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gewärtig der Befehle, die der Kommandant von der Brücke aus geben wird. „Alle Maschinen Achtung, klar bei Leinen." Halt, will der Mann noch mit? Ein Werftarbeiter hat seine Arbeitskifte vergessen und muß im letzten Augenblick noch übersteigen. An derlei Störungen muß man sich gewöhnen! Nun werden die Leinen losgeworfen und unter Hilfeleistung von Werftschleppern setzt sich das Schiff zum erstenmal in Bewegung. Wir drehen aus der Werfteinfahrt und passieren mit langsamer Fahrt die Landungsbrücken des jenseitigen Hafenufers.
Während der Fahrt nach Danzig wird das ganze „lebende Werk" des Schiffes in Gang gesetzt und jedermann lernt seine Station kennen, die er bei „Klarschiff", d. h. im Gefechtszustand des Schiffes, bedienen soll. Ganz allmählich gewinnt man Zutrauen zu dem neuen Fahrzeug, das in den kommenden Wochen langsam aber stetig zum Kriegsschiff geformt werden soll.
Der erste Kommandant S.M.S. „Karlsruhe", Fregattenkapitän Lüdecke, hat das Schiff nur im Frieden geführt, kurz vor Kriegsbeginn gab er das Kommando an Fregattenkapitän Köhler ab, um selbst S. M. S. „Dresden" zu übernehmen, dessen wechselvolle Schicksale und tragisches Ende bekannt sind.
Wie Kapitän Köhler sein Schiff führte, werden die späteren Abschnitte meiner Aufzeichnungen zeigen. Er fand eine Besatzung aus einem Guß und wir einen Kommandanten, bei dem sich diplomatisches Geschick und Willenskraft mit weiser Zurückhaltung paarten. Dem glücklichen Zusammenwirken beider Teile hat das Schiff seine Erfolge zu verdanken.
Die „Karlsruhe" erwies sich bei den Erprobungen als tüchtiges Schiff. Unsere 28 Seemeilen Höchstgeschwindigkeit brachte uns ein halbes Jahr später die Bezeichnung „Rekordkreuzer der deutschen Marine", aus dem kompetenten