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AdelShett», SamStag, den 10. Oktober 1914
Zweites Blatt.
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Die jetzige Finanzlage in Frankreich .
Daß die Bank von Frankreich sofort nach Ausbruch Krieges die Veröffentlichung ihrer Ausweise ein- llte, hat berechtigtes Aufsehen erregt und zu mancherlei Rückschlüssen auf ihre Lage Veranlassung gegeben. Zu ^4er ungünstigen Beurteilrmg der Finanzverhältnisse Frankreichs im bisherigen Perlauf des Krieges trug bei, haß die Nachrichten von dort nur sehr spärlich einlaufen -nd alles, was verlautet, den Stempel der Schönfärberei Nagt. Auf dem Umweg über die Schweiz war vor birzem auf Grund einer Meldung aus Rom eine Begründung für das Unterlassen der Veröffentlichung des lusweises der Bank von Frankreich darin gegeben worden, .haß angeblich ein großer Teil ihres Goldbestandes nach London übergeführt worden sei. Ob dies zutras und M welchen Betrag es sich dabei handelte, war bisher Ocht bekannt geworden. Es scheint, daß die ungünstige Beurteilung, welche die gegenwärtige Finanzlage Frank reichs im Auslande erfährt, nachgerade doch den maßgebenden französischen Kreisen recht unangenehm zu werde» beginnt; das geht einmal aus den gerade in den ktzten Tagen in vermehrter Zahl in die Welt hinaus- ekandten, recht optimistischen französischen Auslassungen er die Verhältnisse des Staatsschatzes hervor und auch '^raus, daß nach einer uns aus Amsterdam zugehenden sTrahtmeldung die französische Gesandtschaft soeben ein -Expose des französischen Finanzministers über die finan- , zulle Lage in Frankreich und den Status der Bank sivn Frankreich veröffentlicht. Wenn die darin gemachten Eingaben auch kein nur halbwegs erschöpfendes Bild geben,
's bieten sie immerhin einigen Anhalt für die Veränderungen, welche der Ausweis der Bank von Frankreich Ht Kriegsbeginn erfahren hat. Eine Bestätigung dach:, daß von dem Goldbestand des französischen Noten- smstituts Beträge nach England remittiert sind, findet "s in der vorerwähnten Auslassung nicht; indes kann -k: Bank von Frankreich sehr wohl auch in London lie- Mde Beträge als vorhandenen Metallvorrat angeben, «ach dem Expose betrug am 1. Oktober der Metallbe- Kand 4412 MM. Frs. Nach dem zuletzt bekannt gewor- ' denen Ausweise vom 30. Juli hatte er 4766 MM. Frs. iürager^er^s^al^in^der^wischenzei^m^b^MM^
Liebe und Leidenschaft.
Roman von O. Elster. 44
Wie das blitzte und flimmerte in dem Hellen Sonnendem! Hier die Offtzierkorps der beiden Dragoner-Regimen» in ihren hellblauen Uniformen; dort die dunklen, ernsten büfvriuen der Artillerie, die ein etwas freundlicheres Anse- tn durch die grünen Röcke der sächsischen Fuß-Artillerie er- iriteu. Die meiste Abwechslung bot die Infanterie, neben an gedämpften blauen Ton der preußischen Infanterie hob '> freundlich das hellblaue Tuch des Bayern ab, dem gegen- ker wieder die vollständig schwarzen Uniformen des braun- Migischen Infanterie-Regiments einen seltsamen Kontrast «eteu.
Den meisten Glanz entfalteten natürlich die Stäbe der Appeuteile mit den goldgestickten Uniformen der Generale, K: wehenden Haarbüschen der Helme, den blitzenden Schär» der Adjutanten und den mannigfachen Uniformen der dvuiianzoffiziere. Und Generale und Adjutanten gab es in gerade genug.
Die Paroleausgabe war vorüber. Die Befehle und die Affel, die bei dieser Gelegenheit ausgeteilt zu werden pfle- rn, waren in Empfang genommen und die Offiziere eilten 'von, diese in das nächste Cafe, jene nach Hause zu den lüengen Gattinnen, andere wieder ergingen sich noch^ine ^ile in den prächtigen Anlagen der Esplanade, welche sich ^ den Königsplatz anschließt. Die Esplanade bildete den Zugang ^ tzxr alten Citadelle von Metz; von einer Mauer ^«geschlossen, fällt sie nach Westen zu fast senkrecht zu dem ^efen Festungsgraben ab, an dem sich das Glacis anschließt, Koches wiederum durch die Mosel begrenzt wird. Eine herr- Aussicht bietet dieser Teil der Esplanade auf die Mäzene und die Berge von St. Quentin und Plappeville. ?Eich sieht man die mächtigen Festungswerke jener Höhen «d entzückt schweift das Auge über die liebliche Moselniede- mit ihren zahlreichen Weingärten, Dörfern und Weilern. An die Einfriedigungsmauer der Esplanade gelehnt, blickte vÄter in die herbstliche Landschaft hinaus. Hing sein Auge «den, Kirchlein von Scy dort oben auf dem Felsenabhange, « vor drei Jahren geweilt, ehe er das Duell mit dem
Frs. zurückgegangen. An Gold befanden sich darunter am 1. Oktober 4093 MM. Frs.; am 30. IM hatte der Goldvorrat 4141 MM. Frs. betragen; er ist also jetzt um 48 MM. Frs. niedriger als vor zwei Monaten, während die Deutsche Reichsbank in der Zwischenzeit eine Kräftigung ihres Goldbestandes um etwa 460 Millionen Mark zu verzeichnen hat.
Das Expose teilt weiter mit, daß die Vorschüsse der Bank an die Regierung seit Kriegsausbruch, welche alle bisherigen Auslagen für den Krieg deckten, bis 1. Oktober 2100 MM. Frs. betrugen. Erwähnt sei, daß am 30. Juli die Regierung bei der Bank von Frankreich ein Guthaben von 383 MM. Frs. hatte. Tie Emission einer Staatsanleihe sei einstweilen unnötig, da die Lage des Schatzamtes vorzüglich sei. Was von derartigen optimistischen Auslassungen der französischen Regierung zu halten ist, dürfte nun zur Genüge bekannt'sein, sie stehen jedenfalls in starkem Widerspruch zu einer Reihe von in der Öffentlichkeit bekannten Erscheinungen, denen zufolge sich die Finanzlage Frankreichs nichts weniger als günstig präsentiert und zu der Papiergeldwirtschast, die sich in zunehmendem Maße dort breit macht.
5lu§ Baden.
(-) Grötzingen bei Durlach , 7. Okt. (In gegenwärtiger Zeit sehr bedauerlich.) Der Landwehrmann Bachinger, der mit feiner Familie und mehreren Verwandten nahe bei Grötzingen in Wagenhaus wohnt, wurde bei einem Streit mit seinen Verwandten von seinem Schwager niedergestochen. Bachinger, der während des Streites auch von mehreren Revolverschüssen getroffen wurde, war alsbald tot. Bachinger war nicht ständig in Grötzingen ansässig, er war vor einiger Zeit z>um Militär eingezvgen worden und kam auf wenige Stunden zum Besuche seiner Frau hieher. Der Täter wurde sofort verhaftet.
(-) Karlsruhe » 9. Okt. (Auf dem Felde der Ehre gestorben.) Adolf Molfqang Rees und Kanonier Hermann Betz, beide von Freibiira; Küfer Adolf Barth , Niedereggenen bei Müilhsim: Gren. Andreas Weber, Oberwinden bei Waldkirch ; Joseph Mock, Niederwinden bei Waldkirch ; Hauptlehrer Wilhelm Strobel, Singen; Rep Robert Schatz, Bodman am Bodenjee; Rep Gottfried Dürr, Ottersdorf bei Rastatt ; Res. Valentin Düringer, Wilhelms feld bei Heidelberg ; Karl Heim und Res. Philipp Hofmann, Gissigheim bei Tauberbischofsheim . Die Familie Rüde in Frei- burg zeigt den Tod ihres Schwiegersohnes Oberarzt d. R. Dr. Max Lichtenberger von Görwihl an. Das König!. Kadettenyaus Karlsruhe meldet den Tod des Hauptmanns Adolf Butierlm und Leutnants Walter von Alt-Sutterheim, beide ehemalige Offi- ziere des Karlsruher Kadettenhauses, Ferner fielen: Feldweöci-
französischen Kapitän ausfocht? Schweiften seine Gedanken zurück in jene Zeit? Dachte er an die blaffe, leidenschaftliche Frau, der er seines Herzens Liebe zum Opfer bringen mußte ? Dachte er an das liebliche, traurige Antlitz Hedwigs? An ihren letzten und einzigen Brief, der ihm auf seinem Schmerzenslager Trost und Hoffnung gebracht.
Eine Gruppe lachender, plaudernder Damen und Herren näherte sich ihm. Walter seufzte tief auf und entfernte sich, indem er sich tiefer in die Anlagen verlor. Ein dichtes Bos- kett verhüllte jetzt die Aussicht auf den freieren Teil der Esplanade, von der das Gespräch und das Lachen der Spaziergänger gedämpft herüberklang. Im Schatten des Boskett stand eine Bank; Walter hatte die Absicht, hier ein wenig auszuruhen, er fand die Bank schon von jemandem, einer Dame eingenommen. Die Dame in dunkler Kleidung hatte einen dichten, schwarzen Schleier über das Antlitz geschlagen. Walter wollte vorübergehen, als die Dame plötzlich aufsprang, einen leisen Schrei ausstoßend. Erstaunt blieb Walter stehen. Da schlug die Dame den Schleier zurück und der junge Offizier sah in das bleiche, schöne Antlitz Madame de BelautsI Walter vermochte keine Worte zu finden. Er grüßte stumm und wollte weiter gehen. Ein spöttisches Lächeln flog über das schöne Gesicht Jeannes, sie streckte die schmale, in einem schwarzen Handschuh steckende Rechte aus und sprach: „Bleiben Sie doch einen Augenblick Walter, wir haben uns lange nicht gesehen, oder fürchten Sie sich vor mir?"
„Aber, Madame, wie soll ich ? — Ich war nur überrascht, Sie zu sehen. Ich glaubte Sie in Paris ."
„Also haben sich Ihre Gedanken doch noch mit mir beschäftigt?" fragte Jeanne, und wieder erschien das ironische Läch eln auf ihren Lippen.
„Sie fragen seltsam, Jeanne."
„Haben Sie einige Minuten für mich übrig — oder rufen Sie andere Pflichten? — Ich will nicht stören."
„Nicht im geringsten! Ich stehe zu Ihrer Verfügung."
„Bitte, nehmen wir Platz."
Sie lud ihn mit einer Handbewegung ein, an ihrer Seite auf der Bank Platz zu nehmen, dann schlug sie den Schleier wieder vor ihr Gesicht und blieb schweigend neben ihm sitzen. Walter wußte nicht, wie er das Gespräch eröffnen sollte. Das Antlitz, das Auge Jeannes hatte einen seltsamen Ausdruck
38. Zahrg.
leütnant Lehramtspraktikant Fritz Ries , Karlsruhe ; Oberleutnant Forstamtmann Karl Gebhard, Eppingen ; Wzefeldw. d. R. Karl Seith , Sohn des Oberrealschuldirektors Karl Seith , Freivurg; Res. Peter Zorn, Mannheim ; Musk. Hermann Zehnder und Musk. Emil Metzger, beide von Pforzheim ; Adam Neljberger, Heiligkreuzsteinach ; Otto Zimmermann, Sohn des Bahnhofrcstau- rateurs Heinr. Zimmermann, Graben-Neudorf : Schuhmachecmeistcr Alfred Bandle, Villingen ; Fritz Capito, Buchhalter bei der mech. Weberei, Zell i. W. Von dem Heidelberger Korps Vandalia sind bis jetzt schon 12 Mitglieder gefallen und zwar: 2. v. Kühlewein; D. M. v. Müller; v. d. Decken; H. v. Hodenberg ; v. Schele; v. d. Wense; v. Bülow; v. Lasiert; H. Steeuer; Rimpau; v. d. Malsbnrg und v. Donop.
— Das Eiserne Kreuz erhielten: Leutnant d. R. Amtmann Robert Ruoff im Inf.-Regt. Nr. III und Gerichtsastessor Dr. Fritz Ruoff, Leutnant d. R. im Inf.-Regt. Nr. 25, beide aus Karlsruhe ; Leutnant d. R. Artur Brunisch, Sohn des Fabrikdirektors Brunisch, im Regt. Nr. 111; Gren. Reinhold Seebcr, zuletzt in Karlsruhe ; Hauptmann Schuster, früher beim Telegr.- Bataillon Nr. 4, aus Karlsruhe ; Bizefeldw. d. R. Gauckler, Karlsruhe ; Feldw. Karl Kiefer, Hallenmeister beim Stadt. Viehhof Karlsruhe ; Unterofp Meixner, Karlsruhe ; Oberleutnant ü. R. Fabrikant Karl Lösch , Mannheim ; Hauptmann Wessig vom Mannheimer Regiment Nr. 110; Leutnant Ruckenbrod. ein geb. Mannheimer : Leutnant Wolfgang Wilfer, Sohn einer Heidel berger Familie; Regimentsarzt Dr. Rudolf Kremp, ein geb. Rastatter ; Leutnant d. R. Rechtsanwalt Hermann Brutzle, Pforz heim ; Schutzmann Merfensky, Baden-Baden ; Musk. August Heizmann, Unterharmersbach; Hauptmann Erdmann, Müllheim : Unteroff. Karl Heidenreich, Teningen bei Emmendingen ; Gefr. Scheffel und Sergeant Beck vom Villinger Bataillon; Musk. Adolf Schlenker, Niedereschbach; Bizefeldw. Hans Altmann , Lör rach ; Bizefeldw. Eduard Gang, Postanwärter beim Singener Postamt: Sergeant Holst im Regiment Nr. 142, z. Z. in Walds- Hut; Leutnant d. R. Ingenieur Ludwig Glock, Meersburg ; Marinestabsarzt Dr. Alfred Meyer , ein geb. Konstanzer .
— Die Karl Friedrich-Verdienst-Medaille erhielt Kriegsfreiwilliger Kanonier Hubert Bastian aus Mannheim , zur Zeit im 1. bpLMen.Feldartillerie-Regiment Nr. 14. ' ^ ^
Vermischte Nachrichten.
„Ein Attentats
Unter dieser Ueberschrift bringt die „Neue Züricher Zeitung" einen Artikel, der die Skrupellosigkeit brandmarkt, mit der England gelbe, braune und schwarze Massen als feine Verbündeten gegen die weiße Rasse ins Feld führt. Das Blatt meint, hier kämen nicht mehr deutsche, fondern europäische Interessen in Frage und damit die Prestigefrage der ganzen weißen Rasse. Die englische Sitte, sagt der Artikel, gestattet es nicht, daß ein Farbiger neben einem Weißen sich auch nur zu Tisch setzt. Nun aber macht man Farbige zu Waffenkame- raden der Weißen in ganz Europa gegen Weiße, und setzt sie damit im Rang über den feindlichen Weißen. Das ist ein Herzschuß nicht nur in der Stellung des Europäertums, sondern ein vielleicht unbewußter Selbstmordversuch derjenigen, dir dieses frevelhafte Wagestück unternommen haben. Man hat der gelben Gefahr, die Tore unseres, Erdteils geöffnet. Nicht,oenug damit.
angenommen, melancholisch, weltverachtend und doch wieder spöttisch und leichtfertig fast, daß er im Innersten seines Her» zens das arme Weib tief bedauerte, das in der Ehe mit Herr» de Belaut sicherlich nicht das Glück gefunden hatte.
Walter fühlte, daß sie erwartete, er solle das Gespräch be» ginnen. Er raffte sich deshalb zusammen und fragte stockend: „Sind Sie mit Ihrem Gatten hier?"
„Mein Gatte?" — Sie lachte kurz auf, dann fuhr sie fort: „Ach, richtig, Sie konnten ja Nichtwissen! Mein Gatte ist tot."
„Wie? Tot?"
„Ja, tot — in Tunis gefallen — in einem Gefecht gegen die räuberischen Grenzvölker."
„Und Sie sagen das so ruhig?"
„Weshalb nicht? War ich es nicht, die ihn aus Frankreich forttrieb nach Afrika ?"
„Jeanne, ich verstehe nicht. —"
„Nein, mein lieber Walter. Sie verstehen allerdings nichts von dem, deshalb will ich es Ihnen erklären. Daß wir, ich meine Monsieur de Belaut und ich, nicht gerade in glücklicher Ehe lebten, werden Sie wohl bemerkt haben. Nun gut, so lange wir in dem kleinen Grenzort Pont-a-Mouffon lebten, ging die Sache noch an. Monsieur de Belaut hatte nicht viel Gelegenheit zu Abenteuern. Höchstens wenn er einmal nach Pa ris reiste — doch lassen wir das! Einige Monate nach Ihrem Duell war Monsieur de Belaut nach Paris versetzt, und hier fand er leider — oder sage ich besser und aufrichtiger, glücklicherweise — Gelegenheit genug für seine Abenteuer. Anfangs fühlte ich mich unglücklich darüber, denn ich war von dem besten Willen beseelt, daß Frieden zwischen uns walten sollte, später revanchierte ich mich."
„Jeanne?"
Sie sah ihn erstaunt, spöttisch lächelnd an.
„O, fürchten Sie nicht," sprach sie dann mit beißender Jro» nie," etwas Unehrenhaftes von mir zu hören!"
„Ich wußte meine Ehre zu verteidigen," sagte Jeanne, „aber gequält habe ich meinen Gatten und alle Männer - gequält, genarrt und gefoppt, bis er schließlich zu mir zurückkehrte, zu meinen Füßen um Verzeihung bat, mit dem Versprechen, sich zu bessern, und dem Schwur, mich, nur mich, zu lieben." 211,20