ee denen er die ſchönſten Lieder ſeines Lebens ſang. Und oft iſt es darum wohl den Karlsruher Dichtern ſpäterer Tage, als ob von die⸗ ſen Träumen Goethes etwas in ihren Herzen, wie ein geheimnisvolles Echo, wiedertönt. Zu einem eigenartigen Erinnerungsfehler hat aber jener erſte Karlsruher Aufenthalt des Dichters Veranlaſſung gegeben. Goethe er⸗ zählt nämlich inWahrheit und Dichtung davon, wie er Klopſtock damals hier Szenen aus ſeinemFauſt vorgeleſen habe, an dem Goethe bekanntlich ſeit den Tagen der Jugend bis ins hohe Alter ſchuf. Und dieſe Erzählung Goethes hat Friedrich Pecht zu einem im Großh. Schloſſe befindlichen weit bekannt gewordenen Gemälde ver⸗ wertet, das zeigt, wie Goethe im Gartenſaal des Schloſſes vor der auserwählten Geſellſchaft jener Tage, darunter auch Klopſtock, Szenen ausFauſt vorlieſt. In Wirklichkeit war aber Klopſtock, wie wir wiſſen, damals gar nicht mehr in Karlsruhe, und jene Fauſtvor⸗ leſung hat deshalb auch nicht dort, ſondern in Goethes Hauſe zu Frankfurt, wo Klopſtock ihn beſuchte, ſtattgefunden. So iſt das Bilo im Großh. Schloſſe ein holder Trug, aber es beſitzt darum doch eine innere Wahrheit als Symbol der Schätzung, welche Markgraf Karl Friedrich der deutſchen Dichtung entgegenbrachte. Markgraf Karl Friedrich hatte inzwiſchen 1764 zur För⸗ deung des geiſtigen Lebens in ſeinem Lande dieGeſellſchaft der nützlichen Wiſſenſchaften zur Beförderung des gemeinſamen Beſten begründet, in der er ſelbſt den Vorſitz führte und in welcher manche Probleme des wirtſchaftlichen Lebens erörtert wurden. In den Karlsruher Beiträgen zu den ſchönen Wiſſenſchaften ſchuf er ein weiteres Organ zur Pflege der deutſchen Sprache und vaterländiſchen Dichtkunſt und wie er die Hiſtoriker Schöpflin und Sachs zu her⸗ vorragenden Werken über die heimiſche Geſchichte veranlaßte, ſo ſuchte er auch durch dieſe literariſche Zeitſchrift zu wirken. Indes war Karlsruhe dafür noch zu klein und ſo konnte ſie ſich nicht lange hal⸗ ten. Doch gab das dem Markgrafen u. a. die Verbindung mit dem Fabeldichter Gottlieb Konrad Pfefferle, der, in Mundingen bei Em⸗ mendingen geboren, in Colmar, obwohl früh erblindet, eine allge⸗ mein anerkannte militäriſche Erziehungsanſtalt leitete. Manche ſeiner Fabeln haben ſich in unſerer Literatur erhalten, aber auch von ſeinen erzählenden Gedichten ſind einzelne, wieDie Tabakspfeife, lebendig geblieben. Pfefferle dachte damals daran, ganz nach Karls⸗ ruhe überzuſiedeln, wenn des Markgrafen Gedanke, das Gym⸗ naſium zu einer Akademie auszubauen, verwirklicht worden wäre. Ein Gedanke, zu welchem der Markgraf auch von dem Dichter Wie⸗ land Rat und Vorſchläge einholte. Ein heute nur noch wenig bekannter Dichter, der Idyllenſchreiber Salomon Geßner, deſſen gefühlvolle Naturſchilderungen in der Zeit der Sentimentalität großen Eindruck auf die weich geſtimmten und für zarte Anmut leicht empfängliche Herzen machten, kam von Zürich aus ebenfalls zum Beſuche nach Karlsruhe es war im Jahre des Herder'ſchen Aufenthalts und fand ſich ſehr gefeiert. Ein andeter Züricher hat dem Markgrafen Friedrich ein Viertel⸗ jahrhundert lang wie der Vertraute ſeiner Seele nahe geſtanden: