nur noch in Stein ausgeführten Häuſern, immer weiter ihre Fächer⸗arme ſtreckte.Die Einwohnerzahl Karlsruhes, welche kurz nach der Gründung,1717 insgeſamt 2000 betragen hatte, war in 50 Jahren erſt um eineinziges weiteres Tauſend gewachſen, als Karl Friedrich deutſche Dich⸗ter und Denker zum erſtenmal in der Stadt und am Hofe Einkehr hal⸗ten ſah. Der Markgraf und ſeine Gemahlin erſter Ehe, Caroline Luiſe,Prinzeſſin von Heſſen-Darmſtadt, hatten in dem Schloß zu Karlsruheeinen Sitz der Wiſſenſchaften und reiche Sammlungen auf künſtleri⸗ſchem und naturwiſſenſchaftlichem Gebiete geſchaffen, von wo aus mitden bedeutendſten Männern der Zeit Verbindungen beſtanden. Vor⸗nehmlich mit den großen Naturforſchern, wie Linse und den Ver⸗tretern der phyſiokratiſchen Lehre, d. i. der nationalökonomiſchenLehre von der Bedeutung des Bodens als einziger Quelle des Na⸗tionalwohlſtandes. Die namhaften Phyſiokraten, Graf Mirabeau,Sohnes, und der geiſtvolle Dupont weilten damals im KarlsruherSchloſſe. Und Duponts Anweſenheit im Jahre 1773 iſt es, der wir,an die Adreſſe des Franzoſen gerichtet, ein Bekenntnis Karl Fried⸗richs verdanken, das zugleich ſein Deutſchtum und ſeine eigenen dich⸗teriſchen Fähigkeiten bezeugt. Denn als Dupont den Markgrafenzu deſſen Geburtstag in einem franzöſiſchen Huldigungsgedicht beſang,antwortete der Markgraf mit deutſchen Verſen, in jenem freien Vers⸗maße, in das Klopſtock und die deutſchtümelnden Dichter des Hain⸗bunds ihre Begeiſterung goſſen:Wenn vaterländiſche TöneDurch den MundTugendhafter Fremdlinge erklingen,Gefühl der Menſchheit auszudrücken:So freut ſich mein teutſches Herz.Mit alten Barden⸗LiedernSangen Tuiscons SöhneVon Freiheit— mit teutſchem BlutZu teuer nicht erkauft.Wenn Teutſche Teutſchlands FreiheitKennen, ſchätzen, lieben,Wenn ſie Natur und Ordnung, Recht und Pflicht,Und Tugend mit FreiheitDer Weltbewohner teures Erbteil nennen,—Wenn fremde VölkerWie freie Teutſche denken:Dann iſt, wo Menſchen leben,Auch teutſches Vaterland;Dann iſt, wer Tugend liebt,Ein Sohn Germaniens;So darf den Menſchenfreund ich Teutſchennennen,So iſt Dupont ein Sohn Germaniens.“