Lebens. Damals berief er den Volksſchriftſteller und GottesmannJung⸗Stilling, der es vom Köhlerbub bis zum Hauslehrer, dannzum berühmten Augenarzt, zum Profeſſor der Landwirtſchaftskundeund endlich der Oekonomie-, Finanz⸗ und Kameralwiſſenſchaft ge⸗bracht hatte, unter dem Titel und der guten Beſoldung eines Geheim⸗rats in ſein Land. Es trieb ihn, auf ſolche Weiſe Jung⸗Stilling dieMöglichkeit zu geben, frei von Tagesſorgen, lediglich als Volks⸗ſchriftſteller und Förderer der Religion und des praktiſchen Chri⸗ſtentums, wie die Beſtallung lautete, zu wirken. Jung⸗Stilling, derſich erſt in Heidelberg niederließ, ſiedelte bald ganz nach Karlsruheüber und ſtand fortab im intimſten Verkehr mit dem greiſen Fürſten,dem er unentbehrlich geworden war. Als Schriftſteller hat Jung⸗Stilling mit der heute noch leſenswerten Geſchichte ſeiner Jugendſein Beſtes geſchrieben. In allen anderen Werken überragt ſeineMyſtik, neben der zugleich ein Gottvertrauen zum Ausdruck kommt,das die eigene Perſon gleichſam als den Mittelpunkt aller Hand⸗lungen Gottes anſieht. Und in der Tat, obwohl er von den Dingen,die er beruflich trieb, nicht allzuviel verſtand und ſich immer wiedermit laſtenden Lebensſorgen herumſchlagen mußte, ſo kam er dochſchließlich überall noch immer gut davon, bis dem unſtäten KarlFriedrich ein ſorgenlos Alter ſchuf. Auch Jung⸗Stilling hatte einſtzu dem ſonnigen Kreiſe gehört, der auf der Straßburger UniverſitätHerder und Goethe umfaßte, jetzt vergrub ſich ſein alternder Sinnimmer mehr in faſt abergläubiſche Vorſtellungen, ſo daß ſein Buch„Theorie der Geiſterkunde“ in mehreren Staaten verboten wurde.Aber wie wir bei der Erinnerung an Karl Friedrich nicht des krankenGreiſes der letzten Lebensjahre gedenken, ſondern des tatkräftigen,vom Glauben an den Fortſchritt alles Guten und Tüchtigen getragenenFürſten, ſo ſollen auch beim Gedächtnis Jung⸗Stillings deſſenSchlacken abfallen und nur das köſtliche Bild des naiven, glaubens⸗frohen Volksſchriftſtellers uns begleiten, von dem kein Geringerer, alsFreiligrath, ſang:„Als Knabe ſchon von Berg- und HüttenmännernHab ich entzückt ein kleines Buch geleſen,Es führte mich zu ſchlichten KohlenbrennernUnd iſt ein herzigs kleines Buch geweſen,Ein rechter Spiegel alter Bauerntugend,Mit Namen hieß es: Heinrich Stillings Jugend.Das war die erſte deutſche Dorfgeſchichte!Die hat mit Lied, mit Märchen und mit Sage,Die hat in Einfalt und in eitler Schlichte,Das Gold im Volke treu geſchürft zu Tage.“Von Jung⸗Stillings Wohnung in Karlsruhe kedet an dem kleinenHauſe, Waldſtraße 10 a, nahe dem Cafs Hildebrandt, die Gedächtnis⸗tafel, von ſeiner letzten Ruheſtätte, wo er 1817 eingebettet wurde, derDenkſtein an der Kapelle des alten Friedhofs in Karlsruhe.**Zwei Jahre vor Jung⸗Stillings Tode beſuchte Goethe noch einmalden alten Freund ſeiner Jugend. Aber es litt ihn nicht allzulange