419 Stunde in Begleitung der Prinzen des großherzoglichen Hauſes, des Oberſtallmeiſters und ſämtlicher General- und Flügeladjutanten vom Schloſſe aus unter Kanonendonner und Glockengeläute zu Pferde durch die Spalier bildenden Truppen der Garniſon nach dem Muſeumsgebäude. Da der Bau des landſtändiſchen Hauſes unge achtet aller Anſtrengungen für dieſen Landtag nicht mehr vollendet werden konnte, hatte die Muſeumsgeſellſchaft bereitwillig ihren Saal zur Eröffnung und zu den Sitzungen der zweiten Kammer über⸗ laſſen. Die Sitzungen der erſten Kammer fanden wie bisher im Großherzoglichen Schloſſe ſtatt). Die Stadt Karlsruhe war, wie auf dem vorigen Landtag, durch die Abgeordneten Eiſenlohr und Griesbach vertreten. Als dritter Abgeordneter war an Stelle des durch das Loos ausgeſchiedenen Sievert durch die in den 6 Diſtrikten vom 25. April bis 6. Mai 1821 gewählten Wahlmänner der Oberbürgermeiſter Dollmätſch gewählt worden. Nachdem, nach erfolgter Eidesleiſtung der Abgeordneten, der Großherzog den Saal verlaſſen hatte, verbreitete ſich der Staats⸗ miniſter Freiherr von Berſtett in längerer Rede über die Lage des Landes und die zur Vorlage bereiten Geſetzentwürfe. Am 28. März hielt die zweite Kammer ihre erſte Sitzung. Von den Karlsruher Abgeordneten führte Griesbach in der erſten und Eiſen lohr in der fünften Abteilung den Vorſitz. An den ſehr lange dauernden Verhandlungen dieſes Landtages nahmen die drei Abge⸗ geordneten ſowohl im Plenum als in den Kommiſſionen eifrigen Anteil. Dollmätſch war Mitglied der Kommiſſion wegen Ab änderung des Ohmgeldes und Berichterſtatter der Kommiſſion, welche niedergeſetzt war, um Vorſchläge über eine Verbeſſerung der Lage der Juden zu machen. Sein Bericht, den Freiherr von Liebenſtein eine ſchöne und gründliche Arbeit nannte, ſtellte die vielen Schäden, die ſich in den Verhältniſſen der jüdiſchen Bevölkerung geltend machten, in eine ſcharfe Beleuchtung, war aber zugleich von wohlwollender Gefſinnung für dieſen damals noch völlig rechtloſen Teil der Staats- angehörigen erfüllt, indem er eine Reihe von Maßnahmen empfahl, welche den Zweck verfolgten, die Israeliten aus der iſolierten Stell⸗ ung, die ſie durch Bildung und Beſchäftigung im Staatsleben ein⸗ ) Hiernach iſt die Angabe auf S. 398 richtig zu ſtellen. 27* 4