Zweikes Buch.
Erſtes Kapitel. Die Bewegungsmänner.
Es iſt aus dem Bisherigen erkennbar und unleugbar, daß der Druck, der auf dem Volke laſtete, ſchon lange vor der Reformation Luther's, Auf⸗ ſtände veranlaßt hatte, und daß er eine allgemeine Empörung allmälig vorbereitete. Der Brennſtoff war da, lange angeſammelt; die Reformation trat nur hinzu. Der Drang, worin ſich das deutſche Volk befand, war ſeit lange gemeinſam, und doch konnten jene einzelnen Aufſtände nicht gemeinſchaftlich werden. Sie wurden es erſt durch das Bindungsmittel des Religiöſen. Das Evangelium wurde das Panier, welches das ge⸗ drückte Volk, wenn gleich nicht zur Einheit eines Planes, doch zur Einheit eines Zwecks vereinigte.
Aber die eigentlichen Bewegungsmänner des Jahres 1524 waren Andere, als Luther. Mit Unrecht hat man von dieſen angenommen, es ſei Mißverſtand der lutheriſchen Lehre von der evangeliſchen Freiheit ge⸗ weſen, was ſie getrieben habe; nicht falſch verſtanden dieſe Männer dieſe Lehre, ſondern anders verſtanden ſie dieſelbe: von der gleichen Grundlage wie Luther ausgehend, gewannen ſie andere Ergebniſſe, weil ſie die Konſe⸗ quenzen ihrer Grundſätze annahmen.
Ebenſowenig war es ein Mißverſtand, ein Nichtrechtverſtehen von Seiten des Volkes, wenn dieſes die evangeliſche Lehre von der chriſtlichen Freiheit nicht blos als Befreiung vom menſchlichen Joch in Glaubens⸗ ſachen aufnahm, ſondern zugleich als Freiheit von den Dienſten und Frohnen der Leibeigenſchaft. Nicht mißverſtanden wurde von dem gemeinen Manne Luther's Schrift und Lehre, ſondern richtig verſtanden wurde von ihm die von Luther abweichende, über ihn hinausgehende Lehre der anderen Prediger, der Bewegungsmänner, welche ausdrücklich und klar dem nach Erleichterung und Erlöſung Seufzenden das neue Evangelium der religiöſen und bürger⸗ lichen Freiheit boten und die Leibeigenſchaft unter Lindern eines Vaters als unvereinbar mit der Chriſtuslehre erklärten.
Während nämlich Luther von den revolutionären Anfällen ſich er— mäßigte und abwich, bauten, gleichzeitig mit Ulrich Hutten und nach ſeinem