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zahlen. Die unter dem Namen Reiſegelder laufenden Kriegsſteuern erhob er nach Willkür von den Unterthanen und achtete ſich Alles für recht, um die Rechte und Beſitzungen des Stiftes zu vergrößern!

Im Jahre 1523 raffte die Peſt auch dieſen kleinen geiſtlichen Tyrannen weg. Sein Nachfolger, Sebaſtian von Breitenſtein, in der Politik des Stiftes aufgewachſen, trat in die Fußſtapfen des Verſtorbenen, ungeachtet die Unzufriedenheit um ihn her immer größer, der Geiſt des gemeinen Mannes immer drohender wurde.

Es war in der Heuet 1524, die Gotteshausleute mäheten auf den Wieſen und des Abtes Sohn Pelagius ſpazierte an den Arbeitern vor⸗ über.Der Abt hat doch einen hübſchen, geraden Sohn, ſagte einer der Bauern, wie ſie ihm nachſahen.Wohl, verſetzte ein alter Mann, der vor ſiebzig Jahren in die Welt gekommen war und noch beſſere Zeiten geſehen hatte,es wäre ein hübſcher Junge, wär' er nicht der Sohn eines Mönchs. Der Abt erfuhr dieſe Rede, er ſandte ſeine Diener und ſie ſchleppten den alten ſiebzigjährigen Mann in den Kerker. Vier⸗ zehn Tage lang lag er darin, man hörte nicht darauf, daß er ſich zum Recht erbot, nach vierzehntägiger Mißhandlung wurde er auf das Schloß Wolkenberg hinaufgeführt und dort noch vier Wochen gefangen gehalten. Er erkrankte auf den Tod. Jetzt erſt entließ ihn der gnädige Herr, aber nur, nachdem er fünfzig Pfund Heller Strafe erlegt und Brief und Siegel von ſich gegeben hatte, ſich in den Thurm ſtellen und ſein Leben verwirkt haben zu wollen, wenn er des Abtes Sohn wieder einen Mönchsſohn ſchelte.

Von wie vielen größeren und kleineren geiſtlichen Herren könnte Aehnliches aktenmäßig nachgewieſen werden! Wenn der Abt zu Urſperg Bauern fand, die ſich ſeine widerrechtlichen Anſprüche nicht gefallen ließen, kerkerte er ſie ein. Als ſo ein Vater entwich, ließ er den Sohn greifen durch ſeine Söldner. Als andere Bauern mit dem Vater dieſen befreiten und mit ihm entwichen, zog er die Güter Aller ein,weil ſie ſich an Dienern des Gotteshauſes vergriffen. Es war ſchon viel für die miß⸗ handelten Bauern, wenn der eine oder der andere Herr, deſſen Beiſtand ſie anriefen, von dem Abte zu Urſperg verlangte, ſie nicht ungehört Rechtens zu ſtrafen. Auch die größeren geiſtlichen Herren waren um dieſe Zeit lauter Edelgeborene, und ſie dachten und handelten den Bauern gegenüber meiſt nicht ſehr verſchieden von dem weltlichen Adel.

Ein Bäuerlein hatte im Jahre 1494 in einem Bache, der dem Herrn von Eppſtein gehörte, einige Krebſe gefangen. Der Edelherr ließ ihn greifen und ſchickte nach Frankfurt hinein, um den Scharfrichter zu er⸗ bitten, damit er das Bäuerlein köpfe. Der Rath der freien Stadt meinte: Der Arme könne des Krebſens wegen den Rechten nach nicht hingerichtet