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welche in öffentlichen amtlichen Vorträgen oder durch AuS- geben oder Verbreiten amtlicher Schriften, Gesetze oder Ein» richtungen des Staates, die Staatsregicrung, einzelne Staats» behördcn, die Vo.ksvertretung, einzelne Klaffen, Stände oder Genossenschaften der Staatsbürger tadelnd angreifen, werden mit Gefängniß nicht unter vier Wochen bestraft, h 686 6. Wenn Geistliche sich anmaaßen, Anilsverricbtungen auszuüben, die nach den Staatsgesetzen den weltlichen Behörden ausschließlich zustehen, so trifft sie Gefängniß nicht unter acht Wochen oder Arbeilshausstrafe dis zu zwei Jahren. § 686 c. Die ,§§ 618 und 671 finden Anwendung gegen Geistliche, welche zu den in jenen Paragraphen angegebenen Zwecken kirchliche Strafen androhen oder aussprechen, oder deren Androhung «röffnen oder vollziehe». § 686 d Nichtgeistliche, welche derartige Handlungen wissentlich erleichtern oder befördern, werden als Gehilfen bestraft. § 686 e. Statt eines Thcils dieser Strafen kann eine Geldstrafe von fünfzig bis fünfhundert Gulden erkannt werden."
Vom See, 13 Mai. Man erzählt, daß in dem am Untersee nahe am Rheinausfluffe gelegenen Dorfe W. einer der angesehensten Männer durch eine Arzneiverwechslung in der Apotheke eines nahe liegenden schweizerischen Städtchens schnell und unter unsäglichen Schmerzen gestorben sei. Es wurde eine Untersuchung eingclcitet. ~
Württemberg . Knittlingen . Um dem Schaden vorzubeugcn, welchen die Heuer in so außerordentlicher Menge vorhandenen Maikäfer an unfern Obst- und Waldbäumen verursachen würden, und welchen sic durch die aus ihren Eiern entstehende größere Menge von Quatten auf unfern Aeckern und Wiesen in den nächsten Jahren anrichten würden, ist auf den Wunsch des hiesige» Gemeinderaths der Schuljugend auf zwei Tage Vacanz crtheilt worden zu dem Zwecke, Maikäfer ei»,zusammeln und an die Gemeinde abzuliefern, wofür dann jedem Lieferanten eine besondere Belohnung von 12 kr. per Simri ausbezahlt wird. Die ersammelten Maikäfer sollen sodann zur Anlegung eines Composthaufcns verwendet werden. Um diese Maaßregcl für die ganze Gegend möglichst wirksam zu machen, wäre cS wünscheuswerth, daß dieselbe in möglichst vielen Geincindcn Nachahmung finde. In den beiden Tage» wurden gegen 70 Simri abgeliefert.
Preußen . — Eine in der Weberstraße in Berlin wohnende arme Frau schickte vor einigen Tagen ihre vierjährige Tochter zu einem benachbaricn Bäcker, um ein Brod auf Kredit zu holen. Die Bäckerfrau erklärte dem Kinde, kein Brod verabfolgen zu können, bevor dessen Mutter die alte, auf etwa 2 Thaler sich belaufende Schuld entrichtet habe. Mit diesem Bescheide kehrte das Kind zu seiner Mutter zurück. Die arme Frau sah sich tu ihrer traurigen Häuslichkeit vergebens »ach einem verkäuflichen oder versetzbaren Gegenstände um, dessen Ertrag den Hunger der Ihrigen zu stillen vermöchte. Endlich faßte ge einen Entichluß, verließ ihre Wohnung, eilte zu einem Friseur und bot dcimelbe» ihr üppiges, langes Haar zum Verkaufe an. Der Friseur ging auf das Anerbieten ein, zahlte ,i Thaler und schnitt das Haar dicht am Scheitel ab. Nach Hause zurückgekehrt, schickte die arme Frau sofort der Bäckerin da» derselben verschuldete Geld zu. Auf die Frage, woher ihre Mutter so plötzlich zu dem Geld- gekommen sei, erzählte die Kieme, was vorgefallen war. Der edle Zug mütterlicher Für- sorge rührte die Bäckersfrau dergestalt, daß sie der armen Frau dtc 2 Thaler zurllcksandte und ihr den künftigen Brodbedars nach Belieben zu kreditircn versprach.
Oesterreich. Wien , 14. Mai Es ist sicher daß zwischen Rußland und Frankreich ein Arrangement in Bezug auf die Lösung der orientalischen Frage zu Stande gekommen m, und alle in der letzten Zelt aufgetauchten Gerüchte denen zufolge es dem englischen Einfluß in St. Petersburg gelungen lein soll, dieses Arrangement zu hintertreiben, erweisen sich als irrig. Ocsterrcichischer Seils hat man den Beschluß e-e- saßt, der Pforte gegenüber die bis jetzt beobachtete Politik nicht zu ändern, und Graf Rechberg soll die beruhigendsten Versicherungen gemacht haben.
Innsbruck , im Mai. Der Untcrschlcifprozcß in sei- uer furchtbaren Tragweite gibt mitunter zu ganz irrigen Folgerungen Anlaß. So verächtlich und empörend die Ge- winnlucht der großen Herren bleibt, so ist eS dock abgeschmackt.
sie für daS Hungern und Elend der Soldaten während hes Feldzugs verantwortlich zu machen. Deßhalb, weil das Aerar den Lieferanten die zwanzigfachen Preise bezahlen mußte, dcß- halb, weil Lieferungsveriräge zurückdatirt und dafür enorme Reugelder gefordert wurden u. s. w., kam wohl das Aerär zu Scharen; der Soldat aber hätte immerhin noch fett werden können, wenn er die aufgcstapeltcn Borräthe zur rechten Zeit und am rechten Orte auch erhalten, und eS nicht überall an den militärischen Dispositionen gefehlt hätte. Wir in Inns bruck waren Zeugen, welche ungeheuren Massen von Getreide augesammclt wurden ; alle verfügbaren Räume, Theater, Re- doutensäle, Universität waren damit angefüllt; über den Brenner ginge» sie jedoch erst unmittelbar vor und nach der Beendigung des Krieges. In Verona lagen im Bahnhofe die Weinfässer vor aller Augen ungenützt und die Ochsen verhungerten aus Futtermangel, während wenige Meilen davon das Heer vergebens nach Labung seufzte. Alle diese Vorräthe waren nicht mehr Eigenthum der Lieferanten, sondern des Militär- Aerars, und wenn sie nicht ihrer Bestimmung zugeführt wurden, fällt die Schuld auf den unbegreiflichen Mechanismus der Militärverwaltung und die Achtlosigkeit der Führer. Der gemeine Soldat hat durch die zahllosen kleinlichen Betrügereien Derjenigen, die dem Ochsen sein Bündel Heu fortstahlen, daß er zum Gerippe zusammcnfiel und sein Fleisch keine Nahrung mehr bot, die den Wein wässerten und Sand unter das Brod mengten, daß es ungenießbar wurde, mehr gelitten, als durch die Ünterschleise der Lieferanten, und cs bleibt unverantwortlich, daß alles dies vor den Augen der Militärbehörden ungeahndet vor sich gehen konnte, und vaß die Herren, die sonst jeden abgängigen Knopf an der Montur des gemeinen Mannes mit Krummschließen bestrafen, es nicht der Mühe werth fanden, sich darum zu kümmern, ob er auch sein Stück Fleisch in dem Blechnapse habe.
Schweden . Stockholm . Aus der vom König bei der Huldigung an die Reichsstände de» 5. Mai gehaltenen Anrede dürste folgende Stelle von allgemeinem Interesse sein: „Wir leben in einer Zeit, da fast in allen Ländern die Geister von einer in den verschiedensten Richtungen auftretenden Unruhe beherrscht werde», von einem Mißvergnügen mit dem Bestehenden und dem Streben »ach einem andern und oft dunkle» Besseren. Vor den gewaltsamen Erschütterungen, welche davon in andern Staatswesen hcrvorgerufen wurde», ist die scandinavischc Halbinsel durch die Gnade der Vorsehung bewahrt geblieben. Bei ruhiger Besonnenheit und festem Vertrauen auf seinen gesetzlich gebundenen König hat unser Volk verstanden, aus den Erfahrungen anderer Länder Nutzen zu ziehen, ohne sich den Gefahren derjenigen bloßzu- stellen, welche diejenigen bedrohen, die in jeder Bewegung ein Zeichen frischere» Lebens, in jeder Aendcruug einen Fortschritt erblicken. Vorwärts müssen wir allerdings gehen; denn i Stillstand ist für ei» Staatswesen ebenso schädlich als auf die : Dauer unmöglich; aber wir bürten nicht unbedacht vorwärts ! eile» Mit ruhigem und darum sicherem Schritte sollen König und Volk Hand in Hand zu unserem hohen Ziele wandern,
! dem Wohle des Vaterlandes! Möge dieser Tag den Bund ( bezeichnen, den wir zur Erreichung dieses Zieles schließen!"
| Italien . R o m, 20. Mai. Bei Montefiascone fand j ein Kampf zwischen 50 Gendarmen und 350 Garibaldianern j statt, die zersprengt und genöthigt wurden, nach Toscana zurückzukehren. Sic hatten 6 Todte und 88 Verwundete;
• 3 Gendarmen find todt.
Nizza , 14. Mai. Die Truppenbewegungen an der sardinisch -römischcn Grenze werden jetzt dadurch erklärt, daß ein gewisser San Bianchi an der Spitze einer Freiwilligen- schaar in de» Kirchenstaat einfallen und sich bi» in die neapolitanische» Abruzzen durchschlagen wollte. Cavour, von dem Unternehmen in Kenntniß gesetzt, schickte Truppen an Ott und Stelle, welche die Schaar, ehe es zu ernsteren Conflicten gekommen war, aubicltc» und entwaffnrten Dies war die Veranlassung, warum in aller Eile 5000 Mann von Genua und Livorno aus an die Grenze geschickt winren. — Durch den Verlust der Romaaua ist das Einnahmcbudget des Kirchenstaates vo» 22 auf 8 Mill. Scudi gefallen.
Florenz , 12 Mai. Die Garnison wurde durch den Telegraphen an die römische Grenze gerufen und die Natioual- garde hat den Dienst übernommen. Es herrscht eine große