Seite
  

Seit« 8 / Nummer 18

S AZ

Samstag, 23. Januar »4#

Vom Mieter- und Bauverein

Die Verwaltung des Mieter- und Bau­vereins Karlsruhe hatte kürzlich die Ver­treter ihrer Genossenschaft zur Entgegen­nahme des Geschäftsberichts für das Jahr 1947 in das Restaurant „Nowack" einge­laden. Aus dem von dem Aufsichtsrats­ vorsitzenden Schneider und dem Vor­sitzenden des Vorstandes Bernauer erläuterten Bericht gingen nochmals die Schwierigkeiten hervor, unter denen die Genossenschaft vor der Währungsreform zu leiden hatte. Trotzdem wurden, wie aus dem Bericht des Architekten B r a n - nath zu erkennen war, eu«« ganze Reihe von Schaden behoben. Der Geschäftsbe­richt fand einstimmige Billigung, Vorstand und Aufsichtsrat wurden einstimmig entla­stet und bei der Neuwahl der turnusmäßig ausscheidenden Aufsichtsratsmitglieder wurden die bisher tätigen Genossen wie­dergewählt. Auch der Stadtteil Durlach ist wieder im Aufsichtsrat durch ein Mit­glied vertreten. Genosse Trinks vom Verband badischer Wohnungsunternehmen gab zum Abschluß eines instruktiven Ab­riß über Mittel und Wege, um das so dringende Wohnungsbauproblem in An­griff zu nehmen und aus der gegenwär­tigen Stagnation im Wohnungsbau her-* auszukommen. :)

Prozesse der Woche — kurz belichtet

Das Allheilmittel des „Generalvertreters“ — Mit gestohlenem Jeep ein Kinderauto geklaut

Badischer Schneebericht

Herausgegeben vom Amt für Wetterdienst Karlsruhe am Freitag, den 21: Januar 1949 Unter 1000 m sind die Niederschläge der letzten Tage meist als Regen gefallen, so daß in diesen Lagen die Schneeverhält- nisse seit Dienstag unverändert sind. »Die Grenze der winterspa :tlidi nutzbaren Schneedecke liegt etwa bei 900 m. In Schichten unter 1000 m fällt heute morgen bei 0 bis 3 Grad Wärme leichter Regen. Darüber schneit es. Der lebhafte Wind führt aber stellenweise, vor allem in Nord­westlagen, zu Verwehungen. B6i 900 m liegen 10—30 cm Pappschnee mit mäßigen Sportbedingungen. In 1100 m werden gute Skimöglichkeiten bei etwa 45 cm, zum Teil verharschter Schneedecke angetroffen. Gipfellagen melden auf fester Unterlage (89—90 cm) 5 cm Pulverschnee mit sehr guten Wintersportverhältnissen» (Feldberg- Gipfel, Belchen, Kandel und Schauinsland melden Pulverschnee mit sehr guten Sport- mpglichkeiten.) '

Die heute noch auftretenden meist schau­erartigen Niederschläge werden bis etwa 500 m herab in Schnee übergehen. In hö­heren Lagen können weiterhin leichte Schneeverwehungen auftreten. Die näch­sten Tage bringen zwar eine leichte Wet­terberuhigung, dodi kann es immer noch zu gelegentlichen Schneefällen kommen. Die Frostgrenze wird zunächst bis etwa 500 m absinken.- Später weiterer Tempe­raturrüdegang ist nicht ausgeschlossen.

Versammlungstermine der Parteien CDU . Gemütl. Beisammensein: 22. 1., 19.30, Kolpinghaus? Sozialpolit. Ausschuß:

26. 1., 19.30, Kolpinghaus; Daxlanden : Jah- reshauptvers., 29. 1., 20.00, „Rose“.

- SPD . Vers. d. Arbeitsgemeinschaft Soz. Äerzte: 24. 1., 19.30, „Rotes Haus“, Ref. Dr. Kappes; Zusammenkunft d. Arbeits­gemeinschaft pol. verf. Sozialdemokraten:

26. 1., 19.00, „Rotes Haus"? Oststadt: Hauptvers., 27. 1., 19.30, „Bernhardushof“; Betriebsgruppenvers. d. Stadtverwaltung:

27. 1., 17.00, „Salmen“, Ref. Orth.

KPD . Funktionärversammlung: 24. 1.,

19.00, „KLV“, Ref. Klausmann; Durlach : Jahreshauptvers., 25. 1., 20.00, „Kl. Fest- hallesaal*; Grünwinkel : Gedenkfeier 30 Jahre KPD , 26. 1., 19.00, „Engel“, Durmers- heimör Str. 6? Innen-Ost: ‘Mitgliedervers.,

28. 1., 20.00, „Nußbaum“; Daxlanden : Mit- gliedervers., 29. 1., 20.00, „Sonne “; Hags­ feld ? Jahreshauptversaminl., 30. 1., 20.00, „Bahnhof ".

DVP. Kommunalpolit. Ausschuß: 27. 1.. 20.00, „Weißer Berg“; Oeffentl. Vers., 29. 1., 20.00, „Bavaria“, Ref. Keßler.

Glück hatte der 23jährige Heinz , S., dem die Berufungskammer eine Gefängnisstrafe von 32 Monaten auf 12 Monate herabä^tzte. Bei dem jun­gen „Generalvertreter“ in Heilmit­teln war Geld Mangelware. Die Lie­ferung heutzutage sehr gefragter Konservengläser und Damenstrümp­fe in jeder Menge versprechend, er­gatterte er einige tausend DM Vor­auskasse, mit denen er einige Mo­nate den feinen Max spielen konn­te, bis dann doch der Dalles kam und ihm kein anderer Ausweg blieb, als sich reumütig der Polizei zu stellen . . .

Die Witwe W. aus Oberweier hoffte Alleinerbin zu werden zum Nachteil ihrer fünf Stiefkinder und überreichte dem Notariat eine fal­sche eidesstattliche Versicherung über das Testament ihres Mannes, die das Gericht mit drei Monaten ahndete.

Eirr weitgereistes Kleeblatt, dessen Blätter sich aus einem Kölschen Jung, einer Danzigerin und einem Saarländer zusammenfügten, traf sich in der Blumenstraße und ver­legte sich, nachdem es dort die vor­geschriebenen Spritzen empfangen und als geheilt entlassen war, auf das Spritzen von Schwarzhändlem in der Altstadt, sich dabei auch un­tereinander begaunernd. Das Trio verließ die Anklagebank, für 4 bjs 8 Monate seßhaft.

Alfred Sch. „kaufte“ ohne dessen Wissen aus dem Lager seines Chefs 45 Pfund Zucker, Mehl und Raps. Das kostete nach der Preisliste des Paragraphen 243 vier Monate.

Egon K., Alfred Sch. und Rudolf K. brachten von einer nächtlichen Schwarzfahrt nach Baden-Baden in einem ihnen nicht gehörigen Jeep einige Pfund Rindfleisch, zwei Fla­schen Wein, Bekleidung und — ein Kinderauto aus Rastatt mit. Zwei Hasen mußten auch dran glauben. Der Fahrpreis für die beiden Rück­fälligen stellte sich auf je 15 Mo­nate, bei Rudolf genügten vier und ihre beschenkte Wirtin steuert 50 DM bei.

Allzu „ergreifendes“ Interesse für die Spinde seiner Arbeitskollegen gab dem Gericht Veranlassung, Al­fred Sch. für vier Monate einzu­buchten.

Helma und Irma, Zwillingsschwe­stern, nahmen eine etwas gewalt­same Ueberprüfung des Koffer­inhalts ihrer Tante vor, wobei ihnen Taschentücher, Strümpfe, ein Kleid und anderes an den Fingern hängen blieb. Nach ihrem Debüt vor dem Kadi blieben an ihnen hängen: 3Vs Monate und 50 DM. Was nicht im Knigge steht: der so volkstümliche Götzgruß würzte ihre verwandt­schaftlichen Aussprachen.

Ein Pforzheimer Schwarzhändier, dessen Inkognito gewahrt werden konnte, schloß sich zwei lieblich an­geheiterten Kumpanen aus, der Alt­stadt an und wurde dank ihrer Mit­wirkung unfreiwillig im Bahnhof seine 10 Pfund Amiseife los. Diese starke Spritze brachte Ludwig A. wegen Raubes sechs Monate, seinem Mitarbeiter die Hälfte ein.

Das Richtfest war so schön ge­west und Eugen so blau, daß er zwei Flaschen Wermut, <iie Brief­tasche eines Gastes und zuletzt den aufkreuzenden Schutzmann ver­wechselte, denn er gab ihm eine er g ö t z liehe Antwort. Der Schluß­strich, den das, Amtsgericht unter

das angeheiterte Intermezzo setzte, bedeutet eine Stärkung der Justiz­kasse um 130 DM.

Trotz Gewichtszunahme bei Va­ter Philipp führte Alfred M. Be­schwerde beim Oberstaatsanwalt über angeblich verkürzte Verpfle­gung, gewaltsame Behandlung und ungerechte Arbeitsverteilung. Der • Querulant muß für seine haltlosen Beschuldigungen nun wieder drei Monate an die Stätte seines Aergers zurück.

Ueble, wiederholte Kameraden­diebstähle sind die dunklen Punkte auf dem Brusttuch Alfred D‘s. Drei Arbeitskameraden hat er in Karls­ ruhe bestohlen und einen überdies böswillig falsch verdächtigt. Das Schöffengericht verabreichte dem rückfälligen unkameradschaftlichen Langfinger einen Denkzettel von 15 Monaten.

Alfred Sch., eine durstige Seele, graste die Kundschaft seines ange­sehenen Vaters ab, versprach meist Fensterglas, aber auch eine Ziege, einen Radio, einen Tisch oder Holz und kassierte 600 DM voraus, mit denen er ausgewachsene Zechen ma­chen konnte. Vor dem Schöffen­gericht betrug die Zeche für den rückfälligen, schon öfters, aber nicht gern gesehenen Justizgast 10 Mo­nate Gefängnis. ht.

Kein Licht, keine Kohle, viele Arbeitslose

Pastor Dainrath berichtete vom Leben in Berlin

Man kann das Bild, das der Di­rektor der Berliner Stadtmission Pastor Damrath bei seinem Vor­trag „Leben mit Christus in Berlin — heute' 1 in der Karlsruher Chri­stuskirche entwarf, als einen Blick in eine ganz andere Welt, von der wir uns im Westen kaum eine Vor­stellung machen können, hier nur knapp umreißen: Alles liegt noch in Trümmern, die Arbeitslosigkeit ist riesengroß, der Straßenbahn- und U-Bahnverkehr wird ab 18 Uhr ein­gestellt, Kartoffeln, Gemüse und Obst gibt es nicht. Für diesen Win­ter erhält jeder Haushalt 25 Pfund

Kann die Maschine den Menschen ersetzen?

Das 20. Jahrhundert im Zeichen der Reglerteehnik

In der Reihe der Vortragsabende des Vereins deutscher Ingenieure (Bezirksverein Karlsruhe) sprach am vergangenen Donnerstag Professor Krämer an Stelle des erkrankten Dr. Ing. H. Toeller über Reglerkonstruk­tionen und deren physikalische Grundlagen. Um das Aufkommen des Gedankens der Reglertechnik zu begründen, umriß der Vortragende zunächst die Hauptentwicklungi- Perioden der durch den Menschen erdachten technischen Hilfsmittel Der Mensch habe, nachdem er Werkzeuge und Maschinen selbst bedient und später seine Kraft durch verwertete Naturkräfte, sei es Was­ser, Luft, Kohle o. a. ersetzt habe, die Idee gefaßt, die Beaufsichtigung maschineller Anlagen sogenannten ,.Seglern“ zu überlassen. Ein sol­

ches Instrument, das an einer Ma­schine angeschlossen ist, reagiertauf jedes unregelmäßige Arbeiten, bringt durch eine Vorrichtung die An­triebskraft wieder in ihre frühere Lage bezw. Richtung und übt eine Kontrolle aus, zu welcher das Auge des Menschen nicht in derselben Genauigkeit imstande wäre.

Wenn man von der Anwendung der Reglerkonstruktionen hört, so ist man von der großen Verwen­dungsmöglichkeit sehr überrascht. Sie beaufsichtigen die Einhaltung eines Schiffskurses mit der gleichen Genauigkeit wie das Konstanthalten von Temperaturen. Mit Hilfe zahl­reicher Zeichnungen und Lichtbil­dern wurde der Vortrag gut ver­ständlich und äußerst interessant. Fr.

Kohle, Haushalte mit alten Leuten und Kinder bekommen weitere 25 Pfund zusätzlich. Die meiste Zeit sitzt man im Dunkel, bei Petroleum­lampen oder schlechten Kerzen. Da­zu kommt die Angst, die auf den Gegebenheiten des öffentlichen Le­bens beruht, und der wütende Haß, der nur auf die Stunde wartet, sich zu entladen.

Es gibt nur noch wenige Kirchen­ gebäude in Berlin . Der staatliche Religionsunterricht ist abgeschafft, und bei den öffentlichen Weihnachts­feiern in Krankenhäusern war schon das Singen von Weihnachtsliedem verboten. Trotz allem konnte Pa­stor Damrath davon berichten, wie die Menschen am Sonntage in die eisigkalte Kirche kommen. Die Kirche ist ganz auf das Opfer gestellt und dieses Opfer wird gerne gebracht. Dennoch bleibt das Bekenntnis des Redners, dessen Gesichtszüge deut­lich die Spuren der großen Not zei­gen, von der er selbst sagt, daß sie auf die Nerven gehe: er wollte trotz allem nicht in der Ostzone leben, sondern nur in Berlin , wo man täglich buchstäblich vom Gebet lebe.

Wieder leichte Nachtfröste Vorhersage des Amtes für Wetter­dienst Karlsruhe, gültig bis Montag- früh: Ueber das Wochenende wech­selnd, vielfach noch stärker bewölkt. Gelegentliche, meist schauerartige Nie­derschläge, in Lagen über 500 Meter größtenteils als Schnee. Tageshöchst­temperaturen 2 bis 5 Grad, ln beiden Nächten verbreitete leichte Fröste zwischen minus 1 und minus 4 Grad.

Die „Kurbel“ zeigt:

„DER HIMMLISCHE WALZER

Eine himmlische Geschichte, über die man sich himmlisch . .. doch nein: über die man sich ganz u n himm­lisch amüsiert, denn im Himmel wird nicht alb ü s i e r t, sondern ju­biliert. Woher ich das weiß? Nun, dieser Cziffra -Film der neuen öster­reichischen Produktion spielt ja zu einem großen Teil im Himmel. Das ist allerdings kein neu erschlossener Film-Schauplatz, denn der Himmel ist bekanntlich seit einiger Zeit allenthal­ben sehr gefragt, wie das bei Man­gelware ja stets der Fall zu sein pflegt. Hier handelt es sich naturge­mäß speziell um den Wiener Him­mel. Und der scheint denn auch einige himmlische Intentionen nach Wien ge­blitzt zu haben, so' daß man sich dort endlich einmal dazu aufraffen konnte, einen neuen Weg zu beschreiten, auf dem man mit cj-fsem Streifen schon ein ganz schönes Stück vorwärtskam. Das Rezept: Zwei Teile dramaturgi­scher Aufbau aus „Film ohne Titel“, ein Teil Idee aus „Der Apfel ist ab“, drei Teile Bauten und Tricks aus „Irrtum im Jenseits “, vier Teile Geist, Witz und Einfallsreichtum aus allen dreien zusammen, eine Handvoll Ro­sinen — so da sind: Elfie Mayerhofer als entzückender himmlisch-irdischer Engel, Hans Olden als ergötzlich cho­lerischer Theaterdirektor, Paul Hub- schmid, Paul Kemp , Fritz Imhoff , Theodor Danegger ö. a. —, das Ganze in Wiener Atmosphäre getaucht und mit Wiener Musik überzuckert. Und das Ergebnis: Eines der liebenswerte­sten musikalischen Filmlustspiele, die wir sahen. H. H.

Gloria-Palast:

HANNERL UND IHRE LIEBHABER

Rudolf Hans Bartsch ist ein Meister des Filigrans, der duftigen, betörend schwerelosen und galanten Liebes­geschichte. Seine Sentimentalität be­wegt sich zwischen graziöser Koket­terie und lasziver Tiefgründigkeit. Sie

steht um der Sache willen, nicht um zu wirken. Von dieser Warte aus an­gepackt, wäre aus „Hannerl und ihre Liebhaber“ eine reizende, spritzige Filmkomödie, zu machen gewesen. Statt dessen wurde daraus eine weich­liche, bisweilen tränendrüsenbeanspru­chende Historie ä ia Courths-Mahler (die sie vermutlich noch besser ge­macht hätte!) mit einem Sammel­surium „furchtbar“ guter Menschen. Der einzige, der vorzugsweise eine Weile Schuft spielen durfte, begab sich, gerührt von der rührenden Menschlichkeit seines Chefs, einer Ex­zellenz, stante pede wieder auf den Weg der Besserung. Neben besagter Exzellenz (Albrecht Schönhals ) waren da vornehmlich noch ein junges Mäd­chen (Olly V. Flint) und ein Onkel, der von Hans Moser im üblichen Genre wie'dergegeben wurde. Im übri­gen Aufmachung, feudale Räumlich­keit, Dekollete. In der Mitte eine Fanny Eisler en miniature unter Glas. Im Hintergrund ein paar nette, aber abgedroschene Wiener Melodien. Ganz hinten der bei solchen Gelegenheiten unvermeidliche „Steffel“, dem auch „der Rhythmus der neuen Zeit nichts anhaben kann“. —ck.

Palast-Lichtspiele:

„DAS GESETZ DES NORDENS...“ ... ist das der einsamen kanadischen Eiswüste. Es ist ungeschrieben, von Generation zu Generation überliefert und in seiner Moral auf die schicksal­hafte Abhängigkeit der Menschen un­tereinander und ihren Beziehungen zur Kreatur und Natur gestützt. Die­ser Gedanke ist der tragende; aber er klingt nicht mit der genügenden Dra­matik und Schärfe durch, wie man es auf Grund der szenischen Anlage und der Stoffgestaltung gern erwartet hätte. Der Film erhält seine Spannung durch ein Delikt, einen vorsätzlichen Mord und der abenteuerbewegenden Flucht des Verbrecher* in den uner*

schlossenen Norden Kanadas , wo er, steckbrieflich gesucht, unter körper­lichen Entbehrungen mit seiner frü­hem Sekretärin und einem gedunge­nen Pelzjäger von Ort zu Ort herum­irrt. Hunger, Kämpfe tritt den Natur­gewalten, Freundschaft, Liebe und un­erwartete menschliche Entdeckungen der Personen untereinander reihen sich als Steigerungsaugenblicke von mal zu- mal stärker und inhalts­schwerer werdend als Gradmesser der Bewährungsprobe von Mensch und Charakter aneinander. Kulturelles. Unterhaltendes und Belehrendes sind die drei gestaltenden Faktoren des Films, gleichsam der innere Rhythmus der Handlung, die in ihrer kräftig gesunden Musik und der wahrhaft unverfälschten Schilderung der Per­sonen auf den Besucher nicht ohne tiefen Eindruck bleiben. Rö.

*

Die nächste Kulturfilm - Matinee der „Kurbel" am Sonntag, 23. Januar, 10.30 Uhr, bringt unter dem Sammeltitel „Fahrt iris Blaue" eine neue Folge von Reisebe- riditen aus aller Welt.

R.-STRAUSS-ERSTAUFFÜHRUNG

Mit 84 Jahren schrieb Rieh. Strauß ein Oboen-Konzert im kammermusi- kalischen Stil. In Zürich wurde es uraufgeführt, anschließend konnte man es in Wien hören und jetzt als deutsche Erstaufführung in Baden- Baden . Hans Schmidt-Isser­ stedt , der feine, subtile Dirigent aus Hamburg , und Jules Goetghe- 1 u c k, der ausgezeichnete Solo-Oboist der Pariser Orchestre national, hatten sich dazu im Kurhaus der Bäderstadt am Schwarzwald eingefunden Beider Leistung, die Schmidt-Isserstedts als Dirigent des Südwestfunkorchesters und die Goetghelucks als Solist, wa­ren überragend, in ihrer Gestaltung so überzeugend und eindruckstief, daß das recht locker instrumentierte, gelegentlich im kiangsinnlichen Rosen­kavalier - Pathos brillierende, sonst aber wenig einfallsreiche, etwas lang­atmige Werk darüber zurückstand.

Man kann es drehen, wie man will — als kleines Bonmot ist es zu lau, als lächelnder Mozartgruß zu straußisch und als neues Werk in seinem Auf­bau und seinen Harmonien zu ausge­fahren. Nicht alles ist Gold, was glänzt, selbst ein Werk nicht, hinter dem eine solche Persönlichkeit wie Richard Strauß steht. Röl

Mun zs eh es Konservatorium. Direktor Richard Slevogt hat den Gesangsmei­ster Eugen Schmidt-Carlen als Lehrkraft für Sologesang und Leiter einer Meisterklasse an das Munzsche Konservatorium verpflichtet.

GASTVORLESUNGEN AN DER TH

Von vielen Seiten ist das Fehlen all­gemeinbildender Vorlesungen in der Technischen Hochschule als Mangel

Dieses Mal hat der Rezensent die an­genehme Aufgabe, ein Kleinkunstpro­gramm zu bespredien, das sowohl den Künstlern als auch der Direktion des Passage-Palastes zur vollen Ehre gereidit. Neue Sketchs, die zum Teil von dem be­kannten Hamburger Plauderer Hans Kirchhoff zusammengestellt sind und von diesem selbst mitgestaltet werden, schaffen im „Pa-Pa" sehr schnell eine aus­gelassene Stimmung unter den Zuschau­ern. Mit einem feinen Fingerspitzenge­

fühl wird die Wirkung- des Programms stetig bis zum Schluß gesteigert. Man

lacht oder sdimunzelt — je nach Veran­lagung -- über Kirchhoff und seinen nidrt minder bewährten Partner Karl Keßler, denen die humorsprühenden Worte nur so aus dem Munde purzeln. Mit Eleganz verstehen sie auch „derbere Kost"

schmackhaft zu madren. Ihnen zur Seite

Emira D r e w s und Ursula Grosser, ohne die man sich den Ablauf der Dar­bietungen nicht denken kann. Eine glück­liche Ergänzung jenes humorgeladenen Wirbels bildet Wilma Boregaard mit drei Tanzeinlagen. Hier verrät sidi neben einem starken Temperament auch ein

IM STAATSTHEATER..,

i.. wird heute im Großen Haus um 14.30 Uhr für die Schulen des Landkreises und bei freiem Kassenverkauf Schillers „Räu­ber" gegeben, um 19.30 Uhr findet eine geschlossene Vorstellung von Offenbadis „Hoffmanns Erzählungen " statt. Morgen, Sonntag, dirigiert um 18.00 Uhr im Gro­ßen Haus, Karl Eimendorff als Gast „Die Walküre "; die Titelpartie singt Kammer­sängerin Paula Baumann, - die sich an­schließend zu einem längeren Gastspiel nach Lissabon begeben wird. — Im Klei­nen Haus wird heute und morgen, jeweil« um 19.30 Uhr, der Schwank „Der wahre Jakob “ von Arnold und Badi wiederholt. *

Spielplanvorschau des Staats­theaters: Im Schauspiel soll zunächst »Iphi­ genie auf Tauris " als zweites Goethe- Werk dieser Spielzeit herauskommen; im Kleinen Haus wird eine Strindberg-Feier anläßlich des 100. Geburtstages des schwe­dischen Dichters vorbereitet. Nach der Komödie „Freiheit auf Widerruf" von Michel. Durand, die von Intendant Köhler- Helffrich zur deutschen Uraufführung am Bad. Staatstheater angenommen wurde, folgt die Uraufführung der dramatischen Historie „Tödlicher Karneval" von Frank Thieß . Gerhart Hauptmann kommt mit der Tragikomödie „Ratten" zu Wort, der einheimische Dramatiker Helmut Michaua mit dem Traumspiel „Der Tod als Freund”, ebenfalls als Uraufführung. Außerdem wird die neue Komödie von Bert Brecht , „Herr Puntila und sein Knecht", in Karlsruhe aufgeführt werden. Für die kleinsten Theaterfreunde wird das Märchenspiel „König Drosselbart” vorbereitet. — Auf dem Gebiete der Oper wird nach fast zehnjähriger Pause Puccinis „Madame Butterfly " demnächst wieder im Spielplan erscheinen. Ferner sind für die kommende Zeit, als Erstauf­führungen für Karlsruhe , Carl Orffs Opel „Die Kluge " und Werner Egks Tanzdich­tung „Joan von Zarissa" vorgesehen; für die choreographische Leitung dieses Wer­kes wurde Alfiredo Bortoluzzi als Gast verpflichtet.

AUS DEM RUNDFUNKPROGRAMM Samstag, 22, Januar

Stuttgart : 12.00 Landfunk; 14.00 Sport;

14.15 Volksmusik; 15.00 Erkenntnisse und Aufgabenkreis d. Konstitntionsmediziner» (Prof. Dr. E. Kretschmer); 15.30 Volkslie­der u. Spielmusiken aus Schlesien u. d. Sudetenland ; 16.00 Gruß v, d. Waterkant; 18.00 Sendg. aus England; 18.15 Mensch u. Arbeit; 18.30 Bekannte Solisten; 19.30 Zur Politik d. Woche; 20.00 Quiz-Sendg.; 20.30 Aus d. „Mausefalle"; 22.00 Tanzmusik. — Nordwestdeutscher Rundfunk : 20.00 „Ky- ritz-Pyritz", Posse von H, Wilken u. O, Justinus, Musik v. G. Neumann. — Berlin ;

19.15 Operette: „Der Vetter aus Dingsda* von E. Künnedce.

Sonntag, 23. Januar

Stuttgart : 8.00 Landfunk; 8.30 Andacht d. „Zeugen Jehovas "; 8.45 Aus d. Welt d. Glaubens; 9.00 Kath. Morgenfeier; 9.30 Lob d. Morgens u. d. Sonne; 11.00 Univer­sitätsstunde: Persönlichkeit u. gesdrichtl. Bedeutung d. Kaisers Augustus (Prof. Dr. H. Schäfer); 11.20 Violinkonz. a-moll Nr. 22 v. G. B. Viotti; 13.30 Aus d. Heimat; „Ganz b'sondere Fäll'", Kurzszenen v. K. Vetter; 14.15 Kinderfunk: 15.00 Männer- u. gemischte Chöre v. E. Neun; 17.00 Hör­spiel: „Hanneles Himmelfahrt " von G. Hauptmann ; 18.30 Serenade op. 8 für Streichtrio v. Beethoven ; 19.30 Sport; 20.00 Musik u. Dichtkunst d. Völker; 22.00 Hei­ter klingt d. Sonntag aus. — Südwest­funk: 17.00 Symph.-Konz.: II, Symph. v. Beethoven , Konz. f. Cello u. Orch. in B- dur v. Boccherini , Rhapsodie f. Cello u. Orch. v. Rivier (deutsche Erstaufführung), Ouvert. z. „Carneval Romain“ op. 9 v. Berlioz, dazw. „Aus Literatur u. Wissen­schaft" (F. Schulze Maizier). — Frankfurt :

20.15 „Jedermanns-Programm".

empfunden worden. Lehrstühle, wie z. B. der für Geschichte, sind bis heute noch vakant. Der Lehrstuhl für Kunst­geschichte ist nur interimistisch be­setzt. Um diesen Uebelstand zu mil­dern und um d*en Studenten auch etwas anderes als reines Fachwissen zu bieten, wurde der Ausweg der Gast­vorlesungen beschriften, So begann am vergangenen Mittwoch Prof. Dr. W. Hellpach, Heidelberg , mit einer Vortragsreihe über Völkerpsychologie. Im gut besetzten Buntesaal definierte er zunächst die Grundbegriffe der Fa­milie, des Volkes und des Volkstums. Interessant waren seine Ausführungen über die baldige Rückkehr der russi­schen Revolutionäre, an ihrer Spitze Lenin , zur Bejahung der Familie, während der internationale Kommu­nismus ^ortfuhr, die freie Liebe zu propagieren und gegen den § 218 Stellung zu nehmerf. lie.

gleich starkes Können, das alle sofort mit­reißt. Würdigt man dann noch die gute musikalische Gestaltung des Programms durch Fritz T e u b e r und seine Kapelle, so hat man den Gesamteindrude eines Abends, an den man immer wieder gerne zurückdenkt. OPP.

Radio-Möpschen, alias Hermann D ö r - sein, ist der Conferencier eines wahr­haft aufmunternden Variete - Programms, das vom Kabarett „Roland" in der zweiten Januar-Hälfte serviert wird. „Und noch vül, vül mähr", sagt Möpschen immer, und er hat recht. Ser p,e n t i n i ist wirklich, wie angekündigt, eine einzigartige Kaut­schuk-Attraktion; mit seinem „Gummi“- Körper zeigt er Verrenkungen, wie man sie selten sah. Immy H o g a n, der Mund­harmonika-Virtuose, reißt das leider nur spärlich erschienene Publikum zu reichem, ehrlichem Beifall hin. Erika Auderi jongliert mit Sdiüsseln und Tellern, je­doch auf ihre Art, während sich das Trio S a v o y bei seinen drei Tänzen auf der kleinen Bühne nicht richtig entfalten kann. Alles in allem: Von dieser Art Variete wünschen wir — mit Möpschen — noch ,vül, vül mähr", -x«,

KARLSRUHER KABARETT-NOTIZEN