Freitag, den 15. September 1950
Zulage für alle Beamten gefordert
Vom Beamtenausschuß der Gewerkschaft öffentliche Dienste, Transport, Verkehr
Stuttgart (ZSH). Die Elektrifizierung der Strecke Stuttgart — Bruchsal macht weitere Fortschritte. Auf der Strecke Ludwigs burg —Bietigheim sind bereits die Führungsmasten aufgestellt; die Stromkabel haben Bie tigheim erreicht Der geplante Umbau des Bietigheimer Bahnhofs wird jedoch vor dem Winter nicht beendet werden können. Zur weiteren Elektrifizierung bis Vaihingen-Enz hat das Land Württemberg-Baden einen Kredit von 12 Millionen DM bewilligt. Man rechnet damit, daß die Strecken Bietigheim nach Vaihingen -Enz bis Frühjahr, Vaihingen-Enz nach Mühlacker bis Herbst nächsten Jahres elektrifiziert sein werden. Die erste Etappe des Planes, der zwischen der Bundesbahn und dem Land Württemberg-Baden vertraglich festgelegt worden ist, wird erreicht sein, wenn die ganze Strecke von Stuttgart bis Bruchsal elektrisch befahren werden kann. Den zweiten Bauabschnitt bilden die Strecken Bruch sal —Heidelberg —Mannheim und die Linie Bruchsal —Karlsruhe mit dem Endziel der Vollelektrifizierung der Rheintallinie Basel bis Karlsruhe .
Ausbau der Bundesstrafien 10 und 35 gefordert
Eßlingen (lwb). Die Vertreter der an den Bundesstraßen 10 und 35 gelegenen Gemeinden und Kreise forderten in einer Entschließung an die Bundesregierung den Ausbau der vom Technischen Landesamt geplan
ten Umgehungen und Verbreiterungen der beiden Bundesstraßen zwischen Bruchsal und Ulm innerhalb von drei Jahren. Der Vertreter des Bundesverkehrsministeriums wies darauf hin, daß im Haushaltplan des Bundes nur 200 Millionen DM für Straßenverbesserungen bewilligt worden seien, obwohl mindestens 360 Millionen DM für die dringlichsten Arbeiten gebraucht würden. In diesem Zusammenhang haben die SPD -Bundestags- abgeordneten. Paul, Dr. Mommer und Lausen in einer Anfrage an Bundesverkehrsminister Seebohm um Auskunft gebeten, ob die für den Ausbau der Bundesstraßen 10 und 35 vorgesehenen Mittel tatsächlich im Bundesetat gestrichen worden seien. Dr. Seebohm soll ferner erklären, ob eine Instandsetzung der beiden Straßen durch eine anderweitige Finanzierung doch noch vorgenommen werden könne.
Daimler-Denkmal nicht mutwillig beschädigt Schorndorf (lwb). Das Daimler*Denk- mal in Schorndorf ist nicht mutwillig beschädigt worden, wie sich jetzt herausstellt. Die Untersuchungen ergaben, daß es sich um eine natürliche Oxidation der Bronze handelt, die durch die anhaltenden Regengüsse der letzten Woche beschleunigt wurde. Dazu kam, daß der an die Platte angelehnte große Eichenkranz durch die in der Eiche enthaltene Gerbsäure einige kleinere Flecke hinterließ.
Die Mächtigen der Völker sind im Grund von jeher bedauernswerte Menschen gewesen. Wohl fielen ihnen Glanz, Ehre und Reichtum zu. Dafür hatten sie kein privates Leben mehr. Ob in ihrem privatem Heim oder bei offiziellen Empfängen — stets stehen sie im Brennpunkt des Interesses der Weltöffentlichkeit. Und da es an Neidern und Unzufriedenen nicht fehlt, ist ihr Dasein außerdem Tag und Nacht von Gefahren umlauert, deren Abwehr vor allem auf Reisen besondere Maßnahmen erfordert.
Große Vorbereitungen Wenn Ihre Majestät, die Macht, auf Reisen geht dann werden heute überall auf der Welt dieselben Vorkehrmaßnahmen getroffen. Jeder Schritt der Reiseroute Wird sorgsam festgeiegt Vorsichtshalber werden alle irgendwie verdächtigen Leute in den zu besuchenden Städten besonders überwacht oder sogar für ein paar Tage auf Nummer „Sicher“ gebracht Die Häuser an den Straßen, die Seine Majestät passiert werden Tage zuvor unauffällig durchsucht Alle Polizeistationen der Umgebung sind alarmiert Die Fremdenlisten der Hotels stehen unter schärfster Kontrolle. Mißtrauisch wird jeder Unbekannte beschattet; was oft dazu führt, daß sich die Geheimagenten untereinander selbst mit Feuereifer verfolgen und oft sogar festnehmen, bis der Irrtum geklärt ist Gleichzeitig tritt eine besondere Luftüberwachung in Aktion, für den Fall, daß jemand auf die Idee kommen sollte, die Wagenkolonne Ihrer Majestät mit Flugzeug und Bomben zu belästigen. Es wird ihm nicht glücken, denn er wird an diesem Tag keine Starterlaubnis bekommen.
Makabre Verhältnisse Das alles haben die Leibwächter der Macht viele Tage vor der Reise Ihrer Majestät zu bedenken. Ist der feierliche Augenblik gekommen, so ist für sie die Hölle los. Wohl fährt z. B. vor dem Sonderzug Trumans eine „Sicherheitslokomotive“, um Geleisesprengungen vorzubeugen. Wohl ist sein Sonder-Pull- mann-Wagen kugelfest gepanzert und von einer ganzen Eskorte motorisierter Leibwäch
Stuttgart (lwb). Der Beamtenausschuß der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Trans port und Verkehr hat dieser Tage in einer Entschließung eine monatliche Zulage von 35 DM für die Beamten von Bund, Ländern, Gemeinden und Körperschaften des öffentlichen Rechts gefordert. Die Bezirksverwaltungen der Gewerkschaft sind angewiesen worden, bei den Länderregierungen entsprechend der Entschließung des Beamtenaussehusses Anträge auf Gewährung der Zulage zu stellen. Der Beamtenausschuß wies in seiner Entschließung darauf hin, daß noch nicht einmal die 6 % -Kürzung auf Grund der Brüning- schen Notverordnung vom Jahre 1930 überall aufgehoben worden sei. Die Bundesregierung beabsichtige sogar, allen Angehörigen des öffentlichen Dienstes mit Versorgungsberechtigung eine 3 % -Abgabe aufzuerlegen.
Noch einmal Entnazifizierungsprozeß Stuttgart (lwb). Das Oberlandesgericht in Stuttgart wird am 29. September über die vom ehemaligen Spruchkammerkläger May und vom Vermittler Meyer gegen das Urteil
im Stuttgarter Entnazifizierungsprozeß eingelegte Revision entscheiden. May war am, 11. Mai 1950 von einer Strafkammer des Landgerichts Stuttgart wegen passiver Bestechung zu 12 Monaten Gefängnis, Meyer wegen aktiver Bestechung zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt jvorden.
Kehl soll der KPD Auskunft geben
Stuttgart (lwb). Der Landesverband der KPD Württemberg-Badens wies alle Behauptungen zurück, daß die KPD von Bürkle Gelder für ihren illegalen Kampf erhalten habe. Der Landesvorstand habe den Bundestagsabgeordneten Kohl um eine Stellungnahme gebeten. Wie von uns bereits mitgeteilt, hatten bei den von der Staatsanwaltschaft Stuttgart in Berlin geführten Ermittlungen in der Kreditsache Bürkle zwei Angestellte des Berliner Büros von Bürkle u. a. ausgesagt, der ehemalige Arbeitsminister Kohl (KPD ) habe dem Ostzonenminister Selbmann mitgeteilt, dag Bürkle den illegalen Kampf der KPD in Westdeutschland durch finanzielle Beihilfen unterstützt habe.
Wenn die Macht auf Reisen geht
Vor Trumans Sonderzug fährt eine „Sicherheitslokomotive“ — „Ersatz-Stalins“ für Repräsentationszwecke — Blumen oder Handgranaten, das ist die Frage
ter flankiert Aber wenn plötzlich ein Verrückter auf die Idee kommen sollte, anstatt Blumen eine Handgranate zu werfen oder unter dem devot abgenommenen Hut seine Pistole abzuf euem ...
Auf diese Weise wurde am 27. Juli 1900 König Umberto I. von Savoyen ermordet. So starben Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich und seine Gemahlin, und 18 Jahre später Paul Doumer , der Präsident der Fran zösischen Republik . Und wurde nicht erst vor einiger Zeit der ägyptische Ministerpräsident Nokraschy Pascha auf dieselbe Weise getötet? Solche Schreckensbilder schweben den Leibwächtern ständig vor Augen. Sie gehören gewissermaßen zu ihrer speziellen „Geschichtsbetrachtung“. Wie aber soll ein solcher tausendfach geplagter Leibwächter auf den ersten Blick einen Vernünftigen von einem Verbrecher oder Wahnsinnigen unterscheiden können?
Mer kw ürdige Schutzengel
Noch viel aufregender als die Fahrten der westlichen Staatsmänner sollen die Reisen Stalins sein. Zumeist braust in großem Tempo eine Kolonne lauter gleich aussehender, gepanzerter Limousinen vorüber, so lauten die Augenzeugenberichte, so daß niemand weiß, in welchem Wagen Stalin nun eigentlich sitzt. Auch soll der Generalissimus verschiedene Doppelgänger zur Verfügung haben, die sich bei solchen Fahrten offiziell dem Publikum zeigen, während Stalin selbst in irgend einem anderen, verschlossenen Wagen sitzt. Das sind einige. Rezepte von Stalins Oberleibwächter Alexander Kondorean, der seinen Herrn schon einmal mit seinem Scharfsinn vor einer recht kritischen Situation bewahrte. Als nämlich der Generalissimus 1942 eine Reise an die gefährdeten Frontabschnitte vor Moskau vor hatte, ließ Kondorean ejne „Ersatzkolonne“ diese Fahrt ausführen, während er Stalin selber völlig unbekannt mit einer anderen Kolonne sicher an die Front und wieder zurück brachte. Die Ersatzkolonne jedoch wurde von Flugzeugen angegriffen und es fehlte nicht viel, so wäre sie von deutschen Fallschirmjägern geschnappt worden.
Um den Länderpokal gegen Südwürttemberg
Am kommenden Sonntag wird die württember- gische Pokalelf der Amateure zum ersten Pokalspiel in der Vorrunde gegen die Mannschaft von Südwtirttemberg antreten. Die Nordwiirttemberger stützen sich bei dieser Kraftprobe ausschließlich auf Spieler aus der Provinz.
Württemberg verfügt in diesen Spielern über gute Kräfte, die in der Lage sein sollten, den Südwürt- tembergern paroli zu bieten. Das Tor hütet der ausgezeichnete Schlußmann von Zuffenhausen , Mün- derle, der vor sieh in Braun II und in dem früheren Kickersspieler Vetter zwei schlagsichere Verteidiger stehen hat. Die gastgebende Stadt Gmünd stellt den Hauptteil der Läuferreihe mit Beckmann und dem Stopper Löffler, die zusammen mit dem Heilbronner Baumgart eine beachtliche Sperrkette abgeben. Der Sturm hat Verbandstrainer Pahlke einige Sorgen bereitet. Mit dem rechten eingespielten Flügel des VfB Aalen —, Hildner, MuChe und BuChmann — dürfte er aber eine gute Lösung gefunden haben, zumal da auf Linksaußen noch der gefährliche Juert von Zuffenhausen und als Verbinder der Gmünder Rüde steht. Alles ip allem eine Mannschaft, die Vertrauen besitzt.
Aufstellung: Münderle (FV Zuffenhausen ), Braun II (FV Zuffenhausen ), Vetter (SV Göppingen), Beckmann, Löffler (beide Normannia Gmünd), Baumgart (VfR Heilbronn), Hildner, Muche, Buchmann (alle VfB Aalen ), Bück (Normannia Gmünd), Juert (FV Zuffenhausen ).
Im Handball wieder vier Spiele
Württembergs Handballer scheinen über vier Spiele an einem Wochenende nicht hinauszukommen. Die Stuttgarter Kickers empfangen dabei den TSV Süßen. Sie sollten nach ihren guten Leistungen gegen Frischauf auf eigenem Platz zu einem doppelten Punktgewinn kommen. Altenstadt, das gegen den Neuling Eßlingen seine ganze Routine ausspielte, sollte auch zu Hause gegen den zweiten Neuling Schnaitheim beide Punkte behalten können. Eßlingen besitzt gegen Holzheim. gute Siegeschancen. Die Holzheimer sind in diesem Jahr noch nicht richtig in Tritt gekommen und haben noch kein Spiel gewinnen können. Zuffen hausen dürfte kaum um seine zweite Niederlage herumkommen, denn Frischauf Göppingen läßt nicht mit sich spassen und wird alles daransetzen, seinen Siegeszug vom Vorjahr zu wiederholen. Es spielen: Stuttgarter Kickers — TSV Süßen; TV Altenstadt gegen TSV Schnaitheim; TSV Zuffenhausen gegen Frischauf Göppingen; Eßlinger TSV — TV Holzheim.
Etappenfahrt „Rund um Württemberg “
Der erste Radfahrverein Stuttgart führt am 1*. und 17. September 1 1950 in Zusammenarbeit mit den 6chürhoff-Fahrradwerken, Gevelsberg , eine Zwei- Etappenfahrt um den „Großen Söhürhoff-Preis rund um Württemberg " für Amateure durch. Als erstes Bennen läuft am Samstag, 16. September, in Bad Cannstatt auf einer Bundstrecke ein Kriterium, das alle Teilnehmer der Zwei-Etappenfahrt bestreiten müssen. Am Sonntag folgt dann die zweite Etappe, die von Stuttgart über Bad Cannstatt , Fell bach
, Winnenden , Backnang , Sulzbaeh, Mainhardt , Schwäbisch Hall , Kupferzell , Ohringen , Weinsberg , Heilbronn , Großbottwar , Marbach , Ludwigsburg , Kornwestheim , Zuffenhausen wieder zurück nach Stuttgart zum Ziel in der Stresemannstraße bei der Deutschen Gartenschau führt. Die Strecke der zweiten Etappe ist 191 km lang. Das Rennen wird durch die Teilnahme eines starken Schweizer Aufgebote* besonders interessant.
Hoosman und Charity boxen in Hannover
Nach Mitteilung des amerikanischen Managers Sommers sollen Hoosman (Schwergewicht) und Charity (Mittelgewicht) am 17. September in Hannover in den Ring klettern. Als Gegner für Hoosmap wurde der Berliner Wilson Kohlbrecher genannt während Charity auf den Hamburger Hans Schirr mann treffen soll.
Kompressor-Kehraus mit Weltrekorden?
Schnellstes Rennen auf dem Grenzlaadring
Mit dem Grenzlandring-Bennen am kommenden Sonntag wird im deutschen Motorrad-Rennsport vorerst Abschied genommen vom Kompressorfahrzeug. Von der nächsten Saison an wollen sich die deutschen Motorsportler dem Internationalen Reglement unterwerfen, wenn bis dahin die entsprechenden Maschinen gebaut sind.
Für den Abschluß des Kompressorkampfes BMW gegen NSU haben sich die Neckarsulmer und dis Münchner allerhand vorgenommen. Im Vorjahr lagen die Spitzengeschwindigkeiten bei 266 Stdkm., in diesem Jahr sind die Maschinen noch sehneiler, Continental hat jetzt Spezialrennreifen- greifbar, so daß eine ähnliche 4 Panne wie im Vorjahr, als Heiner infolge der unerhörten Reibung der Protektor wegflog, nicht mehr zu befürchten ist. Da in der Zwischenzeit der Grenzlandring von der FIM als „rekordfähig“ anerkannt wurde, sind bei der Länge von 7,2 km für die einzelnen Klasse» internationale Klassenrekorde zu erwarten. Im Vorjahr fuhr Meier die schnellste Runde mit 216 Stdkm., der Streckenreksrd Meiers steht auf 209 Stdkm.
50 Fahrer bei Fernfahrt München -Zürich
Fünfzehn Schweizer sowie 20 Berufsfahrer aus Frankreich , Luxemburg , Italien , Belgien , Österreich und 15 deutsche Fahrer werden am 16. September an der internationalen Radfernfahrt München - Zürich teilnehmen.
Wettervorhersage
Freitag zeitweise stärker« Bewölkung und vorübergehend etwas Regen, später wieder Bewölkungsrückgang, kühler. Höchsttemperaturen um oder wenig über 20 Grad, südwestliche Winde. Samstag: Fortbestand des leicht veränderlichen aber teilweise auch sonnig« Wetters ohne wesentliche Niederschläge. Mäßig warm.
Deutscher Pfarrertag in Nierstein
Vor etwa 500 Teilnehmern aus allen Zonen Deutschlands und zahlreichen Ehrengästen eröffnete der Langjährige Vorsitzende des Verbandes der Evangelischen Pfarrervereine in Deutschland , Kirchöirat Klingler (Nürn berg ), in Nierstein den diesjährigen Deut schen Pfarrertag. Der ausführliche Rechenschaftsbericht ließ erkennen, daß die im Mittelpunkt stehende soziale Tätigkeit gegenwärtig vor allem der Unterstützung des studentischen Nachwuchses und der aus dem Osten vertriebenen Pfarrer gilt Kirchenrat Klingler konnte darauf hinweisen, daß der Verband längst vor allen anderen Berufsgruppen seine hier liegende Verantwortung erkannt habe, indem er bereits 1945 eine ‘5- prozentige freiwillige Gehaltskürzung aller Mitglieder anregte. Dadurch sei der Verband in der Lage, jährlich 654 000 DM für die Betreuung vertriebener Amtsbrüder aufzuwenden und an notleidende studierende Söhne und Töchter von Pfarrern seit der Währungsreform Beihilfen und Darieben von über 165 000 DM auszuzahlen.
Die in diesen Zahlen zum Ausdruck kommende Einbezogenheit de« Pfarrerstandes in die Nöte der Zeit müsse freudig bejaht werden, erklärte Kirchenpräsident D. Niemöller in der Festpredigt. Nach dem Evangelium sei nicht die gesicherte, sondern die ungesicherte Existenz der Normalfall. Der württember- gische Landesbischof D. Haug erklärte in seinem Referat, die Aufgaben des Pfarrers in Amt. Familie und Politik seien nicht mit denen anderer Berufsstände zu vergleichen. Der Pfarrerstand dürfe daher auch nicht versuchen, mit den anderen Berufsständen in äußerer Betriebsamkeit konkurrieren zu wollen. Der Lebensstil des Bürgertums sei nicht der Stil des Pfarrerstandes. Der Bischof wünschte mehr ..Mannschaften mit leichtem
Sturmgepäck“ der Kirche, damit sie sich ihren Aufgaben, zumal im Osten, mit größerer Dringlichkeit widmen könne.
Unter der Fülle der Glückwunschadressen waren besonders die Worte eines Pfarrers aus der Ostzone bewegend, der darauf hinwies, daß in den dortigen' Landeskirchen die Pfärrervereine immer mehr zu wirklichen Brüderschaften im Geist gegenseitiger Hilfe und vorbildlicher Zusammenarbeit mit den Kirchenleitungen würden.
Größter Marianischer Kongreß
Der Verkündigung des Dogmas von der Himmelfahrt Mariens wird der größte Marianische Kongreß vorausgehen, den die Kirchengeschichte kennt. Er zerfällt in zwei Teile: Den L Internationalen Mariologischen Kongreß vom 23. bis 29. Oktober und den VIII. Marianischen Weltkongreß vom 29. Oktober bis 1. Novenber. Der Mariologische Kongreß ist dem Hauptthema „Die besondere Mission der Jungfrau Maria und ihres Kultes im allgemeinen und der Himmelfahrt Mariens im besonderen“ gewidmet und wird die Ergebnisse der mariologischen Forschung und Studien der letzten Jahrzehnte zusammenfasse*. Der Marianische Weltkongreß hat ein rein religiöses Ziel und dient der Pflege und Förderung der Marienverehrung.
Bisher über zwei Millionen Rompilger
Die Zahl der Rompilger aus Anlaß des Heiligen Jahres hat Anfang September bereits zwei Millionen überschritten, wie der Generalsekretär des Zentralkomitees für das Hl. Jahr, Mgr. Pignedoli, dem römischen CND- Korrespondenten mitteilte. Für den September liegen allein die Anmeldungen von über 500 000 Pilgern vor. Man nimmt allgemein an, daß am Ende des Hl. Jahres mehr als drei Millionen Pilger die Hl. Pforte durchschritten haben. Bei diesen Zahlen handelt es sich aus
schließlich um die beim Zentralkomitee gemeldeten Pilger, die als Touristen reisenden Rombesucher sind darin nicht erfaßt. Am stärksten sind mit 1 200 000 Pilgern natürlich die Italiener vertreten. Dann folgt Frankreich mit 120 000 Pilgern vor Deutschland , Bel gien , der Schweiz , Österreich , USA , Spanien und Irland . (CND)
Manifest an die Arbeiterjugend der Welt
In einem Manifest an die Arbeiterjugend der ganzen Welt wurde vor den in Brüssel versammelten Delegierten des Weltkongresses der CAJ eine „Charta der jungen Arbeiter“ verkündet Die Delegierten von 52 Nationen wenden sich darin an die 200 Millionen Jungarbeiter und Jungarbeiterinnen aller Länder und proklamieren, daß jeder junge Arbeiter und jede junge Arbeiterin eine unverletzbare Würde besitzt und ein Recht auf grundlegende allgemeine Ausbildung, eigene Wohnung, auf ein gutes Familienleben und ein Recht auf Arbeit hat Alle öffentlichen und privaten Organisationen, vor allem alle politischen Körperschaften werden aufgefordert die Probleme der Arbeiterjugend zu studieren und die CAJ zu unterstützen. Jeder Delegierte verpflichtete sich, seine ganze Kraft für die vollständige Entproletarisierung der Arbeiterschaft einzusetzen. (CND)
Aussprachetreffen im Schwarzwald
Eine „Internationale Aussprache über religiöse und berufliche Probleme unserer Zeit“ wird von der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit unter dem Protektorat des Freiburger Erzbischofs, Dr. Wendelin Rauch , vom 18. September bis 1. Oktober im Kurhaus Friedenweiler (Schwarzwald ) durchgeführt. Zu dem Treffen, das unter dem Gesamtthema „Christus, das Zentrum der Welt“ steht, liegen bereite Anmeldungen von über 50 Teilnehmern aus fast allen Westeuropa-1
ischen Ländern vbr. Den Vorsitz der Tagung führt der Präsident des Straßburger Komitees der Europabewegung, Direktor Pierre Schmidt- le-Roi.
Die Auflösung der Ordea tat Ungarn
In den katholischen Kirchen Ungarns wurde ein Hirtenbrief verlesen, in dem mitgeteil. wird, daß die Regierung all« Ordensgesell schäften bis auf vier aufgelöst habe. Damil würden etwa 10 000 Mönche und Nonnen gezwungen in das Berufsleben zurückzukehren. Die ungarischen Bischöfe erklären dazu, sie seien durch diese Maßnahme tief erschüttert. Als einzige Gegenmaßnahme bliebe ihnen nur der Protest Zugleich sprechen sie die Hoffnung aus, daß das Abkommen zwischen Kirche und Staat sich zum Wohle Ungarns auswirken möge
Kirchliche Kritik am Ehegesetzentwnrf
Der Beauftragte der EKD bei der Bundesregierung, Superintendent Kunst, berichtete über die bevorstehende Ehegesetzgebung. Ei betonte, daß die darin geforderte Gleichberechtigung von Mann und Frau einen Nachteil für die Frau bedeute, w«dl sie nicht nur die gleichen Rechte, sondern auch die gleichen Pflichten und Lasten zu tragen hätte. Da die Ehe nach der neuen Gesetzgebung auf der Basis eines freien Vertrages beruhen solle, werde die Kirche wahrscheinlich genötigt sein die in dieser Form geschlossenen Ehen nicht anzuerkennen. Eine solch« Form der Eh* könne nicht als grundsätzlich auf Lebenszeit eingegangen betrachtet werden und der Gedanke der Gleichberechtigung widerspreche dem biblischen, Tatbestand. Man erwäge kirch- licherseits, bei der Bundesregierung anzuregen, dieses Problem nicht nur einem parlamentarischen Ausschuß, sondern einem aus Fachleuten bestehenden Komitee zu unterreiten. (CND)