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Nummer 174

Mittwoch, 30. Juli 1952

Einzelpreis 20 Pfennig

Q&P

Olympische Ehrentafel

4 mal 200 m Kraul für Männer .Goldmedaille: USA 8:31,1 (neuer olymp. Rekord). Silbermedaille: Japan 8:33,5.

Bronzemedaille: Frankreich 8:45,9.

200 m Brust für Frauen

Goldmedaille: Eva Szekely (Ungarn ) 2:51,7 (neuer olympischer Rekord).

Silbermedaille: Eva Novak (Ungarn ) 2:54,4. Bronzemedaille: Helen Gordon (England) 2:57,8.

Große Dressurprüfung, Einzelwertung Goldmedaille: Henri Saint Cyr (Schweden ) auf Master Rufus 556,5 Punkte.

Silbermedaille: Lis Hartei (Dänemark ) auf Jubilee 541,5 Punkte.

Bronzemedaille: Oberst Andrö Jousseaume (Frank­ reich ) auf Harpagon 541,0 Punkte.

Mannschaftswertung Dressurreiten Goldmedaille: Schweden 1592,5 Punkte. Silbermedaille: Schweiz 1575,0 Punkte. Bronzemedaille: Deutschland 1501,0 Punkte.

Schießen auf laufenden Hirsch Goldmedaille: John Larsen (Norwegen ) 413 Punkte. Silbermedaille: Per Skoeldberg (Schweden ) 409 P. Bronzemedaille: Tauno Maeki (Finnland ) 407 P.

Kleinkaliberschießen, liegend (40 Schnß) Goldmedaille: Josif Sarbu (Rumänien ) 400 Punkte. Silbermedaille: Arthur Jackson (USA ) 399 Punkte. Bronzemedaille: Gilmour Boa (Kanada ) 399 Punkte. Kleinkaliberschießen (liegend, bnieend, stehend je 40 Schuß):

Goldmedaille: Erling Kongshaug (Norwegen ) 1164 (973, 387, 380).

Silbermedaille: Vilho Ylonen (Finnland ) 1164. Bronzemedaille: Boris Andreew (UdSSR ) 1163.

4000 m-Verfolgungsfahren: Goldmedaille: Italien (Morettini, Messina , de Rossi, Campana ) 4:46,1 Min.

Silbermedaille: Südafrika (Swift, Fowler, Sharde- low, Estman) 4:53,6 Min.

Bronzemedaille: England (Burgess, Newton, New- berry, "Stretton) 4:51,5 Min.

„Im höheren Interesse des deutschen Volkes"

Vansittards Vorschlag abgelehnt

LONDON . Ein Vorschlag Lord Vansittards, Ver­handlungen mit der Sowjetunion über Deutschland bis zur Freilassung aller aus Westberlin und den Westzonen Entführten aufzuschieben, wurde am Dienstag im britischen Oberhaus abgelehnt. Der außenpolitische Sprecher der Regierung, Lord Rea- ding, sagte zur Begründung der Ablehnung: „Im höheren Interesse des deutschen Volkes sind wir be­strebt, auf der in unserer Note vom 10. Juli aufge- zeichneten Linie mite der Sowjetunion in Verhand­lungen einzutreten. Wollten wir warten, bis die So­wjetregierung in ihrer Zone Deutschlands Maßnah­men der Menschlichkeit getroffen hat, wie wir sie Wünschen, dann würden die' Aussichten, zu Ver­handlungen zu kommen, sehr gering sein.“

PRETORIA . Die südafrikanische Regierung hat sich, wie am Dienstag in Pretoria bekanntgegeben wurde, zu einer erheblichen Auflockerung der Bestimmungen über das im Kriege beschlagnahmte deutsche Eigentum entschlossen.

Bundesverfassungsgericht lehnt SPD -Klageanbäge ab

Peteisbeigabkommen und deutsch -französisches Wirtschaftsabkommen nicht zustimmungspflicbtig

KARLSRUHE . Der Zweite Senat des Bundesverfassungsgerichtes bat am Dienstag die Klageanträge der SPD - Bundestagsfraktion gegen die Bundes regierung wegen des Petersberg -Abkommens und des deutsch -französischen Wirtschaftsabkommens vom Februar 1950 zurückgewiesen. Das Gericht stellte ln beiden Fällen fest, daß die Abkommen, entgegen der Auffassung der SPD , nicht der Zu­stimmung des Bundestages bedürften. i

In der Urteilsbegründung heißt es, daß das Pe­tersberg-Abkommen, in dem die Hohen Kommissare und der Bundeskanzler am 22. November 1949 die erste Revision des Besatzungsrechts vereinbarten, kein Vertrag des Bundes mit auswärtigen Staaten nach Artikel 59 des Grundgesetzes sei. Die alliierten Hohen Kommissare seien keine bevollmächtigten Vertreter ihrer Länder, sondern hätten als das höchste Kontrollorgan in der Bundesrepublik ge­handelt.

Das Wirtschaftsabkommen gehöre nicht zu den im Artikel 59 genannten politischen Verträgen mit ei­nem auswärtigen Staat, sondern sei ein „fachlich­technisches Abkommen.“

Hallstein erstattete Bericht

BONN . In der Kabinettsitzung, die am Dienstag ausnahmsweise am Nachmittag stattfand, erstattete Staatssekretär Hallstem Bericht über die Pariser Außenministerkonferenz der Schumanplans tasten und seine Verhandlungen in der Saarfrage. Im Ver­lauf der Kabinettsitzung wurden außerdem grund­sätzliche wirtschafts- und handelspolitische Fragen erörtert, ohne daß Beschlüsse gefaßt'wurden.

Das „Bundesministerium für Angelegenheiten des Marshallplanes“, kurz ERP-Ministerium genannt,

soll einen neuen Namen bekommen. In einer Kabi­nettsvorlage wird die Bezeichnung „Ministerium für europäische Zusammenarbeit“ vorgeschlagen. Ein endgültiger Beschluß liegt noch nicht vor. Die Auf­gaben des Ministeriums sollen trotz der notwendigen Namensänderung — der Marshallplan ist bekannt­lich ausgelaufen — im wesentlichen unverändert bleiben.

FDP : Kein Verzicht out dos Saargebiet

BONN . Der Pressedienst der FDP schreibt am Dienstag, daß die FDP nicht bereit sei, einen deut­ schen Verzicht auf die Saar zu billigen. Ein end­gültiger Verzicht sei schon deshalb nicht möglich, weil die Bundesregierung dadurch ihr Gesicht in der Oder-Neiße-Linie verlieren würde.

Die Aufnahme der offiziellen deutsch -französischen Saarverhandlungen am kommenden Freitag im Quai d'Orsay wird trotz der allgemeinen Ferienstimmung in Paris mit Spannung erwartet. Eine vom Saar­brückener Rundfunk verbreitete .Nachricht, daß ein europäisiertes Saargebiet nach deutscher Ansicht auch einen Teil Lothringens umfassen müßte, ist im französischen Außenministerium sofort auf deut­liche Ablehnung gestoßen.

Labours Deutschland -Kompromiß

Für Wiederbewaffnung, aber gegen baldige Ratifizierung - Forderung von Neuwahlen gestrichen

LONDON . Die britische Labour-Opposition bekennt sich grundsätzlich zu einer deutschen Wiederbewaff­nung und zur Eingliederung Deutschlands in eine eu­ropäische Gemeinschaft. Sie lehnt aber den Vorschlag der Churchill-Regierung ab, den Deutschlandvertrag schon jetzt zu ratifizieren, während noch Bemühun­gen um eine Viererkonferenz mit der Sowjetunion im Gange sind. Gleichzeitig bekräftigt sie die von Attlee zur Bewaffnung Deutschlands gestellten Bedingun­gen.

Zwei Tage vor Beginn der Ratiflzierungsdebatte hat die Labour-Fraktion nach zweistündigen Beratungen am Dienstag einen entsprechenden Abänderungsan­trag formuliert, mit dem sie der Regierungsvorlage entgegentreten will. Er ist so abgefaßt, daß er nahezu allen in der Deutschlandpolitik voneinander abwei­chenden Meinungen der Labour Party Rechnung trägt, und es wird nun mit einer geschlossenen Stim­menabgabe der Fraktion gegen die Regierungsvorlage gerechnet.

Der Antrag geht durch den Hinweis auf eine Vie­rerkonferenz über die jüngste Deutschlandresolution der Labourfraktion hinaus, in der nur von den frühe­ren Bedingungen Attlees die Rede war, die diese For­derungen nicht enthalten. Er greift dagegen nicht die seinerzeit vom Vorstand der Labour Party erhobene

Bundesrats-Ausschüsse verschiedener Meinung

Betriebsverfassungsgesetz wahrscheinlich vor VermittiungsausschuB

BONN . Im Bundesrat gilt als sicher, daß das Be­triebsverfassungsgesetz heute vom Bundesratsplenum an den Vermittlungsausschuß überwiesen werden wird. Zunächst stand fest, daß sich die Länder Hes­ sen , Niedersachsen , Hamburg und Bremen für das Anrufen des Vermittlungsausschusses aussprechen werden. Nachdem sich nun auch, wie verlautet, das Kabinett von Baden-Württemberg für die Anrufung des Vermittlungsausschusses entschieden habe, erscheint die erforderliche Mehrheit dafür sichergestellt.

Unklarheit besteht allerdings weiterhin darüber, ob im Bundesrat alle Anträge der Länderarbeitsmi­nister auf Abänderung des BetriebsverfäSungsge- setzes durch den Vermittlungsausschuß eine Mehr­heit finden wird. Der Vermittlungsausschuß darf nur solche Gesetzesänderungen vorschlagen, die aus­drücklich vom Plenum beantragt worden sind. Die Bundesratsausschüsse für Wirtschaft und für Land­wirtschaft haben sich gegen diese Empfehlungen aus­gesprochen und befürworten die unveränderte An­nahme des Gesetzes.

Das Präsidium des Zentralverbandes vertriebener Deutscher (ZvD) hat der Bundesregierung und den

Schwerer yerkehrsnnlall auf dem Bubrschnellweg

BOCHUM . Einem schweren Zusammenstoß auf dem Ruhrschnellweg bei Bochum fielen am Dienstag drei Menschen zum Opfer, ein Fahrer wurde verletzt An einer Straßengabelung stießen zwei Personen­wagen mit einem aus entgegengesetzter Richtung ein­biegenden Lastzug zusammen. Dabei schob sich der eine aus Wattenscheid kommende PKW mit der­artiger Wucht unter den Motorwagen des Lastzuges, daß er völlig zertrümmert wurde. Die drei Insaßen, eine Frau und zwei Männer aus Witten , waren auf der Stelle tot. Der zweite PKW, ein Mülheimer Wagen, prallte von der Seite auf den Lastzug und wurde eine vier Meter tiefe Böschung hinabgeschleu- dert. Obwohl sich der Wagen mehrfach überschlug, kam der Fahrer wie durch ein Wunder mit leichten Verletzungen davon. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt

Ministerpräsidenten der Länder Verbesserungsvor­schläge zum Lastenausgleich zugeleitet.

Der Hauptvorstand der Deutschen Angestelltenge­ werkschaft (DAG) in Hamburg wandte sich am Montag mit einem Aenderungsvorschlag zum Be­triebsverfassungsgesetz an die Länderregierungen mit der Bitte, ihn bei der Beratung im Bundesrat oder im Vermittlungsausschuß zu berücksichtigen.

Forderung auf Neuwahlen ln der Bundesrepublik als Voraussetzung für die Wiederbewaffnung auf. An­dererseits wird in ihm die grundsätzliche Zustim­mung zur Wiederbewaffnung Deutschlands gegeben, die in der jüngsten Fraktionsberatung noch verwei­gert worden war.

Wirtschaftsdebatte im Unterhaus

Zu Beginn der zweitägigen Wirtschaftsdebatte des britischen Unterhauses kündigte Schatzkanzler But­ler am Dienstag weitere Importbeschränkungen an, Die Einfuhren in der Zweiten Jahreshälfte, sagte er, würden um 25 Prozent geringer sein als kn gleichen Zeitabschnitt des Vorjahres. Die Restriktionen beträ­fen vor allem Büchsenfleisch, Früchte und Süßwaren, Papier und Zellulose.

Butler gab bekannt, daß sich das Defizit Großbri­ tanniens gegenüber dem Nicht-Sterlinggebiet in den ersten sechs Monaten 1952 auf ein Jahresausmaß von 400 Millionen Pfund, also auf ein Drittel des früheren Defizits, verringert habe. Ziel der Regierung sei es. in der zweiten Jahreshälfte die britische Zahlungs­bilanz gegenüber der übrigen Welt auszugleichen. Die Regierung lege größten Wert, auf Exportsteigerung, fuhr Butler fort. Sie habe beschlossen, mehr Kohle zu exportieren, und hoffe durch den Verkauf von Kriegsmaterial in diesem Jahr zusätzlich zehn Mil­lionen Pfund einzulösen. Die Anforderungen der Rü­stung würden zugunsten des Exports beschränkt.

Tadelsantrag gegen Regierung

Die Labouroppo9ition brachte im Verlauf der De­batte einen Tadelsantrag eip, in dem der Regierung vorgeworfen wird, sie habe es versäumt, eine Po­litik zu entwerfen, die geeignet ist, die Sicherheit der britischen Wirtschaft zu gewährleisten. Eine An­nahme des Antrages käme einem Mißtrauensvotum gleich und würde zum Rücktritt der Regierung füh­ren. Es wird jedoch in politischen Kreisen Londons als sehr wahrscheinlich angesehen, daß der Antrag abgelehnt wird.

Britisch-ägyptische Fü hlun gnahme

Nngib will Einheit des Niltales nicht erzwingen - Koranspriiche statt Funkbilder

• KAIRO . Der britische Botschafter in Aegypten Sir Ralph Stevenson hatte am Dienstag eine Unter­redung mit dem ägyptischen Ministerpräsidenten und Außenminister Ali Mäher Pascha. Die Bespre­chung kam auf Ersuchen des Botschafters zustande, der am Montagabend mit dem Flugzeug von London nach Kairo zurückgekehrt war. Stevenson ist am Dienstagabend auch mit General Nagib zusammenge-

Faruk

Nagib

troffen Auch der französische Botschafter Couve de Murville. der am Dienstag nach Kairo zurückkehrte, wird wahrscheinlich bald Unterredungen mit Mäher Pascha und Nagib haben.

„Die Einheit des Niltals soll das Ergebnis einer freien Wahl der sudanesischen Bevölkerung sein und ihr nicht aufgezwungen werden“, heißt es in einer EiklSrung General Nagibs , die am Dienstag von der Zeitung „Sawt es Sudan“ veröffentlicht wurde. Das Blatt betont, Nagib vertrete die Auf­fassung, die Einheit des Niltals müsse nach dem Abzug der britischen Truppen verwirklicht werden. Die Abgesandten Abdel Rahman el Mahdi Paschas, des Leiters der sudanesischen Umma-Partei, baten Nagib um einen Aufschub'der ägyptisch-sudanesi­schen Verhandlungen bis zur Stabüisierung der in­nerpolitischen Lage in Aegypten .

Ein handgeschriebener Korantext auf Pergament hat im Hauptquartier General Nagibs in Kairo das Porträit des früheren ägyptischen Königs Faruk er­setzt, wie.ein Armeesprecher am Dienstag mitteilte. Die ägyptischen Juristen beraten zur Zeit darüber, womit die Wände der ägyptischen Gerichtshöfe künftig geschmückt werden sollen, nachdem die Bil­der Faruks bei seiner Abdankung überall schleunigst entfernt wurden.

Faruk geht nach den USA

Exkönig Faruk von Aegypten ging am Dienstag­abend in Capri an Land. Er war am Nachmittag mit seiner Yacht in Neapel eingetroffen. Es wurde mit­geteilt, daß sich der Exkönig in Kürze in die Ver­ einigten Staaten begeben werde! Der ägyptische Botschafter in Rom , Badr Bey und Botschafter Anti- nori als Vertreter des italienischen Außenministers waren am Dienstag zur Begrüßung Faruks nach Neapel gefahren.

Der Zufallspolitiker

Von Walter Massow

"General Eisenhower , der Kandidat der Republika­ ner , hat nun in Adlai Stevenson seinen demokrati­schen Gegner im Kampf um die Präsidentschaft gefunden. Einen Mann, der sich um die Kandidatur der Demokratischen Partei nur dann bewerben wollte, wenn sein Gegner Senator Taft geworden wäre" und nicht Eisenhower , dessen politische Linie er billigt. Es hat die Parteimanager der Demokra­ten ungeheure Anstengungen gekostet, um den wi­derwilligen Stevenson doch noch dazu zu bringen, daß er sich mit zehn anderen Kandidaten dem de­mokratischen Konvent in Chikago zur Wahl stellte. Die alten Füchse wußten allerdings sehr wohl, wa­rum sie seit der Erklärung Trumans, er werde sich nicht wieder zum Präsidenten wählen lassen, den 52jährigen Stevenson so heftig beknietem. Von Be­ruf Advokat, ist er eigentlich durch Zufall Politiker geworden — und zwar mit überraschend großem Erfolg. Gegen seinen Willen wurde er vor knapp vier Jahren zum Gouverneur des Staates Illinois ge­wählt, mit einer Stimmenmehrheit, die selbst die­jenige Trumans vom Jahre 1948 um eine halbe Mil­lion tibertraf.

Dieser Mann, der immer wieder zögerte, ein Staatsamt zu übernehmen, der durch seine klaren, mitreißenden Reden seine Freunde zu Begeisterungs­stürmen bringt und seine Gegner an die Wand drückt, ist der einzige demokratische Politiker, der dem republikanischen Kandidaten Eisenhower ge­wachsen sein kann. Schließlich ist ja auch Eisen­hower keine Berufspolitiker. Aber während er sich gegen Taft nur in einem harten Kampf durchsetzen konnte, ist Stevenson die Kandidatur sozusagen spie­lend zugefallen. Und bei aller Popularität Eisen- howers sjnd Stevensons Aussichten im endgültigen Wahlkampf im November auch deswegen gut, weil dank seiner Gabe der Vermittlung eine geeinte De­ mokratische Partei hinter ihm stehen wird. Als Tru- man 1948 erneut in den Wahlkampf ging, war die Demokratische Partei gespalten. Ihre Anhänger in den Südstaaten waren mit der von Truman vertre­tenen staatsbürgerlichen Gleichberechtigung der Ne­ger nicht einverstanden. Den Bemühungen Steven­son st ist es auf dem diesjährigen Konvent gelungen, auch in dieser Frage ein einheitliches Wahlprogramm durchzusetzen, das von den Südstaaten als annehm­bar und von der größten Negerorganisation sogar ‘als fortschrittlich gegenüber dem Truman 'schen Pro­gramm von 1948 bezeichnet wird.

Stevenson , dem Mann also, der mehr aus Zufall Politiker und gegen seine eigenen Bedenken Präsi­dentschaftskandidat wurde, kommt zustatten, daß er während des Krieges in der Regierung Roosevelts tätig war und heute als Vertreter des Fair Deal gilt. Im Staate Illinois , zu dem auch die Millionenstadt Chikago gehört, hat er als Gouverneur mit großem Erfolg gegen Korruption und Schlendrian in der Ver­waltung gekämpft. Vielleicht hat gerade dies seinen Mitbewerber um die demokratische Präsidentschafts­kandidatur, den wegen seiner unbarmherzigen Ver­folgung von Gangstertum und politischer Korruption geachteten Senator Kefauver, dazu bewogen, ihm im dritten Wahlgang des Parteikonvents die Stimmen des Staates Tennessee zuzuführen, mit denen Ste­vensons Wahl dann gesichert war. Und schließlich hat sich auch die eine der beiden großen Gewerk­schaftsorganisationen Amerikas , die CIO, für Ste­venson ausgesprochen, so daß zumindest ein gro­ßer Teil der Arbeiterschaft für den demokratischen Kandidaten stimmen wird.

Ein Blick auf die außenpolitische Situation der Vereinigten Staaten macht allerdings verständlich, warum Stevenson sogar einmal geäußert hat, er werde sich erschießen, wenn er zum Präsidentschafts­kandidaten gewählt würde. Was er im Falle seiner Wahl hier zu übernehmen haben würde, wäre nicht so sehr das Erbe Trumans, als vielmehr die von Te­heran und Jalta belastete Hinterlassenschaft Roose­velts. Sowohl Eisenhower als auch Stevenson sind sich klar darüber, daß Amerika seine Politik der Stärke gegenüber der Sowjetunion fortsetzen muß, zu der es durch die Schwäche Roosevelts gezwun­gen worden ist. Während aber Eisenhower nur durch seine Vergangenheit dafür bürgen kann, daß er die Politik Trumans weiterführen würde, steht hinter Stevenson die ganze Demokratische Partei mit ihrem neuen Wahlprogramm, das die Verteidigung der westlichen Welt und ganz ausdrücklich die Stärkung eines -in Freiheit vereinten Deutschlands fordert Wir Deutsche werden mit großem Interesse — aller­dings ohne Parteinahme — die letzten Monate des amerikanischen Wahlkampfes verfolgen in dem Be­wußtsein, daß die überwiegende Mehrheit des ame­ rikanischen Volkes von seiner Verantwortung ge­genüber der freien Welt durchdrungen ist und daß, wer auch immer Präsident wird,Amerika mit uns die Freiheit unseres Landes und unseres Kontinents verteidigen wird.

Neuschnee und Frost auf der Zugspitze

GARMISCH . Mitten im Sommer brachte sich auf der Zugspitze der Winter in Erinnerung. In der Nacht zum Dienstag fielen zwölf Zentimeter Neuschnee bis zur Höhenlage von 2600 Meter herab und die Queck­silbersäule sank unter den Nullpunkt. Zugspitzgipfel und Schneefemerhaus bieten samt Zugspitzgletscher, der bereits schneefrei war, ein winterliches Bild. Touristen, die durch das Höllental aufsteigen wollen, müssen auch in den nächsten Tagen noch mit Ver­eisungen auf den letzten hundert Metern rechnen.

Wieder Erdbeben in Kaufenden

LOS ANGELES . Die kalifornische Stadt Bakers- field wurde in den frühen Morgenstunden des Diens­tag wiederum von einem starken Erdbeben betroffen. In mindestens vier Gebäuden brachen Brände aus. Kurz nach dem ersten Erdstoß hörten die Einwohner von Bakersfield eine laute Explosion. Nach Aussage der Ortspolizei entstanden die Brände wahrscheinlich durch Kurzschlüsse oder zerstörte Stromleitungen.