Offenburger Nachrichten

Schweigsamer Kunde

Zu dritt betraten wir den Laden des Kaufmanns an der Ecke. Einer von den drei Kunden war ein Meiner Junge, der eine große Einkaufstasche in der Hand trug. Gleich nach uns ging wieder die Ladenklingel, und noch eine Kundin betrat das Gesdiäft. Sie hatte es sicher besonders eilig, denn sie reichte sofort dem Kaufmann ihre Lebensmit­telkarten hinüber und sagte: „Ich möchte Grieß und PuddingpulverI“ „Moment mal", meinte der Mann hinter dem Ladentisch, „immer der Reihe nach. Erst kommt jetzt mal der Junge heran.“ »Rinder können doch wirklich warten", sagte die Frau gereizt. „Natürlich", antwortete der Kauf­mann, „aber die Mütter der Kinder nicht. Sie ängstigen sich, wenn ein Kind'zu lauge bleibt." Damit beugte er sich über den Tisch zu dem Mei­nen Kunden und fragte: „Was möchtest Du denn?" - Der kleine Junge sagte garnichts. Er lächelte bloß ein bißchen verlegen und schob stillschwei­gend die große Tasche über den Tisch. „Na, wir wollen mal sehen“, sagte der Kaufmann und griff in die Tasche. Eine Schüssel kam heraus, eine Meine Geldtasche, zwei Lebensmittelkarten und ein Zettel. Auf dem Zettel stand, was Mutters kleiner Bote holen sollte. Herr Wemicke las den Zettel aufmerksam: „Aha, einmal Marmelade und ein Brot." Dann wog er die Marmelade ab, ver­staute die Schale, mit einem weißen Blatt bedeckt, wieder in der Tasche, legte ein Brot dazu, schnitt die Marken ab, wechselte das Geld und tat den Rest wieder in die kleine Geldtasche. Dann gab er dem kleinen Jungen die Tasche über den Laden- tjsdi hinunter. „Ist ja viel zu schwer", sagte er und zwinkerte dabei ein bißchen, „das kannst Du doch bestimmt nicht tragen!“ Aber da regte sich der Stolz ln dem kleinen Kerlchen: „Doch kann Ich", sagte er bestimmt, „ich hab schon viel mehr getragen!" Er steuerte auf die Tür zu. „Schau­kele nicht mit der Tasche!", rief ihm Herr Wemicke noch nach, „sonst kippt die Marmelade aus!“ Wir hörten nur noch ein zustimmendes Grunzen, dann war er schon zur Tür hinaus. s.

Wettstreit der Stenographen

Die große Gegenwart stellt auch an die Aus­bildung tüchtiger Stenographen erhöhte Anfor­derungen. Dieser Aufgabe verantwortungsbewußt nachzukommen, ist die Deutsche Stenographen­schaft gemeinsam mit dem Leistungsertüchtigungs­werk der DAF. stets bestrebt. Woche für Woche werden hier die jungen Menschen geschult und ihnen eine wertvolle Grundlage für das berufliche Fortkommen geschaffen. Ihrem Wesen nach wirkt sich diese Erziehungsarbeit allerdings mehr in der Stille und Tiefe aus. Gelegentlich aber soll das hier angeeignete Können unter Beweis gestellt werden. Am Samstag, 20. November, nachmittags 15,30 Uhr, treffen siöh daher in der Handelsschule Offenburg (Okenstraße) alle die Stenographen des Kreisgebietes Offenburg , die über eine Schreib­fertigkeit von mindestens 150 Silben verfügen, zu einem ernsten Wettstreit: denn dieses Wettschrei­ben soll eine Auslese der besten Stenographen des Kreisgebietes Offenburg darstellen. Es ergeht da­her der Ruf an alle die Stenographen, die es ernst mit ihrer Berufsausbildung nehmen, sich an diesem Wettschreiben zu beteiligen. Gerade in der heutigen Zeit ist es mehr denn je erforderlich, daß Jeder im Berufsleben stehende Volksgenosse danach trachtet, sein Können und seine Fähigkei­ten bis zum Höchstmaß zu steigern. Auch für die­ses Leistungsschreiben gilt der Leitspruch: „Erst die Leistung schafft dem Tüchtigen freie Bahn".

Abgabe von Strümpfen auf die 4. Reichs- kleiderkarte

.Die Reichsstelle für Kleidung und verwandte Gebiete hat die über <!ie vierte Reichskleiderkarte für Erwachsene verhängte Sperre dahin gelockert, daß vom 15. November 1943 ab ein Paar Strümpfe oder Socken an Männer und Frauen abgegeben werden dürfen. Bei Frauen er­folgt die Abgabe gegen Abtrennung des am 15. November 1943 fälligen Bezugsnachweises D der vierten Reichskleiderkarte für Frauen und von vier Punkten des am 1. Oktober 1943 fällig ge­wordenen Bezugsabschnittes der 4. Reichskleider­karte. Bei Männern erfolgt die Abgabe gegen Ab­trennung des am 1. Oktober 1943 fällig geworde­nen Bezugsnackweises C der 4. Reichskleiderkarte für Männer und von vier bis sechs Punkten der am 1. Oktober fällig gewordenen Bezugsabschnitte der 4. Reickskleiderkarte. Strümpfe, Sport­

strümpfe und Sportstutzen über 100 Gramm, die in der Reickskleiderkarte mit acht J unkten be­wertet sind, bleiben von der Freigabe ausgeschlos­sen. Die Abstellung des Bezuges der Strümpfe und Socken auf einen ganz bestimmten Bezugs­nachweis und auf die am 1. Oktober 1943 fällig gewordenen Punkte der 4. Reichskleiderkarte ist notwendig, weil sonst eine ordnungsgemäße Durch­führung der Freigabe nicht gewährleistet ist. Die etwa noch vorhandenen älteren Bezugsnachweise für Strümpfe sowie Bezugsabschnitte der Kleider­karte mit vor dem 1. Oktober 1943 liegenden Fälligkeitsdaten können daher für den Kauf der freigewordenen Strümpfe nicht benutzt werden. In. Verbindung mit dieser Strumpffreigabe wird von maßgebender Stelle darauf hingewiesen, daß alle umlaufenden Gerüchte über eine angeblich beab­sichtigte Sperrung oder Außerkraftsetzung der Reickskleiderkarte für Knaben, Mädchen und Kleinkinder falsch sind und jeder Grundlage ent­behren. Die Anordnung ist im Reicksanzeiger Nr. 206 vom 13. November 1943 veröffentlicht worden.

Kurse Stadtmeidungen

Ein Siebzigjähriger. Am morgigen Mittwoch vollendet unser Mitbürger Jakob F u dt s, Zug­meister a. D„ sein 70. Lebensjahr. Wer, kennt ihn nicht in der Oststadt, den Nimmermüden, den man ruhig unter die „Nothelfer" zählen darf. Ueberall hilft er aus und ist tätig von früh bis spät. Seine Wiege stand wie die seiner Frau in Auenheim a. Rhein . Nach seiner Militärzeit, die er bei den 126ern in Straßburg verbrachte, trat er in die Eisenbahn über, wobei er sich seine Gamisonstadt auch zur zweiten Heimat erkor. Von dort wurde er 1918, nach Kriegsende, aus­gewiesen und ließ sich in Offenburg nieder. Drei Söhne und eine Tochter dürfen ihrem Vater nebst der Gattin zum Geburtstag gratulieren. Ihnen schließen sich die vielen Bekannten von Herzen

lan mit dem Wunsche: Noch viele Jahre in Ge­sundheit und gleicher Schaffenskraft! e.

Verdunkle gewissenhaft! Wo Licht ist, ist Le­ben. Wo Leben ist, sind Wohnungen, Geschäfte, Werkstätten, Fabriken, Bauernhöfe. Stallungen — kurzum wichtigstes Volks vermögen. Dieses will der Feind bei seinen nächtlichen Angriffsflügen zerstören. Jeder Lichtschein im Dunkeln — schon ein aufflammendes Streichholz — kann viele Kilo­meter weit sichtbar sein, um wieviel mehr erst der Schein, der aus einem erleuchteten Zimmer dringt. Leben und Eigentum müssen geschützt werden. Gebt dem Feind keine Anhaltspunkte! Verdunkelt sorgfältig!

Ausgleich ausfallender Arbeitszeit zu Weihnack­ten 1943 und Neujahr 1944

Die gegenwärtige Anspannung aller Arbeits­kräfte läßt in diesem Jahr einen Ausfall von Ar­beitsstunden an den mit Weihnachten und Neu­jahr in Verbindung stehenden Werktagen nicht zu, zumal der erste Weihnachtstag und der Neu-

Die Verdunkelungszeiten vom 14. bis 20. Novbr.: Von 17.40 bis 7.10 Uhr

jahrstag auf einen Samstag fallen. Soweit sich jedoch eine Betriebsruhe an den Werktagen aus betriebstechnischen Gründen nicht vermeiden läßt, sollen die an Werktagen ausfallenden Arbeits­stunden im gesetzlichen Rahmen vor- oder nach­gearbeitet werden.

Der Reicksarbeitsminister und der General­bevollmächtigte für den Arbeitseinsatz haben be­stimmt, daß ferner zum Ausgleich von Arbeits­stunden, die durch Werktagsarbeit nicht ausge­glichen werden können, Sonntagsarbeit an je ei­nem Sonntag im Dezember und Januar geleistet werden darf; soweit für Sonntagsarbeit ein höhe­rer Zuschlag als 10 v. H. vorgesehen ist, er­mäßigt sich in diesem Falle der Zuschlag auf 10 v. H. Frauen, die Kinder unter 14 Jahren zu versorgen haben, sollen in der Regel von der Sonntagsarbeit befreit werden, sofern die Frei­stellung nicht bereits auf Grund der neuen Frei­zeitanordnung festliegt.

Entgangener Verkaufsgewinn ist kein Nutzungsschaden

Wenn beim Fliegerangriff Handelsware vernichtet wird

Wenn jemand durch einen Fliegerangriff Scha­den erlitten hat, ist er sicher, daß die Volks­gemeinschaft hinter ihm steht, d. h. daß der Staat ihm auch den Schaden ersetzt, den er an seinem Eigentum und seinen Einkünften davongetragen hat. Bei den letzteren, also bei den sog. Nutzungs­schäden, besteht aber noch weithin unter den Volksgenossen Unklarheit, was darunter fällt. So müssen die Feststellungsbehörden und oft genug auch — in letzter Instanz — das Reichs­kriegsschädenamt häufig vou Fall zu Fall ent­scheiden, ob ein zu ersetzender Nutzungsscha­den vorliegt oder nicht. Ein Beispiel dieser Art, das für viele Volksgenossen bedeutsam ist:

Auf einem Güterbahnhof wurde bei einem Fliegerangriff eine Verladehalle getroffen. Eine Reihe hier lagernder Ware wurde vernichtet, da­runter mehrere Posten von Drahtwaren, die eine Firma auf Bestellung hergestellt hatte und die von hier aus an mehrere Kunden versandt werden sollten. Die Firma erhielt zunächst auf ihren Antrag die nachgewiesenen Gestehungskosten der vernichteten Waren — rund 5500 RM. — ersetzt. Sie forderte noch weitere 1100 RM. als. den Be­trag zwischen Gestehungskosten und Verkaufs­preis. Vom Oberbürgermeister als Feststellungs­behörde erster Instanz wurde ihr der Betrag als Nutzungsschaden zugebilligt. Auf die Beschwerde des Vertreters des Reichsinteresses wurde die Sache schließlich bis vor das Reichskriegsschäden­amt getragen, das dahin entschied, daß dieser Unterschiedsbetrag nicht als Nutzungsschaden an­zusprechen sei.

Die Herstellerfirma hatte geltend gemacht, daß ihr der Unterschied zwischen Gestehungskosten und Verkaufspreis als entgangene Einnahme zu ersetzen seU denn es sei unbillig, dem Verkäufer die Wiederbeschaffung der hergestellten und dann zerstörten Ware zuzumuten, zu der er dem Käu­fer gegenüber verpflichtet sei, und dies von ihm zu verlangen ohne Entschädigung des auf die Doppelarbeit entfallenden Unterschiedsbetra­ges zwischen Gestehungskosten und Verkaufspreis.

Das Reldiskriegsschädenamt erklärte dazu, nicht jeder entgangene Gewinn könne als Entgelt von Einnahmen im Sinne des Gesetzes angesehen werden. Einnahmen in diesem Sinne seien viel­mehr nur solche Roheinnahmen, die aus einer

ständigen Einnahmequelle fließen. Einnahmen, die aus dem Verkauf einer Sache entstehen, seien dagegen nicht Einkünfte in diesem Sinne, weil sie nicht laufende oder sonstwie wiederkehrende Einnahmen seien. Sie könnten daher nicht als Nutzungsschäden angesehen und ersetzt werden.

Wer schickt mir Hausrat und Möbel nadi?

V. A. Den umquartierten Müttern mit ihren Kindern war es gestattet, in dem Transportzug, der sie aus der Stadt in den Aufnahmegau brach­te, kleinen Hausrat im Gewicht bis zu 50 Kilo mitzuführen. Er wurde als Passagiergut, aber nur wenn er gut verpackt war, in die angehängten Güterwagen verladen. Daß bei der Plötzlichkeit, in der häufig die Umquartierung vor sich ging, oft nicht alles bedacht wurde, was mitzunehmen war, ist verständlich; auch ergibt sich oft erst an Ort und Stelle der neuen Heimat, was noch unbedingt für den Lebensbedarf gebraucht wird. Besonders eine Mutter mit mehreren Kindern wird manches, was ihr für eine Reise entbehrlich schien, nun bei einem längeren Aufenthalt als unbedingt notwen­dig erkennen. In vielen Fällen ist es nun schwie­rig, Hausrat und Bedarfsgegenstände aus der Heimat zu erhalten, wenn keine Angehörige oder Freunde mehr da sind, die das Gewünschte zu­sammensuchen und -packen können.

Hier hat sich nun die NSV. eingeschaltet, die in den Aufnahmegauen Erhebungen nach den Wün­schen der Umquartierten betreffs Nachsendung von Hausrat und Möbeln anstellt. Der Transport dieser Sachen ist beschränkt auf Betten, Bettstel­len, Schränke, Kommoden, Tische, Stühle, Ge­schirr, alles Kleinkückengerät und Wäsche. Wenn vom Aufnahmegau der Wunschzettel der Mütter eingetroffen ist, wird Ortsgruppen- und straßen­weise durch eine drei Mann starke Gruppe von Hilfskräften in den Wohnungen der Umquartier­ten das Notwendige zusammengestellt. In Zusam­menarbeit mit der Fahrbereitschaft wird der Hausrat abgeholt und in Sammeltransporten nach dem Aufnahmegau verfrachtet. Es besteht also 'für jede umquartierte Familie die Möglichkeit, den 'notwendigen Hausrat und Gebrauchsgegenstände herbeizuschaffen, ohne daß eine Reise in die Hei- !mat erforderlich ist.

Sport am Sonntag

Glatter Sieg über die BereichsMasse Kickers Freiburg — Offenburger Soldatenelf 2:9

Die stielstarke Offenburger Soldatenelf gastierte am Sonntag in Freiburg , und konnte gegen den Gauligavertreter Kickers einen glatten Sieg errin­gen. Die Soldaten lieferten ein herrliches Spiel und waren den Gastgebern in technischer Beziehung überlegen. In der ersten Hälfte waren die Kickers, die mit starkem Rückenwind spielten, ebenbürtig unäl es entstanden vor beiden Toren gefährliche Mo­mente. Trotzdem gingen die Gäste durch ihren Rechtsaußen in Führung, und durch ein Selbsttor kamen die Freiburger zum billigen Ausgleich. Nach dem Wechsel kamen die Offenburger in große Form, der Ball rollte von Mann zu Mann, und die Zuschauer waren begeistert von dem sauberen Kombinationsspiel. Der Sturm, der sich in guter Schußlaune befand, erzielte in regelmäßigen Ab­ständen acht Tore, und hätten die Kickers nicht solch eifrigen Tormann gehabt, wäre das Ergebnis leicht zweistellig geworden. Die Einheimischen konnten nur einmal durch einen Alleingang ihres Mittelstürmers zum Erfolg kommen. Durch diesen Erfolg haben die Soldaten bewiesen, daß sie ein# technisch hochstehende Mannschaft sind. Der ak­tivste Teil war die Läuferreihe, die dem Kickers­sturm keine Möglichkeit gab und die dem eigenen Sturm durch brauchbare Vorlagen in gute Schuß­stellung brachte. Die Fünferreihe hatte einen gu­ten Tag, denn es wurde geschossen, und jeder Stürmer hatte gleichen Anteil an dem erzielten Erfolge. Der beste Mann der Soldaten war der linke Verteidiger, der sich durch gutes Stellungs­spiel auszeichnete und auch ein schönes Tor er­zielte. Der Schifedsrichter, der das Spiel nicht immer in der Hand hatte, konnte nicht verhindern, daß es drei Minuten vor Schluß, durch hartes Spiel der Kickershintermannschaft, zu einem frühzeiti­gen Ende kam. F. P.

Fußballergebnisse vom Sonntag Süddeutsche Meisterschaftsspiele

Baden:

VfB Mühlburg — VfR Pforzheim 5:1 Elsaß :

SG Straßburg — FC 93 Mülhausen 2:4 SpVgg Kolmar — SpVgg Hüningen 4:4 SV Schlettstadt — FV Hagenau 0:1 Württemberg:

VfR Aalen — SV Göppingen 1:2 Union Böchingen — Stuttgarter Kickers 5:1 Spfr. Stuttgart — SSV Reutlingen 4:1 SV Feuerbach — VfB Stuttgart 1:5 Nordbayern: ,

FC Bamberg — 1. FC Nürnberg 3:1 VfR Schweinfurt — Post Nürnberg 5:1 KSG Würzburg — KSG Schweinfurt 1:3 VfL Nürnberg — WTSV Schweinfurt 3:1 Südbayern:

LSV Straubing — Bayern München 0:2 1860 München — TSG Augsburg 6:3 Wacker München — Schwaben Augsburg 2:2 TSV Pfersee — BC Augsburg 0:1 Jahn Regensburg — MTV Ingolstadt 4:5 Westmark:

1. FC Kaiserslautern — TSG Merlenbach 2:2 VfR Frankental — TSG Saargemünd 7:0

Sport in Kürze

Der Schwergewichts-Europameister Olle Tänd- berg hat seinen Titel freiwillig gegen den Flamen Karel Sys aufs Spiel gesetzt. In der am Sonntag im Brüsseler Sportpalast vor 7000 Zuschauern durchgeführten Revanche kam Sys nach 15 Run­den zu einem Punktsieg und damit zum Titel. Tandberg, der rund 10 Zentimeter größer als sein Herausforderer war und auch sechs Kilo mehr Gewicht in den Ring brachte, scheiterte an der größeren Vielseitigkeit seines flämischen Gegners.

Anordnungen derJSQAP. u. dere.n jBJietJerungen

NS.-Frauenschaft Offenburg -Ost. Heute Diens­tag pünktlich um 19,30 Uhr: Heimabend im Union- Mittelbau. Liederbücher mitbringen.

NS. -Frauenschaft Offenburg -West. Morgen Mitt­woch um 20 Uhr: Heimabend

KdF.-Sport der Frauen Offenburg . Heute Diens­tag von 18,30 bis 20 Uhr findet in der Städtischen Turnhalle für alle Frauen Sportabend statt. Alles kommt!

NS. -Frauenschaft, Deutsches Frauenwerk mit Jugendgruppe Gengenback . Am Dienstag um 20 Uhr findet bei Oettle ein Heimabend mit wich­tiger Besprechung statt, zu dem vollzähliges Er­scheinen dringend erwartet wird. Nähzeug mit­bringen. Die Frauenschaftsleiterin.

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MAR Jf O tonst in den Tod

Roman von Hermann Weick Alle Reckte dar* Hermann Weide, Karlaruhe, Eisenlohrstr. 18 10. Fortsetzung

Er ging auf Simone zu und klopfte ihr mit seiner rechten Hand; es war eine mächtige Pranke, auf die Schulter, daß sie zusammenzuckte.

„Nun mache kein beleidigtes Gesicht, Simone! So wie du die Isabella spielst, spielt sie dir keine von den jungen Gänsen, die jetzt hier draußen herumlaufen, nach, darauf kannst du dich verlas- aenl Wieder gut, ja?“

Simone, schon halbwegs versöhnt, konnte ein Lächeln nicht unterdrücken.

„Sie sind und bleiben ein Grobian, Oppermann!

■ sagte sie und ging in ihre Garderobe.

Als sie nach einer Weile zurückkam. stand der Regisseur im Gespräch mit einigen Schauspielern beisammen; Walter Münch befand sich darunter. Sie unterhielten sich gerade über den Tänzer Mario.

„Nun sagt einmal, Herrschaften, war das nicht eine glänzende Idee von mir, Mario in unserem Film zu verwenden?" sagte Oppermann. „Jetzt hat .der große Zauberer“ sogar eine wirkliche Sen­sation! Wenn die Leute Mario nochmals tanzen sehen wollen, müssen sie, ob sie wollen oder nicht, sich unseren neuen Film anschauen!"

„Sie sind ein Gemütsmensch!"- meinte die Reti darauf.

„Was heißt Gemütsmensch?" Oppermann, der sich manchmal darin gefiel, zynische Töne anzu­schlagen, zuckte mit den Schultern. „Zuerst kommt das Geschäft, liebe Simone! Und wenn wir für den Film eine Attraktion mehr haben — um so besser! Womit ich natürlich deiner Leistung und

der Münchs nicht zu nahe getreten sein möchte!“

Er machte einige kräftige Züge aus seiner un­vermeidlichen Pfeife.

„Uebrigens ein fabelhafter Aktschluß von Ma­rios Leben I" fuhr er dann fort. „Ausgerechnet in seinem Todestanz zu sterben! Darin liegt Stil, alle Achtung!“

Die Filmschauspielerin hielt sich die Ohren zu.

„Jetzt hören Sie endlich auf, Oppermann! Man könnte ja meinen. Sie sprächen von einem Film­stoff, dabei handelt es sich um einen Menschen, der vor wenigen Tagen noch hier herumgelaufen ist!"

Sie wandte sich zu Walter Münch , der bei ihnen stand, sich aber nicht an dem Gespräch beteiligt hatte.

„Kannten Sie eigentlich Mario näher, Walter? Was für ein Mensch war er?“

Münch fuhr wie aus tiefen Gedanken auf.

„Ob ich Mario kannte? . . . Nur flüchtig.“

„Ein schöner Mensch war er jedenfalls!“ sprach Reti darauf, und ihre dunkeln Augen ver­schleierten steh in der Erinnerung an das Bild des Tänzers. Sie hatte sich stark mit dem Gedanken getragen, bei nächster Gelegenheit Mario an sich heranzuziehen, seine, Jugend, die Schönheit seiner Erscheinung hatten es ihr angetan — nun war es nichts mit diesem lockenden, verheißungsvollen Plan. Schade!

Der Komiker Sommer, ein Mann in reiferen Jahren mit einem verkniffenen Gesicht, kam aus der Kantine zurück: mit wichtigtuerischer Miene näherte er sich der Gruppe.

„Wißt ihr schon das Neueste von dem Tänzer Mario?" fragte er: man sah ihm an, wie sehr er darauf brannte, seine Nachricht an die Leute zu bringen.

„Soeben sprachen wir von ihm!" antwortete Simone Reti.

„Mario ist vergiftet worden?“

Oppermann sah den Komiker spöttisch an.

„Auf solche Moritaten, lieber Sommer, fallet! wir nicht herein!"

Der Komiker ereiferte sich.

„Es stekt bereits in den Zeitungen!" sagte er aufgeregt „Ein Bekannter, mit dem ich soeben telephonierte, erzählte es mir!"

Oppermann schien noch immer erhebliche Zwei­fel in die Behauptung des anderen zu setzen: die Reti dagegen war ganz blaß geworden.

„Schrecklich!“ sagte sie und sah wieder den jun­gen, strahlenden Tänzer vor sich.

Walter Münch , noch immer in seine Grübeleien eingesponnen, begriff jetzt erst den Sinn von Sommers Nachricht. Er faßte den Komiker am Arm.

„Was sagten Sie, Sommer? . . . Mario sei ver­giftet worden?“

„ln den Zeitungen seht es so, und die müssen es ja schließlich wissen!“

Münch fuhr sich mit der Hand über die Stirne, als wolle er einen Gedanken, der ihn in diesem Augenblick überfallen hatte, von sich wegdrängen.

„Das ist dock unmöglich! . . . Wer sollte Mario vergiftet haben?““

Verwundert betracktete der Komiker das ver­störte Gesickt Müncks.

„Das kann ick Ihnen beim besten Willen nickt sagen", antwortete er und erinnerte sick plötzlick des Streites, den Münck kürzlick in der Garderobe mit dem Tänzer Mario gehabt hatte.

Er, Sommer, war zufällig dazugekommen, als Münck, dessen erregte Stimme sckon vor der Türe zu hören gewesen war, mit drohend erhobenen Händen vor dem Tänzer gestanden hatte; seine Züge waren dabei wie von sinnloser Wut verzerrt gewesen. Bei Sommers Ersckeinen war Münck be­stürzt herumgefahren, er hatte sick aber schnell

gefaßt gehabt und sick mit Mario, der höhnisck

läckelte, unterhalten, als ob zwischen ihnen beiden nickt das geringste vorgefallen sei.

Sommer hatte sick damals durck Müncks Ge­baren nickt täuscken lassen: da aber Meinungs- vershiedenheiten und Streitigkeiten in Filmgarde­roben nichts Ungewöhnliches waren, hatte er sich weiter keine Gedanken über die Sache gemacht.

Mit einem Male sah Sommer jetzt jenen Vorfall in anderem Licht. Der Zusammenstoß der beiden Herren schien damals wirklich sehr ernster Natur gewesen zu sein; Münch hatte sich wenigstens dabei aufgeführt, als habe er dem anderen an den Kragen gehen wollen — und Münch war doch alles andere als ein Raufbold! Was mochte ihn so sehr aufgebracht haben?

Eine Dame schien bei dem Streit eine Rolle gespielt zu haben, Münch hatte, gerade als Som­mer die Garderobe betrat, von einem Fräulein War- ling gesprochen . . . wahrsckeinlick hatte es sick dabei um die scköne, elegante Brigitte Warling ge­handelt, die überall, wo die reichen Leute Berlins sich amüsierten, dabei war . . .

Die Frage, ob zwischen jenem Zusammenstoß und Marios gewaltsamem Tode irgendein Zusam­menhang bestehe, drängte sich plötzlich Sommer auf. Der Komiker gestand sich ein, daß seine Vermutung kühn, ja geradezu lächerlich sei. Was sollte Münck mit dem Mord an Mario zu tun haben? . . . Aber der Gedanke war nun einmal da, und da Sommer, der heute beim Film nur noch eine nebensächliche Rolle spielte, Walter Münck um seine große Beliebtheit beim Publikum, seine großen Erfolge und sein Startum beneidete, so war er nur allzu bereit, dem Verdacht, der in ihm aufgestiegen war, nahzugeben.

Mißtrauisch beobachtete er nachher, als die Auf­nahme weiterging, Walter Münck.

(Fortsetzung folgt)

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