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SÜDDEUTSCHE ALLGEMEIN«

Donnerstag, den 28. März 194»

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Gottes Mühlen mahlen langsam

Veröffentlich* unter Liren* Nr. US -WB 11J. Herausgeber Dr. J. Peter Brandenburg (Verlagsleitung) und Felix Richter (Cbefredaktton) Verlag: „Süddeutsche Allgemeine“ Pforzheim Telefon 2001 und 2002. Druck: Badische Presse. Karlsruhe , Waldstr. 2».

Auferstehung

FXR. „Unsere ethnologische Tra­dition will es, daß die Welt nie ihr Interesse an uns verliert. Man spricht gerade jetzt viel von und über uns. Wir waren das gefährlichste Volk der Erde. Wir sind das am meisten hungernde Volk der Erde. Die Super­lative begegnen sich bei uns ebenso Wie die Gegensätze. Aus der deut­ schen Masse mit Knobelbechern und Gefreiten winkeln, die in reinrassi­gem Herrenwahn bis zum Platz an der Sonne marschieren wollte, wurde das Volk der Unterernährten, die mit hungrigen Augen die Abfalltonnen kn Schatten der Ruinen durchwüh- len. Di« bei allen passenden und un­passenden Gelegenheiten stolz und »teil emporgereckten Arme sind kraftlos geworden und halten zit­ternd die hohlen Hände von Almoserr empfängern. Früher sang man voller Inbrunst .Deutschland , Deutschland Über alles ...‘ Und dann kam es umgekehrt: .Alles, alles über Deutsch­ land .. .* Alles, was notwendig war, um «us einer Nation und einem Volk den babylonischen Trümmer­haufen materieller und geistige^ Werte zu machen. Die Kraftströme der allgemeinen menschlichen Pola­rität sind aber nicht nur bei uns selbst in ständiger Funktion. Auch um uns herum wechseln die Extreme: auf Haß folgt Mitgefühl, den vier­motorigen Superfestungen folgen schließlich die Liberty-Schiffe mit zusätzlichen Rationen, und in den blutigen Fußstapfen besinnungsloser Vernichtung tastet sich langsam die Vernunft vorwärts. Das Osterfest 'trifft die Menschheit auf der Such« nach dem* hauchdünnen Faden, der Gut von Böse trennt, nach dem Geist, der uns und die anderen die .Feinde lieben' heißt."

Diese Sätze standen in einem Leit­artikel, der zum Osterfest 1947 geschrieben wurde. Inzwischen ist ein ereignisreiches Jahr vergangen und trotzdem könnten die gleichen Sätze erst heute geschrieben worden sein. In dieser Feststellung liegt eine tiefe Tragik. Denn es ist, als ob dieses ganze Jahr, ausgefülit mit un­zähligen Sorgen und Nöten, beladen mit einer endlosen Kette enttäusch­ter Hoffnungen, von uns vergeblich gelebt worden wäre.

Vielleicht geht sogar diese Über­legung einen Schritt zu weit. Für den Satz: „... in den Fuflstapfen be­

sinnungsloser Vernichtung tastet sich langsam die Vernunft vorwärts“ feh­len heute die zu Hoffnungen berech­tigenden Fortschritte und auch der innere Glaube aller jener, die guten Willens sind, hat immer schwerer gegen lastende Zweifel anzukämpfen.

Wo vor einem Jahr noch ohne künstlichen Optimismus an den ge­meinsamen Willen aller Überleben­den des letzten Krieges geglaubt werden durfte, die Formel für den wirklichen Frieden, den die Mensch­heit sucht' und ersehnt, zu finden, und wo es Ansätze gab, die ein Zu- sammenspiel der Kräfte dieser Welt in erreichbare Weiten rückte, da tür­men sich heute wiederum in beäng­stigendem Maße die Probleme, die zu allen Zeiten die mit Blut geschrie­bene Geschichte der Welt bestirflmt haben.

Den verstärkten Bemühungen der einen Seite, dem ewigen und natür­lichen Wunsch nach Freiheit und Würde des Menschen Geltung und Sicherheit zu verschaffen, stellen sich mit kalter Brutalität die destruk­tiven Kräfte der anderen Seite ln stetigem Anwachsen entgegen. Die Vernunft tastet sich nicht mehr vor­wärts, sondern sie tritt laut und fest auf — aber sie tritt auf der Stelle.

Vor nahezu zweitausend Jahren schlugen Unverstand und Haß das Gute und die Nächstenliebe ln Gol­gatha ans Kreuz. Seither wurden Millionen von Kreuzen errichtet, weil Unverstand und Haß er immer wie­der fertig brachten, mordend und vernichtend die Oberhand zu gewin­nen. Die Auferstehung des Erlösers blieb Symbol. Von den Millionen, dl« erschlagen, zerfetzt und ausgeblutet nach ihm sterben mußten, kam kei­ner wieder. Aber wir wollen sie ru­fen, eben jetzt, da wir der Aufer­stehung des Heilands gedenken und uns nach der Auferstehung des Gei­stes, des Glaubens an das Gute und an die Liebe zum Nächsten, sehnen. Wir wollen ihre Schatten an uns vorüberziehen lassen in endlosem, grauenvollem Zug, und die furcht­bare Anklage dieses Mlllionenheeres 'sinnlos geopferter Leben soll in all Ihrer erdrückenden Schwere unsere Empfindungen'dieses Osterfestes 1948 bestimmen. Vielleicht kann diese Auferstehung wieder jenen Glauben im Gefolge haben, aus dem die auf­bauenden Kräfte für eine bessere Welt neue Impulse erhalten können.

Dia Blaue Blume:

Traum und Symbol der Romantik

Bum in. Todestag von Novalis am 28. Mir«

JSr war ein echter, wahrer Mensch, (Me reinste, lieblichste Verkörperung eine« unsterblichen Geistes“, hat Ludwig Tieck über den mit 29 Jahren verstorbenen Freund Friedrich von Hardenberg , der Unter dem Namen Novalis ln dis Unsterb­lichkeit einging, geurteilt. Von den Früh- voUendeten der Literatur muß die Nach­weit setnen Verlust am herbsten be­dauern. Die Blaue Blume, das Sinnbild und das Symbol deutscher verinnerlichter Sehnsucht, leuchtet geheimnisvoll über •einem Werk wie ein nächtlicher Traum, wie eine dunkle Vision aus jenen Bezir­ken der Seele, die uns sonst verschlossen bleiben.

Novalis war der tiefste dichterische Geist der Älteren Romantik. Seine leichte, der Körperlichkeit der Erde fast schon entschwebte Seele lebte ln den Metaphy­sischen Räumen einer allbeseelten Gött­lichkeit. Seine fast mystischen Gedanken­gange waren von einer geradezu äthe­rischen Leichtigkeit, von einer Inbrünsti­gen Innerlichkeit und einer sehnsüchtigen Religiosität erfüllt. Die Stationen, in denen Heinrich von Ofterdingen zum Manne und zugleich zum Dichter heranreift, wa­ren die Stufen seines irdischen Seins, du-chleuchtet von der traumhaften Sehn­sucht nach der geheimnisvoll verschwim- menden blauen Blume, vergeistigt durch das nachhaltigste Erlebnis seine« irdi­schen Daseins- seiner so süßen, so hei­ligen und so tragischen Liebe au Sophie von Kühn , die mit 14 Jahren einem tOchischec Leberleiden erlag.

Schien nicht schon in diesem so schwe­ren Jahre 1797 der lodcer-leichte Lebens- tach-n des Dichters Novalis abgerissen zu werden? Aber noch einmal vergeistigte die Mus« setnen Schmer*. SU „ H y ran aa

Eines der scheußlichsten Naziverbre­chen hat nun nach 14 Jahren seine Auf­klärung gefunden. Zu den übelsten Schandtaten der lm Frühjahr 1933 auch ln Baden zur Macht gekommenen Nazi­partei gehörte der lm Mal durchgeführte Transport der verhafteten SPD - und Relchsbannerführer durch die Straßen der Stadt" Karlsruhe . Auf zwei offenen Last­wagen waren die Häftlinge aus dem Gefängnis geholt und dann unter Beglei­tung einer Musikkapelle und unter dem Gebrüll und Gejohle einer vieltausend­köpfigen fanatisierten Menge langsam durch die Straßen der Stadt geführt wor­den, am Landtag vorbei, um dann weiter •lach dem badischen Konzentrationslager Klslau bei Wiesloch transportiert zu wer­den. Dieses infame und niederträchtige Terrorstück, das selbst in jener an Sen­sationen gewiß überreichen Zelt ln aller Welt größtes Aufsehen erregte und von allen anständigen Menschen aufs schärfste verurteilt wurde, war weiter nichts wie ein persönlicher Racheakt des da­maligen Relchsstatthalters Robert Wag­ ner und des Innenministers Pflau- m e r, die damit an Ihren nun wehrlosen Gegnern Hemmele und Dr. Marum ihr Mütchen kühlen wollten.

Die ln Klslau Internierten SPD - und Reichsbannerführer wurden etwa ein Jahr später entlassen, mit Ausnahme des Reichstagsabgeordneten und früheren ba­dischen Justizminlsters und Staatsrat Dr. L. Marum, der als Einziger zurückgehal­ten wurde. Einige Wochen darauf wurde plötzlich bekannt, Marum habe sich ln seiner Zelle in Klslau erhängt, die ba­dische Naziregierung teilte sogar „amt­lich“ mit, Marum habe aus Schwermut, well er allein noch interniert geblieben sei, Selbstmord verübt. Die Leiche wurde auf Drängen der Angehörigen freigege­ben, die Bestattung fand unter äußerst starker Beteiligung der Parteifreunde Ma- rums ln Karlsruhe statt. Aber schon da­mals glaubte ln Karlsruhe niemand an einen Selbstmord Marums. Nicht nur di« nächsten Freunde und Bekannten Ma­rums, darüber hinaus waren auch weite Kreise der Bevölkerung davon überzeugt, daß an dem SPD -Führer ein scheußliches Verbrechen begangen worden sei. Als Ur­heber und Schuldiger wurde damals schon allgemein der damalige Kriminalkommis­sar der Gestapo Karl Sauer genannt, der gerade zur Zeit des Todes von Marum stellvertretender Lagerkommandant von Kis’au war.

Wir haben damals schon, sofort nach dem Tode Dr. Marums folgende Fest­stellungen getroffen, die wir an auslän­dische Zeitungen, u. a. an die „Neue Züricher Zeitung “ zur Veröffentlichung weiterleiteten. Wir stellten damals be­reits fest, daß sich Marum unmöglich aus Schwermut erhängt haben könne, denn gerade er sei es gewesen, der lm Lager Klslau dauernd seinen Kamera­den, die verzweifeln wollten, denen dt« Haft unerträglich geworden, Immer wie­der zugerodet habe. clo«h den Mut nicht zu verlieren. Auch die Weiter« Behaup­tung der Nazipropaganda, Manl'm sei zurückgehalten worden, weil er »ich ge­

weigert habe, den berüchtigten Revers, der jederft zur Entlassung kommenden Häftling vorgelegt wurde, zu unterschrei­ben, ln dem sich der Verhaftete ver­pflichtete, gegen den nationalsozialisti­schen Staat nichts mehr zu unternehmen, erwies sich als unwahr. Wir hatten da-

die Zelle von Marum und erdrosselten Ihn mit einer Paketschnur und hängten die Leiche,, um einen Selbstmord vorzu­täuschen, am Fensterkreuz auf. Die Mör­der sind fes.tgestellt: Der ehemalige SA- Hauptsturmführer Paul Heupel, der SS-Sturmführer Müller, der im Krie-

mals sofort festgestellt, daß Marum be- - ge gefallen Ist, der Baukaufmann H e 1 n

reit war, den Revers zu unterschreiben, wie auch, daß er sich bereit erklärt hatte, sich zu verpflichten, seine Rechts­anwaltspraxis nicht mehr auszuüben, eventuell sogar Deutschland zu verlassen. Für die Mörder tat auch Eile not, nach­dem bekannt geworden, daß Frau Marum lm Begriffe war, nach Berlin zu Hin- denburg zu fahren, der über den Trans­port der Häftlinge durch die Stadt eben­falls empört gewesen sei. Als besonders gravierend hatten wir schließlich fest­gestellt, daß der „Selbstmord" Marums sieh ausgerechnet während des Urlaubs des Lagerkommandanten Mohr ereignete, als dessen Stellvertretung der Karlsru­her Gestapobeamte Sauer dieses Amt inne hatte, der damals schon a' 1 gemein als der Mörder Marums bezeichnet wurde.

Es war natürlich, daß unsere Feststel­lungen ln der ausländischen Presse in Deutschland keine Beachtung fanden, daß weder von ihnen Notiz genommen wurde, noch ein Staatsanwalt Veranlas­sung nahm, auf Grund der präzisen Mitteilungen eine. Untersuchung oder ein Verfahren einzuleiten. Es besteht für uns kein Zweifel, daß nicht nur die Täter, die jetzt die Mordtat zugegeben haben, * die Schuldigen sind, sondern, daß darüber hinaus eine ganze Reihe Mitwisser und Mitschuldiger vorhanden sind, wir möch­ten nur den früheren Minister Pflaumer, den Leiter der Karlsruher Gestapo , . Berckmüller, und wer sonst noch damals ln hoher Nazifunktion war, nennen. Auch auf diese Herrschaften soll*« die Staats­anwaltschaft Ihre Erhebungen ausdehflen.

Nun Ist das Verbrechen aufgeklärt. Dl« Mörder drangen damals nacht« in

rieh Stix und der bereits genannte, frühere Kriminalkommissar der Gestapo , Karl Sauer. Es wird nun von der Staatsanwaltschaft Klage wegen Mord erhoben, die Verhandlung wird vor der Strafkammer Karlsruhe stattfinden. Ein weiteres schweres Verbrechen der un­seligen Naziherrschaft wird dann hoffent­lich seine wohlverdiente Sühne finden.

Hermann Winter.

Zur Ermittlung der Täter erfahren wir vom öffentlichen Kläger der Karlsruher Spruchkammer und der Ermittlungsabtei­lung Nordbaden noch folgende Einzelhei­ten: Seit 1945 wurden die. Untersuchungen durchgeführt, die Jetzt in relativ kurzer Zeit zu dem überraschenden Ergebnis führten. Die beiden, Stix und Sauer, wur­den in Internierungslagern entdeckt, wo sie ihre Aussagen bis Ins kleinste Detail absprechen konnten. Hierdurch wurden die Bewelsautnahmen besonders er­schwert. Der ehemalige SS-Sturmführer Müller war im letzten Kriege gefallen, und auch von dem vierten Komplizen Heupel kursierten Gerüchte, daß er ver­schollen sei, ja sogar seine Angehörigen erklärten ihn für tot.

Der Ermittlungsabteilung Nordbadjfa gelang es. jedoch, in Stadt — Oldenburg (es sind noch 14 Orte mit demselben Na­men ln Deutschland zu finden!) Heupel lebend anzutreffen und ihm nach Karls­ ruhe zu transportieren. Dort hat er auch als erster ein rückhaltloses Geständnis abgelegt und die Tat geschildert. Bel der Gegenüberstellung mit Sauer hat dieser ebenfalls gestanden, Stix leugnet noch, ist aber auf Grund der belastenden Be­weise als überführt zu betrachten. SAZ

Für Reformierung des Presse-Lizenzwesens

Journalisten fordern redaktionelle Mitverantwortung in den Zeitungen

Stuttgart , 24. März (DENA). Der .Würt­ temberg - badische Journalistenverband faßte hier in seiner kürzlich stattgefun­denen diesjährigen Hauptversammlung zwei Entschließungen, in denen er die gleiche 'redaktionelle Verantwortung für Lizenzträger und Redakteure und eine entsprechende Reform des Presse-Lizenz­wesens fordert und um die Gewährung von Lebensrrvtttelzulagekarten für Jour­nalisten bittet. Die Entschließungen sol­len dem Direktor der amerikanischen Militärregierung für Württemberg-Baden und den verantwortlichen deutschen Stellen zugeleitet werden.

,,Die umfangreichen Erfahrungen in mehr als zwei Jahren haben gezeigt, daß das gegenwärtige Lizenzsystem der not­wendigen Wiederherstellung des Ver­trauend zwischen Zeitung und Leser hin­derlich Ist“, heißt es ln der ersten Ent­schließung. Die Hauptversammlung be*

Pressefreiheif sfelil nidif nur auf dem «Papier

Initiative des DENA-Berkhterstatters im Fall Langwasser anerkannt

an die Nacht - , ihrem Gedächtnis gewid­met, ließen ihn die trostlose Verlassen­heit jener Tage noch für kurze Jahre überwinden. In der Gloriole mystischer Verklärung, in der tröstenden Verherr­lichung künftiger Wiedervereinigung (Wie­derverkörperung) sah er die Geliebte: „In ihren Augen ruhte die Ewigkeit, ich faßte ihre Hände, und die Tränen wur«, dtn ein funkelndes unzerreißbares Band. Jahrtausande zogen abwärts in die Ferne wie Ungewitter." In eigenwilliger Prosa und ln rhythmisch beschwingten Versen, ln erhabenen Bildern und in geheimnis­voll verklärter Sehnsucht formt er ein Vermächtnis an die Nachwelt und die Vergeistigung seiner Innerlichkeit zu ewi­ger Gültigkeit: „Ich lebe bei Tage / Voll Glauben und Mut / Und sterbe die Nächte / In heiliger Glut. -

Friedrich von Hardenbergs bewußtes Laben stand mehr als das anderer gleich- gesinnter Menschen lm Banne der Nacht und damit des Todes. Er unterstand den Gesetzen des Transzedenten mehr als jenen der sichtbaren Welt. Seine Seele beschloß er fast krankhaft vor dem Licht, um seinen Ideen zu leben. Sich zu voll­enden war ihr nicht vergönnt. Nirgendwo war aber wohl das Einssein zwischen All und Mensch und zwischen Natur und Seele so Innig und harmonisch gewesen als bei Friedrich von Hardenberg , der sich Novalis nannte und vor dem Schleier­machers herrlicher Nachruf so treffend gekündet hat: „Wenn die Philosophen werden religiös sein und Gott suchen wie Spinoza , und die Künstler fromm sein und Christum lieben wie Novalis , dann wird die große Auferstehung gefeiert werden für beide Welten. -

&E» JSrtter Gberkampl

München , 22. März (DENA). Amerika­ nische Stellen werden nichts gegen den Reporter des Dena-Büros Nürnberg, Erich Helmensdorf er, der kürzlich für drei Tage den Platz eines Internierten des Lagers Langwasser einnahm unter­nehmen, erklärte Mr. William A. Grif­flth, der Leiter der Entnaziflzierungs- abteilung bei der Militärregierung in Bayern . Helmensdorfer hatte aus der Perspektive eines Internierten einen Be­richt über die Verhältnisse lm Inter­niertenlager Langwasser gegeben. (Siehe SAZ Nr. 28 und 29.)

Mr. Grifflth betonte, daß er die Ini­tiative des deutschen Journalisten aner­kenne, er könne aber dessen Methode, durch die ein Internierter sich für drei Tage auf freiem Fuß befand, nicht zu­stimmen. Da die Sicherheit der Lager­verwaltung jedoch durch diesen Zwi­schenfall nicht bedroht gewesen sei,

Vom Abenteurer Zum Millionär

Bad Nauheim (DENA). Vor 100 Jahren, am 29. März 1848, starb in New York Jo­ hann Jakob Astor , einer der ersten Wirt- söhaftspioniere Nordamerikas . Mit seinem Tode ging ein abenteuerliches und erfolg­reiches Leben zu Ende. Johann Jakob Astor wurde am 17. Juli 1763 in dem badischen Städtchen Walldorf bei Heidelberg als Sohn eines Metzgers*ge­boren. Als 14jähriger ging er zu einem älteren Bruder nach London , bei dem er den Bau von Musikinstrumenten erlernte. Unmittelbar nach dem englisch -amerika­nischen Krieg reiste er nach Amerika . Zunächst trieb er Holzhandel mit den Indianern und Grenzern des Staates New York und Kanadas . Schon nach kurzer Zelt gelang es Ihm, ein beträcht­liches Vermögen zu erringen, das er von Jahr zu Jahr vergrößerte. Er versuchte den nordwestlichen Teil Nordamerikas in seinen Geschäftsbereich einzubeziehen. Von dort aus wollte er den Pelzhandel und durch direkte Verbindung mit China die Tee- und Seideneinfuhr monopolisie­ren. Dieser Plan, der lm Staate Oregon teilweise Verwirklichung fand, scheiterte an den kriegerischen Verwicklungen mit England und an der Untreue von Astors Angestellten. Die Einzelheiten dieser Un­ternehmung schilderte Washington Irving ln seinen Romanen „Astoria“ und „Lifo of Captaln Bonnevillo". Nach dem Schei­tern dieser Pläne beschränkte Astor seine Unternehmungen auf die Vereinigten Staaten , besonders auf New York . Sein Vermögen erwarb er mit Grundstücks­spekulationen in den neu erschlossenen nordwestlichen Staaten und in New York . Durch das rapide Anwachsen dieser Stadt stieg sein Bodenbesitz so im Werte, daß er bei seinem Tod auf zwanzig Millionen Dollar geschätzt wurde.

Astors Geburtsstadt Walldorf wird den Todestag Ihre* größten Söhnet feierlich begehen.

werde die Militärregierung von einem Eingreifen Abstand nehmen. Mr. Emest Langendorf, der Chef der Presseabtei­lung bei der amerikanischen Militärre­gierung, schloß sich in einer Stellung­nahme den Erklärung von Mr. Grifflth an. — Der amerikanische Rechtsanwalt bei den Nürnberger Kriegsverbrecher­prozessen, Morton M. Barbour, der sich bereit erklärt hatte, Helmsdorfer im Falle einer Gerichtsverhandlung vor einem amerikanischen Militärgericht zu verteidigen, drückte seine Befriedigung über den Entscheid der Militärregierung von Bayern aus. Mr. Barbour erklärte, dieser Beschluß werde den Deutschen zeigen, daß die Amerikaner die Presse unterstützten, solange eine Berichter­stattung wahr sei und wirkliche Miß­stände aufdecke. „Und daß die Presse­freiheit nicht nur auf dem Papier steht - .

zeichnet darin die Form der Presse* lizenzen als korrekturbedürftig und for­dert, daß die redaktionelle Verantwor­tung bei der Zeitung in allen Fragen nicht mehr allein von den Lizenzträgem, sondern auch von den Redakteuren über­nommen wird. Die« müsse in einer ent- * sprechenden Verlagskonstruktion juri­stisch festgelegt werden. In der Ent­schließung heißt es dann: ,,Zur Schaf­fung einer unabhängigen Presse muß der Lizenzträger von Parteisteuerung, behördlichen und sonstigen Sonderinte­ressen, die den Charakter einer unab­hängigen Zeitung beeinflussen, frei sein. Außerdem muß der Lizenzträger über eine ausreichende Berufserfahrung als Journalist und als Verleger verfügen.“

Deutschland -Rundschau

VEREINTE WESTZONEN*

Stuttgart (1z). Der Ländern! u4 l*» parlamentarische Rat der US -Zon® werden am 29. 3. 1948 zu einer Sondersitzung zu- eammentreten, um amerikanische Abände« rangsvorschläge zur Entnazifizierung zu be­handeln, die aut Empfehlung der Befreiung* minister der US -Zone basieren.

Stuttgart . (Dena). Die Bauern dee Landkreise« Sinsheim haben bisher 22 Tonnen Lebensmittel aus Ihren Selbstversorgerratio­nen für die Mannhehner Schuljugend ata Ostergeschenk gesammelt.

Frankfurt (Dena). Polizeibeamte «&*> deckten hier bei der Kontrolle eines Last* xugea etwa eine halbe Million Zigaretten. Sie waren ln einer Kühlanlage versteckt, dt# der Zug transportierte.

Frankfurt . (Dena). Der neue Scrtp-Dol- ter, der am Montag an Stelle der bisherigen MllitSrdollarnoten an die am afrikanischen Besatzungstrup£n in Deutschland ausgegeben wurde, wird bereits kn Frankfurt auf dem Schwarzmarkt gehandelt VISfiZONENSTADT BERLIN*

Berlin , (ap). Als neue Berliner Tagen« aeifung erscheint nunmehr das britisch Ilsen« zierte unabhängige Blatt ,,Der Tag", das als Sprachrohr Jakob Kaisers dienen wird.

Das Leben ein Nachtasyl

▼or M Jahren (28. März) wurd« Maxim Gorklj gehör Mt

Trübe« Schwarz erst, lichte Tönungen später, entquollen dem Farbkasten, als der Pinsel des Lebens Maxim Gorkijs Bild malte. Die Grundierung fand am 26. März 1868 in Nlshnlj Nowgorod statt, als Alexej PJeschkow ln das Dasein trat. Das Pseudonym Maxim Gorklj nahm er später erst an: Maxim, lm Andenken an den Vater (Tapezierer aus Perm); Gorkij , gleich „bitter“, wählte er lm Hinblick auf sein Schicksal. Mit dem fünften Jahre verwaiste er. Sein Großvater, der Färber Kaschlrin, erzog das Kind. Kaum der Kunst des Lesens mächtig — dabei lock­ten die Bücher, schwebten Held und Heldin hoch in nächtlichen Träumen — kam der Knabe neunjährig in ein Schuh­geschäft. Der Unglückliche, ln welchem der Drang nach Lernen, nach Lektüre gierte, entlief. Hungernd, verzweifelt, durchirrte sr die Straßen. Half Pläne zeichnen, Heiligenbilder malen. Tat Dienst als Küchenjunge auf einem der Dampfer, die den weiten, geheimnisvollen, sein eintöniges Lied murmelnden Strom, die Wolga , klelschneidend befuhren. Maxim versuchte mit fünfzehn, in der Lehran­stalt Kasan anzukommen. Geldmangel verschloß die Tore. Voll bitterer Weh­mut, versuchte er nun den Broterwerb als Arbeiter, Holzsäger, Lastenträger. Das Elend siedete zum Höhepunkt. „Ist kein Pfad, kein Weg zu schauen ...” Er wollte es selbst aufgeben, dieses Leben. Die Form zerbrechen, die ihn hier unten festhielt. Aber noch einmal versuchte er den Kampf. Genesen, ward er Apfel­händler, Bahnwärter, Kwasverkäufer, Schriftführer bei Rechtsanwalt Lanln. Dann schenkte er sich ganz Rußland . Des große, ausgedehnte, mystische, hei­lig-grausame „Mütterchen Rußland“, ward seine Straße. Kreuz und quer durch­wandert« er Stoppen und Wälder, Städta

und Ort«. 1892 lernt« er ln Nlshnlj Ko- rolenko kennen. Jetzt begann des Schrift­stellers Maxim Gorklj’» Lebenl Ging über zur hellen Farbe.

Seine Feder packt« grausames Ge­schehen ln Romane, Novellen und Schau­spiele. Aufgefangen aus dem traurigen Reichtum der Erfahrungen, sandte er di« Früchte der dunklen Zelt hinaus, sehr!« sie in die Welt. Kein barmherziger Schleier deckte Vergessen über Erdulde­tes. Sein Geschick stand ja nicht allein. Anklage schleuderte er ln das Forum sat­ter Bourgeoisie. Hilfe sollte erstehen. Begabten müßten die Schulen sich öffnen, krasse Not und nacktes Sein gemildert werden. Spiegel mußten die Sätze sein, reflektieren, was unerträglich. Jedes Werk, das er aussandte, rang die Hände: „So geht es zul Versteht dochl Versteht!“ „Foma Gordejew“, „Drei Menschen“, ..Dia Mutter" sind nur einige aus dem Füllhorn der Gaben, Kunstereignisse, Meisterwerk» in «aturalistisch-psychologischer Drama­tik geballt, Dokumente menschlicher Ge­schicke, Krieg und Revolution. In den samtenen Sesseln wohlgeheizter Theater saßen einmal deutsche Menschen. Hörten die beklemmenden Szenen des „Nacht­ asyl “. Kalt überlief es sie, besonders, wenn Alexander Moissi eine Rolle sprach. Sie dachten, wenn sie nach der Vorstel­lung noch einen Imbiß elnnahmen, dazu wohltemperierten Rotwein tranken: „Gott­lob, daß alles nur ein Theaterstück war!“ — Und heute ... ist ganz Deutschland

.Uin Nachtasyl“.-Am 18. s. 1938

schloß sich der Deckel des Farbenkastens über diesem wirbelnden Gemälde. „Der Vater der Literatur des Proletariats“ war nicht mehr. In seinen „3 Menschen" frägt eines der Kinde:: „Aber was Ist denn das — .gestorben 1 ?“ „Die Seele ist fort- geflogea“, lautet di« Antwort. Jo GnafeUus.