Donnerstag, 31. Juli 1952
SODKURIEB
K
Nr. 120 / Seite 6
25 Jahre Mufthoereln Ällmantieöorf
Jubiläumsfeier am kommenden Woebenende
Als sich im Jahre 1922 in Egg eine Hand- • voll musikliebender Männer mit ihren Instrumenten zusammensetzte, um zu musizieren, ahnte damals niemand, daß eigentlich zu jener Zeit bereits die Geburtsstunde des Musikvereins Allmannsdorf gekommen war; Die sieben Aufrechten, — es waren J. Merk sen., K. Merk, J. Merk jr.,
H. Hotz, L. Hotz, S. Meßmer und Fr. Bru- ner — hielten wie Pech und Schwefel zusammen und musizierten bei den verschiedensten Veranstaltungen in Allmannsdorf und Egg . Im Jahre 1925 war es dann so weit, daß man zur offiziellen Gründung des Musikvereins Allmannsdorf schreiten konnte.. Fr. Maier wurde sein
I. Vorsitzender. Die Kapelle zählte schon 10 Musiker und an Gönnern fehlte es nicht. K. Tscheulin wurde zu jener Zeit mit der Leitung der Blaskapelle betraut; zwei Jahre später löste ihn Fr. Ehinger ab. Dann übernahm für fast 20 Jahre Karl Stump die musikalische Leitung. Während dieser Zeit festigte sich die Kapelle zahlenmäßig wie spieltechnisch. 1950 mußte K. Stump aus Gesundheitsgründen den Taktstock zur Seite legen. In Max Leypoldt fand man einen würdigen Nachfolger.
Natürlich ging auch der vergangene Weltkrieg am Musikverein Allmannsdorf nicht vorüber, ohne Opfer zu fordern. Gleich nach Kriegsbeginn war infolge der zahlreichen Einberufungen an ein Weiterbestehen der Kapelle nicht mehr zu denken. Sechs aktive Mitglieder kehrten bei Kriegsende nicht mehr zu ihren Vereinskameraden zurück. Erst 1948 konnte nach diesem schmerzlichen Verlust der Verein Wiedererstehen.
Jetzt, zu seinem 25jährigen Jubiläum, kann der Musikverein Allmannsdorf seinen Gästen aus nah und fern eine gutbesetzte Blaskapelle in schmucker Uniform vorstellen. Den edlen musikalischen Wettstreit mit den Gastvereinen aus dem Bo- denseegebiet und der nahen Schweiz braucht man ebenfalls nicht zu scheuen. Wer jedoch glaubt, während der Festtage in Allmannsdorf hochgezüchtete musikalische Leckerbissen von Künstlern serviert zu bekommen, der wird enttäuscht sein. Männer, die tagsüber oft in schwerster Ar
beit stehen, werden dafür aber frohe Volksmusik durch das große Festzelt erklingen lassen. Gerade die Volksmusik ist es, die in ihrer einfachen und schlichten Sprache die Menschen wieder einander näherbringt und verloren gegangene Bande der Freundschaft, und sei es über die Ländergrenzen hinweg, neu erstehen läßt. Dies ist vor allem der Zweck der Jubiläums
feier des Musikvereins Allmannsdorf, wie 1. Vorstand Josef Kopp in seinen Geleitworten zur Festschrift im Namen seiner Vereinsmitglieder es wünscht. Kann ein Volksfest ein schöneres Ziel erstreben?
Wenn darum Allmannsdorf am kommenden Wochenende den 25. Geburtstag „seines“ Musikvereins festlich begeht, dann wird die ganze Stadt Konstanz — Oberbürgermeister Franz Knapp ist Schirmherr des Festes — diese Freude gern miterleben
und teilen wollen!
p-e.
Ortshranhenhaffen unö ßetriebehranheohaffen
Ein Thema der gestrigen Betriebsräte-Vollkonferenz in Radolfzell
ra. Im Scheffelhof in Radolfzell fand gestern die Betriebstäte-Vollkonferenz des Deutschen Gewerkschafts-Bundes für die Kreise Konstanz , Stockaeh und Ueberlin- lingen statt. Mit 300 Teilnehmern darf der Besuch als außerordentlich gut bezeichnet werden. Kreisausschuß-Vorsitzender Hen- seler, Konstanz eröffnete die Tagung. Beigeordneter Troll entbot den Willkomm der Stadt Radolfzell , während Arbeitsminister Hohlwegler seine Grüße schriftlich übermittelt hatte. Das Referat des Vormittags hielt Verwaltungsdirektor Riegger, Kon stanz zum Thema: „Was müssen die Betriebsräte von der Sozialversicherung wissen?“.
Zunächst gab der Redner einen geschichtlichen Ueberblick über die Entwicklung der Sozialversicherung und ging dann insbesondere auf jene Punkte ein, die in der augenblicklichen Situation am stärksten interessieren. Mitgliedschaft in der Ortskrankenkasse, versicherungspflichtige Beschäftigung, freiwillige Weiterversicherung— das war sinngemäß der Gedankengang. Vor allem stellte Riegger die verbreitete Ansicht richtig, daß der gesamte Betrag an Sozialversicherungs - Beiträgen den Kassen zufließt, während in Wirklichkeit nur drei Zehntel hierfür verwendet werden und der größere Teil auf die Konten Rentenanstalten und Arbeitslosenversicherung kommt. Auch die Angaben über die gesetzlichen Leistungen und die Mehrleistung der Krankenkassen fanden starkes Interesse der Zuhörer. Es sei eindeutig, daß der soziale Charakter der jüngsten Ge
setzgebung noch nicht allgemein zufriedenstelle.
Ein sehr lebhafter Diskussionspunkt wurde angeschnitten, als Direktor Riegger das Verhältnis der Ortskrankenkasse zu den Betriebskrankenkassen berührte. Die Gründung der letzteren hätte durchaus eine Schwächung der Ortskrankenkassen zur Folge. Diese Gründung würde nicht einer allgemeinen Notwendigkeit entspringen. Das Wohl der Aermsten müsse Mittelpunkt aller Bestrebungen sein. Jede Schwächung der Ortskrankenkasse sei ein Verlust für die breiten Schichten der arbeitenden und minderbemittelten Bevölkerung und müsse deshalb bedauert werden. Betriebskrankenkassen bezeichnete der Redner als ein „Rechenexempel der Unternehmer“, während die Ortskrankenkasse nicht die Kasse der Verwaltung, sondern der Versicherten selbst sei. In der Diskussion, in die neben anderen Rednern auch Bundestagsabgeordneter Schüttler, Singen, eingriff, kam es naturgemäß über diesen Punkt zu lebhaften Kontroversen. — Ueber den weiteren Verlauf der Konferenz, die gestern nachmittag fortgesetzt wurde, berichten wir noch.
Lohn und Leistung
In der Mitgliederversammlung der IG. Metall , die am Freitag, den 1. August, abends in der Gebhardshalle stattfindet, hält das Hauptvorstandsmitglied dieser Gewerkschaft und Sachbearbeiter für Fragen der Arbeitsbewertung, Hagner-Frank- furt, ein Referat über sein Arbeitsgebiet.
Lokale Sport Umschau
Leichter Radballsieg des Velo-Club Konstanz
Am vergangenen Sonntag fand die 2. Aus- scheidungsrunde zu den badischen Radball-Meisterschaften statt. Hierbei zeigte sich der Velo- Club Konstanz mit seinen Mannschaften Kaiser— Dannedcer und Haug—Knittel allen Gegnern klar überlegen und siegte in allen Spielen mit zweistelligen Resultaten. Den 3. Platz belegte Wehr, das Rheinfelden und Lahr II auf die letzten Plätze verweisen konnte. Bei der Jugend gab es durchweg spannende Spiele, die bei gleichwertigen Leistungen eine Punktgleichheit aller Mannschaften brachte. In den Entscheidungsspielen kam Offenburg vor dem VCK und öflingen auf den 1. Platz. Die drei besten A- und die zwei besten Jugend-Mannschaften starten nun am 10. August in Konstanz mit den Siegern der 1. Ausscheidung und den 'nordbadischen Vertretern um die badische Meisterschaft.
Die Ergebnisse: Jugend: Offenburg — öflingen 2:4 und 3:2, Offenburg — Konstanz 5:3 und 4:2, Konstanz — öflingen 7:3 und 5:1. — Klasse A: Konstanz I — Konstanz II 13:3, Konstanz I gegen Wehr I 15:2, Konstanz 1 — Rheinfelden 15:1, Konstanz I — Lahr II 17:1, Konstanz II gegen Rheinfelden 11:2, Konstanz II — Wehr. 10:1, Konstanz II — Lahr II 18:1, Wehr — Rheinfelden I 6:3, Wehr — Lahr II 6:4, Rheinfelden gegen Lahr II 5:4.
Tisch-Tennis-Bezirksklasse Hegau-Bodensee
In Radolfzell trafen sich die Vertreter des Bezirks Hegau-Bodensee, aller Tisch-Tennis treibenden Vereine. Von 11 Vereinen waren 9 Vertreter anwesend. In 3 Stunden konnte das ganze Pro
gramm abgewickelt werden. Bei der Neuwahl wurde der alte Bez.-Fachwart einstimmig wiedergewählt, wie auch als Stellvertreter A. Jehle, Grün-Weiß Konstanz einstimmig gewählt wurde. Die Voraussicht''che Besetzung der Spielgruppen für das Jahre 1952/1953 wurde wie folgt vorgenommen:
Spielgruppe Singen: Hilzingen 1. Mannschaft: Eigeltingen 1. Mannschaft: Aach 1. Mannschaft; Stetten a. k. M. 1. Mannschaft; Meß- kirch 1. Mannschaft; Stodcach 2. Mannschaft.
Spielgruppe Konstanz : Singen 2. Mannschaft; Grün-Weiß Konstanz 2. Mannschaft; Grün-Weiß Konstanz 3. Mannschaft; VfL. Kon stanz 2. Mannschaft; Radolfzell 2. Mannschaft; Wollmatingdh 1. Mannschaft; Wollmatingen 2. Mannschaft. ,
Damenklasse : Grün-Weiß Konstanz; VfL. Konstanz ; Blau-Gelb Singen; Wollmatingen ; Stockaeh.
Diese 3 Gruppen spielen im Rahmen der Bezirksklasse. Die Vereine VfL Konstanz, Grün- Weiß Konstanz, Radolfzell , Singen und Stodcach 1. Manschaften spielen im Rahmen der Landesliga Gruppe Ost mit den Vereinen Villingen und Blumberg zusammen. Die Bezirksmeisterschaften für das Spieljahr 1952/1953 wurden von der Tisch- Tenn is-Abteilung des FC 03 Radolfzell übernommen. Voraussichtlicher Austragungszeitpunkt ist der 12. Oktober.
Die Freiburger Tennis-Stadtmannschaft (Potaß, Gratwohl, Petersen) trug in Titisee einen Städtekampf gegen Luxemburg aus und gewann mit 4:1 Punkten überraschend hoch.
Sonatenabenö
mit Reine Gianoll und Janine Andrade
Der Sonatenabend heute ©onnerstag im Festsaal des Insel-Hotels steht ganz im Zeichen zweier sympathischer junger französischer Künstlerinnen, der Geigerin Janine Andrade und der Pianistin Reine Gianoli . Letztere wurde schon anläßlich der letztjährigen Musiktage in Konstanz begeistert gefeiert, als sie als Solistin in einem Symphoniekonzert des Städt. Orchesters mitwirkte. Reine Gianoli, Schülerin u. a. von Alfred Cortot und Edwin Fischer , gehört in die erste Reihe der französischen Klaviervirtuosen. Sie wirkte in London , Wien , Basel, Straßburg und anderen Musikstädten Europas mit größtem Erfolg bei Tonkünstlerfesten mit, spielte unter Weingartner und war eine Zeitlang Partnerin des großen Cellisten Pablo Casals .
Janine Andrade steht hinter Reine Gianoli nicht zurück. Die Geigerin gilt als die eben
bürtige Nachfolgerin der tödlich verunglückten Ginette Neveau, deren grandiose Interpretationskunst höchsten Erwartungen entsprach. Auf dem Programm des Abends stehen Sonaten für Violine und Klavier von Beethoven , Claude Debussy und Johannes Brahms ferner eine englische Suite für Klavier des großen Bach und eine Sonate von Jean Francaix .
Die neuen Filme
Im Roxy läuft ab Freitag der Farbfilm „Glücklich und verliebt“. — Das Gloria zeigt den amerikanischen Film „David und Bath- seba“ mit Gregory Peck und Susan Hayward in den Hauptrollen. — Im Capitol läuft der Farbfilm „Die Piratenkönigin“. — In der Scala ist Spencer Tracy zu sehen und zu hören in dem Lustspiel „Ein Geschenk des Himmels“. — Sondervorstellungen: Capitol „Die Todesranch“ — Gloria: „Die roten Schuhe “ — Roxy „Die Menschenfalle" (Samstag), „Der Schimmelreiter“ (Sonntag).
TODESANZEIGE
Nach Gottes heiligem Willen verschied nach schwerem Leiden am 29. Juli 1952 in Oberstdorf -Dietersberg unsere lb. Schwester, Schwägerin und Tante, Fräulein
Frieda Vögele
Hauptlehrerin LE. kurz vor ihrem 75. Geburtstag.
Auf Wunsch der Verstorbenen findet die Beerdigung in Oberstdorf/Allgäu am 1. August, 9 Uhr statt.
Reichenau , Engen , Oberstdorf/Allgäu -Dletersberg, Oberndorf / Neckar, den 30. Juli 1952
Die trauernden Hinterbliebenen Karl Vögele, Hauptlehrer i. R., und Frau Alfred Vögele, Hauptlehrer i. R., und Frau Dr. Heinrich Münzel, Chemiker i. R., und Frau Maria geb. Vögele
Ferdinand Feederle, Stud.-Rat, und Familie
t
Durch tragischen Unglücksfall wurde uns unser Sonnenschein und Schwesterlein
Maria
im Alter von 10 Monaten entrissen.
Insel Reichenau , 28. Juli 1952 Mittelzell
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