1herzogtums große Umwandlungen erfährt. Schon iſt der Zimmer⸗meiſters-Sohn Weinbrenner, der geniale Wiedererwecker und Um⸗deuter antiker Formen, daran, durch ſeine architektoniſch bedeutſamenGebäude der evangel. Stadtkirche, des Rathauſes und der ſich an⸗gliedernden Bauten dem an Stelle des Friedhofes erſtellten Markt⸗platz der Stadt ſein charakteriſtiſches Gepräge zu geben und in demBau der Kathol. Stadtkirche, des Muſeums, der Münze, der Gebäudedes Rondellplatzes und anderer ſeine Künſtlergedanken zur Verſchö—nerung des Stadtbildes in Stein umzuſetzen.Anderſeits hat durch das Auftreten der alten Karlsruher Be⸗ſucher, Herder, Klopſtock und Goethe in der deutſchen Literatur dasNationalgefühl einen neuen Schwung erhalten. Und wenn zur Zeitdes Höhepunktes der napoleoniſchen Herrſchaft noch Hebels„Rheini⸗ſcher Hausfreund“ es vorſichtig mit der ſiegreichen Partei hielt, jaſogar es nicht unterlaſſen konnte, Andreas Hofers Heldentum zu be⸗ſpötteln, ſo iſt jetzt eine Zeit angebrochen, in welcher in unſeremVolk deutſche Vaterlandsliebe und Vaterlandsfreude alles, auch dielange gebotene Vorſicht der Fürſten, überwiegt.In dem Hauſe Nr. 10 der Erbprinzenſtraße hatte noch imTodesjahre Karl Friedrichs eine der lauterſten Dichtergeſtaltenfür einige Jahre Wohnung genommen, ein Poet, in deſſen Seele ſichdieſe neue Zeit in ihrer Schwärmerei und in ihrer Kraft, in ihrerweichen, verſchwimmenden Gefühlsſeligkeit und in ihrer kühnenEntſchloſſenheit, in ihrem romantiſchen Sichverlieren an den Zauberder Vergangenheit und ihrem mutig⸗frohen Blick in die Zukunft gleichſtark geltend machte: Max v. Schenkendorf. Hier ſchloß der Dichterden Ehebund mit ſeiner Braut, hier freute er ſich in religiöſer Ver⸗tiefung des Umganges mit Jung⸗Stilling und anderen ſeiner Freund⸗ſchaft— die bekannte Frau v. Krüdener nicht zu vergeſſen— hierdichtete er das ſtimmungsvolle Lied auf das„Kirchlein zu Rüppurr“das mit den Worten beginnt:Liebes Kirchlein an der Straßen,Wer Dich einſam hier erbaut,Hat in Sehnſucht ohne Maßen,Hat gleich mir hinausgeſchaut!Und dieſe ſeine Sehnſucht, ſie galt der Erneuerung des zuſam⸗mengebrochenen alten Kaiſerreichs, die er erhoffte, an die er glaubte,er, der Kaiſerherold, wie ihn Friedrich Rückert nennt. Und dieſeſeine Sehnſucht galt der deutſchen Freiheit, der Abſchüttelung fremderKetten. Nicht umſonſt ruft er in ſeinem Soldaten⸗Morgenlied:hebt Euch von der Erde— Ihr Schläfer aus der Ruh“l, und in ernſtenTönen erklingt ſein erhabenes Lied auf die Freiheit:„Freiheit, die ich meine,Die mein Herz erfüllt!“Während im deutſchen Norden der geniale Heinrich von Kleiſt,niedergedrückt von den beſtehenden politiſchen Zuſtänden nicht min⸗der, wie von ſeiner eigenen Veranlagung, am Vaterland und anſeinem Leben verzweifelt, hebt in Karlsruhe Schenkendovrf auch nach„