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ſolche Bauern ein, die unter unſeren Herren wohnten, Ausländiſche nicht.“ Es gab abermals ein kleines Stückchen Revolution in der Stadt, doch ganz unblutig. Auch wurden noch am erſten Tag die erzbiſchöflichen Gerichtshäuſer, das Zollhaus, überall das mainziſche Wappen abgebrochen und zerſtört; auch des Scharfrichters Haus wurde dem Boden gleich⸗ gemacht; Bürger und Bauern fielen in den mainziſchen Hof, in die Häuſer etlicher Geiſtlichen, machten aus Kloſterkirchen Pfarrkirchen und ſchloſſen die Kirchen„der Papiſterei wegen“. Nur im großen Spital hielt man Meſſe; da Doktor Konrad Klinge predigte, war Kirche und Kirchhof ganz voll. Den Mönchen in den Klöſtern thaten ſie große Plage; ſie tranken ihren beſten Wein aus Gölten und ſpeiſten aus ihren Speiſekammern alles Köſtliche weg.
In ähnlichem Geiſte lief die Volksbewegung durch alle benachbarten ſächſiſchen Lande. Zu Roda und Lobda ſollen ſich in die 3000, zu Neuen⸗ ſtadt und Peſink ebenſo viel, zu Saalfeld 2000, um Gera und Ronne⸗ berg 4000, im Voigtland um Plauen in die 8000 geſammelt haben. „Sie haben,“ ſagt Spalatin, der kurfürſtliche Kanzler,„Grafen und Edelleuten vielerlei Bedrängniß erzeigt, ihre Häuſer zum Theil geplündert und ſie zu den zwölf Artikeln und in ihr Bündniß gedrungen.“
Die Zahlen mögen ſehr übertrieben ſein. Doch entwickelte Münzer eine faſt unglaubliche Thätigkeit. Seine Sendboten erſchienen und wirkten beſonders auch hinter Plauen, im ſächſiſchen Hochland, im Erzgebirge. Bergleute aus der Grafſchaft Mannsfeld, ſo erzählen Nachrichten aus dem Erzgebirge, kamen in die Hochlande nach Zwickau, Schwarzenberg, Annaberg und Marienberg. Sie fanden als Bergleute leicht Arbeit und verbreiteten im Stillen unter ihren Mitgeſellen die Lehre des neuen Gottesreiches, die münzeriſchen Artikel der Freiheit und Gleichheit. Bald ſah man ein Lager von Bauern und Bergleuten, bis auf 1500, bei Elterlein und auf den Gütern des Abtes von Grünhain. Sie zogen auf Schlettau bei Annaberg, hieben die Thore ein, plünderten das Schloß, fielen ins Pfarrhaus und in mehrere Bürgerhäuser und trieben ihren Muthwillen. In Annaberg ſuchte man ſie durch die Nachricht zu ſchrecken, als ſei Herzog Georg von Sachſen im Anzug. Sie zogen auch ſchnell auf Grünhain zurück. Der Abt hatte ſich mit den Mönchen nach Annaberg in ſeinen dortigen Hof geflüchtet. Aber auch hier enthielt er ſich nur ganz heimlich und wagte die Nächte nicht im eigenen Hof zuzubringen; denn der gemeine Mann, wie die Bergleute zu Annaberg gingen mit ihren Herzen und Gedanken dem Fähnlein der Bauern nach. Da ſiieß noch ein zweiter Haufe von Zwickau her zu dem erſten. Das Kloſter in der Aue, ſowie das große Gotteshaus Grünhain wurden geleert und ver⸗