XV. OLYMPISCHE SPIELE HELSINKI 1952

Die Rekordwelle in Helsinki hält an

Höhepunkt am Donnerstag: Der dramatische 5000-m-Lauf — Im Hammerwerfen zweiter Platz für Deutschland

Zwei Weltrekorde, ein neuer Europarekord und fünf olympische Rekorde bradite am Donnerstag der sechste Tag der XV. Olympischen Spiele in Helsinki . Im Hammerwerfen fiel die Goldmedaille überraschend an den Ungarn Josef Csermak, der mit 60,34 Metern einen sensationellen Weltrekord aufstellte. Der Fuldaer Karl Storch holte für Deutschland die dritte silberne Medaille. Exweit- rekordmann Imre Nemeth (Ungarn ) sicherte Un­ garn mit einem dritten Platz eine weitere Me­daille in diesem Wettbewerb.

Bel der Siegerehrung im 110-m- Hürdenlauf ging gleich dreimal das Sternenbanner der USA am Siegermast hoch. Harrison Dillard gewann in der olympischen Rekordzeit von 13,7 Sekunden vor Davis, der ebenfalls 13,7 Sekunden lief, und Barnard.

Emil Zatopek (Tschechoslowakei ) holte sich nach dem Olympiasieg im 10 000-m-Lauf auch die Gold­medaille über 5000 Meter. Mimoun (Frank­ reich ), der bereits über 10000 Meter die silberne Medaille gewann, sicherte sich erneut einen zwei­ten Platz und verwies Herbert Schade (Deutsch­ land ) auf den dritten Platz. Schade gewann damit die dritte Bronzemedaille für Deutschland .

Kurz zuvor hatte Maria Sander die zweite bronzene Medaille für Deutschland mit einem drit­ten Platz im 80-m-Hürdenendlauf der Frauen geholt. Die Goldmedaille war hier der mit

10,9 Sekunden erneut Weltrekord laufenden Au­stralierin Shirley Strickland nicht zu nehmen. Die silberne Medaille fiel überraschend an die sowje­tische Läuferin Golubichnaja.

Die dritte Goldmedaille für die Familie Zato­ pek (Emil gewann über 5000 und 10 000 m) sicherte

Dana Zatopek mit ihrem Sieg im Speerwer­fen der Frauen. Mit der neuen olympischen Re­kordweite von 50,47 Meter konnte sie die zweite im Weitsprung, Alexandra Tschudina (50,01), und deren Landsmännin Elena Gorschakowa (49,76) nur knapp auf die Plätze verweisen. Die Deutsche Marlies Müller konnte ihre Vorkampfleistungen von 43,21 m und 43,08 m in der Entscheidung nicht mehr überbieten und mußte mit dem sechsten Platz vorliebnehmen. - Jutta Krüger und Inge Bausen­ wein mußten sich mit dem achten bzw. zwölften Platz begnügen.

Erster Doppelsleg nach 40 Jahren

Zum erstenmal nach 40 Jahren gab es den Dop­pelsieg eines Läufers auf den beiden Langstrecken über 5000 und 10 000 Meter. Was Hannes Koleh-

mainen 1912 in Stockholm vollbrachte, wiederholte die .tschechische Lokomotive* Emil Zatopek . Nach seinem olympischen Rekordsieg über 10000 Meter, holte er sich in dem schnellsten 5000-m-Lauf der olympischen Geschichte mit der Rekordzeit' von 14:06,6 Minuten di« Goldmedaille vor dem Fran­zosen Mimoun, der damit die zweite Silber­medaille für Frankreich gewann, und dem Deut­ schen Herbert Schade , der Zatopeks schärfster Gegner war.

In den Vor- und Zwischenläufen über 400 Metsr sowie in den Vorläufen üSer 1500 Meter 6etzten sich die deutschen LäufeT durch. Haas und Geister starten in den Vorschlußrundenläufen über 400 m, und die deutsche Mittelstrecken-Elite mit Lueg, Lamers und Dohrow qualifizierte sich für die Zwi­schenläufe über 1500 Meter.

Wie Länferphänomen Zatopek Schade bezwang

Erhoffte Goldmedaille über 5000 m blieb aus — Schade Dritter

Das bis auf den letzten Platz gefüllte Olympia­ stadion glich schon vor dem 5000-m-Lauf mit 15 Teilnehmern einem wahren Hexenkessel. Die letz­ten Chancen wurden gegeneinander abgewogen, und immer wieder tauchten dabei die Namen Za­ topek und Schade auf.

Dann war es soweit. Der Startschuß ertönte. Die erste Runde wurde in sehr mäßigem Tempo zu­rückgelegt, wobei das Feld dicht zusammenblieb. Nach 1000 m, die von dem führenden Schade in 2:70,0 Min. zurückgelegt wurden, setzten die ersten Positionskämpfe ein. Schade blieb jedoch

Bronze im Hürdenlauf durch Maria Sander

Shirley Strickland lief Weltrekord mit 10,9 Sek. Weltrekord

Olympiasiagerin im 80-m-Hürdenlauf der Frauen wurde erwartungsgemäß die Australierin Shirley Strickland , die mit 10,9 Sek. erneut unter dem offiziellen Weltrekord der Holländerin Fanny Blankers-Koen (1.1,0 Sek.) blieb. Erst am Mittwoch hatte sie im Vorschlußrundenlauf 10,8 Sek. gelaufen, doch ist bisher fraglich, ob diese Zeit offiziell als Weltrekord anerkannt' wird, da starker Rückenwind herrschte. Fanny Blankers- Koen , die mit einer Penicillin-Spritze zur Ver­hütung einer Blutvergiftung behandelt wurde, startete auch. Sie stolperte an der zweiten Hürde, riß sie und gab auf. Die deutsche Mei­sterin Maria Sander kam hinter der Sowjetrus­sin Maria Golubichnaja in der gleichen Zeit von 11,1 Sekunden ins Ziel und rettete eine Bronze­medaille für Deutschland , ihre Vorlaufzeit er­reichte sie nicht mehr.

Goldmedaille: Shirley Strickland (Australien )

10,9 Sek. (neuer Welt- und olympischer Rekord): Silbermedaille: Maria Golubichnaja (Sowjetunion ) 11,1 Sek.j Bronzemedaille: Maria Sander (Deutsch­ land ) 11,1 Sek. 4. Anneliese Seon-Buchner (Deutschland ) 11,2 Sek.: 5. Jean Desforges (Eng­ land ) 11,6 Sek.

Dillards Hfirden-Rekordlauf

Dem amerikanischen Neger Harrison Dillard , f-r in London die Goldmedaille auf der kurzen Sprintstrecke gewann, gelang es in Helsinki , den

Olympiasieg in seiner'Spezialdisziplin, dem 110-m- Hürdenlauf, in der neuen olympischen Rekordzeit von 13,7 Sekunden davonzutragen. Dillard hatte nach drei Hürden einen ganz knappen Vorsprung vor seinem Landsmann Davis, den dieser bis zur letzten Hürde jedoch wieder aufholte. Im Aus­lauf kamen Dillard seine Sprinterqualitäten zu­gute, und im Ziel hatte er die Brust zuerst am Band, mit Arthur Barnard belegte ein weiterer amerikanischer Läufer den dritten Platz.

Goldmedaille: Harrison Dillard (USA ) 13,7 Sek. (neuer olympischer Rekord): Silbermedaille: Jade Davis (USA ) 13,7 Sek.: Bronzemedaille: Arthur Barnard (USA ) 14,1 Sekunden: 4. Eugen Bulan- chik (Sowjetunion ) 14,5; 5. Raymond H. Wein­berg (Australien ) 14,7j 6. Kenneth Doubleday (Australien ) 14,8 Min.

Der alte olympische Rekord stand seit 1948 auf

13,9 Sekunden und wurde von dem Amerikaner Porter gehalten. Weltrekordinhaber ist der Ameri­kaner Attlesey mit 13,6 Sekunden.

Fanny muß verzichten

Fanny Blankers-Koen (Holland ), die zweifache Olympia-Siegerin auf den Sprinterstrecken von 1948, mußte ihre Hoffnungen auf Wiederholung ihres großen olympischen Erfolges begraben. Nachdem sie in Helsinki wegen einer Blutvergif­tung bereits nicht am 100-m-Lauf teilnehmen konnte, muß sie auch auf die Teilnahme am 200-m-Lauf und an der Frauenstaffel verzichten.

Im Endspnrt um die Fußball-Vorschlußrunde

Deutschland holte gegen Brasilien 0:2 Rückstand auf und gewann 4:2

Das Vertrauen, das die deutschen Fußball- Anhänger in die Olympia-Amateurauswahl setz­ten, wurde durch einen 4:2-(2:2-0:l)-Erfolg gegen Brasilien belohnt. Der Erfolg wiegt um so schwe­rer, als er gegen einen hartnäckigen und ener­gischen Gegner erzielt wurde. In der ersten Halb­zeit sah es allerdings nicht nach einem erfolg­reichen Ausgagg aus. Die deutsche Elf ließ die Zusammenarbeit vermissen und kam gegen die großen und körperlich kräftigen Südamerikaner nur selten zum Zuge. Im Gegensatz dazu ent­wickelten die Brasilianer ein flüssiges Kombi­nationsspiel, das bis zur Halbzeit durch einen Treffer Pinto de Farias belohnt wurde. Das Verhängnis nahte mit dem zweiten Treffer Cala- zans, mH dem die Aussichten Deutschlands völlig entschwunden zu sein schienen. Aber plötzlich war es so, als wären die deutschen Spieler von eher Inspiration erfüllt. Die Elf zeigte alle Vor­züge einer offensiven und gut kombinierenden Mannschaft und konnte nachdem in der 76. Mi­nute das erste Gegentor durch einen Kopfball Schröders gefallen war, durch den Linksaußen Klug den Ausgleichstreffer erzwingen und sich damit buchstäblich fünf Minuten vor zwölf in die Verlängerung retten.

Auch in der Verlängerung blieben die deut­ schen Spieler weiterhin offensiv und konnten in der 5. Minute auf eine Steilvorlage Sommer* latts mit 3:2 in Führung gehen. Das Können

wurde jedoch auf eine harte Probe gestellt, denn die Brasilianer versuchten durch Gegenvorstöße den Gegner aus dem Konzept zu bringen. Zwei­mal mußte Torwächter Schönbeck die gefährlichen Schüsse des schnellen Außenläufers Calazans pa­rieren. Die Dramatik steigerte sich in den Schlußminuten, zumal sich die Südamerikaner auch noch außerordentlich hart einsetzten. In die­ser Spielphase konnte die deutsche Elf jedoch einen Gegenangriff starten, den Schröder mit einem erfolgreichen Alleingang zum 4:2 abschloß.

Der deutsche Sieg, die dramatische Schluß- offensive, hat mit dem schlechten Start einiger­maßen versöhnt.. Deutschland kam nicht durch Glück und Zufall in die Vorschlußrunden, son­dern durch den unbändigen Kampfgeist seiner Elf. Der beste Mann in der deutschen Olympia­mannschaft war Torhüter Schönbeck, der un­glaubliche Schüsse mit einer Seelenruhe mei­sterte, während sein gegenüber, Cavalheiro, zu sehr Galerie spielte. Am meisten enttäuscht hat anfänglich der deutsche Sturm, der sich lange nicht zu einer klaren Linie durchringen konnte.

Mit Schweden , das sich mit 3:1 gegen Öster­ reich qualifizierte, Ungarn (gegen Türkei 7:1) und Deutschland stehen bereits drei der letzten vier Mannschaften des Fußballtumiers fest. Im Spiel Jugoslawien —Dänemark wird der vierte Vorschlußrunden-Teilnehmer ermittelt.

Den deutschen Ruderern fehlt die Kondition

Sie gewannen die Silbermedaille im Rudern

Die deutsche Ausbeute bei den Ruderern war mit einer Silbermedaille im Riemen-Zweier mit Steuermann und dem fünften Platz des Achters im Endlauf magerer, als vielfach erwartet wor­den war. Im Vierer, der Bootsklasse, in der Deutschland bisher die meisten olympischen Goldmedaillen erkämpfte, kam das deutsche Boot vom Ruderclub Hannover nicht einmal in den Endlauf, obwohl die Hannoveraner mit zu den Favoriten gehörten. Helsinki hat klar und deutlich gezeigt, daß den deutschen Ruderern die Kondition und die Kraft für derartig zer­mürbende Regatten fehlt, wie sie nun einmal bei olympischen Spielen und Europameisterschaf­ten ausgefahren werden. Auf den ersten tausend Metern konntet unsere Ruderer fast in allen Rennen mithalten. Dann aber machte steh die fehlende Kondition bemerkbar.

Finnen organisierten ruhiges Wasser

Die steife Brise, die jeden Tag vom offenen Meer her wehte, wurde dank finnischer Organi­sationskunst weitgehend zurückgedämmt. An den breiten Öffnungen zum Meer zwischen den In­seln hatten die Finnen mehrere fünfhundert BRT- Dampfer gelegt und durch zwölf Schleppkähne, die in den Wasserlücken vor Anker lagen, wurde der Seegang des offenen Meeres so stark gemildert, daß fast ideale Voraussetzungen für den Ablauf der Endkämpfe herrschten.

Rußlands Ruderer größte Ueberraschung

Zum erstenmal griffen in Helsinki die Russen ln internationale Ruderkämpfe ein. Es gelang ihnen ein Einbruch in die Phalanx der großen Rudernationen. Mit zwei Silber- und einer Gold­medaille hatten sie nach den USA (zwei Gold- und eine Bronzemedaille) die meisten Erfolge. Si* entpuppten sich als wahre Athleten mit zobuster Kraft.

Die zweite Überraschung: erstmals seit Be* stehen der olympischen Ruderwettkämpfe blieb

England ohne Medaille. Die jungen USA -Marine- soldaten ließen den Briten im Achter keine Chance. Der deutsche Achter konnte gegen die überragende Streitmacht der USA , Sowjetunion , Australiens und Englands < nicht bestehen.

Deutscher Wasserball-Sieg

Mit einem überlegenen 8:4 (4:1)-Sieg über Ru­ mänien in der Ausscheidungsrunde des olym­pischen Wasserball-Turnier qualifizierte weh die deutsche Mannschaft für den Eintritt in dir Haupt­runde.

bis zur 2000-m-Marke (Zwischenzeit 5:37,4 Min.) in Front, gefolgt von Chataway , Reiff (2 m zu­rück), Mimoun und dem Sowjetrussen Anufriew. 200 m später setzte sich Zatopek an die Spitze. Gaston Reiff (Belgien ), der Olympiasieger voa 1948, versuchte den dritten Platz zu erobern, wurde jedoch von dem Engländer Chataway abgewiesen.

Bei 2400 m kam es zum ersten Duell zwischen Zatopek und Schade. Der erste Angriff Schades wurde zwar abgewehrt, doch 100 m weiter ging Schade wieder in Front. Zatopek machte dabei wie immer den Eindruck, daß er bereits am Ende seiner Kräfte wäre. Diese für Ihn typische Hal­tung war aber zu bekannt, als daß jemand Rück­schlüsse daraus gezogen hätte. Es gehörte viel­leicht auch in seine Taktik, daß er bet 2800 m noch Reiff passieren ließ.

Bei der 3000-m-Marke lautete die Plazierung hinter Schade (Zwischenzeit 8:30,4 Min.) Reiff , Zatopek , Chataway und Mlmou. Angriffe des Bel­giers Reiff wurden von Schade leicht abgewehrt, doch dann zog Zatopek bei 3400 m in unwider­stehlichem Spurt mit Reiff im .Kielwasser* an dem deutschen Rekordler vorbei. Wieder lagen alle fünf Läufer dicht zusammen. An sechster Stelle folgte der lange Engländer Pirie, der aber das Tempo nicht mehr halten konnte und zurückfiel.

Drei Runden vor Schluß war er jedoch mit einemmal wieder da. Pirie stieß plötzlich vor, aber vergeblich, Schade war nicht zu überholen. Nach Positionskämpfen auf der Gegengeraden über­nahm Schade bei 4000 m (Zwischenzeit 11:24,8 Min.) erneut die Führung. Zatopek folgte an zwei­ter Stelle, zog jedoch 900 m vor dem Ziel wieder in Front, um aber sofort wieder von Schade ab­gelöst zu werden, der vor Chataway in die letz­ten beiden Runden ging.

700 Meter vor dem Ziel legte Schade, Immer noch von dem Engländer Chataway gefolgt, einen Zwischenspurt ein. Das Stadion kochte, und die Begeisterungs- und Anfeuerungsrufe verwandel­ten diese olympische Kampfstätte in einen wah­ren Hexenkessel. Die Anfeuerungsrufe der deut­ schen und tschechischen Kolonien prallten in dem großen Oval aufeinander. Der Kampf um den Sieg näherte sich seinem Höhepunkt.

Dann kam die Entscheidung. Mitte der Ziel­kurve stürmte Zatopek , von außen kommend, mit «einer eigenartigen Lauftechnik, mit verzerrtem Gesicht und Tudernden Armbewegungen auf da« Ziel zu. Fünf Meter hinter ihm folgte sein gro­ßer Rivale Mimoun und weiter# sechs Meter zu­rück, Schade als dritter. An dieser Plazierung än­derte sich nichts mehr. Zatopek, der lm Mittel­punkt großer Ovationen stand, wandte sich sofort nach dem Durchlauf durch da» Ziel seinen Geg­nern Mimoun und Schade zu und schüttelte ihnen die Hände.

Goldmedaille: Emil Zatopek (Tschechoslowakei ) 14:06,6 Min.: Silbermedaille: O’Kacha Alain Mi­moun (Frankreich ) 14:07,4 Min.i Bronzemedaille: Herbert Schade (Deutschland ) 14:08,6 Minuten. — 4. Douglas A. G. Pirie (England ) 14:18,0; 5. Chri- stopher J. Chataway (England ) 14:18,0 Min.: 8. Leslie J. Perry (Australien ) 14:23,6 Minuten.

Der dramatische 5000-m-Lauf, den Zatopek (Tschechoslowakei ) in olympischer Rekordzeit (14:06,6 Minuten nach schärfstem Kampf mit dem Deutschen Schade gewann. Auf der Strecke scheint der Tscheche (im Bild 3. von links) völlig erschöpft aussichtslos im Rennen zu liegen. Von links nach rechts: Schade, Chataway -England , Zatopek und Relfl-Belgien . Der Zweite, Mimoun-Frank-

tst hier nicht ln der Spitzengruppe.

Haas hielt sich über 400 m glänzend

Er schlug Wint und Whitfield — Sieger wurde Rhoden (Jamaica ) in 45,9

Olympiasieger über 400 m wurde der Welt­rekordhalter (45,8) George Rhoden (Jamaica ) in der neuen olympischen Rekordzeit von 45,9 Se künden vor seinem Landsmann McKenley, del mit der gleichen Zeit die silberne Medaille ge­wann. Die bronzene Medaille fiel an den Ame­rikaner Matson. Ein hervorragendes Rennen lief der deutsche Meister Karl Friedrich Haas (Nürn­ berg ) als einziger weißer Starter in diesem Feld der Farbigen. Während Rhoden und McKenley nicht zu halten waren, und erst die Zielfotogra­fie zwischen Gold- und Silbermedaillengewinner entscheiden mußte, kämpften Matson, Haas, Wint und Whitfield um die übrige Placierung. Wint war jedoch auf den letzten 50 m am Ende seiner Kräfte, und auch Whitfield konnte dem Nürnberger nichts mehr entgegensetzen. Sein vierter Platz ist ein großer Erfolg.

Goldmedaille: George Rhoden (Jamaica ) 45,9 (olympischer Rekord). Silbermedaille: Herbert McKenley (Jaqjaica) 45,9. Bronzemedaille: Ollie Matson (USA ) 46,8.

4. Karl Friedrich Haas (Deutschland ) 47,0: 5. Arthur Wint (Jamaica ) 47,0; 6. Mal Whitfield (USA ) 47,1. Der alte olympische Rekord wurde

von Carr (USA — 1932) und Wint (Jamaica — 1948) mit 46,2 Sekunden gehalten.

Mit 46,4 Sekunden, der zweitbesten Zeit, die neben Rudolf Harbig (46,0) jemals ein deutscher Läufer lief, und einem zweiten Platz hinter dem Olympiasieger von 1948, Arthur Wint Jamaica (46,3) qualifizierte sich der deutsche 400-m-Meister Karl Friedrich Haas (Nürnberg ) für den Endlauf über 400 Meter. Der Krefelder Hans Geister (46,7!) wurde im zweiten Vorschlußrundenlauf um Handbreite Vierter und schied damit aus.

Helga Klein und Ulla Knab noch über 200 m

Vor sechzigtausend Zuschauern qualifizierten sich die deutsche Meisterin Helga Klein-Mann­ heim (24.6 Sek.) und Ulla Knab-Heidelberg (25,0) in den Vorläufen über 200 m Frauen für die Vorschlußrundenläufe. Die deutsche Doppelmei­sterin Maria Sander (Dinslaken ) trat zu ihrem Vorlauf nicht an. Die Olympiasiegerin über I 100 m, Marjorie Jackson (Australien ), stellte mit einer Siegerzeit von 23,6 Sekunden den Welt­rekord von Stella Walsh (USA ), der früheren Stella Walasiewicz (Polen ), ein und verbesserte den olympischen Rekord von Fanny Blankers- Koen (Holland ) um acht zehntel Sekunden.

Sensationeller USA -Sieg im Hindernislauf

Ashenfelter lief mit 8:45,4 Min. Weltrekordzeit

Horace Ashenfelter gewann für die USA lm 3000-m-Hindernislauf ln der offiziellen Rekord­zeit von 8:45,4 Minuten, die gleichzeitig auch neuen olympischen Rekord bedeutet. Der Sieg des Amerikaners über den sowjetischen Läufer Kasantzew ist als sensationell zu bezeichnen.

Auf der Mitte der Strecke übernahm der Ame- nikaner die Führung. Kasantzew (Rußland ) legte sich in dessen Windschatten und lief das vom Amerikaner verstärkte Tempo. Ashenfelter und Kasantzew vergrößerten allmählich ihren Ab­stand gegen das Feld auf 20 m. Als die Glocke die letzte Runde einläutete, setzte Kasantzew zum Angriff auf Ashenfelter an, stolperte aber schon bei der ersten Hürde hinter dem Ziel.

Silbermedaille für Hammerwerfer Storch

Welt-, Europa - und olympischer Rekord gefallen — Ungar schleudert 60,34 m

Mit großem Interesse wurde da« Hammerwerfen verfolgt. Die Ueberraschung war dabef der Ungar Josef Csermak, der mit 60,34 Meter als erster WerfeT der iWlelt über die 60-m-Grenze kam. Er verbesserte den Weltrekord seine« Landsmannes Imre Nemeth nm 46 Zentimeter. Nemeth selbst, neben Storch als großer Favorit betrachtet, mußt» «ich hinter Storch mit einem dritten Platz be­gnügen. Karl Storch (Fulda ) holte die silberne Medaille für Deutschland im ersten Wurf der Ent­scheidung mit 58,86 Metern. Der Ungar Csermak mußte «Äon mit 60,34 m einen Weltrekord auf- stellen, um den sehr regelmäßig werfenden Ful­daer auf den zweiten Platz zu verweisen. Der schwächer gewordene Olympiasieger von 1948, Nemeth (Ungarn ), erreichte mit 57,74 m nur den dritten Platz. Karl Wolf (Karlsruhe ) kam zweimal Ober 56 m. Seine größte Weite von 56,49 m brachte Ihm den sechsten Platz ein. Die ersten fünf verbesserten den olympischen Rekord des Deutschen Karl Hein aus dem Jahre 1936 mit 56,49 m, während Wolf ihn einstellte.

Goldmedaille: Josef Csermak (Ungarn ) 60,34 m (neuer Welt-, Europa - und olympischer Rekord). Silbermedaille: Karl Storch (Deutschland ) 58,86 m. Bronzemedaille: Imre Nemeth (Ungarn ) 57,74 m.

2 cm fehlten zur Bronzemedaille

Yvette Williams Olympiasiegerin lm Weltsprimg

Olympiasiegerin im Weitsprung der Frauen wurde, wie kurz berichtet, di« favorisierte Neu­

seeländerin Yvette Williams, die erst am 22. Fe­bruar in Wellington (Neuseeland ) mit 6,29 m einen neuen Weltrekord aufgestellt hatte. Sie gewann mit dem neuen olympischen Rekord von 6,24 m und verbesserte damit die von der Ungarin Gyar- mati 1948 in London erzielte Weite von 5,69 m ganz beträchtlich. Auch die fünf Nächstplazierten blieben über dem alten Rekord. Pech hatte die Kasselerin Irmgard Schmelzer, der für die Bronze- medailU lediglich zwei Zentima'er fehlten. Sie wurde mit 5,90 m Vierte hinter der Engländerin Cawley mit 5,92 m.

Goldmedaille: Yvette Williams (Neuseeland ) 6,24 m: Silbermedaille: Alexandra Tschudina (UdSSR ) 6,14 mj Bronzemedaille: Shirley Cawley (England ) 5,92 m. — 4. Irmgard Schmelzer

(Deutschland ) 5,90 mj 5, Wilhelmina Lust (Holland ' 5,81 m: 6. Nina Tjurkina (UdSSR ) 5,81 m. — Die beiden anderen deutschen Teilnehpierinnen, El- Iriede von Nitzsch (5,57) und Leni Hofknecht (5,55! kamen nicht in die Entscheidung.

Goldmedaille wieder für Indien Indien

wurde wieder Goldmedaillengewinner des olympischen Hockeyturniers durch einen 6:1- (4K))-Sieg über Holland . Endstand des Hockey- Turniers:

Goldmedaille: Indien ; Silbermedaille: Holland ; Bronzemedaille: England .

Keine Medaille für Deutschlands Turnerinnen

Sowjetrussinnen und Ungarinnen eine Klasse für sich

Bei dem mit den Kürübungen beendeten Acht­kampf der Turnerinnen gewannen die deutschen keine Medaillen. Sie gingen an die Sowjetunion und Ungarn . Die Sowjetrussinnen und die Un­garinnen repräsentierten eine Klasse für sich. Im Kürturnen waren die Ungarinnen bei der Bodenübung sogar besser nnd hielten am Bar­ren den großartigen Leistungsstandard der ge­radezu phänomenal turnenden sowjetischen Tur­nerinnen. Der Mannschaftsstand des olympischen Achtkampfes der Turnerinnen lautet nach Ab­schluß der vier Pflicht- nnd Kürübungen wie folgt:

Goldmedaille: Sowjetunion 527,03 Punkte; Sil­bermedaille: Ungarn 520,86; Bronzemedaille Tschechoslowakei 503,32; 4. Schweden 501,38 ; 5. Deutschland 495,23: 6. Italien 494,74.

In der Einzelwertung des olympischen Acht­kampfes der Turnerinnen erzielten die sowjet- russischen Vertreterinnen nach den vier Pflkht- nnd Kürübungen einen überzeugenden Erfolg. Mit Maria Gorokhovskaja und Nina Botscharowa fielen die ersten beiden Plätze an die Sowjet­ union . Die Ungarin Mar<£t Korondi konnte sich erst als Dritte plazieren.

Goldmedaille: Marie Gorokhovskaja (UdSSR ) 76,78 Punkte: Silbermedaille: Nina Botcharowa

(UdSSR ) 75,94; Bronzemedaille: Margit Korondi (Ungarn ) 75,82..

Deutsches Frauenturnen reformbedürftig

Die Leistungen der acht deutschen Turnerinnen im olympischen Achtkampf kamen nicht an den Standard anderer Länder heran. Wenn es zu keinen Spitzenplatz in der Nationenwertung reichte, so ist das zuerst auf die unterschiedliche Art des Frauenturnens in Deutschland und im Ausland zurückzuführen. Das Frauenturnen an den in Helsinki geforderten Geräten ist in Deutschland noch nicht alt. Erst kurz vor dem Bekanntwerden der Pflichtübungen gingen die Deutschen mit Energie ans Werk, um die sehr schwierigen Geräte kennen zu lernen.

„Ende gut — alles gut* konnten die Verant­wortlichen der deutschen Frauentumriege sagen, als beim Abschluß der Wettkämpfe die deutsche Mannschaft nach ihrer Seilgymnastik mit einem Beifallssturm der 2000 Zuschauer überschüttet wurde. Während die meisten Mannschaften Ball, Keule oder Reifen bei den gymnastischen Vor­führungen bevorzugten, wählten die Deutschen als einzige Nation das Seil. Die Übung war gymnastisch gut aufgebaut und enthielt am Schluß mit ihrem Doppelgreifen auch die ver­langte Schwierigkeit.

Dennoch passierte er auf der Gegengeraden den Amerikaner. Das Stadion kochte, als der sowjeti­sche Läufer das letzte Hindernis, den Wasser­graben, anlief. Hier, 150 m vor dem Ziel, strau­chelte der ermüdete Kasantzew erneut, nnd Ashenfelters Spurt konnte von ihm nicht mehr abgewehrt werden. Hesselmann behauptete mit letzter Energie noch den sechsten Platz, während Gude mit 9:01,4 Min. Achter wurde.

Goldmedaille: Horace Ashenfelter (USA ) 8:45,4 Minuten; Silbermedaille; Wladimir Kasantzew (Sowjetunion ! 8:51,6; Bronzemedaille: John Dls- ley (England ) 8:51,8.

4. Olavi Rinteenpaeae (Finnland ) 8:55,2: 5.

Curt Soederberg (Schweden ) 8:55,6; 6. Günther .Hesselmann (Deutschland ) 8:55,8.

Kampf um die Krone der Leichtathletik Im Zehnkampf führen zwei Amerikaner Vor 10 000 Zuschauern begannen am Freitagvor­mittag die Zehnkämpfer mit dem ersten Wett­bewerb, den 100 m. Der schnellste Läufer unter 27 Teilnehmern war der Amerikaner M. Milton Campbell, der die Strecke in der beachtlichen Zeit von 10,7 Sekunden bewältigte, dicht gefolgt vom Olympiasieger 1948 und Wleltrekordinhaber Bob Mathias (USA ) mit 10,9 Sekunden. Von den deut­ schen Teilnehmern konnte sich Sepp Hipp (Balin­ gen ) mit mehreren anderen Vertretern in der Zeit von 11,4 Sek. auf den fünften Rang placieren. Friedl Schirmer (Deutschland ) placierte sich nicht in der Spitzengruppe.

Das Weitspringen, als 2. Wettbewerb, gewann der Franzose Heinrich mit 7,10 m vor den Sowjit- russen Kuznetsow und Volkow mit je 7,09, Sim- mons (USA ) und Iriarte (Venezuela ) mit je 7,06 m und Bob Mathias mit 6,98 m.

Nach der dritten Disziplin, dem Kugelstoßen, übernahm der Weltrekordhalter Bob’ Mathias (USA ), vor seinem Landsmann Campbell mit 139 Punkten Vorsprung die Führung. Der deutsche Dis­kusmeister, Sepp Hipp (Balingen ), wurde im Ku-, gelstoßen mit 13,26 m Dritter nnd lag somit an sechster Stelle.

Stand nach drei Uebungen: 1. Mathias 2639 Punkte; 2. Campbell 2500 Punkte; 3. Simmons 2229 Punkte; 4. Wolkow (UdSSR ) 2220 Punkte: 5. Heinrich 2211 Punkte; 6. Hipp 2204 Punkte.

Gold für Schweden

Sieger des modernen Fünfkampfes (Geländeritt, Fechten, Schießen, Schwimmen, Geländelauf) wurde ein Schwede. Goldmedaille: Lars Hall (Schweden ) 32 Punkte; Silbermedaille: Gabor Benedek (Un­ garn ) 39 Punkte; Bronzemedaille: Istvan Szondi (Ungarn ) 41 Punkte. Mannschaftswertung: Gold­medaille: Ungarn 166 Punkte: Silbermedaille: Schweden 182 Punkte; Bronzemedaille: Finnland 213 Punkte.

Deutsche Freistil-Ringer ohne Medaille

Erwartungsgemäß schossen bei der Verteilung der Medaillen für das Freistilringen die Tür­ken, Sowjetrussen, Schweden , Japaner und Per­ser den Vogel ab. Je zwei Goldmedaillen gewan­nen die Sowjetunion , die Türkei und Schwe­ den . Japan und die USA stellten die restlichen zwei Olympiasieger.

Die deutschen Ringer, die nur geringe Freistil­kenntnisse besitzen, haben sich verhältnismäßig gut gehalten. Ihr Vordringen in die letzten Runden bedeutet, daß sie auch ohne die völlige Be­herrschung der Spezialgriffe des Freistils besser sind, als man erwartet hatte. Es behaupteten sich am längsten noch Heinrich Weber mit einem 5. Platz im Fliegengewicht, Heinrich Net­ tesheim mit einem 6. Platz im Leichtgewicht und Gustav Godce mit einem 4. Platz

Deutscher Hockeysieg über Oesterreich

In der Hockey-Trostrunde des olyirfpischen Turniers besiegte die deutsche Mannschaft die österreichische Auswahl mit 2:1 (2:1).