Freitag, S. Januar 1947

HEIMAT iffll KURIER

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SüDrocftÖeutfche

Chronik

7Ultagenöte öcr Heimatloten

Scharen von Menschen drängen sich in dem kleinen Kaufhaus. Jeder sucht unter den ausgelegten Waren, ob er nicht ir­gendetwas findet, was seinen Angehöri­gen Freude machen würde. Der alte Herr mit dem Krückstock, entdeckte nach lan­gem Suchen eine kleine Dose Hautcreme. „Eine Dose, Fräulein, hier ist das Geld.” .Bedaure, mein Herr nur wer eine leere Dose abgibt, erhält eine neue.” Achsel­ruckend geht der alte Herr weiter. „Wir sind Flüchtlinge aus Ostpreußen”, erzählt er mir. Doch mir braucht er nichts zu sagen, ich bekomme ja selbst keinen Spru­del, weil ich keine alte Flasche abgeben kann. Ich mußte unlängst meine Zeitung ungelesen verwenden, weil mir der Händ­ler keine Tüte für die auf gerufenen Nähr­mittel gab. „Nähen Sie sich doch ein paar Säckchen!” riet er mir grob-freundlich. Das sind Ratschläge für Leute, die Heim und Sachen behielten. Wer kaum ein Ta­schentuch besitzt, kann sich keine Säck­chen nähen. Und wer so bescheiden wohnt, daß er alles, was er beim Händler kauft, nicht in Büchsen und Dosen umfüllen kann, sondern in der Tüte aufbewahren muß, hat nie eine Tüte und kann keine haben. Wäre es nicht angebracht, wenn je­der Händler gerade auf Ausgebombte, Flüchtlinge und alle, die noch immer un­terwegs sind, doch ein wenig Rücksicht nehmen würde und von ihnen nicht mit der gleichen Selbstverständlichkeit, wie

Bregenz . Toleranz, Hilfsbereitschaft, Anerkennung und Wahrung der gegenseiti­gen Interessen und Werte sind die Voraus­setzungen guter Nachbarschaft. Diese Quint­essenz aus der Unterhaltung, die Vorarl­ bergs Landeshauptmann, Ulrich Ilg , über grenznachbarliche Fragen mit mir führte, ent­hält eigentlich schon alles, was er über das deutsch -österreichische Grenzverhältnis am Bodensee zu sagen hat.

Die Antworten auf fünf von mir gestellte Fragen vermitteln im einzelnen die Auffas­sungen des Landeshauptmanns von der ge­genwärtigen Situation und ihren Entwick- tungsmöglidikeiten. Ulrich Ilg ist ein Mann von 41 Jahren, Sohn Vorarlberger Bauern und Vater von sieben Kindern. Er paßt in ■einer ganzen Erscheinung wenig hinter den offiziellen, großen und neuzeitlichen Schreib­tisch. Man könnte sich diese gedrungene Gestalt, dieses bäuerlich-väterliche Gesicht viel besser hinter einem aufbauredcben Se­kretär vorstellen, wie er heute noch in man- <her Gemeindekanzlei steht. In solch einer Atmosphäre etwa muß auch die Laufbahn dieses Mannes begonnen haben, die ihn einst Obmann de« früheren Oesterreidii- schen Bauernbundes in Vorarlberg und 1934 Staatssekretär im Wiener Landwirtschafts­ministerium werden ließ. Diese Karriere und •ein jetziges Amt, da s er bereits seit Mai 1945 inne hat, veränderten aber den Grund­zug im Wesen dieses Mannes keineswegs: Er ist der bäuerlich-iechüich denkende Mensch geblieben, dessen christliche Lebens­auffassungen in jeder Unduldsamkeit und vermeidbaren Härte abgeneigt sein lassen.

Der Landeshauptmann begrüßte offensicht­lich die Gelegenheit, durch den „Südkurier" den deutschen Nachbarn am Bodensee seine Grüße senden zu können; denn er empfin­det — wie jeder, der diesseits oder jenseits des Schlagbaums den unmittelbaren Grenz­bereich bewohnt — die gegenwärtige Situa­tion als bedauerlich. Damit ist bereits die erste der dem Landeshauptmann gestellten Fragen fast beantwortet: „Wie beurteilen Sie den gegenwärtigen Nachbarschaftsstatus am Bodensee ?" Allerdings versäumt Herr Ilg es nicht, hinzuzufügen, daß die Entwick­lung der politischen Ereignisse der letzten Jahre diese Situation Voraussagen ließ. So unerfreulich oder störend sie jetzt auch emp­funden werden mag, so unmöglich — und unzweckmäßig — dürfte es sein, eine Aen- derung zu forcieren.

„Weiche Möglichkeiten sehen Sie, Herr Landeshauptmann, zur Intensivierung der nachbarlichen Beziehungen ?“

„Diese Möglichkeiten erschöpfen sich zur Zeit wohl in dem guten Willen aller In­teressierten, das Gnenzverhältnis für beide Betten so erträglich wie möglich zu ge­stalten. Dazu gehören vor allem Tole­ranz, Hilfsbereitschaft und die Anerken­nung der gegenseitigen Werte und Interes­sen. Diesen guten Willen zu praktizieren, wird schon dadurch erleichtert, daß die AlHiecrten ja an beiden Seeufern von den Franzosen repräsentiert werden, deren Verständnis für die besondere Lage Vor­ arlbergs und des deutschen Bodenseege­biets durch Beweise belegt Ist.“

„Welche nachbarschaftliche Wirtschafts­hilfe könnte insbesondere geleistet wer­den ?“

„Die Lage, in der sich Oesterreich und Deutschland seit Mai 1945 befinden, zwingt tum Verzicht auf traditionelle und be­queme Möglichkeiten, die vor 1938 bestan­den. Dieser Verzicht resultiert aus der Er­kenntnis, daß nach den hinter uns liegen­den Ereignissen nicht dort fortgefahren Werden kann, wo man 1938 aufhörte. In­folgedessen wird Oesterreich auch auf die Dauer auf den Austausch verschiede­ner Wirtschaftsgüter mit Deutschland über Vorarlberg verzichten, der damals nahe- Vag. Immerhin können sich aber die deutsch -österreichischen Bodenseegebiete hi kleinem Rahmen eine nachbarschaft -

von den alten Stammkunden leere Fla­schen und Tüten verlangte? Es träge dazu bei, den Heimatlosen den Alltag ein we­nig leichter zu machen. fg.

Januarwinter am Bodensee

Im Januar steigt der Winter von den Bergen bis in die wärmsten Ecken des Bodenseegebietes. Diese Feststel­lung werden wir selbst in den wärmsten Wintern Mitteleuropas machen. Der Bo­ densee gehört im Januar zu einer über Süddeutschland sich häufig bildenden regionalen Hochdruck- und Kältezone, die einen verhältnismäßig beständigen Cha­rakter aufweist und selbst dann noch er­halten bleibt, wenn in der nordwestlichen Hälfte Deutschlands schon Tauwetter herrscht. Auch bedingen häufig über dem Rhonetal und Norditalien auftretende Teiltiefs für den Bodenseeraum einen star­ken Luftansog aus Osten und Norden, dessen thermische Bedingungen starken Temperaturrückgang mit sich verbinden. Im übrigen können wir vom Januar wie­der mehr Sonne und mehr heitere Tage, u. U. schon 4 bis 5, erwarten, allerdings sind diese sonnigen Tage meistens mit scharfem Frost gekoppelt.

Alle Sprachen im Postverkehr zulässig

a. Der Gebrauch aller Sprachen im Post­verkehr von Deutchland nach dem Ausland ist ab 15. Januar 1"47 von den vier Besat­zungsmächten genehmigt worden. Im Post­verkehr aus dem Ausland nach Deutsch­ land bestehen keinerlei Einschränkungen im Gebrauch fremder Sprachen. Die Auf­nahme des Versandes von Blindenschrift­sendungen in den Postdienst innerhalb und zwischen den Zonen Deutschlands ist eben­falls ab 15. Januar 1947 genehmigt worden Das Höchstgewicht pro Sendung für Blin­denschriftsendung Ist auf 1 000 Gramm heraufgesetzt worden

liehe Wirtschaftshilfe leisten. Da« ge­schieht auch. Wir sind in der Lage, Kom­pensationsgeschäfte im Wert bis zu 10 000 Schilling ohne weiteres abzuwickeln und haben beispielsweise Vieh gegen Viehfut­ter ausgetauscht, an dem wir in unserem Gebirgsland einen gewissen Mangel lei­den. Auch an Schuhlieferungen wären wir interessiert. Die Initiative zu solchen Geschäften bleibt im allgmeinen privaten Händen überlassen und wird von den Be- stazungsbehörden gefördert. Größere Ob­jekte werden allerdings nur mit Geneh­migung der Wiener Außenhandelsstelle entriert und abgewickelt. Sie sind aber verhältnismäßig selten."

Meine vierte Frage betrifft die noch in Vorarlberg lebenden Deutschen und ihr voraussichtliches Schicksal. Ihre Zählest, wie Landeshauptmann Ilg mitteilt, von ca. 30 000 auf 4 000 zurückgegangen. In dieser Zahl sind nur nach 1938 nach Oesterreich eingewanderte Deutsche inbegriffen. Nach den Worten Ilgs ist keine Aenderung in der Handhabung der Ausweisungsbestim­mungen für Deutsche aus Oesterreich zu erwarten. Danach gilt für den hier noch mehr oder weniger fest ansässigen Rest, daß er sich — persönliche Unbescholten­heit und besondere fachliche Eignung im Beruf vorausgesetzt — unter gewissen Be­dingungen befristet weiterhin des Gast­rechts in Oesterreich erfreuen kann, wenn die landeseigenen und alliierten Behörden ihre Zustimmung dazu geben.

Dementsprechend rechnet man hier in Vorarlberg — so beantwortete Ilg meine fünfte Frage — mit der Rückkunft von Oesterreichem aus dem deutschen Grenz­gebiet etwa in dem gleichen Rahmen und sieht für Massenausweisungen von Öster­reichern aus dem deutschen Boden see-

Mit Duft and warmem Sdiein dea Lichter- batune« und trauten WeUmachtaliedem um­webt am Erecbeinungetag un« noch einmal der Zauber der Heiligen Nadit Zum letzten Male flammen die zusommengeschmolzenen Kerslein auf, und in der Nacht der „heil. Zwölften“ erst verspüren wir. daß ganz das alte Jahr versun­ken ist „Hobes Neujahr ", „Groß Neijohr" sind nur zwei der vielen Namen des ErsChei- nungstagee, und dort, wo noch die „heiligen Dreiköndge“ umgehen, pflegt darum ihrer ei­ner auch unter emsigem Drehen des Ster n es zu singen:

Wir kommen * daher aue aller Gefahr und wünschen Euch allen ein gut's neu's Jahr, ein gut's neu's Jahr, eine fröhliche Zeit, die une Gottvater vom Himmel 'rab gett.

Er leiht uns herab die ewige Freud, Gottvater. Gottsohn. Gott heiliger Geist!

Es ist, als wolle des Volk noch einmal mit desn ganzen Reichtum seine« Gemüts und seiner Bräuche diesen Tag umkleiden, den mit ihren einfachen Darstellungen der Weisen aus dem Morgenlande die ersten Christen in ihren Ka­takomben und mdi ihren innig-gläubigen Dreikönigstafeln unsere altdeutschen Meister verherrlicht toben

Mit diesem letzten Tage der geheimnisumwo benen .Rauhnächte klingt auch das Weih nach tsb rauch tum aus, das Ludwig Richter , Speck ter und Schwind in Bildern von den Dreikönigs buben eingefangen toben. Noch schreibt tn länd­lichen Kreisen der Hausvater mit geweihter Kreide über Stall und Scheune „K + M + B' und setzt die Buchstaben zwischen die Jahres zahl um mit diesen Zeichen Segen und Huld der Drei Könige Kasper Melchior und Baltha­sar auf Haus und Hof. auf Mensch und Vieh herabzuflehen. Der alte Brauch des Dreikönigs- singens dagegen ist mehr und mehr unter Mithilfe einer kurzsichtigen Obrigkeit außer Uebung gekommen Aber doch tot er zwischen Oberrhein und Neckar sich noch weithin erhal­ten können und ist dort, wo er verschwunden war, stellenweise — wie im Murgtal und Hoch- schwarz wald — zu neuem Leben wiedererstan­den. Wie zu Hansjakobs Zeiten gehen am Dredkönig sta ge durch die nachtdurürien Gas­sen der Dörfer und Heulen Städte die „hei-

Schwartwaldwinter Platte, Freiburg

gebiet ebensowenig Gründe wie für eine ähnliche Praxis gegenüber Deutschen in Vorarlberg . Ueberdies ist die Zahl der in Deutschland lebenden Oesterreicher von je geringer als die Zahl der in Oesterreich lebenden Deutschen gewesen.

„Welchen Wunsch würden Sie, Herr Landeshauptmann, in bezug auf die deutsch -österreichische Bodenseenachbar­schaft äußern, wenn ich kein Journalist, sondern eine Fee wäre ?”

Auf diese meine letzte Frage bekomme ich nicht sofort eine Antwort. Ulrich Ilg lächelt. „Sie sind ja keine Fee”, möchte er wohl sagen. Aber er sagt es nicht. Er wiederholt hingegen seine Worte von Hilfsbereitschaft und Toleranz, die nicht nur unter den Menschen am Bodensee herrschen sollten, sondern auf der ganzen Welt. Und mehr noch als bei den voran­gegangenen Worten klingt Ilgs Stimme diesmal bäuerlich-väterlich.

Stadententreffen in Titisee

Freiburg . In der Jugendherberge in Titisee trafen sich in diesen Tagen 60 Studenten aus Paris und Freiburg , die sich während der Ferienkurse der Uni­versität im Sommer kennengelemt haben. Sie feiern ein 14tägiges Wiedersehen beim Wintersport im Schwarzwald . Am 5. Ja­nuar werden die französischen Studenten wieder heimkehren

Flüchtlinge ans Dänemark eingetroffen

Offenburg . Ein Flüchtlingstransport von 400 Personen aus Dänemark traf im hiesigen Umsiedler- und Flüchtlingslager ein. Die Flüchtlinge wurden fürsorglich aufgenommen und werden je zur Hälfte auf Südbaden und Württemberg verteilt, um dort eine neue Heimat zu finden. Aus ihrem Lagerleben in Dänemark berichten sie, daß Betreuung und Behandlung sehr gut gewesen seien, obwohl die zwei Jahre Intemierungszeit für alle eine schwere psychische und physische Belastung be­deuteten.

Die Wohnungsnot in Heidelberg Heidelberg

. Der Heidelberger Stadtrat nahm in einer Sitzung, an der als Vertreter der Militärregierung Ober­leutnant Bede teilnahm. Stellung zu den weiterhin andauernden Beschlagnahmun­gen von Wohnungen durch die Besatzungs- macht. Nach einem Bericht des Ober­bürgermeisters und des Leiters des Wohnungsamtes, die beide die Unhaltbar­keit des gegenwärtigen Zustandes beton­ten, und Erklärungen seitens der Sprecher der im Stadtrat vertretenen vier Parteien faßte der Stadtrat eine Entschließung, in der eine baldige Aenderung des Zustan­des gefordert wird.

Ugen Dreikönige". singen in Haslach ihr Lied „von freudenreichem Klang, vom heiligen Chri­stuskind und himmlischem Gesang, von Für­ sten . Gold und Würden und Flöten armer Hir­ten“ Zwischen Offenburg und Lahr und im ganzen Bodenseegebiet kennt man ihre Gestal­ten, bald mit bunifarbenem Ornat, bald mit weißen Hemden über den Kleidern angetan und schimmernden Kremen aus Goldpapier Und wenn die Konstanzer Dreikönige vom Kind- letn tn der Krippe singen:

Vom Opfer schenken wir ihm Gold Weihrauch und Myrrhen, so ergänzen in ihrem ganz anders gearteten Dreikönigslied die Meersburger :

Weihrauch bedeutet dos ewige Leben Myrrhen das menschliche Grab,

Gold Szepter und fürstlichen Stab Im Gefühlsleben des Volkes am Oberrheon hat der Dreikönigstag durch die Jahrhunderte hindurch Immer eine besonder« Rolle gespielt wenn man auch Im Mittelalter die Sitte des Sternsingens nicht kannte Man feierte ihn nicht nur lm Familienkreis bei fröhlichem Schmaus und Dreikönigskuchen, in den eine Bohne für den ,.Bohnenkönig'' und eine Erbse für den .MarschaH" eingebacken waren, son­dern wir besitzen noch aus dem Jahre 1421 die Verordnung des Rats und der Zunftmeister ei­ner oberrheinischen Stadt, wonach die Zünfte nur auf ihren Stuben „Könige wählen" dürfen Eine Stadtrechnung aus dem Jahre 1437 beur­kundet ebenfalls, daß schon in der ersten

Hälfte des 15 Jahrhunderts der Kuchenschmaus .»mir« zwölften obent als der kung ward gesetzt' der Dreikönigskuchen also und das

Fest des Bohnenkönigs im Schwange waren Bei diesem FeetsChmaus und der Wahl de« Bohnen königs Ist es anscheinend oft recht hoch tor­gegangen und die dabei gesungenen Lieder und Spott verte dürfen nicht durchweg drudefähig gewesen sein, denn noch heute hört man die Redensart: „Das geht übers Bohnenlied' Die­

ser Auffassung muß man wohl auch damals schon gew es e n sein,. denn tn einem Fasnachts- spie! aus der zweiten Hälfe des 15 Jahrhun­derts heißt es:

Diser sach bin ich vast mttsd, ee ist mir übers Bohnenlied.

Demfch*öftcrreichifche ßoöenlee»Nachbarfchaft

Interview unseres hd - Korrespondenten mit Vorarlbergs Lande« hnuptmajin

Golö, Weihrauch unö Myrrhen

Von Stemsingern and Bohnenkönige n — Brauchtum und Dreikönigs tag

ßaöen*ßaöen im Jahre 194$

Es ist schon lange her. daß die Stadt j der Bäder, der schönen Alleen und der großen Hotels das sommerlichePa- f r i s genannt wurde. Es ist auch heute wieder eine Art pariser Faubourg, freilich sehr anderer Art als einst. Der Leopolds­platz, die Place de la Concarde Baden- Badens, auf welchem anstelle des von den Nazis entfernten Großherzogs Leopold nun ein unentwegt tätiger französischer | Verkehrspolizist thront, zeigt von früh bis j spät ein Karussell von schätzungsweise | täglich zehntausend Autos, neben denen : die stets überfüllte Straßenbahn als alter­tümliches Vehikel wirkt. In den berühm­ten Alleen sieht man keine eleganten Fla­neure mehr und keine modisch aufgeputz­ten Frauen — noch fehlt die Welt des Weltbades. Das Hotel Stephanie, einst ein berühmter Treffpunkt des Hochadels und der internationalen Großbourgeoisie, ist ein wichtiges Verwaltungszentrum gewor­den, und ln den Geschäften, die einst den Kurgästen mit schönen und exquisiten Luxuswaren aufwarteten, gibt es heute, | was es überall gibt.

Baden-Baden ist im vergangenen Jahr eine kleine Großstadt geworden, mit mehr als doppelt so viel Einwohnern wie früher. Davon spricht ein großer Teil französisch, ein zweiter großer Teil nord­deutsch und eine Minderheit badisch. Aber daran sind die Badener gewöhnt, Baden- Baden war immer eine polyglotte Stadt. Doch ist immerhin ein Unterschied dabei. Denn die Betriebsamkeit von heute ist kein Fremdenbetrieb, sondern das geschäf­tige hin und her einer Zentrale, in wel­cher tausend Fäden, der Wirtschaft, der Politik, der Kultur, sich kreuzen. ,

Im letzten, im kulturellen Bereich, kann niemand in Baden-Baden über Man­gel klagen Da gab es im vergangenen Jahr die großen Symphoniekonzerte unter GMD. Lessing mit dem neunzig Mann starken Orchester des Südwestfunks. Da waren viele Solistenkonzerte mit erstklas­

sigen Kräften. An unterhaltenden Veran­staltungen war auch kein Mangel. Das Theater spielte auf seinen zwei Bühnen fast täglich mit einfpn wohlausgewogenen Spielplan. Außerdem gab es eine Reihe guter Vorträge und etliche Ausstellungen, die vom Gouvernement gezeigt wurden, weit über Baden hinaus Beifall fanden.

Weniger entwickelt ist das politische Leben. Bei den Gemeindewahlen erhielt die BCSV die absolute Mehrheit, ihr folg­ten die Demokraten mit sieben, dann die Sozialdemokraten mit sechs Gemeinde­räten, die KP errang einen Sitz. Der neue Oberbürgermeister Dr. Schlapper wurde mit den Stimmen aller Parteien gewählt.

Das Bild des städtischen Budgets ist an sich günstig — aber es ist ein trü­gerisches Bild. Es konnten keine Neuan­schaffungen gemacht werden, man lebte von der Substanz. Zwar waren die Steuer- eingänge gut und die Bilanz ist ausgegli­chen, aber für die Zukunft gibt es doch viele Fragezeichen. Vom Ueberschuß wur­den 400 000 RM für Arbeiten, ebensoviel für Anschaffungen und 200 000 RM für Beihilfen an Bedürftige ausgeworfen. Fer­ner wurden höhere Beträge eingesetzt für die Städt. Bücherei, für Jugendhilfe, Sport, Kinderspeisung und caritative Zwecke. Zur Behebung der Wohnungsnot sollen über 60 Holzhäuser errichtet werden; außerdem soll das Hotel Meßmer zu Wohn­zwecken umgebaut werden. Der Wieder­aufbau des bombenzerstörten Stadtteils Oos wird gefördert werden. An Entschädi­gungen wurden bisher durch das Quartier­amt fast fünf Millionen RM ausbezahlt:

Ob das kommende Jahr Möglichkeiten zur teilweisen Wiederaufnahme des Fremdenverkehrs und Kurbe­triebs bringen wird? Es wäre zu wün­schen. Denn schließlich ist Baden-Baden von Natur und aus Tradition eine inter­nationale Bäderstadt wie wenige in Deutschland , ja. in ganz Europa . rgh.

ßoöenfee / Rhein / Donau

Konstanz . Rechnungsdirektor L R, Johann Schreiber, der 26 Jahre auf verantwortlichem Posten im Dienet der Stadt Konstanz stand, be­ging seinen 80. Geburtstag. — Ein 56 Jahre alter LadeschaffneT stürzte mit einem Wagen in der Dunkelheit aus noch nicht geklärter Ursache in das Hafenbecken. Nach eineinhalb Stunden wurde der Mann als Leiche geborgen — 250 deutsche Flüchtlinge aus allen Zonen wurden durch den Caritas-Verband Konstanz zu Weih­ nachten beschenkt.

Ueberlingen. Im 54. Lebensjahr starb Dr. med. Emst Finckh infolge einer Blutvergiftung, die er sich durch eine Infektion zugezogen hatte.

Markdorf . Der von Deggenhausem gebürtige Wagnermeister Johann Gaupp, der sich seit Jahren im Altersheim Wespach befand, erfror auf dem Weg von Neufrach nach Wespach Friedrichstofen. In der ZeppeäSn'-Otorieal- schule ist eine bla 9. Januar dauernde Kunst­ausstellung eröffnet worden, die 'mit Gemälden, Zeichnungen und Plastiken namhafter Künstler Oberschwabens und des Bodensees beschickt ist.

Lindau . In einem Verfahren wegen Nicht­anmeldung von Mangelware erklärte der Prä­sident des Unteren Gerichts, daß die Angeklag­ten gegen die Interessen ihrer eigenen Volks­glieder verstoßen hätten, so verurteile er sie dazu, ein Schwein von 150 kg für das Kranken­haus ihrer Stadt zu füttern und es dann dort unentgeltlich abzuliefern Lindau . Das Militärgericht hat einen 36 jäh­rigen Gärtner, der einen 18 jährigen polnischen Zwangsarbeiter geohrfeigt hatte, weil er seinen älteren österreichischen Arbeitskameraden schlug und seine Tat noch ableugnete, zu einer be­dingt erlassenen Gefängnisstrafe von zwei Mo­naten und zu einer Geldstrafe von 300 Mark

Dreikönigskuchen und Nenjahnwecken gehö­ren der Erinnerung an, satt die Not zweier Kriege auch das Land am Otortherin umdüstert Mag das Fest der Erscheinung, an dem bis ins letzte Viertel des 4. Jahrh die Christgeburt ge­feiert wurde, jetzt auch seiner Bedeutung als weihnachtliches Hauptfest entkleidet sein, so ist es doch vom Strahlenglanz der Erscheinung de« Herrn überglänzt von dem die Kirche im Offertorium des Tages sagt: „Die Könige von Thars!« und die Inseln werden Gaben weihen, der Araber und Sabas Könige Geschenke brin­gen Anbeten werden ihn die Könige all der Erde, ihm werden dienen alle Nationen"

Europas glüchlichfte Menfdien

Unter einem völlig wolkenlosen politischen Himmel liegt das Ländchen Liechtenstein 150 Quadratkilometer groß. 10 000 Einwohner, ge­borgen zwischen dem österreichischen Bundes land Vorarlberg und dem Kanton SL Gallen Hier gibt es keine Parteien, die zum Regierungs­system in Opposition stehen, alles ist eitel Friede und Eintracht Die 15 Abgeordneten wäh­len die vier Regierungsräte, die ihrerseits mit dem Fürsten und dem Regierungschef des Land verwalten Sieht der Finanzminister den Boden der Staats Schatulle, dann läßt er ganz einfach eine neue Briefmarke drucken und die Brief­markensammler in aller Welt stürzen sich mit Entzücken auf das neue philateiistische Produkt Die zuletzt herausgebrachte Marke lieferte dem Staatssäckel rund 200 000 Franken, das reicht wieder für eine Weile. Im übrigen kennt man keine Lebensmittelkarten, keine Verknappung, keine Not des Landes ln der einzigen Straße der Metropole der 1700 Einwohner zählenden Stadt Vaduz , steht das geräumige Cafä und hier treffen sich die etwa 20 führenden Männer des Staates, umgeben von den Untertanen, und hier beepricht man bei dem schönen roten Va- duzer Wein und englischen Zigaretten die poli­tische Lage Kommen die Liechtensteiner auf die Zustände in Deutschland , auf dem Balkan usw zu sprechen dann schütteln sie nur die Köpfe und genehmigen sich noch ein Glas von dem Roten und denken dabei: Alle könnten so glücklich sein wie wfrl

verurteilt. De es sich bei dem Gemaßregelten um keinen freiwilligen, sondern um einen Zwangsarbeiter handelte, konnte der Angeklagte nicht straflos ausgehen.

Röthenbach (Allg.). Im Alter von 56 Jahren ist hier Benefiziat Franz Xaver Benedikte r ge­storben, der seit 1932 hier seelsorgerisch wirkte.

Biberach . Die Geldschrankfabrik Job. Geerk- ken, vormale Niederlassungen in Bremen , Ham­ burg und Aachen , richtet in Schussenried ein Werk ein. Hergestellt werden vot allem Geld- und Panzerschränke, Tresoranlgen, Kassetten. Heus- und Küchengeräte

Tuttlingen . Ein 24 jähriger, bei der Ex- preßdienststelle de« Tuttlinger Bahnhofs be­schäftigter Aushilfsbeamter aus Wurmlingen hatte In der Zeit vom Mai bis August 1946 insgesamt sechs Ixpreßguts*ndungen entwendet. Er hatte noch einen Gehilfen, dessen Aburtei­lung ebenfalls bevorsteht Man hatte es in erster Linde auf Lebensmittel abgesehen Das Urteil lautet nun auf ein Jahr Gefängnis.

Sigmaringen . Das aus dem Mittelalter stam­mende, auf den Felsen des Donautals gelegene Schlößchen Bronnen ist in Brand gera­ten Das Feuer muß durch einen Kaminbrand entstanden sein. Der Brand war im Rittersaal des Schlößchens ausgebrochen und breitete sich auf den 1. und 2. Stock aus Der Dach­stuhl ist eingestürzt Der Zustand des Mauer­werks ist nach dem Brand so, daß es zum Wiederaufbau verwendet werden kann.

VflHngen. Nach längerem Leiden starb im 66. Lebensjahr der bekannte ehemalig« Ge­werkschaftssekretär a. D. Wilhelm Schiffer- decker. In Schwenningen a. N. geboren war er 1910—1919 Abgeordneter des württembelgischen Landtags. Im Herbet 1910 wurde er in Villingen GewerkschaftaaekretäT das Deutschen Metall- Arbeiter-Verbandes.

Waldshut. tm Alter von 73 Jahren starb noch längerer Krankheit kurz vor Weihnachten Stadtpfarrer und Dekan vom Kapitel Waldshut Geistlicher Rat Josef Bleser. — Die Eisenbahn­strecke Basel—Waldshut konnte in den letzten Tagen des Jahres 1946 ihr 90 jähriges Jubiläum feiern

Lörrach . Die Bevölkerung des Kantons Beseel- Stadt schenkte zu Weihnachten dar notleidenden Bevölkerung des Landkreises Lörrach , besonders aber den Gemeinden des hinteren Wiesentales 30 000 kg Lebensmittel und 9000 SchweizeTfran- ken in bar

Freiburg 1. Br., In der Orangerie des Kage- neck'sehen Schloss a « in Munzingen , am Südenda de« Turalberga, soll vom Frühjahr an eine Rebveredelungsaostalt errichtet werden unter der Obhut des Staatlichen Weinbau-Instituts Freiburg.

Heidelberg Mit Rücksicht auf den katastro­phalen Kohlen- und Strommangel wurde von der Stadtverwaltung ein allgemeines Spiel - verbot für alle Theater, Lichtspielhäuser Ka­barett«. wie auch Konzerte und öffentlich« Vor­träge erlassen, das bis auf Widerruf in Kraft bleibt ' —sp—

Mannheim . Die protestantische Kirchenge­meinde in Mannheim erhielt von der Lutherani- schen Kirche in den USA Lebensmittel als Spende Sie reicht ans, um 5 000 bedürftige Kinder für Monate zusätzliche Lebensmittel zu verabreichen.

Tübingen . Nach einer Verfügung des fran­ zösischen Gouvernements ist die Herstellung der Verkauf, die Vermietung und die Benüt­zung elektrischer Heizapparate untersagt

Liebenzell . Der internationale Badeort Lieben­zell mii seinen Thermalquellen wird dem­nächst in ganz bescheidenem Maße den Bade­betrieb wieder aufnehmen Dem Kurbetrieb werden der alte Kursaal mit verschiedenen Nebengebäuden, die 5 ha großen Kuranlagen und des ,.Kleinwildbad" mit seiner Thermal­quelle dienen.