Antrag der SPD -Bundestagsfraktion Gegenstand einer mündlichen, Verhandlung vor dem Zwei­ten Senat des Bundesverfassungsgerichts. Der zur Behandlung stehende Vertrag hätte nach Ansicht der SPD nicht ohne Mitwirkung des Parlamentes abgeschlos­sen werden dürfen. Das Gericht wird am 29. Juli über den Fall entscheiden.

Blankenhorn dementiert „Spiegel "

BONN (W.-Eigenbericht). Das Nachrich­ten-Magazin „Der Spiegel “ hat wieder einmal beträchtlichen Aufruhr in Bonn ausgelöst. In einem Artikel der Zeitschrift stellt Hans-Konrad Schmießer, angeblich Chefagent der französischen Sicherheits­polizei in Deutschland zwei aufsehen­erregende Behauptungen auf, die er an­geblich mit genauen Unterlagen belegen kann: 1. Der jetzige Bundeskanzler Dr. Adenauer habe zur Zeit, als er noch Prä­sident des parlamentarischen Rates war, mit ihm über Ausweichpläne nach Spanien und die Bildung einer deutschen Exil­regierung im Ausland für den Fall eines sowjetrussischen Angriffes gesprochen. 2. Dr. Adenauers engster Mitarbeiter, der jetzige Leiter der politischen Abteilung des Auswärtigen Amtes, Dr. Blankenhorn, habe ihn zu jener Zeit laufend mit Nachrichten versorgt und dafür mo­natlich Geld und Lebens­mittel erhalten.

Von seiten der Bun­desregierung wurde auf j die Behauptungen rasch reagiert. Dr. Blanken- hom ließ ankündigen, er werde gegen den „Spiegel “ und gegen Schmeißer sofort Ver­leumdungsklage erheben.

Ein Regierungssprecher begnügte sich damit, einige Tatsachen aus dem Vorleben des Herrn Schmeißer vorzulegen. —

Danach ist er aus dem bayerischen Staatsdienst unter dem Verdacht der Bestechung entlassen, später von der Staats­anwaltschaft wiederum wegen Bestechung ge­sucht und vor einiger Zeit aus Frankreich aus­gewiesen worden. Aus der Umgebung des Bun­deskanzlers verlautete, die gegen ihn erhobe­nen Beschuldigungen seien „von A bis Z“ er­logen.

Unsere Leser meinen:

„Ehe im Meinungsstreit 11

Zu dem am 3. Juli im „Südkurier" er­schienenen Artikel „Ehe im Meinungs­streit“, möchte ich bemerken, daß auch heute der Mann nicht über den Grundbe­sitz seiner Frau verfügen, also ihn nicht mit Hypotheken belasten kann. Dazu braucht er die Zustimmung seiner Frau. Ueber das sogenannte Vorbehaltsgut der Frau, was eventuell ein Hausgrundstück sein kann, darf die Frau ohne Zustimmung des Man­nes allein verfügen. Die Frau kann sich auch über das von ihr eingeforachte Gut, wie Aussteuer etc., vor Mißbrauch de» Mannes schützen. Bei Eingehung einer Ehe sollte ein Einbringungsverzeichnis auf­gestellt und von beiden Ehegatten durch Unterschrift anerkannt werden. Die Unter­schriften aollten vom Bürgermeisteramt oder von einem Notar beglaubigt sein. Was während der Ehe erworben wird, sollte durch Belege klar gestellt werden.

Trotzdem muß jeder vernünftige Mann für eine Reform des ehelichen Güterrechts eintreten. Die sogenannte eheliche Güter­trennung hat in Süddeutschland nie viel Anklang gefunden. Wenn z. B. eine Frau im Geschäft ihres Mannes, der Landwirt, Handwerker, Metzger, Bäcker, Gastwirt etc. ist, mittätig war, ist es zweifellos eine schwere Unbilligkeit, daß der gesamte ehe­liche Zugewinnst dem Manne allein zufällt. Die Frau ist hinsichtlich dieser Tatsache praktisch genommen nur die Magd. An­ders war es in Baden bis zur Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches . Hier hat das alte Badische Landrecht gegolten, nach dem die sogenannte Errungenschaft der Eheleute beiden gehörte. Auch in der Schweiz bestehen für die Frau günstigere Bestimmungen. Ergibt sich dort während der Ehe ein Zuschlag, also ein errungenes Vermögen, dann gehört dieser zu einem Drittel der Frau. Wohl kann bei uns durch einen Ehevertrag oder durch ein Testament der Frau zu Ihrem Recht verholten werden, aber in vielen Fällen wird dies unterlassen.

Eine Reform auf gesetzlicher Grundlage in dem Sinne, daß der Frau die Hälfte des Zuwachses aus der Errungenschaft wäh­rend der Ehe gehört, darf heute als ein ver­nünftiges Begehren der Frauen angesehen werden. Ratschreifoer J. W. in W.

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Bei Durchsicht der Standesamtsbücher, haben wir festgestellt, daß Sie noch nicht Ihre Umsatzsteuer abgeführt haben I*

25 Länder konzertierten in Salzburg

Die zeitgenössische Musik am Scheideweg

Das Musikfest der Internationalen Ge­ sellschaft für neue Musik in Salzburg ehloß mit einem tragischen Akzent. Mit­ten im vorletzten (nicht zum offiziellen Pro­gramm gehörenden) Orchesterkonzert wurde der österreichische Dirigent Herbert Häf- ner vom Schlag getroffen. Er gehörte als Mitglied der österreichischen Sektion zu ihren unermüdlichsten Mitarbeitern und die Überanstrengung, die dieses Fest für ihn bedeutete, mag zu seinem plötzlichen Ende beigetragen haben. Österreichs musikalische Avantgarde verliert in ihm einen tatkräf­tigen Anwalt.

Die Aspekte, unter welchen das Fest be­gonnen hatte, heiterten sich zeitweilig etwas auf, aber die künstlerische Bilanz blieb am Schlüsse genau so zwiespältig; wie das jm Vorjahr (unter Protest des deut­ schen Vertreters) beschlossene — und lei­der auch für das nächstjährige Fest in Oslo beibehaltene —‘ Auswahlverfahren: die Jury ist gehalten, auf alle Fälle von je­der einreichenden Sektion ein Welk zur Aufführung anzunehmen. So kamen dies­mal in vier Orchester- und zwei Kammqr- musifckonzerten 35 Komponisten aus 25 Ländern zu Gehör. Es war gewiß nicht ohne Reiz, das musikalische Erwachen etwa Is­lands oder Neuseelands , Australiens , Süd­ afrikas oder Chiles zu beobachten, das sich zwischen Folklore und Akademismus, ohne

G. B. Shaw als Musikkritiker Shaw begann seine literarische Laufbahn in London als Musik- und Kunstkritiker. Einmal hatte er das Konzert eines völlig talentlosen Geigers kritisiert. Nachts rief ihn die Redaktion noch an: „Wir verste­hen das nicht, Mr. Shaw. Sie schreiben, der Geiger habe sie an Paderewski erin­nert, der war aber doch kein Violinvir­tuose!“ Worauf Shaw : „Nein, aber eben deshalb!“ .

schöpferische Begabung individueller Art präsentierte. Ee wäre unbillig, eine solche schon zu erwarten. Aber das zahlenmäßige Übergewicht nicht diskutabler Werke stellte einen kaum erträglichen Ballast für eine so repräsentative Veranstaltung dar und ließ, wie gesagt, die künstlerische Bilanz viel ungünstiger erscheinen, als es sonst der Fall gewesen wäre.

Das soll nicht heißen, daß man ein un­zweifelhaftes Genie entdeckt hätte. Nichts davon. Auch der Franzose Pierre Boulex, dem die Fama Vorschlußlorbeeren spendete, ist noch weit davon — jedenfalls nach sei­nen zwei, für Sopran, Tenor, Baß und Or­chester komponierten Gedichten „Le soleil des eaux“. Hier war die zwölftönige Speku­lation weit stärker als die primär erforder­liche Einfallskraft, und das Ergebnis blieb dürftig weit hinter dem Vorbild Anton We­ bern « zurück. Anders der erst 23jährige Belgier Henri Pousseur . Seine frei sacra- len Gesänge für Sopran und Strekhtrio las­sen wohl noch kein eigenes Gesicht erken­nen. Aber die stupende Sicherheit mit der hier Webern Stil kopiert ist, ist erstaunlich und Zeichen hoher Begabung.

Des Italieners Peragallo Klavierkonzert zeigt diesen Komponisten — nach seinem ausgezeichneten Doppel-Streichquartett vom vorjährigen Frankfurter Musikfest — in einer neuen Entwicklung, die impressioni­stischen Klangcharakteren zuneigt (über­ragend der Solist Pietro Scarpini !), Hum- phrey Searles „Poem“ für 22 Streicher be­stach durch die reife Form- und Klangkul­tur, durch den ganz originellen Tonfall der Musik. Dieser klingt auch im Violinkonzert von B. A. Zimmermann immer dann auf, wenn die expressive Kraft der melodischen und rhythmischen Geste sich gestalthaft verdichtet. Ein noch uneinheitliches, aber eigenwilliges Werk, dem ein Zuviel an un­

organisch aufgesetzten Klangeffekten Inso­fern mehr schadet als nützt, als der aus­gezeichnete Geiger Helmut Zemick manch­mal Mühe hatte sich durchzusetzen. Sehr dicht und voller Einfälle, in der Formung noch etwas unübersichtlich und überladen, eine Klaviersonate von Claus Adam (USA - österreich ). Der Schweizer Edward Staempfli empfahl sich mit seinen sieben, kurzen, ungemein plastisch gestalteten und frisch erfundenen Variationen für Blasorchester, das Brillanz und gliedernde Farben bei­steuerte. Der 32jährige Schwede Gösta Car­lid war eine der wenigen angenehmen. Überraschungen: seine „Hymnen an die Schönheit“ (nach Baudelaire ) fesselten vom ersten bis zum letzten Takt durch die lapi­dare melodische Kraft, durch einen ganz eigenen neuen Ton, wie man ihm heut­zutage nicht so häufig begegnet. Hier scheint eine vielversprechende Stimme im Chor der neuen zeitgenössischen Musik auf­zuklingen, der man mit Interesse zuhören wird.

Daß man, nach Schönberg, auch die an­deren Klassiker der Moderne — Strawinsky, Bartok und Hdndemith — als Maßstab auf- rdchtete, war gut und lehrreich (und er­holsam). Zumal in so faszinierender Weise, wie e s durch Ferenc Fricsay und das Kölner NWDR -Orchester geschah. Das Publikum erzwang die Wiederholung des Schlußsat­zes von Bartoks 2. Klavierkonzert Geza Anda meisterte es vollendet

Deutlicher als je zeichneten sich auf die­sem Fest der IGNM zwei Welten ab, zwi­schen denen es keine Brücke gibt: die der „alten“ europäischen Musikländer Deutsch­ land , Frankreich , Österreich , Italien und Belgien , die heute vom jahrhundertealten, gesicherten Fundament ihrer Tradition in treue musikalische Welten vorstoßen und jedes Risiko des Experiments dabei auf eich nehmen; und die Welt die sich die jungen Völker und Nationen Schritt für Schritt erst zu schaffen beginnen, mittels Folklore und Akademismus den Humus bereitend, auf

dem dann irgendwann und irgendwo wieder ein Genie aufwachsen wird.

Josef Rufer

Wer finanziert das Studium?

Von den 3758 Studierenden, die im letz­ten Semester an der Universität Freiburg eingeschrieben waren, studierten 2516 auf Kosten der Eltern. 632 Studenten und 71 Studentinnen finanzierten ihr Studium völlig selbständig durch eigene Erwerbs­tätigkeit. 247 Studenten erhielten aus öffent­lichen Mitteln, 121 von Privatpersonen oder Vereinigungen Zuwendungen. 32 er­hielten Darlehen aus öffentlichen oder privaten Mitteln. 74 Studenten lebten von ihren Versehrtenrenten und 65 davon von Erbschaften. Nur bei einem Drittel der Studenten hatte der Vater eine abgeschlos­sene Hochschulbildung. Die meisten Stu­denten stammten aus Beamten- und An­gestelltenkreisen.

KULTUR NACHRICHTEN

Wolfgang Fortner , dessen Werk im Mittelpunkt der Eröffnungsmatinäe der Internationalen Musiktage Konstanz stehen wird, hat einen Ruf an die Sommer­akademie des Salzburger Mozarteums er­halten und wird dort vom 28. Juli bis 4. August unterrichten.

Der Württembergische Kunst­vereinin Stuttgart kann in diesem Jahr auf sein 125jähriges Bestehen zurück­blicken.

Ein Oesterreichfilm von Wolfgang Liebeneiner mit dem Titel „1. April 2000“ und mit Hilde Krahl in der weiblichen Hauptrolle wird in diesem Sommer ge­dreht. .

Japanische Pathologen haben sich vor einiger Zeit zu einer Ludwig- Aschoff -Gesellschaft zusammengeschlossen. Sie ehren mit dem Namen ihrer Gesell­schaft das Andenken an den Freiburger Pathologen Ludwig Aschoff (1866—1942), der als bedeutendster Vertreter dieses

Grundfaches der Medizin nach Rudolf Virchow gilt.

Thorton Wilders neues Bühnen­stück „The Emporium“ (Das Warenhaus), an dem der Dichter seit 1948 arbeitet, ent­hält ein Dutzend Charaktere, aber nur vier Rollen. Der Vorhang wird nicht auf- und nicht zugehen und die Beleuchtung wird nicht anzeigen, ob es Tag oder Nacht auf der Bühne ist. Die Uraufführung ist im Herbst zu erwarten.

Moderne Kunst in der Milch­bar zeigt der Besitzer einer Hamburger Milchwirtschaft Um begabten jungen Ma­lern Gelegenheit zu verschaffen, ihre Werke ohne finanzielle Belastung einem breiten Publikum zugänglich zu machen, werden die Gasträume für' eine ständige Kunstausstellung zur Verfügung gestellt.

Die Rolle des Teufels im Salz­burger .Jedermann“ wurde jetzt mit Peer Schmidt vom Düsseldorfer Schau­spielhaus neu besetzt. Der Vertrag mit dem ursprünglich vorgesehenen Wiener Schauspieler Karl Paryla war auf Veran­lassung des österreichischen Unterrichts­ministers gelöst worden, weil Paryla wie­derholt die österreichische Regierung, die Salzburger Festspiele und die .Jeder­mann“-Aufführung in der kommunisti­ schen Zeitschrift „Tagebuch“ angegriffen hatte.

Die „Dankspende des deut­schen Volkes“ hat ein Preisausschrei­ben für Entwürfe eines Tisch- oder Al­tarleuchters auf gerufen, an dem sich alle deutschen bildenden Künstler und Kunst­handwerker mit einer Entwurfzeichnung beteiligen können. Der Leuchter soll nicht höher als 40 cm sein und einzeln oder paa­rig Verwandt werden. An geeigneter Stelle soll er mit der Inschrift „Dankspende des deutschen Volkes 1951“ versehen sein.

Gustav Knuth hat die Hauptrolle in der Verfilmung von Zackmayers „Der fröhliche Weinberg “ übernommen.

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