Freitag, den 15. September 1950

Die Elektrifizierung des Eisenbahnnetzes

Weitere Fortschritte auf der Strecke Stuttgart -Bruchsal

Zulage für alle Beamten gefordert

Vom Beamtenausschuß der Gewerkschaft öffentliche Dienste, Transport, Verkehr

Stuttgart (ZSH). Die Elektrifizierung der Strecke Stuttgart — Bruchsal macht wei­tere Fortschritte. Auf der Strecke Ludwigs­ burg —Bietigheim sind bereits die Führungs­masten aufgestellt; die Stromkabel haben Bie­ tigheim erreicht Der geplante Umbau des Bietigheimer Bahnhofs wird jedoch vor dem Winter nicht beendet werden können. Zur weiteren Elektrifizierung bis Vaihingen-Enz hat das Land Württemberg-Baden einen Kre­dit von 12 Millionen DM bewilligt. Man rech­net damit, daß die Strecken Bietigheim nach Vaihingen -Enz bis Frühjahr, Vaihingen-Enz nach Mühlacker bis Herbst nächsten Jahres elektrifiziert sein werden. Die erste Etappe des Planes, der zwischen der Bundesbahn und dem Land Württemberg-Baden vertraglich festgelegt worden ist, wird erreicht sein, wenn die ganze Strecke von Stuttgart bis Bruchsal elektrisch befahren werden kann. Den zwei­ten Bauabschnitt bilden die Strecken Bruch­ sal —Heidelberg —Mannheim und die Linie Bruchsal —Karlsruhe mit dem Endziel der Vollelektrifizierung der Rheintallinie Basel bis Karlsruhe .

Ausbau der Bundesstrafien 10 und 35 gefordert

Eßlingen (lwb). Die Vertreter der an den Bundesstraßen 10 und 35 gelegenen Ge­meinden und Kreise forderten in einer Ent­schließung an die Bundesregierung den Aus­bau der vom Technischen Landesamt geplan

ten Umgehungen und Verbreiterungen der beiden Bundesstraßen zwischen Bruchsal und Ulm innerhalb von drei Jahren. Der Vertre­ter des Bundesverkehrsministeriums wies darauf hin, daß im Haushaltplan des Bundes nur 200 Millionen DM für Straßenverbesse­rungen bewilligt worden seien, obwohl min­destens 360 Millionen DM für die dringlich­sten Arbeiten gebraucht würden. In diesem Zusammenhang haben die SPD -Bundestags- abgeordneten. Paul, Dr. Mommer und Lau­sen in einer Anfrage an Bundesverkehrsmi­nister Seebohm um Auskunft gebeten, ob die für den Ausbau der Bundesstraßen 10 und 35 vorgesehenen Mittel tatsächlich im Bundesetat gestrichen worden seien. Dr. Seebohm soll ferner erklären, ob eine Instandsetzung der beiden Straßen durch eine anderweitige Fi­nanzierung doch noch vorgenommen werden könne.

Daimler-Denkmal nicht mutwillig beschädigt Schorndorf (lwb). Das Daimler*Denk- mal in Schorndorf ist nicht mutwillig beschä­digt worden, wie sich jetzt herausstellt. Die Untersuchungen ergaben, daß es sich um eine natürliche Oxidation der Bronze handelt, die durch die anhaltenden Regengüsse der letzten Woche beschleunigt wurde. Dazu kam, daß der an die Platte angelehnte große Eichen­kranz durch die in der Eiche enthaltene Gerbsäure einige kleinere Flecke hinterließ.

Die Mächtigen der Völker sind im Grund von jeher bedauernswerte Menschen gewesen. Wohl fielen ihnen Glanz, Ehre und Reichtum zu. Dafür hatten sie kein privates Leben mehr. Ob in ihrem privatem Heim oder bei offiziellen Empfängen — stets stehen sie im Brennpunkt des Interesses der Weltöffentlich­keit. Und da es an Neidern und Unzufriede­nen nicht fehlt, ist ihr Dasein außerdem Tag und Nacht von Gefahren umlauert, deren Ab­wehr vor allem auf Reisen besondere Maß­nahmen erfordert.

Große Vorbereitungen Wenn Ihre Majestät, die Macht, auf Reisen geht dann werden heute überall auf der Welt dieselben Vorkehrmaßnahmen getroffen. Je­der Schritt der Reiseroute Wird sorgsam fest­geiegt Vorsichtshalber werden alle irgendwie verdächtigen Leute in den zu besuchenden Städten besonders überwacht oder sogar für ein paar Tage auf Nummer „Sicher“ gebracht Die Häuser an den Straßen, die Seine Maje­stät passiert werden Tage zuvor unauffällig durchsucht Alle Polizeistationen der Umge­bung sind alarmiert Die Fremdenlisten der Hotels stehen unter schärfster Kontrolle. Miß­trauisch wird jeder Unbekannte beschattet; was oft dazu führt, daß sich die Geheimagen­ten untereinander selbst mit Feuereifer ver­folgen und oft sogar festnehmen, bis der Irr­tum geklärt ist Gleichzeitig tritt eine beson­dere Luftüberwachung in Aktion, für den Fall, daß jemand auf die Idee kommen sollte, die Wagenkolonne Ihrer Majestät mit Flugzeug und Bomben zu belästigen. Es wird ihm nicht glücken, denn er wird an diesem Tag keine Starterlaubnis bekommen.

Makabre Verhältnisse Das alles haben die Leibwächter der Macht viele Tage vor der Reise Ihrer Majestät zu bedenken. Ist der feierliche Augenblik gekommen, so ist für sie die Hölle los. Wohl fährt z. B. vor dem Sonderzug Trumans eine „Sicherheitslokomotive“, um Geleisesprengun­gen vorzubeugen. Wohl ist sein Sonder-Pull- mann-Wagen kugelfest gepanzert und von einer ganzen Eskorte motorisierter Leibwäch­

Stuttgart (lwb). Der Beamtenausschuß der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Trans­ port und Verkehr hat dieser Tage in einer Entschließung eine monatliche Zulage von 35 DM für die Beamten von Bund, Ländern, Gemeinden und Körperschaften des öffentli­chen Rechts gefordert. Die Bezirksverwaltun­gen der Gewerkschaft sind angewiesen wor­den, bei den Länderregierungen entsprechend der Entschließung des Beamtenaussehusses Anträge auf Gewährung der Zulage zu stel­len. Der Beamtenausschuß wies in seiner Ent­schließung darauf hin, daß noch nicht einmal die 6 % -Kürzung auf Grund der Brüning- schen Notverordnung vom Jahre 1930 überall aufgehoben worden sei. Die Bundesregierung beabsichtige sogar, allen Angehörigen des öffentlichen Dienstes mit Versorgungsberech­tigung eine 3 % -Abgabe aufzuerlegen.

Noch einmal Entnazifizierungsprozeß Stuttgart (lwb). Das Oberlandesgericht in Stuttgart wird am 29. September über die vom ehemaligen Spruchkammerkläger May und vom Vermittler Meyer gegen das Urteil

im Stuttgarter Entnazifizierungsprozeß einge­legte Revision entscheiden. May war am, 11. Mai 1950 von einer Strafkammer des Land­gerichts Stuttgart wegen passiver Bestechung zu 12 Monaten Gefängnis, Meyer wegen ak­tiver Bestechung zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt jvorden.

Kehl soll der KPD Auskunft geben

Stuttgart (lwb). Der Landesverband der KPD Württemberg-Badens wies alle Behaup­tungen zurück, daß die KPD von Bürkle Gel­der für ihren illegalen Kampf erhalten habe. Der Landesvorstand habe den Bundestagsab­geordneten Kohl um eine Stellungnahme ge­beten. Wie von uns bereits mitgeteilt, hatten bei den von der Staatsanwaltschaft Stuttgart in Berlin geführten Ermittlungen in der Kre­ditsache Bürkle zwei Angestellte des Berliner Büros von Bürkle u. a. ausgesagt, der ehe­malige Arbeitsminister Kohl (KPD ) habe dem Ostzonenminister Selbmann mitgeteilt, dag Bürkle den illegalen Kampf der KPD in West­deutschland durch finanzielle Beihilfen unter­stützt habe.

Wenn die Macht auf Reisen geht

Vor Trumans Sonderzug fährt eine „Sicherheitslokomotive“ — „Ersatz-Stalins“ für Repräsentationszwecke — Blumen oder Handgranaten, das ist die Frage

ter flankiert Aber wenn plötzlich ein Ver­rückter auf die Idee kommen sollte, anstatt Blumen eine Handgranate zu werfen oder unter dem devot abgenommenen Hut seine Pistole abzuf euem ...

Auf diese Weise wurde am 27. Juli 1900 König Umberto I. von Savoyen ermordet. So starben Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich und seine Gemahlin, und 18 Jahre später Paul Doumer , der Präsident der Fran­ zösischen Republik . Und wurde nicht erst vor einiger Zeit der ägyptische Ministerpräsident Nokraschy Pascha auf dieselbe Weise ge­tötet? Solche Schreckensbilder schweben den Leibwächtern ständig vor Augen. Sie gehören gewissermaßen zu ihrer speziellen „Geschichts­betrachtung“. Wie aber soll ein solcher tau­sendfach geplagter Leibwächter auf den ersten Blick einen Vernünftigen von einem Ver­brecher oder Wahnsinnigen unterscheiden können?

Mer kw ürdige Schutzengel

Noch viel aufregender als die Fahrten der westlichen Staatsmänner sollen die Reisen Stalins sein. Zumeist braust in großem Tempo eine Kolonne lauter gleich aussehender, ge­panzerter Limousinen vorüber, so lauten die Augenzeugenberichte, so daß niemand weiß, in welchem Wagen Stalin nun eigentlich sitzt. Auch soll der Generalissimus verschiedene Doppelgänger zur Verfügung haben, die sich bei solchen Fahrten offiziell dem Publikum zeigen, während Stalin selbst in irgend einem anderen, verschlossenen Wagen sitzt. Das sind einige. Rezepte von Stalins Oberleibwächter Alexander Kondorean, der seinen Herrn schon einmal mit seinem Scharfsinn vor einer recht kritischen Situation bewahrte. Als nämlich der Generalissimus 1942 eine Reise an die gefährdeten Frontabschnitte vor Moskau vor hatte, ließ Kondorean ejne „Ersatzkolonne“ diese Fahrt ausführen, während er Stalin selber völlig unbekannt mit einer anderen Kolonne sicher an die Front und wieder zu­rück brachte. Die Ersatzkolonne jedoch wurde von Flugzeugen angegriffen und es fehlte nicht viel, so wäre sie von deutschen Fall­schirmjägern geschnappt worden.

Um den Länderpokal gegen Südwürttemberg

Am kommenden Sonntag wird die württember- gische Pokalelf der Amateure zum ersten Pokal­spiel in der Vorrunde gegen die Mannschaft von Südwtirttemberg antreten. Die Nordwiirttemberger stützen sich bei dieser Kraftprobe ausschließlich auf Spieler aus der Provinz.

Württemberg verfügt in diesen Spielern über gute Kräfte, die in der Lage sein sollten, den Südwürt- tembergern paroli zu bieten. Das Tor hütet der ausgezeichnete Schlußmann von Zuffenhausen , Mün- derle, der vor sieh in Braun II und in dem frühe­ren Kickersspieler Vetter zwei schlagsichere Ver­teidiger stehen hat. Die gastgebende Stadt Gmünd stellt den Hauptteil der Läuferreihe mit Beckmann und dem Stopper Löffler, die zusammen mit dem Heilbronner Baumgart eine beachtliche Sperrkette abgeben. Der Sturm hat Verbandstrainer Pahlke einige Sorgen bereitet. Mit dem rechten einge­spielten Flügel des VfB Aalen —, Hildner, MuChe und BuChmann — dürfte er aber eine gute Lösung gefunden haben, zumal da auf Linksaußen noch der gefährliche Juert von Zuffenhausen und als Ver­binder der Gmünder Rüde steht. Alles ip allem eine Mannschaft, die Vertrauen besitzt.

Aufstellung: Münderle (FV Zuffenhausen ), Braun II (FV Zuffenhausen ), Vetter (SV Göppingen), Beckmann, Löffler (beide Normannia Gmünd), Baumgart (VfR Heilbronn), Hildner, Muche, Buch­mann (alle VfB Aalen ), Bück (Normannia Gmünd), Juert (FV Zuffenhausen ).

Im Handball wieder vier Spiele

Württembergs Handballer scheinen über vier Spiele an einem Wochenende nicht hinauszukom­men. Die Stuttgarter Kickers empfangen dabei den TSV Süßen. Sie sollten nach ihren guten Leistun­gen gegen Frischauf auf eigenem Platz zu einem doppelten Punktgewinn kommen. Altenstadt, das gegen den Neuling Eßlingen seine ganze Routine ausspielte, sollte auch zu Hause gegen den zweiten Neuling Schnaitheim beide Punkte behal­ten können. Eßlingen besitzt gegen Holzheim. gute Siegeschancen. Die Holzheimer sind in diesem Jahr noch nicht richtig in Tritt gekommen und haben noch kein Spiel gewinnen können. Zuffen­ hausen dürfte kaum um seine zweite Niederlage herumkommen, denn Frischauf Göppingen läßt nicht mit sich spassen und wird alles daransetzen, seinen Siegeszug vom Vorjahr zu wiederholen. Es spielen: Stuttgarter Kickers — TSV Süßen; TV Altenstadt gegen TSV Schnaitheim; TSV Zuffenhausen gegen Frischauf Göppingen; Eßlinger TSV — TV Holzheim.

Etappenfahrt „Rund um Württemberg “

Der erste Radfahrverein Stuttgart führt am 1*. und 17. September 1 1950 in Zusammenarbeit mit den 6chürhoff-Fahrradwerken, Gevelsberg , eine Zwei- Etappenfahrt um den „Großen Söhürhoff-Preis rund um Württemberg " für Amateure durch. Als erstes Bennen läuft am Samstag, 16. September, in Bad Cannstatt auf einer Bundstrecke ein Kriterium, das alle Teilnehmer der Zwei-Etappenfahrt be­streiten müssen. Am Sonntag folgt dann die zweite Etappe, die von Stuttgart über Bad Cannstatt , Fell­ bach

, Winnenden , Backnang , Sulzbaeh, Mainhardt , Schwäbisch Hall , Kupferzell , Ohringen , Weinsberg , Heilbronn , Großbottwar , Marbach , Ludwigsburg , Kornwestheim , Zuffenhausen wieder zurück nach Stuttgart zum Ziel in der Stresemannstraße bei der Deutschen Gartenschau führt. Die Strecke der zwei­ten Etappe ist 191 km lang. Das Rennen wird durch die Teilnahme eines starken Schweizer Aufgebote* besonders interessant.

Hoosman und Charity boxen in Hannover

Nach Mitteilung des amerikanischen Managers Sommers sollen Hoosman (Schwergewicht) und Cha­rity (Mittelgewicht) am 17. September in Hannover in den Ring klettern. Als Gegner für Hoosmap wurde der Berliner Wilson Kohlbrecher genannt während Charity auf den Hamburger Hans Schirr mann treffen soll.

Kompressor-Kehraus mit Weltrekorden?

Schnellstes Rennen auf dem Grenzlaadring

Mit dem Grenzlandring-Bennen am kommenden Sonntag wird im deutschen Motorrad-Rennsport vorerst Abschied genommen vom Kompressorfahr­zeug. Von der nächsten Saison an wollen sich die deutschen Motorsportler dem Internationalen Regle­ment unterwerfen, wenn bis dahin die entsprechen­den Maschinen gebaut sind.

Für den Abschluß des Kompressorkampfes BMW gegen NSU haben sich die Neckarsulmer und dis Münchner allerhand vorgenommen. Im Vorjahr lagen die Spitzengeschwindigkeiten bei 266 Stdkm., in diesem Jahr sind die Maschinen noch sehneiler, Continental hat jetzt Spezialrennreifen- greifbar, so daß eine ähnliche 4 Panne wie im Vorjahr, als Heiner infolge der unerhörten Reibung der Pro­tektor wegflog, nicht mehr zu befürchten ist. Da in der Zwischenzeit der Grenzlandring von der FIM als „rekordfähig“ anerkannt wurde, sind bei der Länge von 7,2 km für die einzelnen Klasse» internationale Klassenrekorde zu erwarten. Im Vorjahr fuhr Meier die schnellste Runde mit 216 Stdkm., der Streckenreksrd Meiers steht auf 209 Stdkm.

50 Fahrer bei Fernfahrt München -Zürich

Fünfzehn Schweizer sowie 20 Berufsfahrer aus Frankreich , Luxemburg , Italien , Belgien , Österreich und 15 deutsche Fahrer werden am 16. September an der internationalen Radfernfahrt München - Zürich teilnehmen.

Wettervorhersage

Freitag zeitweise stärker« Bewölkung und vorübergehend etwas Regen, später wie­der Bewölkungsrückgang, kühler. Höchst­temperaturen um oder wenig über 20 Grad, südwestliche Winde. Samstag: Fortbestand des leicht veränderlichen aber teilweise auch sonnig« Wetters ohne wesentliche Nieder­schläge. Mäßig warm.

Deutscher Pfarrertag in Nierstein

Vor etwa 500 Teilnehmern aus allen Zonen Deutschlands und zahlreichen Ehrengästen eröffnete der Langjährige Vorsitzende des Verbandes der Evangelischen Pfarrervereine in Deutschland , Kirchöirat Klingler (Nürn­ berg ), in Nierstein den diesjährigen Deut­ schen Pfarrertag. Der ausführliche Rechen­schaftsbericht ließ erkennen, daß die im Mit­telpunkt stehende soziale Tätigkeit gegen­wärtig vor allem der Unterstützung des stu­dentischen Nachwuchses und der aus dem Osten vertriebenen Pfarrer gilt Kirchenrat Klingler konnte darauf hinweisen, daß der Verband längst vor allen anderen Berufs­gruppen seine hier liegende Verantwortung erkannt habe, indem er bereits 1945 eine ‘5- prozentige freiwillige Gehaltskürzung aller Mitglieder anregte. Dadurch sei der Verband in der Lage, jährlich 654 000 DM für die Be­treuung vertriebener Amtsbrüder aufzu­wenden und an notleidende studierende Söhne und Töchter von Pfarrern seit der Währungs­reform Beihilfen und Darieben von über 165 000 DM auszuzahlen.

Die in diesen Zahlen zum Ausdruck kom­mende Einbezogenheit de« Pfarrerstandes in die Nöte der Zeit müsse freudig bejaht wer­den, erklärte Kirchenpräsident D. Niemöller in der Festpredigt. Nach dem Evangelium sei nicht die gesicherte, sondern die ungesicherte Existenz der Normalfall. Der württember- gische Landesbischof D. Haug erklärte in seinem Referat, die Aufgaben des Pfarrers in Amt. Familie und Politik seien nicht mit denen anderer Berufsstände zu vergleichen. Der Pfarrerstand dürfe daher auch nicht ver­suchen, mit den anderen Berufsständen in äußerer Betriebsamkeit konkurrieren zu wol­len. Der Lebensstil des Bürgertums sei nicht der Stil des Pfarrerstandes. Der Bischof wünschte mehr ..Mannschaften mit leichtem

Sturmgepäck“ der Kirche, damit sie sich ihren Aufgaben, zumal im Osten, mit größerer Dringlichkeit widmen könne.

Unter der Fülle der Glückwunschadressen waren besonders die Worte eines Pfarrers aus der Ostzone bewegend, der darauf hin­wies, daß in den dortigen' Landeskirchen die Pfärrervereine immer mehr zu wirklichen Brüderschaften im Geist gegenseitiger Hilfe und vorbildlicher Zusammenarbeit mit den Kirchenleitungen würden.

Größter Marianischer Kongreß

Der Verkündigung des Dogmas von der Him­melfahrt Mariens wird der größte Marianische Kongreß vorausgehen, den die Kirchen­geschichte kennt. Er zerfällt in zwei Teile: Den L Internationalen Mariologischen Kon­greß vom 23. bis 29. Oktober und den VIII. Marianischen Weltkongreß vom 29. Oktober bis 1. Novenber. Der Mariologische Kongreß ist dem Hauptthema „Die besondere Mission der Jungfrau Maria und ihres Kultes im all­gemeinen und der Himmelfahrt Mariens im besonderen“ gewidmet und wird die Ergeb­nisse der mariologischen Forschung und Stu­dien der letzten Jahrzehnte zusammenfasse*. Der Marianische Weltkongreß hat ein rein religiöses Ziel und dient der Pflege und För­derung der Marienverehrung.

Bisher über zwei Millionen Rompilger

Die Zahl der Rompilger aus Anlaß des Hei­ligen Jahres hat Anfang September bereits zwei Millionen überschritten, wie der Ge­neralsekretär des Zentralkomitees für das Hl. Jahr, Mgr. Pignedoli, dem römischen CND- Korrespondenten mitteilte. Für den September liegen allein die Anmeldungen von über 500 000 Pilgern vor. Man nimmt allgemein an, daß am Ende des Hl. Jahres mehr als drei Millionen Pilger die Hl. Pforte durchschritten haben. Bei diesen Zahlen handelt es sich aus­

schließlich um die beim Zentralkomitee ge­meldeten Pilger, die als Touristen reisenden Rombesucher sind darin nicht erfaßt. Am stärksten sind mit 1 200 000 Pilgern natürlich die Italiener vertreten. Dann folgt Frankreich mit 120 000 Pilgern vor Deutschland , Bel­ gien , der Schweiz , Österreich , USA , Spanien und Irland . (CND)

Manifest an die Arbeiterjugend der Welt

In einem Manifest an die Arbeiterjugend der ganzen Welt wurde vor den in Brüssel versammelten Delegierten des Weltkongresses der CAJ eine „Charta der jungen Arbeiter“ verkündet Die Delegierten von 52 Nationen wenden sich darin an die 200 Millionen Jung­arbeiter und Jungarbeiterinnen aller Länder und proklamieren, daß jeder junge Arbeiter und jede junge Arbeiterin eine unverletzbare Würde besitzt und ein Recht auf grundlegende allgemeine Ausbildung, eigene Wohnung, auf ein gutes Familienleben und ein Recht auf Arbeit hat Alle öffentlichen und privaten Or­ganisationen, vor allem alle politischen Kör­perschaften werden aufgefordert die Pro­bleme der Arbeiterjugend zu studieren und die CAJ zu unterstützen. Jeder Delegierte verpflichtete sich, seine ganze Kraft für die vollständige Entproletarisierung der Arbeiter­schaft einzusetzen. (CND)

Aussprachetreffen im Schwarzwald

Eine „Internationale Aussprache über religiöse und berufliche Probleme unserer Zeit“ wird von der Gesellschaft für interna­tionale Zusammenarbeit unter dem Protekto­rat des Freiburger Erzbischofs, Dr. Wendelin Rauch , vom 18. September bis 1. Oktober im Kurhaus Friedenweiler (Schwarzwald ) durch­geführt. Zu dem Treffen, das unter dem Ge­samtthema „Christus, das Zentrum der Welt“ steht, liegen bereite Anmeldungen von über 50 Teilnehmern aus fast allen Westeuropa-1

ischen Ländern vbr. Den Vorsitz der Tagung führt der Präsident des Straßburger Komitees der Europabewegung, Direktor Pierre Schmidt- le-Roi.

Die Auflösung der Ordea tat Ungarn

In den katholischen Kirchen Ungarns wurde ein Hirtenbrief verlesen, in dem mitgeteil. wird, daß die Regierung all« Ordensgesell schäften bis auf vier aufgelöst habe. Damil würden etwa 10 000 Mönche und Nonnen ge­zwungen in das Berufsleben zurückzukehren. Die ungarischen Bischöfe erklären dazu, sie seien durch diese Maßnahme tief erschüttert. Als einzige Gegenmaßnahme bliebe ihnen nur der Protest Zugleich sprechen sie die Hoff­nung aus, daß das Abkommen zwischen Kirche und Staat sich zum Wohle Ungarns auswirken möge

Kirchliche Kritik am Ehegesetzentwnrf

Der Beauftragte der EKD bei der Bundes­regierung, Superintendent Kunst, berichtete über die bevorstehende Ehegesetzgebung. Ei betonte, daß die darin geforderte Gleichbe­rechtigung von Mann und Frau einen Nach­teil für die Frau bedeute, w«dl sie nicht nur die gleichen Rechte, sondern auch die glei­chen Pflichten und Lasten zu tragen hätte. Da die Ehe nach der neuen Gesetzgebung auf der Basis eines freien Vertrages beruhen solle, werde die Kirche wahrscheinlich genötigt sein die in dieser Form geschlossenen Ehen nicht anzuerkennen. Eine solch« Form der Eh* könne nicht als grundsätzlich auf Lebenszeit eingegangen betrachtet werden und der Ge­danke der Gleichberechtigung widerspreche dem biblischen, Tatbestand. Man erwäge kirch- licherseits, bei der Bundesregierung anzure­gen, dieses Problem nicht nur einem parla­mentarischen Ausschuß, sondern einem aus Fachleuten bestehenden Komitee zu unter­reiten. (CND)