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Freitag, 30. Juli 1948

SÜDDEUTSCHER

HEIMATKURIER

Nr. «1 / Seite S

Pforzheim Ichmücht Oie Frauen Oer Welt

Griff in Urgroßmutter* Schmuckschatufle — Internatlooales Stimmungabaeometer

Noch immer gleicht die badische Stadt Pforzheim — einst das Edelsteinzentrum der Welt — einer Kraterlandschaft des Mondes mit Straßenbahnbetrieb. So ver­heerend war die Wirkung des Großangrif­fes im Februar 1945. 80 Prozent der Stadt wurde in einer Nacht in einen wüsten Trümmerhaufen verwandelt. Auf den zu einem Schutthaufen zusammengesunkenen Häusern künden schlichte Holzkreuze und aus Ziegelsteinen geformte Grabhügel von den Opfern, denen die eigene Wohnstätte zur Gruft wurde. Zwei Millionen Kubik­meter Trümmer liegen im Inneren der Stadt. Fast scheint es, als mühen sich die kleinen, prustenden Lokomotiven mit ihren angehängten Loren vergeblich ab, die langen Straßenzüge zu säubern. So lang­sam gehen trotz allen Anstrengungen die Aufräumungsarbeiten vor sich. Berech­nungen ergaben, daß 18 Jahre nötig wer­den, um bei Verwertung von 50 Prozent der Trümmer Pforzheim wieder aufzu­bauen. Von den 47 000 Einwohnern werden sich noch auf lange Zeit drei Familien eine Wohnung teilen müssen. Ueber 40 Prozent der ehemaligen Bürger findet man im neuen Adreßbuch nicht mehr.

Trotz allem ist der Ruf Pforzheims als Hauptsitz der deutschen Schmuckwaren­industrie erhalten geblieben. In den weni­gen, unzerstörten Gaststätten, bilden Fein­gold und Brillanten, Altsilber und Simili das Tischgespräch. Wer nach Pforzheim kommt, ist irgendwie an Schmuck oder Uhren interessiert. Sonst verspürt niemand Lust, seinen Fuß in diese Aschestadt zu setzen, iji der sich die Industrie so er­staunlich rasch voh den schweren Kriegs­schlägen erholt hat. 80 Prozent der Fabri­ken waren ein Raub der Flammen gewor­den. In den aufgeschweißten Panzer­schränken fehlten 1945 Gold, Silber und Edelsteine im Werte von 40 Millionen Mark. Die Verluste an fertigem Schmuck, Maschinen und Fabrikationsanlagen über­steigen diesen Betrag erheblich. Heute schaffen zwischen den Trümmern gebor­stener Häuserwände und ausgeglühten Stahlgerüsten 800 Betriebe mit 14 000 Ar­beitern. Fast in jeder Dachluke und jedem Kellerraum wird gegossen, gefeilt, mon­tiert und poliert. 1947 konnte ein Umsatz von 50 Millionen Mark erzielt werden. 15 Prozent der Ware fanden ausländische Käufer. 86 Prozent gingen auf den deut­ schen Markt. Im gleichen Jahr begann Pforzheim wieder mit dem Export und

konnte his zu dem heutigen Tage für 800 000 Dollar Abschlüsse erzielen. Für fast 40 000 Dollar Waren sind bereits geliefert 'worden. Vor dem ^Kriege entstanden Schmuckwaren und Uhren im Werte von 120 bis 140 Millionen Mark jährlich. In den Jahren 1927 und 1928 hatte der Export sei­ne Blütezeit. Die Industrie konnte 50 bis 60 Proz. ihrer Erzeugnisse über die Grenze gehen lassen.

Pforzheimer Schmuck wird heute wieder in allen Ländern getragen. Er ziert die schmalen Hände deutscher Mädchen, er­strahlt im Lichtermeer des Broadways und findet die Bewunderung der exklusiven Gäste der Schweizer Hotels. In Südamerika empfängt die Senorita ihn aus der Hand des Caballeros. Sie ist genau so entzückt über seine Schönheit wie die blonden Frauen von Skandinavien . Die Qualität der Pforzheimer Erzeugnisse wird nach wie vor von den Fachleuten aller Staaten gelobt. Durchweg sind es montierte Waren, d. h. Schmuckstücke, die zum 'größten Teil mit der Hand hergiestellt werden. Der Verlust an Maschinen zwang die Fabrikanten, bis auf weiteres bei dieser Arbeitsart zu blei­ben. Dadurch wird die Qualität gesteigert, wenn auch die Preise höher liegen als bei ausländischen Fabrikaten, die mit Hilfe der Maschinen als Massenartikel herge­stellt werden. Wenn auch die Einkäufer der großen amerikanischen Warenhauskon- zeme über die Preise stöhnen, so ist doch der Pforzheimer Schmuck stark gefragt. Amerikanische Firmen haben nach dem Kriege den Schmuckwarenfabrikanten durch Reisen nach Uebersee Gelegenheit gegeben; den Schmuck der Käufer zu stu­dieren. Besonders in der letzten Zeit hat sich die modische Richtung stark gewan­delt. Der sogenannte ruhige Pforzheimer Stil wird weniger verlangt. Man will Arm­bänder oder Halsketten in exzentrischen Formen tragen oder bevorzugt Markasiten- schmuck in Ausführungen, wie er zu Ur­großmutterszeiten beliebt war. Die neue Damenmode mit ihrem Rückf all in das ver­gangene Jahrhundert zwingt auch die Goldschmiede, neue Ideen aus längst ver­staubten Entwürfen zu schöpfen.

Ob die schönen Frauen in aller Welt, die sich wieder von Pforzheim schmücken lassen, wissen, daß die blitzenden Ge­schmeide und zierlichen Uhren, die ihnen so viel Freude bereiten, inmitten von Rui­nen und Gräbern hergestellt werden?

Der Ernte entgegen

Vom Ried zum Hanauerland — Umschau in den Landgemeinden

Der Landstreifen längs des Rheins von Altenheim bis Lichtenau bildet den Land­kreis Kehl , einen der kleinsten Kreise der südbadischen Zone und der Kreis, der nur aus Landgemeinden bis zu höchstens 3000 Einwohnern besteht. Es ist das Ried und das Hanauerland, in dem sich alles nach der Landwirtschaft ausrichtet, wo wichti­ger als alles andere die Frage war: „Wann hört der wochenlange Regen auf?” — Das Rheinhochwasser hatte rund 1300 Hektar Ackerland überschwemmt und 200 Hektar Kartoffeln vernichtet, ganz abgesehen von den schweren, aber glücklicherweise nicht hundertprozentigen Schäden ^n Getreide und Futterfrüchten; der Ausfall ,von Ta­bak, der, soweit er im Wasser stand, ver­loren ist, wird noch vom Zollamt festge­stellt werden. Schon schimmerten die sonst goldgelbglänzenden Kornfelder und die im satten Braun dastehenden Weizenäcker grau und schwarz, auf manchem Feld lag das Getreide bereits am Boden, als nun endlich der Himmel ein Einsehen hatte und der Regen nachließ: Sommerlich schwül war wieder die Luft; die Sonne brach durch,-und schon klang des Abends frohes Sensendengeln und des Morgens ratterten die Mähmaschinen über che wei­ten Getreidefelder. Noch rechnet man mit einem mittelmäßigen Ertrag der Ernte, wenn nun das Wetter hält und das Getrei­de trocken eingebracht werden kann. Von Tagesanbruch bis in die Dunkelheit ist der Bauer, aber auch der in den Dörfern eva­kuierte Kehler unterwegs; jener birgt die schweren Garben und dieser liest auf den abgeemteten Feldern die Aehren, die ihm ein zusätzliches Brot geben werden.

Gerade die im Ried und im Hanauer­land evakuierten Kehler — und es hat sich im Verlaufe der letzten Monate wohl der größte Teil im Landkreis Kehl angesam- melt — haben in diesen Wochen alle Hän­de voll zu tun: Einmal hat sich jeder Keh­ ler in der nun bald vier Jahre währenden JEvakuierungszeit ein Stückchen Land an­gepflanzt. das besorgt sein will. Und dann hat die Währungsreform die auf wenige Landgemeinden verstreuten Haushalts­und Tegtilgeschäfte mit Waren angefüllt, die jeder so notwendig braucht, so daß ein reges Suchen nach den allernotwen­digsten Gebrauchsartikeln eingesetzt hat. Jeder sucht seinen Haushalt zu vervoll­ständigen, besonders auch aus dem Grun­de, weil durch das begrüßenswerte Ent­gegenkommen der Besatzungsmacht vie­len Gelegenheit geboten ist, in der Stadt Kehl bei den französischen Firmen Arbeit und Lohn zu finden und demgemäß auch die neue D-Mark rollt.

Wenn auch die ländlichen Tanzveran­staltungen gegenüber früheren Zeiten an Zahl zugenommen haben, so darf man doch mit Befriedigung feststellen, daß der Sinn für die Bedürfnisse -des täglichen Lebens und di* Ausgestaltung des oft sehr primi- : tiven Flüchtlingshaushalts den Hang nach Vergnügungen — der übrigens nach einer so langen Leidenszeit auch verständlich w äre — überwiegt Und diese Beobachtung beetätitgt auch heute wieder, daß der ge­sunde Schaffensdrang des Hanauer® und Riedmenschen, sei er nun ehemaliger Stadt- oder Dorfbewohner, auch» heute er- geblieben ist. Ihm verdankte früher

der Landstreifen am mittelbadischen Rhein seinen bescheidenen Wohlstand und er wird auch in Zukunft den Grundstock für ein arbeitsreiches und genügsames, aber auch für ein zufriedene« Leben bilden.

Beschleunigter Brückenbau in Heidelberg

Der durch die Währungsreform einge­tretene Arbeiterzustrom hat die Baufirma, die den B?u der großen neuen Brücke in Heidelberg durchführt, veranlaßt, eine Zimgjsdachten-Arbeit vorzusehen. Dadurch wird die ursprünglich geplante Bauzeit von zwei Jahren beträchtlich vermindert. Der einzige Mangel herrscht nach wie vor an Facharbeitern, insbesondere Be*ongie- ßern und Eisenbieger. Die neue Brücke, die an die Stelle der fast völlig zerstörten Friedrichsbrücke treten soll, wird als Trä­gerkonstruktion aus Stahlbeton ausge­führt. Während die ehemalige Friedrichs­brücke eine Gesamtbreite von 16 m hatte, wird allein die Fahrbahn der neuen Brük- ke 16,80 m breit werden. Der westliche

Gehweg soll 8 m, der östliche 4 m breit werden. Diese Breite ist deshalb vorgese­hen, um den Besuchern der Stadt von der Brücke aus, einen Ausblick aufs Schloß und Neckartal zu ermöglichen ohne daß der Verkehr gehindert wird. Mit den Vor­arbeiten des Baues wurde Ende 1947 be­gonnen.

Christliche Kulturgemeinschaft Bodensee

Nach einer ersten Vorbesprechung im Oktober 1947 fand jetzt in Ueberlingen die Gründungsversammlung der „Christlichen Kulturgemeinschaft Bodensee” ßtatt, an der eine Reihe interessierter Persönlichkei­ten des Kreises teilnahmen. Der geistige Vater der Gemeinschaft ist Pfarrer Eugen Walter in Lippertsreute , ihr Zweck die Er­richtung u. Unterhaltung eines Schulungs­heimes für die Landjugend. Es ist an eine' Art „Winterschule” für jeweils einen klei­nen Kreis von 30 bis 50 Teilnehmern von zunächst jungen Menschen aber auch von Erwachsenen und jungen Familien gedacht. Träger dieser Einrichtung ist die Katholi­sche Aktion. Sobald die Satzungen durch die Militärregierung genehmigt sind, wird die Gemeinschaft ihre Tätigkeit aufneh­men.

Seminar für Sozialberufe

Für Teilnehmer aus allen Zonen wurde in Karlsruhe ein „Seminar für Sozialbe­rufe“ eröffnet. Als staatlich anerkannte Wohlfahrtsschule wird es in zweijährigen Lehrgängen mit abschließender staatlicher Prüfung intelligente junge Menschen für eine berufliche Tätigkeit in der Gesund­heitsfürsorge, der Jugendwohlfahrtspdlege und der Wirtschafte- und Arbeitsfürsorge vorbereiten. Während der erste ordentliche Lehrgang im Herbst beginnt, ist ein Son­derkursus für Kriegsteilnehmer, an dem auch einige Kriegerwitwen teilnehmen, bereits angelaufen. -sch-

BLICK ÜBER DIE GRENZEN

F r a u e n f e 1 d. Es sei sicher nicht zu weit gegangen, wenn vom Kanton Zürich aus um „weise Zurückhaltung” im Ausbau dos interkan­tonalen Finanzausgleiches gebeten werde, schreibt die „Thurgauer Zeitung”. Es scheine allgemach zur Gewohnheit vieler Eidgenossen zu werden, sich benachteiligt zu fühlen, solange es einem Nachbarn besser geht als ihnen: so benachteiligt, daß es zusammengerechnet als soziale Ungerech­tigkeit und somit als Pflicht des Gesamtstaates au-ssehe, für den Ausgleich zu sorgen. Trotz al­ler föderalistischen Grundsatz-Versicherungen zeige sich diese Schwäche, sobald es ums liebe Geld gehe.

Aarau . „Die sogenannte Verneinungswelle, die sich in letzter Zeit bei Volksentscheiden in allen Teilen des Landes bemerkbar macht, wird von vielen Zeitbetrachtern als ein eigentliches Landesunglück bewertet. Dies trifft jedoch kei­neswegs zu. Denn das Recht zum Neinsagen ge­hört ebensogut zut Demokratie wie jenes zum Jasagen" schreibt das „Aargauer Tagblatt ",

A11 d o r f. Dem Präsidenten der Gesellschaft „Helvetia " in Cordoba in Argentinien wurde vom Regierungsrat gestattet, einen Topf Erde vom Rütli als Symbol der Heimat mitztmehmen.

St. Gallen. „Einer der's nicht wußte” macht in der „Volks-Stimme" darauf aufmerksam, daß in Bregenz gekaufte Waren bei der Zollabfer­tigung angemeldet werden müssen, sonst koste es eine Buße in Höhe des dreifachen Zollbe- trages.

Bern . Bund, Kantone und Gemeinden haben vor dem Kriege rund eine Milliarde Steuern aufgebracht, während es heute rund 2,6 Milliar­den sind. Dieser Mehrertrag ist aus der Besteue­rung von Einkommen und Vermögen aufgebracht worden und nicht aus der Belastung von Auf­wand und Verbrauch. Die erhöhten Einkommen, denen eine nur wenig gesteigerte Kaufkraft ge- genüberstand, fielen unter erheblich höhere Steuersätze. Ohne Steuererhebung schöpfte dei Staat demnach erheblich mehr Steuern ab.

Bellinzona Der Tessin klagt über die mangelnde sprachlich« Assimilation der neuzu- geZogenen Deutschschweizer , die darauf zurück geführt wird, daß die Einwandemden es wirt-

Wlrö öer Wein billiger ?

Der Stand der Reben in Südbaden wird vom Staatlichen Weinbauinstitut als gut bezeichnet *nd läßt einen quantitativ zu­friedenstellenden Ertrag erhoffen. Das kühle Wetter hat das Wachstum zwar ge­stoppt, jedoch wird bei anhaltender Wärme das verlorene schnell aufgeholt werden. Wenn keine Zwischenfälle eintreten, kann durchaus mit einem Herbst wie 1944 oder 1946 gerechnet werden.

Wenn ein erhebliches Nachgeben der augenblicklichen Preise erwartet wird, so hat das folgende Gründe: Die Besatzung wird — so nimmt man in badischen Wein­baukreisen an — bei der guten französi­schen und elsässischen Ernte und den dort geltenden niedrigen Preisen, ca. ein Drittel der Freiste in Baden , den heimischen Wein bevorzugen, so daß sogar eine deutsche Absatzkrise eintreten kann, zumal, wenn eine mengenmäßig ergiebige Ernte zu ver­zeichnen sein sollte. Man werde dann auch in Baden zu der Friedenskalkulation zu­rückkehren, die einen Preis von durch­schnittlich 1.50—2.00 DM pro Flasche zei­tigte. Wenn auch durch die Aufhebung der Rationierung ein erheblich größerer Kon­sumentenkreis wieder erschlossen wird, so ist doch zu beachten, daß durch die bishe­rige gelegentliche Zuteilung der Wein viel­fach in Kreise gelangte, die ihn nur kauf­ten, weil er eben auf Karte geliefert wur­de, und daß diese Käuferschichten in Zu­kunft zum Teil entfallen werden, sobald die Entnahme nicht mehr zuteilungsmäßig erfolgt.

Ernteaussiehten in Südbaden

Ergänzend zu unserem in Nr. 59 erschie­nenen Artikel „Keine guten Ernteaussich­ten“ erfährt unser Freiburger Korrespon­dent von einem Vertreter des Landwirt­schaftsministeriums: Durch den andauern­

den Regen und das Ansteigen des Rheins und der Schwarzwaildflüsse ist Total­schaden vor allen Dingen in’ der Gegend von Müllheim, Lahr und Kehl entstanden, wo Getreide- und Kartoffelfelder bis zu den Aehren und bis zu den Blattspitzen unter Wasser standen. Allein im Bezirk Bühl sind 60 ha Ackerland und 300 ha Wiesen vernichtet, in der Lahrer Gegend sind vor allem die Tabakpflanzungen sehr stark mitgenommen worden. Das Wasser, das hier so hoch stand, wie selbst im Jahre 1866 nicht, machte 250 ha unbrauch­bar. Noch kann der Schaden nicht über­sehen werden, da die Wege noch nicht sichtbar, geschweige denn gangbar sind. Ein großer indirekter Schaden wird durch die Regenfälle auch insofern bewirkt, als die Wildschweine auf die durchnäßten Felder kommen und das Ackerland in großem Maße verheeren. Heuschäden sind hauptsächlich im Schwarzwald zu bemer­ken, wo der zweite Schnitt schon durch­kommt, während der erste zum Teil noch nicht abgemäht oder eingefahren ist. Der Vertreter des Landwirtschaf tsministeriums meinte, daß im allgemeinen eine recht gute Kornernte zu erwarten sei, eine gute Mittelernte bei Weizen und eine schlech­tere bei Hafer. Dagegen sei die Gerste, die an Vielen Stellen direkt niedergewalzt am Boden liege und in den Aehren faule, unter dem Durchschnitt. Die Kartoffel­ernte verspreche gut zu werden.

Karlsruhe . Die reichen Auslagen, die sich seit der Geld Umstellung auf den Ladentischen aus­breiten, verleiteten innerhalb «reuiger Stunden fünf Frauen in einem Warenhaus, Frauenunter- wäsehe zu stehlen. Einer weiteren Ladendiebin konnten achtzehn Ladendiebstähie nachgewiesen werden. -sch-

Kornhc« unö Hahnentanz

Erntezeit am Oberrhein

Brotwarm duftet das Kornfeld. Kornblume und Kornrade, Rittersporn und Mohn leuchten aus den Aedcern, Der blaue Augusthimmel spannt sich über das weite Land. Der Bauer schreitet durch die Flur, zu prüfen, wie weit die Reife gediehen ist. Morgen kann der Schnitt beginnen.

Wind und Wetter haben einen Teil der Frucht zu Boden geschlagen. Nach altem alemannischen Volksglauben hat dies die Kornhexe getan.

Vom Speicher wird das aus grünem Grasge­flecht bestehende Reff geholt: Sense und Futter­faß (für den Wetzstein) werden bereitgestellt. Wintergerste, Roggen und weißer Spelz reifen zuerst; Weizen, roter Spelz und Hafer später. Beim Mähen braucht der Bauer eine „Wegneh- meTin” Von Disteln und Dornen werden ihre Hände und Arme wund; sorgsam breitet sie die Frucht auf der Erde aus. Bei günstiger Wit­terung kann diese bereits am folgenden Tage gehäufelt und gebunden werden. Bei schlechtem Wetter muß die Frucht gewendet werden. Keine Aehre darf dabei zu Schaden kommen. Dem Bauern ist jede Aehre heilig. Me Ehrfurcht vor dem Brot wird jedem Kind tief eingepxägt. Eine weiße Schürze aus handgewobenem Linnen und weiße Aermlinge zieht der Schwarzwaldbauer zum Garbenbinden an. An Stelle der Garben­seile verwendete man früher Roggenstroh, das mit dem Flegel besonders sorgsam gedroschen worden war, zum Binden, dazu „Wieden ", die aus Tannenästen hergestelft waren. Letztere legte man schon etliche Wochen vor der Ernte in Was­ser oder in die Jauchegrube, damit sie weich und biegsam wurden. Auch den „Schaub" — so nannte man das zum Binden bestimmte Roggen­stroh — tauchte man vor dem Gebrauch in den Dorfbrunnen. Wählend ein Kind die Garbenseile bereitlegt, tragen die Mägde und Geschwister die Frucht an: zum Binden. Ein schönes Bild, wenn die Garben in langer Reihe im Acker lie­gen. Mit dem „Brummler“, das ist ein riesiger Rechen, werden die liegengebliebenen Halme ge­sammelt.

Um die Komhexe zu bannen, sprach der Bauer früher beim ersten Sensenschnitt einen Spruch. Vom letzten Acker der gemäht wurde, ließ man einen kleinen Rest stehen. Als Opfer. Es iet ur­alter Bauernglaube, daß Begum und Ausgang der Ernte den Gewalten unsichtbarer Geister unter­worfen sind: Kornhexe, Bilmesschnitter, Roggen­muhme sind solche Naturdämonen. Bewegt der Wind das blühende Roggenfeld, dann wühlen die wilden Säue ira Korn oder deT Wolf ist darin. Der Bauer sagt; das Kom rammelt; di«

Halme paaren sich. Eine mythische Wlelt sind die Korngeister. Sie sitzen im reifen Kornfeld und lauern auf die Kinder, die der Mutter nicht gehorchen. Hexen tanzen und lispeln im Korn. Kornmännlein schlüpfen durch die Halme. In der Pfalz sitzt der Kornvater im Roggen, der Kornickel holt das ungehorsame Kind. Die Kom- mutter, die Hex’, die lange Eis fangen, was sich im Korn bewegt.

Den letzten Garbenwagen schmückte man mi t Blumen. An dem auf den letzten Emfelag fol­genden Sonntag feierte man die „Sichelhenke". Der Name stammt noch aus der Zeit, wo alles Getreide mit der Sichel gemäht wurde. Am Tag der Sichelhenke kamen die Sicheln wieder in den Speicher. Ah diesem Tag ging ds hoch her. Es wurde gegessen und getrunken nach Herzenslust. Wer bei der Erntearbeit beteiligt war, wurde zum Fest eingeladen. Dabei durfte auch der Tanz nicht fehlen. Während man im Kinzigtal einen Hammel austanzte, war in den Dörfern der BaaT der Hahnentanz üblich. Meser fand nicht im Wirtshaus, sondern in einer Scheune statt. Me Musikanten hieß man die „Brotisgieger", des heißt die Bratengeiger, weil auch sie am festlichen Mahle, bei dem der Braten eine beson­dere Rolle spielte, teilnahmen. Ueber den tan­zenden Paaren war auf einem BTettehen ein Was­serglas aufgestellt. Gelang es einem Tänzer, das Glas dreimal dadurch umzustoßen, daß er seine Tänzerin im Tanz entsprechend hoch hob, so ge­hörte der als Preis ausgesetzte Hahn dem Paar. Der Hahn wurde geschlachtet und verzehrt.

Mancherlei Volksglaube knüpfte sich auch an die letzte Garbe. Wurde sie klein, so bedeutet dies für den Bauern eine in Aussicht stehende Wiege. Einer schwangeren Frau bringt die letzte Garbe Glück. Am Neckar heißt die letzte Garbe, wenn sie groß ist die „Alte", wenn sie klein ist „Bock".

Der Getreideernte folgt das Oehmden, das Einbringen des zweiten Grasschnittes. Inzwischen ist das Obst reif geworden. Das Obst wird ge­erntet. Nach neuem süßen Apfelwein riecht es in allen Dörfern am Oberrhein. E. Baader

Bäuerliche Wohnräume

li. Unsere bäuerlichen Wohnräume verlieren seit Jahrzehnten immer mehr ihren ländlichen Charakter, ln vielen Wohnstuben mußte der Tisch seinen Ehrenplatz im Hergottswinkel-Eck verlassen und auf irgend eine Seite oder gar in die Mitte der Stube wandern. Ab und zu hat sich in der niederen Stube sogar noch ein moder­nes Büffet breitgemacht und verhindert rück­sichtslos das Oeffnen der Fenster. Me Wand- und Ofenbänke mußten gehen unö gepolsterte

Stühle kamen. Das gute alte Lederkanapee wur­de durch ein Sofa oder gar durch eine Couch ersetzt. Me alte treue Wanduhr, die an und für sich noch recht gut und pünktlich war, hatte als zu altmodisch ausgedient und an ihre Stelle trat irgend^ ein „ruhigerer,^ dafür aber klang­vollerer" Regulator. Sogar unsere schönen bun­ten Allgäuer-Teppiche mußten als zu scheckig uod „bäuerlich" weichen und etwas Salonfähige­res wurde hingelegt. Dabei aber hielten sich bil­lige, süßliche Druckbilder, wie deT gestellte Wil­derer, eine „pittoreske" Gebirgslandschaft mit Bergsee und Kahn und bezwungenem Hirsch, den Vierwaldstättersee mit Tellskapelle und Bristen- stock — vielleicht ein altes Andenken an eine Einsiedeinfahrt — oder Baumschwämme, die Fel­sen darstellen sollen und auf denen Hirsche und Gemsen, stammend aus der Weihnachtskrippe, kuraschiert und' schwindelfrei herumkraxeln un­ter der Obhut eines bestockten und schneidigen Jägers, oder die bunten Kunstblumen, die weiß Gott wie schmuck über eine Seite des Spiegels herabhängen oder die Pfauenfedern, deren grüne Augen von den Tafeln hemiederblicken. Um die Jahrhundertwende hielten die damals — ach — so herrlichen Möbel auch in den Bauernhäusern ihren sieghaften Einzug. E6 waren dies Bettladen und Kästen mit den „wunderbaren" Aufsätzen und vielen Kugeln und sonstigen schwülstigen Verzierungen. Inzwischen mußten diese Aufsätze und Kugeln wieder gehen — die Kugeln viel­leicht in ein Kegelspiel —, weil diese Zieraten immer mit zu viel Staub verziert waren.

Es ist deshalb endlich notwendig, wieder zu den guten alten, gediegen bemalten, Bauernmöbeln zurückzukebren. Form und' Bemalung können gut der neuen Zeit angepaßt, das heißt, „zeitlos“ gehalten weiden. Das Zeitlose wird immer ge­fallen und kommt am billigsten. Edelweiß-, Al­penrosen- oder sonstige Blumen-Motive, Blumen, die also hier nicht daheim sind, sind zu vermei­den und unsere schönen Garten- und Feldblumen sollen zu Ehren kommen. Auch das Lederkana­pee soll wieder in unsere Bauernstube kommen, denn es ist zweckmäßiger als das Plüschsofa. Heute fluiden wie in vielen sogenannten besseren Häusern wunderschöne Bauernstu­ben und in vielen Bauernhäusern halbe Herrschaftsräume. Wie paßt das zusammen? Je­denfalls ist gegen eine echte Bauernstube in ei­nem Herrschaftshaus nicht einzuwenden, aber gegen städtische Möbel in einem Bauernhaus. Wir können also sagen: Eine echte Bauernstube ist etwas Schönes, sonst wäre sie in vielen Herr­schaftshäusern nicht aufgenommen worden. Wa­rum soll sie aber das Bauernhaus, wohin sie ei­gentlich gehört, ablehnen? T.H.

schaftlich nicht nötig haben, sich dem Volkstum ihrer Umgebung anzupassen. Me gleiche Erschei­nung zeige sich im Berner Jura , während in Genf der Lebenskampf die zuziehenden, vor­nehmlich kleinen Leute zwinge, sich umzustellen.

Salzburg . „Wir rechnen es uns als edle Tat an, wenn wiT deutsche Vertriebene, Männer, Frauen und Jugendliche, als Hilfsarbeiter ihr Brot verdienen lassen, wenn wiT ihnen gestatten, die schwersten Arbeiten zu verrichten, für die sich kaum Oesterreicher finden. Vor mehr scheuen aber die meisten unserer Aemter zu­rück", schreiben die „Salzburger Nachrichten ". Eine Masse Rechtloser könne sich kein Staat leisten, man müsse Schluß machen mit der Lüge und sich auf die Seite jener Menschen stellen, denen unter der Aegide der Atlantic-Charta bit­terstes Unrecht zugefügt wurde.

Dr. Curtius, der frühere deutsche Außenmini­ster, habe einst den Fehler begangen, die Zoll- Großiaumidee statt bei Frankreich , bei Oester­reich zu beginnen, oder bei „Deutschösterreich", wie er in Hi tierischer Art in seiner Broschüre „Bemühung um Oesterreich" schreibe. Sie atme heute noch eine gefährliche Anschlußideologie, meint der Chefredakteur der „Salzburger Nach­ richten “.

Salzburg . Bayrische Arbeiter, die in Oesterreich tätig sind, können nunmehr von dort Lebensmittel zollfrei einführen.

Salzburg . Allmählich passe sich auch' die amerikanische Militärregierung in Oesterreich den althergebrachten europäischen Rechtsgrund­sätzen der Habeas-corpus-Akte an, wie sie dies in Deutschland schon vor längerer Zeit getan hat, — schreiben die „Salzburger Nachrichten ".

Im Schwarzhandel werden für eine D-Mark fünf Schillinge geboten. Leute, die dringend Deutsche Mark . brauchen, zahlten aber bis zu zehn Schillingen ; doch machen eich bereits rück­läufige Tendenzen bemerkbar. Der Schmuggel verläuft beute vielfach in umgekehrter Richtung wie früher.

Linz . 24 Millionen Tonnen Braunkohlen soll ein neuentdecktes Kohlenlager im Inn -viertel ber­gen. Der Heizwert soll nahe an den der Föhns- dorfer Braunkohle heranreichen.

Linz . Die DDSG beabsichtigt, die täglichen Kohlentransporte von Regensburg ab auf 3500 bis 4000 Tonnen zu erhöhen nnd möchte auf der Rückfahrt Kunstdünger nach Deutschland mitneh- men, da die Linzer Stahlwerke ihre Erzeugnisse mit Bahnfracht versenden.

Linz . Me Öberösterreichische Landesregie­rung sah sich veranlaßt, bis auf weiteres sämt­liche Nutzen eh transporte in andere Bundesländer einzustellen, da die Fleischrationen nur durch den saisonbedingten Mehranfall von Kälbern ge­halten werden konnten.

Der in der Nazizeit zerstörte Gedenkstein für die seinerzeit bei St. Florian verunglückte Gat­tin von Dr. Schuschnigg, wurde wieder aufge­baut und feierlich eingeweiht.

Der britische Oberktmumandierende bedankte sich in einem Schreiben für die Sicherheitsmaß­nahmen anläßlich des Besuches von Feldmar- schall Montgomery und lobte die Ausstattung, Wirksamkeit und Schneidigkeit der österrei­chischen SicheTheitsorgane.

Kleinrentner erhalten eine doppelte August- Rente — eine Vorauszahlung auf die vorge­sehene Rentenerhöhung für August bis Oktober.

SCOroeftOeutfche Umfchau

Konstanz. Das bespnders in wissenschaftlichen Kreisen bekannte Konetanzer Rosgartenmuseum Ist am Sonntag, den 25. Juli erstmals seit sechs Jahren wieder der Oeffentlichkeit zugänglich ge­macht worden. Nach monatelanger Arbeit wurde das Museum einer teilweisen Renovierung und einer Sichtung des Materials unterzogen.

Fretburg i. Br. 100.- DM als einmaligen Zu­schuß erhielten die unbezahlten Assistenzärzte der Fireiburger Universitätskliniken vom südba­dischen Kultusministerium. Von den 396 in Süd­baden tätigen Assistenten werden nur 150 tarif­mäßig bezahlt. tl6 erhalten freie Station oder „Pflichtassistentengehalt" (50.- DM). Me rest­lichen 130 Aerzte arbeiten ohne jedes Entgelt. — Me Jungärzte beantragten die Einführung des „Marburger Bettenschlüssels" i ein bezahlter As­sistenzarzt und ein bezahlter Volont&rarzt für je 30 Betten. Dadurch könnten sofort 120 Aerzte in Südbaden eine bezahlte Stellung erhalten. Einen Antrag, die Regierung möge eich des Aerzte- Problems annehmen, unterstützten alle Fraktio­nen des südbadischen Landtags

Freiburg . Der Fortgang der Entnazifizierung in Südbaden läßt nach Aeußerung an zustän­diger Stelle erhoffen, daß bis zum Ende des Jahres die Säuberung bis auf einen geringen Rest dunhgefühTt sein wird.

Offenburg . Ein , großer Transport deutscher Flüchtlinge aus Dänemark , in der Mehrzahl äl­tere Männer, Frauen und Kinder, traf in Offen- buxg im Umsiedlerlager Holderstock ein. Die Verteilung erfolgt auf die einzelnen südba­dischen Landkreise.

Baden-Baden feiert in diesen Tagen das 50- jähiige Jubiläum der Einführung elektrischer Stadtbeleuchtung. Eigentlich war dies im ein­stigen Weltbad nichts neues, denn die großen Hotels hatten schon vorher 6ich eigene Zentra­len ihrer Stromversorgung angelegt. Mittlerweile ist manches anders geworden. Heute liegt der Strombedarf über 100 Prozent höher als vor dem Krieg. Me Stadtweike sind oft in einer schwie­rigen Lage, zumal ein Teil der Stadt Gleichstrom erhält, während im anderen Drehstrom verwen­det wiTd und auch die Spannungen verschieden sind. In den vergangenen fünf Jahrzehnten wur­den dauernd Erweiterungen durehgeführt, und man hofft, durch Inbetriebnahme eines zweiten Gleichrichters die Stromversorgung im kommen­den Winter besser gestalten zu können. Rr

Karlerobe. Um sich in den Besitz einer Näh­maschine zu setzen, lodeten der 29jährige Willi Lorberg und der «jährige Kurt Merz den Schnei­dermeister Keck in den Hardtwald und schlugen ihn mit einem Beil und einem Gummikabel nie­der. Keck wurde so schwer verletzt, daß er starb. Unmittelbar nach der Tat holten sich die beiden Täter aus der Wohnung des Ueberfallenen die begehrte Nähmaschine. Jetzt standen aie vor der Karlsruher Strafkammer, die Lorberg wegen Mordes in Tateinheit mit schwerem Raub und Unterschlagung zum Tode. Merz zu zwölf Jah­ren Zuchthaus verurteilte. -ech-

Karisruhe. Im Alter von 77 Jahren verstarb der in Zweibrücken geborene, seit langem in Karlsruhe ansässige Bildhauer Wilhelm Kollmar . Et hatte die Karlsruher Akademie besucht und lebt im Stadtbild vor allem durch seine Putten auf dem Haydsr-Platz fort. -sefc-

Heideiberg. Bei einer Explosion im Labor-Dr. Schenk in Heidelberg wurde die Produktion ei­nes halben Jahres an chemischen Präparaten vernichtet Me Explosion entstand durch Fahr­lässigkeit eines Studenten, der dabei schwere Brandwunden devontrug. Der entstandene Brand konnte bald gelöscht werden

Landau . Im nahen Edesheim ist «in großer Reblausberd festgestellt worden. Es ist bereits eine Gesamtfläche von 10—15 Morgen verseucht. Da die Reblaus nur durch die Beseitigung der verseuchte# Hölzer, einjährigem Ausruhen des Bodens nnd Neuanpflanzung ausgerottet werden kann, ist dar entstanden« Schaden sehr batridsk lieh.