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ORGAN DER DEMOKRATISCHEN PARTEI FÜR POLITIK, WIRTSCHAFT UND KULTUR
NR. 7 7/3. JAHRG.
SAMSTAG, DEN 9. JULI 1949
PREIS 20 PFENNIG
Hinrichtungen und langjährige Gefängnisstrafen / Mörderische Attacken / Bevölkerung stellt sich schützend vor die Geistlichkeit
Immer noch Streit um Frankfurt und Bonn - Intensivierung des Wohnungsbaues gefordert - VolkswagensparersProzeß
Prag . In Preßburg wurde am Donnerstag amtlich bekanntgegeben, daß 2 Personen wegen Teilnahme an religiösen Aufständen in der Slowakei hingerichtet wurden und 9 weitere Gefängnisstrafen bis zu zehn Jahren erhielten.
In der Bekanntmachung wird über einen Prozeß berichtet, der am 1. Juli in Kaschau stattfand und in dem über „Gewaltakte“ verhandelt wurde, die am 25. Juni in dem Dorfe Levoc verübt worden sein sollen. Den Hauptangeklagten wird vorgeworfen, mit ehemaligen „antidemokratischen“ Organisationen und „antitschechischen ausländischen Mächten" in Verbindung gestanden zu haben.
In Levoc hatte sich, wie es in dem Bericht heißt, auf Grund eines angeblich falschen Gerüchtes über eine bevorstehende Verhaftung des Ortsgeistlichen eine große Menschenmenge vor dessen Haus versammelt. Ein Mitglied des lokalen Distrikt-Ausschusses, der sich im Hause des Geistlichen befand, wurde verprügelt. Die aufständische Menge, die durch Einwohner der Nachbarorte verstärkt wurde, soll außerdem Mitglieder des Nationalkomitees angegriffen, in deren Wohnungen eingedrungen und die Wohnungseinrichtungen demoliert haben.
Die tschechoslowakische kommunistische Wochenzeitschrift „Svet Prace “ gab am Donnerstag zu, daß die Zusammenstöße in der Slowakei in „mörderischen Attacken“ gipfelten, und beschuldgit „den höheren Klerus“ und auch andere Geistliche, das Volk aufzuhetzen und eine alarmierende Atmosphäre zu schaffen. Die Kirchgänger seien, so schreibt das Blatt, aufgefordert worden, Messer, Heugabeln, Dreschflegel und Sicheln zum Schutz der Priester mitzubringen (?). In einigen Gegenden hätten sich die Gläubigen vor den Wohnungen der Geistlichen versammelt, um sie vor einer Verhaftung wegen der Verlesung des Hirtenbriefes Erzbischof Berans zu schützen. Die Zwischenfälle sollen sich vor allem im Gebiet von Zilina ereignet haben.
Wie der Rundfunk des Vatikans weiter meldet, nehmen die Zusammenstöße zwischen den Kommunisten und der Polizei einerseits und der slowakischen Bevölkerung andererseits einen immer ernsteren Charakter an. In Preßburg selbst und in der Umgebung der slowakischen Hauptstadt sollen sich regel
rechte Kämpfe abgespielt haben. Die Gemeindeglieder hätten die Zugänge zu den Kirchen und Gemeindehäusern versperrt und sollen die Schüsse kommunistischer Angreifer erwidert haben.
Stellungnahme des Vatikans
Rom . Politische Beobachter in Prag stellen, wie der Vatikansender am Donnerstag meldet, eine gewisse Unsicherheit der tschechoslowakischen Regierung angesichts der Entwicklung der religiösen Lage im Lande fest. Die in ihrem Ton verhältnismäßig gemäßigten Reden der Regierungsvertreter in den letz
ten Tagen lassen; wie es heißt, den Eindruck entstehen, daß die Regierung einen endgültigen und unheilbaren Bruch mit dem Heiligen Stuhl zur Zeit noch nicht wünscht. Weiter wird betont, daß der Grad der religiösen Verfolgung von der allgemeinen Entwicklung in den sowjetischen Satellitenstaaten abhänge. Die Lage sei nicht nur auf dem religiösen Sektor schwierig geworden, sondern auch in vielen anderen Bereichen des öffentlichen Lebens. Die jetzige Situation wird auf Anweisungen zurückgeführt, die den tschechoslowakischen Kommunisten von höherer Stelle zugingen.
Günstige Verhandlungen über Kehl
Fr ei bürg. Wie aus südbadischen Regierungskreisen verlautet, sind die seit einigen Tagen im Gang befindlichen deutsch »französischen Verhandlungen über die Rückgliederung der Stadt Kehl in die Zuständigkeit deutscher Behörden zufriedenstellend verlaufen. Es wird damit gerechnet, daß schon in kürzester Zeit ein — wenn auch kleiner — Teil der Kehler Bevölkerung in die Stadt zurückkehren kann.
Investition a
Kapitals?
Der künftige Hochkommissar ist optimistisch — Konstruktive Deutschlandpolitik der Ver einigten Staaten — Bevorstehender Besuch in Baden-Baden Essen
. Der künftige amerikanische Hohe Kommissar für Deutschland , John J. M c Cloy, versicherte' am Donnerstag auf einer Pressekonferenz, daß er die Möglichkeiten für die Investition amerikanischen Kapitals im Ruhrgebiet sorgfältig prüfen werde. Er wies darauf hin, daß die trotz der allgemeinen Aufwärtsentwicklung der deutschen Wirtschaft immer wieder auftretenden neuen Hindernisse kein Grund zur Verzweiflung seien, sondern vielmehr mit neuen Anstrengungen überwunden werden könnten.
McCloy betonte, daß Kapitalinvestitionen eingehend vorbereitet werden müßten, wie sie
Flüchtlingswahlkreise abgelehnt
Wahlmanöver der CDU gescheitert — FDP gegen Degradierung der Heimatvertriebenen
München . Dem bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Hans Ehard wurde von der ameri kanischen Militärregierung mitgeteilt, daß die *egen die SPD und die FDP mit Stimmen- jlmehrheit der CDU gebilligte Errichtung von Flüchtlings Wahlkreisen für die Bundeswahl seitens der Militärregierung abgelehnt werde. Cer Rechts- und Verfassungsausschuß des bayerischen Landtags trat daraufhin zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, um über die Änderung der Wahlkreise zu beraten Staatssekretär Schwaiber als Vertreter des bayerischen Innenministeriums betonte, daß die bayerische Staatsregierung nach wie vor an ihrer Rechtsauffasung festhalte, die zur Schaffung von Flüchtlingswahlkreisen geführt habe. Nach Bekanntgabe des Schreibens des Militärgouverneurs erklärte sich der Ausschuß damit einverstanden, daß der seiner- zeitige Beschluß des Verfassungsausschusses als aufgehoben zu gelten habe.
, Abgeordneter Hoeger (SPD ) erklärte zum Abschluß der einleitenden Debatte, daß die Regierung und die Mehrheit des Ausschusses sich die Niederlage hätte ersparen können, Wenn weniger parteipolitische Gesichtspunkte in den Vordergrund getreten und die sachlich und juristisch begründeten Einwendungen der FDP und SPD berücksichtigt worden wären.
Der Vorsitzende des „Landesausschusses der Heimatvertriebenen in der FDP Bayern “ und Mitglied des Notparlaments, Dr. Walter Za- wadil, erklärte unter dem Vorwand eines besonderen Eintretens für die Flüchtlingsbe- ' lange habe die Regierungspartei die Bildung eigener Flüchtlingswahlkreise durchgesetzt. Diese Maßnahme stelle einen Verfassungsbruch dar, der den wahltaktischen Zweck verfolge, die Heimatvertriebenen von den Par- wi! 1 obzulenken und sie im Rahmen von Wahlgemeinschaften einer Sonderstellung mit großem Stimmenverlust und auf weite Sicht einer Isolierung zuzuführeh. In einer solchen Primitiven Spekulation müsse eine Verletzung sowohl des Grundsatzes der Allgemeinheit einer Wahl, als auch der freien Ent
scheidung des Wählers erblickt werden, die eine erneute Degradierung der Heimatvertriebenen zu einer Sonderklasse bedeute.
Köln . Auf der ersten Wahlkundgebung der FDP in Köln setzte sich Finanzminister a. D. Franz Blücher für die Einheit Deutsch lands ein. Voraussetzung hierfür sei Deutsch lands wirtschaftliche Wiedergesundung. Blü cher bekannte sich zu dem Begriff des „Deutschen Reiches“, da es stets föderalistische Elemente in sich getragen habe. Es müsse Aufgabe des künftigen Bundestages sein, ein Gewicht gegen die zentrifugalen Kräfte der Länder zu schaffen.
Für die künftige deutsche Politik forderte Blücher , daß der deutsche Name in der Welt wieder Gewicht erhalten müsse, daß die Oder-Neiße-Linie revidiert und daß Deutschland ein Kulturzentrum der christlich-abendländischen Welt werde.
Auf innerpolitischem Gebiet müßten nach Ansicht der FDP die Einflüsse der KPD und SPD ausgeschaltet werden, da die wirtschaftliche Gesundung nicht durch kollektivistische Maßnahmen, sondern nur aus freier Entscheidung heraus ejyeicht werden könne. Nach Auffassung Blüchers ist vor allem eine Umstellung des deutschen Exports von Massengütern auf handwerkliche und wissenschaftlichen Zwecken dienende Spitzenerzeugnisse notwendig. Die 6 Milliarden D-Mark betrat genden Besatzungskosten müßten um die Hälfte herabgesetzt werden, um die dringlichsten finanziellen Aufgaben lösen zu können.
Als eine „Sünde an Europa “ bezeichnete Blücher vor Pressevertretern die kürzlich abgegebene Unterhauserklärung des britischen Außenministers Bevin zur Demontage. Bevjn hatte u. a. erklärt, daß man gegenüber Deutschland wachsam sein und stets an die Völker denken müsse, die unter den deut sche » Angriffen gelitten habenj
überhaupt weitgehend von der Stimmung der Kapitalgeber und von den allgemeinen Produktionsaussichten abhingen. Eine baldmög- iiche Herstellung wirtschaftlichen Vertrauens werde jedenfalls von Vorteil für alle Beteiligten sein.
Seine Fahrt nach Bonn , so sagte McCloy , und die dortige Unterredung mit General Robertson und einem Vertreter der französi schen Militärregierung bedeute keinesfalls, daß er in seiner Eigenschaft als Hoher Kom- , missar Bonn als Bundeshauptstadt irgendeiner anderen Stadt vorziehe. Er selbst habe ständige Wohnsitze in Frankfurt , wo er auch seine Familie erwarte, und in Berlin und sei daher in dieser Frage vollkommen neutral. Seine Besprechung mit General Robertson müsse lediglich als Höflichkeitsbesuch angesehen werden. Er werde auch mit General Koeriig in Baden-Baden Zusammenkommen.
Neuordnung des Kohlenbergbaus
Essen. Die Deutsche Kohlenbergbau-Leitung wurde von der Vereinigten Kohlenkon- trollgruppe angewiesen, sofort mit der Vorbereitung von Plänen für die Umgestaltüng des westdeutschen Kohlenbergbaus nach dem Gesetz Nr. 75 zu beginnen. Ferner wurde die Kohlenbergbau-Leitung angewiesen, enge Verbindung mit dem Stahltreuhänderverband aufrechtzuerhalten, um die Pläne des Kohlenbergbaues und der Eisen- und Stahlindustrie aufeinander abzustimmen.
Konsultativrat einberufen
Wiesbaden . Der westdeutsche Konsultativrat ist auf Wunsch der drei westlichen Militärregierungen für den 16. Juli nach Frankfurt a. M. zu einer Schlußsitzung einberufen worden. Es wird erwartet, daß an der Sitzung im IG- Hochhaus. auch der zukünftige Hohe Kommissar für Deutschland , McCloy , teilnehmen wird. '
Der Konsultativrat war anläßlich der Pariser Außenminister-Konferenz gebildet worden, um den westlichen Alliierten bei der Behandlung spezieller deutscher Probleme nötigenfalls Auskunft zu geben. Ihm gehören mehrere westdeutsche Länderchefs und Vertreter des ehemaligen Parlamentarischen Rates an.
Berufungsverfahren Mindszenty
Budapest. Am Mittwochvormittag begann vor dem Budapester Kassationshof das Berufungsverfahren im Fall Mindszenty und seiner sechs Mitangeklagten.
Der Ankläger verwies in seinem Schlußwort darauf, daß Kardinal Mindszenty der „Führer der Gegenrevolution“ war. Er habe auf einen neuen Weltkrieg spekuliert, "um durch ihn die Habsburger wiedereinzusetzen. Die Mitangeklagten hätten an dieser Verschwörung gegen die Republik mitgearbeitet.
Das Berufungsverfahren wurde nach dem Plädoyers der sechs Verteidiger und dem Schlußwort des Anklägers abgeschlossen. Das Urteil wird am Samstagvormittag verkündet.
Feiertag des Sports
H. A. Wenn am Sonntag VfR Mannheim und Borussia Dortmund in das Stuttgarter Neckarstadion zum Endspiel um die deutsche Fußballmeisterschaft einlaufen, dann beherrscht zweimal 45 Minuten jede Bewegung dieser 22 Spieler die Gedanken, Wünsche und Hoffnungen von Millionen Anhängern jenes Spieles, das alle Schichten und Altersklassen zu einem einzigartigen Volkssport vereinigt. Denn Fußball ist das Spiel der Welt — das runde Leder fliegt auf den Hochebenen Kastiliens, zwischen den weißen Häusern und des schlanken Minaretts am Rande der Wüstef, im Wiener Wald und im Hampdon- Park, auf abgelegenen Dorfangern und in steinernen Mammutstadien — eine stolze Huldigung des 20. Jahrhunderts an König Fußball, die am Sonntag nun in Deutschland ■ ihren alljährlichen Höhepunkt erreicht.
Nicht immer wird an einem solchen Tag die beste Mannschaft auch Deutscher Fußballmeister. In den dramatischen Endrunden entscheiden oft Tagesform, Glück und Zufall unerbittlich in einem Kampfspiel, dessen Ablauf sich nie genau wiederholt und bei dem der Wechsel allein das Beständige ist. Doch siebenmal kehrt in der Ehrentafel ein glanzvoller Name immer wieder: 1. FC Nürnberg !
. Ein einzigartiger Triumpf, der auf das engste mit Deutschlands großem Torhüter Heiner Stuhlfauth verknüpft ist, der in sechs Endspielen lediglich in einem Treffen überwunden wurde, und mit dem die unvergeßlichen alten Kämpen Kalb, Popp, Träg und viele andere aus der Fußballhochburg Nürnberg in jener Mannschaft standen, die in den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen für die Sportsleute-der ganzen Welt ein Begriff war. Sechsmal wanderte die „Viktoria“ in eine kleine Vorstadt von Gelsenkirchen , die das kunstvolle Kreisel-Spiel unter der Regie von Fritz Szepan und Ernst Kuzorra weltberühmt machte: Schalke ! Die „Knappen “ im königsblauen Dreß schlugen 1934 erstmals im Finale den 1. FC Nürnberg, wobei Szepan und Kuzorra in den letzten Spielminuten die beiden Tore schossen, nachdem schon Tausende im festen Glauben, Nürnberg sei durch seinen 1 : O-Sieg Deutscher Meister, aus dem Olympiastadion abgewandert waren. Und als dreimal jene Mannschaften, die den Fußball so weich spielten, wie ihr Landsmann Johann Strauß seine unsterblichen Walzer geigte, in das deutschen Fußball-Endspiel einzogen, waren stets die Westfalen Gegner der Wiener : 9:0 ging 1939 die Admira im Schalker Kombinationswirbel unter, bis sich zwei Jahre später Rapid durch stahlharte Binder-Tore mit einem 4 :3-Sieg revanchieren konnte, doch schon im folgenden Jahr kam Schalke durch einen 2 : O-Erfolg über Vienna erneut zu Meisterehren.
Spiele voller Dramatik, und Erbitterung liegen zwischen dem ersten deutschen Fußball-Endspiel Im Jahre 1903, das der VfB Leipzig hoch 7 :2 gegen den DFC Prag gewann, dem stolzen Erfolg des Freiburger FC vier Jahre später, den v. Goldberger; De Vil- liers, Falschlunger; Bcdenweben, Mayer, Hunn; Haase, Sydler, Dr. Glaser, Hoiherr, Burkart durch einen 3 :1-Sieg gegen'Viktoria Berlin errangen, nachdem in der Vorschlußrunde Leipzig 3.: 2 von den Freiburgern ausgeschieden wurde, und dem letzt jährigen Endspiel Kaiserslautern gegen Nürnberg : 1910 und 1912 entschieden zwei Elfmeter den 1 :0-Sieg des KFV und von Holstein Kiel , 1922 trennten sich Nürnberg und der HSV zweimal nach Verlängerung unentschieden (2 :2 und 1 :1), und 1936 erzielte Nürnberg in der letzten Minute der Verlängerung gegen Fortuna Düsseldorf das Siegestor — einige Spiele aus der großen Kette dramatischer Fußballschlachten, aus den Spielen um den höchsten Titel, der nun am Sonntag erneut für ein weiteres Jahr vergeben wird.
Stuttgart hat sich. für' diesen Feiertag des deutschen Sportes bestens vorbreitet: Das Neckarstadion wurde auf ein Fassungsvermögen von 90 000 Zuschauern erweitert, die oberste 17. Reihe der neu errichteten Stahlrohr-Tribüne ragt fast 18 Meter über der Erde, und seit Wochen ist die Stadionsverwaltung bemüht, auf dem herrlichen grünen Rasen einen weichen, federnden Spielgrund zu schaffen. Auf einem geradezu klassisch „englischen Rasen sollen sich die beiden Mannschaften gegenüberstehen, zur -Entscheidung der großen Frage, die die Stunde regiert: Mannheim oder Dortmund ?