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SÜDKURIER

UNABHÄNGIGE HEIMATZEITUNG FÜR OBERBADEN UND DAS BODENSEEGEBIET

Xrscheint Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag,

Samstag. Tel.: 924, »25,1130,1510,1511. remschr. 073239. Verlag und Redaktion Konsum, Marktstatte 4

8. JAHRGANG * SAMSTAG/SONNTAG 8./9. NOVEMBER 1952 *

NUMMER 178

Bezugspreis monatlich: durch Träger 2.85 D-Mark

(und 35 Pig. Trägerlohn), durch die Post 2.05 D-Mark (und 45 Pfg. Postzustellgebühr). Einzelpreis 20 Pig.

Orkan über Europa

HAMBURG . Uber England , Frankreich und ganz Deutschland fegte in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag und am Freitag selbst ein schwerer Orkan hin­weg, dessen Böen Geschwindigkeiten bis su 140 km/h erreichten. Dieser Sturm hat in Deutschland insgesamt sechs Todesop­fer gefordert. Bei Deicharbeiten an der Weser wurden vier Arbeiter von einer Sturmflut überrascht. Sie sind ertrunken. In Westberlin wurden zwei Frauen von herabfallendem Mauerwerk erschlagen.

Westlich der Emsmündung lief der 5000 Bruttoregistertonnen große Dampfer ,,Ba- kir“ auf Grund. Mehrere Bergungsdamp­fer sind zur Hilfe ausgelaufen. Auch der 3000 BRT große spanische Dampfer „Sac Badalona“ lief westlich von Borkum auf Grund. Der hohe Wellengang des Rheins brachte das Motorschiff „Ernst Ludwig " nördlich von Worms zum Sinken. Die Be­satzung konnte im letzten Augenblick ge­rettet werden. Auch vor der englischen Küste sind drei größere Schiffe gestran­det. Auf dem Feldberg wurden Spitzen­böen bis zu 160 Stundenkilometer Ge­schwindigkeit gemessen, am Bodensee 100 Kilometerstunden. Im Südschwarzwald und Hotzeniwald gab es leichten Schnee­fall. Als die erste Kaltluftwelle den SüdschwarzwaM erreichte, traten Gewitter auf. An Dächern, in Obstanlagen und in den Wäldern des Bodenseegebietes wur­den Schäden angerichtet.

Die Fahne hoch — in Schriesheim

STUTTGART (Tfz.-Eigenbericht). Der Ältestenrat der Verfassunggebenden Lan­desversammlung beschloß, für Mittwoch, den 12. 11., eine Sondersitzung des Plenums einzuberufen. Auf der Tagesordnung steht als einziger Punkt eine Große Anfrage der CDU , SPD , FDP und des BHE über die Vor­gänge bei der Bürgermeisterwahl in Schriesheim im Landkreis Mannheim. Mit dem nächtlichen Absingen des Horst-Wes- sel-Liedes vor dem Hause eines demokrati­schen Landtagsabgeordneten feierten in der vergangenen Sonntagnacht ehemalige Na­tionalsozialisten mit Fackeln in den Händen die Wiederwahl des Bürgermeisters Fritz Urfoau, der dieser nordbadischen Gemeinde in den Jahren 1933-45 vorgestanden hatte. Dieser Vorgang gab allen Parteien der Lan­desversammlung Veranlassung, die Lan­desregierung zu fragen, ob sie bereit sei, die Vorgänge vor, während und nach der Wahl, die Propaganda und den Verlauf der Wahlversammlungen sowie die Beschimp­fung demokratischer Einrichtungen und Abgeordneter streng untersuchen zu lassen.

Flakgranate in Flüchtlingslager

NÜRNBERG . Im Flüchtlingslager Bern­ reuth in der Oberpfalz schlug eine ameri­kanische Vierzig - Millimeter-Flakgra- nate ein, tötete eine 68jährige Frau und verletzte ihren zehnjährigen Enkel leicht. Das Geschoß schlug in eine Baracke des Lagers, als die Familie beim Mittagessen saß. Es war auf dem in unmittelbarer Nähe liegenden Truppenübungsplatz Gra­fenwöhr abgeschossen worden.

Totaler Wahlsieg der Republikaner

WASHINGTON . Die Ergebnisse der ame­ rikanischen Wahlen zeigen folgendes Bild: Präsidentenwahl: Eisenhower 32 497 888, Stevenson: 26158 658. In dem neuen Se­nat sind 48 Republikaner , 47 Demokra­ten und ein Unabhängiger. In Reprä­sentantenhaus 225 Republikaner, 206 Demokraten, eine Vakanz (ein demo­kratischer Abgeordneter starb zwei Tage nach seiner Wiederwahl). Zwei Sitze ste­hen noch aus — in beiden Fällen führen die demokratischen Kandidaten.

Wer wählt die deutschen Offiziere aus?

Künftig kein Soldaten-Eid mehr — Einschaltung des Bundestages bei Stellenbesetzung verlangt

BONN . (Eigenbericht.) Die künftige deut­ sche Truppe im Rahmen einer Europa - Armee wird den Soldaten-Eid nicht wieder einführen. Diese Tatsache steht jetzt fest. Der Sicherheitsbeauftragte, Bundestags­abgeordneter Theodor Blank hat erklärt: „Bei den Pariser Verhandlungen der sechs an der Europäischen Verteidigungsgemein­ schaft beteüigten Staaten haben wir uns über die Nichtwiederkehr des Eides ausge­sprochen. Die Europäische Verteidigungs­ gemeinschaft kennt den Eid nicht mehr. Es war übrigens auch ein Wunsch beider christ­licher Kirchen, man möge nicht auf einem Soldaten-Eid bestehen.“

Die Europa -Armee und damit auch die deutsche Truppe im Rahmen dieser Armle wird durch. diese Entscheidung in noch höherem Maße als es bisher schon der Fall war, als eine Verteidigungs-Zweckgemein- schaft gekennzeichnet, die in dem Schutz der Heimat ihre Aufgabe findet, aber nicht für Angriffszwecke mißbraucht werden kann.

Die Auseinandersetzungen über den Aufbau der deutschen Truppe haben nach den Spannungen und Konflikten, die in der zuständigen Dienststelle Blank zwi­schen Reformern und Anhängern des al­ten militärischen Systeme entstanden wa­ren, jetzt eine neue Wendung genommen. Es handelt eich vor allem um die Aus­wahl der höheren Offiziere, die ihrerseits wieder für die geistige Orientierung des gesamten Truppenkontingents und vor al­lem des Offiziers- und Unteroffizierkorps bestimmend sein werden.

Nach den bisherigen Mitteilungen hatte der Bundeskanzler den Plan, daß ein Ausschuß von 12 bis 15 Personen das Ka­binett bei der Besetzung der Offlziers-

stellen vom Oberst aufwärts beraten soll Dieser Ausschuß sollte, wie es hieß, aus „achtbaren, tadellosen, hochverdienten und in ihrer Gesinnung unzweifelbar erkenn­baren, ehemaligen Soldaten sowohl höhe­ren als geringeren Dienstgrades, sowie aus einer Reihe ziviler Persönlichkeiten gebildet werden, an deren demokratischer Gesinnung kein Zweifel möglich ist", Es wird nun immer entschiedener die Frage gestellt, ob es richtig und zweckmäßig er­scheint, wenn das Kabinett selbst die Mit­glieder eines solchen Ausschusses zur Auswahl der höheren Offiziere bildet.

Bei der grundsätzlichen Bedeutung, die die erstmalige Aufstellung eines deutschen Offizierskorps hat, wird vielfach gefordert, daß der Bundestag sich stärker als bis­her, einschalten müßte. Die gewählten Bundestagsabgeordneten trägen die Ver­antwortung gegenüber der Bevölkerung. Ein Ausschuß, den die Regierung selbst beruft, wäre immer wieder dem Einwand einseitiger Zusammensetzung ausgesetzt. Dadurch könnte die Auswahl der künfti­gen deutschen Offiziere zum Gegenstand öffentlicher parteipolitischer Auseinander­setzungen werden, was nicht zweckmäßig erscheint. Dagegen würde die Einsetzung eines Bundestagsausschusses von vorn­herein die Gewähr bieten, daß alle partei­politischen Meinungsverschiedenheiten in­tern behandelt und berücksichtigt werden.

Es gilt dabei als selbstverständlich, daß staatsfeindliche Parteien, wie etwa die Kommunisten, an einem solchen Ausschuß nicht beteiligt sein dürfen. Das wäre ohne weiteres zu erreichen, wenn ein Siebener- Ausschuß des Bundestages für diesen Zweck bestimmt würde, denn an diesen Siebener-Ausschüssen sind (im Gegensatz

Gegen unüberlegte Aktionen in der Ostzone

Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“ '

Schwere Krise nm die

Berlin . (G.-Eigenbericht.) In Westber­ lin werden gegenwärtig Verhandlungen geführt, um sämtliche Organisationen, die sich mit Ostfragen beschäftigen — darun­ter die Ostbüros der Parteien — zusam­menzufassen. Dadurch sollen die Propa­ganda-Aktionen in eine einheitliche Linie gebracht werden. Die Initiative zu diesen Besprechungen ging von der „Kampf­ gruppe gegen Unmenschlichkeit “ aus, die sich augenblicklich in einer schweren Krise befindet. Sie wurde 1948 von Dr. Rainer Hildebrandt gegründet, der ein fanatischer Gegner des Totalitarismus ist. Hildebrandt wollte, daß die Kampfgruppe Verbrechen gegen die Menschlichkeit anprangert, regi­striert und denen hilft, die aus der So­wjetzone flüchten mußten. Die Organisa­tion wurde finanziell von den Amerika­nern unterstützt. Stellvertreter Hilde­brandts wurde Ernst Tillich , der ursprüng­lich Professor für systematische Theologie werden wollte. Er spielte sich im Laufe der Jahre immer mehr in den Vorder­grund, bis er Anfang 1952 die Führung übernahm. Hildebrandt war von da an nur noch Mitglied der Kampfgruppe und machte zahlreiche Vortragsreisen.

Unter Ernst Tillich nahm die Kampf­gruppe eine neue Entwicklung. Der neue Vorsitzende mußte sich wiederholt gegen den Vorwurf verteidigen, daß er Jugend­liche zu gefährlichen Widerstandsaktionen ermuntere. Tillich wurde jetzt aus der SPD ausgeschlossen. Gleichzeitig erklärte Rainer Hildebrandt seinen Austritt aus der Kampfgruppe. In politischen Kreisen

Kurz notiert

4S Sudetendeutsche aus der Tschechoslowakei trafen in der Bundesrepublik ein. Sie waren über sieben Jahre gefangengehalten worden.

Der Sicherheitsbeauftragte der Bundes­regierung, Theodor Blank , hat die Teilnahme an dem Treffen der „Gemeinschaft deutscher Ritterkreuzträger“ sbgelehnt.

Im Notaufnahmelager Gießen stellten im Oktober 1381 Männer, Frauen und Jugend­liche ans der Sowjetzone Anträge auf Asyl in der Bundesrepublik.

Bei dem amerikanischen Herbstmanöver im Landkreis Ansbach sind für über 100 Mt Mark Manövers chiden entstanden.

Das Verdener Landgericht verurteilte Ger­hard Nast xu drei Monaten Gefängnis, weil er Bundeskanzler Adenauer auf einer Ver- aammlnng der Gesellschaft für deutsch-sowje­ tische Freundschaft beleidigt hatte.

Ans einer Bohrstelle der Deutschen Erdöl- AG. bei Pfungstadt - in Hessen strömt seit einigen Tagen Erdgas mit einem Druck von 81 Atmosphären ans 900 bis 1000 Meter Tiefe.

In der Nähe von Rheydt wurden zwei Män­ner in einer Sandgrube von herabstürzenden Sandmassen verschüttet nnd getötet.

Der französische Außenminister Schumsn flog van Paris nach New York , am in der Vollversammlung der CN die Interessen Frankreichs in Nordafrika zu verteidigen.

Mit der traditionellen Truppenparade feierte Moskau gestern den 39. Jahrestag der bol­schewistischen Revolution. Auf der Tribüne sah man Marschall Stalin.

Der jugoslawische General Nikolitsch teilte vor dem Kongreß der jugoslawischen KP mit, daß Jugoslawien jetzt auch Düsenjäger herstelle. Das Land habe insgesamt 834 neue Rüstungswerke.

Clement Attlee wurde ohne Gegenstimmen zum parlamentarischen Führer der Labonr- Partei wiedergewählt.

Ueber der britischen Grafschaft Essex stürzte ein Bomber der USA -Lnftstreitkräfte brennend ab. Die zehn Insassen kamen ums Leben.

Seit 1948 sind 14 000 Inder illegal nach Süd­ afrika eingewandert.

Der ägyptische Ministerpräsident General Nagib erklärte, seine Regierung sei fest ent­schlossen, dafür zu sorgen, daß auch der letzte ausländische Soldat ägyptischen Boden verlassen müsse.

Die Vereinigten Staaten haben in einer neuen Note von der Sowjetunion die Rück­gabe von 186 Schiffen gefordert, die den Sowjets während des Krieges im Rahmen der Pacht-Leihgesetze überlassen worden waren.

Das Durchschnittseinkommen eines prak­tischen Arztes in Amerika ist in den letzten fünf Jahren um 59 Prozent gestiegen und beträgt durchschnittlich 14 099 Dollar im Jahr.

Eine amerikanische Zeitschrift für Luft­fahrttechnik will erfahren haben, daß die Sowjetunion unter Beteiligung deutscher In­genieure an der Entwicklung eines bemann­ten Raketenjägers arbeitet, der Geschwindig­keiten bis zu 4990 km in der Stunde und eine Spitzenhöhe von 65 km erreichen soll.

Berlins ijjt man der Ansicht, daß an der Spitze einer solchen Organisation ein Mann stehen muß, der Jugendliche, die unüberlegte spontane Aktionen gegen das sowjetische Regime planen, entsprechend zügelt, da solche Handlungen, wie bei­spielsweise das Anzünden eines östlichen Zeitungskioskes, wenig Wirkung habe und die betreffenden Jugendlichen für lange Zeit ins Zuchthaus bringen können.

Klassen kampf gegen Bauern

BERLIN (G.-Eigenbericht). Eine weiterer Verschärfung des Klassenkampfes kündigte der sowjetzonale Präsident Pieck an. Vor allem soll künftig noch schärfer gegen „re­aktionäre Großbauern“ vorgegangen wer­den. Damit beginnt, wie Kenner der bol­schewistischen Entwicklung erklären, in der Ostzone jetzt die sogenannte „Kula­kenverfolgung“, die in der Sowjetunion 1930 eingesetzt und bis 1934 zur Auflösung von über 5 Millionen Höfen geführt hatte.

Die Lebensmittelknappheit hat zu Er­scheinungen geführt, die an die Zustände der ersten Nachkriegsjahre erinnern. Die Lebensmittelwährung ist wieder in Kraft getreten. So wollen beispielsweise die So­wjetzonenbewohner, die bei den Bauern zur Kartoffelernte eingesetzt werden, nur noch arbeiten, wenn sie an Stelle von Geld dafür Kartoffeln bekommen.

zu den großen Ausschüssen) die kleinen Fraktionen nicht beteiligt Die Zuständig­keiten wären dann klar abgegrenzt und es würde vermieden, daß die Auswahl der Offiziere von einem verfassungsmäßig nicht vorgesehenen Personenkreis mit­bestimmt würde.

SRP -Verbot wird verwirklicht

HAMBURG . Das vom Bundesverfas­sungsgericht verfügte Verbot der Soziali­ stischen Reichspartei wird in allen Ländern des Bundesgebietes vollzogen. Die Büros der SRP wurden geschlossen und die Ak­ten sicher gestellt. Jetzt wird von den Innenministern der Länder besonders darauf geachtet daß sich keine Tamorga- nisationen der SRP bilden. In Nieder­ sachsen , der ehemaligen Hochburg der SRP , (16 jetzt aufgehobene Landtagsman­date), wurden die WaMvorschläge für die Gemeindewahlen am kommenden Sonntag genauester» überprüft und über 60 Listen als SRP -verdächtig ausgeschieden.

Titos eigener Kurs

AGRAM. Die kommunistische Partei Jugoslawiens änderte auf Vorschlag Mar­schall Titos ihren Namen in „Bund der Kommunisten Jugoslawiens “. Zur Begrün­dung erklärte ein führendes Mitglied des Politbüros, „die kommunistische Partei Jugoslawiens trug den Namen der kom­ munistischen Partei ehrenhaft und stolz durch harte Kämpfe und beschmutzte ihn niemals dadurch, daß sie jemandem hörig wurde“.

In der Entschließung wird die Zusam­menarbeit Jugoslawiens mit anderen Län­dern gebilligt, soweit sie der Sicherheit des Landes dient. Diese Politik müsse ver­stärkt werden, imgeachtet der Unterschiede in der Struktur der Länder. Zur Triest - Frage heißt es, das Problem müsse durch direkte Verhandlungen zwischen Jugos­ lawien und Hallen gelöst werden. Die Sowjetunion wird in der einstimmig an­genommenen Entschließung, die sich mit den Aufgaben der jugoslawischen Kommu­nisten beschäftigt, beschuldigt, eine aggres­sive imperialistische Politik mit dem Ziel der Weltherrschaft zu verfolgen. Die jugos­lawische Regierung wird aufgefordert, die UN voll zu unterstützen.

Drei Länder wählen Gemeinderäte

Von Konrad Gunst

In drei westdeutschen Ländern finden morgen Kommunal wählen statt: in Rhein­ land-Pfalz , in Nordrhein-Westfalen und in Nieder Sachsen . Rund 15 Millionen Wahl­berechtigte sind zu den Urnen gerufen, ein bedeutsames, über die Grenzen dieser Län­der hinaus interessierendes Ereignis, das fast die Hälfte aller Wahlberechtigten im gesamten Bundesgebiet unmittelbar an­geht.

Jedes der drei Länder hat seine beson­dere politische Struktur. Wenn wir auch nicht der Auffassung sind, daß Kommunal­wahlen unter allen Umständen mit den Maßstäben der großen Politik zu messen seien, so kann der Ausgang dieser Wahlen doch einige recht interessante Schlüsse auf die innenpolitische Entwicklung in einem großen Teil der Bundesrepublik ermög­lichen. Von der Außenpolitik her kann das nur bedingt geschehen, nämlich dort, wo der Wahlkampf zu einem großen Teil mit außenpolitischen Argumenten bestritten worden ist. Das könnte zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen der Fall sein, wo die führenden Männer der großen Parteien oft heftig in den Wahlkampf eingegriffen haben. In kleineren Städten oder gar auf dem flachen Land werden die Kommunal­wahlen nach ganz anderen Gesichtspunk­ten getätigt. Schon diese Tatsache allein verbietet es, die Kommunalwahlen in den drei Ländern als Probeabstimmung für die im nächsten Sommer stattflndenden Bun­destagswahlen zu werten. Es wäre inter­essant gewesen, in diesem Zusammen­hang auch die Gemeindewahlen in Süd­ baden zu behandeln. Sie sind leider um ein Jahr verschoben worden. Der Aus­gang der Wahlen in den drei Ländern wird aber auch einige Rückschlüsse auf unsere Verhältnisse zulassen.

Es bleibt also genug übrig, um die Wahlen am Sonntag als hervorstechendes politisches Ereignis zu betrachten. Da ist einmal Nordrhein-Westfalen als das Land, das sowohl seiner bevölkerungsmäßigen als auch seiner wirtschaftlichen und so­zialen Struktur nach die größten Gegen-

Der Mount Everest ist gut gelaunt

Schweizer Expedition im Akklimatisationslager — Vor da* Wand des Südgrades

Zürich . (Sonderdienst des Südkurier.) Nach den letzten telegrafischen Berichten des Expeditionsleiters Dr. Gabriel Cheval- ley sind die Eis- und Schneeverhältnisse im Gebiete des Khumbugletschers jetzt be­sonders günstig. Da auch das beständige

[BISHERIGER WEGtefjiSfeHANGTSE

7070

MT. EVEREST 8840 m

SCHWEIZER AUFSTIEGS PLAN

LHOTSE

Herbstwetter günstige Bedingungen schafft, ist der Fortschritt der Expedition beach­tenswert

Nachdem am 10. Oktober das Lager II mitten im Fimbruch (siehe Karte) bezogen worden war, konnte nach vier Tagen schon das Lager III an der Schwelle des West-

kars eingerichtet werden. Zur Überschrei­tung der großen Querkluft wurden dies­mal lange Rundhölzer verwendet. Die Auf­stiegsroute liegt mehr auf der Gletscher­mitte als im Frühjahr und die damals sehr gefährliche Lawinenbedrohung von den Wänden des Everest-Westgrates ist jetzt viel weniger ausgeprägt, weil die ganze Bergfianke stark vereist ist.

Seit dem 20. Oktober steht das Lager IV, ein besonders stark ausgebauter Stütz­punkt, mitten im Kar. Hier soll die unbe­dingt erforderliche Akklimationszeit zuge­bracht werden, bis die Gangbarmachung der 1000 m hohen Wand des Südsattels das Ansetzen der zum Gipfel vorstoßenden Seilschaften erlaubt. Nachdem auch der Filmmann Norman ' Dyhrenfurth aufge­schlossen hat, besteht die Expedition jetzt aus acht Bergsteigern und zwei Dutzend einheimischen Kräften, denen im Basis­lager (5250 m) weitere Hilfskräfte zudie­nen.

Man darf der weiteren Entwicklung die­ses Unternehmens zuversichtlich entgegen- äehen. Denn im Gegensatz zum Frühjahr droht um diese Jahreszeit keine chronische Schlechtwetterlage; gewiß können Winter­stürme vorübergehend Erschwerungen schaffen. Die Expedition verfügt aber so­wohl über die erforderliche Zeit, wie auch über die geeignete Ausrüstung, um nöti­genfalls während längerer Perioden zu­warten zu können.

(Copyright by Schweizerische Stiftung für

Alpine Forschungen, Zürich .)

Sätze aufweist. Als deutsches Industrie­zentrum ist es das Land mit der größten wirtschaftlichen Kapazität, mit der größ­ten Steuerkraft, mit den meisten Groß­städten und der größten Bevölkerungs­dichte. Daneben umfaßt es aber auch Ge­biete mit rein landwirtschaftlicher Struk­tur, mit zahlreichen kleinen und mittleren Städten und vielen ländlichen Gemeinden. Trotzdem sind die politischen Verhältnisse dort ziemlich ausgeglichen. Von den beiden großen Parteien, der CDU und der SPD , die beide etwa gleich stark sind, hat keine die absolute Mehrheit. Sie sind beinahe zwangsläufig auf gute Zusammenarbeit angewiesen, zumal auch die kleineren Par­teien kaum in die Lage kommen, das „Zünglein an der Waage“ zu spielen.

Für die jetzigen Gemeindewahlen haben sich trotzdem nicht weniger als zehn Par­teien mit Wahlvorschlägen gemeldet. Die Gefahr der Zersplitterung ist besonders im bürgerlichen Lager sehr groß. Neben den vier „klassischen“ Parteien treten zahl­reiche, meist nach rechts tendierende Neu­bildungen auf. Einige Parteien haben die Möglichkeit genutzt, Wahlvereinbarungen, also Listenverbindungen mit anderen Parteien zu treffen. So treten die Kandi­daten der Deutschen Partei nur zu einem geringen Teil selbständig auf, sondern er­scheinen meistens auf den Listen der Freien Demokratischen Partei (FDP ). Das entspricht der parteipolitischen Tendenz der FDP in Nordrhein-Westfalen . Auch die sogenannte „Nationale Rechte“, ein Sam­melbegriff, der mehrere Richtungen ver­einigt, bewirbt sich da und dort gemein­sam mit der FDP . In einigen Orten haben sich CDU ’ und Zentrum zu einer Listen­vereinigung gefunden. Die SPD hat noch keinen geeigneten Partner gefunden und auch der BHE kandidiert allein, ist aber nicht überall vertreten. Es wird interessant sein, wie sich die Listenverbindungen praktisch auswirken.

Etwas kompliziert liegen die Verhält­nisse in Rheinland-Pfalz . Hier werden neben den Gemeindevertretungen und Kreisversammlungen auch noch die Ab­geordneten für den" Bezirkstag Pfalz und in einigen Regierungsbezirken auch noch sogenannte Amtsvertretungen gewählt. Der Wähler hat teilweise bis zu drei Stimmzettel auszufüllen. Im Wettbewerb liegen CDU , SPD , FDP , KPD und — nur in einigen Gebieten — der BHE , Zentrum und „Freie Soziale Union“. Daneben treten einige ganz neue, noch unbekannte Grup­pen auf und überall die freien Wähler­vereinigungen. Nach Ansicht der Landes­wahlleitung werden die Kommunalwahlen im wesentlichen eine Auseinandersetzung zwischen den alten politischen Parteien und den freien Wählergruppen sein, im Gegensatz zu Nordrhein-Westfalen , wo die freien Wählervereinigungen fast gar keine Rolle spielen und wo mehr nach partei­politischen Gesichtspunkten gewählt wird.

Ein recht interessantes, bunt bewegtes Bild bietet Niedersachsen . Hier bewerben ■ sich neben den alten politischen Parteien unabhängige Kandidaten und freie Wäh­lervereinigungen in großer Zahl. In den meisten Gemeinden sind die Wahlvor­schläge so buntscheckig und vielfältig, daß sie kein einheitliches Bild mehr geben. Für die Wahlen zu den Kreistagen gibt es eine große Zahl von seltsamen Listenverbin­dungen. Lediglich die SPD und die KPD stellen sich in jedem Kreis allein. Als „Niederdeutsche Union“ treten CDU und DP wie schon bei den letzten Landtags­wahlen gemeinsam auf. In vielen Fällen hat sich auch die FDP dieser Wahlgemein­schaft angeschlossen. In den Kreisen mit überwiegend katholischer Bevölkerung kandidiert das Zentrum zum Teil allein, zum Teil zusammen mit DP und CDU . In der Grafschaft Bentheim haben sich