ÜDKURIER.
UNABHÄNGIGE HEIMATZEITUNG FÜR OBERBADEN UND DAS BODENSEEGEBIET
Erscheint Dienstag, Mittwoch, Donnerstag. Samstag. Tel.: 924, 925, 1130, 1510. 1511 Fernschreiber: 073239. Verlag und Redaktion Konstanz . Marktstätte 4
8. JAHRGANG
DIENSTAG 30. SEPTEMBER 1952
NUMMER 154
Bezugspreis monatlich durch Träger 2.50 Mark zu* zOgl. 30 Pfg. Trägerlohn, durch die Post 2.70 Mark, zuzllgl. 36 Pfg. Postzustellgebühr. Einzelpreis 20 Pfg.
Visumpflicht abschaffen!
ZÜRICH . Die Zürcher Zeitung „Die Tat“ setzt sich sehr energisch für die Abschaffung der Visumpflicht gegenüber West deutschland ein. Für Italien , Österreich und den meisten europäischen Staaten sei diese ärgerliche Formalität längst beseitigt. Bei dem riesenhaft angeschwollenen Reiseverkehr sei eine sorgfältige Sichtung der Gesuche nicht mehr möglich und das ganze sei „zur ausgesprochenen Schikane“ geworden. Die Regierung in Bonn habe auf 1. September wieder die volle Souveränität auf dem Gebiete des Auslandsreiseverkehrs erhalten. Ein wesentlicher Punkt für die Weiterführung der Visumspflicht sei damit endgültig dahingefallen.
Stromaustausch England -Frankreich
PARIS . Zwischen Großbritannien und Frankreich ist, wie am Montag in Paris bekannt wird, ein. Abkommen über den Austausch elektrischer Energie abgeschlossen worden. Frankreich wird in der Nacht Strom liefern, der tagsüber von den briti schen Werken wieder zurückerstattet wird. Die technischen Anlagen, vor allem das Unterseekabel, für eine Leistung von 1,3 Millionen Kilowatt, sollen in einem Jahr betriebsfertig sein.
Schlesier in Baden-Württemberg
STUTTGART . (Fr.-Eigenbericht.) Die Landesgruppen Württemberg-Baden , Würt- temberg-Hohenzollem und Südbaden der Landsmannschaft Schlesien haben sich auf einer Delegierten-Tagung in Stuttgart zu einer Gesamt-Landesgruppe für das neue Bundesland Baden-Württemberg mit dem Sitz in Stuttgart zusammengeschlossen.Zum Vorsitzenden der neuen Gesamt-Landes- gruppe wurde Journalist Heinz Rudolf Fritsche-Sigmaringen , gewählt. In einer Entschließung stellten die Delegierten fest, daß Schlesien nach wie vor deutsches Staatsgebiet ist, „da weder beim Abkommen von Potsdam noch bei dem von Jalta oder Warschau eine freie gesamtdeutsche Regierung mitwirkt oder diese Verträge gebilligt hat. Die Bundesregierung wurde gebeten, die Landsmannschaft Schlesien künftig bei allen gesamtdeutschen und die deutschen Ostgebiete betreffenden Beratungen hinzuzuziehen.
Die „Wies'n" ist gerettet
MÜNCHEN . „Für uns ist die Wies’n gerettet“, erklärte Stadtrat Erhärt, Referent der Stadt München für das Oktoberfest. In den ersten Tagen der vergangenen Woche habe das Wetter den Besuch beeinträchtigt, die letzte Hälfte und besonders das Wochenende seien ein großer Erfolg geworden. Allein am Sonntag besuchten rund 700 000 Vergnügungslustige aus allen Teilen der Bundesrepublik und des benachbarten Auslandes die „Wies'n“. Rund 50 000 Autos, darunter 5000 Autobusse, parkten „rund ums Vergnügen“. Den Gesamtbierverbrauch schätzt die Festleitung auf über eine Million Liter seit Eröffnung des Oktoberfestes.
Modespionin in Paris verhaftet
PARIS . In Paris wurde eine «jährige Frau verhaftet, die mit zwei Koffern voller Kleidermuster großer Modehäuser wie Faht und Dier von der Polizei aufgegriffen worden war. Man wirft ihr vor, Modellkleider photographiert und danach Schnittmuster für den Verkauf ins Ausland hergestellt zu haben. Die französische Nationalversammlung hat im März ein Gesetz verabschiedet, nach dem die unbefugte Nachahmung von Modeschöpfungen mit Gefängnis oder Geldbußen bestraft werden kann.
Washington zieht Europa -Bilanz
Konferenz der USA -Botsdiafter in London — Verhältnis zu Moskau nach wie vor unbefriedigend
LONDON (t-Eigenbericht). In London ist die viertägige Europa -Konferenz der ame rikanischen Staatssekretäre und Botschafter zu Ende gegangen. Sie ist von überragender Bedeutung für die zukünftige Politik der Vereinigten Staaten . An der Konferenz in der amerikanischen Botschaft nahmen die Staatssekretäre Bruce und Perkins vom Staatsdepartement und die amerikanischen Botschafter in Bonn , Paris , Rom , Moskau und London teü. Aufgabe der Konferenz war es, eine zusammenfassende Übersicht über die Lage in Europa und in Rußland zu gewinnen. Ihre Ergebnisse werden nach den Präsidentenwahlen Anfang November dem neuen amerikani schen Präsidenten und seinen außenpolitischen Mitarbeitern als Grundlage für künftige Entscheidungen dienen.
Besondere Beachtung wurde der Entwicklung der atlantischen Verteidigung geschenkt. Allen amerikanischen Quellen zufolge wurde die Rolle Westdeutschlands als besonders wichtig beurteilt. Das Bild
der gegenwärtigen sowjetischen Politik, das Botschafter George Kennan entwarf, war nicht erfreulich. Schon gleich nach seiner Ankunft sprach er von der eisigen Stimmung und der starren Isolierung, denen amerikanische Diplomaten in Moskau ausgesetzt sind. Dafür wurde er auch bereits von der „Prawda“ gerügt, die in den Äußerungen des Botschafters einen Verstoß gegen die Etikette sehen möchte. Nach allem, was man, Kennans Bericht entnehmen konnte, ist das Verhältnis zwischen Mos kau und Washington gespannt und es ist bezeichnend, daß selbst ein Mann von so untadeliger Gesinnung und Objektivität wie Kennan von nichts anderem zu berichten weiß als von Wintenskälte.
Aber auch zwischen London und Wa shington sind ernste Meinungsverschiedenheiten wegen des Pazifikpaktes entstanden, der zwischen Amerika , Austra lien und Neuseeland geschlossen wurde. England kennt ihn nur vom Hörensagen. Eine energische Forderung Churchills,
Außenpolitischer Kurs der SPD festgelegt
Ansklang des Parteitages — Ollenhauer auch Geschäftsführer der Bundestagsfraktion
DORTMUND. (W.-Eigenbericht.) Der sozialdemokratische Parteitag hat am Wochenende erwartungsgemäß Erich Ollen hauer zum ersten und den bisherigen Geschäftsführer der Bundestagsfraktion Wil helm Mellies , zum zweiten Parteivorsitzen den gewählt. Ollenhauer erhielt 357 von 363 gültigen Stimmen. In der Zusammensetzung des übrigen Parteivorstandes trat keine wesentliche Aenderung ein. Wiedergewählt wurden unter anderem auch der Landesvorsitzende von Baden-Württem berg , Erwin Schöttle , und Professor Carlo Schmid .
Einstimmig beschloß der Parteitag das Aktionsprogramm, an dessen endgültiger Fassung von einem Redaktionsausschuß bis zur letzten Stunde gearbeitet worden war. Gegenüber dem Entwurf wurden zum Teil beträchtliche Aenderungen vorgenommen. Sie betreffen namentlich die Außenpolitik sowie die Wirtschafts- und Sozialpolitik. Unverändert blieben der Grundsatz, daß die Wiedervereinigung Deutsch lands oberstes Ziel sei, sowie die Ablehnung der außenpolitischen Verträge und die Ankündigung, daß eine sozialdemokratische Regierung eine „radikale Revision“ dieser Verträge anstreben werde.
Die Formulierungen sind aber in diesen Punkten weicher und geschmeidiger geworden. So ist zum Beispiel weggefallen, daß der Schuman-Plan „die deutsche Kohlen- und Stahlproduktion den Entscheidungen einer hohen Behörde ausgeliefert habe“. Während es im Entwurf hieß, die Bundesregierung habe durch ihr Vertragswerk das Saargebiet preisgegeben, steht in der Endfassung nur noch, sie habe „das Saargebiet in Gefahr gebracht“. Vor allem aber sind einige bedeutsame Sätze ins Programm eingefügt worden: „die SPD strebt ein System kollektiver Sicherheit an, an dem Deutschland gleichberechtigt und ohne Gefährdung seiner Wiedervereinigung beteüigt ist. Eine sozialdemokratische Bundesregierung wird jede Initiative zu internationalen Verbindungen ergreifen und unterstützen, mit denen die wirtschaftliche Zusammenarbeit der Nationen auf der Grundlage der Gleichberechtigung gefördert und intensiviert werden kann. Das vorläufige Ziel ist hierbei der
Abbau von Zöllen und wirtschaftlichen Handelsschranken und der Wiederaufbau eines internationalen Währungssystems“.
Allgemein wird die Aufnahme dieser Formulierungen in das Aktionsprogramm als erstes Anzeichen dafür angesehen, daß die SPD sich darauf einrichtet, nach einem etwaigen Sieg bei den nächstjährigen Bundestagswahlen wohl oder übel die außenpolitischen Verträge der Bundesregierung erfüllen zu müssen, bis eine Revision zu erreichen sei.
Die Gesamteinnahmen der Partei Im Jahre 1951 wurden mit 7,5 Mülionen DM angegeben, die Mitgliederzahl mit 650 000. In seinem Schlußwort kam Ollenhauer mit sichtlicher Genugtuung darauf zu sprechen, daß der Ablauf dfes Parteitages aüe Spekulationen widerlegt habe, < nach Schumachers Tod werde eine Parteikrise entstehen. Unter stärkstem Beifall sprach Ollenhauer noch einmal die den Hintergrund des Parteitages beherrschende Zu-
Kurz notiert
Der Deutsche Mieterbund macht darauf aufmerksam, daß die Altmieten frühestens vom 1. November an erhöht werden können, da der Mietvertrag frühestens zu diesem Zeitpunkt kündbar sei.
Für die Wiederherstellung jüdischer Friedhöfe sollen im ianfenden Rechnungsjahr ans Bandesmitteln 106 690 DM bereitgestellt werden.
Der ehemalige Reichsbankpräsident Dr. Hjalmar Schacht ist von seiner Reise nach Kairo wieder in Frankfurt eingetroffen. Schacht hatte Besprechungen mit General Nagib über ägyptische Wirtschaftsfragen.
Die beiden seit über fünf Wochen vermißten Hamburger Jungen, Ludwig Schaufler und Reinhold Weimann, sind von tschechoslowaki schen Grenzpolizisten der deutschen Polizei übergeben worden. Sie waren am 9. August ans Versehen auf tschechisches Gebiet geraten.
Die sechsmonatigen Untersuchungen des Attentatsversuchs, der im März gegen Bundeskanzler Dr. Adenauer unternommen wurde, »ollen darauf hindeuten, daß dieser Anschlag auf illegale jüdische Terrororganisationen zu- rücfczuführen sei.
Bei Stavenhagen in Mecklenburg (Sowjetzone) fuhr ein vollbesetzter Postomnibus bei hoher Geschwindigkeit gegen eine Mauer. Neun Insassen fanden den Tod, nenn weitere Personen wurden schwer verletzt.
Der Chef des Generalstabs des französi schen Heeres, General Blanc, reist Anfang Oktober nach Jugoslawien , um an dortigen Manövern teilzunehmen.
Bei dem orkanartigen Sturm am Samstag stürzte in München die Wand eines Neubaues ein und erschlug zwei Arbeiter.
Drei bulgarische Spione wurden von einem jugoslawischen Gericht zum Tode verurteilt. Sie gaben zu, vom bulgarischen Staatssicherheitsdienst nach Jugoslawien geschickt worden zu sein.
In den vier Monaten des Widerstandsfeldzuges gegen die Rassentrennnngsgesetze der Regierung Malan sind in Südafrika bisher 4469 Farbige and Angehörige der indischen Minderheit verhaftet worden.
In den italienischen Provinzen Grosseto nnd Catanzaro wurden über 8009 Hektar enteig- neten Großgrundbesitzes an fast 1709 Landarbeiter verteilt.
Die dänische Bevölkerung wartet mit großer Spannung auf ein Schiff, das mit 40 OSO Sack Kaffee von Brasilien nach Kopenhagen unterwegs ist. Mit dieser Sendung soll die Kaffee-Rationierung in Dänemark aufhören.
Im Kanton Waadt (Schweiz ) sind weitere Versuchsbohrungen nach Erdöl aufgenommen worden. Auch im Kanton Luzern sind Bohrungen im Gange.
Als General Eisenhower in Richmond (USA ) vor 25 000 Menschen eine Wahlrede hielt, stürzte die hölzerne Rednertribüne zusammen. Eisenhower fiel in Boden, wurde aber nicht verletzt.
Bei einer Explosion in einer Pulverfabrik in der südkoreanischen Hauptstadt Pusan kamen sieben Arbeiterinnen ums Leben.
12 Personen wurden in Santiago in Chile getötet, als von einem Neubau, der noch nicht fertig war, rin Gerüst vom neunten Stockwerk auf die Straße herunterstürzte.
Erleb Ollenhauer und Wilhelm Mellies
versieht aus, daß die SPD nach den nächsten Bundestagswahlen die Regierung übernehmen könne.
Die Eindrücke, die die anwesenden Vertreter der alliierten Hohen Kommission von diesem Parteitag davongetragen haben, sind außenpolitisch höchst aufschlußreich. Nach ihrer übereinstimmenden Meinung hat die SPD in Dortmund „die Tür ein wenig weiter geöffnet“. Die Befürchtung der Besatzungsmächte, eine sozialdemokratisch beeinflußte künftige Bundesregierung werde ein schwieriger, wenn überhaupt ein umgänglicher Partner sein, werden offensichtlich nicht mehr aufrechterhalten.
England müsse als Mutterland des Com monwealth zur ersten Tagung der Pazi- fikpakt-Länder kl Pearl Harbour einge- laden werden« wurde von den USA zunächst zurückgewiesen.
Nun beabsichtigen Churchill und Eden, einen neuen Vorstoß zu unternehmen, um Amerika vor den Folgen einer Schwächung dies Commonwealth zu warnen. Aber auch Australien und Neuseeland dürften ihre Stimme erheben, um eine Beteiligung Englands mindestens als Beobachter beim Pazifikpakt zu befürworten. Dies um so mehr, als gerade jetzt die ersten Atombombenversuche der Engländer in der australischen Wüste bevorstehen, so daß Australien Wert auf die Belieferung mit britischen Atombomben legt
Außenminister Eden, der am Sonntag von seiner Reise nach Straßburg , Belgrad und Wien zurückgekehrt ist, wird also genug zu tun haben, um diese Fragen im Sinne der englischen Politik zu regeln. Aber es läuft manches anders, als er es sich vargestellt hatte.
Politischer Zwang gegen Kinder
BERLIN . (G.-Eigenbericht.) Das sowjetzonale Ministerium für Volksbildung hat eine neue schwerwiegende Anordnung erlassen. Danach können alle Schüler, die von ihren Eltern „reaktionär“ erzogen werden, zwangsweise in „fortschrittliche Internate“ eingewiesen werden. Das soll vor allen Dingen bei Kindern geschehen, die trotz der Beeinflussung durch die kom munistischen Organisationen der jungen Pioniere und der FdJ „nicht fortschrittlich genug denken.“ Diese neue Anordnung wurde auf einer Rektoren-Konferenz in Ostberlin bekanntgegeben.
BERLIN . (G.-Eigenbericht.) An der Elbe finden gegenwärtig Manöver sowjetischer Spezialtruppen statt. Verschiedene Gebiete im Wester^ dor sowjetischen Zone sind aus diesem Grunde zu Sperrgebieten erklärt worden. Im Mittelpunkt der sowjetischen Manöverübungen, denen weitere große Manöver vor allem in Meck lenburg folgen werden, steht „der Ueber- gang der Elbe“. Rund 3000 Soldaten und Offiziere und 500 Spezial-Motorboote nehmen an dm Uebungen teil Die Boote sind mit leichten und schweren Maschinengewehren bestückt. Angehörige der westlichen Militärmissionen in Potsdam , die früher häufig als Beobachter an den So- wjetmanövem teilnehmen konnten, dürfen sich im Manövergelände an der Elbe nicht blicken lassen.
Prozesse um Heroldsbach
HEROLDSBACH. Der Streit um die Wallfahrten, zum Heroldsbacher „Erscheinungshügel“, auf dem Kinder vor drei Jahren die Muttergottes gesehen haben wollen, hat einige Zivilklagen auagelöet, die in Kürze vor Gerichten verhandelt werden sollen. Der Leiter des „Erschei- nungsbüros“ in Heroldsbach , Norbert Langhojer, hat die Gemeinde Heroldsbachs verklagt, weil sie eine elektrische Lichtleitung zum Erscheinungshüged entfernen ließ. Die Gemeinde hatte als Grund für den Abbau der Lichtleitung angegeben, daß sie eine unsachgemäß angebrachte und nicht genehmigte Freileitung gewesen sei. Mit der Klage wird sich am 8. Oktober das Amtsgericht Farchheim beschäftigen.
Der Bürgermeister von Heroldsbach , Andreas Roesch und Schulleiter Franz Baier haben gegen den „Boten von Heroldsbach“, die Zeitschrift des „Enschei- nungsbüros“, Strafantrag wegen übler Nachrede gestellt. In der Zeitschrift war behauptet worden der Bürgermeister sei kirchenfeindlich und dm Schulleiter kenne das 8. Gebot nicht. Auch ein Strafantrag der Kirchenbehörden wegen übler Nachrede wird erwartet, da der Pfarrer von Heroldsbach in der Zeitschrift ebenfalls scharf angegriffen wurde.
Kommunistische Angriffe in Korea verstärkt
Angriffe in 16 KilometerBreite — Versehentlich Bomben auf eigene Trappen TOKIO . Mit Artillerie und Panzerunter- I sischer Einheiten verteidigten. Die Höhe,
Stützung griffen die Kommunisten am Montagmorgen in einer Breite von 16 km die UN -Stellungen an der Mittelfront in Korea an. Etwa 2000 Mann chinesischer Truppen berannten die Höhenstellungen im Gebiet des „Kapitolhügels“ und eroberten eine BergsteLLung. Damit haben die Kommunisten ihre Angriffe schlagartig vom Westabschnitt zur Mittelfront verlegt
Der britische Flugzeugträger „Ocean“ hat nach Mitteilung des UN -Flottenkom- mandos in den letzten neun Tagen vor der koreanischen Westküste zahlreiche Erdziele mit Trägerflugzeugen angegriffen.
UN -Luftstreitkräfte bombardierten am Sonntag versehentlich griechische Truppen. die eine Höhe gegen Angriffe chine-
die den Imjin-Fluß in Westkorea überblickt war vor drei Tagen von den Chinesen erobert worden. Wenige Stunden vor dem irrtümlichen Bombardement hatten die Griechen sie zurückerobert Kurz nach dem Angriff der UN -Luftstreitkräfte räumten die griechischen Infanteristen die Höhe, obwohl Verstärkungen eintrafen.
Die Vereinten Nationen haben bei den Waffenstillstands Verhandlungen in Pan- mimjon am Sonntag drei neue Vorschläge zur umstrittenen Frage der Rückführung von Kriegsgefangenen vorgelegt Alle Gefangenen, die die Rückkehr ablehnen, sollen nach den Vorschlägen von internationalen Gremien ihre Wünsche äußern und dann dorthin gehen können, wohin sie wollen.
Streiflichter:
Kein Niemandsland
KG. Zum zweitenmal in diesem Jahr wird ein evangelischer Kirchenführer nach Rußland fahren. Bischof D. Dibelius hat eine an ihn ergangene Einladung nach Mos kau angenommen und wird ihr Folge leisten. Niemand, der den Bischof kennt, wird auf den Gedanken kommen, er könnte sich unbewußt in den Dienst der sowjetischen Propaganda spannen lassen. Niemand wird ihm überhaupt politische Motive für seine Reise unterschieben, denn seine Haltung dem Kommunismus gegenüber war bisher ganz klar und eindeutig. Und niemand wird ihm Zutrauen, er könnte sich für einen Neutralismus gewinnen lassen, wie er von Kirchenpräsidenten D. Niemöller, der im Frühjahr nach Mos kau gereist war, so geflissentlich propagiert wird.
Warum sich Deutschland nicht für eine Neutralisierung entschließen kann, hat Staatssekretär Walter Hallstein kürzlich in einem für die amerikanische Zeitschrift „Foreign affaires“ geschriebenen Artikel sehr einleuchtend dargelegt. Deutschland habe sich für den Westen entschieden, weil es weder der Osten noch der Westen zulassen würde, daß ein neutralisiertes Deutsch land sich frei der einen oder der anderen Seite anschließen könne. Deutschland müßte unter doppelter Kontrolle leben. Darum habe die Bundesregierung ihre Außenpolitik auf die europäische Einigung hin orientiert. Die Entscheidung für die Völkergemeinschaft des Westens war und sei jedoch für jeden deutschen Politiker und Staatsmann schwer, da sie das Risiko in sich berge, die Trennung zwischen Ost- und West-Deutschland zu verschärfen und vielleicht für einige Zeit Ostdeutschland noch fester unter das Joch der kommuni stischen Gewaltherrschaft zu zwingen.
Die Deutschen , so erklärte Hallstein weiter, könnten es sich nicht leisten, neutralisiert, das heißt isoliert, eingekreist und kontrolliert zu werden. Es möchte sich da anschließen, wo es Freiheit, Wohlfahrt und Sicherheit verwirklichen und eine bessere Zukunft finden könne.
Das würde nicht ausschließen, daß ein wiedervereintes Deutschland normale Beziehungen zur Sowjetunion unterhalten kann. Auch Hallstem sprach es deutlich aus, „daß ein wiedervereintes Deutschland gegenüber der Sowjetunion keinerlei aggressive Absichten hat, sondern im Gegen- teü bemüht sein wird, durch einen intensiven Güteraustausch den Lebensstandard in beiden Staaten zu erhöhen.“ Eine solche Haltung setzt den guten Willen auf beiden Seiten voraus. Wenn sich die Sowjetunion endlich dazu verstehen könnte, auf einer Viererkonferenz das deutsche Recht auf die Wiedervereinigung anzuerkennen und wirklich freie demokratische Wahlen zu gestatten, wäre viel für die Erhaltung des Friedens getan. Warum geschieht es nicht? Wird D. Dibelius auch diese Frage anschneiden in Moskau ? Es liegt uns Deut schen viel daran, daß sie geklärt wird. Wir wollen nicht politisches Niemandsland sein zwischen den Fronten.
Im Schatten Sdtumachers
w. Das Kinn nachdenklich in die Hand gestützt, mit dem bohrenden und zugleich befehlenden Blich, der ihm eigen war: so sah Dr. Kurt Schuhmacher von einem ins Riesenhafte vergrößerten Foto vier Tage lang auf die 400 Delegierten herab, die sich in der Dortmunder Westfalenhalle zum Parteitag der SPD versammelt hatten. Es war, als könne niemand sich dem verpflichtenden Aufruf dieser bohrenden Augen entziehen, so klar folgte der Parteitag in allen Einzelheiten der Linie, die der große Parteiführer in den Jahren seit 1945 entwickelt hat. Die Eröffnungsrede Erich Ollenhauers ging den Gedankengängen Schumachers so exakt nach, daß man glauben konnte, der Text sei noch von dem Verstorbenen aufgesetzt, hätte nicht jener gallige, bissige Humor gefehlt, der jeden Satz Schumachers würzte.
Vielleicht gab es nichts Bezeichnenderes auf diesem sensationslosen Parteitag als die wenigen Abweichungen von der Parteilinie. Sie hat es auch unter der Führung Schumachers gegeben, aber sie schienen jetzt mit mehr Courage aufzutreten, wenn auch mit ebenso geringem Erfolg. Das Auffallendste aber war die Richtung dieser Abweichungen. Sie bewegten sich nämlich durchweg zu einer stärkeren Radikalisierung hin, sei es, daß zum außerparlamentarischen Kampf gegen die Verträge aufgefordert wurde, sei es, daß verlangt wurde, die SPD dürfe niemals eine Koalition mit einer der jetzigen Regierungspar- teien eingehen, sei es schließlich, daß der Parteivorstand sich darauf festlegen sollt* er werde nie sein Ja zu irgendeiner Form der deutschen Aufrüstung geben.
Dagegen kam die Abweichung zur anderen Seite überhaupt nicht zu Wort. Reuter, Kaisen, Brauer, Brill und wie sie heißen mögen, die den Kampf gegen die Verträge der Bundesregierung nicht für richtig hat» ten, haben in Dortmund nicht gesprochen. Offenbar resignierten sie angesichts der