Aksel see error

Weniger fürchterlich, obgleich in Münzers nächſter Nähe, waren die Bauern in der Grafſchaft Hohenſtein, die Klettenbergiſchen und Schwarz⸗ feldiſchen, ihren Herren. Gegen achthundert hatten ſich geſammelt und ſchwärmten unter zwölf Hauptleuten. Ihr Hauptquartier nahmen ſie in der Abtei Walkenried; die Mönche hatten ſich zuvor entfernt mit ihrem Abte Paul. Um die große Glocke zu Geſchützen herabzuholen, zerbrachen ſie den ſchönen Thurm der Kirche. Die beiden Grafen von Hohenſtein, Heinrich und Ernſt, zwangen ſie, in ihre Brüderſchaft einzutreten; ſie mußten mehrere Male bei ihnen im Stift erſcheinen, um ihren Waffen⸗ übungen anzuwohnen und mit zu exerzieren. Die Achthundert in Reih und Glied, Jeder mit ſeiner Waffe, die Grafen voraus, in ihrer Mitte der oberſte Hauptmann, Hans Arnold, ein Schafhirt aus Bartelsfelde, ſo ging's dem Geierberg zu, ihrem Uebungsplatz. Nach einigen Schwenkungen wandte ſich der Schäfer zu dem Grafen.Sieh, Bruder Ernſt, ſagte er,den Krieg kann Ich führen; was kannſt Du?Ei, Hans, ank⸗ wortete der Graf,ſei zufrieden; das Bier iſt noch nicht in dem Faß, darin es gähren ſoll. Die Bauern lachten nicht, und nur Bitten retteten den Grafen vor ſchlimmen Folgen ſeiner Antwort.

Während es rings um ihn gährte, wogte und ſtürmte, während die Seinigen es waren, die das Feuer anfachten und ſchürten, ſchien Münzer ganz ruhig zu Mühlhauſen zu ſitzen. In der Stille ließ er Geſchütze von ſchwerem Kaliber im daſigen Barfüßerkloſter gießen, ſtärkte ſeinen Anhang um Mühlhauſen her aus der Bauerſchaft, die ihm zuſchwor, wohin er ſie führe, ihm zu folgen; Pfeifer übte ſie; während draußen Münzers Ver⸗ bündete den Kampf eröffneten, wollte er ſeine Kraft recht rüſten und zuſammenhalten für den entſcheidenden Augenblick; denn er hatte noch viel zu rüſten. Fortwährend gingen Botſchaften zwiſchen ihm und Ober⸗ ſchwaben, Franken und dem Rhein. Er hatte unter dem Bergvolk im Mansfeldiſchen längſt ſeine alten Mitverſchworenen Barthel und Biſchof, und er verſtand es, das Eiſen warm zu halten und röther zu glühen. Er ſchrieb ins Gebirge:

Die reine Furcht Gottes zuvor. Lieben Brüder, wie lange ſchläft Ihr? Seid nicht verzagt, nicht nachläſſig; ſchmeichelt nicht länger den verkehrten Phantaſten, den gottloſen Böſewichtern. Fahet an und ſtreitet den Streit des Herrn. Es iſt hohe Zeit. Haltet Eure Brüder all dazu, daß ſie göttliches Zeugniß nicht verſpotten; ſonſt müſſen ſie Alle ver⸗ derben. Das ganze Deutſch⸗, Franzöſiſch⸗ und Welſchland iſt erregt. Der Meiſter will ein Spiel machen, die Böſewichter müſſen dran. Zu Fulda haben ſie in der Oſterwoche vier Stiftskirchen verwüſtet. Die Bauern im Klettgau, im Hegau und Schwarzwald ſind auf, dreißigtauſend Mann