Gorndezu beängstigend werden die Zahlen, wenn man die per­sönlichen Ausgaben in ein

Verhältnis zum Steueraufkommen

setzt. Laut Badischem Statistischen Landesaint wurden 1948/49 von den den Ländern verbliebenen Steuern für persönliche

Ausgaben verbraucht:

In Nordbaden.51,8®'«

„ Nord Württemberg .40,6“ o

„ Württemberg-Baden. 44,3“«

„ Südbaden.91.8“ «

„ Südwürttemberg.71,6®'»

BADEN

Vom 1 oo Iflaik: 9 1,80

WÜRTT-BADEN

Von 100'Mtuk ; d Hi 3o

Wie Alt-Baden in Zukunft existieren will, wenn es nahezu 3 /i seiner Steuereinnahmen allein für persönliche Verwaltungs­kosten verbrauchen muß, wird schwer verständlich sein. (Neuere Zahlen liegen nicht vor, doch können sie inzwischen nicht gün­stiger geworden sein, da die Einnahmen an Landessteuern zu- | rück- und die Verwaltungsausgaben in die Höhe gegangen sind.)

9. Einwand:

Es geht weniger um materielle Dinge, als um Grundsätzliches. Es geht um die Erhaltung der badischen Eigenart, um die Ge­fahr der Majorisierung der Ba­dener durch die Württemberger, und es geht gegen den Stuttgar­ ter Zentralismus.

Diejenigen Badener, die sagen, die badische Eigenart stünde in Gefahr, wenn Baden sich mit Württemberg politisch vereinige, stellen ihren Landsleuten ein schlechtes Zeugnis aus. Die Liebe zur Heimat und die im Heimatboden wurzelnden Eigenheiten, Sitten und Gebräuche sind in den Herzen der Menschen tief ver­ankert und unveräußerlich. Kein Mensch denkt daran, diese Gefühle antasten zu wollen. Und wollte es einer tun, so würde er kläglich daran scheitern. Im übrigen stehen die Geschichte, die Kultur, die Sprache und die Sitten und Gebräuche der nord­badischen Bevölkerung der stammverwandten nord-württem- bergischen Bevölkerung näher, als der südbadischen. Gleiches

gilt für Südbaden und Südwürttemberg , deren Bevölkerung miteinander stammverwandt ist. Wie die Rheinländer ohne Rücksicht auf ihre politische Zugehörigkeit zu Preußen stets die geblieben sind, die sie immer waren, so werden sich auch die Sprache, die Sitten und Gebräuche und die Heimatgefühle der Bewohner des badischen Hinterlandes, der Pfalz , von Mit­telbaden, des Hotzenwaldes, des Markgräfler Landes, des See­gebiets. des Hochschwarzwaldes oder Heubergs, die alle von­einander verschieden sind, niemals ändern, ob das alte Land Baden wiederhergestellt oder der Südweststaat gebildet wird. Wer darf so vermessen sein, den Badenern eine Preisgabe ihrer Heimatgefühle, ihrer Heimatliebe und ihres Heimatstolzes zu­zutrauen?

Die Geschichte des wiirttcmbergisch-hadischen Landtags be­weist. daß die Badener noch in keinem einzigen Falle von den Württcmbergem majorisiert worden sind. Es bildete sich im Landtag niemals eine württembergische und eine badische Front.

Meinungsverschiedenheiten entstanden stets nur unter den Par­teien, allenfalls noch unter den Ständen. Auch in der Südwest­staatfrage gibt es im Landtag keine württembergische und ba­dische Front, denn die weitaus überwiegende Zahl auch der badischen Abgeordneten ist für den Südweststaat.

Die wiii'ttembergisch-badische und die südwürttembergische Re­gierung haben durch die Formulierung und durch ihre Zustim­mung zu dem sogenannten „Karlsruher Abkommen“ bewiesen, daß sie keinen Stuttgarter Zentralismus wünschen, vielmehr eine weitgehende Selbstverwaltung der Gemeinden und Ge­meindeverbände und eine dezentralisierte Staatsverwaltung er­streben. Sie haben ferner durch ihre Zustimmung zu diesem Abkommen bewiesen, daß sie die kulturellen Belange, so w.e sie sich in den einzelnen Ländern gebildet haben, nicht antasten wollen. Auch die erfolgreichen Bemühungen, wichtige Behörden nach Karlsruhe zu bringen, zeigen, daß der Vorwurf „Stutt­garter Zentralismus“ unberechtigt ist. Daß die südbadische Re­gierung entgegen ihrer Haltung bei den Verhandlungen d^s „Karlsruher Abkommen“ abgelehnt hat, läßt darauf schließen, daß sie befürchtet hat, im Falle der Annahme keine Argumente gegen den Südweststaat mehr zu haben.

Es wurde oben schon darauf hingewiesen, daß sich der würt- tembergisch-badische Städteverband in seiner Entschließung vom 5. September 1950 eindeutig zum Südweststaat bekannt hat. Aber auch sämtliche Vertretungen der Wirtschaft — der Indu­strie, des Handels, des Hand­werks, der Landwirtschaft und der Gewerkschaften — haben in offi­ziellen Erklärungen die Bildung des Südweststaates gefordert.

Haben diese alle, die doch ein objektives Urteil haben, unrecht?

Bei der Südweststaatfrage geht es nicht nur um Baden und um Württemberg . Es geht um mehr.

Es geht um Deutschland , denn Deutschland kann nur leben, wenn es gegründet ist auf lebens­fähigen, politisch und wirtschaft­lich stabilen Ländern.

Badische Landsleute! Die Vereinigung von Baden und Württemberg ist eine Forderung

der Vernunft und der wahren Heimatliebe

Niemand raubt Euch die Heimat! Heimat bleibt Heimat! Erst recht im Südweststaat!

Darum Eure Stimme dem vereinigten Baden-Württemberg !

Dr. Frank

Finanzminister von Württemberg-Baden

Alex Möller

Vorsitzender des Finanzausschusses im Württemberg-Badischen Landtag

Richard Freudenberg

Mitglied des Bundestages Vorsitzender der Vereinigung Südwest

Dr. Veit

Mitglied des • Bundestages Wirtschaftsminister von Württ.-Bäden

Dr. Kaufmann

Mitgl. des Landtages, Finanzminister a. D.

Dr. Unser

Präsident des Landesbezirks Baden

/

Am 16. September 1951 wird die Bevölkerung von Baden, Württemberg und Hohenzollern endgültig darüber abstimmen, ob die drei Länder zu einem Lande vereinigt oder ob die früheren Länder Baden und Württemberg wiederhergestellt werden sollen. Es ist deshalb not­wendig, der Bevölkerung nochmals die wichtigsten Gründe mitzuteilen, weswegen wir f ti r den Südweststaat sind, und auf die hauptsächlichsten Einwände der Gegner des Sücl- weststaates zu antworten.

Worum wollen wir den SüdwestStOOt?

O Es gibt im ganzen westdeutschen Bund keine Länder oder Landesteile, die aus ge­schichtlichen und landsmannschaftlichen Grün­den einen stärkeren Anspruch auf Zusammen­schluß erheben können, als die Länder Baden, Württemberg und Hohenzollern. Ihre wesent­lichen Teile waren jahrhundertelang miteinan­der vereinigt. Die geschichtlichen und lands­mannschaftlichen Bindeglieder verlaufen in ost-westlicher und nicht in nord-südlicher Rich­tung (im nördlichen Teil beider Länder frän­kischer Stamm und im südlichen Teil beider Länder schwäbisch-alemannischer Stamm).

O Die drei Länder des Südweststäates besitzen einen natürlichen Spannungsausgleich in welt­anschaulicher, politischer, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht. Eine selten glückliche Mi­

schung von Land- und Forstwirtschaft, von Ge­treide-, Hackfrucht-, Obst-, Wein-, Tabak-, Futter­anbau und Viehwirtschaft, von gewerblichen Klein- und Mittelbetrieben nebst einigen Groß­betrieben in einzig dastehender Vielseitigkeit, ein vorbildliches Handwerk mit höchstem Kön­nen, Wasserkräfte, landwirtschaftliche Schön­heit ohnegleichen, zahlreiche Heilbäder, ein her­vorragendes Verkehrsgewerbe und ausgezeich­nete Verkehrsverhältnisse verbürgen eine von Erschütterungen freie, stabile Wirtschaft und gesunde soziale Verhältnisse. Der Südweststaat wird unter allen deutschen Ländern der wirt­schaftlich leistungsfähigste, krisenfesteste und sozial gesündeste Staat sein. Auch in wissen­schaftlicher, kultureller und weltanschaulicher Hinsicht ergänzen sich die drei Länder vortreff­lich, wovon die Stätten der Kultur und der Wis-