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Sette 1 — Ifnmtner I

Samstag, 80. ?ntt 1946

SPORT IM „VOLK“

Der Zweikampf Freiburg — Rastatt

Eia Rückblick auf die abgeschlossene FnSball-Spielzeit

Die erste Fußball-Meisterschaftsrunde im französisch besetzten Baden ist zu Ende. Mit dem Entscheidungsspiel am vergangenen Sonntag zwischen dem SV. Rastatt und dem VfL. Konstanz, dem Staffel.leister Ost, hat sie einen Abschluß gefunden, den man suh, vom rein sportlichen Standpunkt aus gesehen, zwar etwas eindrucksvoller ge­wünscht hatte; in Anbetracht der besonderen Verhältnisse aber, unter denen die ersten Rundenspiele nach dem Kriege und nach dem Zusammenbruch durchgeführt wurden, durfte man von vornherein die Erwartungen und Hoff­nungen nicht allzu hoch schrauben.

Wenn in der nachstehenden Übersicht noch einmal die wichtigsten Phasen der seit Ende Januar d. Js. durch­geführten Meisterschaftsspiele der Staffel West aufgezeigt werden, so darf vor allem an den mancherlei Schwie­rigkeiten und widrigen Umstanden nicht ohne wei­teres vorbeigegangen werden, die diese erste Nachkriegs­runde begleiteten. Es war gewissermaßen eine Impro­visation, eine Notlösung, der man aber allein im Interesse des Sports um so freudiger zustimmte, als man dadurch wieder die Voraussetzungen für die Aufnahme eines geregelten Sportverkehrs schaffen konnte.

Daß zwischen Rastatt und Karlsruhe die Französisch amerikanische Zonengrenze verläuft, war für den badi­schen Fußballsport schmerzlich; denn dadurch fielen die starken Mannschaften von Karlsruhe , Mannheim und Pforzheim für Südbaden aus. Aus verkehrstechnischen Gründen mußte der übrige Teil von Raden für die Run­denspiele noch einmal in zwei Staffeln — West und Ost — geteilt werden. Wie sehr sich dieses Zerreißen auf die Spielstärke der Mannschaften und auf das Spielniveau ganz allgemein auswirkte, das zeigte einmal der Verlauf der Meisterschaftsspiele, der nur wenige Höhepunkte brachte, dann das Entscheidungsspiel um die Meisterschaft und schließlich die wenigen Freundschaftsspiele gegen Mannschaften aus der französischen Nordzone und aus dem amerikanischen Gebiet.

E-s ist bedauerlich, daß die kommende Saison eine weitere Verwässerung bringen wird, aber die noch an- haltenc&n schwierigen Verkehrsverhältnisse, die immer wieder den Schnittpunkt der Diskussion auf der rorsnnntäglichen Tagung der badischen Vereinsve»’- tret.er bildeten, ließen auch für dieses Jahr eine groß­zügigere Lösung nicht zu.

Nun zum Ablauf der Meisterschafts­spiele selbst. Wohl das hervorstechendste Merkmal dieser ersten Rundensniele war die stete Fühnine der heutigen Fortuna Freihnrg, aber auch deren plötzliches Nachlassen und schließliches Versagen im entscheidenden Augenblick. Nach den zum Teil hoch gewonnenen Spielen der Vorrunde, in der allerdings auch schon Punktverluste hingenommen werden mußten (in Fmmendingen t : 1, in j-^tatt i : 2), begann im April die Krisenzeit, die bis zum Schluß der Runde nicht mehr überwurden werden konnte. Gegen Rastatt gab es auf eigenem Platz nur ein dürf­tiges 1 :1, gegen den VfL. Freiburg mit 1 :2 wieder einen doppelten Punktverlust,

Der SV. Rastatt, der bald nach Beginn der Spiele den Tabellenplatz erreicht hatte, schälte «ich als hart­näckigster Gegner der Fortuna heraus. Mit Spannung wurde dieser Zweikampf Freiburg — Rastatt von den Fuß­ballfreunden verfolgt, der die Unterländer am Ende er­folgreich sah. Daran hinderten sie auch nicht die Punkt­einbußen. die sie im Verlauf dieses Kopf-an-Kopf-Rennens mit in Kauf nehmen mußten (Fmmendingen 0:3. Blau- Weiß Haslach 3:5, Offenbnrg 2:2, Fortuna 1:1). Ara Ende der Spielzeit standen die Rastatter mit den Frei­burgern punktgleich an der Tabellenspitze. Das Fntschei- diingsspiel in Offenburg endete mit dem 1:0-Sieg des SV. Rastatt, der damit als Staffeln,eister West gegen den Meister der Staffel Ost. VfL. Konstanz, um die R-di-che Fußballmeisterschaft spielen durfte. Das noch in frischer Frinnerune nachklingende Spiel gewannen bekanntlich die Rastafter, klar, und eindeutig mit 5:0 Toren. Damit kam die beständigste und die auch körperlich wobl in bester Verfassung befindliche Mannschaft (ein Umstand, der in der Jetztzeit von ausschlaggebender Bedeutung ist) zu den erst»n b*di*chen Meisterehren nach dem Kriege

Fine Zeitlang hegte anrh d-»r jetzige VfL. Freiburg noch Hoffnungen auf die Tabellenspitze, zumal nach dem schönen 2 :1-Erfolg über Rortuna. Fs war Übrigens die be-tg Leistung, die der VfT. Frejburg in der nun ab^e- s«hlossepen Runde zeigte. Die Erwartungen, noch in die Meisterschaftsfrage miteingreifen zu können, wurden dann

Die Vereine melden:

ASV., Jahn-Stadion, Schwarzwaldstraße. Geschäftsstelle: Kaffee Luhr, Eisenbahnstraße. Dienstag, 19, Sta­dion: Handball, Leichtathletik. Mittwoch, 19.30, Loretto: Schwimmen. Donnerstag, 19, Stadion: Fußball; 20. FG.t Turnerinnen-Gymnastik. Freitag: 19. Stadion: Jugendfußball: 2C. FG.: Männer, Jugend, Athleten; Gymnastik, Faustball. Samstag und Sonntag: Stadion: Für alle.

Fortuna, Möslestadion. Geschäftsstelle: Großer Meverhof, Grünwälderstraße Dienstag; 18, Stadion; Fußball (Schüler): 19.30, Loretto: Schwimmen; 20, Großer Meyer- • hof: Tischtennis. Mittwoch; 19. Stadion: Handball, Leichtathletik. Donnerstag: 19, Stadion: Fußball (Erste und Reserve, Hockey Ringtennis. Freitag:

16.30, Stadion: Fußball, alle und Jugend, Leichtathletik;

19.30. Loretto: Schwimmen. Samstag: 18, Stadion: Faust-, Basketball, Ringtenmr.

VfR., Platz Endhaltestelle Zäh ringen, Dienstag: 20, Platz: Handball, Jugend. Mittwoch: 20, Platz: Hand­ball, Frauen. Donnerstag: 20, Platz: Faßball. Freitag: 20, Platz: Leichtathletik, Handball, allge­mein. Samstag: 20, Platz: Handball, Frauen.

aber durch die 1:3- Niederlage in Rastatt endgültig zu­nichte gemacht.

Das Mittelfeld wurde von den Mannschaften aus Lahr , Offenburg , Emmendingen und dem ASV. Freiburg besetzt, die sich in der Einhaltung des 3. bis 6. Platzes ständig ablösten und dadurch die schwankende Spielstärke der Mittelgruppe klar zum Ausdruck brachten.

Den Tabellenschluß machten Blau-Weiß Haslach und Baden-Baden . Während die Haslucher schon vom ersten Spieltag an das Schlußlicht bildeten, trotz des damals sensationell wirkenden 5:3- Erfolges gegen Rastatt , hat sich die Mannschaft aus der Bäderstadt erst allmählich ,,hinuntergearbeitet“, bis sie am achten Spielsonntag den vorletzten Platz erreicht batte, den sie dann unter Schwan­kungen zum Tabellenende am Schluß der Spielzeit halten konnte.

Weitere Ergebnisse vom Sonntag

Fußball

Eintracht Singen — SV. Waldhof 0:3 (9:9)

3500 Zuschauer hatten sich zu dem Waldhof -Gastspiel in Singen eingefunden und waren von den Gästen hell be­geistert. Obwohl die Mannheimer bereits das vierte Spiel innerhalb von acht Tagen austrugen, zeigten sie ein an technischen Feinheiten reiches Können Die Einheimischen leisteten energischen Widerstand, hatten auch manche Tor­chance, aber die Aktionen der Fünferreihe waren zn über­hastet. Nach Ablauf der ersten Halbzeit stand das Treffen noch 0 : 0; nach dem Wechsel abe* zeigten die Gäste, daß sie auch Tore zu schießen vermögen, und holten sich in den ersten 20 Minuten eine 2:0- Füh ung. Auch im zweiten Spielabschnitt konnten die Einheimischen die gegnerische Hintermannschaft nicht bezwingen. Die Gäste dagegen stellten in den Schlußminuten mit einem weiteren Tor ihres Mittelstürmers den 3:0- Sieg sicher.

Am Oberrhein gab es am vergangenen Sonntag einige interessante Fußballbegegnnngen. Der Schopf- heimer SV. hatte die Sportfreunde Tumringen zu Gast und

gewann sicher mit 4:1 (1:1) Toren. Das Vorspiel be­stritten die Jugendmannschaften von Schopfheim und Fahrnau, das die Schopfheimer überlegen mit 11:0 ge­winnen konnten. — Einen weiteren großen Sieg meldet die ausgezeichnete Schopfheimer Jugendmannschaft gegen den SC. Weil, den sie mit 15 :1 besiegte. — Um die Öber- rhein-Meisterschaft standen sich der $C. Wehr und der SC. Weil gegenüber. Die Weh rer konnten erst in der letzten Viertelstunde die entscheidenden Tore zu dem 4:2- Erfolg schießen, nachdem zur Pause die Gäste noch mit 2 :1 geführt hatten. — Spvgg. Säckingen — Sport­freunde Fahrnau 6 : 2, Säckingen II — Fahrnau II 5 : 0, Säckingen Jugend 1 —- Fahrnau Ju/end 1 8:0, Rhein- felden — Zell 4:1.

Aus den mittelbadischen Spielen ragt das Gastspiel des VfB. Mühlburg in Lahr heraus, das die technisch ausgezeichneten Gäste klar mit 4:0 gewannen. In Offenburg kamen die Mtihlburger einen Tag später zu einem 5:2- Erfolg. — In Orschweier holten sich die Lahrer Sportfreunde einen 3 :1 - Erfolg. — Die Gaggenauer Elf konnte gegen die sehr tüchtige Illinger Mannschaft einen 3:1-Sieg erringen. Eine eindeutige Angelegenheit war das Treffen Ottenau — Sandweier, das die Gastgeber mit 8 :0 für sich entschieden. — Weitere Ergebnisse: All­mannsweier— Mietersheim 2 :1. La’u II — Teningen 4 :1, Lahr Jugend A — Kenzingen Jugend A 2 :1, Lahr Ju­gend B — Teningen Jugend A 1 :1.

Handball

Um die Badische Handballmeisterschaft der französisch besetzten Zone wurden am vergangenen Sonntag die ersten Spiele der Endrunde ausgetragen, ln Lörrach unterlag der VfL. Freiburg Überraschenderweise mit 6 ; 10 Toren, wäh­rend Schutterwald Mühe hatte, den Gegner aus Nieder- btihl mit 8:7 zu bezwingen Dabei war Schutterwald eine Zeitlang mit 7 :1 in Führung gelegen. Die beiden Rückspiele finden am 28. Juli statt.

In Elgersweier wurde Sshuttern knapp mit 12 :11 Toren besiegt. Die Elgersweirer Jugend kam gegen die Ohls- ba<her Jugend zu einem 4:1- Sieg. — Die Frauen-Hand- ballmennschaft der Sportfreunde Lahr ließ mit 10 :0 gegen Köndringens Frauen den Gästen keine Gelegenheit, auch nur einen Gegentreffer zu schießen.

Vorschau

Als Ausscheidung für die im August in Lahr stattfinden­den Badischen Leichtatbletikm->isterschaf- t e n beginnen am kommenden Sonntag die Bezirksmeister­schaften. ln Freiburg wird das Fortuna-Stadion der Schauplatz der Kämpfe «ein. Eine Voraussage über die zu erwartenden Leistungen dürfte sich erübrigen, da alle Anhaltspunkte fehlen. Auch die Anlagen, die durch die Einwirkungen des Krieges gelitten haben und noch nicht wieder so instandgesetzt werden konnten, daß sie als ideal bezeichnet werden können, werden bei der Bewertung der Leistungen berücksichtigt werden müssen.

Der Oberrhein wird am Samstag und Sonntag seine Leichtathleten in Lörrach zusammenfassen In Lörrach und Rheinfelden wurden bereits leichtathletische Kämpfe durch­geführt, deren Ergebnisse spannende Kämpfe bei den Bezirksmeisterschaften erwarten lassen.

Zum ersten Male nach dem Kriege tritt in der fran­zösisch besetzten Zone Badens auch der Automobil­sport wieder an die Öffentlichkeit. Die Süddeutsche Motor-Rennfahrer-Vereinigung in Baier*bconn führt am kommenden Sonntag das 1. Ruhestein-Bergrennen durch, an dem neben bekannten Motorradsportlern auch Sport­wagen- und Rennwagenfahrer teilnehmen werden. U. a. sollen Europameister Hermann Lang und Bergmeister Hans Stuck ihre Meldungen abgegeben haben.

Im Fußballsport ist nach den Rundenspielen eine kleine Erholungspause eingetreten. Lediglich vom Ober­rhein wird das Gastspiel dreier Schopfheimer Mannschaf­ten — Jugend I, Ligareserve und 1. Mannschaft — in Rhein­ felden gemeldet.

Bezirksliga-Meisferschaft Auch die Meister in den einzelnen Staffeln der Be­zirksliga stehen nunmehr fest.

Staffel Kenzingen : Niederhansen;

Staffel Kaiserstuhl : Riegel;

Staffel Tunfberg: Waltershofen ;

Staffel Müllheim : Müllheim ;

Staffel Freibur »: Kirchzarten :

Staffel Elztal : Zahringen (a. K.: Fortuna II).

In Vor- und Rückspielen werden nach folgendem Grup­pen-und Terminplan zwei Vereine ermittelt, die dann den Bezirksmeister herausspielen. Dieser steigt im Herbst zur Oberliga-West auf.

Zu bemerken ist, daß die Wartezeit für den Spielbeginn auf 30 Minuten ausgedehnt wurde, und daß der Spielleiter Roth keine Spielverlegungen zuläßt.

Termine — Gruppe Nord .

21.7; 46: Zahringen — Riegel. 15.30 Uhr 29. 7. 46: Riegel — Niederhausen, 15.30 Uhr 4. 8. 46: Niederhansen Zähringen. 15.30 Uhr 11. 8. 46: Niederhausen — Riegel, 15.30 Uhr 18. 8. 46: Riegel — Zahringen, 15.30 Uhr 25. 8. 46: Zähringen — Niederhausen, 15.30 Uhr

Gruppe Süd

21. 7. 46: Müllheim — Kirch zarten, 14.00 Uhr 28. 7. 46: Kirchzarten — Waltershofen , 14.00 Uhr 4. 8. 46: Waltershofen — Müllheim , 13 00 Uhr 11. 8. 46: Waltershofen — Kirchzarten , 13.00 Uhr 18. 8. 46: Kirchzarten -- Müllhem., 14.00 Uhr 25. 8. 46: Müllheim — Waltershofen , 14.00 Uhr

Tour de Suisse

Die 201 km lange Etappe Bern —Zug mit Bergpreia- wertung auf dem Brünig sah zur Freude der Eidgenossen

bald nach dem Start den Schweizer Hans Martin in Front. Trotz wiederholter Anschlußversuche des Feldes, welche Martins Vorsprung zeitweise auf Sekunden zu­sammendrückten. passierte er als Erster das Ziel vor Tesseire (Frankreich ), dem Capebie (Frankreich ) folgte, der noch auf der Paßböhe Letzter war, durch eine fabelhafte Leistungsfahrt aber noch Dritter werden konnte.

Die fünfte Etappe führte über 215 km nach Lugano ; auf ihr waren der St, Gotthard und der Monte Ceneri , also nicht nur gewaltige Höhen, sondern auch Temperatur­unterschiede zn überwinden. Die M**rschtabellenzeit wurde um 48 Minuten überschritten, ein Zeichen für die Schwie­rigkeiten der Strecke Etappensieger wurde Bartali (Ita­ lien ). der damit auch das goldene Trikot des Spitzenreiters im Gesamtklassement behält, vor Tesseire (Frankreich ), Engels (Belgien ) und den Schweizern Wagner, Amberg , Naef.

Sieger der Donnerstag-Etappe Lugano —Arosa wurde Bartali vor Trueba und dem Schweizer Seppli Wagner.

Interessante Kurzmeldungen

In Frankreich ging eine „Ronde de France" zu Ende, die Jedoch nicht mit der berühmten „Tour de France “ und auch nicht mit dem in wenigen Tagen an­laufenden „Tour-de-France-Ersatz“ identisch ist. Sieger wurde Bresci (Italien ), der dieses von Bordeaux nach Grenoble führende Rennen in 41/14/51 vor seinem Lands- mann Bertocchi und dem Franzosen Fachleitner gewann.

Der Nürnberger Kittsteiner ist bereits wieder in Hoch­form. Er gewann eine sogenannte Deutsche Straßenmeister. Schaft in Sehweinfurt vor Bergei (Rosenheim ) und Hör­mann (München ).

Nina Dumbadse (Sowjet-Union ) Übertraf den Dis­kus-Weltrekord der Deutschen Gisela Maurermeier und kam auf 48,80 m. Audi andere Russen bewiesen ihre inter­nationale Qualität. Chekhtel warf den Hammer 54.21 m, Lip stieß die Kugel 15,78 m Kusnezow kam im Weit­sprung auf 7,46 m und Osolin auf 4,10 m im Stabhoch­sprung.

D i n n y P a i l s und Geofrey Brown gewannen das Herrendoppel in der Irischen Meisterschaft gegen die Engländer OUiff — Mottram mit 6:1, 6:2, 6:3.

Im Großen Preis von Albi kam endlich der alte N u - volari einmal zum Sieg, den er mit 147,632 Stunden­kilometer und Rundenvorsprung vor Loveau gewann.

Boxen. Der französische Mittelgewichtler Robert Charron traf in Belfast auf den Irländer Ingles , den er nach mehreren Niederschlägen in der 9. Runde durch techn. k o. besiegte.

Nach Punkten gewann in Glasgow der britische Welt­meister im Fliegengewicht Jackie Paterson gegen dem wiederholt zu Boden gegangenen Joe Curran in einem Titelkampf über 15 Runden.

Mit über 100 Booten aus Frankreich , Italien , der Schweiz und der Tschechoslowakei \*ar auch die Zürcher Ruder­regatta international gut besetzt. Den Löwenanteil der Siege holten sich die Gastgeber; nur drei Rennen wurden von den Ausländern gewonnen.

Nochmals:

Bürgerliche Unschlüssigkeit

Der Beitrag „Bürgerliche Unschlüssigkeit“, den wir zur Ergänzung einer Veröffentlichung der bekannten Zeitschrift „Die Gegenwart“ in unserer Ausgabe vom 13. Juli veröffentlichten, hat uns eine Reihe zustimmender Einsendungen gebracht, die mit uns die Meinung vertreten, daß es jetzt die hohe Aufgabe der liberalen und demokrafi- schen Kräfte im Bürgertum ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen und sich nicht wieder vom Na­tionalismus ins Schlepptau nehmen zu lassen.

Aus einer dieser Zuschriften zitieren wir diese Stellen:

Der berühmte Universitätsprofessor der evan­gelischen Theologie in Berlin Adolf von Harnack (gestorben 1930) war nach dem ersten Weltkrieg ein unerschrockener Warner der akademischen Jugend und des Bürgertums vor reaktionären Sehn­süchten. Seine Warnungen sollen und können heute wiederholt werden, da die jetzige politische Lage der nach 1918 ähnlich ist, nur noch gefährlicher. Also er warnt vor den reaktionären Wünschen, „das Zeitalter Bismarcks zurückführen“ zu wollen und „durch Paraden, Hakenkreuze und Stahlhelm die Schäden der Zeit heilem zu können“. „Jede pure Reaktion führt zum weißen Schrecken (= Faschismus!) 1924. „Wer heute (1925) noch von den erhebenden Folgen der Kriege zu reden wagt, ist entweder ein Verbrecher oder ein Narr“ (siehe Hitler ).

„Der Zeiger der Zeit steht nicht mehr hier (Bismarck!) und kehrt niemals dorthin zurück“, ..denn vor uns liegt das Zeitalter der Demokratie und des Sozialismus.“ „Die positive Mitarbeit der sozialdemokratischen Partei am Wiederaufbau des Staates ist eine Tatsache von größter sozialer und innerpolitischer Bedeutung, und von den bür­gerlichen Parteien hängt es nun ganz wesentlich ab, ob sie seine Bedeutung anerkennen und dauernd danach handeln oder ob sie in Ver­blendung die ausgesfreckfe Hand nachträglich doch zurückweisen, was notwendig zur Kata­strophe (!) führen müßte.“

Was Harnack von dem verblendeten (deutsch­nationalen!) Bürgertum voll böser Ahnung be­fürchtete, ist unter der Verführung des bösen Gei­stes Papen, der jetzt in Nürnberg so unschuldig tut, in fürchterlichster Weise eingetroffen. Man sieht aus diesen lauten politischen Ratschlägen eines aufrechten Mannes aus den 20er Jahren, daß das deutsche Bürgertum nicht ungewarnt in die militaristische Katastrophe raste. Wir war­nen wieder! Wird das Bürgertum nach der bluti­gen Lehre des zweiten verlorenen Weltkrieges end­lich Vernunft annehmen und mit der Sozialdemo­kratie ehrlich Zusammenarbeiten wollen am zwei­ten Wiederaufbau des niedergebrochenen Vater­landes?

Schnipsel

Von Gerhard Schäke

Gerade in der Demokratie darf man sich’s er­lauben, an einer Richtung festzuhalten, niemand muß seine Verbeugungen nach allen Seiten ma­chen. Schon erlebt man es wieder, daß alles, auch das Einfältigste gelobt und gutgeheißen wird nur darum, weil es unter dem letzten Regime verpönt war. Unvernunft, Kritiklosigkeit, Gleichgültigkeit, Angst vor der Wahrheit sind nicht Demokratie. Auch sie hat Mitläufer und Nutznießer. Vor ihnen heißt es, auf der Hut zu sein!

*

Wer nicht vergessen will, will nicht verzeihen — dem soll gleichermaßen nichts vergessen und verziehen werden,

*

Sie sagen „Friedrich der Große “ und meinen „die Herrenrasse“, denn sie wissen sehr wohl, wo der Anfang war.

Aschenbecher,

Spielzeug, Broschen und Bilder...

Eine etwas kunterbunte Plauderei

Ich habe keineswegs die Absicht, mit dieser, wie gesagt, etwas kunterbunten Plauderei der Rubrik „Wirtschaft und Handel“ oder „Aus der Produktion“ oder so ähnlich feuilletonistisch Kon­kurrenz zu machen. Ich bin weder Nationalöko­nom noch Wirtschaftssachverständiger. Ich bin nur ein einfacher Volksgenosse, das heißt, Volks­genosse ist ja nun ein Naziwort und heute nicht gefragt, und Genosse allein geht auch nicht, sonst meint man, das sei ein politischer Aufsatz, Bürger ist ebenfalls wenig beliebt, weil jetzt alle ehemali­gen Bürgerlichen Sozialisten geworden sind, also sagen wir einfach: ein Zeitgenosse, wenn auch, seitdem man wieder von Professor Einstein schreiben darf, die Zeit ein relativer Begriff ist...

Das war nun wirklich ein etwas kunterbunter Satz, und eigentlich möchte ich von etwas ande­rem sprechen. Es hat aber auch mit der Zeit zu tun, sogar sehr viel. Mit unserer gegenwärtigen, sehr relativen Zeit.

Wir sind soeben beim Aufbau. Wenigstens kann man das überall lesen. Wir bauen das Fundament auf, in dem so allerlei verankert werden soll; ver­ankern ist ein schönes Wort, es taucht immer nach Revolutionen auf, wenn das Staatsschiff pleite ge­gangen ist, nach 1918 war es auch überaus beliebt. Leider haben die Verankerungen von damals in dem Fundament nicht gehalten; oder hat das Fun­dament die Verankerungen nicht gehalten? Aber das ist eine politische Doktortrage, und die geht uns hier nichts an.

Jedenfalls, es besteht kein Zweifel darüber, daß wir anfbauen müssen. Alles liegt in Trümmern. Es fehlt an allem. Wohin man schaut: alles ist zerstört, alles kann gebraucht werden, und das Notwendigste wird notwendig gebraucht

Wohin man schaut: schauen wir also mal in ein Schaufenster. Was sehen wir da mit unseren auf- baulüstenien Augen: Aschenbecher , Spielzeug,

Broschen und Bilder, Lesezeichen, buntbemalte Kästchen und andere lebensunnotwendige Herr­lichkeiten. Ich habe nichts gegen die unnötigen Dinge des Lebens, gewiß nicht. Meist machen sie das Leben erst lebenswert. Aber trotzdem würde ich lieber etwas anderes in den Schaufenstern sehen: Geschirr, Strümpfe, Schuhe, Nägel, Hand­werkszeug, Kochlöffel, Farbbänder, Streichhölzer ... und so weiter. Jeder Leser kann die Liste nach seinen Wünschen fortsetzen. Von den Dingen aus dem Sektor Ernährung ganz zu schweigen.

Ja, und nun komme ich, kunterbunt wie ich schreibe, wieder auf den Sozialismus zu sprechen, den wir alle wünschen. Sozialismus ist ein Fremd*, wort, und Fremdwörter sind nicht nur Glücks­sache, sie haben auch die angenehme Eigenschaft, daß sich jeder darunter vorstellen kann, was er will. Ich stelle mir zum Beispiel vor, daß Sozialis­mus heißt: Planung der Wirtschaft nach dem Be­darf. Das heißt für uns in dem zertrümmerten Deutschland: Herstellung der Lebensnotwendigen Dinge in erster Reihe. Als da sind: Geschirr, Kochlöffel, Handwerkzeug ... und so weiter, siehe oben. Und nicht: Aschenbecher, wo wir doch keine Zigaretten haben, Spielzeug, wo di« Kin­der mehr Phantasie haben als jeder Spielwaren­fabrikant, Bilder, wo es doch noch keine Wände gibt, um sie aufzuhängen. Ebenfalls und so weiter.

Hier scheint ein Fehler in der Steuerung der Produktion zu liegen. Es hat den Anschein, als ob es mit dem allseits so beliebten Sozialismus nicht sehr weit her ist. In der Praxis. Denn wenn die Industrie Holzspielereien anfertigt statt Koch­löffel, oder Puppen statt Kinderschühchen. oder bemaltes Kunstgewerbe fabriziert, statt Farben und Material zu notwendigen Dingen zu verarbei­ten, dann ist da etwas nicht in Ordnung. Dann ist’s eben kein Sozialismus, sondern reinster Pri­vatkapitalismus. Gewiß, ein an und für sich kleiner Privatkapitalismus, gegen den in normalen Zeiten kein vernünftiger Mensch etwas einwenden kann. Und daß der Unternehmer lieber netten, mit einer Schablone, ritsch, ratsch, bemalten Tand herstellt als Kochlöffel, oder lieber allerlei Schmuck statt

Gabeln und Messer, und so ein Vielfaches ver­dient mit dem gleichen Aufwand a Material und Arbeitszeit, kann man ihm persönlich nicht übel nehmen.

Aber dann soll man nicht von einer sozialisti­ schen oder auch nur sozialen Planung der Wirt­schaft sprechen. Privatinitiative ist ein schönes Wort. Aber sie wird bedenklich, wenn sie auf Kosten des Lebensnotwendigen gdit.

Die Moral von dieser, wie gesagt, etwas kunter­bunten Plauderei, sei dem Leser überlassen.

Rolf Ge ha.

Kulturelle Notizen

Die Genossenschaft Deutscher Bühnen- Angehöriger, die gewerkschaftliche Organisation der »Bühnenschaffenden in Deutschland, kann in diesen Tagen auf ihr 75jlhriges Bestehen zurtickblicien. Aus die­sem Anlaß findet in der Zeit vom 31. Juli bis einscbl. 2. August d. J. eine Vertretervc-rsammluug in W rimar mit Genehmigung der Alliierten Militärbehörde statt, an der Vertreter aller deutschen Buhnen teilnehmen werden.

Erreger der Paraoenthose wurde ent­deckt. Nach jahrelangen bakteriologischen Untersuchun­gen an etwa 20 000 Personen konnte Prof. Gins vom Robert-Koch-Institut . Berlin , den Erreger der Paradenthose feststellen. Bei dieser sehr verbreiteten Erkrankung ent­stehen Entzündungen des Zahnfleisches infolge von An­sammlungen der sogenannten Schraubenhaktericn oder Spi­rillen, die sich in großer Menge in der Mundhöhle des Menschen aufhalten. An den Zahnwurzeln bilden sich Eiterherde, es gibt Zahafle.'schblutungen, die Zähne lockern sich und fallen schließlich aus. »Die als p aradenthose be­kannte Erkrankung ist lediglich ein vorgeschrittenes Sta­dium dieses Prozesses. Prof Gins betreibt die Spezial­forschung über Spirillose seit vier Jahren and nennt als Heilmittel gegen Paradenthose gewisse Präparate aus der Reihe der Arsensäuren oder Impfstoffe tus Reinzüchttingen von Schraubenbakterien. Auch vorbeugende Spczialmnnd- pflegemittel können hergestellt werden, so daß die Krank­heit schon im Anfangsstadium bekämpft oder weiterer Zahnverfall aufgehalten werden kann.

Curt Goetz * „Tote Tante“ im „Südwest­fun k“. Die Abteilung Hörspiel bringt am Montag 22. Juli, von 20.45 bis 21.30 Uhr eine erbauliche Angelegen­heit von Gurt Goetz „Die tote Tante“, in einer neue» Fassung für den Funk von Christian Boehme. Die Sprecher sind: Eva Fiebig . Maria Kappenhagen, Verena Lessing Fritjof Blom, Ernst Sladeck, Die Regie hat Christian Boehme. Der „Südwestfunk“ setzt damit in seinem Hö* spiel die heitere, sommerliche Sendefolge fort«

Der Film in der französischen Zone

Unter den etwa 30 Filmen französischer Spitzenproduk­tion, deren Synchronisierung in der französisch besetzten Zone vorbereitet wird, dürfen die des ersten Filmautors, der in die Academie Francaise aufgenommen wurde, besondere Beachtung beanspruchen, Marcel Pag- n o 1 s. Großen Erfolg hatte bis in die jüngste Zeit seine „Angele“, „La femme du Bouianger“ und „Näie“. Mit Spannung wird seine Filmtrilogie erwartet „Marius“, „Fanny“ und „Cesar“. Sobald alle technischen Vorbe­reitungen in der französischen Avne von Remagen bis Emmendingen (evtl, auch Geiselgastrig bei München ) be­endet sind, soll mit den Synchronisationen begonnen wer­den. Beide Filmverleihe der französischen Zone (Rhein- Donau-Saar-Filmverleih) sicherten sich einen Alpen-'port- filra mit heiterer Liebesgeschichte, der in Tirol durch österreichische und französische Darsteller (Yvette Lebon , Michel Marsay, Jean Durand , Anne Maven) vorbereitet wird, „Winterraelodie“. Er dürfte bis Ende Oktober fertig sein und wird dann in der französisdien Zone laufen. Bekannte Tyroler Filmfachleute und Alpinisten fanden, sich, nachdem die Kriegswirren sie in alle Gegenden der Erde zerstreut hatte, in ihrer heimatlichen Alpenwelt zu­sammen, um in Kitzbühel , Zure und St. Anton am Arl­berg gleichzeitig die französische und deutsche Fassung zu drehen mit den österreichischen Dai.-tellern Hermann Brix , Rudi Matt, SHiönherr, Franz Eichherger und Ilse Peterle mit Wieder als Regisseur und Walter Himmel als Chef-Kameramann.

Musikdirektor der Stadt Koblenz . Für die neue Opern und Konzertsaison berief die Stadt Koblenz den zuletzt als 1. Opernkapellmeister in Frank­ furt a. M. tätig gewesenen Dirigenten Otto Winkler zu ihrem städtischen Musikdirektor. Otto Winkler übernimmt außer der Oberleitung der Oper auch die Konzerte der „Rheinischen Philharmonie“ und baut das historische „Koblenzer Musikinstitut“, eine Gründung ans dem Jahre 1808. mit einem großen Oratorienchor wieder auf. Winkler war von 1928 bis 1930 an der Städtischen Oper Berlin Assistent von Bruno Walter . Danach wirkte er an den Bühnen in Kiel und Stuttgart .

Eine neue Zeitschrift für Literatur und Kunst. In der französischen Zone erscheint dem­nächst eine neue Zeitschrift für Literatur und Kunst, die der nach Deutschland zurück gekehrte Alfred Döblin (Ba­ den-Baden ) im Schauenburg-Verlag zu Lahr herausgibt. Unter dem Titel „Das goldene Tor “ will diese vornehm­lich literarische Zeitschrift, zn der Alfred Döblin als Re­dakteur Anton Betzner hinzuzog, besonders den seinerzeit unter dem Naziterror ausgewanderten deutschen Schrift­stellern als Organ dienen als groß, ernste Zeitschrift, die zn den brennenden Fragen dieser Zeit in literarischer Form Stellung nimmt. Neben Alfred Döblin selbst arbeiten Hein­ rich Mann , Bert Brecht , Hermann Kesten , Ludwig Mar- cnse, Albert Ehrenstein u. a. mit