in deſſen Myſtik und viel wohler fühlte er ſich bei einem Manne, inwelchem zum erſten Male die badiſche Literatur ſelbſt ihr Haupt er⸗hob und der als Volksſchriftſteller den Ruhm Jung⸗Schillings weitüberdauern ſollte, bei Johann Peter Hebel. Das Leben dieſes präch⸗tigen Volksdichters und ſein Wirken als alemanniſcher Liederdichter,wie als Verfaſſer der Erzählungen, Schwänke und Schnurren des„Rheiniſchen Hausfreunds“, und des„Schatztäſtleins“, wird denKarlsruhern durch die alljährliche Gedächtnisfeier am Vorabend ſeinesGeburtstages(10. Mai 1760) immer wieder neu erweckt. Und lebendigſchreitet er deshalb gleichſam immer noch unter uns, dieſer Dichter,den in der Reſidenz⸗ und Hofſtadt das Heimweh zum Sänger desbadiſchen Oberlandes werden ließ, der in ſeiner Natur⸗ und Menſchen⸗ſchilderung ſo echt und wahr und klar iſt, daß ſeine Dichtung über dieengen Dialektgrenzen hinaus ſich die Herzen der Deutſchen eroberte.Das haben vor 100 Jahren ſchon die erſten deutſchen Dichter, Goethevoran, ihm bekundet.Wir ſehen ihn dann wohl vor uns, dieſen ſelben Dichter Hebel,zu der Zeit, als ihn noch nicht die feierliche Würde eines Prälatender evangeliſchen Kirche krönte, und er noch„einfacher“ Kirchenratund Direktor des Lyceums war, deſſen friedliches Haus neben derevangeliſchen Stadttirche jetzt die Spuren heimtückiſcher feindlicherFliegerbomben aufweiſt. Wir ſehen ihn, wie er dazumal mit ſeinenFreunden, die unvermeidliche lange Pfeife zur Hand, in dem ehemalsauf der jetzigen Kaiſerſtraße, neben der kleinen Kirche, befindlichenDrechslerſchen Kaffeehaus ſitzt und ſie gegenſeitig ſich mit luſtigen undſeltſamen Erzählungen und dem Raten ſelbſtgedichteter Reimrätſelvergnügen. Wovon dann das Erträgnis im Rheiniſchen Hausfreundliterariſch verarbeitet erſchien.Auch der berühmte Homer Ueberſetzer und viel gefeierteDichter der„Luiſe“ und anderer lieblicher Idyllen, der alte JohannHeinrich Voß, der 1804 nach Karlsruhe gekommen, um ſeinen beidem Architekten Weinbrenner arbeitenden Sohn zu beſuchen, fühlteſich bald in dem Drechslerſchen Kaffeehaus heimiſch. Ihm, dem inganz Deutſchland verehrten Dichter Voß, wurden damals von allenSeiten herzliche Ehrungen dargebracht und ein Kranz von Myrthenund Lorbeer ward ihm in Karlsruhe feierlichſt überreicht. Aber mehrals dies alles galt dem wackeren Voß das Zuſammenſein mit Hebel,bei der gemütlichen Pfeife im traulichen Freundeskreis des Drechsler⸗ſchen Kaffeehauſes. Ein Jahr darauf wußte der Markgraf dann Voßdurch eine Berufung nach Heidelberg völlig an Baden zu feſſeln undſeinen Freunden dort näher zu bringen.***Mit der Erwähnung Hebels erreicht die Schilderung des Dichter⸗lebens im alten Karlsruhe Karl Friedrichs und an ſeinem„Muſen⸗hofe“ ihr Ende. Schon gleitet die abſchließende WirkſamkeitHebels als Prälat und Mitglied der Erſten Kammer in eineneue Epoche über, in der nicht nur die innerpolitiſche Ge—ſtaltung des Landes, ſondern auch die innere und äußereGeſtaltung von Karlsruhe als Hauptſtadt des neuen Groß⸗