Freitag, den 22. August 1947
Nummer 11 / Seite 3
KARLSRUHER NEUE ZEITUNG
. . .
Es gibt Niemanden, der nicht sehr viel mit ihnen anzufangen wüßte. Schließlich sind sie ia gu‘e alte Bekannte. Aber inzwischen hat man sich schon so daran gewöhnt, keinen Bezugschein zu bekommen, daß man sich nicht so ohne weiteres mit dem Gedanken vertraut machen kann, in Zukunft nun auch — keine Punkte zu erhalten. Jedenfalls ist in dieser Angelegenheit ein dunkler Punkt; der bei unseren Lesern einige Proteste hervorgerufen hat. Wollen wir die Sache einmal Punkt für Punkt etwas unter die Lupe nehmen:
Am 20. August konnten wir — nach der ersten offiziellen Verlautbarung durch das Städtische Wirt- schaftsa,mt — unsere Leser dävon in Kenntnis setzen, daß seit dem 1. Juli an die Stelle des Bezugscheines die Textilpunktmafke getreten sei. Ganz bescheiden wird dabei gleichzeitig erwähnt, daß das dem Wirtschaftsamt für das dritte Quartal dieses Jahres zur Verfügung Stehende Punktmarken kontingent bereits restlos ausgegeben sei. Punkt.
Diese ungewohnte Freizügigkeit des Wirtschaftsamtes überrascht doch einigermaßen. Für uns allerdings ergibt sich nun der kritische Punkt, daß wir unzähligen Lesern, die uns über den Verbleib dieser Punkte befragen, keine befriedigende Antwort geben können. Doch vielleicht wird uns über kurz oder lang eine Aufklärung über diesen Punkt zuteil, um baldmöglichst hinter diese Geschichte einen Punkt setzen zu können. H. H.
Von 1. Bürgermeister Fridolin Henrich
Unter dieser Ueberschrift veröffentlichte die Stadtverwaltung im September vorigen Jahres eine Denkschrift, worin erstmals Gedanken über den Wiederaufbau unserer schwerbeschädigten Stadt der Oeffentlichkeit unterbreitet wurden. In der Zwischenzeit haben sich viele fleißige Hände geregt, und der Erfolg ist sichtbar Die Grundvoraussetzung des Wiederaufbaus, nämlich Schutträumung und Trümmerbeseitigung sind in vollem Gange, während der Aufbau selbst sieh vorerst auf die Wiederherstellung beschädigter Gebäude be- • schränken muß. Doch wird uns, je mehr wir planend und sorgend in die Problematik der uns gestellten Aufgabe ein- dringen, bewußt, wie sehr unsere Aufbauarbeit und unser örtliches Schicksal von. den großen Entscheidungen abhängig ist, auf die wir alle warten.
Im ersten Stadium der Erwägungen über den Wiederaufbau der zerstörten Städte begeisterte man sich vielfach an dem Gedanken, neue Stadt-Grundrisse und Bebauungspläne zu schaffen. Inzwischen hat man erkannt, daß man es sich nicht leisten kann, kilometerweite Strecken fertiger Straßen mit allen Versorgungsleitungen aufzugeben und an ihrer Stelle neue zu bauen. Damit sollen notwendige Korrekturen, soweit sie auf Grund der Zerstörungen heute möglich sind, nicht ausgeschlossen sein.
Ob und in welchem Umfang man beschädigte Gebäude wieder hersteilen oder aber — vorerst an fertigen Straßen — neu bauen soll, wird noch erwogen. Die Mehrheit der Fachleute ist der Meinung, daß bouwirtschaftlich eine Wiederherstellung von Gebäuden bis. zu einem recht hohen Beschädigungsgrad vorzuziehen ist.
Wie aber soll wiederhergestellt werden? Diese Frage bedarf sorgfältiger Prüfung; und wenn der uns auferlegte Zwang, langsam aufzubauen, einen positiven Wert hat, dann den, daß
Einbrüche. Ein Mechaniker konnte festgenommen und überführt werden, daß er bei einem nächtlichen Einbruch in eine Schreibmaschinen-Werkstätte drei Schreibmaschinen gestohlen hatte. — Auch die Einbrecher, die Ende Juli aus einem Geschäftszimmer in der Beiertheimer Allee zwei Schreibmaschinen gestohlen hatten, sind ermittelt und festgenommen worden. Es stellte sich hierbei heraus, daß sie auch für den Einbruchdiebstahl verantwortlich sind, der Anfang August in einer Tabakgroßhandlung in der Adler- •straße durchgeführt wurde und bei dem eine große Menge Zigaretten, Zigarren und Tabak gestohlen worden waren, pp.
Udfälle. In Durlach stürzte ein zweijähriges Kind, das infolge vernachlässigter Betreuung ohne Aufsicht geblieben und auf den Fenstersims geklettert war, aus dem zweiten Stofckwerk auf die Straße. Es mußte mit Kopfverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden. — Eine 58jährige Frau aus Hagsfeld - stürzte bei der Arbeit so unglücklich vom Erntewagen, daß sie mit einem Oberschenkelbruch ins Krankenhaus eingeliefert werden mußte. —in—
Vermißt. Seit Sonntag, den 17. August werden der 19jährige Mogalles und 17jäh- rige Kleber aus Hßgsfeld vermißt. Oie beiden Burschen sind vermutlich zum Baden an den ■ Rhein gefahren und sind von dort bis heute noch nicht zurückgekehrt. —in—
Schont unseren Wald! Allgemein ist die Irrige Ansicht verbreitet, daß unterdrückte, schwache oder vielleicht auch in den Kronen etwas dürre Bäumchen für den Wald bedeutungslos seien. Für die Erhaltung eines gesunden Waldbestandes ist aber dieses Unterholz von grundlegender Bedeutung. Leider ist von Leseholzsammlem und
Schlagraumaufbereitern in dieser Hinsicht schwer gefrevelt worden. Der Schaden, der bei weiterer Entwendung dieses bodenschützenden Holzes angerichtet wird, ist nicht wieder gut zu machen. Es ergeht daher die dringende Aufforderung: „Hände weg vom Unterstand! fa.
Fritz Möhrlein f» Ein Veteran der so zialistischen Arbeiterbewegung ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Ueber seine frühere Berufsorganisation hinaus, er war gelernter Buchdrucker, war Möhrlein eine in der Stadt bekannte Persönlichkeit. Er war lange Jahre Wirt der „Alten Brauerei Heck“, der späteren Gewerkschaftszentrale, war auch einige Jahre Mitglied des Bürgerausschusses. Er dürfte wohl das älteste Mitglied der SPD Karlsruhe gewesen sein. Seine Partei, wie auch die Gesamfarbeiterschaft Karlsruhes , der er sein ganzes Leben lang diente, wird ihrem alten „Babbel“ ein gutes Gedenken bewahren. h. w.
Die SAZ gratuliert! Die Eheleute Karl Klein, Karlsruhe , Barbarossaplatz 2, feierten am 21. August 1947 das Fest der Goldenen Hochzeit. Der Oberbürgermeister ließ dem Jubelpaar ein Glückwunschschreiben mit einer Ehrengabe übermitteln. Das Fest der Silbernen Hochzeit feiern am 24. August die Eheleute Julius Reeb, z. Zt. wohnhaft in Spöck . Frau E^tnny Klaus Wtw., Boeckh- straße 40, vollendete am 21. August in geistiger und körperlicher Frische ihr 82. Lebensjahr.
Die Firma -Sportmüller' 1 begeht unter der Leitung ihres Gründers, Herrn Max Müller , heute ihr 50jähriges Geschäftsjubiläum. Der 72jährige Jubilar, einer der ältesten Skiläufer, widmet sich in unermüdlicher Arbeit noch immer seinem Lebenswerk.
wir Zeit zu sorgfältiger Planung haben. Besondere Aufmerksamkeit muß dabei den wertvollen Baudenkmälern gehören, die der Krieg zerstört hat. In jedem Fall ist zu überlegen, was in alter Art wieder hergestellt werden kann und was neu gestaltet werden soll. Unsere Zeit wird sich ihren eigenen Baustil schaffen. Wir dürfen daher nur dort alte*Formen nachgestalten, wo das noch Vorhandene den geistigen Unterbau für das Neue abgeben kann, sonst wird das Neue in alter Art Kulisse und daher unwirklich.
In diesem Sinne ist die Wiederherstellung der Karl-Friedrich-Straße vom Schloßplatz bis zum Ettlinger Tor zu erwägen. Hier finden wir Barock, Zopfstil und vornehmlich den Klassizismus, der unserer Stadt das Gepräge gibt. Das Rathaus, did Stadtkirche, der Rondellplatz mit seiner Bebauung und viele Privatgebäude zwingen geradezu zur Anknüpfung an das Gewesene. Die alte via triump^alis der Stadt soll früher oder später wieder erstehen.
In bezug auf das Schloß und die Gesamtanlage des Schloßplatzes wird es sehr darauf ankommen, was die Zukunft aus Karlsruhe machen wird. Wir sprechen viel von einer industriellen Umgestaltung der Stadt, dürfen aber dabei die Bedeutung der Verwaltungszentrale, der Schul- und Kunststadt Karlsruhe nicht vergessen. Unsere Technische Hochschule , unser Rheinhafen, unsere Kunsthochschule sind Grundlagen. Man hat in Karlsruhe das Verwalten gekonnt und die Verwaltungstradition, die in dem Sprichwort vom „badischen Musterländle“ zum Ausdruck kam, lebt noch. Eine kluge Staatskunst macht hiervon Gebrauch, statt alte Werte zu zerschlagen. Karlsruhe sollte Verwaltungszentrale bleiben. Mit der Entscheidung über die Zukunft der Stadt wird auch die über das Schloß Und den Schloßplatz reifen müssen. Dabei werden manche Bausünden am Schloßplatz zu verbessern sein.
Abgesehen von der evangelischen Stadtkirche verdienen einige andere Kirchenbauten pflegliche Erhaltung, wie die St. Stephanskirche, der Barock- und Rokokobau der Schloßkirche, der Zopfbau der kleinen Kirche. Die St. Stephanskirche ist ein klassizistisches Mei-
Anmeldung für Höhere Schulen
Die Anmeldungen für die unterste Klasse (Sexta) sind am Montag, den 1. Sept. 47, von 9—12 Uhr. Die Aufnahmeprüfungen für diese Klasse sind am Dienstag, den 2. Sept., vormittags 8 Uhr. Die Anmeldungen für alle übrigen Klassen sind am Mittwoch, den _ 3. Sept. von 9—12 Uhr, Die Aufnahmeprüfungen für diese Klassen sind am Donnerstag, den 4. und Fr^tag, den 5. September. Der Unterricht beginnt für alle Schüler am Samstag, den 6. Sept. um 9 Uhr. Bei allen Anmeldungen sind vorzulegen: Der Geburtsschein, der
letzte Impfschein, das letzte Schulzeugnis. Die Schüler sind persönlich vorzustellen. In die Sexta können nur Schüler aufgenommen werden, die mindestens 4 Volksschulklassen mit Erfolg durchlaufen haben. Wegen der Raumverhältnisse müssen sich die einzelnen Schulen Vorbehalten, nach Abschluß der Aufnahmeprüfungen mitunter einen Austausch von Schülern vorzunehmen. Es bestehen in Karlsruhe folgende Höhere Schulen:
1. Für Knaben: Gymnasium, Bismarckstraße 8, Realgymnasien : Goetheschule, Kaiserallee 6: Helmholtzschulp, Kaiserallee 6; Kantschule', Englerstr. 10; Dur lach , Gymnasiumstr. 3.
2. Realgymnasien für Mädchen: Fichteschule, Sofienstr. 14; Lessingschule, Soll enstr. 147.
sterwerk Weinbrenners, das äußerlich in der alten Form wieder hergestellt werden sollte. Im Innern zeigt die Ruine, welche großartige Gestaltungsmöglichkeit tn der Wo inbrenn er‘sehen Anlage steckt und wie diese durch falsch verstandenen späteren Innenausbau unterdrückt war. Es gilt, diesen Innenraum wiederherzustellen und ihm die ganze Größe wiederzugeben, die sein Erbauer ihm zugedacht hatte.
Das älteste Bauwerk in Karlsruhe , das Gottesauer Schloß, ist leider so weit zerstört, daß eine Wiederherstellung nach dem Original wahrscheinlich nicht wieder in Frage kommen wird. Dagegen sollte es möglich werden, das Schlößchen der Markgräfin Amalie im Erbprinzengarten, eine Schöpfung Weinören- ners, in früherer Art neu zu erwecken. Dieses Schmuckstück muß Karlsruhe erhalten bleiben.
So ist es unsere Aufgabe, das wenige Alte, das wir als verhältnismäßig junge Stadt besitzen, zu erhalten und ihm seinen Platz in dem kommenden Gesicht unserer Stadt zu sichern, daneben aber den Bedürfnissen unserer Zeit Rechnung zu tragen und, wo sie es fordern, moderne Geschäftsstraßen und klare, sonnige Wohnhäuser zu errichten, die den Geist unserer Zeit verkörpern. Der Wiederaufbau unserer Stadt wird eine Generation voll in Anspruch nehmen. Stadtverwaltung und Einwohnerschaft, Stadtrat, Beamte, Angestellte und Arbeiter, ihrer aller bedarf es, daß das Werk gelinge.
Die Plakatsäule
Schulgeld an Höheren Schulen. Zum Runderlaß des Landesdirektors für Kultus und Unterricht vom 10. Januar 1946 wird in Bezug auf den letzten Satz der Ziffer 3 (Geschwisterermäßigungen) erläuternd bemerkt, daß beim Besuch von Höheren Schulen durch fünf und mehr Kinder derselben Familie nicht sämtliche Kinder von der Zahlung des Schulgeldes befreit sind, sondern nur das fünfte und jedes weitere Kind, während für die ersten vier Kinder Schulgeld nach Maßgabe des ersten Satzes der Ziffer 3 zu zahlen ist. Km.
Das Wohlfahrtsamt gibt bekannt: Die am 10. Juni 1947 in die Schweiz verbrachten Kinder treffen am Donnerstag, den 25. September 1947 (nicht August) im Karlsruher Hauptbahnhof ein. Die Kinder werden dort von unseren Fürsorgerinnen und Fürsorgern in Empfang genommen und nach Ueberprüfung den Eltern übergeben. Die Eltern werden ersucht, ihre Kinder am 25. 9. 1947, morgens 6 Uhr, am Bahnhofsplatz in Empfang zu nehmen.
Spruchkammervorschau. Vom (Öffentlichen Kläger in Gr. I eingestuft: Spruchkammer II, 25 . 8., 9.00 Uhr: Dr. Ludwig Neuberger, Karls ruhe , Stefanienstraße 71.
Versammlungstennine der Parteien
SPD : Knielingen : 24. 8, 20.00 Uhr, „Kaiser Friedrich ’ ’, Mitgliedervsammlung.
KPD : Funktionärshauptversammlung: 25. 8.,
19.30 Uhr, Saal der KLV, Gartenstr. 71. Ref.: Dr. Klausen Schulungskurs: 26. 8., 19.30 Uhr, Parteibüro, 2. Stock: Daxlanden : 28. 8., 20 Uhr, „Sonne ”, Mitgliederversammlung. Ref.: Heidt Südwest: 29. 8., 20 Uhr, „Felshof", Mitgliederversammlung.
Brot-Rationen für die zweite Woche
Die Rationen für die 105. Zuteilungsperiode sind außer Brot bereits in Nr. 8 der SAZ bekanntgegeben worden. An Brot wird für die 2. Woche der 105. Zu- tellungsperiode aufgerufen: .
Erwachsene (U, 21, 31): Abschnitt II 1000 g, Abschnitt A 1000 g, Kleinabschnitt III 500 g.
Jugendliche (12, 22, 32): Abschnitt Ila 1000 g, Abschnitt Ilb 1000 g, Abschnitt A 1000 g.
Kinder (13, 23, 33): Abschnitt II 1000 g, Abschnitt II 500 g, Abschnitt A 1000 g.
Kleinkinder (14, 24, 34): Abschnitt II 1000 g, Abschnitt Ia (ZW) 200 g, Abschnitt Ib (ZW) 200 g, Abschnitt II (ZW) 200*’g.
Kleinstkinder (15, 25, 35): Abschnitt II 500 g, Abschnitt II (ZW) 200 g.
Säuglinge (16): Abschnitt Ilb (ZW) 200 g, Abschnitt lila (ZW) 200 g.
Die Kleinabschhitte III über zusammen 500 g Brot berechtigen wahlweise zum Bezug von Importmehl (amerikanisches Weizenmehl) im üblichen Umrechnungsverhältnis (500 g Brot gleich 375 g Mehl).
Nährmittel: Es wird nochmals besonders darauf hingewiesen, daß auf den
Nährmittelabschnitt N 4 der 105. Zuteilungsperiode nur 250 g Maisgrieß und, soweit dieser nicht ausreicht, Suppenerzeugnisse ausgegeben werden dürfen.
*
Gefälschte Brotmarken
Zum Jahresende 1946 wurden in Hei delberg zahlreiche gefälschte Brotmarken in den Verkehr gebracht. Durch die 25jährigen Irma Zöller und Hilde Kipepenhahn gelangten 100 Kilogramm in Kleinabschnitten zu je 1000 Gramm nach Karlsruhe . Beide hatten sich in der letzten Sitzung des Amtsgerichtes Karlsruhe, das unter dem Vorsitz von Dr. Gützkow tagte, für ihre Vergehen zu Verantworten. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft führte aus, daß die Z. sich ca. 10 gefälschte Brotmarken verschafft und dafür Brot eingekauft habe, während die K. 90 Marken aus Schwarzhandelsbeständen besaß, die sie jedoch nicht mehr einlösen konnte. Da es sich hierbei um ein Verbrechen gegen die Kriegswirtschaftsverordnung handelte, wurden beide Angeklagten zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Jo.
Badische Rundschau
Resolution des Städteverbandes
„Die am 18. August 1947 in Ludwigs- bürg zu einer Arbeitstagung versammelten Oberbürgermeister (Bürgermeister) der Mitgliedsstädte des Württembergisch- Badischen Städteverbandes haben sich erneut mit der immer bedrohlicher werdenden, gegenüber dem Vorjahr insgesamt erheblich verschlechterten Emäh- rungslage befaßt. Die derzeit unbefriedigende Versorgung mit Kartoffeln, Gemüse, Milch, Fett und eiweißhaltiger Nahrung in Verbindung mit den noch nicht ausreichend geklärten Möglichkeiten zur Winterbevorratung wtrkt bei der Bevölkerung um so beunruhigender, als die seit Wochen anhaltende Trockenheit die Ernteergebnisse ln besorgniserregender Weise beeinträchtigt. Im Hinblick auf die den Stadtbewohnern seit Jahren auferlegten Entbehrungen ist deren Widerstandskraft bereits weitgehend abgesunken, sodaß eine weitere Verschärfung der Emährungsnot in dem bevorstehenden dritten Nachkriegswinter zu unabsehbaren Folgen führen müßte.
JCudwig Weiter
Zum 100. Getourtstag des Tondichters.
Am 23. August sind 100 Jahre verflossen, seit der badische Tondichter Ludwig Friedrich Wilhelm Keller zu Karlsruhe als Sohn eines Lehrers geboren wurde. Nach dem frühen Tod des Vaters sollte der begabte Knabe ebenfalls den Lehrerberuf ergreifen und wurde durch den Unterricht eines Oheims in verschiedenen Fächern, hauptsächlich auch im Violin -, Klavier- und Orgelspiel hierauf vorbereitet. v Ein Gönner ermöglichte ihm aber das Studium der Mathematik und Geodäsie an der Technischen Hochschule, nach dessen Beendigung er in den badischen Staatsdienst trat und bis zum Jahre 1911 als Geometer bei der Wasser- und Straßenbaudirektion wirkte. Neben diesem Beruf widmete sich Keller aber mit großer Hingabe der geliebten Musik, die ihm, wie er in seinem aufschlußreichen Tagebuch schrieb, immer Lebens- und Herzenbedürfnis blieb. Eigentliche Lehrer in der Komposition hatte er nicht, jedoch genoß er die belehrenden Ratschläge von Hermann Giehne und Vinzenz L'achner. Bedeutende Kapellmeister, wie Emil Steinbach und Hermann Levi , förderten sein Talent. Im Laufe der Zeit — Keller starb am 18. April 1930 im 83. Lebensjahr — entstanden weit über 100 Kompositionen, vor allem musikalisch wertvolle Lieder, Männer-, Frauen- und gemischte Chöre, weltlichen und geistlichen Inhalts. Besonders hervorzuheben sind eine deutsche Messe und ein Weihnachtsoratorium für Soli, Chor, Orchester und Orgel. Der fruchtbare Tonsetzer schuf aber auch;, zahlreiche Werke für Kammermusik (u. a. 6 Streichquartette), ein Cellokonzert, Stücke für einzelne Instrumente, sowie für kleines und großes Orchester, Die umfangreiche Weihnachtsmusik harrt noch der Uraufführung.
Während 30 Jahren war Keller Musikrezensent für die „Karlsruher Nachrichten“ und den „Residenzanzeiger“. Vinzenz Lachner bezeichnete ihn als musikverständigen Beurteiler und Felix Mottl als bewährten Musiker. Alles in allem war der unverheiratet gebliebene Ludwig Keller eine bescheidene, für sich nie Reklame machende Künstlerpersönlichkeit und verdient, daß seine reifen und zum Teil tief empfundenen Schöpfungen der Vergessenheit entrissen werden. F. Füller.
Lichttoj^dervortrag v. Prof. Dr. Menschlng Einen interessanten und lehrreichen Beitrag zu der gerade in diesen Tagen vollzogenen politischen Wandlung In diens gab Prof. Dr. Mensching von der Universität Bonn mit einem durch gut gewählte Lichtbilder unterstützten Vortrag. In temperamentvoller Weiss führt, der Redner seine Hörer in eine Welt, Von der der Europäer meist nur unbestimmte Vorstellungen hat. Das ewige Ringen um die politische Einheit ist nichts anderes als der Kampf der gegensätzlichen Glaubenslehren und Weltanschauungen der Hindus, Buddhisten und Moslems, in deren Dogmen der indische Mensch sich vom Weltlichen abkehrt und allein der Seele lebt. Götter. Dämonen und heilige Menschen, Fakir- tum, Weltflucht und der um Erlösung ringende Geist der indischen Massen sind die Grundthemen, des Vortrages, der in leicht verständlicher Form dem Laien die Grundlagen zum Verständnis der heutigen Vorgänge im Rätselhaftesten aller Weltteile vermittelt. Langanhaltender Applaus der gespannt lauschenden Zuhörer belohnte den Redner für die Vermittlung seiner in jahrzehntelangem Studium erworbenen Kenntnisse. -If.
Hochschulnotizen. An der Technischen Hochschule Karlsruhe sind nachstehende Aenderungen im Lehrkörper erfolgt: Prof. Dr. Rudolf Plank wird im Wintersemester «n der Universität '»axas einen Lehrauftrag als Gastprofessor wahr^ehmen und im Frühjahr 1948 zurückkehren. Berufungen ergingen an Prof. Dr. Rudolf Crlege, den hiesigen Exordinarius, auf den Qrdent- lichen Lehrstuhl für organische Chemie, und an Prof. Dr. Hans Wittich von der Universität Göttingen auf einen Lehrstuhl für Mathematik. Prof. I5r. Walter Zimmermann von der naturwissenschaftlichen Fakultät der Uni versität Tübingen erhielt den ordentlichen Lehrstuhl für Botanik verliehen.
Prof. Dr. C r i e g e hatte bereits vor Monaten eine Einladung zu einer Gast- pr*ofessur von der National-Tung-Chi- Universität in Schanghai erhalten. W.S.
Frauen haben das gerne
Frauen — und nicht nur Frauen — haben nicht immer alles gern, was ihnen von den weltbedeutenden Brettern herab geboten wird. Das Ensemble des Neuen Theaters Hamburg hätte sich die Kosten und Mühe einer so weiten Reise sparen sollen. Heinz Erhardt und Max Schnauer bemühten sich teilweise mit Erfolg, zu retten, was es da noch zu retten gab. Jo.
Freitag, 22. Aug.: 6.00 Frühmu^ik; 6.30 lymn.; 6.45 Nachr.; 7.00 Melod. a. Morgen; 8.00 Stimme Amerikas ; 8.30 Morgen- riund ... ; 9.00 Haus u. Heim; 9.45 Nachr., Wasserstände; 10.00'Schulfunk; 11.30 Kin- ’ersuchd.; 12.00 Musik z. Mittagsst.; 13.15 Was jeder wissen muß: 13.35 Musik; 14.00 Schulfunk; 17.00 Uns. Solisten; 17.30 Aus
d. Weltliteratur; 17.45 Nachr.; 17.50 Musi- kal. Intermezzo; 18.15 Aktuelles u. Wissenswertes; 18.30 Sport; 18.45 Parteien sprechen (KPD ); 19.00 Stimme Amerikas ;
19.30 Schlagermelodien; 19.45 Nachr.; 20.00 Gruß a. uns. Kriegsgefangenen; 21.00 Besinnliche Stunde; 22.00 Blick 1. d. Welt;
22.15 Kammermusik; 22.45 Nachr.; 22.50 L. Templin ; 23.20 Musik v. M. Reger.
Samstag, 23. Aug.: 6.00 Frühmusik; 6.30 Gymn.; 6.45 Nachr.; 7.00 Melod. a. Morgen; 7.30 lytusik; 8.00 Stimme Amerikas ;
8.30 Morgenstund . .. ; 9.45 Nachr., Wasserstände; 10.00 Schulfunk; 11.30 Kinder- suchd.; 11.55 Kult. Vorschau; 12.00 Musik z. Mittagsst.; 12.45 Nachr.; 13.00 Musik, z. Mittagsst.; 13.15 Was Jeder wissen muß; 13.35 B. v. Geczy; 14.00 Uns. Volksmusik; 15.00 „La Bohäme“; 17.45 Nachr.; 17.50 Reigen schöner Melod.; 18.15 Streiflichter d. Zelt; 18.30 Rechtsfragen; 18.45 Hohner- Handh.-Orch. Trossingen ; 19.00 Stimme Amerikas ; 19.30 Pollt. Wochenbericht; 19.45 Nachr.; 20.00 Uns. bunte Stunde; 21.00 „Mit Musik geht alles besser"; 22.00 Beschwingt u. heiter; 22.45 Nachr.; 22.50 Tanzwelsen a. aller Welt.
Sonntag, 24. Aug.: 6.00 Frühmusik; 6.45 Nachr.; 7.00 Melod. a. Morgen; 7.30 Landfunk; 8.00 Stimme Amerikas ; 8.30 Morgenstund . . . ; 9.00 Kath. Gottesd.; 9.30 Kirchenmusik; 10.00 Besinnl. Morgen; 10.30 Konzert; 11.30 Oberbad. Städtebilder; 12.00 Musik z. Mittagsst.; 12.45 Nachr.; 13.00 Musik z. Mittagsst.; 13.15 Was jeder wissen muß; 13.30 Aus d. schwäb. Heimat;
14.15 Kinderfunk; 15.00 Kammermusik;
15.30 Musik; 17.00 Hörspiel; 18.30 Chorkonzert; 19.00 Stimme Amerikas ; 19.30 Sport;
19.45 Nachr.; 20.00 Musik; 22.00 D. Kritiker hat d. Wort 22.15 Meister ihres Fachs;
22.45 Nachr.; 22.50 Frohe Tänzklänge; 23.50 J. Heifetz , Violine.
Der Städteverband bittet daher das Staatsministerium, bei der Militärregierung und allen sonst zuständigen Stellen wegen rechtzeitiger Vorkehrungen — insbesondere auch lm Blick auf die Trans- portmittellage — vorstellig zu werden, damit die Ernährung der städtischen Bevölkerung in den kommenden Monaten unter allen Umständen mengen- und gütemäßig sichergestellt wird“.
Die am Donnerstagnachmittag durchgeführte Wahl des Oberbürgermeisters der Stadt Pforzheim Ist ergebnislos verlaufen. Nach dem ersten Wahlgang erhielten die Kandidaten Helmstädter (SPD ) II Stimmen, Dr. Brandenburg (DVP ) 5 Stimmen, Horst Gerhard (Ber lin ) 4 Stimmen, Ministerialrat Dr. Beizer 3 Stimmen. Eine Nachwahl findet am 29. August, 15 Uhr, statt, über die wir ausführlich berichten werden. OPP. *
In Mutschelbach verübte eine Einbrecherbande zahlreiche Kellereinbrüche. Bel ihrem letzten Besuch wurde aber der Bauer auf die Bande aufmerksam und stellte sich zur Wehr. Einer der Täter war mit einer Pistole bewaffnet, gab einen Schuß ab und verletzte den Landwirt schwer. Ein Nachbar, der sich am Fenster gezeigt hatte, wurde ebenfalls beschossen, erhielt aber lediglich einen Streifschuß.
In Mörsch fiel ein 4jähriges Kind ln einen Kübel mit kochendem Waschwasser und wurde so stark verbrüht, daß es noch am selben Tag lm Krankenhaus verstarb. —gh—
Stühlingen . Die staatliche Gehörlosenschule für Kinder lm Alter von 8 bis 14 Jahren, für die bereits 52 Kinder angemeldet sind, soll (laut Südena) Mitte September auf Schloß Hohenlupfen eröffnet werden. (Dena)
Immer noch trocken!
Übersicht: Eindringende kühlere Meeresluft vom Atlantik nach Mitteleuropa verursachte Bewölkung und geringfügige Regenfälle. Das über dem skandinavischen Raum lagernde Hoch wird aber seine Herrschaft wieder nach Süden ausdehnen, sodaß ergiebigere Regenfälle immer noch nicht erhofft werden können.
Vorhersage des Amtes für Wetterdienst Karlsruhe, gültig bis Sonntagabend. Anfangs gewittrige Regenfälle meist nur geringer Ergiebigkeit. Wolkig, Tageshöchsttemperatur 25—28 Grad; zum Wochenende wieder meist heiter und trocken. Höchsttemperaturen nachmittags um 30 Grad. Tiefsttemperaturen der Nächte um 15 Grad. Schwachwindig.
Rheinwasserstände vom 21. August 1947
Konstanz 337 — 2: Breisach 159 + 15: Kehl 178 — 2: Maxau 346 + 3: Mannheim 215 — 4g Caub 111 — 1.