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In St. Thomas sahen wir zum erstenmal westindische Negerkultur. Das Land ist nicht sehr reich, doch liefern die zahlreichen fruchttragenden Bäume auch dem Faulsten genug zum Leben. Ein eigenartiger Menschenschlag sind eingeborene Hugenotten, die sich bei den Vulkanausbrüchen auf den französischen Antillen hierher geflüchtet haben mögen, Weiße, die aber vollkommen wie Neger leben, ohne sich jedoch mit diesen zu mischen. Die allgemeine Landessprache ist amerikanisches Kauderwälsch.
In St. Thomas erreichte uns die telegraphische Nachricht von der Ermordung des österreichischen Thronfolgerpaares, kommende Ereignisse warfen ihre Schatten voraus. Als wir die vorgeschriebene Marinetrauer anlegten, hatte ich das Gefühl, daß wir bald mehr hören müßten, die unerhörte Freveltat konnte nicht ungerächt bleiben. Daß uns keine Zeitungen erreichten, die Einzelheiten brachten und einen Ausblick in die Zukunft ermöglichten, mochte freilich dazu beitragen, daß das Ereignis allmählich vergessen wurde. Im übrigen war im Land unserer Bestimmung, Mexiko, genug los, um unsere Gedanken zunächst dahin zu richten.
Unser nächster Hafen war Kingston auf Jamaika, ein Platz, der in der Anlage seines Hafens, der Stadt und der Landstraßen sofort die großzügige englische Kolonisation verrät. Anwesend war der englische Panzerkreuzer „Berwik". Der offizielle Besuchsaustausch führte, wie das früher immer zu sein pflegte, zu angeregtem Verkehr mit den englischen Offizieren. Ich selbst hatte mich mit dem 2. Arzt des Schiffes angefreundet, der mich auch bei Bekannten an Land, der reizenden Familie eines Offiziers der schottischen Jäger, einführte. Wir machten zusammen Einkäufe, was auch die englischen Damen ganz besonders gern mögen, und aßen nachher im reizend gelegenen Murtle Bank-Hotel, umrauscht von mächtigen Palmen. Die Messe hatte an einem Abend die Ein-