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SÜDKURIER

Nr. 136 / Seite 5

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beit 28.3tuauft 1932

Jung unö alt auf froher Fahrt

Wer, wie ich, täglich Fahrgast der Bun­desbahn ist und die Reisenden auf der vom Schwarzwald zum Bodensee führen­den Strecke bis Konstanz begleitet, erlebt in diesen Ferienwochen immer wieder, welche Begeisterung der Anblick des son­nenüberglänzten Bodensees auslöst, wenn auch die Ausdrucksformen bei den einzel­nen Besuchern recht unterschiedlich sind.

Heute ist es eine Schar junger, hübscher Primanerinnen, die in Begleitung zweier Lehrerinnen aus Hamm in Westfalen zum Bodensee gestartet ist. Die zwitschernden Gespräche drehen sich um den Bodensee , den man noch nie gesehen hat. Endlich, in Radolfzell , taucht er auf und ein fro­hes und glückliches Aaah und Oooh geht durch den Wagen, daß man ganz still wird und denkt: „Ach ja, wie schön, wenn man sich so freuen kann!“ Und dann, auf der Fahrt am See entlang zwischen Radolfzell und Konstanz , hebt ein Fragen und For­schen an. Die einheimischen Fahrgäste haben alle Mühe, ihre geographischen Kenntnisse in der richtigen Reihenfolge anzubringen.

Am nächsten Tage begegnet uns das Gegenstück: Eine Primanerklasse aus Fulda , die mit dem sachlichen Ernst jun­ger Weltreisender die Landkarten stu­diert, die schon alles weiß und alle Orte kennt, an denen wir vorüberfahren. Der

frische und jung gebliebene Lehrer er­zählt, daß man auch noch nach Oester­ reich und in die Schweiz wolle. „Der See“, „ach, da ist ja der richtige See!“ rufen plötzlich die Jungen durcheinander. Wir fahren gerade über die Rheinbrücke und erst jetzt kommt für sie der „richtige“ See. Der gesammelte Emst ist vergessen. Man stürmt aus dem Zug und nestelt schon die Badehose aus dem „Affen.“

Ja, so ist nun unser heimatlicher Boden­ see der Hauptanziehungspunkt für die vielen Erwartungsfrohen. Für den gesetz­ten Familienvater, der seinen drei Töch­tern die Landschaft erklärt und über des­sen Gesicht dabei manchmal ein spitz­bübisches Lächeln der Erinnerung an frühere Bodenseetage zu huschen scheint. Für die beiden alten Schwarzwaldbäue­rinnen, die sich seit langem die Reise zu­sammengespart haben, um, wie sie sa­gen, „vielelicht zum letztenmal den See zu sehen“. Für die Gruppe junger Ame­rikaner, die sich so unbekümmert und sicher in dem für sie fremden Lande be­wegen und deren „wonderful" beim An­blick des Sees dann plötzlich so besinn­lich klingt.

Und wir, die wir das Glück haben, in dieser Landschaft zu leben? Nun, uns bleibt nur dies zu tun: Wir sollten den Besuchern, die mit so großen Erwartun­gen zu uns kommen, mit jener warmen Herzlichkeit und Zuvorkommenheit be­gegnen, die erst den wirklichen Kontakt schafft und die in der Erinnerung Natur und Menschen am Bodensee in schöner Harmonie zusammenfügt, zu der man im­mer wieder gern für unbeschwerte und erholsame Ferientage zurückkehrt - ie -

Schweizer betrügen Schweizer

Ein mißlungener „Uhrendreh“ in Konstanz

Die Zürcher Polizei hat im ersten Stadt­kreis von Zürich zwei Kaufleute und einen Provisionsreisenden verhaftet, die Uhren im Gesamtwert von über 22 000 Franken gestohlen hatten. Der Reisende hat sich ferner des Betruges im Werte von rund 6500 Franken schuldig gemacht und wei­tere Diebereien begangen. Einer der Ver­hafteten ist dreimal und einer viermal vor­bestraft.

Zu dieser Verhaftung erfährt man noch folgende Einzelheiten: Die drei Täter, der 31jährdge Vertreter und die beiden Kauf­leute im Alter von 43 und 44 Jahren, hat­ten geschäftliche Beziehungen zu einem So- lothumer Uhrenhändler angeknüpft und ihm erklärt, daß sie in Kreuzlingen einen Großabnehmer für Uhren wüßten. Nach einer gemeinsamen Besprechung! in Zürich fuhr dann der Solothumer mit dem Trio nach Kreuzlingen . Er führte in Aktenmap­pen Uhren im Werte von 22 000 Franken bei sich.

Nach der Ankunft in Kreuzlingen erklär-

Inöuftrie unterftötit Kultur

ko. Der Kulturkreds im Bundesverband der deutschen Industrie hält seine erste or­dentliche Jahresversammlung am Montag, den 22. September 1952, vormittags 9.30 Uhr, im Weißen Saal des Schlosses auf der Mainau ab. Auf der Tagesordnung steht u a. die Beratung über die Zuwendungen von je 10 000 DM für Aufgaben der bil- denden Kunst, der Literatur und der Mu­sik, die seiner Zeit in Hamburg beschlossen wurden. Am Nachmittag des 22. Septem­ber 15.30 Uhr findet eine Vortragsveran- staltung in der Schloßschule Salem statt. Professor Dt. Walter Gerlach und Profes­sor Alois Dempf werden über „Die For­mung des Menschenbildes in der Kultur der Gegenwart“ sprechen.

ten die drei Gauner dem Uhrenhändler, daß der Interessent erst später edntreffe. Sie überredeten ihn, inzwischen mit ihnen nach Kanstanz zu kommen, und das Auto mit den Uhren in Kreuzlingen stehen zu lassen. Der Händler folgte dieser Auffor­derung, nachdem er den Wagen abgeschlos­sen hatte. Die vier begaben sich nach Kon­ stanz , wo sie eine Gaststätte aufsuchten. Dann entfernten sich zwei von ihnen aus dem Lokal, so daß der Uhrenhändler mit dem 44jährigen Kaufmann allein blieb. Plötz­lich zog dieser einige Uhrenschachteln aus der Tasche, die er zuvor aus den Akten­mappen des Händlers gestohlen hatte, und übergab sie dem ahnungslosen Uhrenhänd­ler. Wenige Augenblicke später öffnete sich die Türe, und es erschienen deutsche Zoll­fahndungsbeamte, die von den Komplicen herbeigerufen worden waren, um den So­lothumer Uhrenhändler zu verhaften. Der Kaufmann konnte unbehelligt in die Schweiz zurückkehren.

In Kreuzlingen traf er wieder mit seinen Komplicen zusammen. Sie fuhren gemein­sam mit dem Auto und den Uhren nach Zürich zurück, wo einer der Gauner 200 Uhren für 6400 Franken verkaufte. Die Täter waren der Meinung, daß der Uhren­händler von den deutschen Grenzorganen monatelang in Haft behalten würde. Tat­sächlich war er jedoch schon nach 36 Stun­den wieder auf freiem Fuß, worauf er nach Zürich reiste, und dort Strafanzeige erstattete.

Wie wir hören, steht die deutsche Zoll­behörde auf dem Standpunkt, daß es sich in dem vorliegenden Fall um keinen Schmuggel handelt und daß der Schweizer von seinen eigenen Landsleuten betrogen worden sei. Der Uhrenhändler wird wahr­scheinlich seine Uhren wieder zurückerhal­ten. Audi die Geldstrafe, die er bezahlen mußte, soll zurückerstattet werden.

HaralÖ Kreu$berg=Gaftlpiel im Staöttheater

„Was ich will, Ist — tanzen! Und alles, auch das Heben einer Hand, das Wenden des Kopfes muß Tanz bleiben. Ich will kein Ver­treter einer Schule sein, kein Kämpfer für ein System — ich will Tänzer sein und tanzen“.

Mit diesen Worten hat Kreutzberg selbst das Wesentliche über seine Kunst ausgesagt: den aus einer Vision geborenen Gestalten seiner schöpferischen Phantasie „durch das Gebilde der Tanzform Leben zu geben.“ Und es ist wohl gerade das undoktrinäre Nur- Tänzerische, die urtümliche, dionysische Lust an der Bewegung, die Kreutzbergs Können zu so außerordentlicher künstlerischer Er­füllung kommen ließ. Aber neben dem natür­lichen Talent ist es vor allem die musikalische und technische Vollendung, die bei Kreutz­berg den Tanz zu jener Reife wachsen läßt, die den Zuschauer stets aufs neue beglückt. Ein ungeheures musikalisches Empfinden für die Raumharmonie der tänzerischen Bewe­gung, die Fähigkeit, das harmonisch-melo­dische Element der Rhythmik und Dynamik einer figuralen Gestaltung unterzuordnen, der Sinn für Farbe und Kostüm als Teile des Tanzes, das alles macht den Tanz Kreutz­bergs zur Kunst, die sich nicht im pantomi­mischen Nachahmen erschöpft.

Dies alles wurde <n seinem Konstanzer Gastspiel wieder einmal erlebt Auch wenn das Programm „Tänze und Gestalten“ nur wenig seiner bekannten Tanzschöpfungen ent­hielt, mehr Tänze als Gestalten bot, so blieb doch noch genug an großen Eindrücken, die z. B. „Sturmgott“, „Wächter des Schatten­reichs“ oder das „Requiem für die Lebenden“ in besonders starkem Maß vermitteln. Hier offenbarte sich Kreutzbergs Kunst, hinter seinen Gestalten, den Sinn schöpferischen Werdens und Seins sichtbar werden zu las­sen, in unmittelbar packender Form, deren Einheit sich aus den Elementen ausdrucks­starker-, plastisch-gebärdenreicher Bewegung, schauspielerisch vertiefter Mimik, aus leuch­tender Farbe der Kostüme und Musik zu­sammensetzt Die Eleganz heiter-Iächelnder Gestik und ironisch-fröhlichen Uebermuts, die tänzerische Lust der Kapriolen und Har-

lekinaden kamen in den „Zigeunerliedern", im „Seligen Walzer“ und den „Lustigen Klei­nigkeiten“ zu herrlich-gelöster Darstellung. Bei allen Tänzen hatte Friedrich Wilckens , der langjährige musikalische Begleiter und Komponist vieler Tänze Kreutzbergs den Klavierpart in meisterlich-verständiger Ein­fühlung.

Das Publikum war nach jedem Tanz be­geistert und erklatschte sich mit seinem stür­mischen Beifall mehrere Wiederholungen.

W. M.

Uraufführung im Stadtgarten

Im Rahmen eines Sonder-Konzertes des verstärkten Städh Orchesters, das Gastdiri­gent Will Fanta am Dienstagabend im Stadt­garten leitete, gewann die Uraufführung der dreisätzigen Sinfonischen Suite „Nordland“ aus der Feder des Orchesterführers die be­sondere Beachtung der Zuhörerschaft. Stark illustrativ, untermalend, so daß man oft an Film-Musik denken konnte, zeigte sich das satztechnisch und in der Instrumentation ge­schickt behandelte Werk als routinierte „Kapellmeistermusik“, die in Melos, Rhyth­mus und in der harmonischen Färbung deut­liche Beeinflussung durch die Schöpfungen eines Jan Sibellus, Richard Strauß , Grieg , Svendsen u. a. aufwies. Der zweite Satz „Volkstanz und Romanze“ mit der Verwen­dung originaler Tanzmotive und einem wir­kungsvollen Violin-Solo besaß durch sein persönlicheres Gepräge größeren musikali­schen Wert als die unorganischer und zu sehr „zusammengesetzt“ wirkenden Ecksätze. Dem Werk und seinem Autor wurde im Zusam­menhang mit den anderen Orchesterdarbie­tungen der anerkennende Beifall der Zu­hörer zuteil. Lg.

Die neuen Filme

Das Roxy bringt von Freitag bis Montag den Film „Guillotine“, einen Film von der französischen Revolution. — Im Gloria ist die Filmoperette „Fürst von Pappenheim* mit Victor de Kowa , Hannelore Schroth und anderen bekannten Darstellern zu sehen. — Das Capitol zeigt bis Montag den Abenteuer-

Dic Welt Oer kleinen Fifche

Scalare und Zwergmaulbrüter im Unter wasserdschungei

„Lotos“, Amazonas “, Wasserstern“, „Sa­lamander“, „Nymphaea “, „Iris“ — eine bunte Auswahl blumiger, poetischer Na­men, wie sie Aquarien- und Terrarien­freunde in Deutschland ihren Vereinen ga­ben. Nicht minder poetisch, ja exotisch und rätselhaft klingt „Scalare“.

Scalare, der König der Aquarienfische, das ist der im Amazonasstromgebiet in Massen lebende, knapp handflächengroße, hochflossige Mondfisch mit den abenteuer­lichen, säbelartigen Bauchflossen und Schwanzstacheln. Nach ihm heißt auch eine der beiden Konstanzer Vereinigungen von Züchtern und Pflegern tropischer Fische und Pflanzen. Dieser Märchenfisch und perlmuttfarbene Exote mit den Ze­brastreifen, dem phantasievolle Gemüter auch die Namen Flossenblatt, Segelfisch, Flügelblatt und Blattfisch gaben, treffen wir bei unserem Besuch, beim „Scalare“- Vorsitzenden in drei Exemplaren an. Munter schwimmt das Trio in einem ge­räumigen 100-Literbecken umher, aus des­sen glitzernden Bodengrundsänden ein üp­piger Unterwasserwald tropischer Pflanzen sproßt. Gewimperter Wasserkelch, japa­nische Zwergseerose, Sumatra -Unterwas­serfarn, indischer Wasserfreund und an­dere, zumeist den' „Cryptocorynen“ zuge­hörende Pflanzen, stehen in lichtem Grün schwankend in dem perlenden Wasser. Wenn man mit Aquarianern umgeht, muß man 6ein Latein auf frischen; die Sprache Ciceros , sofern sie sich auf die wissen­schaftlichen Bezeichnungen von tropischer Fauna und Flora bezieht, ist ihre alltäg­liche Umgangssprache.

Die Aquarianer, von denen sich einige an­dere auch in dem bereits dreißigjährigen „Verein der Aquarien- und Terrarien­freunde“ hier in Konstanz zusammenge­schlossen haben, sind eigene Leute. Ro­mantiker und Naturenthusiasten., die sie sind, wollen sie nicht in Alltag und Beruf auf ein Stückchen lebendiger Natur ver­zichten. Das regt die Phantasie an und ver­mittelt, zumal beim Züchten tropischer Fische und Pflanzen, interessante zoologi­sche und erdkundliche Kenntnisse. Sie, die mit Leitern überseeischer Expeditionen und wissenschaftlichen Tropeninstituten in Verbindung stehen, reiten ein extravagan­tes Steckenpferd, für das sie auch gerne Opfer bringen. Der tiefere Sinn ihrer kost­spieligen Liebhaberei ist es, den von ihnen betreuten Tieren und Pflanzen auch in der Gefangenschaft in Umwelt und Ernährung möglichst jene natürlichen Lebensverhält­nisse zu schaffen, wie sie die heimatliche

Föhn am Boöenfee

Dieses Jahr ist uns ein früher Herbst angekündigt worden. Die merklich kür­zer werdenden Tage und der morgend­liche Dunst oder Nebel über See und Nie­derungen erinnern uns daran. Das jetzt über dem Nordmeer liegende Sturmtief saugt die Luft über dem mitteleuropä­ischen Raume ab; im Alpengebiet setzt sich der Föhn durch. In den gestrigen Mittagsstunden trat der Föhn am Boden­ see auf. Der auffrischende Wind kräuselte den See, die Temperatur ging sprunghaft in die Höhe und erreichte am westlichen Bodensee 27 Grad Lufttemperatur, wäh­rend gleichzeitig die Feuchtigkeit schnell abnahm und nur noch 36 Grad gemessen wurden. Der Föhn verlief in normalen Bahnen, Sturm trat nicht auf. Reine Luft­temperaturen von mehr als 25 Grad sind in dieser Jahreszeit recht selten. Sollte der Herbst, wie vielfach angenommen wird, warm und trocken verlaufen, so verspricht die Rebenemte recht gut zu werden.

film „Ein Satansweib“ mit Jane Rüssel in der Hauptrolle. — In der Scala läuft gleich­falls bis Montag der Wildwestfilm „Im Lande der Comanchen“. — Sondervorstellungen: „Der Glöckner von Notre Dame “ mit Charles Laughton . Capitol: „Unter Einsatz des Le­bens“; Roxy: „Zwei Frauen“ (Sa) und „Ro­manze in Moll“ (So).

Neuerwerbungen der Städt. Büchereien

Stadtbücherei: Schöne Literatur: Hervey Allen : Rast am Wege; Jo van Am- mers-Küller: Der Apfel und Eva; Deutsche Erzähler. Ausgewählt und eingeleitet v. Hugo v. Hofmannsthal . 2 Bde.; Lin Yutang : Die Kurtisane; Robert von Ranke-Graves : Von Bunker’s Hül nach Saratoga; Schlehdorn: Das Pendel schwingt; Marguerite Steen : Goldküste im Zwielicht; Hellmuth Unger : Narkose. — Sachschrifttum: Martin Beheim- Schwarzbach : Die Geschichten der Bibel; Werner Braunbek : Methoden und Ergebnisse der Atomkernforschung; Alexandra David- Neel : Liebeszauber und schwarze Magie; Wolfgang Gessner: Die Sprache der Baukunst. Raum und Gebärde; Walter Görlitz : Idee und Geschichte. Die Entwicklung des historischen Denkens; Walter Havighurst : Im Lande Le­derstrumpfs. Die Geschichte der großen Seen Nordamerikas ; Joseph Krauss: Vom Messen der Zeit im Wandel der Zeiten: Andreas Liess : Die Musik im Weltbild der Gegenwart; Alfred Mühr : Großes Theater. Begegnungen mit Gustaf Gründgens ; Marcel Reding: Die Existenzphilosophie; Werner Richter : Ludwig II., König von Bayern; Rudolph Tschierpe: Ein Weg in die Philosophie; Ernst Wiechert : In der Heimat; Alexander Witeschnik: Musik aus Wien .

Wessenberg-Bibliothek: Alfred Bertholet : Wörterbuch der Religionen (Stutt­ gart 1952); Fritz Hartung : Deutsche Verfas­sungsgeschichte vom 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart (Stuttgart 1950); Justus Hashagen : Europa im Mittelalter (München 1951); Carl Lamb : Die Wies (München 1948); Theodor Litt : Mensch und Welt Grundlinien einer Philosophie des Geistes (München 1948); Max Wehrli : Allgemein« Literaturwissenschaft

(Bern 1951).

Natur ihnen bietet. Jeder der beiden Kon­ stanzer Vereine hat etwa 30 Mitglieder. Groß ist natürlich die Zahl der nichtorga- i nisierten Aquarien, die ihre Liebhaberei darum aber nicht weniger sachgemäß und leidenschaftlich betreiben.

Doch nicht nur „Pterophyllum scalare“, noch hundert andere exotische Zierfische zählen zu den Prunkstücken moderner Aquaristik. Da ist z. B. der Zwergmaul­brüter, dessen Weibchen seine 50 oder mehr Jungen im Kelhlsack gebiert und ge­wissermaßen aus dem Maule speit, in das die furchtsamen Sprößlinge bei Gefahr wieder blitzschnell zurückflieihen. Und phantastische Barbenarten und Bunt­barsche bevölkern in farbenschillemdem Gewimmel die geheimnisvolle grüne Däm­merung der großen Tropenbecken. Ein sol­ches in der Größe von 80 x 40 x 40 om sahen wir beim Vorsitzenden des „Vereins der Aquarien- und Terrarienfreunde“. In ihm schwammen sogar acht ausgewachsene, prachtvolle Scalare. dieses eiserne, ver­glaste und hcj-zumkleidete Becken kann neu etwa 80 bis 100 DM kosten. Es enthält 125 Liter Wasser. Diese Wassermenge drückt mit einer 214-Zentnerlast gegen die nur wenige Millimeter dünnen Scheiben. Die Ernährung der Fische, die Pflege der Pflanzen ist eine Wissenschaft für sich. Wichtig ist es vor allem, zwischen Fischen und Pflanzen in Ernährung und Pflege das „biologische Gleichgewicht“ zu halten, da­mit sie gedeihen und es eine gute Zucht gibt. Auf einem anderen Blatt wieder steht die Handhabung der vielerlei Spezialgerät­schaften, wie sie der neuzeitliche Heim- Fischzüchter und -Botaniker braucht. Da

buntes Le' c:. liier Glas

Bild: Klimek

gibt es Filter und Elektropumpen für die Sauerstoffanreicherung der Becken, Aqua- rien-Heizer und -Leuchten, Durchlüfter, Schlammheber und Temperaturregler.

„Man hat mit einem Aquarium ein Stückchen Natur im Haus“, sagte einer der Vereinevorsitzenden, — „im Winter, wenn draußen alles kahl, ist es im Zimmer im­mer grün und bunt, denn auch viele Unter­wasserpflanzen blühen, die japanische Zwergseerose beispielshalber in einem wunderbaren Blau. Der Stolz jedes Aqua­rianers ist es natürlich, seltene exotische Fische mit Erfolg zu züchten und seltene tropische Pflanzen zu besitzen. Kn.

KinÖesentfübrer roaren auch am Boöenfee

Das „saubere Pärchen“ beging auch eine Reihe von Straßenräubereien

Wie dieser Tage kurz berichtet wor­den ist, wurde in der Nähe von Kassel ein Pärchen festgenommen, das in Mün­ chen die vierjährige Evelyne Sieber ge­raubt hatte. Ihre Entführer, der 26 Jahre alte Wilhelm Mayer und seine Geliebte Elisabeth Heinzmann haben auch am Bo­ densee eine kurze Gastrolle gegeben. Mayer war wegen der von ihm verübten Raubüberfälle durch das Konstanzer Ge­richt zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt worden und büßte die Strafe im Frei­ burger Zuchthaus ab. Bei einem Besuch gelang es der erst 17jährigen Heinz­mann, ihrem Geliebten eine Stahlfeile in die Zelle zu schmuggeln, mit deren Hilfe er in die Freiheit entkam. Sie hatten dann in Engen , Ueberlingen und Friedrichshafen Motorräder mitgenommen, d. h. sie ließen die gestohlenen Fahrzeuge jeweils stehen und ersetzten sie durch andere Räder, wo­bei Mayer NSU-Marken besonders bevor­zugte. In Friedrichshafen hatten sie das Motorrad eines Duisburger Feriengastes erwischt, der es nur für eine halbe Stunde in einer Straße nahe dem Hafenbahnhof mitsamt Gepäck abgestellt hatte, um mit seiner Frau einen Spaziergang am Bo­ densee zu machen. An Stelle seines eigenen Rades fand der fassungslose Feriengast

ein fremdes Fahrzeug vor — die Gauner hatten es Stunden zuvor in Ueberlingen gestohlen. Nächste Etappe des Gaunerpär­chens war Ulm , wo die Heinzmann, als sie allein in der Stadt herumkutschierte, einer Polizeistreife in die Hände geraten war. Auf unerklärliche Weise gelang es ihr, wieder zu entkommen. Dann setzten die beiden ihre abenteuerliche Fahrt nach München fort, um sich hier „rein aus Nei­gung“ ein Kind von der Straße zu holen. Sie hatten es mit Bonbons an sich gelockt. Während das Pärchen seinen Straßenräu­bereien nachging, hatten sie die kleine Evelyne in einem Zelt zurückgelassen, wo eie schließlich von einem Polizeibeamten gefunden wurde.

11000 DM entwendet

Dieser Tage mußte die Inhaberin eines Geschäftes, die im Stadtteil Petershausen wohnt eine unangenehme Feststellung machen. Als sie wieder einmal nach ihrem Bargeld sah, das sie in ihrer Wohnung (!) aufbewahrt hatte, stellte sie fest, daß ihr 14 000 DM entwendet worden waren. Der Verdacht fiel auf einen 28 Jahre alten Mann, der vorläufig festgenommen wurde, aber noch leugnet.

fiut$e Stöbtnadjrtifjten

Am vergangenen Sonntag starb in Kon­ stanz im Alter von 72 Jahren Präsident a. D. Hubert Zircher. Der Verstorbene stand lange Jahre der badisch-württem- bergischen Forstverwaltung vor und war zuletzt Vorsitzender der Tapierfabrik Weißenstein AG in Pforzheim -Dillweißen­stein.

Vor dem Anwesen Mainaustraße 144 wollte ein 68 Jahre alter Mann aus Kon­ stanz die Straße überqueren. Dabei lief er in ein Motorrad und stürzte. Der Mann erlitt eine Gehirnerschütterung und eine Schädelfraktur. Ein vorbeikommender Arzt leistete die erste Hilfe.

Ein 23 Jahre alter Bauschreiner, der ohne festen Wohnsitz ist, belästigte in einer Gaststätte in der Stadtmitte die Gäste und trank deren Bier aus. Er wurde aus der Gaststätte gewiesen und zerriß dabei noch einen Vorhang. Die Po­lizei nahm den Mann, der keine Ausweise hatte, vorläufig fest.

Beim 4. Toto-Wettbewerb am vergan­genen Sonntag fielen in den Bereich der Hauptstelle „Q“ Konstanz 1767 Gewinne in den Beträgen von DM 1702.90 (Zehner- Wette) bis DM 4,70.

Zu der „Jedermann“-Freilichtaufführung in Reichenau -Mittelzell morgen Freitag­abend beabsichtigt die Kraftwagenstelle der Bundespost bei genügender Beteili­gung ab Marktetätte einen Sonderwagen zu fahren. Anmeldungen im Postamt, Zimmer 189 (Tel. 1289).

Morgen Freitagabend halten die Kon­ stanzer Naturfreunde im „Bauhof“ ihre Mitgliederversammlung ab. Anmeldungen für dis im September geplante Omnibus- fahrt ins Säntisgebiet (Schäffler, Wild- kirchli) werden entgegengenommen.

Das neue Bodensee -Heft

Die September-Ausgabe der Bodensee - Hefte, die monatlich als Organ des In­ternationalen Bodensee-Verkehrs Vereins im Seehasen - Verlag Reinhold Walther Schwarz in Konstanz erscheinen, enthält wieder einige bemerkenswerte Beiträge. Adolf Kästner bringt eine Abhandlung über die Meersburger Schloßmühle und insbesondere über das große 300 Jahre alte Mühlrad, das vom völligen Unter­gang bedroht ist, und ruft zur Bildung einer „Gesellschaft der Freunde der alten Schloßmühle in Meersburg “ auf. Der Bodan-Werft ln Kreßbronn , der einzigen

Schiffsbaustätte am See, ist ein Beitrag von Walter Dumcke gewidmet. Hinüber zum Schweizer Ufer führt der Aufsatz „Stein am Rhein “ von Albert Bieder­mann. Emst-Alfred v. Dücker setzt die Reihe seiner Porträts bekannter Persön­lichkeiten des Bodenseegebiets mit einem Lebensbild von Carl Diez fort und be­richtet außerdem vom Wirken der Ma­ schinenfabrik Fahr AG in Gottmadigen. Bruno Heimle gibt einen Rückblick über die Internationalen Musiktage in Kon­ stanz , um nur einige Beiträge zu nennen. Eine Reihe schöner Bilder sowie eine Bodensee -Chronik runden auch diesmal sCs Heft ab.

Sanöroöfte

Als vor einigen Wochen ein beleibter orientalischer Monarch in die Wüste ge­schickt worden ist — wohlverstanden in keine Sandwüste — hat diese Angelegen­heit viel Staub aufgewirbelt, und zwar nicht nur Straßenstaub. Nun wird in den nächsten Tagen in Konstanz der Rommel- Film „Wüstenfuchs “ gezeigt, und es ist nicht ausgeschlossen, daß dabei wiederum einiger Staub aufgewirbelt wird, zumin­dest auf der Leinwand.

Ob es allerdings notwendig war, in die­sen zu Ende gehenden Hochsommertagen die Schillerstraße in eine Staubwolke zu hüllen, steht auf einem andern Blatt. Sicher ist, daß es für jeden, der diese Hauptverkehrsader zwischen Fischmarkt und Stadttheater nicht im dicht verschlos­senen Cabriolet passiert, kein reines Vergnügen ist, hier durch zu müssen.

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Wie hierzu das Tiefbauamt erklärt, werden zur Zeit verschiedene Straßen, u. a. auch die Schillerstraße, mit einer dünnen Schicht Kaltasphalt und Sand zu­gedeckt. Diese Maßnahme wird damit begründet, daß, um den Unterbau der Straßen vor Nässe zu schützen, die dün­nen Risse in den Straßendecken durch Asphalt und Sand abgedichtet werden müssen. Sobald die Schutzschicht einge­drungen und nach ein bis zwei Tagen durch den Verkehr glattgewalzt sei, wer­den Sand und Staub wieder beseitigt werden. Um den Unterbau der Schiller­straße vor Nässe zu schützen, werde da­her in nächster Zeit auch der schmale Humusstreifen entlang des Bahndammes mit einer Asphaltdecke versehen.

Ab jetzt PPM OH’SPD Eli 5