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nnerst'-g, 20. Dezember 1951

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Türkei gehört M ieder za Europa

Deutsche willkommen — Sowjetunion Erbfeind — Amerika-Hilfe notwendig Von unserem Istanbuler Korrespondenten

pas Auftauchen der Türkei im Kreise (jer Großmächte als Bewerber um Auf- patune in die Nordatlantikpakt-Organi- und als Verbündeter von unge- licher Bedeutung in der neuen Nah- .Verteidigungsorganisation ist ein ge­richtliches Ereignis, das in letzter Zeit von den Krisen — zuerst in Persien und dann in Aegypten — etwas überschattet worden ist.

Im Lichte ihrer geographischen Lage : and der Geschichte ihrer Beziehungen zu Deutschland wie auch zur Sowjetunion be­trachtet, erscheint die Stellungnahme der Türkei so gut wie zwangsläufig.

Deutschland gegenüber war eine Neu­tralität möglich und willkommen. Im Jahr 1938 betrug Deutschlands Anteil an Aus­fuhr und Einfuhr der Türkei je über 40 v. H., trotz einer Außenhandelspolitik des Nazi-Reiches, die ständig dazu neigte, den Satellitenländem eben jenen kolonialen Status aufzuerlegen, gegen den die Tür­ kei unter Kernai Atatürk so hart ge­kämpft hatte.

Es gab aber in diesem deutsch -türki­schen Verhältnis auch andere Faktoren. Genau wie im Falle Schwedens war

Todesstrafe für Kommunisten T

ANKARA . Etwa 100 Personen wurden bei der Zerschlagung einer kommunisti­ schen Spionageorganisation verhaftet. Man nimmt jedoch an, daß der Organisation etwa 200 Personen angeboren. Bei der Aus­hebung des Hauptquartiers in Ankara fielen der Polizei Listen, der Mitglieder, die unter falschem Namen geführt wurden, in die Hände. Außerdem fand man Pläne für eine Aufteilung der Türkei in drei Volksdemokratien. Mehrere Geheimsender, die ständig kommunistische Ideen propa­gieren, konnten noch, nicht aufgefunden werden. Die Zerschlagung dieser gro­ßen kommunistischen Spionageorganisation dürfte dazu führen, daß dem türkischen Parlament in Kürze eine Vorlage zugeleitet wird, in der die Verhängung der Todes­strafe für Kommunisten vorgesehen ist.

Deutschland lange Zeit das Vorbild der türkischen militärischen Tradition gewe­sen. Dasselbe gilt auch für das Schulwe­sen und insbesondere die technische AusbEdung.

Ein« der auffallendsten Entwicklungen in der heutigen Türkei ist die Wiederan- knüpfung und die Stärkung dieser deutsch -türkischen Bande. Deutsche , die in geschäftlicher, kultureller und techni­scher Mission nach der Türkei zurückkeh­ren, sind überzeugt, sogleich mit offenen Armen aufgenommen zu werden. Es han­delt sich um mehr als eine Angelegenheit beiderseitiger materieller Vorteile. Wenn man heute in der Türkei reist, gewinnt man den Eindruck — so oberflächlich er auch sein mag —, daß soweit man über­haupt einem so nationalistischen Volk eine Zuneigung für einen Ausländer nach sagen kann, der Türke den Deutschen am mei­sten schätzt.

Was die Sowjetunion betrifft, so liegen die Dinge offensichtlich ganz anders, wenn auch die Türkei in den ersten Jahren des kemalistdschen Regimes sowohl die so­wjetischen Ideen einer staatlichen Kon­trolle wie auch die Ratschläge sowjeti­scher Fachleute angenommen hatte. Aller­dings wird heute mit den Ländern hin­ter dem Eisernen Vorhang Handel getrie­ben. Die Basare Istanbuls sind voE von

den bEligen Waren aus Polen und der Tschechoslowakei . Man erzählt sich Ge­schichten über geheimnisvoUe Güterzüge von und zur sowjetischen Grenze. Den­noch gibt es in den Städten, in den ent­legenen Dörfern des sozusagen noch mit­telalterlichen oder gar altertümlichen Anatolien , in jenen unzähligen kleinen Hotels und Restaurants, in denen das Radio Tag und Nacht unablässig jault — überaH dort gibt es nur ein Thema, über das keine Mteinungsverschiedenheit be­steht: Rußland ist und bleibt der Erb­feind.

Bei den einfacheren Gemütern findet man eine Haltung kampfbereiter Feind­schaft ohne viel Nachdenken über die

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Die strategische Lage der Türkei

Folgen. Am entgegengesetzten Pol findet man den Zyniker, der die Weisheit der hartnäckigen Bemühungen der Türkei um den Beitritt zum Nordatlantikpakt in Zweifel zieht. Seiner Ansicht nach, pro­voziert man dadurch einen Angriff, zu dessen Abwehr die Hilfe sehr wohl zu spät kommen könnte. Doch im allgemei­nen wird das Vorgehen der Regierung durchweg gebiHigt. Etwaige Zweifel wer­den vergessen in dem stolzen Gefühl, daß die Türkei endlich den ihr zukommenden Platz an der Seite der führenden West­mächte findet — und vor aHem überschat-

SODKURIER

tet von einem sehr klaren Bewußtsein der Notwendigkeit einer festen amerikani­ schen Garantie.

Auf wirtschaftlichem Gebiete befindet sich die Türkei , dem inneren Wohlstände nach, ebenfalls in einer günstigen Lage. Sie verfügt über reichlich Grund und Bo­den, i6t allerdings mit einer Bevölkerung von nur 26 Personen auf den Quadrat­kilometer ein unterbevölkertes Land, für das der gegenwärtige Strom von Einwan­derern türkischer Abstammung aus Bulga­ rien und Rumänien einen willkommenen Zuwachs bedeutet Sie besitzt darüber hin­aus reiche RohstoffqueEen und viele Bo­denschätze. Schließlich hat sie, und das ist am wichtigsten, eine gesunde Basis in der Landwirtschaft, von der mehr als vier Fünftel ihrer Bevölkerung Arbeit und Brot empfangen.

Ihren wirtschaftlichen und sozialen Re­formen nach ist die Türkei jedoch nach westeuropäischen Begriffen noch stark rückständig. „Die Industrialisierung“, er­klärte Kemal Atatürk , „ist eines unserer Hauptprobleme“. Aber die meisten der ehrgeizigen Industrialisierungspläne, die seit der Revolution in Angriff genommen wurden, haben, obwohl sie gründlich aus­gearbeitet und übermodern in ihren tech­nischen Methoden waren, nur wenig dazu beigetragen, die Bevölkerung mit den ge­wöhnlichen Bedarfsgegenständen des täg­lichen Lebens, mit einfachen landwirt­schaftlichen Geräten und mit modernen Anlagen zur Bewässerung des Landes zu versorgen.

Ferner sahen diese Projekte bis vor kur­zem kaum die Anlage von Straßen vor, die wesentlich besser waren als Feldwege. Die Straßen sind aber von lebenswichtiger Be­deutung, wenn der dringend notwendige Handel mit landwirtschaftlichen Erzeug­nissen auf nationaler und nicht nur auf örtlicher Basis betrieben werden soE.

Es werden jedoch Fortschritte gemacht, vor allem mit Hilfe großer Zuwendungen aus dem mEitärischen Hilfsprogramm der Vereinigten Staaten , die dringend benötigt wurden in einem Lande, dessen ganze Wirtschaft unter der Notwendigkeit Ett, so lange Zeit ein stehendes Heer für die Verteidigung zu unterhalten. Die Türkei besitzt eine der stärksten Armeen west­lich des Eisernen Vorhangs . (Eine ausge­zeichnete Uebersicht über alle aktuellen Probleme des Landes gibt das soeben im Safari-Verlag, Berlin , erschienene reich be­bilderte Buch von Prof. Dr. Karl Krüger, der als einer d)er besten deutschen Kenner der türkischen Geschichte, Sprache, Kul­tur und Wirtschaft gelten darf).

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Frauen sind bessere Diplomaten

Aber in der Organisation der Vereinten Nationen spielen sie nnr eine geringe Rolle Sonderbericht für den Süd kurier aus Paris

Seltsam und heiter

Wachsame Alkoholgegner

Gegen die vorübergehende Schließung der Kirchen in einigen von der Maul- und Klauenseuche befallenen dänischen Land­kreisen hat der Verband der Alkoholgeg­ner Dänemarks Protest eingelegt. Wenn man schon an Schließungen denke, so argumentieren die Antialkoholiker, soEe man zunächst die Wirtshäuser schließen, die viel besuchter seien als die Kirchen.

Der lose Trauring

Nachdem sie ihre fünf Weihnachts­kuchen aus dem Backofen gezogen hatte, stellte Mrs. Bemice DevaEez in Vancou - ver (Kanada ) fest, daß sie in einen der Kuchen ihren Trauring eingebacken hatte. Aber in welchem? SoUte sie alle fünf auf­schneiden? Mrs. DevaEez wußte etwas Besseres. Sie packte ihre Kuchen ein und ließ sie in dem orthopädischen Röntgen­gerät eines großen Schuhhauses durch­leuchten. Der Ring war schnell gefunden,

Unter den 800 Delegierten der Verein­ ten Nationen , der UNO , die im Palais ChaElot tagen, gibt es nur 53 Frauen, von denen nur zwei als Vertreter im eigent­lichen Sinn gelten können: Die Repräsen­tantin Chiles , Senora Ana Figueroa, und Frau Franklin Delano Roosevelt . Die an­dern 51 sind Räte, Sachverständige, Atta­ches, Sekretärinnen; eine einzige, Frau Jouhaux , ist Mitglied der Delegation, in der ihr Mann sogenannter Vertreter erster Klasse ist: sie gehört als Rat der Abord­nung der Internationalen Arbeitsorganisa­ tion an.

Die frauenfeindlichsten Länder sind — abgesehen von den mohammedanischen — die hinter dem Eisernen Vorhang, deren Delegationen nur einige Sekretärinnen aufweisen. Diese sind jedoch streng über­wacht. Dagegen hat Frankreich in seiner Abordnung fünf Damen als Räte und Sach­verständige aufzuweisen. Die französische Delegation ist mit 113 Mitgliedern die zahlenmäßig stärkste. Die USA sind mit | 82, die Sowjets mit 42, Großbritannien mit I 44 und Formosa -China mit 36 Repräsen- j tanten zur Stelle. Die schwächste Dele- • gation ist die Islands mit zwei Vertretern. | 269 Frauen haben ihren Gatten, der in

amtlicher Eigenschaft nach Paris mußte, begleitet. Auch hier liegen die kommuni­ stischen Staaten weit zurück. Neun

Kubaner (von 20) sind mit weiblicher Be­gleitung gekommen, ebenso wie 11 von den 15 Persern, 4 von 7 Panamesen und 19 von 82 Amerikanern. Die „vollstän­digste“ Abordnung ist die von Venezuela : 8 Delegierte von 9 sind mit Frau in Paris , der neunte Delegierte ist ohnehin eine un­verheiratete Dame.

Nach den Feststellungen zuverlässiger Beobachter soll in diesem Milieu kaum geflirtet werden. Senora Ana Figueroa z. B., die Leiterin des Sozial- und Kultur­ausschusses, eine charmante und elegante Dame, legt großen Wert darauf, nicht als Frau, sondern einzig als Vorsitzende ihres Ausschusses beachtet zu werden. Sie lehnte daher auch dankend das ritterliche Angebot des Vertreters von Saudd Arabien ab, ihr zu helfen, wenn es zu heftigen Debatten kommen sollte. Und ebenso er­klärte sie den Herren vom Protokoll, daß sie bei Diners nicht etwa als Lady bevor­zugt behandelt zu werden wünsche, son­dern Wert darauf lege, gemäß ihrem diplomatischen Rang gesetzt zu werden wie alle andern auch.

Nur einer einzigen Frau scheint es ge­stattet zu sein, den Delegierten schmei­chelnd näherzutreten. Wenn sie sagt: „Bitte recht freundlich!“, gehorchen sie ihr aufs Wort. Es ist die Photographin des Palais Chaillot .

Schlechte Laune bet Vollmond

Unser Gefühlsleben und der Mondwechsel - Elektro-Test als Stimmungsbarometer Von unserem wissenschaftlichen Mitarbeiter

und die Kuchen büeben — bis auf den einen — hell.

Auf den Spuren Winnetous

Den britischen Truppen- in der Suezka­nalzone ist eine Kampfvorschrift in die Hände gefall^, die an die Mitglieder einer geheimen ägyptischen Freiheits­bewegung verteilt wird. Darin heißt es: „Greife den Feind möglichst bei Nacht und von hinten an, damit er dich weder sehen noch riechen, kann!“

Backenbart stört Unterricht

In Schenectady (USA ) wurde der 18- jährige Oberschüler Michael Ferandez wegen verbotenen Würfelspiels zu 25 Dollar Geldstrafe verurteilt. Außerdem verurteilte der Richter Michael, sich den Backenbart abnehmen zu lsissen. Die Leh­rer hatten sich beklagt, daß er mit seinem Bart die Aufmerksamkeit der Mitschüler ablenke.

Der Psychiater Dr. Leonard Ravitz hat durch zweijährige Untersuchungen der Yale - und Duke-Universität festgestellt, daß zwischen dem Auf und Ab seelischer Stimmungen und den Mondphasen merk­würdige Zusammenhänge bestehen. Er ließ 50 Studenten täglich genaue Angaben über ihr Gefühlsleben machen. Zugleich wurde mit einem Mikrovoltmeter ihre elektrische Spannung gemessen. Dabei beobachtete er, daß bei den elektrischen Kurven etwa alle 14 Tage Spitzenwerte auftraten und daß diese mit Voll- oder Neumond zusammen­fielen. Dementsprechend stiegen und fielen auch die Stimmsungsfcurven.

Dr. Ravitz studierte ursprünglich nur die elektrischen WeHen, die von allen Lebe­wesen, winzigen Bakterien, Pflanzen, Tie­ren und Menschen erzeugt werden. Die Herkunft dieser Bio-Elektrizität ist noch nicht einwandfrei geklärt worden. Jeden­falls bedient sich die Natur bei Erschaffung und Erhaltung des Lebens auch elektrischer Methoden. Prof. Harold Burr von der Yale- Universität war bei Arbeiten auf diesem Gebiet erstmals auf eine rätselhafte Ein­wirkung des Mondes gestoßen. Er maß die Elektrizität von Bäumen indem er in einem Abstand von anderthalb Metern elektrische Kontakte in ihren Stamm setzte und sie mit empfindlichen Aufnahmegeräten ver­band. Einmal monatlich stieg die Spannung stark an. Vergleiche mit Temperatur-, Feuchtigkeits- und Barometerkurven und anderen Wetterfaktoren ergaben keine An­haltspunkte. Dann entdeckte er, daß die Veränderungen der elektrischen Spannung genau zur Zeit des Volmonds eintraten.

Dr. Ravitz unterzog daraufhin auch seine 50 Studenten täglich einem eingehenden ,, Stimmungsverhör 1 '. So entstanden Tabel­len, in denen sorgfältig vermerkt war, wann jeder einzelne müde, erschöpft, entmutigt, zuversichtlich, vergnügt oder arbeitslustig war. Trotz vieler individueller Verschie­denheiten ließ sich eine Grundtendenz fest­

eteilen, nach der etwa aUe 14 Tage Perioden von Hochstimmung oder Niedergeschlagen­heit auftraten. Zugleich wurde täglich mit einem hochempfindlichen Mikrovoltmeter das „elektrische Potential“ der Studenten gemessen. Erstaunlicherweise deckte sich der elektrische Rhythmus weitgehend mit dem Steigen und FaUen der seelischen Stimmungen Noch überraschender war, daß die Gipfel- und Tiefpunkte dieser Kur­ven fast immer in die Zeit von VoE- und Neumond fielen.

Der amerikanischn Forscher betont, daß das Mondlicht (das nur 1 Dreihunderttau­sendstel so stark wie das Sonnenlicht ist) als Faktor nicht in Betracht kommt. Er ver­mutet, daß die Protoplasma-Zellsubstanz, der Träger aEen Lebens, elektrische Rhyth­men aufweist, die irgendwie auf den Rhythmus des Mondumlaufs abgestimmt sind. „Sicherlich gibt es periodische kos­mische Einflüsse wie den Mond“, erklärt er, „welche Konflikte, die in uns schon vorhan­den sind, zu verschlimmern drohen. Da wir in mancher Hinsicht elektrische Maschinen sind, dürften in solchen Phasen auch Ener­giereserven mobilisiert werden.“

Die neuesten Untersuchungen, über die Dr. Ravitz soeben vor der amerikanischen Aerztevereinigung sprach, betrafen die elektrische Spannung von Geisteskranken. Auch hier wurde bei VoE- und Neumond die innere Unruhe größer. Diese Entdek- kung mag auch zu einer Erklärung für die merkwürdige statistische Feststellung füh­ren, daß die meisten Patientinnen einer großen Heil- und Pflegeanstalt in Virginia bei Vollmond und die meisten Männer kurz nach Neumond aufgenommen wurden. Dr. Ravitz maß mehrere Patienten fünf Monate lang und sagte dann auf Grund dieser Kur­ven ihr Verhalten für das übrige Jahr in aEen Einzelheiten richtig voraus. „Viel­leicht werden wir eines Tages unsere eige­nen Stimmungsschwankungen mit Hilfe des Mikrovoltmeters Vorhersagen können“.

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