Seit« 1 / Nummer 39
Freitag, 18. Februar 194#
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Nummer 35 / Freitag, !8. Februar 1949
Diener des Volkes
HAD. Es Ist bedauerlich, daß der ame rikanische Militdrgouverneur für Deutsch land , General lucius D Clay , Anfang dieser Woche den Behördenleitern der Doppel- Jone anläßlich der allmonatlichen Konferenz mit-betonter Deutlichkeit seine Ansicht Ober das langsame Arbeiten der bizonalen Gesetzgebungsmaschinerie erklären mußte. Er tat dies Im Zusammenhang mit Besprechungen über das geforderte neue ieamtenrecht.
ßchon lange vor dem Ende des vergangenen Jahres hatten die Militärregierungen die zuständigen deutschen Stellen wissen lassen, welche Bedeutung sie einer klaren gesetzlichen Verankerung dieses Beamtenrechtes nach neuen Gesichtsounkten belmessen. Insbesondere sollte dabei von der Sonderbehandluna der deutschen Beamten, die fetzten Endes nichts anderes sein würde, als eine Fortführung des Gedankens en eine Oberlebte und undemokratische „Beamtenkaste'*, Abstand genommen werden. Als letzter Termin för die Verabschiedung eines entsprechenden Gesetzes von deutscher Seite war der 1. November 1948 festgesetzt worden. Dreieinhalb Monate sind Inzwischen vergangen, und noch immer liegt kein legislatives Ergebnis vor.
Jetzt haben die MHitärgouverneure eln- geqriffen. Ein alliiertes Gesetz, das am 15. März In Kraft treten soll und — nach Ansicht der Generale Clav und Robertson — die bisherigen deutschen Entwürfe über die Arbeits- und Rechtsverhältnisse alter „Dauerbesehäftfgten der bizonalen Behörden" weitgehend berücksichtigt, wurde erlassen.
Noch kennen wir den Inhalt des neuen Beomtengesetzes nur in seinen Grundzügen. Danach scheint vor allem Wert darauf gelegt worden zu sein, das frühere ,.Kastensystem" zu beseitigen und es Angehörigen aller Schichten der deutschen Bevölkerung zu ermöglichen. In den öffentlichen Behördendienst elnzulreten. Bel de? Einstellung und Beförderung toll' ausschließlich die Leistungsfähigkeit eines Bewerbers den Ausschlag geben, bildungsmößige Voraussetzungen sind den Erfordernissen einer modernen Verwaltung cnzuDassen, und allen Angestellten des Öffentlichen D’enstes müssen, nach Berückslchtlauna von Dienstzelterfordernissen, gleiche Rechte und Pflichten zueestonden oder auferlegt werden.
Die Beamten haben ln der Verqanaen- heit Im deutschen Start eine fest untermauerte. durch traditionelle Bindungen vor'-ezeichnete Stellunq eingenommen. Es steht dabei ge*vlß außer Zweifel, daß es dem Beamtentum In der bisherigen Form weitoeherd gelungen Ist. sich von unsachlichen oder Korruptionseinflüssen freizu- haiten. Darüber hinaus brachte die genaue Kenntnis der Materie, wie sie durch eine jahrelange Tätigkeit cm gleichen Arbeitsplatz selbstverständlich wird, für den gesamten Verwaltunosopoarat so manchen Vorteil mit sich, der im Felle eines häufigeren Wechsels nur durch bedeutend gesteigerte Aktivität auszugleichen wäre.
Aber wir holten dennoch dafür, daß die bisherige Ausnahmestellung, die der Staat seinen ..Dienern des Volkes" zuerkcnnl hatte, einem qesünderen. durch stetige Bewahrung gestärkten Ausleseprinzip welchen tollte Auch die überaus entscheidende Verwaltungsarbeit muß Im demokratischen System nach wahrhaft demokratischen Grundsätzen geleistet werden.
Allein dadurch lassen sich neue Gefah- renguellen für die freiheitliche Entwicklung In unserem Vaterland auf ein Mindestmaß beschränken. Dazu gehört alle*d ; ngs auch eine absolute Trennung des Verwaltung** wecens von den Organen mit gesetzgeberischen Funktionen. Wir begrüßen deshalb die engeslrebte Regelung, daß Angestellte des öffentlichen Dienstes, wenn sie als Abgeordnete des Volkes in die Landtage oder gor In den Volkstag eintreten wollen, vorher aus ihren Aemtern ausscheiden Diese reinliche Trennung ist notwendig, um jeden Verdacht out mißbräuchliche Ausnutzung einer sonst gegebenen Machtkonzentration ooszuschalten.
Die Oberndorfer Industrie in Not
100 Firmen wollen sich niederlassen — Trotzdem keine Sofortlösung
OBERNDORF . Nachdem die Demontage der früheren Mauserwerke ln Kürze völlig abgeschlossen sein wird und die Fertigungshallen zum größten Teil dem Erdboden gleichgemacht worden sind, fragt die Bevölkerung der schwergetroffenen Stadt mit steigender Enttäuschung und Erbitterung nach der Erfüllung der ihr wiederholt gegebenen Zusagen, gleichzeitig mit dem Abbau der Werke neue Arbeits- mögliehkeiten zu schaffen. Obwohl die Arbeiter, die bisher zum Teil noch mit den Demontagearbeiten beschäftigt waren, und mit ihnen die Werksangestellten fortlaufend in großer Zahl entlassen und brotlos gemacht werden, ist jedoch noch immer nichts von der versprochenen Ansiedlung neuer Betriebe mit Friedensfertigung in den hierfür vorgesehenen Räumen zu bemerken. Die Aufnahmefähigkeit auswärtiger Betriebe, die die Erwerbslosen der Mauserwerke eingestellt haben, ist jedoch erschöpft, so daß, noch dazu bei den heutigen Kassenverhältnissen der Gemeinden, eine wachsende Ziffer der Schaffenswilligen den schweren Gang zur Fürsorge an- treten muß.
Inzwischen wird bekannt, daß sich bisher gegen hundert Firmen, teils aus eigener Initiative, teils durch deutsche Amtsstellen veranlaßt, um die Ansiedlung in Oberndorf beworben haben. Für eine Reihe dieser Unternehmen liegt sogar die grundsätzliche Zustimmung der französischen Militärregierung zur Eröffnung eines Betriebes vor. Es wäre mithin anzunehmen, daß die Frage für die dringliche Sofortlösung reif sein seilte. Zum Schaden Oberndorfs Ist das aber keineswegs der Fall.
Nach wie vor, wenngleich die Not auf den Nägeln brennt, scheinen sich die rechtlichen und finanziellen Schwierigkeiten nicht beheben zu lassen. Wie im südwürttembergischen Landtag Oberregierungsrat Dr. Thierfelder mitteilte, ist gegenwärtig kein lastenfreier Erwerb der Grundstücke möglich, obschon der hypothekarisch belastete Grundbesitz in seinem jetzigen Zustand kaum zur Deckung der Grundschuld ausreichen dürfte. Eine Uebernahme der Gesamtanlage durch eine Grundstücksgesellschaft oder auch durch die öffentliche Hand, die eine Bürgschaft für die künftige Einlösung der Gesamtobligationen übernehmen würde, wie das zweifellos auch im Interesse der Hypothekengläubigerschaft liegen müßte, wird andererseits von der französischen Militärregierung abgelehnt. Diese fordert die Zerstückelung des Industriegeländes in der Weise, daß die einzelnen Grundstücksteile aus der Vermögensmasse der Mauserwerke AG. 1. L. unmittelbar ln den Besitz der verschiedenen Firmen übergeführt werden, die dort angesiedelt werden sollen.
Man steht damit wieder so gut wie am Anfang des Problems Einmal haben viele der interessierten Unternehmen das erforderliche EigenkaDital beim Währungsschnitt größtenteils verloren, so daß sie ohne Bankkredite überhaupt nicht besinnen, geschweige unproduktive Hypoihekenlasten übernehmen können. Zum anderen verlangen im Zeichen der Kreditrestriktionen die Bankinstitute Staatsbürgschaften als Deckung, die aber nicht zugesfanden werden können, well das im Herbst des vergangenen Jahres
vom südwürttembergischen Landtag beschlossene Gesetz über eine Soforthilfe zugunsten demontierter Betriebe noch nicht die Billigung der Militärregierung gefunden hat. Auch der naheliegende Weg, über Konkurs oder Zwangsversteigerung weiterzukommen, ist nach französischer Auffassung z. Zt. nicht gangbar, weil die erforderlichen Voraussetzungen hierfür nicht vorlögen.
Wie es heißt, wird gegenwärtig ein zwischen dem Zwangsverwalter und einem französischen Juristen abgesprochener Lösungsvorschlag in Baden- Baden geprüft. Gleichzeitig sucht die südwürttembergische Regierung für den Fall, daß die Löschung der Hypothek sich noch längere Zeit hinauszögern sollte, in Verhandlungen mit ansiedlungslustigen Firmen einen Weg, der den Unternehmen die sofortige Niederlassung ermöglichen soll, ohne daß die Betriebe durch die Uebernahme von Grundstücken und Gebäuden untragbaren künftigen Belastungen ausgesetzt werden. Es liegt auf der Hand, daß sich an diese Pläne nach dem bisherigen Stand der Auffassungen jedoch keine allzu großen Erwartungen knüpfen dürfen. Die etwas hilflos anmutende Zwischenlösung von Notstandsarbeiten vermag selbstverständlich in keiner Weise zu befriedigen.
Entscheidend für die Vielzahl der Projekte wird sein, ob es gelingt, die jetzt verstärkt einsetzende Arbeitslosigkeit ln absehbarer Zeit zu stoppen. Den Schaffenden ist nicht mit rechtskunciHchen oder finanziellen Expertenurteilen gedient, sondern einzig mit einer raschen Bereitstellung von Arbeitsplätzen. „ ts.
STEG — ein Unternehmen ohne Zukunft
Moos wächst ln Jeeps, während eine Lagersperre den Verkauf verhindert
STUTTGART . (SAZ) Die STEG, die sich dagegen verwahrt, für die Zurückhaltung von Sanitätsmaterial im Lager Weinheim verantwortlich zu sein, macht die Oeffentlichkeit in begrüßenswertem Umfang mit ihren Sorgen und Fortschritten bekannt. Ihre Leitung will der Legende, die sich über Wesen und Art der STEG in den letzten Monaten gebildet hat, durch Aufklärung in breitestem Rahmen entgegentreten und bemüht sich erfolgreich, zu beweisen, daß sie weder etwas zu verheimlichen, noch etwas zu vertuschen hat. Im Rahmen von Pressebesichtigungen der Vorratsläger weist sie die Oeffentlichkeit auf die Vielfalt der Probleme hin, die sie sich seit dem Tage ihrer Gründung im August 1946 zu bewältigen bemüht. Schon in dem größten STEG- Lager Württemberg-Badens, in Mann heim-Sandhofen . wo zirka 45 000 Tonnen Textilien lagern, gewannen wir den Eindruck, daß die STEG mit deut scher Gründlichkeit und Soigfalt an der Arbeit ist, so viele Werte wie möglich für die deutsche Volkswirtschaft zu erhalten.
Eine Besichtigung des Fahrzeuglagers Bad Cannstatt dagegen erweckte in uns den Eindruck, daß die STEG hier vor eine Aufgabe gestellt ist, die sie mit den ihr heute zur Verfügung stehenden Arbeitskräften (12 Angestellte und 30 Arbeiter) kaum zu bewältigen imstande sein wird. Die rund 4000 hier zum Teil bis an die Achsen im Schlamm steckenden Jeeps und Lastkraftwagen der amerikani schen Armee stellen einen in die Millionen gehenden DM-V/ert dar, falls es gelingt, sie so schnell wie möglich in die deutsche Wirtschaft einzuglie- dem. Andernfalls verrosten und verschrotten sie unter freiem tlmmel. so daß sie eines Tages nur noch Alt-
materialwert besitzen würden. Wir teilen den Standpunkt von Gewerkschaftssekretär Kleinknecht, der hier auf rationelles Vorgehen drängt und die STEG aufforderte, das Wesentliche so rasch wie möglich vom Unwesentlichen zu trennen und ohne alle bürokratischen Hemmnisse dafür zu sorgen, zu retten, was noch zu retten ist. Mit 12 Angestellten und 30 Arbeitern läßt sich allerdings eine solche Mammut-Aufgabe nicht lösen, und es scheint uns an der Zeit, daß sich
a) eine Instanz findet, die die notwendige Zahl von Fach- und Hilfsarbeitern bereitstem und
b) STEGeigene Reparatur-Werkstätten in den Lagern errichtet werden.
Ais weiteres Hemmnis, das unserer Volkswirtschaft und damit den Steuerzahlern Verluste aufzwingt, muß die sogenannte „De Couet-Sperre“ über die STEG-Waren genannt werden. Es handelt sich hier um eine zugunsten der Firma Walter de Couet, sowie des Landes Nordrhein-Westfalen vom l.andesgericht München gegen die STEG ergangene Verfügung, durch die ein großer Teil des Fahrzeugparkes der STEG vorläufig für den Verkauf gesperrt wird. Dieser Entscheidung, gegen die die STEG Rechtsbeschwerde eingelegt hat, liegt ein vor der Währungsreform datierter Kauf zugrunde, der auf Grund einer internen Dienstanweisung eines Beamten der Verwaltung für Wirtschaft zustande kam. Die Firma de Couet verlangt nun von der STEG die Herausgabe von zirka 800 wertvollen Geräten -zu Reichsmarkpreisen. Die STEG, die ein hohes Defizit befürchtet, sperrt sich gegen diesen Verkauf.
Wie dieser Fall juristisch zu beurteilen ist mögen die Gerichte entscheiden.. Wesentlich ist für die Öffentlichkeit lediglich, daß die allgemeine
Verkaufssperre des technischen Lagers so schnell wie möglich aufgehoben wird und zum mindesten die von der Firma de Couet nicht nominierten Geräte der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden können. Sonst wuchert das Moos weiter zwischen den Sitzen und Bremspedalen der Jeeps.
Die STEG selbst, die nach den Worten ihrer führenden Männer kein Dauer-, sondern ein Liquidations- Unternehmen ist, vergrößert sich nicht, sondern löst sich auf. Das geht langsam, aber ununterbrochen von statten. Und alle an der Gesundung unserer Wirtschaft Interessierten Kreise sollten den Männern der STEG bei ihren Erfassungs-, Verteilungs- und Verkaufsbemühungen behilflich sein, damit die Staatliche Erfassungs-Gesellschaft für öffentliches Gut mbH. dem Staat als ihrem Auftraggeber in möglichst kurzer Zelt - melden kann: „Auftrag erfüllt!" fz.
Gewerbefreiheit in der Bizone?
BERLIN , 17. Febr. (DENA) In Kreisen der britischen Kontrollkommission für Deutschland wird gegenwärtig die Ausdehnung der Gewerbefreiheit auf die britische Zone erörtert. Damit würde eine Angleichung an die ameri kanische Zone erfolgen, wo im Januar durch Erlaß der Militärregierung die bis dahin geltenden Lizenzierungsbestimmungen außer Kraft gesetzt wurden Eine Entscheidung der britischen Militärregierung über die Oe- werbefjeiheit in der britischen Zone ist jedoch nach Mitteilung eines britischen Beamten erst dann zu erwarten, wenn das dem Wirtschaftsrat gegenwärtig vorliegende Gesetz über die Gewerbefreiheit vom Zwe'mächte-Kontrollamt gebilligt worden ist.
Demonstration des Alters
Staatsbegräbnisse gehören zu den lettenen Gelegenheiten, bei denen führende Köpfe 'des politischen und kulturellen Lebens in ihrer Gesamtheit einmal einer breiteren Oeffentlichkeit vorgeslellt werden. Dies mag nicht zuletzt einer der Gründe dafür sein, daß das Interesse an solchen Anlässen unvermindert fortbesteht.
So hatten viele Männer und Frauen anläßlich der Beisetzung des verstorbenen stellvertretenden Ministerpräsidenten von Württemberg-Baden , .Finanzminister Dr. h. c. Köhler wohl erstmalig Gelegenheit, ihren Ministerpräsidenten, sowie die Mitglieder ihrer Staats- und Landesregierung zu sehen, das heißt: die Männer, denen sie selbst während der letzten Wahlen Stimme und Sitz gaben.
Ein junger Verkehrspolizist, welcher neben uns den Trauerzug beobachtete, machte hierbei folgende Feststellung: „Nur graue Köpfe, nur alte Männer!" Diese spontan unter dem ernsten Eindruck des Augenblicks gemachte Bemerkung eines Mannes von mittleren Jahren war mehr als ein Satz „am Rande“. Sie spiegelt die bange Frag« vieler junger Leute unserer Tage wider, wer nach diesen bewährten alten Männern die Verantwortung für das künftige Schicksal unseres Volkes übernehmen soll. Das große Vakut’m, welches durch die Dertmieritna der Jahrgänge 1900 bis 1920 entstanden ist, kann nur durch eine schnei!« Heranziehung und Erziehung dieser und jüngerer Jahrgänge zur Uebernahme verantwortungsvoller Aufgaben überwunden werden. Aufgeschlossenheit und Bereitschaft se’tens der ...Tugend“ sind die notwendigen Vn-aus- setzungen hierfür. W. L.
VEREINT! WESTZONEN!
Bremen . Ein amerikanische* MIHIArg«* flcM verurteilte das ehema’iqe Mitq^ed der Bremer KPD . Peter Krusiq. w«qen Ab* gäbe falscher Informationen an die Besal* zunqsmach! und Fälsrhunq von Dokumen* ten zu fünf Jahren Zuchthaus. — Hamburg (UP). Ab 1. März wird die TabakraMo- nierung in allen Ländern der britischen Besatzungzone außer in Nordrhein-West- faten aufqehoben. — Wilhelmshaven (UP). Die Hafenanlaqen von Wilhe’mshaven s { nd fast völlig zerstört. Die Zerstörung der naheqe’eqenen „Raeder-Srh'euse* w>rd vorbereitet. — Herford . Die öffentliche Berufungsverhandlung gegen die sechs Demontaqearbeiter beim Bochnmer Verein findet am 17. März vor dem hiesigen bri* tiechen Berufungsgericht statt, *r*» Düssei* dorf |UP). Der Düsseldorfer Fluqhafen wird voraussichtlich ab 1. April für di« zivile Luftfahrt freigegeben. — Stuttgart (fz). Der CDU *Abgeordnete, Ministerial* rat Felix Walter, ist kurz nach Rückkehr von einer Sitzung des Parlamentarischen Rates in Bonn einer Herzembolie erlegen. Walter stand im 59. Lebensjahr. — Mün chen . Vor dem Landesqericht München begann die Verhandlung gegen den ehemaligen Adjutanten Hitlers , Julius Schaub . Der ehemalige SS-Obergruppenfübrer wird beschuldigt, in drei Fällen wissentlich Beihilfe zum Mord geleistet zu haben, FRANZÖSISCHE ZONE :
Neuenbürg (ts). Das hiesige Schöffen* gericht verurteilte den LebensnvttelgroQ* Händler Emst Lindemann und dessen Schwiegersohn Arthur Schott zu je zwei Jahren Gefängnis. Die Verurteilten hatten 110 Zentner Butter und 63 Zentner Käs« verschoben.
(AM* mehl qezpichnptei» Nactirlchlpn- OENAJ
Luene-Numme: US -WB 116 Herausgebei und Chefredakieu: Felix Richter Stellvertretendes Chefredakteur Hein? A Dechant Redaktions- mitglieriq: Max Geisenheyner Helmul Haag, Wilh Haqenmeyet. Rudolf lohn. Hanns Mohn, Dr ,W Oberkampl. ÜMo P Paeffqen. Hildegard Pieritz. Adolf Rohrhirsch. .loxel Werne » , — .Mit vollem Verlassernamen qereirhnele Beiträq« stellen nicht unbedinqt die Meinunq der Redaktion dar Nachdiufk von OriginalbeUröqeO nur mit Genehmigung qestatlet. das Zitierunqs- recht bleibt unberührt Für unverlangt einqe- sandte Manuskripte keine Gewähr — Vertagt Süddeutsche AUqemeine. Zeitunqsverlaq GmbH. Verlaqsduektoi Dipl Inq Herbert Lohmever»
WAS IST MM
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(40 Fortsetzung)
E"-chrocken sprang der Intendant empor.
„Behalten S ! e Platz, Herr Intendant. und hören Sie weiter.“
„Bevor ich an Sie, Frau Pohl, und an Sie, Fräulein Garvan, eine prä- zise Fragen stelle, werde ich Ihnen das Resultat meiner Nachforschungen mitteilen.
Ich beiginne mit der Ermordung Bratts. Dieser Künst’e’- hatte sich, den Haß der Souffleuse zugezogen. Frau Pohl ist nicht nur eine sehr nervöse Dame, sie hat eine krankhafte, reizbare Veranlagung. Ihr Haß gegen Bratt nahm bereits e ! ne pathologische Form an. Es existieren Zeugen, die bestätigen, daß sie den Tod deä Künstlers herbe ! wünschte.“
„Das ist eine Unverschämtheit!“ Schrie die Alte, indem sie wütend aufsnrang.
„Frau Pohl, — wenn Sie midi noch ein einziges Mal unterbrechen, so lasse 'ch S e durch einen Schutzmann atoführen.“
„Ich lasse mir das nicht gefallen. Sie lügen-“
„Schweigen S’e!“ donnerte idi mit der ganzen Kraft meiner Stimme.
Sie setzte sich und schwieg.
«Immerhin — der Haß allein hätt«
Frau Pohl nicht In die furchtbare Lage gebrach!. In der sie sich h'er jetzt befindet. Sie fürchtete auch für einen Geldbetrag von über zwölf- tarj---end Mark, den ihr Fräulein Garvan schu’det. Frau Pohl S e ver ,! e- hen Geld gegen Zinsen an Fräulein Garvan. Sie wußten se't langem daß Fräu’em Garvan in nächster Zeit eine Schenkung ausbe-’ahlt erhallen sollte, die ihr Herr Bratt ausgesetrt hatte. Sie wußten aber auch, daß diese Schenkung in Gefahr war, zurü~k"e-e^q!i ni werden, weil Herr Bratt von der Untreue seiner Freund'n erfuhr. Ihr Haß gegen Biatt, ihre Angst, das Kaoital von zwölfvausend Mark zu verlieren, ließen einen ve-breoherischen Entschluß in Ihnen reifen: Sie verwundeten ln der Abendvorstellung Herrn Bratt am Konfe, als er in jener S 7 ene d cht vor Ihrem Souffleurkasten lag, und zwar durch einen le'chten S'ich mit einer Pfeilspitze-.“
„Das ist doch unerhört — Ich protestiere gegen Ihre Lügen —,“ fuhr die Souffleuse kiei chend dazw sehen.
„Herr Schmitt,“ sagte Ich zu dem Stenographen, „te'eohon'eren Sie ans Präsidium um den Wagen und um zwe' Sehnt-- 1 eilte.“
Der Stenograph entfernte sich.
Wir schwiegen. Die Souffleuse keuch'e vor Erregung.
Nach einer We : !e kam der Stenograph zurück und nahm seinen Platz wieder ein. Ich fuhr fort:
„Her.- Bratt „starb während der Vorstellung an Herzlähmung. Die Verwundung an seinem Konfe muß aber früher erfolgt se : n. Das Gift hat seine K ai* --'■-'o-en und wirkte erst nach vielen Stunden.
Durch Bratts Ted wäre nun die Schenkung von 50 000 Mark für Fräulein Garvan gerettet worden, wenn der Künstler nicht zufällig, knanp vor der verhängnisvollen Vorstellung, nach einem heftigen Streit mit seinem Freunde Rottmann, einen Br : ef geschrieben hätte, der als Nachtrag zu seinem Testament die Schenkung ungültig erklärt. Die Ermordung Bratts geschah also aus Rachsucht und Geldinteresse.
Ich komme zur Ermordung Rott- manns. Auch er wurde von Frau Pohl gehaßt, vietle : cht noch grimmiger als Bratt. Denn Frau Pohl, die keine Kenntnis von dem Widerruf der Schenkung hatte und annehmen mußte, daß das Geld in die Hände des neuen Freundes gec'et, der sie unwe gerl'ch wegen Wuchers verklagt hätte, zitterte auch hier um ihr Geld. Dennoch wäre diese Angst (nicht ausschlaggebend dafür gewesen, daß Frau Pohl auch hier die Zuflucht zu einem schouß’ichen Verbrechen nahm. Ausschlaggebend war folgendes: Fräu’e'n Garvan hätte, in Gemeinschaft mit Herrn Rottmann, den Mordverdacht <m F-'le B-a't in einer fast unwiderleglichen Weise
auf Fau Pohl lenken können. Frau Pohl muß dies geahnt haben, oder sie hatte bereits Bewe’se davon. D ; e Aussagen der beiden hätten sie ver- rv'.Vet. F-äu’en Garvan wäre ’hrer Schulden ledig gewesen. Furcht und Ractvucht waren auch hier die Gründe der Tat.
Ich ergriff w'eder' das Wort.
„H'er habe ich die Pfe lspntze. ste stammt aus Ihrem Besitze, Frau Pohl, aus der Tronhäensammlung Ihres verstorbenen Mannes. Und hier sehen Sie die vollständigen Pfeile,“ wandte ich mich zum Intendanten.
Ich öffnete die Pakete und legte alle» auf den Schreibtisch.
„M't diesen Pfeilsnitzen, die noch heute so scharf wie Nadeln sind, hat Frau Pch! die beiden Künstler mit I-e'chUgkeit verwunden können. D e Schauspieler lagen in jener verhängnisvollen Szene mit dem Kopf so dicht vor dem Souffleurkasten, daß sie nur ganz wenig die Hand mit der scharfen Spitze auszustre-ken brauchte. um d e Kopfhaut zu treffen Bei Herrn Rottmann wollte sie übrigens die tödliche Verwundung auf eine harmlosere Art herbeiführen, die eine Entdeckung fast unmöglich machte. S : e hat nämlich diese Pfe’lspit-’e in sehen Schuh versenkt. Der Zufall jedoch wollte es. daß der Garderob : er Stefaneck noch rechtzeitig die Metallspitze im Schuh entdeckte!“
„Sie lügen — Sie lügen — Sie lügen —“ schrie die Souffleuse, die sich n'-ht mehr bringen konnfe „ich laufe davon, — ich halte das nicht aus.“
In d'esem Augenblick betraten zwei stämmige Schutzleute das Büro.
„Ich werde Ihnen bewegen, daß Ich die Wahrheit spreche. Ist diese Pfeilspitze Ihr E'gentum, Frau Pohl, — ja oder nein?“
Ja, .ja — aber - £ ' —“
„Das genügi!“ brüllte Ich, denn ich verlor allmähFch meine Geduld. „Und jetzt will ich Ihnen we'ter beweisen, daß S'e d'e Mörderin sind! Herr Schmitt, holen Sie den Gar- derob'er Stefaneck herein!“
Der Stenograph flitzte hhaus und Jcam sogleich mit dem verstört dreinsehenden Garderobier zurück.
„Herr S'efaneck — erkennen Sie ln d'eser Pfeilspitze diese’be, die Sie im Schuh des Herrn Rottmann gefunden haben?“
Stefaneck besah das Stückchen Eisen und bejahte. .
„An dem Abend, als Sie diese Smt-e fanden, hat d ! e Souffleuse Pohl allein seine Garderobe betreten. um Blumen hineinzutragen, — stimmt das?“
Stefaneck sah Frau Pohl an, dann sagte er:
„Nein diese Frau war es nicht.“
Wäre in diesem Augenblick das Theater zusammengestürzt und hätte uns alle nvte’nander begraben. — ich hätte nicht mehr erschrecken können. Verblüfft, — sprachlos sah ich auf den Garderobier, dann auf die Alte.
„ich habe doch auch an den Tagen. be\ or Bratt und Rottmann starben, nicht souffliert,“ w ! mmerte Frau Pohl.
(Schluß folgt.)