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Mittwoch, den 23. 'August 1948

Bundesrechft bricht Landesrecht

Westdeutscher Verfassungskonvent beendet seine Arb eiten auf Herrenchiemsee

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Lizenz-Nummer: US - WB 112. Herausgeber und Chefredakteur; Felix Richter. Verlag; „Süddeutsche Allgemeine" Pforzheim / Baden .

Zerreißprobe der Freiheit

HAD, Als In der vergangenen Woche In Berlin Schlisse über den Potsdamer Platz peitschten, lösten sie In der Bevölkerung dieser schwergeprüften Stadt eine wilde Welle der Empörung aus. Sie galt nicht einmal so sehr den Aktionen der deut­ schen Ostsektoren-Pollzei gegen den Schwarzmarkt an Jenem größten Verkehrs­knotenpunkt der belagerten Millionen­stadt, sondern kennzeichnete vielmehr die seit langen Monaten und Jahren aufge­speicherte Erregung dieser drangsalierten Menschen Uber die Terrorherrschaft ge­wisser Elemente, denen eine billige An­erkennung fremder Statthalter für ihre kol- laborlstlsche Haltung vieles mehr bedeutet, als das beinahe namenlos, gewordene Leid Ihrer eigenen Schwestern" und Brüder.

Die Wut der Berliner wurde nicht zum Schutze einiger Schwarzhändler ausgelöst; sie traf den willfährigen Arm eines ganzen Systems, das sich human, freiheitlich und „volksdemokratisch" nennt, während es im gleichen Atemzug unmenschlich, despo­tisch und anarchisch zerstörend alle pro­klamierten Rechte der Menschheit mit Kommißstiefeln zertritt und eine Millionen­bevölkerung durch politische Winkelzüge dem Hunger aus liefert.

Die durch zahllose äußere und seelische Drangsalierungen bis zum Letzten ange­spannten Nerven der Berliner haben den Zerreißpunkt erreicht. Hohnvolle Versiche­rungen und Resolutionen volksfremder De­magogen, denen diese Stadt bereits im Oktober 1946 eine unmißverständliche Ab­sage erteilt hatte, verfangen dort nicht mehr, wo der politische Steckbrief den angsterfüllten Alltag regiert und Familien nicht wissen, ob sie den Abend noch In der gleichen Gemeinsamkeit verbringen dür­fen, In der sie den Morgen begannen. Jene Steinwürfo und Faustschläge, die am Potsdamer Platz auf die Marionettenfigur des ostberliner „Polizeipräsidenten " Mark­graf und seine uniformierten Helfershelfer sowie die kommunistischen Agitatoren und Transparentträger als Antwort auf die In zahlreichen Fällen angewandten Methoden des Menschenraubes nach östlichen In­struktionen hernlederhagelten, waren zu­gleich auch für alle diejenigen poli­tischen Apostel bestimmt, die hinter dem eisernen Vorhang oder überall sonst be­wußt den Willen des deutschen Volkes mißachten, sich die in der Atlantik-Charta niedergelegten Grundfreiheiten und demo­kratischen Rechte wiederzuerringen.

Auf diesen Weg sind wir durch die Leh­ren der Vergangenheit geführt worden. Die Lehren der Zukunft müssen nun zeigen, daß dieser Weg auch für ein besiegtes Volk gangbar ist, weil alle Besatzungs­mächte — nicht nur die westlichen — von der gleichen Ueberzeugung beseelt sind,, daß es nicht genügt, allein die Vorzeichen zu ändern. Wenn heute mitten In Berlin zum Schutz der Einwohner der Westsek­toren vor den Gewalttätigkeiten deutscher und fremder Büttel Stacheldrahtzäune er­richtet werden müssen, hinter denen ge­meinsam mit den rechtmäßigen, vom Wil­len der Bevölkerung getragenen Hütern der Ordnung die Militärpolizisten der Westmächte patroullieren, dann werden diese provisorischen Zäune zu symbo­lischen Bollwerken gegen die vielgestaltig drohenden Angriffe auf die menschliche Freiheit In aller Welt.

Der Westen hat uns gezeigt, welches kostbare Gut durch Achtlosigkeit oder Furchtsamkeit verlorengehen kann; die Welt hat nun den Beweis zu erbringen, daß sie Im Stande Ist, mit klarem Blick eine „demokratische Hülle" von Ihrem roten Kern zu scheiden. Diese am Berliner Dreisektoreneck von Deut/chen auf Deutsche abgefeuerten Schüsse geben deutlichen Aufschluß über die Zerreißprobe, der die Freiheit aller Völker in diesen Monaten In Deutschland ausgesetzt Ist. Sie zu schützen Ist eine Aufgabe, der sich keine demokratische Nation der Erde entziehen kann, ohne sich mit Schande zu beflecken.

Herrenchiemsee , 24. Aug. (DENA). Der seit dem 10. August auf Herren­ chiemsee tagende Verfassungskonvent der elf westdeutschen Länder schloß am Montagabend nach Entgegennahme des Berichtes der Kommission für Kompetenzfragen seine Arbeit ab. Der Konvent kam in seiner Abschlußsifr- zung überein, dem parlamentarischen Rat den Vorschlag von Professor Dr. Fritz Baade (Schleswig-Holstein ) zu empfehlen, sich mit einer direkten Petition an den amerikanischen Kon­greß zu wenden, wonach Garantien für die Achtung der Grund- und Frei­heitsrechte der Deutschen durch die Besatzungsmacht sichergestellt wer­den sollen.

Der parlamentarische Rat soll — dieser Empfehlung zufolge — beantra­gen, daß ein internationaler parla­mentarischer Ausschuß aus Parla- mentsvertretem der USA , Großbritan­ niens , Frankreichs und der deutschen Westländer gebildet wird. Dieser Aus­schuß soll für das Gebiet des Bundes Deutscher Länder die Befugnis eines obersten Schiedsrichters für die. Schlichtung von Streitigkeiten zwi­schen Deutschen und Vertretern der Besatzungsmächte in allen Fragen der Verletzung der Grundrechte in Deutschland erhalten.

Nach den vom Plenum ohne wesent­liche Aenderungen entgegengenomme­nen Empfehlungen der Kommission für Kompetenzfragen sollen der aus­wärtige Dienst, die Bundeseisenbah­nen und die Bundespost in bundes­eigener Verwaltung mit eigenem Ver­waltungsunterbau geführt werden. In bundesunmittelbarer Selbstverwaltung sollen die Versicherungsträger für die Zweige der Sozialversicherung ste­hen, bei denen der Gefahrenausgleich nur bei einheitlicher Zusammenfas­sung für das ganze Bundesgebiet ge­währleistet ist. Außerdem soll eine Bundeswährungsbank gegründet wer­den.

In der Frage der'.-Kompetenzen von Bundes- und Ländergesetzgebung kam man überein, daß Bundesrecht vor Landesrecht geht. Der Inhalt der Bundesgesetze soll dadurch beschränkt werden, daß kein Gesetz Grundrechte antasten oder Vorschriften des Grund­gesetzes verletzen darf. Der Bund hat die ausschließliche Gesetzgebung über auswärtige Angelegenheiten, Bundes­angehörigkeit, Paßwesen und Aus­wanderung, Währungs-, Geld- und Münzwesen, Einheit des Zoll- und Handelsgebietes, Zoll- und Handels­verträge sowie Freizügigkeit im Wa­renverkehr, im Post- und Fernmelde­wesen sowie im der Bundesstatistik.

Königstein , 24. Aug. (SAZ). Eine Konferenz des Vorstandes der Ar­beitsgemeinschaft der CDU/CSU tagte gemeinsam mit den Landesvorsitzen­den am 20. August in Königstein , un­ter dem Vorsitz von Dr. Erich Köh­ ler . Vertreten waren alle Landesver­bände der drei Westzonein sowie der Landesverband Berlin , ferner die Ost­zone durch Jakob Kaiser und Emst L e m m e r. Zur Beratung standen die schwebenden politischen Fragen. In der CDU/CSU besteht sowohl über die Stellung der Partei zum Parlamenta­rischen Rat wie über die Aufgaben der künftigen Fraktionen der CDU/ CSU im Parlamentarischen Itat volle Einmütigkeit. Man kam überein, aus praktischen Erwägungen die CDU - Fraktionen der Länder neben den or­dentlichen Mitgliedern ’zum Parlamen­tarischen Rat auch ständige Stellver­treter wählen zu lassen. Die Hinzu­ziehung von Vertretern Berlins zum Parlamentarischen Rat wurde lebhaft

1 begrüßt. Die Konferenz verband da­mit ein klares Bekenntnis zum Kampf der Berliner Bevölkerung für Freiheit

Der Katalog der Vorranggesetz­gebung des Bundes soll 37 Punkte ent­halten, u. a.: Bürgerliches Recht; Strafrecht und Strafvollzug; Gerichts­verfassung und gerichtliches Verfah­ren für die' der Bundesgesetzgebung zustehendem Gebiete; Handels-, See- und Binnenschiffahrt sowie Wechseä- und Scheckrecht; Urheberrecht, Ver­lagsrecht und gewerblicher Rechts­schutz.

Im Bereich der Vorranggesetzgebung des Bundes sollen die Länder das Recht der Gesetzgebung behalten, so­lange und soweit der Bund von seinem Gesetzgebungsrecht keinen Gebrauch macht. Der Bund regelt nur, was bundeseinheitlich geregelt werden soll. Im Bereich der ausschließlichen Gesetzgebung des Bundes sollen die Länder nur dann die Befugnis zur Ge­setzgebung haben, wenn sie hierzu in Bundesgesetzen ausdrücklich ermäch­tigt werden, oder wenn ihre Gesetze lediglich Bundesgesetze vollziehen. Soweit das Grundgesetz nicht aus­drücklich anders bestimmt, sollen die Länder das Bundesrecht mit ihren Verwaltungseinrichtungen und nach ihrem Verwaltungsverfahren voll­ziehen.

Bei der Behandlung der Zuständig­keit in der Finanzgesetzgebung be­stand Einmütigkeit darüber, daß dem Bund die Hoheit über die Zölle, sowie über die Verbrauchs-, Umsatz- und Verkehrssteuem obliegen soll. Eine Minderheit vertrat den Standpunkt,

München , 24. Aug. (SAZ). Die Vertei­lung der 13 bayerischen Delegiprtenposten für den Parlamentarischen Rat hat in München eine heftige Auseinandersetzung hervorgerufen. Nachdem ursprünglich Mi­nisterpräsident Dr. Hans Ehard der Bayem- partei einen Sitz versprochen hatte, wurde nun nach einer stürmischen Fraktionssit­zung der CSU von der Mehrheit der CSU - Abgeordneten entschieden, die Sitze wie folgt zu verteilen; 8 Sitze der CSU , 4 Sitze der SPD , 1 Sitz der FDP , damit sind praktisch die kleinen Parteien, nämlich die KPD , WAV und die Bavernpartel ausgeschaltet. Auch bei der SPD kam es zu einer Ueberraschung durch Exminister­präsident Dr. Wilhelm Högner , der seine einstimmige Benennung ablehnte. Nach Be­kanntwerden des CSU -Beschlusses hatte die Bayerische Partei telegrafisch die Lan­desvorstandschaft einberufen und dagegen protestiert, daß nur die im Landtag ver-

und Recht unter besonderer Würdi­gung des . entschlossenen Einstehens des Landesverbandes Berlin der UNION unter Führung ihres Vorsit­zenden Dr. Walther Schreiber.

Der Ausschuß der Arbeitsgemein­schaft für Lastenausgleich erhielt den Auftrag, seine Arbeiten nach Eingang des vom Verwaltungsrat für Wirt­schaft angeforderten Materials zu be- ,schleunigen. Die SPD in Schleswig- Holstein hatte durch ein Sander­gesetz die in ihrer Wirkung entschädi­gungslose Enteignung von Grund und Boden nach sowjetischem Muster im Landtag beschlossen. Sie hatte durch diese partikularistische Sonderrege­lung gleichzeitig in weitem Umfang den gemeinsamen deutschen Lasten­ausgleich vorweggenommen und ge­fährdet. Die Arbeitsgemeinschaft CDU / CSU und die Landesvorsitzenden der CDU/CSU stellten sich hinter die CDU Schleswig-Holsteins , die mit Schärfe die Uebemahme von Ost- zonen-Methoden in den Westen ab­lehnt. F. H.

daß für die Btersteuer nicht der Bund, sondern die Länder zuständig sein sollen. Dabei wurde erwähnt, daß die Biersteuer insbesondere für die bay­rische Finanzpolitik von ganz beson­derer Bedeutung sei.

Man kam überein, daß Länder und Bund ausreichende Finanzierungsquel­len zur Bestreitung der eigenen Be­dürfnisse haben sollen. Uebereinstim- mend wurde hier eine Regelung vor- geschlagen, die weder den Bund zum Kostgänger der Länder macht, noch die Länder zu Kostgängern des Bun­des. Es wurde angeregt, zum Aus­gleich von Fehlbeträgen des Bundes die Umsatzsteuer zwischen Bund und Ländern aufzuteilen. Dadurch soll ein besonderes Interesse der Länder an der Ausgabewirtschaft des Bundes sicherfeestellt werden.

Der Bund soll insbesondere die Ko­sten der Bundesverwaltung, der Be­satzung und der Sozialversicherung tragen und seine Ausgaben im wesent­lichen aus den Ablieferungen der Bundesbahn und d^r Bundespost sowie aus dem Aufkommen der Zölle und der Verbrauchs-, Einkommens-, Umsatz-, Beförderungs- und Versicherungs- Steuern 'bestreiten. Ueber die Ver­wendung aller Bundeseinnahmen soll der Bundesminister der Finanzen im Bundestag und im Bundesrat Rechen­schaft ablegen. Die Rechnungsprüfung soll einem mit richterlicher Unab- hängikeit ausgestatteten Rechnungshof übertragen werden.

tretenen Parteien über die Beschlüsse für die Zukunft Bayerns entscheiden dürfen. Die Bayern -Partei kündigte eine Gegen­aktion gegen diese „Vergewaltigung" an. Wahrscheinlich wird die Bayern -Partei zu einem Volksentscheid aufrufen. dem sich auch die KPD anschließen dürfte. Inner­halb der CSU kam es bei der Verteilung der Sitze zu einem Streit, da Kultusmini­ster Dr. Alois Hundhammer Staatsrat a. D. Fritz Schaffer , den zum linken Müller- Flügel in Opposition stehenden Exponen­ten der föderalistischen CSU -Gruppe, in den Parlamentarischen Rat bringen will. xh.

Stuttgart , 24. Aug. (SAZ). Der eher malige deutsche Reichskanzler, DK Heinrich Brüning , der, wie er mit­teilte, „aus einer Reihe von Gründen nicht in der Lage ist, vor der Kammer zu erscheinen“, nahm heute schrift­lich zu den Fragen des öffentlichen Klägers im Schacht-Prozeß Stellung.

„Ich habe im Juli. 1931 Herrn Dr. Schacht die gleiche Stellung als Devi­senkommissar angeboten, die er seit Herbst 1923 hatte, bevor er zum Reichsbankpräsidenten ernannt wurde. Ein Angebot, ihn zum Reichsbankprä­sidenten zu ernennen, ist von mir nicht gemacht und auch nicht beab­sichtigt worden. Aus anderen Grün­den, die dagegen sprachen, würde sich Reichspräsident von Hindenburg . 1933 noch einer Ernennung Schachts' zum Reichsbankpräsidenten widersetzt ha­ben. Hitler hat miT noch kurz vor der Bankkrise erklärt, daß er nichts von Schacht wissen Wolle, da er Schachts Rücktrittsgesuch im Januar 1930 mit der Haltung eines Generals verglei­chen müsse, der sich vor der Verant­wortung für die Ausführung der von ihm selbst gemachten Pläne drücke. Es ist schwer für mich, zu sagen, welche Pläne Dr. Schacht in jeder Phase seiner politischen Entwicklung gehabt hat. Ich bin der Ueberzeugung,

Deutschland-Rundschau

VEREINTE WESTZONEN t

WIESBADEN . In Hessen werden ml* Wirkung vom 15. Sept. sämtliche Straßen­verkehrsämter in den Landkreisen und kreisfreien Städten sowie die Straßenver­kehrshauptämter der Regierungsbezirke aufgelöst. — OLDENBURG . Strafkammer Oldenburg eröffnete den bisher größten Schleberprozeß Nordwestdeutsdilands. — MÜNCHEN . Der flüchtige ehemalige baye­ rische Sonderminister Alfred Loritz wurde von der WAV-Fraktion endgültig als De­legierter für den Parlamentarischen Rat nominiert. / 600 tschechoslowakische Flücht­linge reisten in einem Sammeltransport von München nach Italien ab.

FRANZÖSISCHE ZONEc

TÜBINGEN . Der britische Labourabge- ordnete Didc Crossmann hielt sich laut Südena am Wochenende in Tübingen auf, um sich persönlich über die Verhältnisse in der Uhrenindustrie Südwürttembergs zu unterrichten. — OBERNDORF . Nach einer von Südena verbreiteten Mitteilung der französischen Militärregierung werden fünt Gebäude der ehemaligen Waffenfabrik Mauser A.G. von der vorgesehenen Spren­gung ausgenommen.

SOWJETZONE:

POTSDAM . Die Gemeindewahlen in der sowjetischen Zone, die in diesem Herbst fällig gewesen wären, sind auf Herbst 1949 verlegt worden. — ERFURT . Der Landes­vorstand Thüringen der „Freien Demokra­tischen Jugend“ hat beschlossen, einen Sonnabend in Jedem Monat zum „Sonn­abend der Jugend“ zu erklären.

VIERZONENSTADT BERLIN:

BERLIN . Der bedeutende Berliner Kunst­historiker Professor Adolf Behne ist am Sonntag im Alter von 63 Jahren in Berlin einem Herzanfail erlegen.

(Alls nicht gezeichneten Nachrichten: DBNA)

Beschränkungen im Straßenverkehr

Pforzheim , 24. Aug. (SAZ). Das Straßen­verkehrsamt bittet uns, noch einmal be­sonders auf die noch in Kraft befindlichen Verordnungen zur Beschränkung im Kraft­fahrzeug verkehr unter besonderer Beach­tung des Kraftfahrzeugmißbrauchgesetzes vom 3. August 1948 hinzuweisen.

Wie DENA aus Tübingen meldet, ist auf Anordnung des französischen Ober­befehlshabers in der französischen Zone der Kraftfahrzeugverkehr zwischen 22 und 5 Uhr verboten. Ausgenommen sind Le­bensmitteltransporte und Krankenbesuche von Aerzten.

daß Schacht in den Jahren 1931—32, wo ich die .Dinge beurteilen kann, Hitleir sofort hätte fallen lassen, wenn ihm das Reichbankpräsidlum angebo­ten worden wäre. Wie verschieden die Auffassungen über Schacht in der Zeit unmittelbar nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler waren, zeigt z. B. eine Aeußerung von Herrn Dr. Oberfohren, dem Führer der Deutschnationalen Partei im Reichs­tage, die er meinem Freund, Dr. Per- litius, dem Führer der Zentrums- Fraktion im Reichstage, gegenüber im März 1933 gemacht hat. Sie lautet un­gefähr: Die einzige Hofinung, Hitler wieder zu beseitigen, würde in einer Ernennung Schachts zum Reichsbank­präsidenten liegen. Schacht würde in dieser Stellung in der Lage sein, Hit­lers Wahnsihnspläne von der Reichs­bank her zu kontrollieren und schließ­lich unschädlich zu machen. Inwieweit Dr. Schacht beabsichtigte, im Sinne der Ausführungen Dr. Oberfohrens zu handeln, und wie weit er dazu noch in der Lage war, nach den äußerst günstigen finanziellen Erleichterun­gen, die vom Auslande 1934 und 1935 Deutschland gewährt wurden, vermag, ich nicht zu beurteilen“, schloß Dr. 1 Brüning seine Stellungnahme zu dem Fragenkomplex Schacht. -fz

DreSzonen-Konferenz der CDU in Königsfein

Streifigkeiten um den Parlamentarischen Rat in Bayern

CSU verteilte die Abgeordnetensitze — Bayernpartei protestiert

Brüning nimmt Stellung im Schachf-Prozelj

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Kriminalroman von Gottsdiall-Bergner

DIE 13 SAITE

Coovright Münchener Kultur* Presse-Dienst

15. Fortsetzung

Also auch dieses Gespräch brachte keinen Lichtblick. Ich verabschie­dete mich von dem Mädchen, ging noch einmal zur Polizei und kam schließlich auf verschiedenen Um­wegen heim. Das ist also das Er­gebnis des heutigen Tages. Da hast Du es, mein Freund, und dann soll man noch guter Laune sein?“ Bertrams regte sich.

„Alle Fäden, die ich mit Leichtig­keit in die Hand bekommen hatte, werden mir durch die paar vernich­tenden Worte entrissen.... Bruno Schaller ist tot. Wo soll man jetzt anfangen? Wäre Schaller fort, wäre meinethalben bis ans Ende dör Welt geflüchtet, wir hätten ihn erreicht, er hätte uns den Namen seines ärg­sten Feindes verraten. — Jetzt aber ist sein Mund stumm für immer. Bob, Du kannst gar nicht glauben, wie mutlos das macht.“

Parker sagte ein paar freundliche Worte, sie sollten halb tröstend, halb zuversichtlich klingen.

Plötzlich richtete sich Götz straff auf, sein Auge bekam wieder den gespannt lebhaften Ausdruck.

„Das Royal!“ sagte er und schnellte dabei empor, Parker bei den Schul­tern fassend: „Das Royal ist der Mittelpunkt, um den sich alles dreht.

lieber Junge, in dessen Mittelpunkt hinein aber muß ich springen, um dem Blick wieder weiteren Raum bieten zu können. Auf Geschicktheit kommt es jetzt an, Bob, auf Ge­schicktheit. —“

„Ja, aber wie denn, Götz?“ — „Wie willst Du es in diesem Falle anfangen?“

Bertrams lachte, jetzt wieder ganz bei guter Laune.

„Das frag ich Dich, lieber Bob.“

Parker dachte, nach, dann sagte er zögernd:

„In der Maske eines Kellners, des Portiers ... Du hast es doch hundert­mal gemacht.“

„Hundertmal war es auch nicht so verzwickt wie dies eine Mal. Ich sage Dir, Robert Parker , es gibt ge­niale Verbrecher, bei denen man es noch so schlau anfängt und doch hereinfällt. Ich darf die Sache nicht als allgemein üblich behandeln, son­dern .“

Er brach mitten im Satz ab, eine Art, die Götz Bertrams oft eigen war. Parker schwieg still, denn er wußte, daß er den Gedankengang des Freundes nicht stören durfte.

„Nein... es geht nicht.... alles geht nicht.... ich muß es dem Zu­fall überlassen.“

„Warum geht es nicht. Götz, ver­trau Dich doch einem der Besitzer des Royal an, sie werden Dir gewiß behilflich sein.“

„Ich weiß den Namen des Mannes, den ich suche noch nicht, das eben ist die Schwierigkeit. Wer weiß, ob ich nicht gerade an die falsche Adresse komme? Zudem... je weni­

ger Mitwisser man braucht, desto besser. Kommt mir nicht ein glück­licher Zufall in den Weg,.beispiels­weise eine Zeitungsannonce, ein Stel­lungsgesuch im Royal betreffend, so lasse ich die Sache fallen. — Wer sagt mir denn, ob der Unbekannte nicht vielleicht längst unsere Stadt verlassen hat? Morgen werde ich Schallers Wohnung einer eingehen­den Besichtigung unterziehen, viel­leicht bekomme ich dann wieder einen Faden in die Hand, an dem ich mich weitertasten kann zu neuen Möglichkeiten. Gute Nacht, Bob.... ich bin sehr müde, es ist Schlafen­gehenszeit.“

Als Bertrams sich verabschiedet hatte, läutete Parker nach Mamsell Christensen.

Als sie Teller und Tassen zusam­mengeräumt hatte, sagte er freund­lich, auf ihren umwickelten Finger weisend:

„Haben Sie sich verletzt Mam­sell?“

Ein schüchternes Lächeln huschte über Josefines Züge.

„Es Ist nicht eben schlimm, Herr Parker, beim Nähen stach ich mich mit der Schere.“

Parker wiegte mit einer Miene des Bedauerns den .Kopf hin und her.

„Hat es stark geblutet?“

„Ziemlich.“

„Warten Sie einen Augenblick, mein Freund hat da ein vortreff­liches Pflaster.“

„Nicht doch, Herr Parker, es ist gar nicht der Rede wert."

Aber schon hatte Parker die Schublade eines Eckschränkchens

aufgezogen und eine Rolle daraus hervorgeholt. „So!“

Willig ließ sie sichs gefallen, daß er ihr die schmerzende Hand- mit rosa Pflaster umwickelte.

Einmal sagte sie lächelnd in das Stillschweigen:

„So kunstgerecht, wie Sie das ma­chen, grad als wären Sie ein Arzt.“ „Das lerne ich alles von Herrn Bertrams, er ist der geschickteste Mensch, den man sich denken kann. Passen Sie auf, Mamsell, wie schnell Sie ihn schätzen lernen.“

„Das «tue ich jetzt schon, Herr Parker.“

„Sehn Sie . . . nun sind wir fer­tig. Geben Sie acht, in einer halben Stunde sind die Schmerzen vorüber! Gute Nacht, Mamsell Christensen.“ „Gute Nacht, Herr Parker, und meinen besten Dank.“

Bei Götz's Freund Weigel wird die gute Josefin nicht allzu viel gearbei­tet haben, dachte qr, als die Mam­sell das Zimmer verlassen hatte, das fühlte man ihren schlanken weichen Händen an. Aber freilich, er hatte des Nachts, wenn er spät nach Hause kam, eine treue Seele, die wach war und gewartet hatte, um noch ein Wörtlein mit ihm plaudern zu kön­nen. Ja, das glaub ich wohl, es ließ sich auch noch plaudern mit dieser Mamsell Christensen; dumm war sie nicht, um eine Antwort nie verlegen und ... ja wirklich, wenn er zwan­zig Jahre früher zur Welt gekommen wäre, er hätte sich höchstwahrschein­lich in diese wunderliche Person mit der demütigen Stimme, die doch so stolz klang . . . verliebt.

Ein sonderbarer Fremder.

„Ich habe Ihnen jetzt schon zum hundertsten Mal gesagt, daß Herr Bertrams nicht zu Hause ist; jetzt lassen Sie mich endlich in Frieden!“ „Ja aber . . .“

„Ich habe keine Zeit. .. punktum.“ Robert Parker saß am Schreibtisch, vor ihm verstreut lagen die Blätter seiner Arbeit, er hielt den Bleistift seit einiger Zeit untätig wartend in der Hand und starrte einen jungen Burschen an, mit lockigem schwar­zem Haar, in. dürftiger Kleidung, der den breitrandigen Künstlerhut in tiefster Verlegenheit, immerwäh­rend zwischen den Händen drehte, rollte und wieder glättete. Auf eine hartnäckige Erwiderung des Frem­den hin, riß Parker endlich die Ge­duld. Er sprang auf und schrie den mageren Bittsteller an, daß ihm seiner Meinung nach Hören und Sehen vergehen mußte.

„Zum Donnerwetter . . . scheren Sie sich zum Teufel. Ich habe zu arbeiten und Sie stehlen mir meine Zeit mit Ihren ewigen Einwendun­gen. — Ich habe Ihnen gesagt, Sie sollten wiederkommen, wenn Herr Bertrams selbst da ist. —“

„Aber er ist doch da . . . eine in­nere Stimme sagt es mir . . . und meine innere Stimme lügt nicht.“ Parker beugte sich über- den Schreibtisch und brüllte wie rasend:

„Reizen Sie mich nicht, sonst werde ich Ihnen auf andere Art und Weise zum Weg aus dem Zimmer ver­helfen.“

- Parker war befriedigt. Seine Worte schienen Eindruck gemacht zu haben.

(Fortsetzung folgt.)