So wurden durch Flieger Ansammlungen starker englischer ! Jnfanteriemassen in den Mulden bei Savr> und Roupy festgestellt und daraufhin unter Vernichtungsfeuer genommen. Gefangene schildern die Verluste als außerordentlich schwer. Der Angriff, der bereits durch Artillerieteuer eingeleitet war, unterblieb. Englische und französische Erkundungsvorstöße konnten blutia abaeichlaaen werden.
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bnver prkcka über 6ie niilrtäriscke l.age.
Der Rückzug im Westen einem Siege gleich.
Bei einem vom türkischen Großwefir in seiner Eigenschaft als Haupt der Partei für Einheit und Fort-, schritt den Parteimitgliedern gegebenen Tee hielt Enoer Pascha, der von seinem Besuch im deutschen Hauptquartier und an der Westfront zurückgekehrt ist, eine Ansprache, in der er die militärische Lage schilderte, die. wie er sich ausdrückte, sehr befriedigend und beruhigend an der West- und der Ostfront sei. Hinsichtlich des deutschen Rückzuges erklärte der Minister, dieser sei eine Maßnahme, die an Wert einem Sieg gleichkomme. Die Ausführungen des Ministers machten großen Eindruck.
Der englische Angriff auf Gaza war im größten Stil vorbereitet. Nachdem die Engländer die vom Suezkanal in östlicher Richtung dem Meere entlang gebaute Eisenbahn bis Chan Junis 20 Kilometer südwestlich Gaza fertiggestellt hatten, versuchten sie am 26. März, sich in den Besitz dieses Platzes zu setzen. Nach zweitägigem Gefecht wurden sie unter schweren Verlusten zurückgeschlagen.
An dem Gefecht waren auf englischer Seite etwa vier Divisionen, nieist berittene Truppen, beteiligt. Die türkischen Truppen haben sich glänzend geschlagen. Auf dem Schlachtfelde wurden 3000 tote Engländer gezählt.
Das unbezwingbare Deutsch-Ostafrika .
In dem englischen Funkspruch von Carnarvon vom 1. 4. 1 Uhr vormittags berichtet der Oberbefehlshaber in Ostafrika , daß seit der Regenzeit die klimatischen Verhältnisse, besonders in der Küstengegend, jede ausgedehntere Tätigkeit verbieten. Diese Umstände würden dazu benutzt, die britischen Streitkräfte neu zu ordnen, die Transportverhältnisse für die zukünftige Kriegsführung umzugestalten und die Eisenbahnen und Wege zu erneuern, die von den deutschen Streitkräften bei ihrem Rückzuge zerstört wurden. Diese Meldung ist in Verbindung mit den Nachrichten aus Südafrika , die von schwersten Verlusten des Expeditionskorps sprechen, ein glattes Eingeständnis des völligen Mißlingens des britischen Angriffes auf die deutsche Kolonie, deren endgültige und vollständige Eroberung bereits für das vergangene Jahr fest in Aussicht gestellt wurde.
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Cngttfcke Lüftungen gegen clie O Koste.
Unsere Feinde suchen eifrig nach Mitteln, der wachsenden U - Boot - Gefahr Herr zu werden. Die amerikanische Zeitung .Boston Transcript" meldet:
Bei Erklärung des verschärften Unterseeboot-Krieges brachte die Submarine Boat Corporation ihre letzte Lieferung von 60V Unterseebootszerstörern zum Versand, die in 660 Tagen auf Rechnung der englischen Regierung gebaut waren. Die Fahrzeuge haben 70 Fuß Länge. 12 Fuß Breite.
4'/- Fuß Tiefgang, was die Wirkung des Torpedos außerordentlich erschwert, und besitzen Motore von 600 Pserde- kräften. Sie erreichen eine Geschwindigkeit von 22 Knoten. Ihr Aktionsradius ist bei letzterer Geschwindigkeit 700 Meilen, bei 14 Knoten jedoch 1500 Meilen. Die Fahrzeuge wiegen sehr wenig, sind außerordentlich manövrierfähig und können zehntägige Reisen unternehmen. Es sind die wirksamsten und fürchterlichsten Gegner der Unterseebote Die Unterseebootszerstörer erfordern die Mitwirkung von Flugzeugen, Heren Führer ein Unterseeboot bis aui 12 Meter Tiefe aus einer Höbe von 800 bis 1000 Meter entdecken kann.
Das hört sich furchtbar an. Aber erstens kann man so wie so schon an amerikanische Nachrichten von vornherein berechtigte Abstriche machen und außerden sieht in der Praxis manches anders aus als auf dem Papier. Bei glatter See mögen sich diese ffachgehenden Fahrzeuge vielleicht einigermaßen sicher bewegen, bei Wind und Wellen kommt es aber anders. Unsere U-Boote haben sich bisher jedem Gegner gewachsen gezeigt.
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bin engttkke,' borpeciobootsrerstörer versenkt.
Das Kommandoschiff der Dover -Flottille.
Die Neederlandsche Telegraaf Agentschap meldet nach Mitteilungen von unterrichteter Seite:
Das Kommaudoschiff der Torpedoboot-Flottille von Dover „Laforey" ist am 2». März 5 Seemeilen nordwestlich von Kap Grisnez torpediert worden und gesunken.
Der .Laforey" ist einer der neuesten Torpedobootszerstörer Englands. Er stammt aus dem Jahre 1913, hat eine Wasserverdrängung von 880 Tonnen, eine Schnelligkeit von 29 Seemeilen und eine Friedensbefatzung von 100 Mann. — Kap .Grisnez", wo der „Laforey" von einem deutschen U-Boot versenkt wurde, liegt in der Straße von Calais. Es ist der Punkt der französischen Küste, der der englischen am nächsten ist.
Englischer Minenzerstörer gesunken.
Die englische Admiralität meldet, daß am 3. April ein Minenzerstörer alten Typs auf eine Mine gelaufen und gesunken ist. 24 Mann der Besatzung werden vermißt.
Bergen , 6. April. Ein hiesiger Dampfer brachte die Besatzung des torpedierten englischen Fischdampsers „Bretelle " aus Grimsby ein. die er in erschöpftem Zustande an Bord genommen batte.
Kopenhagen , 6. April. Die dänische Gesandtschaft in London hat dem Minister des Auswärtigen mitgeteilt, der dänische Dampfer .Bergenhus" (3606 Tonnen) der Forenede Dampfskibssekskab. von England nach Dänemark mit Stuck- gut unterwegs, sei versenkt worden.
London , 5. April. Das Reutersche Bureau erfährt, daß ein weiteres Boot des englischen Dampfers .AInwick Castle" (5900 Tonnen), der am 19. März torpediert wurde, mit 19 überlebenden aufgefunden wurde. Letztere wurden in Newyork gelandet. Bon den an Bord des Dampfers befindlichen Personen sind zusammen 116 gerettet worden und 15 getötete 25 werden vermißt.
Versenkte norwegische Schiffe.
Nach einem Telegramm des norwegischen Generalkonsuls in Bilbao an das normen,che Ministerium des Äußern wurde der Bergener Dampfer .Farmand" (1386 Br.-Reg.-To.) mit einer Kohlenladung von Cardiff nach Lissabon unterwegs, von einem deutschen U-Boot versenkt. Der Toensberger Dampfer .Havlyst" in Ballast von Sandefjord nach England unterwegs, wurde Montag abend westlich von Lindesnaes versenkt. Der Bergener Dampfer „Mauranger", der am 20. Dezember mit einer Kiesladung von Bomaron nach England abgegangen war, wird als verloren betrachtet. Die Besatzung bestand aus 15 Mann; die Ladung war für 850 000 Kronen versichert. Der Dampfer „Konsul Persson", nach England unterwegs, wurde in der Nordsee von einem U-Boot versenkt. Die Mannschaft war Zeuge, wie dasselbe U-Boot einen unbekannten Dampfer aus Haugesund in Brand steckte.
Norwegens große Schiffsverluste.
Laut „Tidens Tegn" sind seit dem ' Februar 105 norwegische Schiffe von zusammen 166 000 Tonnen Gehalt versenkt worden, hiervon allein im März 64 Schiffe mit 103 000 Tonnen.Die norwegische Flotte ist seit Neujahr um 149 Schiffe mit 233 000 Tonnen Gehalt zurückgegangen.
Laut „Norges Handels og Sjöfartstidende" sind seit Anfang März 17 norwegische Dampfer dem Versuch, Kohlen und Koks aus England nach Norwegen zu holen, zum Opfer gefallen. Die Bergener Handel flotte allein hat im März einen Verlust von 17 Schiffen mit zusammen 29 000 Tonnen erlitten._
XriegsLnleike rmä Kenwer.
Eine erstklassige Hypothek.
Ein erfahrener Großbankier gab dem Verfasser dieser Zeilen einst den Rat. sein Kapital zu ie einem Drittel in Staatspapieren, in ersten Hypotheken und guten Aktien anzu- legen; dann könne nie alles verlorengehen und es bleihe so außerdem die Möglichkeit höheren Gewinnes. Und zahlreiche andere Rentner werden von dem Bankier ihres Vertrauens wohl den gleichen Vorschlag gehört haben. In der Tat hat er sich auch bisher vollkommen bewährt. Nun aber, wenn der Hypothelenmarkt schwankt und die Überproduktion von Miet- Wohnungen den Hypothekenschuldner drückt, dann können immerhin Schwierigkeiten entstehen, selbst hier, wo doch ein unverrückbares Gut, daß Haus, verpfändet ist. Um wieviel sicherer muß nicht eine Kapitalsanlage erscheinen, wenn nicht nur ein HauS. der Besitz eines Mannes hastet jür das Darlehen. sondern wo dies das ganze Deutsche Reich tut mit der Steuerkraft einer Bevölkerung von 70 Millionen, mit seinen gewaltigen Kräften, mit Grund und Boden. Industrie und Handel. Eisenbahnen und Schiffahrt, der Intelligenz und Tatkraft der Bewohner.
So stellt sich jede unserer Kriegsanleihen dar als eine erstklassige Hypothek auf das Deutsche Reich. Ja. die Kriegsanleihe-Papiere vereinigen in sich die beiden Eiaen-
ickaften des Staatspapieres und der erststelligen Hypothek s>. bilden all o. wenn man dem Rate jenes Großbankiers solae» unu.. den klug bandelnden Rentner zwei Drittel der zweck, mäßigsten Kapitalsanlage. Und wenn daneben der Rentner noch seinen Besitz an guten Aktienpapieren beibehält, so dan er von allen anderen Staatsbürgern auf das höchste beneide» werden. Denn bei der großen Geldflüssigkeit, die mit unserem großen Nationalwohlstande zusammenhängt, waren in den letzten Jahren, trotz der schwierigen Lage auf dem Baumarkte! rlsikolose Hypotheken meist nur zu 4°/.unterzubringxn wahrend letzt mindestens sieben volle Jabre 5°/° gewähr, leistet sind.
Das bedeutet für den Rentner eine Erhöhung seiner Jahreseinnahme, und diese dürfte namentlich den kleineren und mittleren Rentnern um, so mehr willkommen sein, als jn uue letzt schon, auch in der nächsten Zukunft eine ivesent- liche Verteuerung aller Gegenstände des täglichen Bedarfs
reiche Privatleute für ihr eigenes Kapital und große von klugen Leuten geleitete Aktiengesellschaften, die doch für Lre gewlffenhafteste Verwaltung des ihnen anvertrauten fremden Kapitals vor dem Gesetze verantwortlich sind, wie wir jetzt auch wieder sehen, sich mit vielen Millionen an der Kriegsanleihe beteiligen, so geschieht es sicher nicht nur aus reinem Patriotismus, der gewiß anerkennenswert ist. sondem doch in der Hauptsache in der richtigen Erkenntnis, daß eben die Kriegsanleihe die sicherste und beste Kapitalsanlage darstellt. Und das dürfte denn auch für den Rentner ein wertvoller Fingerzeig sein. Mit anderen Worten: Jeder Rentner wird in seinem wohlverstandenen eigenen Interesse handeln, wenn er all sein verfügbares Geld jetzt Lei der sechsten Kriegsanleihe anlegt.
Für unsere Schulretruten! So ist das Leben! Die einen gehen, die anderen kommen! Taufende er- wartungsfroher Kinderherzen sagen zur Osterzeil der Schule und damit der schönsten Zeit ihres Lebens Ade, und Tausende munterer Plappermäulchen betreten, geführt von liebender Mutterhand, zum erstenmal das Schulhaus, mit dem sie eine jahrelange treue Freundschaft schließe» sollen. Manch deutscher Vater wird in diesen Tagen seine Blicke vom Schützengraben nach der Heimat richten mch im Geiste feinen Liebling auf dem ersten Gang zur Schule begleiten. Die gute Mutter hat daheim de» Kleinen ja treulich behütet. Wie mannigfaltig find doch die Gefühle und Gedanken, die gerade zur Osterzeit die Herzen so vieler Eltern bewegen. In der einen Familie rüstet man sich zur Entlastung de- „Ältesten", und in der anderen freut man sich auf den ersten Schulgang des „Jüngsten" Wenn Palmarum vorbei war, da traten zu Friedenszeiten die „Zuckertüten" in den Vordergrund vieler Schaufenster. Heuer wird's knapp werden mit der Füllung für die Tüten. Wo heute verständige Eltern und Verwandte sich über den ersten Schulgang eines Kindes freuen, da wissen sie auch, wie sie ihrem Liebling neben einer kleinen süßen Freude einen viel größeren Dienst erweisen können, den der Kleine heute freilich noch nicht verstehen kann. Aber in späteren Jahren wird es die deutsche Jugend sicherlich einmal ihren Ellern Lanken, daß diese im dritten Kriegsostern 1917 die Zeit zu nützen verstanden haben. Wo es sich ermöglichen läßt, sollten Eltern, Paten und Verwandte unseren Schulrekruten Heuer eine Kriegsanleihe kaufen. Das ist die best« „Versicherung" für unsere Jugend. Und wie schnell find bei den bequemen Zahlungsbedingungen im Verwandtenkreise 100 Mark aufgebracht! Wo ein Wille, ist auch ein Weg!
Oie finnen unä ikr !^rmä.
Von H v. Revelstein.
Es ist ein schönes Land, das Land der Tausend Seen und ^ wehmütigen Volksweisen, zwar arm an natürlichen Schätzen, aber überreich an Naturschönheiten von herber, skandinavisch-nordischer Eigenart. Es ist eine schwermütig- schöne Elegie von dunkeln, von Moos und Flechten über- fponnenen Granit- und Porphyrfelsen, von finster schattenden, unabsehbar weit über Berg und Tal sich Anziehenden Nadelwaldungen, von tief einschneidenden Fjorden und weitverzweigten Binnenseen, die allenthalben von einem endlosen Gewirr bewaldeter Insel- und Felsklippen bedeckt sind. An den Küsten wie im Innern des Landes geben die „Skären" der finnländischen Landschaft ihr charakteristisches Gepräge: es gibt hier keine scharfe Grenze zwischen Land und Meer, in breitem Gürtel von oft mehr als 50 Kilometer Breite. bildet dieses Labyrinth von großen und kleinen Felsklippen den Übergang.
An dem Ufer der langgestreckten Binnenseen kann man meilenweit durch die stillen Wälder wandern, ehe man gus
frauen Kerzen.
Von 3N. Eitner. (Nachdruck verboten.)
Frau von Bredows Genesung schritt langsam vorwärts, aber man konnte doch täglich eine kleine Besserung wahrnehmen.
Als Falkenberg ihr die ersten Veilchen aus seinem Park als Boten des nahenden Frühlings brachte, dankte sie ihm herzlich und gestand ihm, wie sie mit Sehnsucht auf volle Einkehr des Lenzes wartete, um ihn in Neudorf zu genießen.
Und der Lenz kam, mit Sonnenschein, Grünen und Knospen, mit dem Triumphgesang der Vögel, die von Zweig zu Zweig hüpften und flatterten und ihrer Frühlingsfreude Ausdruck gaben.
Die Lerchen sangen hoch in den Lüften, der Fink jubilierte, von den Zweigen der Tannen und Kiefern herab, und dort, wo Wasser und Laub sich vereinten, sang die Nachtigall ihr köstliches Lied, bald in Triller ausbrechend, bald in sehnsuchtsvollen Tönen sich ergehend.
Noch vor Mitte Mai kam Falkenberg und erklärte: „Jetzt ist die schönste Zeit für die Uebersiedelung. Wes knospet, grünt und blüht. Schloß und Park sind bereit zum Empfang so lieber Gäste."
Bei Bredows war alles vorbereitet für die sofortige Uebersiedlung der beiden Damen.
„Wir fahren in ein Märchenland hinein," sagte Frau ; von Bredow lächelnd, als sie in den großen Weg einbogen, I der durch den Park zum Schloß von Neudorf führte. s
Ueber den Birken lag der hellgrüne Frühlingsschleier. § Maiglöckchen und Waldhyazinthen blühten tm Schatten ! der Bäume, und in den Anlagen vor dem Schloß prangten Tulpen und Hyazinthen in den herrlichsten Farben. s
Als Frau von Bredow an Falkenbergs Arm die große ^ Schioßhalle betrat, sagte sie: „Noch »ie empfand ich die , Allgewalt des Frühlings so wie heute. Neudorf wird wie rin Jungbrunnen für mich werden."
„Das gebe Gott, " emgegnete Falkenberg herzlich.
Als der Landrat, der Frau und Tochter begleitet batte, sich am Abend verabschiedete, bemerkte er zu Falken- ,
berg: „Meine besten Schätze übergebe ich dir und weiß, daß sie in treuester Hand sind. Immer fester schmieden uns Gottes Wege zusammen."
„Immer fester," wiederholte Falkenberg leise.
Der Aufenthalt auf Schloß Neudorf förderte Frau von Bredows Genesung sichtlich.
Falkenberg batte mit dem Landrat vereinbart, daß die beiden Damen ihr Reich für sich hatten, an nichts gebunden waren, die Zeit der Mahlzeiten selbst bestimmten. Er hatte Christa gebeten, genau den Küchenzettel für ihre Mutter anzuordnen. Wie zu Haus sollten sie sich fühlen, durch nichts beengt, durch nichts gestört werden, bis Frau von Bredow so weit sein würde, daß ein gemeinsames Leben ohne Schaden für sie durchgeführt werden konnte.
Einmal am Vormittag und einmal gegen Abend fragte er an, ob er Frau von Bredow für kurze Zeit sehen durfte.
Mit Christa traf er öfters im Park zusammen.
Oft genug hatte sie diesen Park im Frühlingsglanz gesehen, aber noch nie hatte sie Gelegenheit gehabt, die Entwicklung des Frühlings von einem Tag zum andern beobachten zu können.
Wie in köstlichem Traum lebte sie dahin, und früh lick sagte sie eines Morgens, als Falkenberg sie im Park traf: „Es ist mir gerade zumute, als sei die Kinderzeit zurückgekehrt, und ich durchlebte eine Szene aus „Tausend und eine Nacht." „Die Welt wird schöner mit jedem Tag," so möchte man mit den Vögeln jubeln, dem Himmel entgegen. Noch nie sah ich Neudorf mit solchen Augen an wie jetzt, nun es einen so herrlichen Einfluß auf Mutter ausübt. Sie ist schon so unternehmungslustig, daß sie mir heute früh erklärte, eine solche Absperrung sei für sie absolut nicht nrehr nötig, sie würde sich sehr gern der gewöhnlichen Hausordnung einfügen in bezug auf die Mahlzeiten, aber ich habe sie dazu vermocht, noch ein Weilchen so wie bisher weiter zu leben. Eins aber soll ich in jedem Fall von Ihnen erbitten: daß wir zusammen musizieren. Sie möchte auch etwas hören."
„Daß Ihre Mutter sich nur nicht zu viel zumutet," ent- gegnete Falkenberg. „Wir werden natürlich nicht zuerst die Kreuzer - Sonate wählen, sondern zarle, beruhigende Sacken." - - -
Täglich von da an musizierte Falkenberg mit Christa zusammen, erst für eine halbe Skunde, dann während einer ganzen Stunde.
Frau von Bredow kam in das Musikzimmer, und aus ihren Augen, die lange Zeit hindurch so müde geblickt hatten, leuchtete jetzt wieder die Helle Freude am Leben heraus.
Sie beobachtete oft mit Staunen Falkenberg. Noch nie hatte sie ihn so frisch, so fröhlich gesehen wie jetzt. Es kostete sie geradezu Mühe, sich klar zu machen, daß er ein Altersgenosse ihres Mannes war. Aus seinen Augen leuchtete mitunter ein Etwas heraus, das ihr zu denken gab. Und auch über Christas Wesen lag etwas wundersam
Sonniges, das sie geradezu beglückte, war doch ihr Mutter- Herz in großer Sorge gewesen, meinte sie doch, ebenso wie ihr Mann, daß in den Herbstwochen ein Reif sich über Christas Frühlingsleben gelegt und das erste, zarte Blühen eines jungen Herzens zerstört hatte. Christas Herz mußte doch nicht so gelitten haben, wie sie fürchtete, sonst würde nimmer aus ihren Augen der sonnige Strahl her- vorbrechen, den sie jetzt beobachten konnte. Und in mancher stillen Stunde erschrak Frau von Bredow über sich selbst, weil sie einen Gedankenfaden nach dem andern span », weil ihre Phantasie ihr Bilder vorgaukelte, an deren lieber- tragung in die Wirklichkeit sie doch nicht zu glaube» vermochte.
Der Landrat kam zwei- oder dreimal während der Woche gegen Abend nach Neudorf geritten. Es wäre» trauliche Stunden, die dann in der geschützten Veranda verlebt wurden.
Eines Abends, als der Landrat sein Pferd bestiege» hatte, um heim zu reiten, und Falkenberg noch neben ih>» herging bis zur Einfahrt in den Park, sagte letzterer- „Weißt du, Hans, noch nie ist mir mein Neudorf so lie» gewesen wie jetzt. Durch die Anwesenheit deiner Fra» und Christas erscheint mir mein Schloß wie ein Paradies-
„Das ist ja die alte Geschichte," entgegnete der Landrat. „Du glaubst immer, du bist der Nehmende, während d» der Gebende bist. Daß man dir doch auch mal etwas gebe» könnte das über das gewöhnliche Mab binausaeüt."
(Fvryetzung folgr.-