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» an Warteversonal wird sich diese Maßnahme jedoch nicht f überall durchführen lasten.

- Unsere Lage tn englischer Beleuchtung,

i London , 28. Dez. Über die Lage in Deutschland berichtet ! -er Stockholmer Korrespondent der .Times": Was einem § Engländer, der nach Deutschland kommt, zuerst auffällt, ist s der Zustand völliger Erschöpfung infolge des Druckes der Blockade. Der Gesamteindruck von dieser allgemeinen Er­schöpfung ist so stark, daß man sich nur wundern kann, daß Deutschland so lange ausgshalten hat. Die Blockade bat Deutschland zu Fall gebracht. Deutschland liegt völlig dar­nieder. Man kann sagen, es ist kein kriegführendes Land mehr. Das Deutschland von beute gleicht einem Manne, der 'hei dem Versuche, den Pol zu erreichen, infolge Nahrnngs- .inittelmangels geschwächt, die Hoffnung verlor und sich in den -Schnee sinken ließ. Keine Macht der Erde könne Deutschland j veranlassen, sich zu erheben und die Waffen wieder auf- - Dunehmen: selbst wenn es sich zu einem solchen Entschlüsse difraffen würde, müßten seine Nerven und Muskeln versagen.

Wilson in Brüssel .

«ens. 28. Dez. Präsident Wilson wird nächste Woche in Krüssel eintreffen und dort Gast des Königs sein.

Keine bewaffnete Intervention in Rußland .

Genf . 28. Dez. Nach Havas erklärte Pichon. die Entente wünsche keine bewaffnete Intervention in Rußland , sondern ,nur die Unterstützung der dortigen Gegenrevolution.

Die Tschechen marschieren nach Pretzbnrg.

Wien , 28. Dez. Das tschechische Oberkommando kündigte den Preßburger Behörden an. am 4. Januar würden tschechische "Truppen die Stadt besetzen.

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„lt-Deutschlands " Schicksal.

Mi,t der Besatzung untergegangen.

Das bisher über den Verbleib deS be­rühmten Handels-Unterseebootes..Deutsch­ land " liegende Dunkel lichtet sich jetzt. Das Schiff ist im Juni 1917 im Mittelländischen Meer von einem Engländer gerammt ^ worden.

Ein Kapitän John Thompson von der britischen ^Handelsmarine, der schon längere Zeit von seinen

- Kameraden „Deutscksiand-Thompson" genannt wurde, hat sich während eines Aufenthalts in Newpork zu der Tat bekannt. Die britische Admiralität überwies ihm dafür eine Ehrengabe von 1000 Pfund (20 000 Mark), und vom König Georg erhielt er eine Dienstauszeichnung» die ihn berechtigt, von nun an hinter seinem Namen die Buch­staben I). 8 O. (vistinZuisbeä 8ervivo Orcier — für hervor­ragende Leistungen) zu führen. Als man ihn in Newyork

- nach den Einzelheiten fragte, gab er die Antwort: „Ich bin der Mann, der die „Deutschland " versenkte, aber ich kann darüber nicht sprechen." Es war damals noch Kriegszeit, aber ein Grund zu der Verschwiegenheit ist eigentlich nicht vorhanden. Andere, die den Kapitän kannten und mit ihm gereist waren, offenbar Schiffs­offiziere, erzählen mehr von Thomvsons Schicksalen.

Im Jahre 1915 kommandierte Thompson ein Handels­schiff. In der Biscaya-See wurde er von einem deutschen Unterseeboot angehalten. Ein Offizier kam an Bord und fragte nach der Ladung. .Die Auskunft, die Thompson gab, befriedigte ihn nicht, so daß der Deutsche schließlich den Engländer einen Lügner nannte. Dies Wort ist im Englischen eine äußerst schwere Beleidigung. Thompson wurde wütend, gmg auf den deutschen Offizier los und fchlug ihn zu Boden. Als zwei deutsche Matrosen ihn wieder aufgerichtet hatten, zog er den Degen, und Thompson trug eine Verwundung an der linken Hand davon, von der sein Zeigefinger noch gelähmt ist.

Im Juni 1917, erfahren wir, fuhr Thompson mit einem anderen Schiffe von Malta nach Alexandrien in Ägypten . Ein großes Unterseeboot, das auf ihn zu matten schien, wurde gesichtet. Das englische Schiff war unbe­waffnet, und die einzige Aussicht, der Gefahr zu ent­gehen, war der Versuch einer Rammung. Mehr als eine Stunde kreuzten nun die beiden Schiffe umeinander herum, um sich gegenseitig den Vorteil abzugewinnen. Mehr­fach gab der Deutsche einen Kanonenschuß ab, tat aber nicht viel Schaden. Schließlich gelang es dem Engländer, gerade auf das Unterseeboot loszusteuern und es mitten­durchzuschneiden. Man wußte, daß das frühere Handels- Unterseeboot „Deutschland " bewaffnet worden war und im Mittelmeer kreuzte. Aus seinem besonderen Aussehen und seiner Größe schloß Thompson bald, daß es die „Deutsch­ land " war. und später wurden Rettungsringe u. dgl. aufge­

fischt, die in der Tat diesen Namen trugen. Es kann kein Zweifel sein, daß es sich um die „Deutschland " handelte. Im März 1918 wurde Thomvsons Schiff in der Nähe der Azoren torpediert, und Thompson war etwa 40 Tage lang Gefangener eines deutschen Untersee -Bootes. Zum Glück, sagt der englische Berichterstatter, wußten die Deutschen nicht, daß sie des Mannes Habhaft geworden waren, der ihr bestes U-Boot mit 100 Mann versenkt hatte. Ver­mutlich stellt der Engländer sich vor, daß sonst die Deutschen ihn lebendig geschunden hätten, statt ihn wieder laufen zu lasten, da man an Bord unserer Unterseeboote doch keinen Raum zur Beherbergung von Gefangenen hatte.

Durch diese Nachrichten, die infolge der an Thompson verliehenen Ehrengabe und Auszeichnung wohl glaubhaft erscheinen, erledigen sich die gerüchtweisen Mitteilungen, die gelegentlich durch die englische Presse gingen, daß die „Deutschland " als Beute in einer englischen Werst liege, u. dgl. m. Charakteristisch für den Engländer ist, daß er offenbar keinen Versuch gemacht hat, irgend jemanden von der 100 Mann starken Besatzung zu retten — nur Rettungs­ringe wurden aufgefischt, keine Menschen. Als er selbst torpediert wurde, hatte er das Glück einen „barbarischen Hunnen" als Gegner zu finden, der ihn aufnahm und 40 Tage beherbergte.

Bilanz.

Im deutschen Vaterlande hallt es wider vom Lärm der Waffen, die sich im Wahlkampf kreuzen. In den Einzelstaaten finden bereits Nationalversammlungs-Wahlen statt. Mecklenburg-Strelitz und Anhalt haben bereits gewählt; in Baden wird am 5. Januar, in Württemberg am 12. Januar gewählt; am 19. sollen die allgemeinen Wahlen für das Reich stattfinden.

Es ist erstaunlich, wie sich die Parteien und Men­schen in den neuen Stand der Dinge einfinden. Daß die 20 jährigen und die Frauen wählen, daß der Wahl­tag auf den Sonntag gelegt ward — kein Mensch nimmt mehr Anstoß daran! In normalen Zeiten hätte es „blutige" Wahlkämpfe abgesetzt, auch nur eine dieser Neuerungen durchzusetzen, Ströme von Tinte wären ver­gossen worden, an vielen Orten des Vaterlandes hätte die „Volksseele gebebt" und ganze Parteien hätten ihr ehernes „niemals" in die politische Arena geschleudert! Und nun diese Wandlung. Die konservativsten Leute reden vom Frauenwahlrecht, als ob es von je ein eiserner Bestand ihrer Weltanschauung gewesen wäre. So ver­mögen ein paar Dutzend Handgranaten und Maschinen­gewehre in der Hand „entschlossener Revolutionäre" Wirkungen des „Fortschritts" auszulösen, die man sonst nicht erreicht hätte.

Die Wahl am Sonntag. Würde nicht da und dort ein evangelisches Sonntagsblatt gegen die Entheiligung des Sonntags durch die Wahlhandlung protestieren — es wäre kaum eine Erregung zu merken. Alle diese ge­waltigen Eingriffe in geheiligtes Herkommen werden fast widerspruchslos ertragen. Die Revolution kann mit ihrer Bilanz zufrieden sein und die die Autonomie des Sitt­lichen vertretenden Moralisten werden nicht ohne bedeut­samen Aufblick feststellen, daß Sitte und Sittlichkeit wenig miteinander zu tun haben.

Unser Volk hat den Sturz des geschichtlich Her­kömmlichen ohne Seelenkämpfe den modernen Bewußt­seins-Inhalten eingegliedert. Es hat den Sturz der Monarchien fast lautlos ausgenommen. Gewiß nicht das ganze Volk. Ein großer Rest von Edelingen ist vor­handen, der sich den Treuen und Mannhaften zugesellt, in denen die sittliche Macht geschichtlicher Auffassung, die man in ihrer Anwendung auf die Monarchie Royalismus nennt, lebendig bleibt. Aber die Tatsache kann nicht verschleiert werden, daß in weiten Kreisen des Volkes die monarchischen Ueberzeugungen nicht allzu lebendig waren und jedenfalls nicht dem Partei- und Gesellschafts­bilde als lebendige Tat beizuzählen sind. Es ist ein Posten der politischen Bilanz, daß der Gedanke der Monarchie nicht von einer durchgreifenden Popularität getragen wird.

In einem Punkte indes zeigen sich Sitte und Sitt­lichkeit in konservativer Auffassung konform» stimmen

sie überein. Das ist die Stellung zum Eigentum. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß das spezifisch­sozialistische von der Mehrheit des deutschen Volks abgelehnt wird und wir glauben auch, daß dies bei den Wahlen zum Ausdruck kommt. Wer der Volksseele auf den Grund schaut, Erkennt dort eine einorganisierte Leiden­schaft für das persönliche Eigentum. Bis in die Kreise der Lohnarbeiterschaft hinein prägt sich ein Widerstand gegen eine Sozialisierung aus, die alles und jedes Eigen­tum unmöglich macht. Der moderne Sozialismus nimmt ja auf diese Tatsache klug Bedacht und lehnt darum jeden weitgehenden Kommunismus ab; er hat begriffen, daß der Jndividualgeist der mächtigste Hebel in der Seele des Menschen ist. Und zweifellos' geht der ge­mäßigte Sozialismus darauf hinaus, sein ganzes Sozia­lisierungssystem von dieser Tatsache beeinflussen zu lassen. Das haben Unabhängige und Spartakusleüte begriffen, daher der sonst unversönliche Haß gegen die „Revisionisten ".

Die „Heiligkeit des Eigentums" erscheint in der Tat als eine der wenigen „Heiligtümer", die von der Revo­lution fast unberührt blieben. Der konservative Sozial­politiker darf sich darüber freuen, denn er baut seinen Staat und seine Gesellschaft bei aller scharfen Umrahmung durch Ordnung und einschränkende Gesetzlichkeit eben auf der gewaltigen Jndividualmacht auf, die Gottes Weisheit als ein bauendes Prinzip der menschlichen Seele einver­leibte. Der Nur-Ethiker freilich wird sich sagen, daß es kein tröstlicher Ausblick in das Land des neuen Ideals sei, das Eigentum, das mit der Wesenheit des Egoismus scharf verbunden ist, fast als das einzige voll ms tariere im sittlichen Haushalt des Volks anzutreffen. Doch bei alledem: daß das Eigentum seine Bedeutung als gesellschaftsbildendes Element so überragend geltend macht, gehört zu den erfreulichen Posten der Bilanz. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß von hier aus eine Um­biegung der Revolution in Reform kraftvoll einsetzen wird. A. R.

Aus Bade«.

Aus Freiburg schreibt uns ein Mitglied der „Christlichen Volkspartei":

In Nr. 290a des „Frbrg. Bote" vom 14. 12. 1918 wird an hervorragender Stelle unter der etwas alar­mierend klingenden Ueberschrift „Juden und Juden" der „(Konservativen) christlichen Volkspattei" der Vorwurf gemacht, Ziff. 15 ihrer in zwei hiesigen Blättern ver­öffentlichten Richtlinien trage eine „ausgesprochen anti­semitische Tendenz".

Diese Behauptung ist unrichtig, denn Ziff. 15 wendet sich ausdrücklich nur gegen „jene Kreise des Judentums, die ihre internationalen macht- und finanz­politischen Interessen über das Wohl des deutschen Volkes und Vaterlandes stellen."

Daß solche Kreise vorhanden sind, scheint auch der „Katholische Priester Kr.", den der „Frbrg. Bote" als Autorität anführt, durchaus nicht'bestreiten zu wol­len. Um so mehr ist zu bedauern, daß ihm ein sehr starker Fehlgriff passierte, indem er folgenden Satz drucken ließ: „Diese Juden, nämlich die, welche sich politisch deutsch fühlen und sich zurückhalten, empfinden es mit Recht als eine große Ungerechtigkeit, daß man den Kampf gegen alles niederreißende und radikale Wesen in der gegenwärtigen Politik einfach in einen Kampf gegen die Juden verwandelt."

Dieser, dem Aufruf der „Christlichen Volkspartei" gemachte Vorwurf ist so ungeheuerlich und so offen­kundig falsch, daß man sich in der Tat wundern muß, daß er einem wissenschaftlich gebildeten, an logisches Denken gewohnten Manne priesterlichen Berufes ent­schlüpfen konnte, ohne daß diesem die flagrante Un- erechtigkeit und Unhaltbarkeit klar und deutlich ewußt wurde.

Die Unrichtigkeit dieses Urteils des Herrn Kr. wer­den wohl auch alle diejenigen Kreise der hiesigen „Bürger­

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Gesetz des heftigen Benediktus, des heiligen Franz. v« beckgen Augustin lebten — und bald hießen diese Ver< emigungen dann selbst „Orden": Benediktiner -Orden. Franzis«! klmer-Orden, AuguMner-Orden u. a. m. Diese unterschiedet sich äußerlich in ihrer Tracht, es gab „graue Brüder", „braune? Bruder , „schwarze Bruder" u. a. Die Fache des Gewandes) wurde eine Art Vereins-, Bundes- oder Ordensab,eichend eine Uniform, wenn wir wollen. In jenem älteren Sinntz sprechen wir beute noch vom Jesuiten-Orden. Freimaurer » Orden, als der Gemeinschaft aller derer, die gleiche Be-' strebungen haben: .auch neuere Vereinigungen, wie die Gut- templer, nennen sich „Orden".

Zur Zeit der Kreuzzüge entstanden dann die Ritter-Orden, die Johanniter, die Tempelherren , die Deutschritter. Sie wollten die Ungläubigen bekämpfen, die Pilger geleiten, die Verwundeten pflegen, bauten Hospitäler und lebten eia rrommes mönchisch-ritterliches Dasein unter ihren selbft- gewählten Komturen und Grobkomturen. Diese Ritter stellten unen größeren Anspruch an die Uniform und ihre Abzeichen. Die Tempelherren z. B. erschienen in einem wallenden weiße« Mantel mit großem roten, achtspitzigen Kreuze und breite« weißen Gürtel: die Komture hatten dazu noch Amtskettea mit Medaillons und sonstigem Schmuck. Das war der An­fang des „Ordens" in dem jetzt landläufigen Sinn.

Mo: der „Orden" ist zuerst das Statut der Gesellschaft, dann der Bund selbst, dann das Abzeichen, das die Mit«! glieüer der Außenwelt kenntlich macht. !

Die allen Orden, die Johanniter. Templer . Deutfchritter, find vergangen. Sie konMen sich dem Ansturm der Türken, gegenüber nicht Hallen, wurden auch zum L^il von neidischen! Machthabern in Europa verfolgt. Was jetzt unter diesem! Namen noch besteht, sind moderne Neugründungen mü be-i sonderen Zielen. Im Laufe der Zell entstand für solche! Ritterbünde die Notwendigkeit, sich unter den Schutz von' Fürsten zu stellen — und dann gründeten die Fürsten selbst! Orden, deren Devise sie bestimmten, und denen sie das Recht > verliehen, besondere Abzeichen zu tragen. Das war nun * «siebt die Regel. Der „Orden" wurde zur Dekoration, zum' höfischen Schmuck. !

Die alte Bedeutung trat mehr und mehr zurück. Bürger«! liche erhielten „Orden", d. h. die Ordensüekoration, ebenso' gut wie Adlige. Repuliken hatten Orden so grtt wie Mon»! mchien, heidnische Staaten so gut wie christliche. Auf den christlichen Ursprung in den Kreuzzügen weist noch die Kreuz»! form der meisten Orden (im Französischen heilst der Orden geradezu ls Oroix); aber die Türkei , zu deren Bekämvftmg die

Miüerorden zuerst begründet waren, legte sich gleichfalls Orden Hei. wenn sie auch die Kreuzform ablehnte. Japan . Abessinien. Bokhara . Anam. China . San Marino haben Orden, und mancher kleine Staat machte mit der Ordensverleihung ein gutes Geschäft. In Preußen und anderen Staaten wurden Sie Orden eine regelrechte Begleiterscheinung der militärischen Ader Beamtenlanfbabn. Andere Personen suchten sich durch Besondere „Verdienste" auszuzeichnen. um auf die Liste zu ge­langen. Es ist wohl durch die Ausnutzung der persönlichen Eitelkeit, der sogenannten „Knopflochschmerzen". auch manches Gute geleistet worden.

Die alle Gliederung der Ordensritter in Ritter , Komture ^Offiziere), Großkomture (Großmeister) hat sich noch in den „Klaffen" erhallen. Es gibt elllfache „Inhaber", die weniger als „Ritter " find. So hatte bekanntlich der preußische Rote Adlerorden 4 Klaffen, aber dabei noch eine Menge von Unter­klassen: mit der Schleife, mit Schwertern am Ringe, mit Eichenlaub und Schmettern, und was dergleichen mehr war. Japanische Orden zählen gar 8 Klaffen, ganz hohe Orden da­gegen. wie der Schwarze Adler, bloß eine.

In manchen Orden bestand auch noch ein „Kapitel" (^Lpinsium. eigentlich ein Vorstand), eine Aufnahmekommission. Eine Anzahl von Rittern wurde dazu bestimmt, für Rach­wuchs zu sorgen und dem Monarchen, als dem Protektor des »Ordens, neue Kandidaten für den Orden vorzuschlagen. Das ftvar natürlich meist eine bloße Formsache, denn der Monarch ckomtte diese Vorschläge annehmen oder verwetten. Aber es gab doch Konflikte. Im Jahre 1896 traten Paul Heyse und elll paar andere aus dem Kapitel für den bayerischen Maxi- -mlliansorden für Kunst und Wissenschaft aus; sie hatten für Me Aufnahme u. a. Anzengruber vorgeschlagen, den der Prinz- Mgent Luitpold ablebnte.

f—Die mit 20 bis 50 Ordensfternen und Bändern ge- Phmückte Brust war eigentlich ein Widerspruch in sich selbst ?»nd zeigte klar den Niedergang der Ordens-Idee. Im alten >Hftme konnte ein Ritter ebenso wenig zwei Orden angehören, wie ein Mönch zugleich Franziskaner und Dominikaner sein konnte. Am meisten modernisiert hat den Ordensbcgriff ein abenteuerlicher Franzose, der einmal, vor fünfzig Jahren nach Brasilien verschlagen, dort einen „unabhängigen" Indianer- stamm entdeckte und mit diesen Rothäuten eine Republik Cunani gründete: der kluge Mann verzog dann nach Paris »nd trieb von dort aus viele Jahre lang einen schwunghaften Handel mtt dem neuen bunten Orden „Stern von Cunam . _ Ob die revublikamiche Einsamkeit den Sieg behalten

wird? Die Neigung, sich seine Tüchtigkeit durch äußere Schmuckstücke bescheinigen »u lassen, sitzt dock sehr tief.

Vermischtes.

Der Frauenüberschuß «ach dem Kriege. Über die Höhe des durch den Krieg hervorgerufenen Frauenüber­schusses macht Sanitätsrat Dr. Prinzing in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift interessante stattstische Mit­teilungen. Gerade in dem Alter, das für den Geburten- zuwachs am wichtigsten ist, und zwar im After von 18 bis 45 Jahren, ist der Überschuß von Frauen gegenüber den Männern am stärksten. In diesem Alter kamen vor dem Kriege auf 1000 männliche Einwohner 1004 weibliche, während jetzt auf die gleiche Zahl Männer 1166 weibliche Personen kommen. Der Frauenüberschuß hat sich also während des Krieges um 16,2 verstärkt. Ein sehr großer Teil der Weiblichkeit, oom Eintritt in das erwerbsfähige Alter bi-» in die vierziger Jahre hinein, wird künftig auf die Ehe verzichten muffen und ist darauf angewiesen, durch eigene Tätigkeit Len Lebensunterhalt zu verdienen, viele Witwen werden auch für ihre unmündigen Kinder sorgen müssen. Die weitere Folge davon wird ein erhebliches Sinken der Geburtenziffer sein. Nach den Berechnungen Sanitätsrats Dr. Prinzing wird es 27 Jahre dauern, bis der aus den Kriegsoerhältnissen hervorgegangene Frauen­überschuß beseitigt ist.

Gegen das Rauchen der Jugendlichen. Ein neuer Vorschlag, den Tabakmißbrauch Jugendlicher zu verhindern, ist in Schweden gemacht worden. Da man annimmt, daß ein einfaches Verkaufsoerbot nur zu Gesetzesübertretungen führen und die Jugend demoralisieren würde, so ist von ^ Lehrerseite oorgeschlagen worden, den Tabakverkauf von; ähnlichen Bedingungen abhängig zu machen wie den, Alkoholverkauf nach dem Stockholmer System. Danach! würde jeder Raucher ein Konirollbuch mit Abschnitten er-. halten, von denen beim Einkauf von Rauchwaren eine ent- j sprechende Anzahl abgegeben werden muß. Für die Aus-, stellung eines solchen Kontrollbuches wäre die Vorlegung eines Nachweises erforderlich, daß der Antragsteller das 18. Lebensjahr überschritten hat. ___. j