kämpfen, wenn es sein musiie. Aber anderswo sah man ungern die .Verständigung"' mit den Polen bedroht und Herr Wilson, den man telegraphisch an das Vorhandensein von 800 000 Deutschen allein in der Provinz Posen erinnert hatte, blieb stumm ivie das Grab. Im letzten Augenblick scheinen die Polen durch bestimmte Nachrichten aus dem Ententelager ermutigt worden zu sein, oder die Stagnation der politischen Entwicklung in Warschau hat sie zu kühnen Entschlüssen angetrieben — kurz, sie schlugen los in dem Augenblick, da es ihnen gut und nützlich dünkte. ^
Und müssen wir nicht auch Oberschlesten, ja müssen wir nicht auch Westpreußen gleichfalls schon so gut wie verloren geben? Die Feder sträubt sich wohl, solche Gedanken und Befürchtungen zu Papier zu bringen; aber vergrößern wir nicht lediglich die Gefahren, indem wir ihnen ausweichen, statt sie mutig aufs Kor > zu nehmen? Daß bei den Putschen und Ausständen im oberschlesischen Kohlengebiet die Polen ihre Hand im Spiele haben, wird von keiner Seite bestritten, und daß der Zweck der ganzen Übung dort darin besteht, Vorwände für eine fremdländische Jnter- ventionzu schaffen, um dem neuen Polenreich auf diese billige Art und Weise auch die unentbehrliche Jnduftriebasis zuzuschanzen, kann jeder Blinde mit dem Stoff fühlen. Und Danzig ? Auch hier hat sich bereits ein Volksrat gebildet
— in einer Stadt, die ganze zwei Prozent Polen in ihxer MitÜ birgt! Soweit ist es gekommen, „Danzig wird und muß polnisch werden* — die Polen machen daraus gar kein Hehl. Ihr sagenhaftst General Haller spukt bereits vor den Toren; aber es ist vielleicht wirklich nur «ine Frage der Zeit, kurzer Zeit, wann er leibhaftig urd an der Spitze einer namhaften Armee Einlaß begehren wird. Die Polen wollen es so, und sie berufen sich auf
— Milion.
/Die Haltung deslReichsregiermig. /
Nach^einer"amtlichen^Äu8laffung sind die Berliner Behörden durch die Vorgänge in Posen völlig überrascht worden. Die polnischen Führer erklärten immer wieder aufs neue, sie hätten durchaus keine Ursache, angreifend gegen die Deutschen in Posen vorzugehen und sich durch Gewaltmaßnahmen den Unwillen der Entente zuzuziehen. Auch heute noch sollen die Führer bei dieser Erklärung beharren und bemüht fein, die Ordnung wiederherzustellen und aufrechtzuerhalten bis zur Entscheidung durch die Friedenskonferenz. Es ist jedoch nahezu unmöglich, ein klares Bild der Lage zu gewinnen, da alle Verbindungen mit Posen unterbrochen sind und weder das Reichsamt, noch das preußische Ministerium des Innern andere Nachrichten hat, als die in der Presse veröffentlichten.
Vor einigen Tagen sind Minister Ernst und Unterstaatssekretär Göhre vom Kriegsministerium nach Posen gereist, um dort mit den Polen zu verhandeln. Die Regierung ist zu großen Zugeständnissen bereit und will vor allem die Durchführung der Aufhebung der Ausnahmegesetze, die bereits in Angriff genommen waren, nun, den Forderungen der Polen entsprechend, schnell durchführen. Die beiden Regierungsvertreter sind noch nicht aus Posen zurückgekehrt, werden aber erwartet, und dann erst wird man einen klaren Überblick über die Verhältnisse in Posen und über die Umstände, die zu diesem plötzlichen Aufflammen des Aufruhrs geführt haben, gewinnen können.
Das preußische Ministerium ist am Werk, eine umfangreiche Denkschrift über Posen herzustellen, die alles Material und alle Gründe, die für den Anschluß großer Teile Polens an das Reich sprechen, sammeln und in wissenschaftlich objektiver Form darstellen soll. Diese Denkschrift soll der Friedenskonferenz vorgelegt werden. — Mit dieser Denkschrift allein dürste es der Regierung wohl kaum gelingen, der polnischen Gewaltherrschast ein Ende zu bereiten.
Die augenblickliche Lage in Posen.
Das Grenadierregiment Nr. 6 und das Feldartillerieregiment Nr. 20 halten noch immer ihre Kasernen, in denen sie sich verschanzt haben, sie wollen aber ebenfalls die Stadt verlassen. 250 aus dem Osten kommende deutsche Soldaten wurden von den Polen bis auss Hemd ausgezogen und ausgeplündert. Im übrigen beschränken sich die Polen keineswegs auf die Stadt Posen , sondern dringen weiter nach Westen vor. In der Gegend von Meseritz ziehen plündernde polnische Banden umher. Die Lage ist höchst ernst, da sich auch bereits andere Ortschaften in Westpreußen und Posen den Polen anaekMMen bube». Es mivi»
Die Schule -er Zukunft.
Von Prof. Dr. F. Kemstes.
Nach der inneren Umwälzung find verschiedene tief einschneidende Änderungen auf den Gebieten der Erziehung, Schulorganisation und Lehrerbildung nur noch Fragen der Zeit. Zu einer Reihe von geplanten oder in Angriff genommenen Punkten hat bereits der Deutsche Lehrerverein sich fachmännisch geäußert und erwartet ihre verfassungsmäßige Sicherstellung in den Grundrechten des deutschen Volkes. Äußerlich ergibt sich eine beträchtliche Übereinstimmung zwischen den Sätzen des Lehrervereins und den angekündigten Maßnahmen, im Kern der Sach« bleiben aber noch manche Unklarheiten zurück.
Die oberste Forderung des Deutschen Lehrervereins lautet: „Bolle körperliche und geistige Ausbildung der gesamten Volksjugend nach den Grundsätzen der Erziehungswissenschaft.* Sie klingt eigentlich selbstverständlich, und ihre restlose Erfüllung würde dem neuen Staate sittliche und kulturelle Werte schaffen, die in der Jugend zu erwecken find; neben geistig-moralischer Reife und Selbständigkeit daS, was not tut, staatliches und soziales Ge- meinschasts- und Verantwortungsgefühl, Fähigkeit zur Selbsterziehung, Selbstverwaltung und Selbstregierung.
Der Beginn und Sinn der deutschen Erziehungs- wiffenschast ist bei Pestalozzi zu finden. Als der große Meister um die Wende des 18. Jahrhund erls daranging, die Quellen des Volkselends in der Schweiz , die grenzenlose geistige und sittliche Verwahrlosung zu veri opfen, trachtete er naturgemäße Wege einzuschlagen, um alle menschlichen Anlagen der Volksjugend harmonisch zu entwickeln. Indem er seine Zöglinge mit einer tieferen Allgemeinbildung ausstattete, hoffte er, daß sie nun gemäß der eigenen Kraft sich einen Platz im Staats- und Wirtschaftsleben erringen und die gesellschaftlichen Zustände des Landes bessernd beeinflussen würden.
Seine Unterrichtsmethoden und der soziale Grundgedanke wurden nach dem Zusammenbruch des preußischen Staates 1806/7 als fruchtbare Keime in unsere Vorschule verpflanzt, weil sie geeignet erschienen, lebensstarke Person- lichkeiten heranzubilden, die dem Staatsgefüge einen neuen
behauptet, daß die Posener Polen beabsichtigten, am 9. Januar offiziell den Anschluß der Provinz Posen an die polnische Republik zu proklamieren. Gerüchtweise verlautet, bei Skalmierschütz hätten auch schon reguläre polnische Truppen die Grenze überschritten. Die Nachricht, ebenso wie die Meldung aus Warschau , daß Polen mobilgemacht habe, bedürfen noch der Bestätigung. Die örtlichen ASR in Wreschen , Miloslaw und Schroda sollen den Anschluß an das Königreich Polen bereits offiziell vollzögen haben.
Volksbeauftragter Laadsberg will Taten.
Der Volksbeauftragte Landsberg gab in Breslau in bezug aus die Polen - und Tschechenfrage die Erklärung ab, daß die Regierung nicht gewillt sei, vor irgendeiner Rachbarnation» die etwa vor dem Friedenskongreß Gebiet, das zu Deutschland gehöre, wegnehmen wolle, zu kapitulieren, solange sie die Macht zum Widerstande habe. Die deutsche Ehre sei der Regierung heilig, deutsches Land lasse sie sich nicht nehmen; sie werde allen Übergriffen mit allen Machtmitteln entgegentreten. Kein Volk habe, nachdem der Waffenstillstand geschlossen sei, daS Recht, den Krieg fortzusetzen und dem Friedenskongreß vorzugreifen. Gegen die Anwesenheit von PaderewSky und des englischen Obersten Wadde in Posen ist seitens der Reichsregierung durch die Waffenstillstandskommission Einspruch bei der Entente erhoben und gefordert worden, daß diese sofort abreisen sollen. _
Lebensmittelversorgung Deutschlands .
Amerikanische llntersuchungskom Missionen.
Der amerikanische Lebensmittelkontrolleur Hoover hat Wilson einen Bericht über die Lebensmittellage in Deutsch land unterbreitet, in dem gesagt wird, die Lage ist schlecht, aber keineswegs so, wie die Deutschen sie darstellen. Er befürwortete die Aufrechterhaltung des bereits angekundigten Programms der Vereinigten Staaten , nach dem zunächst die Alliierten, dann die Neutralen und erst in letzter Linie die feindlichen Staaten mit Lebensmitteln versorgt werden sollen. Was die feindlichen Staaten betrifft, so werde Deutsch-Österreich von Deutsch land versorgt werden müssen.
Von hier aus kommend, trifft demnächst in München eine amerikanische Kommission aus dem Gefolge Wilsons ein, die zunächst in Bayern und dann im übrigen Deutschen Reiche die politische Lage und die Verhältnisse der Lebensmittelversorgung studieren soll.
Zeit- und Streitfragen.
Stimmen aus allen Parteien.
Der kritische Zustand
überschreibt der Berliner Vorwärts, der während der Weihnachtsfeiertage selbst für einen Augenblick durch Überfall in die Hände einer Gruppe von Putschisten geriet, seinen letzten Leitartikel. Es heißt darin:
Wie lange, glaubt man, würde sich die Masse der arbeitenden Bevölkerung Berlins eine solche zügellose Banden- berrschast gefallen lasten? Schon jetzt hat der Despotismus, der von einer kleinen Minderheit ausgeübt wird, einen Grad erreicht, der nicht mehr ertragen werden kann und es ist notwendig, den Widerstand gegen ihn zu organisieren. Die Arbeiter werden sich nicht mehr irreführen lassen durch das Schlagwort „Gegenrevolution", mit dem man alles zu kompromittieren versucht, was geeignet ist. der Willkürherrschaft einer gewalttätigen Minderheit Schranken aufzuerlegen, Schutz der Republik , der Demokratie, der persönlichen Freiheit, Unterstützung der sozialdemokratischen Regierung gegen die Unterdrückung, die Einschnürung, die Bedrohung, die tagtäglich gegen sie versucht wird, das ist keine Gegenrevolution, sondern Schutz der revolutionären Errungenschaften gegen ein verbrecherisches Treiben, das sie zu vernichten droht. Wir müssen den Dingen klar ins Auge sehen. Daß wir nicht Gewalt, sondern Freiheit, nicht Bürgerkrieg, sondern Einigkeit wollen, bedarf keines Beweises mebr. Aber wir wissen auch, daß die andern ihre Sache auf nackte Gewalt und Bürgerkrieg gestellt haben. Darum dürfen wir keinen Augenblick vergessen, daß wir jede Minute bereit sein müssen, für unsere Genossen in der Regierung und damit für die Sache der Sozialdemokratie bis zum allerletzten einzustehen.
»Die einzige Hoffnung."
und der dadurch geschaffenen Situation sagt die Deutsche Tageszeitung:
^ Für die Freunde der Ordnung ergibt sich aus alledem, daß dre Hoffnung, die provisorische Regierung werde Rechtssicherheit und geordnete Zustände schaffen, aufgegeben werden muß. Entweder fehlt ihr die Kraft oder schon der Wille dazu oder beides. Die einzige Hoffnung bleibt demnach die Nationalversammlung. Niemand, der Ordnung in Deutsch- land will, öarf bei den Wahlen dazu nach den letzten Vor- gangen noch seine Stimme für die gegenwärtigen Regierungsparteien abgeben! Welche Steine die Verschlechterung der inneren Lage zugleich der Nationalversammlung auf den Weg wälzt, liegt auf der Hand. Um so fester muß der Wille aller Freunde von Ordnung und Freiheit sein, das Recht, das der Volkswille der Nationalversammlung gibt, gegen alle Hindernisse durchzuketzen.
Der Religionsunterricht in den Schulen.
Aufhebung des Hossmannschen Erlasses. > Berlin , 28. Dezember. (Amtlich.)
an
über
§
Mit Rücksicht auf die lebhaften Bedenke«, die vielfach gegen den Erlaß über den Religionsunterricht vom SS. November geltend gemacht worden sind» ordne ich hiermit an, daß seine Durchführung überall dort, wo sie anf ernst« Schwierigkeiten stößt, bis zur Entscheidung durch di« ! preußische Nationalversammlung zu unterbleibe» hat. j
gez. Ha ent sch.
Ferner beabsichtigt das preußische Kultusministerium ^ - vorbehaltlich der Zustimmung der Reichsregierung den / jungen Leuten, die 1914, 1915 und bis Ostern 1916 die regelrechte Versetzung nach Unterprima erlangt und bis zum Schluß des Krieges im Heeresdienst gestanden haben s oder als Kriegsbeschädigte entlassen worden sind, das Reifezeugnis ohne Ablegung einer weiteren Prüfung aus- zuhändigen. —— !
D Oie Londoner Trlnlsprüche.
/Wilson für Recht und Gerechtigkeit.^
^ ^Bei dem feierlichen Empfang durch dm König von England hielt Prädent Wilson in Erwiderung der Be- grüßung durch dm König eine Rede, die einige bemerken»- , werte Punkte aufweist. So sagte er u. a.:
„Wir haben alle große Watte ausgesprochen. Wir haben i die groben Worte „Recht* und „Gerechtigkeit* ausgesprochen. - und jetzt müssen wir zeigen, ob wir diese Worte vnstehen ; oder nicht, und wie sie im Einzelnen auf die Abmachungen anzuwenden sind, die diesen Krieg abschließen müssen. Wir müssen sie nicht nur verstehen, sondern wir müssen auch de« Mut baden, nach unserer Ansicht zu handeln. Nachdem ich das Wort „Mut* ausgesprochen habe, drängt sich m« die Überzeugung auf. daß es mebr Mut erfordern wurde, der , großen moralischen Strömung Widerstand zu leisten, die letzt durch die Wett gebt, als ihr nachzugeben und zu gehorchen. Durch die Herzen der Menschen geht jetzt eine große Strömung. Die Menschen sind sich nie zuvor dessen bewußt gewesen, wre wenig Unterschied zwischen Recht und Gerechtigkeit in den verschiedenen Breitegraden und unter den verschiedenen Staatsgewalten bestand.*
In seiner Begrüßung wieS der König von Englaich darauf hin, daß ein Plan entworfen werden müsse, durch den die Gefahr künftiger Kriege wenn möglich abgewendet werden könne und der die Nationen von der unerträglichen Last befreie, die die Furcht vor dem Kriege ihnen aufgebürdet habe. _
Schutz der Ostgrenze. ?
Berlin , 23. Dez. Wie offiziös verlautet, find »:e Verhandlungen zwischen Deutschland und Litauen zum Abschluß gelangt, und es ist der Beschluß gefaßt worden, die Grenze zu schützen und Insbesondere auch das bedrobte Wilna ans jeden Fall zn hatten. Die deutschen Truppe« werde» noch aus mehrere Monate zum Schutze Litauens im Lande bleibe«, außerdem werden von deutscher Seite der Taryba, d. h. der litauischen Regierung, Waffen zur Verfügung gestellt werden, die von dieser an die litauische«, weiß-rnsfische« und jüdische» BevölkernngSgruppen zur Organisierung einer gemeinsamen bewaffnete» Macht verteilt werde«.
Erleichterter Verkauf von Milttärpferden.
Berlin , 28. Dez. DaS KriegSministerimn hat angeordnet, daß die jetzt stattsindenden Versteigerungen der überzählig werdenden Militärvferde nicht nur in den Demobilmachungsorten, sondern möglichst auch außerhalb derselben vorgenommen werden, so daß auch die Bewohner abgelegener Bezirke Gelegenheit zur Erwerbung von Pferden haben. Wegen der äußerst schwierigen Transvortverbältniffe und des Manaels
Geist einhauchen würden. An der jetzigen Wieüer- aufrichtung des Vaterlandes mitzuarbeiten, darf kein Stand, kein Beruf, keine Volksschicht sich für zu hoch oder zu niedrig erachten. Schule und Lehrerschaft sollen und wollen ihren gemessenen Anteil daran haben. Eine patteipolitische Bindung nach irgendeiner Seite wird durch die Mitwirkung nicht im geringsten festgelegt, sie ist eine rein wissenschaftliche für den Lehrer.
Lehreroereine und Lehreroersammlungen waren indessen stets mit einem Tropfen demokratischen Ols gesalbt. Sie haben die allgemeine Volksschule als unterste Bildungsanstalt für sämtliche Volksgenossen beansprucht und die Errichtung von Vor- und Standesschulen dauernd bekämpft. Angesehene Schulmänner und Gelehrte verlangten in Übereinstimmung mit ihnen die organische Verschmelzung der höheren Lehranstalten und Fachschulen mit der Volksschule zu einer gegliederten Einheitsschule. Der Deutsche Lehreroerein fordert nunmehr, und die Regierung beabsichtigt die Schaffung einer solchen Einheitsschule, die vom Kindergatten bis zur Hochschule hinaufreicht; in ihr das unbeschränkte Recht jedes Kindes auf Bildung und Erziehung nach Maßgabe seiner Fähigkeiten und seines Bildungswillens, ohne Rücksicht auf Vermögen, Stand und Glauben der Eltern.
Darin berühren sich openrundig in breiter Fläche die idealen und sozialen Anschauungen der Lehrer mit den politischen Bestrebungen der Jetztzett, die als Bürgschaft für die Erhaltung und Festigung der neueren Errungenschaften ein in der Einheitsschule herangebildetes, von gleichen sozialen Vorstellungen beherrschtes Geschlecht an- sehen. Die Einheitsschule ist im übrigen keine Gleich- heitsschule.da sie sich nach Begabungen ausgestaltet. Die Gleichheit liegt darin, daß jeder entsprechend seiner Begabung und nicht nach dem Geldbeutel der Eltern oder irgendwelchen Vorrechten erzogen wird. In Frankreich , wo der Gleichheitsgedanke in der Revolution von 1789 eine gewaltige Rolle spielte, find neben den Volksschulen sowohl Vorschulen als auch Privatschulen aller Art anzutreffen, die Einheitsschule fehlt.
Man muß annehmen, daß bei der Stellungnahme der Lehrer die ökonomischen Grundfragen des Sozialismus
rundweg ausscheiden; das Bekenntnis zur Einheitsschule ist i- für sie keine politische Demonstration. ^ /
^ LOr-en un- EhrenMWMA
^Protest gegen die Abschaffung
' Kinder* — Amerikanische Kriegsauszeichmmgen—MÄichs-I und Ritterorden — Höfischer Schmuck — Das „Kapitel* i Widerspruch — Der Stern von Tunam.
Der Beschluß des Berliner Rätekongreffes, alle Orden rm§ Ehrenzeichen abzuschaffen, hat viel Widerspruch und zahlreiche Proteste wachgerufen, wie die Reichsregierung bekcumtsibtt , Die Regierung hat denn auch insofern den Protesten Folge geleistet, als sie den Rätebeschluß durch die Anordnung - milderte, daß Kriegsauszeichnungen weiter getragen werden! dürsten. Die preußische Regierung macht soeben bekannt, daß! eine Verleihung hinfort nicht mehr stattstndet. Doch ist eK jedermann gestattet, ihm früher verliehene Orden, insbesondere - auch Kttegsettnnerungsabzeicheu, weiter zu tragen. Die Ver- leihung von Titeln findet ebenfalls nicht mehr statt. Verliehene Titel können weitergeführt werden. s
Bis jetzt bat so ziemlich jede Revolution den Bettuch der Ordensabschaffung gemacht. Im Jahre 1848 wurde die Ab-, schaffung der Orden wenigstens allgemein gefordert, und die, französische Revublik hatte es mit diesem „Tand aus der Zeit des Königtums* ebenso gehalten. Napoleon freilich meinte,' ohne solch ein „Spielzeug für große Kinder* gehe es nicht.! und er gründete die Ehrenlegion; dieser Orden wurde so de»! liebt, daß ihn weder die späteren Bourbous noch die Republik zu beseitigen wagten. Auch die südamerikanischen Republiken, Venezuela , Chile . Brasilien usw., haben so gut ihre Orden wie die Monarchien. Die Schweiz und die Vereinigen Staaten von Amerika lehnten dergleichen ab, und es gab eine Zeit, da ein rechter Amerikaner sich verpflichtet fühlte, keinen Orden von einem auswärtigen Staate anzunehmen, da sein eigener Staat sich nicht revanchieren konnte. Jetzt ist das/ auch schon nicht mehr so streng; ja bei Beginn des Kriegesj gegen Deutschland bat Amerika selbst Kriegsauszeichmmgen für seine Soldaten geschaffen.
Wie alles in der Welt, hat sich der Begriff des „Ordens* im Laufe der Zeit kehr gewandelt. „Ordo* ist eigentlich eine „Ordnung* und bedeutete zuerst sozusagen eine Art von Vereinsstatut, die Regeln, nach denen eine bestimmte Gesellschaft leben und arbeiten wollte, die Gelübde, die ihre Mitglieder abzulegen hatten. So sprach man zuerst von Mönchen.
^ ' nach dem „Orden*, d. b. der Regel, der Vorschrift, dem,