XV. OLYMPISCHE SPIELE HELSINKI 1952
Die Rekordwelle in Helsinki hält an
Höhepunkt am Donnerstag: Der dramatische 5000-m-Lauf — Im Hammerwerfen zweiter Platz für Deutschland
Zwei Weltrekorde, ein neuer Europarekord und fünf olympische Rekorde bradite am Donnerstag der sechste Tag der XV. Olympischen Spiele in Helsinki . Im Hammerwerfen fiel die Goldmedaille überraschend an den Ungarn Josef Csermak, der mit 60,34 Metern einen sensationellen Weltrekord aufstellte. Der Fuldaer Karl Storch holte für Deutschland die dritte silberne Medaille. Exweit- rekordmann Imre Nemeth (Ungarn ) sicherte Un garn mit einem dritten Platz eine weitere Medaille in diesem Wettbewerb.
Bel der Siegerehrung im 110-m- Hürdenlauf ging gleich dreimal das Sternenbanner der USA am Siegermast hoch. Harrison Dillard gewann in der olympischen Rekordzeit von 13,7 Sekunden vor Davis, der ebenfalls 13,7 Sekunden lief, und Barnard.
Emil Zatopek (Tschechoslowakei ) holte sich nach dem Olympiasieg im 10 000-m-Lauf auch die Goldmedaille über 5000 Meter. Mimoun (Frank reich ), der bereits über 10000 Meter die silberne Medaille gewann, sicherte sich erneut einen zweiten Platz und verwies Herbert Schade (Deutsch land ) auf den dritten Platz. Schade gewann damit die dritte Bronzemedaille für Deutschland .
Kurz zuvor hatte Maria Sander die zweite bronzene Medaille für Deutschland mit einem dritten Platz im 80-m-Hürdenendlauf der Frauen geholt. Die Goldmedaille war hier der mit
10,9 Sekunden erneut Weltrekord laufenden Australierin Shirley Strickland nicht zu nehmen. Die silberne Medaille fiel überraschend an die sowjetische Läuferin Golubichnaja.
Die dritte Goldmedaille für die Familie Zato pek (Emil gewann über 5000 und 10 000 m) sicherte
Dana Zatopek mit ihrem Sieg im Speerwerfen der Frauen. Mit der neuen olympischen Rekordweite von 50,47 Meter konnte sie die zweite im Weitsprung, Alexandra Tschudina (50,01), und deren Landsmännin Elena Gorschakowa (49,76) nur knapp auf die Plätze verweisen. Die Deutsche Marlies Müller konnte ihre Vorkampfleistungen von 43,21 m und 43,08 m in der Entscheidung nicht mehr überbieten und mußte mit dem sechsten Platz vorliebnehmen. - Jutta Krüger und Inge Bausen wein mußten sich mit dem achten bzw. zwölften Platz begnügen.
Erster Doppelsleg nach 40 Jahren
Zum erstenmal nach 40 Jahren gab es den Doppelsieg eines Läufers auf den beiden Langstrecken über 5000 und 10 000 Meter. Was Hannes Koleh-
mainen 1912 in Stockholm vollbrachte, wiederholte die .tschechische Lokomotive* Emil Zatopek . Nach seinem olympischen Rekordsieg über 10000 Meter, holte er sich in dem schnellsten 5000-m-Lauf der olympischen Geschichte mit der Rekordzeit' von 14:06,6 Minuten di« Goldmedaille vor dem Franzosen Mimoun, der damit die zweite Silbermedaille für Frankreich gewann, und dem Deut schen Herbert Schade , der Zatopeks schärfster Gegner war.
In den Vor- und Zwischenläufen über 400 Metsr sowie in den Vorläufen üSer 1500 Meter 6etzten sich die deutschen LäufeT durch. Haas und Geister starten in den Vorschlußrundenläufen über 400 m, und die deutsche Mittelstrecken-Elite mit Lueg, Lamers und Dohrow qualifizierte sich für die Zwischenläufe über 1500 Meter.
Wie Länferphänomen Zatopek Schade bezwang
Erhoffte Goldmedaille über 5000 m blieb aus — Schade Dritter
Das bis auf den letzten Platz gefüllte Olympia stadion glich schon vor dem 5000-m-Lauf mit 15 Teilnehmern einem wahren Hexenkessel. Die letzten Chancen wurden gegeneinander abgewogen, und immer wieder tauchten dabei die Namen Za topek und Schade auf.
Dann war es soweit. Der Startschuß ertönte. Die erste Runde wurde in sehr mäßigem Tempo zurückgelegt, wobei das Feld dicht zusammenblieb. Nach 1000 m, die von dem führenden Schade in 2:70,0 Min. zurückgelegt wurden, setzten die ersten Positionskämpfe ein. Schade blieb jedoch
Olympiasiagerin im 80-m-Hürdenlauf der Frauen wurde erwartungsgemäß die Australierin Shirley Strickland , die mit 10,9 Sek. erneut unter dem offiziellen Weltrekord der Holländerin Fanny Blankers-Koen (1.1,0 Sek.) blieb. Erst am Mittwoch hatte sie im Vorschlußrundenlauf 10,8 Sek. gelaufen, doch ist bisher fraglich, ob diese Zeit offiziell als Weltrekord anerkannt' wird, da starker Rückenwind herrschte. Fanny Blankers- Koen , die mit einer Penicillin-Spritze zur Verhütung einer Blutvergiftung behandelt wurde, startete auch. Sie stolperte an der zweiten Hürde, riß sie und gab auf. Die deutsche Meisterin Maria Sander kam hinter der Sowjetrussin Maria Golubichnaja in der gleichen Zeit von 11,1 Sekunden ins Ziel und rettete eine Bronzemedaille für Deutschland , ihre Vorlaufzeit erreichte sie nicht mehr.
Goldmedaille: Shirley Strickland (Australien )
10,9 Sek. (neuer Welt- und olympischer Rekord): Silbermedaille: Maria Golubichnaja (Sowjetunion ) 11,1 Sek.j Bronzemedaille: Maria Sander (Deutsch land ) 11,1 Sek. 4. Anneliese Seon-Buchner (Deutschland ) 11,2 Sek.: 5. Jean Desforges (Eng land ) 11,6 Sek.
Dillards Hfirden-Rekordlauf
Dem amerikanischen Neger Harrison Dillard , f-r in London die Goldmedaille auf der kurzen Sprintstrecke gewann, gelang es in Helsinki , den
Olympiasieg in seiner'Spezialdisziplin, dem 110-m- Hürdenlauf, in der neuen olympischen Rekordzeit von 13,7 Sekunden davonzutragen. Dillard hatte nach drei Hürden einen ganz knappen Vorsprung vor seinem Landsmann Davis, den dieser bis zur letzten Hürde jedoch wieder aufholte. Im Auslauf kamen Dillard seine Sprinterqualitäten zugute, und im Ziel hatte er die Brust zuerst am Band, mit Arthur Barnard belegte ein weiterer amerikanischer Läufer den dritten Platz.
Goldmedaille: Harrison Dillard (USA ) 13,7 Sek. (neuer olympischer Rekord): Silbermedaille: Jade Davis (USA ) 13,7 Sek.: Bronzemedaille: Arthur Barnard (USA ) 14,1 Sekunden: 4. Eugen Bulan- chik (Sowjetunion ) 14,5; 5. Raymond H. Weinberg (Australien ) 14,7j 6. Kenneth Doubleday (Australien ) 14,8 Min.
Der alte olympische Rekord stand seit 1948 auf
13,9 Sekunden und wurde von dem Amerikaner Porter gehalten. Weltrekordinhaber ist der Amerikaner Attlesey mit 13,6 Sekunden.
Fanny muß verzichten
Fanny Blankers-Koen (Holland ), die zweifache Olympia-Siegerin auf den Sprinterstrecken von 1948, mußte ihre Hoffnungen auf Wiederholung ihres großen olympischen Erfolges begraben. Nachdem sie in Helsinki wegen einer Blutvergiftung bereits nicht am 100-m-Lauf teilnehmen konnte, muß sie auch auf die Teilnahme am 200-m-Lauf und an der Frauenstaffel verzichten.
Im Endspnrt um die Fußball-Vorschlußrunde
Deutschland holte gegen Brasilien 0:2 Rückstand auf und gewann 4:2
Das Vertrauen, das die deutschen Fußball- Anhänger in die Olympia-Amateurauswahl setzten, wurde durch einen 4:2-(2:2-0:l)-Erfolg gegen Brasilien belohnt. Der Erfolg wiegt um so schwerer, als er gegen einen hartnäckigen und energischen Gegner erzielt wurde. In der ersten Halbzeit sah es allerdings nicht nach einem erfolgreichen Ausgagg aus. Die deutsche Elf ließ die Zusammenarbeit vermissen und kam gegen die großen und körperlich kräftigen Südamerikaner nur selten zum Zuge. Im Gegensatz dazu entwickelten die Brasilianer ein flüssiges Kombinationsspiel, das bis zur Halbzeit durch einen Treffer Pinto de Farias belohnt wurde. Das Verhängnis nahte mit dem zweiten Treffer Cala- zans, mH dem die Aussichten Deutschlands völlig entschwunden zu sein schienen. Aber plötzlich war es so, als wären die deutschen Spieler von eher Inspiration erfüllt. Die Elf zeigte alle Vorzüge einer offensiven und gut kombinierenden Mannschaft und konnte nachdem in der 76. Minute das erste Gegentor durch einen Kopfball Schröders gefallen war, durch den Linksaußen Klug den Ausgleichstreffer erzwingen und sich damit buchstäblich fünf Minuten vor zwölf in die Verlängerung retten.
Auch in der Verlängerung blieben die deut schen Spieler weiterhin offensiv und konnten in der 5. Minute auf eine Steilvorlage Sommer* latts mit 3:2 in Führung gehen. Das Können
wurde jedoch auf eine harte Probe gestellt, denn die Brasilianer versuchten durch Gegenvorstöße den Gegner aus dem Konzept zu bringen. Zweimal mußte Torwächter Schönbeck die gefährlichen Schüsse des schnellen Außenläufers Calazans parieren. Die Dramatik steigerte sich in den Schlußminuten, zumal sich die Südamerikaner auch noch außerordentlich hart einsetzten. In dieser Spielphase konnte die deutsche Elf jedoch einen Gegenangriff starten, den Schröder mit einem erfolgreichen Alleingang zum 4:2 abschloß.
Der deutsche Sieg, die dramatische Schluß- offensive, hat mit dem schlechten Start einigermaßen versöhnt.. Deutschland kam nicht durch Glück und Zufall in die Vorschlußrunden, sondern durch den unbändigen Kampfgeist seiner Elf. Der beste Mann in der deutschen Olympiamannschaft war Torhüter Schönbeck, der unglaubliche Schüsse mit einer Seelenruhe meisterte, während sein gegenüber, Cavalheiro, zu sehr Galerie spielte. Am meisten enttäuscht hat anfänglich der deutsche Sturm, der sich lange nicht zu einer klaren Linie durchringen konnte.
Mit Schweden , das sich mit 3:1 gegen Öster reich qualifizierte, Ungarn (gegen Türkei 7:1) und Deutschland stehen bereits drei der letzten vier Mannschaften des Fußballtumiers fest. Im Spiel Jugoslawien —Dänemark wird der vierte Vorschlußrunden-Teilnehmer ermittelt.
Die deutsche Ausbeute bei den Ruderern war mit einer Silbermedaille im Riemen-Zweier mit Steuermann und dem fünften Platz des Achters im Endlauf magerer, als vielfach erwartet worden war. Im Vierer, der Bootsklasse, in der Deutschland bisher die meisten olympischen Goldmedaillen erkämpfte, kam das deutsche Boot vom Ruderclub Hannover nicht einmal in den Endlauf, obwohl die Hannoveraner mit zu den Favoriten gehörten. Helsinki hat klar und deutlich gezeigt, daß den deutschen Ruderern die Kondition und die Kraft für derartig zermürbende Regatten fehlt, wie sie nun einmal bei olympischen Spielen und Europameisterschaften ausgefahren werden. Auf den ersten tausend Metern konntet unsere Ruderer fast in allen Rennen mithalten. Dann aber machte steh die fehlende Kondition bemerkbar.
Finnen organisierten ruhiges Wasser
Die steife Brise, die jeden Tag vom offenen Meer her wehte, wurde dank finnischer Organisationskunst weitgehend zurückgedämmt. An den breiten Öffnungen zum Meer zwischen den Inseln hatten die Finnen mehrere fünfhundert BRT- Dampfer gelegt und durch zwölf Schleppkähne, die in den Wasserlücken vor Anker lagen, wurde der Seegang des offenen Meeres so stark gemildert, daß fast ideale Voraussetzungen für den Ablauf der Endkämpfe herrschten.
Rußlands Ruderer größte Ueberraschung
Zum erstenmal griffen in Helsinki die Russen ln internationale Ruderkämpfe ein. Es gelang ihnen ein Einbruch in die Phalanx der großen Rudernationen. Mit zwei Silber- und einer Goldmedaille hatten sie nach den USA (zwei Gold- und eine Bronzemedaille) die meisten Erfolge. Si* entpuppten sich als wahre Athleten mit zobuster Kraft.
Die zweite Überraschung: erstmals seit Be* stehen der olympischen Ruderwettkämpfe blieb
England ohne Medaille. Die jungen USA -Marine- soldaten ließen den Briten im Achter keine Chance. Der deutsche Achter konnte gegen die überragende Streitmacht der USA , Sowjetunion , Australiens und Englands < nicht bestehen.
Mit einem überlegenen 8:4 (4:1)-Sieg über Ru mänien in der Ausscheidungsrunde des olympischen Wasserball-Turnier qualifizierte weh die deutsche Mannschaft für den Eintritt in dir Hauptrunde.
bis zur 2000-m-Marke (Zwischenzeit 5:37,4 Min.) in Front, gefolgt von Chataway , Reiff (2 m zurück), Mimoun und dem Sowjetrussen Anufriew. 200 m später setzte sich Zatopek an die Spitze. Gaston Reiff (Belgien ), der Olympiasieger voa 1948, versuchte den dritten Platz zu erobern, wurde jedoch von dem Engländer Chataway abgewiesen.
Bei 2400 m kam es zum ersten Duell zwischen Zatopek und Schade. Der erste Angriff Schades wurde zwar abgewehrt, doch 100 m weiter ging Schade wieder in Front. Zatopek machte dabei wie immer den Eindruck, daß er bereits am Ende seiner Kräfte wäre. Diese für Ihn typische Haltung war aber zu bekannt, als daß jemand Rückschlüsse daraus gezogen hätte. Es gehörte vielleicht auch in seine Taktik, daß er bet 2800 m noch Reiff passieren ließ.
Bei der 3000-m-Marke lautete die Plazierung hinter Schade (Zwischenzeit 8:30,4 Min.) Reiff , Zatopek , Chataway und Mlmou. Angriffe des Belgiers Reiff wurden von Schade leicht abgewehrt, doch dann zog Zatopek bei 3400 m in unwiderstehlichem Spurt mit Reiff im .Kielwasser* an dem deutschen Rekordler vorbei. Wieder lagen alle fünf Läufer dicht zusammen. An sechster Stelle folgte der lange Engländer Pirie, der aber das Tempo nicht mehr halten konnte und zurückfiel.
Drei Runden vor Schluß war er jedoch mit einemmal wieder da. Pirie stieß plötzlich vor, aber vergeblich, Schade war nicht zu überholen. Nach Positionskämpfen auf der Gegengeraden übernahm Schade bei 4000 m (Zwischenzeit 11:24,8 Min.) erneut die Führung. Zatopek folgte an zweiter Stelle, zog jedoch 900 m vor dem Ziel wieder in Front, um aber sofort wieder von Schade abgelöst zu werden, der vor Chataway in die letzten beiden Runden ging.
700 Meter vor dem Ziel legte Schade, Immer noch von dem Engländer Chataway gefolgt, einen Zwischenspurt ein. Das Stadion kochte, und die Begeisterungs- und Anfeuerungsrufe verwandelten diese olympische Kampfstätte in einen wahren Hexenkessel. Die Anfeuerungsrufe der deut schen und tschechischen Kolonien prallten in dem großen Oval aufeinander. Der Kampf um den Sieg näherte sich seinem Höhepunkt.
Dann kam die Entscheidung. Mitte der Zielkurve stürmte Zatopek , von außen kommend, mit «einer eigenartigen Lauftechnik, mit verzerrtem Gesicht und Tudernden Armbewegungen auf da« Ziel zu. Fünf Meter hinter ihm folgte sein großer Rivale Mimoun und weiter# sechs Meter zurück, Schade als dritter. An dieser Plazierung änderte sich nichts mehr. Zatopek, der lm Mittelpunkt großer Ovationen stand, wandte sich sofort nach dem Durchlauf durch da» Ziel seinen Gegnern Mimoun und Schade zu und schüttelte ihnen die Hände.
Goldmedaille: Emil Zatopek (Tschechoslowakei ) 14:06,6 Min.: Silbermedaille: O’Kacha Alain Mimoun (Frankreich ) 14:07,4 Min.i Bronzemedaille: Herbert Schade (Deutschland ) 14:08,6 Minuten. — 4. Douglas A. G. Pirie (England ) 14:18,0; 5. Chri- stopher J. Chataway (England ) 14:18,0 Min.: 8. Leslie J. Perry (Australien ) 14:23,6 Minuten.
Der dramatische 5000-m-Lauf, den Zatopek (Tschechoslowakei ) in olympischer Rekordzeit (14:06,6 Minuten nach schärfstem Kampf mit dem Deutschen Schade gewann. Auf der Strecke scheint der Tscheche (im Bild 3. von links) völlig erschöpft aussichtslos im Rennen zu liegen. Von links nach rechts: Schade, Chataway -England , Zatopek und Relfl-Belgien . Der Zweite, Mimoun-Frank-
tst hier nicht ln der Spitzengruppe.
Haas hielt sich über 400 m glänzend
Er schlug Wint und Whitfield — Sieger wurde Rhoden (Jamaica ) in 45,9
Olympiasieger über 400 m wurde der Weltrekordhalter (45,8) George Rhoden (Jamaica ) in der neuen olympischen Rekordzeit von 45,9 Se künden vor seinem Landsmann McKenley, del mit der gleichen Zeit die silberne Medaille gewann. Die bronzene Medaille fiel an den Amerikaner Matson. Ein hervorragendes Rennen lief der deutsche Meister Karl Friedrich Haas (Nürn berg ) als einziger weißer Starter in diesem Feld der Farbigen. Während Rhoden und McKenley nicht zu halten waren, und erst die Zielfotografie zwischen Gold- und Silbermedaillengewinner entscheiden mußte, kämpften Matson, Haas, Wint und Whitfield um die übrige Placierung. Wint war jedoch auf den letzten 50 m am Ende seiner Kräfte, und auch Whitfield konnte dem Nürnberger nichts mehr entgegensetzen. Sein vierter Platz ist ein großer Erfolg.
Goldmedaille: George Rhoden (Jamaica ) 45,9 (olympischer Rekord). Silbermedaille: Herbert McKenley (Jaqjaica) 45,9. Bronzemedaille: Ollie Matson (USA ) 46,8.
4. Karl Friedrich Haas (Deutschland ) 47,0: 5. Arthur Wint (Jamaica ) 47,0; 6. Mal Whitfield (USA ) 47,1. Der alte olympische Rekord wurde
von Carr (USA — 1932) und Wint (Jamaica — 1948) mit 46,2 Sekunden gehalten.
Mit 46,4 Sekunden, der zweitbesten Zeit, die neben Rudolf Harbig (46,0) jemals ein deutscher Läufer lief, und einem zweiten Platz hinter dem Olympiasieger von 1948, Arthur Wint Jamaica (46,3) qualifizierte sich der deutsche 400-m-Meister Karl Friedrich Haas (Nürnberg ) für den Endlauf über 400 Meter. Der Krefelder Hans Geister (46,7!) wurde im zweiten Vorschlußrundenlauf um Handbreite Vierter und schied damit aus.
Helga Klein und Ulla Knab noch über 200 m
Vor sechzigtausend Zuschauern qualifizierten sich die deutsche Meisterin Helga Klein-Mann heim (24.6 Sek.) und Ulla Knab-Heidelberg (25,0) in den Vorläufen über 200 m Frauen für die Vorschlußrundenläufe. Die deutsche Doppelmeisterin Maria Sander (Dinslaken ) trat zu ihrem Vorlauf nicht an. Die Olympiasiegerin über I 100 m, Marjorie Jackson (Australien ), stellte mit einer Siegerzeit von 23,6 Sekunden den Weltrekord von Stella Walsh (USA ), der früheren Stella Walasiewicz (Polen ), ein und verbesserte den olympischen Rekord von Fanny Blankers- Koen (Holland ) um acht zehntel Sekunden.
Horace Ashenfelter gewann für die USA lm 3000-m-Hindernislauf ln der offiziellen Rekordzeit von 8:45,4 Minuten, die gleichzeitig auch neuen olympischen Rekord bedeutet. Der Sieg des Amerikaners über den sowjetischen Läufer Kasantzew ist als sensationell zu bezeichnen.
Auf der Mitte der Strecke übernahm der Ame- nikaner die Führung. Kasantzew (Rußland ) legte sich in dessen Windschatten und lief das vom Amerikaner verstärkte Tempo. Ashenfelter und Kasantzew vergrößerten allmählich ihren Abstand gegen das Feld auf 20 m. Als die Glocke die letzte Runde einläutete, setzte Kasantzew zum Angriff auf Ashenfelter an, stolperte aber schon bei der ersten Hürde hinter dem Ziel.
Silbermedaille für Hammerwerfer Storch
Welt-, Europa - und olympischer Rekord gefallen — Ungar schleudert 60,34 m
Mit großem Interesse wurde da« Hammerwerfen verfolgt. Die Ueberraschung war dabef der Ungar Josef Csermak, der mit 60,34 Meter als erster WerfeT der iWlelt über die 60-m-Grenze kam. Er verbesserte den Weltrekord seine« Landsmannes Imre Nemeth nm 46 Zentimeter. Nemeth selbst, neben Storch als großer Favorit betrachtet, mußt» «ich hinter Storch mit einem dritten Platz begnügen. Karl Storch (Fulda ) holte die silberne Medaille für Deutschland im ersten Wurf der Entscheidung mit 58,86 Metern. Der Ungar Csermak mußte «Äon mit 60,34 m einen Weltrekord auf- stellen, um den sehr regelmäßig werfenden Fuldaer auf den zweiten Platz zu verweisen. Der schwächer gewordene Olympiasieger von 1948, Nemeth (Ungarn ), erreichte mit 57,74 m nur den dritten Platz. Karl Wolf (Karlsruhe ) kam zweimal Ober 56 m. Seine größte Weite von 56,49 m brachte Ihm den sechsten Platz ein. Die ersten fünf verbesserten den olympischen Rekord des Deutschen Karl Hein aus dem Jahre 1936 mit 56,49 m, während Wolf ihn einstellte.
Goldmedaille: Josef Csermak (Ungarn ) 60,34 m (neuer Welt-, Europa - und olympischer Rekord). Silbermedaille: Karl Storch (Deutschland ) 58,86 m. Bronzemedaille: Imre Nemeth (Ungarn ) 57,74 m.
2 cm fehlten zur Bronzemedaille
Yvette Williams Olympiasiegerin lm Weltsprimg
Olympiasiegerin im Weitsprung der Frauen wurde, wie kurz berichtet, di« favorisierte Neu
seeländerin Yvette Williams, die erst am 22. Februar in Wellington (Neuseeland ) mit 6,29 m einen neuen Weltrekord aufgestellt hatte. Sie gewann mit dem neuen olympischen Rekord von 6,24 m und verbesserte damit die von der Ungarin Gyar- mati 1948 in London erzielte Weite von 5,69 m ganz beträchtlich. Auch die fünf Nächstplazierten blieben über dem alten Rekord. Pech hatte die Kasselerin Irmgard Schmelzer, der für die Bronze- medailU lediglich zwei Zentima'er fehlten. Sie wurde mit 5,90 m Vierte hinter der Engländerin Cawley mit 5,92 m.
Goldmedaille: Yvette Williams (Neuseeland ) 6,24 m: Silbermedaille: Alexandra Tschudina (UdSSR ) 6,14 mj Bronzemedaille: Shirley Cawley (England ) 5,92 m. — 4. Irmgard Schmelzer
(Deutschland ) 5,90 mj 5, Wilhelmina Lust (Holland ' 5,81 m: 6. Nina Tjurkina (UdSSR ) 5,81 m. — Die beiden anderen deutschen Teilnehpierinnen, El- Iriede von Nitzsch (5,57) und Leni Hofknecht (5,55! kamen nicht in die Entscheidung.
Goldmedaille wieder für Indien Indien
wurde wieder Goldmedaillengewinner des olympischen Hockeyturniers durch einen 6:1- (4K))-Sieg über Holland . Endstand des Hockey- Turniers:
Goldmedaille: Indien ; Silbermedaille: Holland ; Bronzemedaille: England .
Bei dem mit den Kürübungen beendeten Achtkampf der Turnerinnen gewannen die deutschen keine Medaillen. Sie gingen an die Sowjetunion und Ungarn . Die Sowjetrussinnen und die Ungarinnen repräsentierten eine Klasse für sich. Im Kürturnen waren die Ungarinnen bei der Bodenübung sogar besser nnd hielten am Barren den großartigen Leistungsstandard der geradezu phänomenal turnenden sowjetischen Turnerinnen. Der Mannschaftsstand des olympischen Achtkampfes der Turnerinnen lautet nach Abschluß der vier Pflicht- nnd Kürübungen wie folgt:
Goldmedaille: Sowjetunion 527,03 Punkte; Silbermedaille: Ungarn 520,86; Bronzemedaille Tschechoslowakei 503,32; 4. Schweden 501,38 ; 5. Deutschland 495,23: 6. Italien 494,74.
In der Einzelwertung des olympischen Achtkampfes der Turnerinnen erzielten die sowjet- russischen Vertreterinnen nach den vier Pflkht- nnd Kürübungen einen überzeugenden Erfolg. Mit Maria Gorokhovskaja und Nina Botscharowa fielen die ersten beiden Plätze an die Sowjet union . Die Ungarin Mar<£t Korondi konnte sich erst als Dritte plazieren.
Goldmedaille: Marie Gorokhovskaja (UdSSR ) 76,78 Punkte: Silbermedaille: Nina Botcharowa
(UdSSR ) 75,94; Bronzemedaille: Margit Korondi (Ungarn ) 75,82..
Deutsches Frauenturnen reformbedürftig
Die Leistungen der acht deutschen Turnerinnen im olympischen Achtkampf kamen nicht an den Standard anderer Länder heran. Wenn es zu keinen Spitzenplatz in der Nationenwertung reichte, so ist das zuerst auf die unterschiedliche Art des Frauenturnens in Deutschland und im Ausland zurückzuführen. Das Frauenturnen an den in Helsinki geforderten Geräten ist in Deutschland noch nicht alt. Erst kurz vor dem Bekanntwerden der Pflichtübungen gingen die Deutschen mit Energie ans Werk, um die sehr schwierigen Geräte kennen zu lernen.
„Ende gut — alles gut* konnten die Verantwortlichen der deutschen Frauentumriege sagen, als beim Abschluß der Wettkämpfe die deutsche Mannschaft nach ihrer Seilgymnastik mit einem Beifallssturm der 2000 Zuschauer überschüttet wurde. Während die meisten Mannschaften Ball, Keule oder Reifen bei den gymnastischen Vorführungen bevorzugten, wählten die Deutschen als einzige Nation das Seil. Die Übung war gymnastisch gut aufgebaut und enthielt am Schluß mit ihrem Doppelgreifen auch die verlangte Schwierigkeit.
Dennoch passierte er auf der Gegengeraden den Amerikaner. Das Stadion kochte, als der sowjetische Läufer das letzte Hindernis, den Wassergraben, anlief. Hier, 150 m vor dem Ziel, strauchelte der ermüdete Kasantzew erneut, nnd Ashenfelters Spurt konnte von ihm nicht mehr abgewehrt werden. Hesselmann behauptete mit letzter Energie noch den sechsten Platz, während Gude mit 9:01,4 Min. Achter wurde.
Goldmedaille: Horace Ashenfelter (USA ) 8:45,4 Minuten; Silbermedaille; Wladimir Kasantzew (Sowjetunion ! 8:51,6; Bronzemedaille: John Dls- ley (England ) 8:51,8.
4. Olavi Rinteenpaeae (Finnland ) 8:55,2: 5.
Curt Soederberg (Schweden ) 8:55,6; 6. Günther .Hesselmann (Deutschland ) 8:55,8.
Kampf um die Krone der Leichtathletik Im Zehnkampf führen zwei Amerikaner Vor 10 000 Zuschauern begannen am Freitagvormittag die Zehnkämpfer mit dem ersten Wettbewerb, den 100 m. Der schnellste Läufer unter 27 Teilnehmern war der Amerikaner M. Milton Campbell, der die Strecke in der beachtlichen Zeit von 10,7 Sekunden bewältigte, dicht gefolgt vom Olympiasieger 1948 und Wleltrekordinhaber Bob Mathias (USA ) mit 10,9 Sekunden. Von den deut schen Teilnehmern konnte sich Sepp Hipp (Balin gen ) mit mehreren anderen Vertretern in der Zeit von 11,4 Sek. auf den fünften Rang placieren. Friedl Schirmer (Deutschland ) placierte sich nicht in der Spitzengruppe.
Das Weitspringen, als 2. Wettbewerb, gewann der Franzose Heinrich mit 7,10 m vor den Sowjit- russen Kuznetsow und Volkow mit je 7,09, Sim- mons (USA ) und Iriarte (Venezuela ) mit je 7,06 m und Bob Mathias mit 6,98 m.
Nach der dritten Disziplin, dem Kugelstoßen, übernahm der Weltrekordhalter Bob’ Mathias (USA ), vor seinem Landsmann Campbell mit 139 Punkten Vorsprung die Führung. Der deutsche Diskusmeister, Sepp Hipp (Balingen ), wurde im Ku-, gelstoßen mit 13,26 m Dritter nnd lag somit an sechster Stelle.
Stand nach drei Uebungen: 1. Mathias 2639 Punkte; 2. Campbell 2500 Punkte; 3. Simmons 2229 Punkte; 4. Wolkow (UdSSR ) 2220 Punkte: 5. Heinrich 2211 Punkte; 6. Hipp 2204 Punkte.
Sieger des modernen Fünfkampfes (Geländeritt, Fechten, Schießen, Schwimmen, Geländelauf) wurde ein Schwede. Goldmedaille: Lars Hall (Schweden ) 32 Punkte; Silbermedaille: Gabor Benedek (Un garn ) 39 Punkte; Bronzemedaille: Istvan Szondi (Ungarn ) 41 Punkte. Mannschaftswertung: Goldmedaille: Ungarn 166 Punkte: Silbermedaille: Schweden 182 Punkte; Bronzemedaille: Finnland 213 Punkte.
Deutsche Freistil-Ringer ohne Medaille
Erwartungsgemäß schossen bei der Verteilung der Medaillen für das Freistilringen die Türken, Sowjetrussen, Schweden , Japaner und Perser den Vogel ab. Je zwei Goldmedaillen gewannen die Sowjetunion , die Türkei und Schwe den . Japan und die USA stellten die restlichen zwei Olympiasieger.
Die deutschen Ringer, die nur geringe Freistilkenntnisse besitzen, haben sich verhältnismäßig gut gehalten. Ihr Vordringen in die letzten Runden bedeutet, daß sie auch ohne die völlige Beherrschung der Spezialgriffe des Freistils besser sind, als man erwartet hatte. Es behaupteten sich am längsten noch Heinrich Weber mit einem 5. Platz im Fliegengewicht, Heinrich Net tesheim mit einem 6. Platz im Leichtgewicht und Gustav Godce mit einem 4. Platz
Deutscher Hockeysieg über Oesterreich
In der Hockey-Trostrunde des olyirfpischen Turniers besiegte die deutsche Mannschaft die österreichische Auswahl mit 2:1 (2:1).