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Freitag, den 23. April 1948

KARLSRUHER NEUE ZEITUNG

Nummer 46 I Seite S

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Heisa, welch’ vergnügten Anstrich hat unser Stadtbild bekommen! Ha­ben Sie es wohl auch schon bemerkt — oder mußten Sie diskret beiseite schauen? Aber eigentlich kann man sie ja gar nicht übersehen — die unbestrumpften Beine unserer hol­den Frauen, die unter dem bunten, kurzen oder längeren, wippenden Rock oder Rödichen frühlingsfröh­lich hervorleuchten. Der Seiden­strumpf ist pensioniert, es wird ihm eine gute Weile nichts passieren. Jetzt geht alles zweckmäßig „ohne“.

Und die Herren, die einmal — oder auch nicht — Kavalier spielen wollen, tragen verschämt einen Mai­glöckchenstrauß in der Hand, als ob sie der Frühlingsbote selber wären.

Ohne Strümpfe und mit Maiglöck­chen im April — er hat über Nacht gebracht, was ihm eigentlich noch nicht gebührt. Doch wir sind froh, daß es schon so weit ist! P.

Neuerwa chfes Leben In den Foreüenfeichen

Ein emsig umhegtes Raubtier — Besuch in der Forellenzucht anstalt Marxzell

Wegen Aufruhr vor Gericht

i

Versammlungstermine der Parteien

SPD . Rüppurr : 24. 4., 19.30, „Krone", Mitgliedervers., Referent Rimmelspacher; Frauenmitgl.-Vers.: 29. 4., 19.00, „Weißer Berg“.

KPD . Polleiter d. Ortsgruppen: 28. 4., 18.00, Parteibüro; Rüppurr : 28. 4., 20.00, „Kaiser Friedrich", Mitgliedervers.; West:

29. 4., 20.00, „Grafs Weinstube“, Mitglie­dervers., Ref. Dietz; Innen-West: 30. 4., 19.30, Leopoldschule, Schulung; Südstadt:

30. 4., 20.00, „Auerhahn", Mitgliedervers.; Daxlanden : 1 . 5., 19.00, „Krone", Maifeier, Festanspr. Heid; Innen-West: 2 . 5., 19.00, „Bavaria“, Maifeier mit Tanz.

CDU . Knielingen: 24. 4., 19 SO, „Bahn­hof“, Flüehtlingsvers., Ref. Kunert und Christ; Beiertheim: 24. 4., 20.00, „Hirsch", Mitgliedervers., Ref. Baur u. Rihm; Ost­stadt: 24. 4., 19.30, „Georg Friedrich“, Ref. Volm (Wohnungsbauwesen); Kommunal- polit. Tagung f. d. Stadt- u. Landler. Karlsruhe : 28. 4., 9.30, „Elefanten"; Dur­ lach : 28. 4., 20.00, „Traube“, Mitglieder­vers., Ref. Baur ; Sozialpolit. Ausschuß:

28. 4., 19.30, Kolpinghaus, Ref. Brusel ; Südwest-Mitte: 29. 4., 19.43, Kolpinghaus, Mitgliedervers., Ref. Schimkus; Südstadt:

29. 4., 20 . 00 , „Nowack“, Mitgliedervers., Ref. Kunert; Knielingen : 2. 5., 19.30, „Bahnhof", Mitgliedervers., Ref. Kühn; Grünwinkel : 2. 5., 19.30, „Römerhof“, Mit­gliederversammlung.

Es mag freilich nicht zu jeder Jahres­zeit ungetrübte Freude bereiten, im kla­ren, eiskalten Wasser zu plantschen und Fische zu füttern; Jetzt aber ist es para­diesisch schön — draußen, in Marxzell , bei den Forellenteichen. Nicht etwa nur ihres Inhaltes, also der Prosa wegen, o nein, es webt auch eine köst­liche Poesie ln diesem stillen Albtal- winkel. Und wer sich mit „Leib und Seele“ diesen quicklebendigen Tierchen und der Natur verschrieben hat, grad so wie Fischzüchter Gropp, der nimmt auch Frost und Winter mit ln Kauf — weil da nämlich die meisten Forellen Ge­burtstag feiernl Ein wesentliches Ereig­nis natürlich auch in der Forellenzucht!

Mit freundlichen Fingerzeigen führt uns Meister Gropp durch sein ausgedehntes, schon seit fünfzig bis sechzig Jahren be­stehendes Anwesen, läßt uns zuallererst in das Steckkissen und die Kinderstube der Forelle schauen. Das drei- oder vier­jährige Muttertier wird künstlich abge­streift und im fließenden, kühlen Was­ser erblicken seine etwa 2000 Nachkom­men „das Licht der Welt“. Das heißt, bis der Augenpunkt im E i zu sehen ist, Vergehen erst einmal vier Wochen und • nach weiteren dreißig Tagen ist die Fo­relle vollends entschlüpft. Abermals vier Wochen lang haftet ihr nun ein gelbes Säckchen unter dem Leib an, aus dem sie die Nahrung „bezieht", bis ihr Maul so groß geworden ist, daß sie selbst auf Raub ausziehen kann. Denn die Forelle ist ein Raubtier von Kin­desbeinen an! Und sind die vielen Fo­rellen und Mäuler dazu im gemeinsamen Brutkasten verschieden groß geraten, dann kann es passieren, daß eines das andere verschlingt — ohne Pardon. 10 000 Fischlein tummeln sich fidel und munter in solch einer „Badewanne", scharen sich gierig um das „Stopfhäfele“, wenn die Raubtierfütterung beginnt. Durch ein Sieb gegebene Milz von Großvieh rutscht als erstes in ihren allzeit hungrigen Magen.

Sie gedeihen nun schon — am besten im Wasser, das 10 Grad Celsius mißt — zu richtigen, kleinen Forellen, zur Bach­oder Regenbogenforelle, wie sie ihrer hübschen Zeichnung wegen heißt. Und bereits die allerkleinste kann bei Gefahr eine Schutzfarbe anlegen. Vor den Kinderkrankheiten allerdings vermag sie nichts zu schützen; Kiem- ladenentzündung oder Irgend eine Infek-

Karlsruher Jahrhundertfeier 1848/1948

Die Festwoche vom 25. April bis 1. Mal

Wie zahlreiche andere Städte gedenkt auch Karlsruhe in diesem Jahr der Revo­lution von 1848. Ein aus Vertretern der veranstaltenden Körperschaften — Lan­desbezirksverwaltung, Stadtverwaltung, die vier politischen Parteien, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes , Gewerk­schaftsbund und Kulturbund Karlsruhe — bestehendes Kuratorium begann bereits im November des vergangenen Jahres mit der Vorbereitung der. unter dem Protektorat von Oberbürgermeister T ö p - per stehenden Feierlichkeiten, die — im Rahmen einer Festwoche — am kom­menden Sonntag ihren Anfang nehmen.

Zum festlichen Auftakt spricht Wirt­schaftsminister Dr. Veit am Sonntag­vormittag in der Markthalle, wobei die Staatskapelle unter Otto Matzerath u. a. die „Eroica “ von Beethoven zum Vortrag bringt. Am Montag ist im Kon­zerthaus eine Festvorstellung der Oper „Fldelio“ von Beethoven ; am Dienstag spricht, unter Mitwirkung des Akademi­schen Orchesters der Technischen Hoch­schule, Prof. Dr. H e u ß , im Studenten­haus über „1848 — Auftrag und Vermächt­nis“. Am Mittwoch bringt das Staats­theater anläßlich der Festwoche eine Neuinszenierung des Revolutionsdramas „Dantons Tod “ von Georg Büchner heraus. Am Donnerstag spricht Prof. Dr. Hans Mayer , Frankfurt , im Studentenhaus über „Hundert Jahre Arbeiterbewegung

tion rafft so manches Fischlein hinweg, noch ehe es in das große Wasser geht.

Dieser wichtige und wonnevolle Mo­ment im jungen Leben der Forelle ist zumeist im Frühling oder Sommer ge­kommen. Da wird das schützende Dach verlassen und der spiegelblanke B r ut- tei c h bezogen, der vordem mit Dün­ger und Kalk zu einem wohligen und gesunden Aufenhaltsort hergerichtet wurde. Ständig fließt das Wasser aus dem Meisenbach, einem Seitenbach der Alb, zu und ab. Manchmal werden tau­sende Forellen sogar in diesen Bach ge­setzt; sie werden später als Zuchttiere wieder aus ihm gewonnen — der größere Teil Jedenfalls! — und dienen zur Blut­auffrischung.

40 000 „Neulinge" werden ln einen Teich gesetzt, doch wenigstens 30 und höchstens 70 v. H. kommen weiter. Der gegenseitige Raubzug läßt mitunter be­trächtliche Ausfälle erkennen. Dabei ist die Fütterung keineswegs schlecht oder gering. In der Futterküche häufen sich Abfallfleisch und Seeflschköpfe, die zerkleinert und kombiniert verfüttert werden. Von zwölf Brut- und acht Mast- teichen in Marxzell ist etwa die Hälfte besetzt; ihre ein- bis dreijährigen Be­

wohner verbrauchen täglich 400 kg Fut­ter! 6 kg Futter werden benötigt, um einen 500 g schweren Fisch zu züchten. Eine Forelle wiegt Jedoch nach zwei bis zweieinhalb Jahren Zucht bzw. Mast durchschnittlich erst 200 g. Sie ist im­mer, Sommer und Winter, ein guter Fresser, oft aber ein schlechter Futter­verwerter. '

Dafür aber ein feiner, ein vorzüglich schmeckender Fisch. So sagt man jeden­falls! Im Expeditionsraum bei Gropp stapeln sich die Sauerstofftrans- portapparate und Fässer, in denen die Forellen lebend oder küchenfertig nach Berlin , nach Hamburg für den Norddeutschen Lloyd , nach Nizza ge­schickt wurden. Sie warten — um wieder geschickt zu werden. Meister Gropp hofft, daß er vielleicht schon im Herbst, späte­stens im nächsten Frühjahr so weit ist, unseren Eßtisch forellenblau zieren zu können. Das wäre fürwahr eine Leistung, Wenn man hört, daß im Juli 1945 kein einziger Fisch mehr ln den Teichen schwamm und die Forelle erst nach drei­jähriger Lebensdauer reif für die Nach­zucht ist.

Nun, wir hoffen auch — auf das Forellenglück. P.

Acht Angehörige der ungarische« Volksgruppe (Neubürger) hatten sich vor der Strafkammer H unter Vorsitz von Landgerichtsrat Dr. Rother wegen Aufruhr zu verantworten. Sämtliche Angeklagte sind in Friedrichptal wohn­haft. — Am 23. Juli vergangenen Jahre» wollten zwei Polizeibeamte einen ln Friedrichstal wohnhaften Geistesgestör­ten, der auch Flüchtling ist, abholen. Der 60jährige Angeklagte Sch. stellt« sich den Beamten in den Weg, um sie an der Ausführung ihres Auftrages zu hindern. Als ihm das nicht allein ge­lang, schrie er wie ein „Wilder“ und rief seine Landsleute zu Hilfe. Ala zirka 68 Personen zusammengelaufen waren (auch Altbürger), sahen sich die Polizei­beamten bedroht und traten den Rück­zug an. Sieben Männer — neben dem „Wilden“ — mußten Jetzt für die an­deren, durch ihre Anwesenheit am Auf­ruhr Beteiligten, die Sündenböcke sein. Der Angeklagte Sch. erhielt wegen Be­amtennötigung und als Rädelsführer neun Monate Gefängnis; der Angeklagte P. bekam für das gleiche Vergehen sie­ben Monate. Im übrigen wurden Ge­fängnisstrafen von sechs Monaten aus­gesprochen. Vier Angeklagte wurden aus Mangel an Beweisen freigesprochen.

, • —xe.

Aus dem Tagebuch der Fächerstadt

und die sozialistischen Ideen", eine Ver­anstaltung, die wiederum vom Akademi­schen Orchester musikalisch umrahmt wird. Den Abschluß der Festwoche am Samstagabend ln der Markthalle ■ bildet die Aufführung der IX. Symphonie von Beethoven durch die Staatskapelle unter Otto Matzerath , Else Blank, Melanie Geißler, Werner Schupp und Edmund Elchlnger vom Badi­schen Staatstheater als Solisten, sowie die vereinigten Chöre Sängervereinigung Knielingen, Karlsruher Frauenchor, Chor des Badischen Staatstheaters und Mit­glieder der „Concordla“. ) (

Aufruf des Gewerkschaftsbundes Der Gewerkschaftsbund Württemberg- Baden, Ortsausschuß Karlsruhe, erließ anläßlich der Jahrhundertfeier einen Auf­ruf, in dem er seine Mitglieder auffor­dert, sich geschlossen an den Kund­gebungen mit Wirtschaftsminister Dr. Veit, Prof. Dr. H e u ß und Prof. Dr. M a y e r v zu beteiligen. Weiter heißt es ln dem Aufruf: „Den Abschluß der Fest­woche bildet der 1. Mai als Feiertag für alle Schaffenden. Morgens 10 Uhr Mas­senkundgebung in der Markthalle, abends 19 Uhr Aufführung der IX. Symphonie, ebenfalls ln der Markthalle. Wir ersu­chen, an diesem Tage von anderen Ver­anstaltungen abzusehen, damit die Fest­woche einen machtvollen Abschluß findet.

Tragischer Unfall. Ein 75jähriger Schrei­ner, der im Rheinwald auf seinem Schlag­raumstück Reisigreste verbrannte, stürzte wahrscheinlich infolge eines Schwäche­anfalles in die Flammen und erlitt hier­bei so schwere Verbrennungen, daß er ihnen trotz sofortiger Einlieferung ins Krankenhaus erlegen ist.

Wieder Friedhofsdiändung. Auf dem al­ten jüdischen Friedhof wurden über das Wochenende wiederum eine große An­zahl Grabsteine umgeworfen und zum Teil zerstört. Die Ermittlungen nach den Tätern sind im Gange.

Cafebesitzer verschob Wein. Zur An­zeige gelangte der Inhaber eines Cafäs, weil er es duldete, daß seine Kellner Schwarzhandelsgeschäfte betrieben und er selbst an diesen teilgenommen hat: Während der letzten Monate hat er Spi­rituosen zu übersetzten Preisen aufge­kauft und mit erheblichem Gewinn den Gästen seines Cafäs weiterverkauft oder damit Tauschhandel zu eigenem Nutzen betrieben. Schlechten Wein aus der Pfalz hat er dazu verwendet, verbotenerweise sogenannten Cocktail herzustellen, den er zu solchen Preisen verkaufte, daß ihm das Liter minderwertigen Weins 60.— RM einbrachte. PP.

Unfälle. In der Schützenstraße lief ein sechsjähriges Mädchen beim Überschrei­ten der Fahrbahn gegen ein vorbeifahren­des Kraftrad. Es mußte mit einem Un­terschenkelbruch ins , Krankenhaus, ein­geliefert werden. — Im Rheinhafen stürzte ein 68jähriger Kranenführer aus noch un­bekannter Ursache von der Krananlage etwa 16 m tief ab und erlitt dabei schwere Verletzungen.

Die wohnungsvergebende Kommission der Neubürgersiedlung GmbH, trat An­fang April unter Vorsitz Bürgermeisters H e u r i e h zusammen. An elf Flücht­lingsfamilien und eine bombengeschä- digte Familie wurde je eine Dreizim­merwohnung vergeben. Von diesen Fa­milien arbeiten eine oder mehrere Per­sonen am Bau selbst mit. Im Baujahr 1948 sollen weitere sechzig Wohnungen im Klosterweg am Hardtwald erstellt werden. Jeder Flüchtling oder Bomben­geschädigte hat nach Ableistung von 275 Tagewerken bei der Neubürgersiedlung GmbH. Anspruch auf eine Wohnung. Alle Interessenten (Flüchtlinge und Bom­bengeschädigte) mögen sich zwecks Ein­stellung bei der Neubürgersiedlung GmbH., Architekt van den Kerkhoff, Karlsruhe , Haydnplatz 2, melden. ba.

Ueber „Neuordnung und Erneuerung" sprach Dr. Ernst Winkler, München , ln einem Vortragsabend des Freiwirt­schaftsbundes im Studentenheim. In sei­nem klar aufgebauten Referat führte der

Redner u. a. aus, daß es die wirtschaft­liche und sittliche Aufgabe unserer Zeit sein müsse, aus der Geschichte zu lernen. Die technischen und wirtschaftlichen Fortschritte hätten nur immer zur Aus­beutung der Massen geführt. Statt zum Segen seien diese Fortschritte zum Fluch der Menschheit geworden, denn sie hät­ten ja nur — wie die jüngste Vergangen­heit zeige — Zerstörung und Vernichtung gebracht. Ein radikaler Kurswechsel sei nötig, so betonte Dr. WinkJer, da sowohl der Liberalismus als auch die Planwirt­schaft versagt hätten. Man müsse mora­lisch wieder auf die humanistischen und christlichen Ideale zurückgreifen, denn nur wenn die Menschen sich besserten,

könnten auch die Zeiten besser werden. Die Reformvorschläge des Freiwirt­schaftsbundes, so erklärte der Redner zum Schluß, könnten uns vor dem rest­losen Zusammenbruch bewahren. Endziel sei die ausbeutungsfreie Wirtschaft und damit die wahrhaft klassenlose Gesell­schaft. lt.

Die Pfärrgemeinde St. Peter und Paul, Durlach , feierte am Sonntag die Investi­tur des neuemannten Stadtpfarrens Jose* Anton Maier. Stadtdekan Prälat Dr. A. Rüde hielt die Festpredigt. Mitglieder der Badischen Staatskapelle und der Cä­cilienverein, unter Leitung von Joh. Ulh- lein, gaben der Feier einen würdigen Rahmen. lt.

Die Plakatsäule

Lebensmittelkarten für Mai. Die Le­bensmittelkarten der 114. Z.-P. werden vom Montag, 26. April, je nach Größe des Bezirkes bis einschließlich Donnerstag, 29. April, ausgegeben. Für die Bezirke 2 (Innenwest), 4 (Südwest) und 6 (West) findet die Ausgabe im Ernährungsamt Otto-Sachs-Str. 5 statt. Die Ausgabe an Nachzügler erfolgt am Freitag, SO. April, noch in den jeweiligen Bezirken, für die Bezirke 1 bis 6 und 13 ab Montag, 3. Mal, nur noch im Emährungsamt Otto-Sachs- Straße 3. Mit den Lebensmittelkarten werden noch Karten - für Altersmilch, Raucherkarten und Seifenkarten ausge­geben. Alles Nähere ist aus der Bekannt­machung, sowie den Anschlägen bei den Bezirksstellen und den bekannten Aus­hängen ersichtlich. ea.

Fische, Kartoffeln, Eier. Die Bevölke­rung wird aufgefordert, ihre Fisch- und Kartoffelabschnitte der 113. Zuteilungs­periode umgehend einzulösen, da sie mit Ablauf vom 30. April verfallen. Ein Um­tausch oder eine Nachlieferung erfolgt in keinem Falle, da zur Zelt genügend Ware zur Belieferung dieser Abschnitte vorhanden ist. — 2 Eier sind auf Ab­schnitt „Ei 5“ der Eierkarte aufgerufen.

Ausleihe- und Lesezelten bei der Volks­bücherei. Zugunsten der Berufstätigen führt die Städtische Volksbücherei im Alten Bahnhof, Kriegstraße 7, ab Montag, 26. April, neue Ausleihezeiten ein. Die Bücherei ist geöffnet: Montag, Mittwoch und Donnerstag von 10.30 bis 12.30 Uhr und 15 bis 17 Uhr; Dienstag und Freitag von 10.30 bis 12.30 Uhr und 16 bis 19 Uhr; Samstag von 10.30 bis 12.30 Uhr. Der Lesesaal ist vom gleichen Zeitpunkt ab geöffnet: Montag bis Freitag 10.30 bis 12.30 und 15 bis 19 Uhr; Samstag von 10.30 bis

12.30 Uhr. Vom Montag, 26. April, ab wird auch die Ausleihe von Jugend­büchern wieder aufgenommen. Das Aus­

leihezimmer für die Jugend ist künftig täglich geöffnet — nicht mehr; wie bisher, nur an einem Tag in der Woche — und zwar: Montag bis Freitag von 10.30 bis

12.30 Uhr und 15 bis 17 Uhr, Samstag von

10.30 bis 12-30 Uhr. Jeder Jugendliche Le­

ser kann Wöchentlich einmal zwei Bänd« entleihen. Der Raum für die Jugend be­findet sich im Zwischenstock. v.

Die Ausstellung des Photoclubs Karls­ruhe am kommenden Sonntag im Saal der „Bavaria" (Ecke Hirsch- und Ama­lienstraße) ist durchgehend von 11.80 bi» 17.00 Uhr geöffnet. S-

Spruchkammer Karlsruhe . Vor der Spruchkammer Karlsruhe gelangen in Kürze folgende Fälle zur Verhandlung: R 1 e d n e r, Leopold, Beigeordneter a. D., 51/12/11676, Karlsruhe Südendstr. 24, NSDAP von 1925 bis 1945, Gaurichter, Hauptstel­lenleiter des Personalamtes bei der Kreisleitung Karlsruhe ; Speck, Julius, Hilfsarbeiter, 51/8/2896, Grünwinkel Hell- bergstr. 11, NSDAP von 1933—1945, DAF von 1933 bis 1945, Betriebsobmann der städti­schen Werke, Bataillonskommandeur des Volkssturmes Karlsruhe. Personen, die belastende Aussagen machen können, werden gebeten, diese unter den angege­benen Aktenzeichen an die Geschäfts­stelle des Oeffentlichen Klägers um­gehend schriftlich oder mündlich einzu­reichen. *-

Die Sprechstunden beim Oeffentlichen Kläger in Karlsruhe , Oberpostdirektion, Ettlinger-Tor-Platz 2, fallen am Samstag, 24. April, aus. »•

Kühler, einzelne RegenfäUe Vorhersage de» Amtes für Wetter­dienst Karlsruhe, gültig bis Sonntag­abend: Am Freitag, besonders vormit­tags, stark bewölkt mit schauerartig«» Regenfällen, nachmittags zeitweilige Be­wölkungsauflockerung. Am Samstag und Sonntag wechselnd wolkig, dabei am Samstag noch vereinzelte Schauer.

Badische Sezession

Ausstellung im Karlsruher Kunstverein

Die erkleckliche Vielfalt der Beschik- kung der Badischen Sezession in sämt­lichen Räumen des Kunstvereins zur Zeit nötigt zu Durchblick und Auslese ln einem Maß, das ln keinem Verhältnis stehen kann zum wirklich Gebotenen einer großen Reihe badischer Maler, Gra­phiker und Bildhauer bester Namen und bestechenden Rufs. Die notwendige Askese zwingt zum Verzicht auf Namhaftmachen, der indes für keinen Verschwiegenen eine negative Abwertung bedeutet. Namentlich im Verzicht auf die reiche Auswahl der Landschaftmalerei, für die als exponent­haft nur vermerkt seien: B1 z e r s lyrisch getönte Kleinbilder und K r a m m s ein­drucksvoll vereinfachter „Platz" einer ele­gisch anmutenden Vorstadt. Tonangeben­den Mittelpunkt dieses Genres dürft« freilich der nächtliche „Mummenschanz“ von Otto D 1 x darstellen in seiner pitto­resk aufleuchtenden inneren Rhythmik und Geschlossenheit. Daneben aber na­mentlich sein visionär eindringliches Blu­menstück. Und neben diesem der natür­lich farblich schärfer profilierte „Clown im Spiegel “ von Heckei. Damit wen­den wir uns schon dem Figürlichen und Bildnis zu, für das gewissermaßen über den „Parteien“ stehende von Wilhelm Martin (eines lesenden Herrn) in er­ster Linie die Niveau-Höhe bezeichnet, neben dem sich E. W. Schröters Kleinbild seiner Mutter anziehend hält — und Haltung zeigt. Figürlich ungemein packend Adolf S trüb es „Weiblicher Akt“ — stehend, während einen liegenden Artur Graf in eigenartiger Farbeinheit beachtlich beisteuert. Zwischen diesen Polausschlägen gewährt eine sympa­thischste Mittelhaltung E. v. Schnei- d e r-J o h o s frisch freiltcht-durchatmete „Frau mit Kind“. Ein reich durchsonntes Interieur in Kleinformat von Schnar­renberger muß den Blitzlicht-Ein­

druck ergänzen, der die Fülle lediglich im Perspektiven - Querschnitt übermessen kann. Beim durchgängigen Eindruck rei­cher Schaffensblüte der jüngsten Zeit (auch bei den Plastiken) steht zu hoffen, manchem trefflichen Wurf der Künstler dieser Sezession in anderem Zusamen­hang alsbald wieder begegnen zu können.

-cohr.

Neubesetzungen im Staatstheater Es war zu begrüßen und — wie die letzte Aufführung des „Don Giovanni " ergab — gerechtfertigt, daß man sich ent­schloß, die Junge Sopranistin Lore Paul mit einer größeren Partie zu bedenken. Sie war — abgesehen von einer zu An­fang bestehenden, verständlichen Nervo­sität — eine Zerline von schönem Format.

Im Rahmen der Jeweils in den Räu­men der amerikanischen Bibliothek statt­findenden Konzerte der „Gesellschaft der Freunde und Feinde neuer Musik“ spielte Hugo B ä 1 z o , Montevideo , moderne süd­amerikanische Klaviermusik. Von dem hohen planistischen Niveau der Interpre­tation Balzos ganz abgesehen, gab eben die Ursprünglichkeit seiner feinsinnigen, aus der Mentalität des Südamerikaners heraus bestimmte Gestaltung der Werke einen eindrucksvollen, wenn selbstver­ständlich auch nicht erschöpfenden Ein­blick in das Gegenwartsschaffen südame­rikanischer Komponisten, von denen Er­scheinungen wie Allende (Chile ), Säs (Peru ), Ginastera und Morillo (Argenti­ nien ) zweifellos als bedeutsame Vertreter der — nicht nur südamerikanischen — modernen Musik gewertet zu werden ver­dienten. — Die zu Dank verpflichtende Veranstaltung, die der Pianist in liebens­würdiger Welse um einige Zugaben be­reicherte, fand bei den Anwesenden all­gemein starken Widerhall.

Die stimmliche Beherrschung der Roll« ließ kaum einen Wunsch offen, wieder, wie bereits in Orffs „Carmina burana “, überzeugten Leichtigkeit, unerhört reine, geschliffene Höhe und schwerelose Ein­heitlichkeit in der Registerbehandlung. Überflüssig auszuführen, daß auch Klang­farbe und Schmelz von ansprechender Nuance sind. Daß das Spiel noch der Li­nie, des Aufgehens entbehrte, war an­gesichts der spielerfahrenen Selbstver- verständlichkeit aller übrigen Mitwirken­den ein allzu offensichtliches, doch mit der Zeit unschwer zu begleichendes Manko. In der Partie des Leporello zeigte sich Hans Neugebauer , eine, die ge­sangliche Qualität betreffend, glückliche Besetzung. Vielleicht könnte man die nicht zweckmäßig plazierte Identität Leporello- Papageno noch etwas abschwächen, -ck.

Ein Pianist beachtlichen Formats: Karl W i n g 1 e r. Den technischen Seiten seines Programmes mit absoluter Sicher­heit gerecht werdend, verstand es der Künstler, auch der ausdrucksmäßigen Seite schönste Momente abzugewinnen. Als vollendet zu bezeichnen war die Wie­dergabe der D-dur-Sonate von Mozart . —

Es war erfreulich, in dem Züricher K laviertrio ein Ensemble kennen­zulernen, das alle für kammermusikali- sches Musizieren notwendigen Voraus­setzungen in hohem Grade besitzt. Bei den qualitativ bedeutsamen Leistungen im einzelnen dürfte es nicht schwer sein, dem Gesamtcharakter zu mehr Einheit­lichkeit in Linie, Tongebung und gestal­terischer Ausschöpfung zu verhelfen.

Tiergeschichten von Manfred Kyber las in einer Veranstaltung des Vqlksbundes für Dichtung Rita G r a u n. Es sei be­merkt, daß die Vielgestaltigkeit der Aus­deutungsmöglichkelten insofern besonde­rer Prädikate des Vortragenden bedarf, als ein Zuviel an Unterstreichung gegen­

wartscharakterisierender bzw. persiflieren­der Tendenzen den Rahmen eines Erzäh­lerabends nach einer sehr ungünstigen Seite hin beeinflussen könnte. Um so größer das Verdienst der Künstlerin, die mit sicherem, Geschmack für das Wert­beständige, von tiefer Schau Zeugende in der Dichtung Kybers den Abend zu hohem, in Jeder Phase ansprechendem künstlerischem Niveau erhob. -ck.

Der Bildhauer Aristide M a 111 o 1 war erhabener Blick- und Mittelpunkt des ach­ten Vortrags Dr. G. F. Hartlaubs in seiner Reihe „Die großen französischen Maler und Bildhauer des 19. und 20. Jahr­hunderts. An Hand vortrefflicher Lichtbil­der, wiederum durch kluge Worte unter­malt, wurde uns Maillol als Meister in der Beschränkung, der Selbstgenügsam­keit, als der Statiker dargestellt, der gleichwohl als großes, reines Talent vor­nehmlich Plastiken, weniger Büsten schuf, die sich von der gekünstelten Salonpla­stik abkehren und uns ln lnrer natür­lichen, oft gedrungenen Form äußerst stark ansprechen. Maillol nahm sich die Frühantike zum Vorbild und suchte doch, gemessen an seinem Zeitgenossen Rodln, neue, anscheinend gangbarere Wege. Seine Plastiken, die vor dem ersten und zwi­schen den beiden Weltkriegen entstanden, gewannen vorteilhaft Einfluß auf die deutsche Bildhauerei; ihre erzieherisch« Wirkung dürfte noch nicht vorüber sein.

P.

Volkstheater Karlsruhe!

„Der Tanz ins Glück"

In der Kunst lehrt die Erfahrung: Je leichter, anspruchsloser, desto zeitgebun­dener. Film, Schwank und Operette sind hierfür beredte Beispiele. Es wäre also verfehlt, ein Werkchen, das vor etlichen Jahren sein Publikum begeisterte, heut« einen Schmarren zu heißen, nur well es sich überlebt hat. Andererseits ist gegen­wärtig eine Spielplangestaltung mit so großen Schwierigkeiten verbunden und

von so vielen Faktoren abhängig, daß man einem Theater ein gelegentliches Zu­rückgreifen auf die oder Jene „Antiqui­tät“ nicht zum Vorwurf machen sollte, ohne sich vorher hinter den Kulissen umgeschaut zu haben.

Das Volkstheater gab «ich redliche Mühe, diese Robert-Stolz-Operette zu ent­stauben. Daß ihm dies wenigstens teil­weise gelang, war in erster Linie dem flott und sauber musizierenden Orchester unter Werner Idler (der allerdings be­denken sollte, daß melodramatische Lie­beserklärungen nicht eben an Stimmungs­gehalt gewinnen, wenn der bedauerns­werte Liebhaber dabei zu brüllen genö­tigt ist) und dem überschäumenden Tem­perament des Regisseurs Hugo W ü r - tenberger, Friedei Müllers und Walter Eisenlohrs zu danken, dl« leider in dem gesanglich wie darstelle­risch schwachen Gast Carlhetnz Hart­mann wenig Unterstützung und Ergän­zung fanden. Der Bühnenbildner, Eugen Stadler, löste seine Aufgabe mit Ge­schmack. Das Publikum geizte nicht mit Beifall. Helmut Haag.

*

Zum Auftakt der Karlsruher Jahrhun­dertfeier am Sonntag, den 25. April, um 10.45 Uhr in der Markthalle, zu dem Wirtschaftsminister Dr. Hermann Veit die Festrede halten wird, spielt die Ba­ dische Staatskapelle unter Leitung von Otto Matzerath die „Eroika “ (d. h. die Heldische), die TU. Symphonie von Ludwig van Beethoven , die insofern als einer der bedeutendsten Grenzsteine in der Musik bezeichnet werden kann, als Beethoven sich hier zum erstenmal von allen Fesseln befreite, die ihn vorher noch mit seinen Vorgängern verbunden hatten. — Der Eintritt zu dieser Veran- staltung ist frei, _ -g

Verantwortlicher Lokalredakteur: Helmut Haag; Karlsruher Redaktion: Wald­straße 28, Telefon 922/923; Anzeigen­annahme: Kaiserstraße 69, Telefon 8648«

Aus den Konzert- und Vortraqsalen