587 Vadijer Landtag.— 12. Siung. Donnerstag, 22. Jan. 1981.
(Abg. Maier Soßgdem.))
ſtreichen können und niğt erft 1⁄4 Jahre jpäter auf Verfü- gung des Kriegsminiſteriums. Der Herr Kollege Bauer kann ſich vielleicht als Offigier ein Bild machen, daß ſo ein Männlein, das ins Feld hinausgekommen iſt W e DEL Stammrolle nicht nur die üblichen Bemerkungen gehabt hat, ſondern noch ein Blättlein, das überdeckt war mit den Redak— tionsſtrafen, nicht gerade die angenehmſte Behandlung erfah— ren hat. Aber ich beſchwere mich nicht, ich bin nicht kaputt ge— gangen. Es hat andere noch ſchwerer getroffen, die Sache iſt erledigt. Wenn ich mich meiner Erfahrung nach hätte einſtellen wollen, hätte ich politiſch noch viel wilder werden müſſen als der Abg. Bock. Meine politiſche Uberlegung hat mich davon abgehalten, meine perſönlichen Erfahrungen mit der gangzen Sache zu vermengen. Ich bin deswegen nicht in den radikalen Verzweiflungsausbruch hineingekommen, wie es bei manchen links und auch rechts von uns geſchehen iſt(Unruhe).
Nun glaube ich noch eines bemerken zu müſſen. Der Herr Abg. Bauer hat noch einmal erklärt, man ſollte doch nicht aufs neue die Wunden aufreißen. Darüber könnte man reden. Aber, Herr Abg. Bauer, jegt muß ich Gie doğ einmal an den Anfangspunkt der gangzen Diskuſſion hinſtellen, ich meine, auch der Diskuſſion über die Broſchüre des Herrn Miniſters Remmele. Jahr und Tag Himpe man mns-Herr Rraft maŭt e3 ja bald jeden Tag— in den Gikungen, in den Ausſchüſſen„Novemberverbrecher“. Ae w wne Dre Dinge, die im Nopember 1918 paſſiert ſind, nicht näher ein— gehen. Ich war daran auch ziemlich beteiligt inſofern, als ich von Anfang an in der Situation drinſtand. Aber ich beſtreite ganz entſchieden, daß irgendeiner unſerer Parteigenoſſen in Baden irgendetwas Verbrecheriſches getan Hare MAr E MNE ein einziger Yall befannt(Bwifhenruf von den Nationalſogzia⸗ liſten: Eisner!)— Was Eisner gemacht hat, das habe ich hier nicht zu verantworten. Eisner gehörte nicht unſerer Par⸗ tei an(Zwiſchenruf von den Nationalſogialiſten: Wem dann? — Gegenrufe von den Sozialdemokraten!— Abg. Rein— boldit, Eisner war unabhängiger Sosgialdemokrat!). Wenn Sie uns Eisner anhängen, ſo iſt das geradeſo, wie wenn man Ihnen Herrn Bauer anhängen wollte als Ihren Partei— genoſſen(Große Heiterkeit). Gegen die Taten Eisners in jener Zeit hat der ſogialdemokratiſche Miniſter Erhard Auer alle Maßnahmen getroffen und dadurch auch das Schlimmſte verhindert. Bekanntlich iſt Auer nicht gans gelinde dabei weggekommen, er leidet heute noch ſehr unter den Schüſſen, die er damals im Bayeriſchen Parlament erlitten hat, und er iſt wohl ſchon mehr als ein halb Dutzendmal operiert worden, weil die Wunden abſolut nicht mehr heilen wollen. Daß zu jener Zeit andere Leute manche Dummheiten gemacht haben, dafür ift die Sogialdemokratiſche Partei nicht verantwortlich Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten). Wenn man einmal die ſogenannten Novemberleute durchmuſtert, dann findet man heute bei Ihnen viele, die damals bei uns das allergrößte Maul gehabt haben Gehr richtig! bei den Sozialdemokraten)
Ich erinnere mich noch ſehr wohl an zwei Dinge. An eine Verſammlung in Heidelberg in der Turnhalle am Klingen— teich, wo ich, der jetzt„Novemberverbrecher“ mitgeſchimpft wird, die Offiziere in Shug nehmen mußte gegen eine gröh— lende Maſſe, von der die allerwenigſten Sogialdemokraten waren, die ſich zum größten Teil aus wildgewordenen Spie— ßern zuſammenſetzten, die heute bei Ihnen ſtehen! Und ich erinnere mi noh an einen Auftrag, ben mir bie Vorläufige Volfsregierung gegeben hat, ina Murgtal gu fahren, um Die 40er, die dort Demobilifieren follten, gu beruhigen, weil fie ihre Offiziere in die Murg werfen woten. JH fam dann
588
am bend gurüğ und habe gebeten, man möge foort die Leute heimſchicken. Ich will Ihnen auch ſagen, was ich in Gaggenau den verſammelten Mannſchaften in Gegenwart eines Majors, der mir vom XIV. ſtellv. Armeekorps beigegeben war, erklärt habe. Als ich fragte:„Was haben Sie denn für Beſchwer— den? Die Vorläufige Volksregierung will dieſe Beſchwerden abſtellen“, da iſt einer aufgeſtanden, hatte die Hände in den Taſchen, ein junger Mann, der wohl nicht im Felde war, noch ein Rekrut, und hat geſagt:„Ich Ja e paar SHu’ Hole wele, und da hot mer's der Herr Kammerunteroffigier net ge und het miģ nusgworfe.” Und e3 fagte nod) einer:„Sý ja e paar Goien wele, mir Het er au feine ge.” Der Kammer— unteroffizier war ſicher kein Sogialdemokrat, es war kein Soldatenrat, es mwar der alte Rammerunteroffizier bom Ne- giment 40, der dort bie Dinge ordnungêmähbig verwaltet hat, und nit die Soldaten haben dort befoplen, fondern die Offi- giere haben dag Regiment demobilifiert. YH Habe dann das ge- mat, wag man manýmaf an anderen Orten auh tun folte. Es hat mich die Wut gepağt und ih bin aufgeftanden und habe erklärt:„Kameraden, ich will Cuğ etwas fagen: JYr ſeid noch junge Buben, Ihr gehört heim zu Euerem Vater, damit er Euch noch einmal ein paar hinter die Ohren hauen kann!“(Sehr gut!). Das Regiment 40 iſt dann heimgeſchickt worden, und die Abwicklung iſt nachher noch in Mosbach voll— zogen worden.
So ſind die Dinge damals gelaufen. Wer ſind denn die Herrſchaften, die damals den größten Krakeel gemacht haben? Ich erinnere mich an jene Ver— ſammlung in der Aula der Univerſität Freiburg , wo ich hin— kam als Vertreter der Arbeiterräte, aber nicht zugelaſſer murde. Dort waren die Herren Akademiker ſo und fo, und eine Reihe radikaler Burſchen wollte mich gar nicht reden laſſen, bis mich die alten Kameraden an der Stimme erkannt und geſagt haben:„Das iſt ja Maier von Heidelberg, ber darf natürlich reden.“ Da war auf den Vorſchlag eini— ger radikaler Akademiker beſchloſſen worden, einen Extrazug zuſammenzuſtellen, er war auch ſchon requiriert worden, um Munition und Kanonen aufzuladen, nach Karlsruhe zu fah— ren und die Vorläufige Volksregierung zum Teufel zu jagen. Ich habe dann verſchiedene Vorſchläge gemacht— und die Kommiſſion, die eingeſetzt worden iſt, berät den Sowjeträte— entwurf heute noch— und die Gefahr war behoben(Heiter— keit— Auf Zuruf von den Nationalſogialiſten:) Ich bin fein „Kerl“, aber damals, als es gegolten hat, hat man auch hin— ſtehen müſſen, nicht nur draußen. Der Herr Abg. Wagner hat einmal behauptet, er hätte hier auch geholfen; ich weiß es nicht, ich kann mich nicht mehr daran erinnern. Aber fragen Gie einmal alte Offiziere, fragen Gie einmal den früheren Nağrihtenoffizier, Herrn Bartning, über die Tätigfeit, die damal entfaltet werden mukte! Der fann Jnen fpezgiell über meine Perſon und über verſchiedene Dinge Auskunft ge— ben. Wir haben damals keinen leichten Standpunkt gehabt, und man darf uns alles andere ſagen, als, wir hätten ver— brecheriſch gewirtſchaftet. Wir haben das Eigentum des Staa— tes geſchützt.
Ich frage noch einmal:
Ich mußte an dem Tage, an dem die Franzoſen an den Rhein marſchierten, nach dem Breisgau und mußte dort dafür ſorgen, daß das letzte Zeug noch herübergeſchleppt wurde, ich mußte dort einen Streit ſchlichten, wobei die Sol— datenräte gang bernünftig, gehandelt Hatten. Um die Lager an Qeu und Stroh den Frangofen zu entziehen, haben fie die Saen in eingelnen Orten an die Bauern verfteigert. 50 ijt Damals gehandelt worden. Davon haben Gie(gu den Naz tionalfogialiften gewendet) feine Mpnung, und ihre jungen Leute ſchon überhaupt niğt, denn die Haben damals taum gelebt, oder ſie ſind höchſtens in den Kinderhoſen herumgelau—