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bereits am 20. erhielten wir den telegraphischen Befehl, be­schleunigt die Weiterreise anzutreten, um die in den mexikanischen Gewässern stationierteDresden" abzulösen!

Die Überfahrt mit hoher Marschgeschwindigkeit stellte erhebliche Anforderungen an die Besatzung. Außer dem Ma­schinenpersonal mußte mehr als die Hälfte der Matrosen zum Kohlentrimmen in die Bunker kommandiert werden, da infolge der Verteilung der Kohle- und Ölkessel im Schiss, die in den Schutzbunkern der letzteren verstauten Kohlen teil­weise sehr weit getrimmt werden mußten, um vor die Feuer zu gelangen. Das Arbeiten in tropischer Hitze war den Leuten noch ungewohnt und strengte sie, bei dem Fehlen jeglicher Ventilation in den dumpfigen Bunkern, erheblich an. Wir waren wohl alle froh, als nach endlosen zehn Tagen die Westindischen Inseln und mit ihnen unser Stationsbereich in Sicht kamen.

Am 1. Juli ankerten wir in dem dänischen Hafen St. Thomas, wo wir an der Kohlenpier der Hamburg- Amerika-Linie festmachten. Auch hier war wie in Ponta Delgada Kohlenauffüllen die erste Aufgabe, doch wurde uns die Hauptarbeit von Negern Männlein und Weiblein abgenommen, die hier, zum Unterschied von amerikanischen Kolonien, noch als billige und willige Arbeitskräfte zu haben sind. Die Kohlen werden in kleinen Körben an Land gefüllt und im Laufschritt über Stellings an Bord getragen, die Träger beim Passieren des Fallreeps mit einer Kupfermünze entlohnt. Mein Versuch, das Tempo durch Spielen eines amerikanischen Marsches der Bordkapelle zu beschleunigen, hatte den unbeabsichtigten Erfolg, daß die ganze Gesellschaft postwendend ihre Körbe in Stich ließ und anfing calle- vealk zu tanzen. Ähnliches habe ich ein Jahr später aus der Regensburg" bei den Fronarbeiterinnen im Holzhafen von Libau erlebt.