Seinstag, 32. Januar 1949 i

SAZ

Nummer IS '! Seite f

BUNTES AUS

ALLER WELT

Was eine Prinzessin möchte und nicht darf

Margaret-Rose , die zweite Tochter des britischen Königspaares, macht gewissen Leuten gern und viel Kummer. Das Temperament der Prinzessin, die sich eines höchst vorteilhaften Aeußeren erfreut, durchbricht nämlich des öfteren die Schranken dessen, was nach dem Kodex als schicklich gilt. Jetzt hat man sie sogar dabei erwischt, als sie in aller Oeffentlichkeit' einen Samba tanzte. In den Redaktionen einiger Blätter wurden die Federn tief in das Tintenfaß getaucht, da­mit die „grundsätzlichen Beden­ken“ gegen solche Aeußerungen von Jungsein und Lebensfreude auch richtig zur Geltung kommen. Aber sie haben nichts genutzt. Margaret- Rose geht weiterhin in höchst eigen­williger Weise den Weg, den sie als richtig empfindet. Das Zeremoniell kommt, so meint sie, noch immer zurecht, nachdem sie die Jugend­zeit ausgekostet hat. Die meisten Engländer sind der gleichen Mei­nung.

Schon als ganz junges Mädchen war Margaret — auf ihren zweiten Vornamen legt sie keinen Wert, da er ihr zu kindlich erscheint — im-

Sie staunen, wenn Sie hören .

.,. daß die Pymäenbraut als Zeichen Ihrer Liebe dem Bräutigam am Hochzeitstage ein blaues Auge schlägt. Je besser sie schlägt, umso­mehr freut sich der Mann, denn umso tüchtiger wird sie für ihn ar­beiten können.

... daß auch alte, erprobte Seeleute und Lotsen mitunter noch seekrank werden können.

,.. daß es im dänischen Hockeysport einen Wanderpokal gibt, der immer der jeweils verlierenden Mann­schaft zufällt.

... daß die menschlichen Ohren bis zum Alter von 80 Jahren noch wachsen können. Deshalb haben alte Leute oft so große Ohren.

... daß die Polizisten in Karachi in Indien mit Schirmen ausgerüstet sind, um sich gegen den Monsum- regen und die heiße Mittagssonne schützen zu können.

... daß ein Golfball sich durch die Luft schraubt. Wenn er sich im Flug nicht um seine eigene Achse drehte, würde er nur etwa zwei Drittel der Strecke, die er tatsächlich bewältigt, zurücklegen können.

... daß nach einer medizinischen Statistik die meisten Menschen in den Morgenstunden zwischen vier und fünf Uhr sterben, die wenigsten dagegen um die Mittagszeit.

... daß man in den Vereinigten Staaten verstellbare Trauringe ein­geführt hat, die nach einer Schei­dung bei abermaliger Heirat leicht dem Finger der neuen Braut ange­paßt werden können.

... daß im Jahre 1139 die erste ^Abrüstungskonferenz“ der Weltge­schichte stattfand. Auf dem zweiten Lateranischen Konzil wurde damals die Armbrust als „mörderisches Kampfinstrument“ feierlich in Acht und Bann getan.

... daß Holz bei fachgemäßer Be­handlung eine längere Lebensdauer als Eisen hat.

... daß Paris den zweifelhaften Ruf genießt, die rattenreichste Stadt der Welt zu sein. Es sollen dort über eine Million von den gefräßigen Nagern hausen.

... daß es Tauben gibt, die-durch planmäßige Zucht keinen Schnabel, sondern einen Mund aufweisen, während andere Tauben wieder den reinsten Storchenschnabel haben.

... daß man dem Erfinder der Jo­hannisbeermarmelade, einem ehema­ligen Kellermeister des Herzogs Ro­bert von Lothringen namens Lamo- the. in Nancy ein Denkmal errichtet hat. top.

Es lebe der kleine Unterschied!

Während ' einer durch mancherlei Vorkommnisse bemerkenswerten Session der französischen Abgeord­netenkammer entstand auch eine Debatte darüber, ob man den Frauen das Wahlrecht zugestehen solle oder nicht. Ein Abgeordneter der Linken riet pathetisch: ..Es ist eine Schande, daß die wundervolle französische Frau, auf der ganzen Erde berühmt durch ihren Schick, ihre Intelligenz und Schönheit, nicht die gleichen Rechte wie der Mann haben soll! Tn unserer modernen Welt besteht kein Unterschied zw’schen französischen Männern und Frauen!“

Bei dieser Passage sprang ein sanft ausgehender kleiner Deputier­ter im Hintergrund des Saales auf und rief: „Vivo la dlffereneel“

mer darauf bedacht, jeder Ueber- wachung zu* entgehen. Ihr liebster Spielkamerad auf Schloß Windsor war der Junge des Gartenmeisters. Und jeden Sonntag konnte man sie während der Besuchszeit kn Mittel­punkt eines Haufens gleichaltriger Kinder sehen, die ihre Bekannt­schaft machen wollten. Aus jener Zeit stammt wohl auch ihre Vor­liebe für das Leben außerhalb der Palastmauem.

Jetzt allerdings, seitdem sie 18 Jahre alt geworden ist, sind diese Freiheiten langsam abgebaut wor­den, da sie ja hin und wieder auch das Königshaus repräsentieren m iß. Das tut Margaret mit Charme, Ge­schick und Takt, wobei ihr perfekte französische und deutsche Sprach- kenntnisse zugute kommen. Sie lernte leicht und lernt auch jetzt noch viel. Jeden Tag hat sie einige Stunden Unterricht. Auf dem Stun­denplan stehen Staatskunde, Ge­schichte, Literatur, Musik und Spra­chen. Darüber hinaus muß sie ver­fassungsrechtliche und außenpoliti­sche Fragen studieren, über die sie dann mit Professor Marten disku­tiert, der auch ihre Schwester in diesen Fächern unterrichtet hat.

Margaret müßte keine Englände­rin sein, wenn sie nicht auch dem Sport huldigte. Bislang war sie mit Radfahren und Reiten zufrieden. Aber nun hat sie ihren Führerschein erhalten, der natürlich den Wunsch nach einem eigenen Wagen wach­rief. Bis jetzt ist er noch nicht er­füllt worden, denn auch bei Königs­kindern geht nicht alles nach Wunsch und Willen. Aber ln den Garagen des Buckinghampalastes stehen ja Wagen genug, an ’ deren Steuer sie ihrer neuen Leidenschaft frönen kann. Darüber vergißt sie aber durchaus ihrer alten Leiden­schaft — der Hunde — nicht, vor allem ihres LieblingsteTriers John- rde. Jeden Tag führt Margarete die Meute der königlichen Familie durch den Park des Schlosses, das man ge­rade bewohnt "

In einer Hinsicht jedoch gilt Prin­zessin Margaret jetzt als erwachsen: seit der Südafrikareise darf sie sich Ihre Kleider selbst auswähleri. Das ist natürlich nicht so aufzufaseen, daß sie nun durch die Londoner Geschäfte streifen,und kaufen dürf­te, was ihr gefällt, obwohl sie es ohne Zweifel am liebsten täte. Nach wie vor kommen die Herren der Modehäuser — Norman Hartneil wird noch immer bevorzugt — mit Ihren Skizzen „ins Haus“, worauf unter Vorsitz der Königin die Mode- konferenz Zusammentritt, um die Auswahl zu treffen. Das geschieht zweimal im Jahr, im Frühling und im Herbst. Aber die Bestellungen sind nicht sehr umfangreich, denn auch die Mitglieder des Königlichen Hauses müssen sich nach der Klefl- derkarte richten. Ueber ihre Punkte hinaus bekommen sie nur eine be­scheidene Sonderzulage für Reprä­sentationszwecke. Schuhe und Han I- schuhe werden nach Maß bestellt. Das alles bedeutet für Margaret schon einen erheblichen Fortschritt, denn in den Kriegsjahren war sie buchstäblich auf die abgelegte Gar­derobe der Mutter und Schwester angewiesen. Nun hat sie den „new lock“ entdeckt, der sie begeistert.

„Und ihre Tränen fließen wie’s Bächlein auf den Wiesen“. An die­sen Struwelpeter-Vers wurden zwei deutschgeborene Damen auf der Zu­schauertribüne erinnert, als sie in Philadelphia .der Wein-Konkurrenz zuschauten. Philadelphia (USA ) ge­bührt der Ruhm, diese neueste Re­kordmöglichkeit entdeckt, organi­siert und in die Tat umgesetzt zu haben. 72 weibliche und 19 männ­liche Konkurrenten weinten um die Wette. Der Weltrekord-Titel wink­te. Auf das Startzeichen des Ver­anstalters begannen die 91 zu schluchzen. Nur natürliche Tränen zählten. Zwiebelsaft im Taschentuch oder gar chemische Reizmittel — eine Prise Tränengas etwa — waren streng verpönt.

Einige der Wettbewerber wein­ten so echt, daß auch manchen Tri­bünenzuschauerinnen die Tränen ka­men. Andere wiederum konnten sich das Lachen über den komischen Anblick im Saal nicht verkneifen. Die Stimmung war geteilt. Gewer­tet wurde nicht nach Echtheit des

Aber die Königin will oft nicht, wie Margaret möchte. Nun die Schuhe mit den hohen Absätzen bekommt sie bewilligt, denn die Prinzessin mißt — das ist der große Kummer ihres Lebens — nur 1,54 Meter, Klein aber oho!

Auch in anderen bürgerlichen Freiheiten fühlt sie sich etwas ein­geengt. Zwar besitzt sie einen eige­nen Fernsprecher, aber nur Be­kannte werden direkt mit ihr ver­bunden. Gespräche und Briefe von Fremden nimmt ihre Hofdame ent­gegen, Ihre „Zensurstelle“. Gegen solche Einschränkungen geht sie mit Temperament, List und Humor an. Im vergangenen Jahre wurde sie von den Eltern nicht mit zum Derby genommen. Sie sei noch zu jung da­zu. Margaret winkte ihnen nach, zog sich um, bestellte sich einen Wa­gen und fuhr — zum Derby. Mit

Frankreichs Modediktatoren, die Dior, Rochas, Patou, Fath6 und Bai­main, schlafen jetzt ruhiger. Die offi­ziellen Wintermodaechauen sind vor­über. Und auch die Modellräuber gaben Ruhe. Aber nur für kurze Zeit. Denn bald beginnt in Paris das große Entwerfen für die kom­mende Frühjahrsmodesaison und da­mit wieder das Spitzbubenhandwerk der Modellräubar, deren Ziei es ist, den Modesalons von Faubourg St. Honorä die Geheimnisse ihrer Kol­lektionen vor jedem Aufführuncgs- termin zu entreißen, um damit Ge­schäft« au machen. Sie arbeiten mit den gleichen Methoden wie Falsch­münzer- oder Bildarfälscherbanden.

Die Modellräuber von Paris sind gut organisiert. An ihrer Spitze steht jeweils ein Mann, der meist selbst Inhaber eines ehrbaren Mode­salons ist. Aber hinter der Fassade seines ehrbaren Ateliers besitzt er ein zweites, in dom kostbare Raub­modelle nachgeahmt werden. Dieses ' zweite Atelier Ist meist so raffiniert angelegt, daß im Gefahrenmomant alle verdächtigen Stoffe und Skiz­zen wie mit einem ZaubwsohVag verschwinden. Den „Chef unter­stützen die „Kopisten“ und die „Reisenden“.

Die „Kopisten“ lauem den Ver­käuferinnen und Arbeiterinnen der Ateliers am Ausgang ihrer Arbeits­stätte auf, wo sie ihnen Tausende von Franken für eine geliehene Skizze oder ein Schnittmuster aus dem Safe ihrer Arbeitgeber bieten. Nur für eine Nacht, sagen sie. Am nächsten Tag sollen die gestohlenen Sachen wieder an Ort und Stelle sein. Heute haben sich die „Kopi­sten“ einen regelmäßigen Informa-J tionsdienst zugelegt. Die „Reisenden“ gehen anders vor. Ihre Jagdopfer sind Ausländer, die zum Einkauf von Modellen nach Paris kommen. Gleich nach ihrer Ankunft in einem Pariser Hotel werden sie besucht und mit dem Vorschlag überfallen: „Sie werden heute abend der Vor­führung von Monsieur Patou bei­wohnen. Sagen Sie uns, welches Mo­dell Ihnen am besten gefällt, und Sie erhalten innerhalb von 24 Stun­den das gewünschte Schnittmuster zu erheblich niedrigerem Preis.“ Ein solches Angebot ist für den Käufer,

zur Schau gestellten Schmerzes, son­dern lediglich nach der W«ln-Dauer. So kam es, daß eine 33jährige Mo­distin den Lorbeer des Sieges er­rang. Mit zwei Stunden und vier­undvierzig Minuten. Den Repor­tern, die sich um sie drängten, er­läuterte sie, warum bei ihr die Trä­nen schnell flössen. Sie habe viel Aerger mit den Kundinnen. Und außerdem zeige ihr Mann keiner­lei Verständnis für ihre Kleider­wünsche.

Ein Teil der Zuschauerinnen ver­trat die Ansicht, daß der erste Preis einem jungen Mädchen gebühre, das allerdings mit drei Minuten hinter der Rekordzeit zurückgeblie­ben war. Es hatte io herzzerreißend geweint, daß es einfach unmöglich sei, nicht mitzuweinen. Außerdem hätte es mehr Tränenflüssigkeit ab­gesondert. Der nächste Wettkampf soll nicht allein die Wein-Dauer, sondern die Quantität der Tränen, berücksichtigen. Nach Litern! np.

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Ihrem bezaubemsten Lächeln tauch­te sie eine halbe Stunde nach dem Königspaar in Ascot auf. In der Hofloge konnte man nichts tun, als resigniert die Schultern zucken.

Nun möchte Margaret, vom Ehe­glück der Schwester begeistert, gern heiraten. Ihr Auserwählter ist der Marquis of Blandford, ein Verwand­ter Churchills, 22 Jahre alt, Offizier der Leibgarde. Er hat leider einen Fehler: seine Größe. Sie reicht an zwei Meter heran. Aber mit diesem Wunsch stößt Margaret noch auf das harte Nein der Eltern. Sie sei noch zu jung für einen solchen Schritt Ein Gltyck, daß die Heirats­schmiede von Gretna Green nicht mehr existiert. Margarets Tempera­ment würde dazu ausreichen, eine Trauung über dem Ambos zu ^skie- ren. Aber da dieser Weg versperrt ist. muß sie bis zur Großjährigkeit warten. Es werden drei schwere Jahre sein! np

der keine strenge Geschäftsmoral hat. oft verlockend. Wenn das Ge­schäft perfekt wird, hat der fran­ zösische Finanzminister den Schaden, denn ihm gehen dadurch beträcht­liche Devisen verloren. Die „Reisen­den“ der zweiten Garnitur besuchen Schneiderinnen in der Provinz und bieten gestohlene Modelle an. Auch das ist ein einträgliches Geschäft.

Die großen Kleiderzauberer von der Seine tun alles, um ihre Phan­tasiefrüchte vor Spitzbuben zu schüt­zen. Eine Modellvorführung erfor­dert ähnliche Vorsichtsmaßregeln wie ein Ministerbesuch. Die Gäste werden gesiebt. Wer keine ausrei­chende Empfehlungen hat, bleibt draußen. Fotoapparat und' Skizzen­bücher sind streng verboten. Aber es gibt Gedächtniskünstler, die zu Hause die gesehenen Modelle bis auf den letzten Knopf und die kleinste Falte richtig nachzeichnen. Oft schickt ein „Chef“ auch einen „Kunden“ mit Mikrofotoapparat in die Modenschau. Dagegen kann der Atelisrbesitzer seine Modelle kaum schützen. (dpd)

In zahlreichen deutschen Gegen­den hat allenthalben der Karneval, ln Süddeutschland Fasching genannt, eingesetzt. Das ist die Zeit, in der sich sonst durchaus normale und ge­setzte Menschen in farbige Phanta­siekostüme hüllen, und dem Ueber- mut die Zügel schießen lassen. Für eine Nacht wird der Emst des Le­bens über Bord geworfen, und der Herr Direktor zwängt seinen Bauch in eine lederbefranste Trapperhose, während «seine tanzlustige Gattin mehr von ihren Beinen zeigt, als es dem „new look“ bisher recht war. Aber was trägt man in diesem Jahr auf den Festen der Ausgelassenheit? Wir haben eins an einige führende Kostümverleihfirmen in Köln und München , den beiden Hochburgen der maskierten Fröhlichkeit gewen­det, um diese „gewichtige“ Frage zu klären.

Als sich unsere Eltern in den Tru­bel des Unsinns stürzten, herrschten Pierrot und Pierette vor. Der Pierrot galt um die Jahrhundertwende sogar als Personifizierung des Karnevals. In diesem Jahr macht sich eine auf­fallende Vorliebe für fremdländische Trachten bemerkbar. Der Inhaber des größten süddeutschen Kostüm­verleihs berichtete uns, daß unter der jungen, tanzbesessenen Damen­welt geradezu ein Drang zur „Zigeu­nerin“ feststellbar ist. Während man sich in früherer Zeit einem wirkli­chen Mummenschanz hingab und grotesken Masken den Vorzug gab, sind heute Kostüme beliebt, von de­nen die Phantasie zwar aus dem Alltag entführt wird, die aber trotz­dem gefällig wirken und körperliche Vorzüge zur Geltung kommen lassen. Vielleicht ist es eine Reaktion auf die neue, stoffreiche Mode, daß die Damen unter dem Motto „Wenig Stoff“ ihre Masken-Auswahl treffen. Ein kurzes, kniefreies, möglichst noch kokett verschossenes Röckchen, ein knallfarbiges Brusttuch als Blus\ eine Blume im Haar und vielleicht noch eine im Mündchen — und fer­tig ist die „Carmen von 1949“.

Rheinische Kostümfirmen haben, den Vorbestellungen nach, eine statt­liche Anzahl junger und sich dafür haltende Damen als „Hawai-Mäd- chea“ auazuatafheren. Baströckchen

Manhattan-Cocktail

(Worüber man in New York lacht) Definition des New Look

Ein nicht bloß smarter, sondern anscheinend auch mit Esprit begab­ter Modehausbesitzer in der 14. Straße in New York , breitete eine Auswahl prächtiger Abendkleider in seinem Schaufenster aus und stellte ein Schild mit folgender Bekannt­machung dabei: .Diese wunderba­ren Kleider sind wie ein Zaun: sie schützen das Eigentum, aber sie ver­wehren nicht die Sicht. 1

Falsch verstanden

Ed Wynn , der bekannte Broadway- Schauspieler, erzählt von seinem ersten öffentlichen Auftreten, das in einem gasbeleuchteten Amüsierpark vor den Toren einer südlichen Stadt der Staaten stattfand. Der Applaus, meinte er, war nicht übermäßig, aber erfreulich beständig. In der Tat fiel ihm sogleich zu Beginn sei­nes Auftritts ein zerstreutes Hände­klatschen auf. Er verbeugte sich dan­kend. Das sporadische Klatschen aber riß nicht ab. Nach dem fünf­ten Bückling griff ihn der Direk­tor beim Kragen und schleppte ihn hinaus: „Sie applaudieren dir nicht, du Narr“, brummte er. „Sie klapsen Moskitos!“

Rednerpech

Die folgende Geschichte erzählte der Gouverneur Hunt von Wyoming gern von sich selbst: Er besuchte eines Tages das staatliche Zuchthaus. Als die Gefangenen sich zum Abendessen versammelten, bat ihn der Direktor unerwarteterweise, einige passende Worte zu ihnen za sprechen. Ohne recht nachzudenken, begann Hunt gewohnheitsmäßig: „Liebe Mitbürger!,,

Das Lächeln der Gestreiften erin­nerte ihn daran, daß ja allen bei ihrer Verurteilung die bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt worden wa­ren. Er setzte von neuem an: „Werte t*"-Z uchthäusler!“ Das wurde eben­falls nicht passend empfunden, wie er gleich merkte.

Hastig griff Hunt zu einer letz­ten Zuflucht: „Gott , Leute“, sagte er, „ich weiß zwar nicht recht wie Ich euch nennen soll. Aber ich bin auf jeden Fall erfreut euch so zahl­reich hier zu sehen.“ Da gab er es auf.

belasten den Textilmarkt nicht, doch werden es andere Erwägungen sein, die, keineswegs zum Unwillen der Herrenwelt, die Wahl der Schönen auf die Südsee-Mode fallen ließ. Im Rheinischen Karneval entlieh man sich früher viele Anregungen vom Frankreich des höflischen Glanzes, doch will heute kein Mädchen mehr in die umständliche Robe einer Ma­ dame Pompadour oder Recamier schlüpfen. Merkwürdigerweise

herrscht am Rhein rege Nachfrage nach der bayrischen Lederhose und dem Dirndlkleid, während ln Mün­ chen die bayrische Tracht als Fa­schingskostüm meist verpönt ist Und die Herren der Schöpfung? Welchen Masken geben sie als Rah­men Ihrer Ausflüge in die Tollheit den Vorzug? Köche, Steinträger, Ka­minkehrer und Apachen haben ab­gewirtschaftet Auch der braunge­schminkte Indianer Ist in der Ver­senkung verschwunden. Dagegen feiert in diesem Jahr der einfach durch einen weißen Turban charak­terisierte Maharadscha fröhliche Auferstehung. Doch auch Trapper und Mexikaner bevölkern die Ball­säle und vereinigen sich mit dem in der Politik und in der Kamevalszeit wieder in Mode gekommenen Spa­nier zu dem einträchtigen Wunsch, als einzige Weltregierung die des Prinzen Karneval anzuerkennen, top.

Der Bumerang

Zwei Vaudeville-Schaupieler, die in ihren guten und besten Jahren eine bunte, bergundtalbahnähnliche Karriere zusammen durchlebt und schließlich hinter sich gebracht hat­ten, trennten sich eines Tages und verloren sich aus den Augen.

Eines Abends aber trat der eine der beiden in ein etwas obskures Lokal auf der Ostseite von Manhat­ tan und erkannte in dessen Kellner seinen einstigen Kollegen. . Kaum zu glauben!“ spielte er den Er­schrockenen. aber — sozusagen aus altem Berufs-Ressentiment heraus — mit dem Unterem der Schaden­freude. „Du ... Kellner! ... H ; er!“

„Tja. s’is nu mal so“, entgegnete der Genome langer Jahre m ; t le:'cht maliziösem Verziehen der Mundwin­kel. „Aber ich esse nicht hier.“

Zum Weinen schön

Klageweiber mit „New look“ — Gut geweint' ist halb gewannen

Nur eine Nacht . . .

Modellräuber versuchten Modekünstler zu überrunden

Der Drang zur „Zigeunerin“

Was trägt man in diesem Karneval? — „Hawai-Mädchen“ sehr beliebt