Donnerstag, 12. Mai 1946
SUDKURIER
P
Nr. 56 / Seite 4
Im Gewölbe eines Kellers fing es an...
Vor 25 Jahren fand Bade^ Anschluß an den Rundfunk
Wenige, die heute Rundfunk hören, denken wohl daran, daß es den Rundifunk in unserem südwestdeutschen Raum vor einem Vierteljahrhundert noch nicht gab. Audi vom Fernsehen wußte man damals noch nichts. Welch gewaltige, geradezu revolutionierende Wirkung ist seitdem von dieser Erfindung ausgegangen. In ihrer weitreichenden Bedeutung Viur mit (der Erfindung der Buchdruckerkunst zu messen.
Am l'l. Mai 1924 eröffnete als 6. Sender im Reich — nach Berlin , Hamburg , Leip zig , Frankfurt und München — auch Stuttgart seinen Betrieb. Und in seinem Bereich lag auch Baden und das Elsaß . Alles war damals noch bescheiden und einfach: Die Sendeeinrichtungen, die Empfangsapparate und das Programm. Der erste Stuttgarter Sender, ein 1,5 kW Telefon lesender befand sich im einstigen Proviantamt auf der Prag in Stuttgart , der Aufhabmeraum im Tonnengewölbe des Kellers eines früheren Hotels in der Stuttgarter Friedrichstraße. Um Außengeräusche und Eigenschwingungen zu vermeiden, waren die Wände mit einer Polsterung versehen, von der Decke hingen Soffiten, der Fußboden war mit Teppichen belegt. Die Ausstattung des Raumes bestand aus einem Flügel, ein paar Stühlen und dem sogenannten Kohlenmikrophon. Daneben befand «ich der Verstärker- und ein Warteraum für die Künstler. Eine doppelte Femsprechleitung verband Aufnahmeraum und Sendeanlage. Im Dachstock des einstigen Hotels hauste in zwei kleinen Zimmern die Verwaltung.
Im Parterresaal des heute in Trümmer liegenden Stuttgarter Neuen Schlosses saßen an jenem Maisonntagmorgen die geladenen Gäste vor ein paar trichterförmigen, an Grammophons erinnernde Laut-
Verfoindung zwischen den beiden Ländern, jetzt durch den Rundfunk gelang. Vielleicht ist er damals aber doch sau optimistisch gewesen?
Der Sendelbetrieb ergab bald, daß Baden an vielen Stellen gar keinen oder nur schlechten Empfang hatte. Vor allem in’der Freiburger Gegend und im Bodenseegebiet war infolge der Abschirmung durch den Schwarzwald der Stuttgarter Sender nur schlecht zu hören. Das drückte sich auch in den Hörerzahlen aus; denn unter den 19 000 Hörern in den ersten Monaten des Sendebetriebs waren nur rund 1700 aus Baden . Das wurde erst langsam besser, als 1926 der Freiburger Zwischensender im Dachstock der Städtischen Gewerbeschule mit Aufnahme- räumen im Proviantamt der ehemaligen Artilleriekaserne und der neue, Ende September 1925 eröffnete, größere Sender in Stuttgart-Degerloch erstand. An einem Tag in der Woche gab Freiburg ein eigenes Programm. An den übrigen Wochentagen erfolgte die Uefoertragung der Stutt garter Sendefolge. Im Telegraphenamt in Mannheim und in der ehemaligen Küche
Stuttgart nach Freiburg diente ein einfaches. später ein pupinisierte* Fernkabel. Mit der Verbesserung der Aufnahmegeräte, der Eröffnung des Mühlacker Großsenders im Frühjahr 1934 waren die Kinderkrankheiten des Rundfunks kn südwestdeutschen Gebiet ziemlich überwunden. Schrittweise erfolgte der weitere Aufbau.
Nach dem Zusammenbruch traten, im südiwestdeutschen Raum wesentliche Aen- derungen ein, dadurch, daß die französische Besatzung mit dem 31. März 1946 ein eigenes Rundfunknetz auflbaute, das vom Südwestfunk betrieben wird und fünf Sender in Freiburg , Baden-Baden , Kai serslautern , Koblenz und Saarbrücken umfaßt. Infolge der nicht ganz überwundenen störenden Einflüsse des Gebirges des Schwarzwaldes und der verhältnismäßig geringen Stärke des Freiburger Senders, wurde für Südwürttemberg und das Bodenseegebiet in Sigmaringen ein weiterer Sender errichtet und am 15. November 1946 in Betrieb genommen. Stutt gart mußte nach der Zerstörung der Mühlacker Anlagen Im Frühjahr 1945 und auch der Stuttgarter Aufnahmeeinrichtungen neu aufbauen. Im früheren Telegraphenbauamt in der Neckarstraße befindet »ich heute das Studio; man ist aber
Zur Förderung der freien Forschung
Finanzhilfe für die wichtigen Institute in Württemberg-HohenzoMern?
Sprechern und lauschten den Festreden | aus anfamjt. Und sie faßt — sehr zeitgemäß —
und den ersten musikalischen Darbietungen, unter denen immerhin schon sich Muäiker wie Pfltzner und als Sänger ein Rehkemper befanden. Es war trotz aller Kinderkrankheiten ein eindrucksvolles Ereignis. Gefesselt vom Gebotenen saß man in jener ersten Zeit mit den übergestülpten Kopfhörern stundenlang vor dem selbstgebastelten Detektor — ein guter Apparat kostete damals bis zu 20 000 RM —. und lauschte den Tönen, die anfangs nur von 16.30 bis 18 Uhr und dann wieder von 20.30 Uhr aus dem Aether erklangen. Um 23 Uhr gingen die Rundfunkkünstler zu Bett.
Der Aufsichtsratsvorsitzende der damaligen Süddeutschen Rundfunk.A.G., Kommerzienrat Wannen, meinte in seiner Eröffnungsansprache, daß, was seither von Politikern zwischen Württemberg und Baden schon oft angestrebt und nicht erreicht worden sei, nämlich eine engere
des Erbgroßherzoglichen Schlosses in i daran, in der Villa Berg , einem früheren Karlsruhe bestanden eigene Besprechungs- I Schloß, neue und größere Funkräume zu stellen. Für die Uebertragungen von ' schaffen. rz.
Bei sich selber anfangen!
* Starkes Interesse für „Moralische Aufrüstung ” in Freiburg
oder sah man nur eine allzu naive S1 mfp’lBfizierung eines schwierigen Tatbestandes, der die Situation unserer Welt heute überall beherrscht? Diese Bra -ge Hefte sich <famn erst beantworten, wenn man die bessernde Würkiumg des Spieüs fe<st- steüüen könnte. Und da« wäre wohl fürs erste noch! au viel verlangt. Jedenfalls wer man beeindruckt.
Während der letzten Monate trat die Gruppe im Ruhrgebiet auf. und «in Telegramm des Mi- nisterpräisndenten von Nordrhein-Westfalen , das au Beginn verlesen wurde, bewies, daß man auch dort große Beachtung und Anklan<j fand. In Freiburg stellte sich der süd'badisxhe Staatspräsident Wohieb persönlich in den Dienst der guten Sachte 'und hielt eine einführende Ansprache für die Oauix-leute, denen es, wie €t sagte, in der in Ismen und Ideologien erstarrten
'Die Botschaft, die den Menschen guten Willens Frieden auf Erden verheißt, ist keine neu« Errungenschaft unserer Zeit. Aber unsere Zeit scheint es in besonderem Mefte notwendig zu machen, daß sie aufs neue und auf eine neue Art i verkündet wird. Was die Caux-Bewegung irat J ^Moralische Aufrüstung” meint, ist wohl Im ! Grunde nichts anderes: Seid fri'e'dHidi, versteht einander und zeigt guten Willen, indem Ihr mit dem Frieden und dem Verstehen von Buch selber
ihre Absicht, das verzerrte Bild der Zeit und des Menschen zu wanddln, in einer Art Ideologie zusammen
Man hatte nun and» im Südwesten Gelegenheit. sich von der ehrlichen Hingabe zu über zeugen, mit der die deutsche Gruppe der Cauoc-« Bewegung ihire Sache vertritt. Und das zerstreute
viel von den Bedenken, die man mit Recht gegen I Welt wie uns allen doch nur darum gehe, zum
jede ideologische Form, auch wenn es sich ausdrücklich um eine Ideologie des Guten handelt, hegen mag. Die deutschen Canuc-Anhänger führten im Ca«ino-Theater in Fredbungi, das bis zum letzten Stehplatz gefüllt war, das Schauspiel „Der vergessene Faktor” auf. Bin bracves, hausgemachtes Stüde . Es handelt davon, wie ein Fabrikherr und ein Gewerkschaftsführer, beide mit erzbösem Haß aufeinander geladen, durch Vermittlung des Eafori'kherren-Sohnes zu einer Aussprache von Mann zu Mlaun und zum gegenseitigen Verstehen kommen- Ein Laienspiel, das durch die Unmittelbarkeit der Darstellung anspridit und keiner künstlerischen Kritik zu begegnen braucht. Es ging ja nur darum, zu zeigen, daß es eigentlich eine ganz einfache Saehi^ sein kann, einander zu verstehen, auch wenn man die gegensätzlichsten Interessen zu haben scheint. Ist dies gelungen
Frieden mit uns selbst zu kommen und das Grausige zu bannen, das in der Luft liege. Im Anschluß an die Aufführung stellten sich Anhänger der Gaux-Bewegumg aus aller Welt vot, die mit wenigen Worten von der Wandlung erzählten, die die Botschaft von Cauac in ihnen bewirkt halbe. Der Abend schloß mit angeregten Es erschien uns angebracht, über dieses auf jeden Fall sehr begrüßenswerte Ereignis mit einigen kritischen Vorbehalten zu berichten. Und zwar nicht, um der Sache Abbruch! zu tun, sondern um sie damit vielleicht, sogar zu fördert; Daß sich der Gedanke der moralischen Aufrüstung immer weiter verbreitet, ist nur zu wünschen. Und daß dies mit einer noch) größeren Eindringlichkeit geschieht, wäre wohl eine lohnende Aufgabe für eine gültige künstlerische Gestaltung.. -fter.
D8« allernächste Zeit wird entscheiden, ob der am 24. 3. 1949 in Königstein von den Rutltur- und FinanznüniS'tern der drei westlichen Zonen beschlossene Staatsver- trag über die gemeinsame Finanzierung der wissenschaftlichen Forschungsinstitute mit überregionalem Wirkungsbereich von den Ländenparlamenten ratifiziert wird. Nach der Annahme würde er für die Dauer von fünf Jahren rückwirkend vom 1. 4.1949 an in Kraft treten. Es besteht wohl kein Zweifel, daß Regierung und Landtag von Württemberg-Hohenzollem, die sich in den nächsten Tagen damit zu befassen haben, diesem Projekt zustimmem werden.
Durch die während des Krieges erfolgte Verlagerung einiger Kaiser-Wilihelm-Insti- tute von Berlin-Dahlem nach Tübingen , Hechingen und Tailfingen stand Württem- berg-Hahenzollern nach dem Zusammenbruch vor der Auifgäbe, das Fortbestehen dieser für die freie Forschung eminent wichtigen Einrkhbungen durch entsprechende Finanzierung zu garantieren. Da die sehr provisorische Unterbringung besonders der Kaiser-Wilhelm-Xnstitute für Biochemie und Biologie Bauvorhaben notwendig machte, mußten große Summen aufgebracht werden. Eine annähernd ausreichende Unterstützung der Kaiser-Wilhelm- Institute für ausländisches und internationales Privatrecht, Biologie und Biochemie und des Gmelin-Institutes für anorganische Chemie, alle im Tübingen , des KW- Institutes für Physik in Hechingen , der Forschungsstelle für Physik der Stratosphäre in Weissenau und des Instituts für Seenforschung und Seemibewirtschafturag in Langenargen hätte im Jahr 1949 dien Staatshaushalt mit über 2 Mill. DlM (über 2 DM pro Kopf der Bevölkerung!) belastet, weit mehr also als alle anderen Länder für derartige Zwecke bereitstellen.
Bei Durchführung der Gesamt-Länderfinanzierung brauchte Württemberg-Hohen- zo'fflern nur noch rund 400 000 DM für Forsdilungsaufgaben atufzubrimigien. Andere Länder dagegen, insbesondere Rheinland- Pfalz und Nordrhedn-Westfalen, hätten wesentlich mehr als bisher zu zahlen, während für das mit Instituten reich gesegnete Niedersachsen ei.ye große Erleichterung eintreten würde. Natürlich soll'len nur solche Forschungsstätten in diese gemeinsame Finanzierung einbezogen werden, deren Wirken von größerer Bedeutung ist und deren ZusKhußbedarf im unangemessenen Verhältnis zur Leistuwgekraft des Sitzlandes steht. Der Gesamtzuschiußbedarf aller dieser Einrichtungen beträgt für 1949 über 20 Mill DM, davon entfallen auf die Forschungsinstitute der Max-Plank-Gesell schaft (die sich in der Bizone nach der praktischen Auflösung der auch im Ausland rühm liciKst bekannten Kaiser-Wilhelm- Gesellschaft in Göttingen konstituiert hat)
allein 12 MUL, auf die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft 2 Mill. DM. Die ajufeubringenden Gelder Sofien zu zwei Dritteln im Verhältnis zur Steuereinnahme des Landes und zu einem Drittel im Verhältnis zur BevölikerungszaWl umgelegt werden. Die Annahme und Durchführung des Staatsab/kommens wurde einen großen Schritt weiter für die deutsche wissenschaftliche Forschung, für die ja fast nur noch die öffentliche Hand als Geldgeber bleibt, und eine spürbare Erleichterung für die Finanzen Südwürttembergs bedeuten.
Bayerns Journalisten-Nachwuchs
Eine Münchner Zeitung hatte in ihrer Lehrredaktion Freiplätze für die Ausbildung junger, begabter Journalisten bereitgestellt. Von 1700 Bewerbern kamen 91 in die engere Wahl, du? einer schriftlichen und mündlichen Prüfung unterzogen wurden Die 87 zukünftigen Journalisten, die von den 91 ausgewählten zur Prüfung erschienen waren, benahmen sich recht unterschiedlich bei dem Examen im Sitzungssaal des Bayerischen Wirtschafts- ministeriums. Einige versuchten durch Blenden über ihr mehr als mangelhaftes Fundamen ta 1 wi s sen hinwegzutäuschen,
andere wollten durch verschiedene leicht durchschaubare Tricks die Examinatoren (unter denen sich ein Vertreter der Militärregierung und Redakteure der „Süd deutschen Zeitung “, des „Münchener Mer kur “, der „Abendzeitung “ und anderer führender Blätter Bayerns befanden) zu bluffen; wenige bewiesen Sachkenntnis und echtes Talent. Nur einer der Prüflinge erkannte richtig aus den dreißig ausgestellten Portraits bekannte Persönlichkeiten aus Geschichte und Gegenwart (einige hielten Carlo Schrnid für einen Heldentenor, Nofretete für Greta Garbo , Hundbammer für den Negus!).
Endlich fand man doch, nach langem Kopfzerbrechen, die zwanzig Kandidaten heraus, die der Freistellen würdig sein sollten.
Schwerkriegsbeschädigte werden uxngeschult
a. Am 31. Ma'i 1949 beginnt der fünfte achtwöchige Umschulungslehrgang für Schwerbeschädigte zum Schweißer bei der Umsehülungswerkstatt des Ev. Hilfswerks in Goslar . Es wird hier allen Schwerbeschädigten — ohne Rücksicht auf die Konfessionszugehörigkeit — Gelegen it geboten, sich eine Lebensexistenz zu schaffen. Die Kosten für die Umschulung tragen in der Regel die Hauptfürsorgestellen, die auch für die Dauer der Umschulung Unter- ha'ltszuschüsse an die Familien zahlen. Meldungen an die Umschulungswerkstatt für Schweißer der Schwerbeschädigtenhilfe des Ev. Hilfswerks und der Inneren Mis- sion, Goslar/Harz. Domkaserne.
Verantwortlich: i. V Willy Häusler
Gehemmte Textilindustrie
Fehle« gelernter Arbeitskräfte, unsichere Rohstoffversorgung, mangelnde Kaufkraft
Nach groben Anzeichen scheint die Textilindustrie von dem Koni unkturabfall nach dem Weihnachtsgeschäft verschont worden zu sein. Es wird immer noch ein guter Geschäftsgang gemeldet, auf Messen und Ausstellungen ist die Nachfrage nach Textilien rege. Doch dürfen diese Meldungen nicht zu dem Glauben verleiten, daß auf dem Textilsektor die Umschichtung vom Verkäufer- zum Käufermarkt vorläufig noch nicht diskutabel sei. Aus der letzten Verarbeitungsstufe, der Konfektion, kommen bereits Mitteilungen über die wachsende Kritik des Käufers. Es wird heute nicht mehr alles gekauft, fehlerhafte Ware, was vor Weihnachten noch ausgeschlossen war, zurückgegeben, Kollektionen werden verlangt.
Auch auf dem Textilmarkt kommt man zu der Erkenntnis, daß die Nachfrage keineswegs vom Bedarf, sondern zuerst von der Kaufkraft der Bevölkerung abhängt. Wer aus dem durch dis Kriegszeit bedingten hohen Nachholbedarf ein lang« andauerndes gutes Geschäft prophezeit hatte, der sieht sich heute getäuscht. Der Textilbedarf der deutschen Bevölkerung ist heute noch keineswegs gedeckt, doch wegen der zu schwachen Kaufkraft können auch dringende Bedürfnisse nicht befriedigt werden. Dazu kommt, daß in immer stärkerem Maße auf Grund von Handelsverträgen Textilien (Fertigwaren) nach Deutschland eingeführt werden, die zu einem großen Teil in Preis und Qualität die deutsche Konkurrenz schlagen. Der Umrechnungskurs für die Mark zeigt hier nun auch auf der Einfuhrseite seine Schwäche, da er die Preise der ausländischen Konkurrenz nicht in das richtige Verhältnis zu den deut schen Inlandspreisen bringt und so die Schwierigkeiten der deutschen Industrie noch erhöht
Je mehr man sich bei der Betrachtung der Textilindustrie von den konsumnahen Verarbeitungsstufen entfernt, desto mehr verlagern sich die Schwierigkeiten vom Absatz auf die Produktionsseite. Seit der Währungsreform konnte die Produktion in der französischen Zone um ungefähr 30—60% erhöht werden. 700 000 Baumwollspindeln (bei 800 000 betriebsfähigen) stellen 1,6 Mill. kg Garn im Monat her, das von 16 000 Webstühlen (21 000 Stühle sind einsatzbereit) zu ca. 7 MilL Meter Stoff verarbeitet wird. In den Seidenstoffwebereien arbeiten 4500 Webstühle (6000 sind betriebsfähig) und stellen 1,4 MilL Meter Seidenstoff her. In der Bastfaserindustrie sind 1200 Webstühle eingesetzt. Der vollen Ausnutzung der Spinnereien und Webereien stehen noch verschiedene Schwierigkeiten entgegen. Vor allem macht sich der Mangel an gelernten Arbeitskräften in den Zentren der Textilfabrikation, wie z. B. im Wiesental, noch sehr unangenehm bemerkbar. Die Arbeitsleistung dagegen hat nach der Währungsreform wieder den Nachkriegsstand erreicht. Die unsichere Rohstoffversorgung ist ein weiterer Faktor, der eine ausreichende Produktionsleistung verhindert. Zwar sind für die französische Zone für das zweite Halbjahr 1949 auf Grund von ERP-Krediten
I Rohstoffeinfuhren in Höhe von 8 Mill Dollar und mit Hilfe anderer Kredite Rohstoffim- ’ Porte im Werte von 9 Mill. Dollar vorge- ! sehen. Doch werden diese Mengen so un- ! regelmäßig zugeteilt, daß die Spinnereien einmal wegen Rohstoffmangel vor einem Leer- i lauf stehen, sich um Lohnaufträge aus der I Doppelzone bemühen, mit denen sie dann wieder so ausgelastet sind, daß sie plötzlich anfallende Rohstoffimporte für die französische Zone nicht verarbeiten können. Dazu kommt, daß die Spinnereien überhaupt einen Engpaß darstellen. In der französischen Zone beträgt das Verhältnis von Garnerzeugnis und Gamverbrauch immer noch eins zu drei. Doch sind bei Schaffung des trizonalen Raumes, nach Eintreffen vorgesehener Gamein- 1 fuhren und durch Steigerung der Kunstsei- j denproduktion Erleichterungen auf diesem I Gebiet zu erwarten. Im Augenblick ist die Lage auf dem Garnsektor noch sehr angespannt und die Industrie selbst fordert hier j noch die Beibehaltung der Bewirtschaftung, v I
Kurzmaldungen
Auf Grund der Preisentwicklung in den letzten Monaten hat die Verwaltung für Wirtschaft die Anordnung über den Aushang von Preisspiegeln aufgehoben, da infolge des Wettbewerbs die Preise, besonders für Konsumgüter, teilweise erheblich unter den in den Preisspiegeln festgesetzten Stand gesunken seien.
Nach Ansicht der Tabakindustrie kann die französische Zone nur konkurrenzfähig bleiben, wenn sie in zunehmendem Maße ausländische Tabake verarbeitet um Zigaretten auf den Markt zu bringen die denen der Doppelzone in Geschmacksrichtung und Qualität gleichkommen.
Auf Grund der diesjährigen Einkäufe und Verschiffungen dürfte die Versorgung der westdeutschen Zigarrenindustrie mit Auslandstabaken bis Anfang nächsten Jahres gesichert sein.
Die Wirtschaftsverwaltung der Doppelzone soll dem Zweimächtekontrollamt den Entwurf eines Handelsabkommens mit der Ostzone vorgelegt haben, der als Grundlage für die demnächst in Frankfurt beginnenden Besprechungen über die Handelsbeziehungen West- und Ostdeutschlands dienen könnte.
Unter zahlreicher Beteiligung veranstalteten die EDEKA -Genossenschaften des Verbandsbezirks Südbaden/Südwürttemberg am 8. Mai in Neustadt im Schwarzwald ihren ersten Bezirkstag seit dem Zusammenbruch- Die Tagung stand im Zeichen der wachsenden Bedeutung des genossenschaftlichen Gedankens im privaten Lebensmittelhandel. Die geschäftliche Entwicklung war bei den gegenwärtig 210 Genossenschaften mit 22 000 Mitgliedern in den letzten Jahren durch steigende Umsatzziffern gekennzeichnet. Für 1948 ist eine Umsatzsteigerung von 67% gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Der durchschnittliche Umsatz pro Mitglied stieg von 11263 im Jahre 1947 auf 17 864 Mark im Jahre 1948, woraus sich ergibt, daß sich die Mitglieder bedeutend mehr als vorher am gemeinschaftlichen Einkauf beteiligt haben. Die höchsten Durch- schnittsumsatzziffem im Verband wiesen die Bezirke Württemberg , Westfalen und Nieder sachsen auf, während Südbaden und Südwürttemberg infolge der bisher ungünstigeren wirtschaftlichen Verhältnisse in der französischen Zone am weitesten zurückblieben Was die allgemeine wirtschaftliche Situation betrifft, so ergibt sich aus der verschärften Wettbewerbslage für die EDEKA die Notwendigkeit, ihre Leistungen durch genossenschaftliche Methoden durch die Rationalisierung ihrer Einrichtungen und durch gesunde Investierungen zu steigern.
Rückgang der Arbeitslosigkeit?
Der gewerbliche Sektor der deutschen Wirtschaft werde mit einigen Ausnahmen sehr bald von Arbeitslosen befreit sein, erklärte der Direktor der Verwaltung für Arbeit am 8. Mai auf einer Versammlung der Arbeitnehmergruppe der CSU in Nürnberg . Zur Zeit seien Verhandlungen darüber im Gange, wie man der deutschen Wirtschaft langfristige Kredite in Höhe von 5 bis 7 Milliarden DM
zuführen könne. In absehbarer Zeit werde auch eine Aufbauanleihe aufgelegt werden. Es wird damit gerechnet, daß noch in diesem Jahr 2,3 Milliarden Kredite aus dem Gegenwertfonds für die Lebens- und Rohstoffimporte über die Aufbaubank der Wirtschaft zur Verfügung gestellt werden können.
Wettbewerb der Frisuren In der Zeit vom 12- bis 16. Juni findet in München eine internationale Ausstellung Fri- sur-Kosmetik-Technik statt. Unter den Ausstellern befinden sich erstmals auch einige Pariser Parfümeure. Während der Ausstel- ! lung finden internationale Frisurenwettbe- , werbe um den Grand Prix statt, su denen i Teilnehmer aus allen Zonen, wie auch aus dem Ausland gemeldet sind. Außerdem wer- ! den Kosmetik-Vorführungen und öffentliche ; Modeschau-Veranstaltungen für das Publikum i durchgeführt.
! 8M MUL DM für den Kohlenbergbau Frankfurt . (J. F-Eigenbericht). Wie aus Kreisen des Wirtschaftsrates verlautet, hat das Zweimächtekontrollamt den deutschen Investitionsplan für das Jahr 1949'50 genehmigt. Die Hälfte der Investitionsmittel soll für Betriebsinvestierungen und der Rest für die Finanzierung des Bergarbeiter-Wohnungsprogramms bereit gestellt werden. Jedoch soll die Beschaffung der erforderlichen Mittel auch weiterhin in erster Linie von den eigenen Anstrengungen zur Kapitalaufbringung abhängig gemacht werden. Deutscherseits wird darauf hingewiesen daß bis heute noch nicht einmal die fest zugesicherten Investitionskredite für den Kohlenbergbau in Höhe von 135 Mill. DM ausgezahlt wurden, so daß sich die Zechen in einer außerordentlichen Finanzkrise befinden. Der Investitionsplan für 1949 sieht einen Bedarf von 800 MilL DM vor; der auf den Wohnungsbau entfallende Anteil soll durch Subventionen der Doppelzone in Höhe von 150 Mill- DM und des Landes Nordrhein-Westfalen Ip Höhe von 50 Mill. DM gedeckt werden. _
Auf Grund des Meisterschaftsspiels zwischen FC Torino , aius dessen Mannschaft die meisten Nationalspieler entnommen wurden, sieht sich der italienische Fußballverband veranlaßt, eine neue National-Mannschaft zu bilden. Im Hinblick auf das noch in diesem Monat in Florenz stattfindende Länderspiel gegen Oesterreich muß der italienische Verbandskapitän schnell handeln. Er hat nun folgende 15 Spieler zu einem Trainingsspiel nach Florenz aufgeboten: Amadei, Fat- tori, Franzosi, Giovannini, Lorenzi v. Internationale-Mailand: Annovazzi Burini. Caraipeilese. Tog- non vom Miilan AC; Grosso und Rossetti von Triestina; Moro von Bari ) Becattini und Ber gamo von Genoas Boniperti von Juventus . — Weitere 17 Spieler sind nach Luoca zur Bildung der neuen Nationalmannschaft ß eingeladen
Der FC Turino, dem wie gemeldet, vorzeitig offiziell die italienische Meisterschaft zugesprochen wurde, hat bereits intensive Vorbereitungen für den Neuaufbau seiner ersten Mannschaft eingeleitet. Es liegen zahlreiche Angebote von Klubs und Spielern vor, die alle auf Ablöse- summen oder Handgelder verzichteten. Qlvmpi- que Marseille stellt den Stürmer Bonifazi zur Verfügung. Der ungarische Verband ist bereit, die Freigabe für die ausgewanderten Spieler Kutmla, Kuskela, Nay und Fabian zu erteilen und Barsanti von Samp-Doria ist bereit, sofort seinen Uebertritt zu vollziehen.
Der italienische Fußballverband wird alle Mittel, die zur Wiederaufrichtung des FC Torino erforderlich sind, zur Verfügung stellen. Die Nettoeinnahmen des Länderspiels Italien-Oesterreich am 22. Mai werden den Hinj^rb!)ebenen der Spieler des FC Turin überlassen. Es liegen auch großartige Angebote aus dem Ausland vor So will zum Beispiel der argentinische Spitzen- club „River Plate " seine erste Mannschaft per Flugzeug nach Italien schicken, um am 25, Mai gegen eine vom italienischen Fußballverband zu bezeichnende Elf in einem Wohltätigkeitsspiel anzutreten. Die italienische Sport-Toto-Gesell Schaft hat den Netto-Ueberschuß des letzten Wettbewerbes in Höhe von tuend 36 Mül. Lire zugunsten der Hinterbliebenen bestimmt
Dr. Bauwens, der erste Vorsitzende des deut schen Fußballausschusses, sandte im Namen des deutschen Sports folgendes Beileidstelegramm an den FC Turin : „Alle deutschen Sportler verbeugen sich vor den Opfern des furchtbaren Flugzeugunglücks und drücken den betroffenen Familien und ihrem Verein ihre tiefe * Anteilnahme aus". In einem Schreiben an den italienischer. Verband brachte Dr. Bauwens das besondere Mitgefühl des deutschen Fußballsports zum Ausdruck.
DM 426.50 im 1. Rang
Im 31. Wettbewerb des württemberij-badischen Fußballtotos werden bei einem Gesamtumsatz von DM 67t 000 folgende Quoten ausgeschüttet: 1. Rang 10 richtige Tips, 26t Gewinner je D-Mark 425.50, 2. Rang 9 richtige Tips, 5911 Gewinner je D-Mark 19.—, 3. Rang 8 ichtige Tips 41 636 Gewinner je D-Mark 2.70.
Berner Kunstturnersieg in Frankfurt
Die Behörden und die Frankfurter Turnerschaft bereiteten der Geräteriege des Bürgertumvereins Bern einen herzlichen Empfang. Die Berner waren erschienen, um einen Wettkampf gegen eine Frankfurter Auswahl auszutragen den sie sicher mit 261,90:276 Punkten gewannen. Maximalnoter. (10) holten sich Lucy (B) am Pferd und Wi’heim fB) an den Ringen. Kiefer (P) notierte asn Barren 9,95 P und in der Freiübung zusammen mit Eiser (Fl 9,75 P. Am Reck war Kipfer (Bl mit 9,90 P. bester Mann und setzte sich damit aucn an die Spitze des Einzelkiassements.
Westfalen -Sieg im Kunstturnen
Den Kunsttum-Vengdeichskampf Westfalen gegen Niedereachisen in Gelsenkirchen entschieden die Westfalen mit 462,70 zu 459,95 Punkten für sich. Bester Einzettumer war der Dortmunder Dickhut mit 48,45 Punkten. Den zweiten Platz teilten sich Olympiasieger Schwarzmann (Gos lar ) und Weiß (Hannover ) mit je 47,75 Punkten. Schwarzmann erzielte beim Recktumen die beste Note des Tages. Seine Reckkür wunde mit zehn Punkten bewertet. Diese höchstmögliche Punktzahl konnte auch am den übrigen Geräten von keinem Turner mehr erreicht wenden.
In wenigen Zeilen
Fußball-Freundschaftsspiele: Ulm 46 — Mainz 05 5:4, Wormatia Worms — 1660 München 1:4, Eintracht Trier — Alemania Aachen 2:1, FC Saarbrücken — Charlton Mhletic (englische Ligal 0 : 1 .
Wegen Mitwirkens des Torhüters Jahn (früher Stuttgarter Kickers) ohne Vereinbarung der zuständigen Landesverbände wurden Tus Neuendorf zwei Punkte und damit die Teilnahme an der Meisterschaft der französischen Zone abgesprochen. Der FC Kaiserslautern und Wormaiia Worms vertreten die Zcxnenliga Nord in den Spielen gegen Fortuna Preiburq und SV Tübingen von der Zoneraliga Süd.
Durch den Ausfall des Ostzonen-Meisters wird die Ermittlung eine 8. (westdeutschen) Vertreters für die Fußballmannschaft Deutschlands erforderlich. In einem Entscheidungsspiel werden die Oberligen West und Nord zwischen ihren Tabellendritten einen Vertreter ermitteln, der gegen eine süddeutsche Mannschaft amtritt, die auf ähnliche Weise ermittelt werden so®.
Aufgrund des Meisterschaftsspiels zwischen Fortuna Freiburq und SV Tübingen muß Frei burg an die TabellensDitze gesetzt werden, obwohl Tübingen das bessere Torverhältnis auf weist. Das EntscheidüngsspieA findet in der Ta belle an sich keine Berücksichtigung.
Gilbert GrandVal , der hohe Kommissar des Saarlandes, gab bekannt, daß der 1. FC Saarbrücken im nächsten Jahr offiziell an den Spielen um die französische Fußball-Meisterschaf' teilnimmt.
Die letzten Spiele um die Fußballmeisterschaft von Südamerika fanden in Rio de Janeiro statt ■und ergaben eine gewaltige Ueberraschumg indem Paraguay gegen Brasilien mit 2:1 Toren erfolgreich blieb. Chile gewann gegen Uruguay 3:1. — Das Schlußklassement: 1. Brasilien -nd dem Paraguay gegen Brasilien mit 2:1 Toren er- 5. Chile * und Uruguay 5 P. 7. Kolumbien 4 P. 8 Ecuador 0 P.
Die englische Footbali-Association gab bekannt. daß die Nationalmannschaft die vorgesehene Koutinenttour programmgemäß per Flugzeug absolvieren werde.
Der ostzonale „Deutsche Sportausschuß“ plant für die Fußball-Saison 1949(50 eine ostdeutsche Fußbailiga.
Im Meisterschaftsspiel der 1. englischen Fußball-Division unterlag der Pokalsieger Wolver hampton Wanderers der elf von Huddersfield Towg überraschend glatt mit Null zu vier Toren.
In der süddeutschen Hockeymeisterschaft gab es eine große Ueberraschung. Der Titelverteidiger, HC Heidelberg wurde von Sachsenhausen 57 in Frankfurt mit 3:2 Toren besiegt.
Westdeutscher Handballmeister wurde erneut die Elf des BSV Mülheim, die im letzten Spiel der Endrunde Westfalenmeister Eintracht Minden mit 11:5 besiegte.
Großbritannien besiegte den Titelverteidiger Tschechoslowakei im Finale der europäischen Tischtennis-Meisterschaften in Preßburg mit 3:2 Punkten.